Themen Themen Profil Profil Hilfe/Anleitungen Hilfe Teilnehmerliste Teilnehmerliste [Wahlrecht.de Startseite]
Suche Letzte 1|3|7 Tage Suche Suche Verzeichnis Verzeichnis  

Archiv bis 18. September 2010

Wahlrecht.de Forum » Tagesgeschehen » Wahlen, Abstimmungen usw. im europäischen Ausland » Schweden – Parlamentswahl in Schweden » Archiv bis 18. September 2010 « Zurück Weiter »

Autor Beitrag
 Link zu diesem Beitrag

Mitdenker (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Freitag, 22. September 2006 - 19:31 Uhr:   

Bei der Parlamentswahl in Schweden ist das Rechtsbündnis um Fredrik Reinfeld als Sieger hervor gegangen. Es gewann mit 48,1 % der Stimmen gegenüber Göran Persson Linksbündnis mit 46,2 % der Stimmen. Er hatte die sonst dauernd zerstrittene Rechte in Schweden geeinigt. In krassen Gegensatz dazu hat er sich inhaltlich der Linken angenähert.

Das Ergebnis ist von Links nach Rechts sortiert, um eine Bessere Übersicht zu schaffen.

VP 05,8 % 022 Sitze Sozialisten
SAP 35,2 % 130 Sitze Sozialdemokraten
MP 05,2 % 019 Sitze Grüne

X 05,7 % 000 Sitze Andere

FP 07,5 % 028 Sitze Liberale
KD 06,6 % 024 Sitze Christdemokraten
M 26,1 % 097 Sitze (Liberal-) Konservative
C 07,9 % 029 Sitze (Liberal-) Agrarier
 Link zu diesem Beitrag

Thomas Frings
Veröffentlicht am Samstag, 23. September 2006 - 11:03 Uhr:   

Nach der Schlußauszählung haben sich die Stimmenanteile leicht verschoben, die Mandatszahlen sind aber gleich geblieben. Die rechtsradikalen Schwedendemokraten bekamen 2,9%.

Eines hat Reinfeldt eindeutig besser gemacht als Merkel, die ja schön vorgemacht hat, wie man eine bürgerliche Wende nicht schafft: Er versprach Steuersenkungen. Daß er weniger antiwohlfahrtsstaatliche Rhetorik pflegte, dürfte wohl vor allem taktische Gründe haben. Eine absolute Mehrheit für die Moderaten wird es wohl nie geben.

Interessant auch, daß es in Deutschland den zweithöchsten Anteil an Linkswählern europaweit gibt (51,1%)- nur in Portugal ist der Anteil höher.
 Link zu diesem Beitrag

P Fenech (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Sonntag, 24. September 2006 - 00:07 Uhr:   

"Interessant auch, daß es in Deutschland den zweithöchsten Anteil an Linkswählern europaweit gibt (51,1%)- nur in Portugal ist der Anteil höher."

Da hat sich durch die Wiedervereinigung/Wende wohl einiges verändert,
vom klassischen CDU-Land-
die SPD konnte ja früher nur mit bürgerlicher Hilfe (FDP) Regieren- zur strukturellen linken Mehrheit.
 Link zu diesem Beitrag

Thomas Frings
Veröffentlicht am Montag, 25. September 2006 - 08:20 Uhr:   

"zur strukturellen linken Mehrheit."

Das befürchte ich auch spätestens seit der BTW 2002. Letztes Jahr gab es nicht einmal im Westen eine schwarz-gelbe Mehrheit. Die Wiedervereinigung hat einen vorhandenen Trend nur verstärkt. Aber die zunehmende Volatilität des Wahlverhaltens kann auch weiterhin für bürgerliche Mehrheiten sorgen.

