Schweden (Riksdag)

[Wahlsysteme im Ausland]

Wahlsystem

Besonderheiten

Abgeordnetenzahl

Das schwedische Parlament besteht aus insgesamt 349 Mitgliedern. Davon werden 310 Sitze in Mehrpersonenwahlkreisen verteilt.

Wahlperiode

Die Legislaturperiode beträgt vier Jahre. Reguläre Wahlen finden jeweils am dritten Sonntag im September statt.

Aktives und passives Wahlrecht

Wahlberechtigt ist jeder schwedische Staatsangehörige, der das 18. Lebensjahr vollendet hat und in Schweden wohnt.

Einteilung des Wahlgebietes

Das Wahlgebiet Schweden ist in 29 Wahlkreise eingeteilt. Die 310 Wahlkreissitze (permanent seats) werden entsprechend der Wahlberechtigten auf die Wahlkreise verteilt (derzeit zwischen 2 [Gotland] und 36 Sitzen [Stockholm] pro Wahlkreis). Die Wahlkreise entsprechen in der Regel den Provinzen.

Stimmenzahl

Jeder Wahlberechtigte hat eine Stimme für eine Partei im Mehrpersonenwahlkreis mit der Möglichkeit, auch einem Kandidaten dieser Partei eine Stimme zu geben.

Sperrklausel

Parteien, die im Verhältnisausgleich Sitze (adjustment seats) erhalten wollen, müssen mindestens vier Prozent der Stimmen erhalten.

Eine Partei, die landesweit weniger als 4% der Stimmen erhalten hat, kann in den Wahlkreisen Sitze erhalten, in denen sie mindeststens 12% der Stimmen erhalten hat. Die 12%/4% Regelung findet sich nur in der Verfassung (Ch.3, Art.7), nicht im Wahlgesetz.

Sitzzuteilungsverfahren

Die Mandate werden landesweit nach der Skandinavische Methode an die Parteien verteilt, die die 4 %-Hürde überwunden haben (faktisch Sainte-Laguë, da eine Partei mit 4 % der Stimmen auf jeden Fall auch mindestens einen Sitz erhält).

Auch die Verteilung der Mandate der Mehrpersonenwahlkreise erfolgt nach der (Skandinavischen oder ausgeglichene Methode) einem modifizierten Divisorverfahren mit Standardrundung.
Die Unterverteilung der Stimmen einer Partei auf die Regionen erfolgt nach dem Divisorverfahren mit Standardrundung (Sainte-Laguë).

Sitzverteilung

Von den 349 Sitzen, sind 310 Direktmandate (permanent seats), die restlichen 39 Sitze sind Kompensationssitze (adjustment seats).

Schritt 1: Zuerst werden in den Mehrpersonenwahlkreisen die Direktmandate an die Parteien verteilt. Dazu wird eine Modifikation des Divisorverfahren mit Standardrundung (Sainte-Laguë) mit der Divisorfolge 1,4 – 3 – 5 – 7 benutzt (Skandinavische oder ausgeglichene Methode) benutzt. Sitze im Wahlkreis können nur diejenigen Parteien erhalten, die im Wahlkreis 12% oder landesweit mindestens 4% der Stimmen erhalten haben.

Schritt 2: Danach wird geprüft, welche Parteien die 4 %-Sperrklauseln überwunden haben.

Schritt 3: Dann werden die 39 Kompensationssitze Sitze (adjustment seats) unter Anrechnung der schon zugeteilten Direktmandate nach der Skandinavische Methode an die Parteien verteilt, die die Sperrklauseln überwunden haben (faktisch Sainte-Laguë).

Sollten Parteien dabei mehr Direktmandate erhalten haben, als ihnen nach dieser Berechnung insgesamt zustehen, verbleiben diesen Parteien diese Überhangmandate. Die weitere Berechnung erfolgt ohne die Stimmen und Sitze der überhängenden Parteien und ohne die Stimmen und Sitze von Parteien, die keine 4 % aller Stimmen erhalten haben.

Schritt 4: Die Sitze einer Partei werden nach dem Divisorverfahren mit Standardrundung (Sainte-Laguë) an die Wahlkreislisten unterverteilt, wobei schon zugeteilte Direktmandate angerechnet werden.

Schritt 5: Die Sitze einer Partei im Wahlkreis gehen zuerst an die Bewerber, welche am meisten Stimmen erhalten haben, aber mehr als 8 % der Stimmen für diese Partei im Wahlkreis. Die anderen Sitze gehen an die Kandidaten in Listenreihenfolge.

Überhangmandate

Erhält eine Partei in den Wahlkreisen mehr Sitze, als ihr nach der Oberverteilung landesweit zustehen, so werden die Stimmen und Sitze der Partei bei der weiteren Sitzverteilung nicht berücksichtigt, die anderen Parteien erhalten entsprechend weniger Sitze.


von Martin Fehndrich und Matthias Cantow (12.03.2007, letzte Aktualisierung: 26.06.2010 – Stand des Wahlrechts: 29.09.2006)