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Hubert Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Freitag, 30. April 2010 - 11:56 Uhr: | |
@görd: Hilfen sind praktisch unausweichlich, die Frage ist wieviel Auflagen setzt man durch. Wie weit müssen die Griechen ihre Ausgaben zusammenkürzen, wie stark die Steuern erhöhen? Gibt es einen Vergleich mit den Gläubigern und wenn ja auf wie viel müssen sie verzichten? Zum Wahlausgang: schwarz-gelb und rot-grün liegen in allen Umfragen gleichauf oder weit innerhalb der Schwankungsbreite. Wenn die Linken reinkommen (Chanchen meines Erachtens 50:50) ist die Sache gelaufen, und mit 5 bis 7 Prozent für diese reicht der minimale Vorsprung der Grünen nicht für schwarz-grün. Ampel und Jamaika machen FDP bzw. Grüne nicht mit. CDU wird deutlich vor der SPD liegen. Damit gibt es diese Alternativen: 1) Linke draußen, schwarz-gelb vorne. Wahrscheinlichkeit: 25% 2) Linke draußen, rot-grün vorne. Wahrscheinlichkeit: 25% 3) Linke drin, schwarz-rot. Wahrscheinlichkeit (Privatmeinung): 5% 4) Linke drin, rot-rot-grün. Wahrscheinlichkeit: 45% Kraft wird Ministerpräsidentin werden wollen, und Linke, Grüne und SPD haben fast identische Programme. Nach der Wahl wird die Linke, falls notwendig, schnell "einsichtiger" und "regierungsfähiger", dank der grandiosen Überzeuguns-"Kraft" der SPD-Verhandlungsführerin. Wetten dass? Neben den beiden spitz-auf-knopf-Entscheidungen zwischen schwarz-gelb vs. rot-grün und Linke vs. 5% sehe ich noch zwei weitere Unbekannte: die Wahlbeteiligung und die sonstigen Parteien. Geringe Mobilisierung wird wohl einerseits schwarz-gelb, andererseits aber auch der Linkspartei helfen. Und daß die sonstigen Parteien nur auf ein paar Prozent komme kann ich nicht glauben. NPD, Rep, ÖDP und Familienpartei sind alle für 0,5%+x gut, proNRW und Piraten sogar für 2%. Man wird sehen. Es ist jedenfalls wahnsinnig spannend, denn die Entscheidung ist wichtig (größtes Bundesland, Bundesrat), sie ist knapp, und die Optionen sind klar: schwarz-gelb, rot-grün oder rot-rot-grün, mit minimaler Wahrscheinlichkeit für schwarz-rot. |

Ralf Arnemann
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Freitag, 30. April 2010 - 12:45 Uhr: | |
@görd: > SPD und Grüne sitzen ja in der Opposition und > schauen im Grunde auch nur genüsslich zu. Ich habe nicht den Eindruck, daß die das sehr genießen. Gerade die SPD laviert hier recht hilflos rum und kann froh sein, daß keiner hinguckt. Im Prinzip will Gabriel der Regierung gleichzeitig vorwerfen, a) daß sie den Griechen überhaupt Geld geben will und b) daß sie das noch nicht getan hat. Und dann wird von einer notwendigen Bankenbeteiligung geschwafelt, um den Bankrott abzuwehren - dabei ist eine Beteiligung eigentlich nur möglich, wenn eine Umschuldung (also eine Insolvenz) verhandelt wird. > Die Politik der Bundesregierung ist dagegen > ziemlich gegen die Wand gefahren. Vielleicht - aber das kann man erst beurteilen, wenn klar ist, was am Ende rausgekommen ist. Daß die Regierung auf die sehr verschiedenen Informationsstände auch verschieden reagiert hat, das ist wohl nicht zu kritisieren. Denn was Griechenland anfangs als Sachstand gemeldet hat sah ja deutlich anders aus als heute. > andernfalls brauch sich Westerwelle in Brüssel > sowieso nicht mehr sehen lassen. Ach was, die Kommission hat schon oft groß gezetert - wenn ein großer Mitgliedsstaat dann nicht so will wie sie, muß sie es halt schlucken. Da gibt es genügend Beispiele. > Das Krisenmanagement ist Aufgabe der Regierung, > Merkel & Co haben hier versagt ... Das kann man noch nicht sagen. Die meisten Medien (vorneweg der Spiegel) haben sich ja darauf festgelegt, daß die sinnvollste Lösung gewesen wäre, Griechenland von Anfang an und in voller Höhe Geld zu zahlen. Und deswegen bezeichnen sie die Nicht-Bereitschaft der Bundesregierung als "Versagen". Wenn man nun im Gegenteil der Meinung ist, man solle möglichst wenig Geld dort versenken, war die Taktik der Regierung vielleicht so schlecht nicht. > und das wird Konsequenzen bei der Wahl haben. Aber welche? Die deutliche Mehrheit der Wähler ist gegen die Griechenland-Zahlungen. Wo werden die jetzt ihr Kreuz machen? |