In Spanien gibt es übrigens auch mehr Linkswähler als in Deutschland - abgesehen von der iberischen Halbinsel ist Deutschland aber Spitzenreiter.
 Link zu diesem Beitrag

Mitdenker (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Donnerstag, 28. September 2006 - 21:34 Uhr:   

Laut der Internetseite des Weltspiegels werden die Reinfelds manchmal die "Kennedys von Schweden" genannt. Sie leben in einem gutbürgerlichen Viertel in Täby nahe Stockholm. Fredrik wird nun Regierungschef. Filippa ist als Bürgermeisterin von Täby wiedergewählt worden.
 Link zu diesem Beitrag

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 26. Juni 2010 - 13:57 Uhr:   

Nachdem lange Zeit das linke Lager deutlich in Führung lag in den Umfragen, sieht es jetzt für das Regierungslager wieder wesentlich besser aus und die Konservativen könnten bei der Wahl am 19.9. sogar erstmals seit 1914 stimmenstärkste Partei werden.
http://sv.wikipedia.org/wiki/Riksdagsvalet_i_Sverige_2010

Da es diesmal mehrere Parteien nur relativ knapp über 4% geben könnte, könnte es erstmals in größerer Zahl zu Überhangmandaten kommen. Bisher gab es nur 1988 ein einziges. Diesmal könnten Sozialdemokraten und Konservative welche kriegen, wobei das bei den Sozialdemokraten wahrscheinlicher ist aufgrund der geographischen Verteilung der Wähler. Da Überhangmandate auf Kosten der anderen Parteien gehen (und nicht die Gesamtzahl der Sitze erhöhen), können drei Überhangmandate durchaus wahlentscheidend sein.

Beschreibung des Wahlrechts:
http://www.wahlrecht.de/ausland/schweden.html

Falsch ist dort übrigens dargestellt, dass Parteien, die die Sperrklausel nicht schaffen, Sitze im Wahlkreis bekommen könnten. Das geht nicht.
 Link zu diesem Beitrag

Martin Fehndrich
Moderator
Veröffentlicht am Samstag, 26. Juni 2010 - 16:28 Uhr:   

@Thomas
Kennst Du eine bessere Quelle als das Wahlgesetz (Ch. 14)?

http://www.val.se/pdf/2005_elections_act.pdf

Ich lese das so, daß zuerst die Sitze im Wahlkreis verteilt werden und dann die adjustment seats um den Landesproporz herzustellen. Section 5 letzter Satz lese ich so, daß Parteien unter 4% dabei nicht mehr berücksichtigt werden.

Das widerspricht allerdings bisherigen Wahlergebnissen und einigen Onlinebroschüren.
 Link zu diesem Beitrag

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 26. Juni 2010 - 17:23 Uhr:   

@Martin
Im Gesetz steht:
The permanent constituency seats shall for each constituency be distributed proportionally between the parties that may participate in the distribution.

Die entscheidende Frage ist natürlich, was mit "teilnehmen darf" genau gemeint ist. Das geht aus dem Text nicht hervor. Eine miserabel formulierte Regelung, aber offensichtlich sind 4% landesweit gemeint.

"Das widerspricht allerdings bisherigen Wahlergebnissen und einigen Onlinebroschüren."
Bis einschließlich 2002 gab es ja noch die 12%-Hürde auf Wahlkreisebene, in dem Kontext ist wohl auch der Satz zu sehen: This also applies for a party and the seats that the party obtained, if it obtained less than 4 per cent of the votes in Sweden. Diese 12%-Hürde hat nie eine Partei mit weniger als 4% landesweit geschafft. 2006 aber hätten die "Schwedendemokraten" in drei Wahlkreisen jeweils einen Sitz, bekommen (Stockholms län, Skåne läns västra, Skåne läns södra), wenn auf Wahlkreisebene alle an der Sitzverteilung hätten teilnehmen dürfen.
 Link zu diesem Beitrag

Ratinger Linke
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 27. Juni 2010 - 01:29 Uhr:   

Ist es überhaupt richtig, dass die 12%-Hürde nicht mehr existiert? Wenn die Versionen, die ich gefunden hab (inklusiv der schwedischen beim Reichstag), nicht alle veraltet sind, steht sie nachwievor in der Verfassung (die überhaupt ziemlich viele Details regelt und insbesondere bestimmt, wer an der Verteilung teilnimmt).

In der schwedischen Wikipedia stehen die 12% unter Fyraprocentsspärr auch drin, und der Artikel existiert erst seit 2007. In Grundlagsutredningen scheint eine diskutierte Verfassungsreform dazu beschrieben zu sein, aber Google übersetzt zu schlecht, als dass ich zuverlässig einen Inhalt daraus extrahieren könnte.

"Seats that the party obtained" wäre völlig sinnlos, wenn gerade die beschriebenen Parteien niemals einen Sitz erhalten könnten. Das steht zwar auch im alten Wahlgesetz, aber das ist ja so weitgehend umgestaltet worden, dass das wohl kaum grundlos überlebt hätte.

Neuerdings ist übrigens zumindest geplant, die 8%-Hürde für Personenstimmen auf 5% zu senken.

Die Sitzvergabe an konkrete Personen erfolgt darüber hinaus nicht nach "Listenreihenfolge", sondern nach einem Verfahren, das mir jetzt zu komplex war, um es zu durchschauen. Mir ist schon nicht klar, ob es überhaupt eine feste Listenreihenfolge gibt, oder ob nicht verschiedene Stimmzettel im Umlauf sind. Jedenfalls scheinen nach Parteien getrennte Stimmzettel verwendet zu werden (Kleinstparteien müssen sie selber bezahlen), und es gibt wohl auch Blankostimmzettel.
 Link zu diesem Beitrag

Ratinger Linke
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 27. Juni 2010 - 06:17 Uhr:   

Mit Aussagen zum Überhang wär ich übrigens vorsichtig. Generell hängt bei diesem Wahlsystem am ehesten die kleinste Partei über, die nicht mehr systematisch abgerundet wird (weil sie in den kleinen Wahlkreisen zu klein ist). Das könnten den Umfragen nach durchaus die Grünen sein. Nach simpler Modellrechnung (Gewinne bzw. Verluste laut Durchschnitt der 4 Juniumfragen proportional zum Landesschnitt, keine neue oder rausfallende Partei) sind die Grünen nur in 2 Wahlkreisen chancenlos. Selbst im auf 4 Sitze verkleinerten Jämtland könnten sie mit etwas Glück bei 11-12 Prozent einen Sitz bekommen, da dort der letzte Sitz vermutlich zwischen 4 Parteien sehr knapp sein wird.

Strukturell nach Idealansprüchen (wegen Wahlbeteiligung, verlorenen Stimmen und Wahlkreisungleichheiten) waren 2006 auch die Grünen am überhanggefährdetsten, das Zentrum am wenigsten und die Moderaten stärker als die Sozialdemokraten. Die Unterschiede sind aber ziemlich klein. Letztlich sind vor allem Rundungszufälle entscheidend, die nicht im Rahmen des Vorhersagbaren liegen.

Nach der Modellrechnung hätten Moderate und Sozialdemokraten noch je 2 Ausgleichsmandate bekommen, die Grünen 3, das Zentrum (das bei etwas besserem Ergebnis grundsätzlich auch überhanganfällig ist, weil es in den kleinen Wahlkreisen eher stark ist) 6. Das kann sich allerdings leicht ändern, wenn die Nationalisten über 4% kommen, weil die vermutlich auch stärkeren Ausgleichsbedarf haben. Durchaus möglich, dass dann mehrere Parteien überhängen (was im Wahlgesetz ungeregelt ist, wenn der Überhang der einen Partei erst den Überhang bei einer anderen verursacht; bei Divisorverfahren ist das vernünftige Vorgehen aber naheliegend). Dass nur eine einzelne Partei mehrere Überhangmandate bekommt, ist im Verhältnis dazu ziemlich unwahrscheinlich.

Die Wahlkreise werden übrigens nach Hare/Niemeyer und nach Wahlberechtigten (nicht nach Bevölkerung) verteilt.

2006: http://www.val.se/val/val2006/mandatstat/mandfstat_r.html
2010: http://www.val.se/val/val2010/statistik/R/rike/fastamandat.csv
Entwicklung: http://www.val.se/val/val2010/statistik/valkretsmandat_r_1988_2010.pdf

Komplette Wahlergebnisse hab ich nicht in übersichtlicher Form gefunden, aber hier gibt es zumindest die Prozentzahlen: http://www.scb.se/statistik/ME/ME0104/2006A01A/tab%206%20tidservalkrut%20sv.xls
 Link zu diesem Beitrag

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 27. Juni 2010 - 12:17 Uhr:   

"Ist es überhaupt richtig, dass die 12%-Hürde nicht mehr existiert? Wenn die Versionen, die ich gefunden hab (inklusiv der schwedischen beim Reichstag), nicht alle veraltet sind, steht sie nachwievor in der Verfassung (die überhaupt ziemlich viele Details regelt und insbesondere bestimmt, wer an der Verteilung teilnimmt)."
Stimmt, auch im schwedischen Original ist die 12%-Hürde noch drin. Damit ist dann aber auch klar, dass man mit Stimmenanteil unter einer der beiden Sperrklauseln keinen Sitz kriegen kann.


"Die Sitzvergabe an konkrete Personen erfolgt darüber hinaus nicht nach "Listenreihenfolge", sondern nach einem Verfahren, das mir jetzt zu komplex war, um es zu durchschauen. Mir ist schon nicht klar, ob es überhaupt eine feste Listenreihenfolge gibt,"
Doch, die gibt es. Aber, es können mehrere Wahlzettel derselben Partei im gleichen Wahlkreis existieren. In Schweden wird der Wahlzettel einer Partei in einen Umschlag gelegt (ähnlich wie in Frankreich).
http://www.val.se/val/val2010/valsedlar/R/rike/valsedlar.html

"Mit Aussagen zum Überhang wär ich übrigens vorsichtig. Generell hängt bei diesem Wahlsystem am ehesten die kleinste Partei über, die nicht mehr systematisch abgerundet wird (weil sie in den kleinen Wahlkreisen zu klein ist). Das könnten den Umfragen nach durchaus die Grünen sein."
Die kleinen Parteien haben definitiv nicht die stärkste Überhangneigung.

Hier die Verteilung der Ausgleichsmandate seit 1991:

1991
V 11
S 4
C 6
FP 4
KDS 6
M 4
NYD 4

1994
V 8
MP 12
S 3
C 3
FP 4
KDS 9
M 0

1998
V 0
MP 11
S 1
C 8
FP 10
KD 4
M 5

2002
V 7
MP 11
S 2
C 6
FP 4
KD 4
M 5

2006
V 9
MP 10
S 1
C 2
FP 6
KD 7
M 4

Nur das Zentrum hat also eine größere Überhangwahrscheinlichkeit unter den kleineren Parteien (1988 hatte es auch das bisher einzige Überhangmandat), aber nur bei einem besseren Wahlergebnis, 1998 war die Linkspartei knapp am Überhang vorbeigeschlittert, aber bei einem sehr guten Ergebnis, was diesmal nicht zu erwarten ist. So, wie die Umfragen derzeit aussehen, ist ein Überhang bei den Sozialdemokraten mit Abstand am wahrscheinlichsten (für die Grünen ist es aber auch nicht auszuschließen), bei den drei letzten Wahlen war die Zahl der Ausgleichsmandate ja auch bei nur 1-2. Das dürfte daran liegen, dass sie tendenziell in den kleinen Wahlkreisen stark sind und in den beiden mit Abstand größten ziemlich schwach. Die 0,7-Sitze-Hürde wird daher besonders da wirken, wo die Sozialdemokraten stark sind. Die kleinen Parteien, so etwa im Bereich 4-6%, haben nicht nur relativ, sondern auch absolut die meisten Ausgleichssitze. Diesmal könnte es in diesem Bereich nach den Umfragen gleich vier Parteien geben. Damit steigt natürlich die Wahrscheinlichkeit von Überhangmandaten.
 Link zu diesem Beitrag

Ratinger Linke
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 27. Juni 2010 - 22:38 Uhr:   

Um in den Bereich der Überhangwahrscheinlichkeit zu kommen, sind ungefähr 10% nötig, abhängig vom Ergebnis in den kleineren Wahlkreisen. Das haben die kleineren Parteien nur bei einzelnen Wahlen geschafft und waren dann teils auch nah am Überhang. Das Zentrum hat 1988 auch nur 11% gehabt und die Linkspartei war 1998 mit 12% kurz vorm Überhang. In beiden Fällen hat es sogar noch eine zweite kleine Partei im Überhangbereich gegeben, die direkt um die entscheidenden Sitze konkurriert, während diesmal die Grünen nur in wenigen Wahlkreisen damit rechnen müssen.

Die "0,7-Sitz-Hürde" ist in Wirklichkeit eher eine 0,5-Sitz-Hürde, weil ziemlich viele Stimmen an Parteien gehen, die im Wahlkreis von vornherein irrelevant sind. Wobei davon natürlich auch die großen Parteien profitieren und deshalb stärker überhanggefährdet sind, als es bei reinem Sainte-Laguë der Fall wäre.

Dass die Sozialdemokraten da stark sind, wo die Sperrwirkung besonders relevant ist, verschafft ihnen aber nur einen Vorteil (bzw. verringerten Nachteil) gegenüber den kleinen Parteien. Gegenüber den Moderaten sind dagegen auch in den kleinen Wahlkreisen nur die normalen Sainte-Laguë-Höchstzahlen relevant, die dem Stärkeren keinerlei Vorteil verschaffen. Halbwegs zuverlässig vorhersagen kann man die tatsächlichen Rundungsverhältnisse nur im 2-Sitz-Wahlkreis Gotland, wo die Moderaten wohl stärker aufgerundet werden als die Sozialdemokraten. Damit haben aber beide schonmal einen Vorsprung von einem halben Sitz oder mehr gegenüber den abgerundeten Grünen.

Im Endeffekt hat die kleinere Partei die höhere Überhangwahrscheinlichkeit, weil die zu erwartenden Rundungsfehler gleiche absolute Höhe haben, der zu erwartende Anspruch auf Ausgleichsmandate jedoch niedriger ist. (Im Prinzip gilt das auch für den entarteten Fall der üblichen deutschen Wahlsysteme: Wenn mehrere Parteien ähnliche Chancen haben, die faktische 0,4-Sitz-Hürde in den Einerwahlkreisen zu überwinden, hängt zuerst die kleinste davon über.)

Im Bereich, wo die Betroffenheit von der Sperrwirkung überwiegt, könnten sogar 5 Parteien liegen. 2006 waren es allerdings auch schon 5 in entsprechender Größe, bloß dass das Zentrum in den entscheidenden Wahlkreisen noch stark genug war.
 Link zu diesem Beitrag

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 28. Juni 2010 - 00:46 Uhr:   

@RL
Habe mal die jeweils letzte Umfrage der auf der schwedischen Wikipedia-Seite zur Reichstagswahl (http://sv.wikipedia.org/wiki/Riksdagsvalet_i_Sverige_2010) angegebenen Institute genommen und durchgerecht, jeweils gleiche Veränderung in allen Wahlkreisen unterstellt: bei drei der 6 Umfragen käme ein Überhang für die Sozialdemokraten raus (sifo und United Minds 3, Novus Opinion 2), nicht zufällig genau die drei, die die Schwedendemokraten über 4% sehen. Bei zwei dieser drei Fälle hingen die Moderaten dann auch über, wenn die anderen Parteien entsprechend weniger Sitze bekämen. Die Moderaten hätten bei zwei Umfragen (Synovate und Novus Opinion) null Ausgleichssitze. Die Grünen hätten dagegen in keinem Fall Überhang, selbst nach evtl. Abzug wegen Überhang der Sozialdemokraten verbliebe mindestens ein Ausgleichssitz.

Natürlich ist der Aussagewert von solchen Rechnungen zu relativieren, aber diesmal dürfte es am ehesten bei den Sozialdemokraten Überhangmandate auftreten.
 Link zu diesem Beitrag

Republikaner
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Donnerstag, 12. August 2010 - 10:44 Uhr:   

Was darf man denn erwarten, sollte durch den denkbaren Einzug der "Schwedendemokraten" ein Patt zwischen Rechtsblock und Linksblock eintreten?

Lässt sich Reinfeldt dann tolerieren von denen? Oder wechselt eine Partei das Lager, vielleicht die Grünen, oder auf der anderen Seite die Zentrumspartei?
 Link zu diesem Beitrag

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 13. August 2010 - 20:28 Uhr:   

"Lässt sich Reinfeldt dann tolerieren von denen?"
Das ist sicher eine Option. Von 1991 bis 1994 stützte die "Neue Demokratie" (NYD) die Bildt-Regierung. Diese Partei war aber stärker wirtschaftsliberal und weniger nationalistisch als die Schwedendemokraten.


"Oder wechselt eine Partei das Lager, vielleicht die Grünen, oder auf der anderen Seite die Zentrumspartei?"
Dass die Grünen ein konservativen Ministerpräsidenten stützen, ist äußerst unwahrscheinlich.
Das bürgerliche Lager ist geschlossener als früher, von daher recht unwahrscheinlich, dass die Zentrumspartei überläuft. Außerdem wäre eine linke Mehrheit mit dem Zentrum rechnerisch wahrscheinlich nicht ohne die Linkspartei zu machen, was für die Zentrumspartei natürlich nicht attraktiv ist.
 Link zu diesem Beitrag

Republikaner
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Samstag, 14. August 2010 - 07:34 Uhr:   

Ja das waren auch so meine Überlegungen. Die Lager stehen in Schweden heute ziemlich fest.

Ich rechne mit seiner sehr spannenden Wahl, zumal ja neben den Schwedendemokraten von unten auch Linkspartei, Zentrumspartei und Christdemokraten "von oben" an der Vierprozenthürde kratzen.

Gut möglich dass die Wahl dadurch entschieden wird. Ohne Linkspartei wird Rotgrün nicht gewinnen können, und wenn einer der vier bürgerlichen Partner die Hürde reißt, dürfte es für Reinfeldt auch sehr eng werden.
 Link zu diesem Beitrag

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 12. September 2010 - 11:24 Uhr:   

Nach den Umfragen ist es wahrscheinlich, dass 8 Parteien in den Reichstag kommen. So viele waren es noch nie.
http://svt.se/svt/jsp/Crosslink.jsp?d=131407&lid=puff_1981604&lpos=bild

2006 lagen die Umfragen nicht so schlecht, so dass man davon ausgehen kann, dass die Tendenz stimmt.
http://www.temo.se/upload/326/valjbsamtliga.htm

Mit dem Einzug der Schwedendemokraten steigt die Wahrscheinlichkeit von Überhangmandaten drastisch, wobei die bei den Sozialdemokraten wesentlich wahrscheinlicher sind als bei den Konservativen. Auch wenn es nicht viele sein werden (wahrscheinlich 1 bis 3), könnten sie durchaus die Lage wesentlich ändern. Relativ klar ist, wenn nicht alle Umfragen klar daneben liegen sollten, dass das linke Spektrum keine Mehrheit bekommt. Andererseits ist es aber nicht unmöglich, dass die bürgerliche Koalition trotz Einzugs der Schwedendemokraten die absolute Mehrheit behält. Wenn Überhangmandate der Sozialdemokraten zu Lasten der bürgerlichen Parteien gehen, könnten sie dadurch die absolute Mehrheit verfehlen.
 Link zu diesem Beitrag

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 18. September 2010 - 13:49 Uhr:   

Eine glatte Falschbehauptung ist übrigens, in Schweden dürften Bewerber ohne ihre Zustimmung aufgestellt werden.
http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,715204,00.html

Das Wahlgesetz sagt eindeutig etwas anderes:

Chapter 2. Parties and candidates

(...)

Section 9
A party that wishes to notify all of its candidates for a particular
election shall give written notice of this to the
Central Election Authority or, to the extent that the
Government determines, the county administrative board.

The party shall submit together with the notification a personally
signed declaration from each candidate that he or she
consents to the notification.


(...)

Section 12
A notification of candidates shall not be considered, if the
party cannot show that it has received the candidates’
consent to notify their names
. A candidate who does not
produce a certificate in accordance with Section 11, second
paragraph may not run. If such a candidate is notified for an
election, the notification shall not be taken into account.


Wahlgesetz in Englisch: http://www.val.se/pdf/2005_elections_act.pdf
Originaltext: http://www.val.se/det_svenska_valsystemet/lagar/vallagen/index.html#no3

Nicht auszuschließen ist natürlich, dass jemand nicht so genau hinschaut, wo er unterschreibt, oder dass Unterschriften gefälscht werden. Aber bei letzterem Fall ist die Wahrscheinlichkeit bei Prominenten 100%, aufzufliegen.
 Link zu diesem Beitrag

zigzag
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 18. September 2010 - 14:35 Uhr:   

Der Wahltermin folgt der schwedischen Tradition, derzufolge Reichtagswahlen am dritten Sonntag im September abgehalten werden. Wahlrecht haben circa 7,03 Millionen Bürger, nämlich alle Schweden, die spätestens am Wahltag das 18. Lebensjahr vollendet haben. Es werden knapp 500.000 Erstwähler an den Urnen erwartet. Seit dem 1. September 2010 dürfen Bürger in Schweden, die am Wahltag verhindert sind, vorab wählen; schwedische Staatsbürger im Ausland haben bereits seit dem 26. August 2010 Gelegenheit zur Stimmabgabe.

Gewählt werden für eine Legislaturperiode von vier Jahren 349 Abgeordnete des Schwedischen Reichstages. Das schwedische Wahlsystem beruht auf dem Prinzip der Verhältniswahl. Das Land ist in 29 Wahlkreise (valkretsar) unterteilt, die im Wesentlichen den 21 schwedischen Län (Provinzen) entsprechen. Stockholms län ist jedoch in zwei Wahlkreise, Skåne län in vier und Västra Götalands län in fünf Wahlkreise untergliedert.

Die 349 Mandate des Parlamentes setzen sich aus 310 sogenannten festen Mandaten (fasta mandat) und 39 Ausgleichsmandaten (utjämningsmandat) zusammen. Spätestens am 30. April eines Wahljahres legt die Wahlbehörde jeweils fest, wie viele Mandate den einzelnen Wahlkreisen zugeordnet werden. Aufgrund einer Sperrklausel erhält eine Partei nur dann Mandate, wenn sie mindestens vier Prozent der Stimmen im ganzen Reich oder mindestens 12 Prozent der Stimmen in einem der Wahlkreise erhält. Seit 1998 haben die Wähler die Möglichkeit, Vorzugsstimmen für einen bestimmten Kandidaten der gewählten Partei zu vergeben. Zur Anwendung gelangt eine sogenannte „modifizierte“ Fassung des Sainte-Laguë-Sitzzuteilungsverfahrens.

Gleichzeitig mit den Reichstagswahlen werden auch die Wahlen zum Provinziallandtag und die Gemeinderatswahlen durchgeführt.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Wahl_zum_Schwedischen_Reichstag_2010

Die Wahllokale schließen um 20:00 Uhr MESZ.

Reichstags-, Provinziallandtags- und Gemeinderatswahlen am 19.09.2010

Wiki
http://de.wikipedia.org/wiki/Wahl_zum_Schwedischen_Reichstag_2010
http://en.wikipedia.org/wiki/Swedish_general_election,_2010
http://sv.wikipedia.org/wiki/Riksdagsvalet_i_Sverige_2010

Wahlkommission
http://www.val.se/in_english/index.html
http://www.val.se/valet_2010/index.html
http://www.val.se/val/val2010/rostmottagning/fortidsrostning/rike/index.html

News de
http://sverigesradio.se/cgi-bin/international/nyhetssidor/amnessida.asp?programid=3874&grupp=9334
http://derstandard.at/r3445/Schweden

News en
http://www.thelocal.se/election2010/

News se
http://svt.se/val
http://www.nyhetskanalen.se/val2010/
http://www.dn.se/nyheter/valet2010/
http://www.expressen.se/Nyheter/val2010
http://www.aftonbladet.se/nyheter/valet2010/

Umfragen
http://www.erixon.com/pm/opinionsmatningar2010.htm
http://www.novusgroup.se/
http://www.unitedminds.se/
http://demoskop.se/?id=220
http://www.tns-sifo.se/rapporter-undersokningar/valjarbarometern
http://www.synovate.se/Templates/Page____195.aspx

Forum en
http://uselectionatlas.org/FORUM/index.php?PHPSESSID=b820716e251248a57ae6d6e14cbecad2&topic=117604.0

Weitere Infos:
http://library.fes.de/pdf-files/id/ipa/07440.pdf Länderanalyse Schweden der Friedrich-Ebert-Stiftung (PDF)
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/1275009/
http://www.electoralgeography.com/new/en/category/countries/s/sweden
http://www.parties-and-elections.de/sweden.html
http://www.wahlrecht.de/ausland/schweden.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Politisches_System_Schwedens
http://de.wikipedia.org/wiki/Reichstag_(Schweden)#Wahl_des_Reichstages


(Beitrag nachträglich am 18., September. 2010 von zigzag editiert)
 Link zu diesem Beitrag

Ratinger Linke
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Samstag, 18. September 2010 - 22:21 Uhr:   

@Thomas Frings:
"Eine glatte Falschbehauptung ist übrigens, in Schweden dürften Bewerber ohne ihre Zustimmung aufgestellt werden."

Doch, das ist schon richtig. Offenbar ist es sogar möglich, auf dem Stimmzettel explizit Kandidaten zur Wahl zu stellen, bei denen jede persönliche Stimme automatisch ungültig ist, so dass auch kein Risiko besteht, dass sie womöglich tatsächlich gewählt werden. Das Registrieren von Parteien und Kandidaten ist optional, hat aber Auswirkungen auf Stimmabgabe und Zählung der Stimmen (was ich im Detail auch noch nicht durchschaut hab).

"A candidate name on a ballot paper shall be deemed to be non-existent if
1. the candidate is not eligible for election or it is not clearly indicated whom it refers to,
2. the candidate has been entered on a ballot paper that relates to a party that has registered a party denomination and notified candidates according to Chapter 2, or
3. the candidate has not been notified and is on a ballot paper for a party that has registered a party denomination and notified candidates according to Chapter 2.

The candidate names on a ballot paper shall also be deemed to be non-existent if
1. the ballot paper includes candidates but does not have a marked space for personal votes,
2. if more than one vote for a specific person is cast or it is not clearly indicated whom the personal vote relates to,
3. it can be assumed that the marking for the vote for a person have been done automatically, or
4. the order between the candidates is not clearly indicated.

Candidate names shall not be deemed non-existent owing to them having been deleted from a ballot paper that includes candidates. Chapter 7, Section 2, third paragraph contains special provisions for those cases where voters enter candidates on a ballot paper for a party that has not registered its party denomination or notified candidates according to Chapter 2."


(Abschnitt 13.8, Seite 55)

Admin Admin Logout Logout   Vorige Seite Vorige Seite Nächste Seite Nächste Seite