Silencio Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Freitag, 30. April 2010 - 13:56 Uhr: | |
"Die deutliche Mehrheit der Wähler ist gegen die Griechenland-Zahlungen. Wo werden die jetzt ihr Kreuz machen?" Da hab ich infratest-dimap aber gestern anders verstanden. http://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/crbilderstrecke116_mtb-1_pos-7.html |

Interessierter Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Freitag, 30. April 2010 - 16:18 Uhr: | |
@Thomas Frings "Und dann die angebliche Schuld von Spekulanten - wer so etwas verbreitet, hat von Wirtschaft nicht die geringste Ahnung. Ein Schuldner mit geringer Bonität wird immer - wenn überhaupt - nur dann Geld geliehen bekommen, wenn er mehr Zinsen zahlt als verlässlichere Schuldner." Das stimmt. Allerdings ist schimpfen auf den Finanzmarkt nunmal populär und leicht, eigentlich verwundert es etwas, das nicht viel mehr Parteien das im Wahlkampf tun (und nachher wieder vergessen). @Martin Dauser "Deshalb sind weitgehende Schulstrukturreformen Projekte, die meiner Ansicht nach einen breiten Konsens erfordern." Wie sollten sie den bekommen? Die einzigen, die sich wirklich für schulische Angelegenheiten interessieren sind zumeist Eltern (Schüler kann man einfach ignorieren, haben ja kaum Möglichkeit, ihrer Meinung Ausdruck zu geben) und die wollen in erster Linie etwas tun, das ihren Kindern hilft. Das ist IMO auch der Grund, warum das Gymnasium nicht abgeschafft wurde: Für Hauptschul-Eltern ist es für ihre Kinder vorteilhaft, wenn ihre Kinder auf eine Art "Misch-Realschule" kommen, weil sie so den Stigma Hauptschule entgehen. Für Realschüler ist das eher eine Torpedierung des guten Rufes, was aber noch ignoriert werden kann. Aber wer es geschafft hat, dass sein Kind auf ein Gymnasium kommt, will bestimmt nicht, dass dieser Vorteil wieder relativiert wird! Da wird einfach mehr mobilisiert. @Cyrix "(Nebenbei DAS Argument gegen die Bildungshoheit der Länder... Dies werden sich diese aber kaum mehr nehmen lassen, weil es das einzige, was wirklich von Relevanz ist, das in ihre Kompetenzen fällt.)" Also ist das Einziehen von Steuern nicht wichtig? Ich denke, die Bildungshoheit kommt daher, dass die Länder die Kinder in ihrer regionalen Kultur erzogen werden sollen. IMHO wäre eine Föderalismusreform mehr als angebracht. Die Frage ist aber: Wer traut sich da ran und vor allem: Wer wird sich da durchsetzen? Eine Föderalismusreform, an deren Ende dann der Bund sich die letzten Länderkompetenzen auch noch krallt, kann man sich sparen. @Martin Dauser "Ein Lehrer (Ich bin selber Mathematik-/Physiklehrer an einem Gymnasium, der 25 Schulstunden in der Woche vorbereiten muss, kann nicht jede Stunde drei unterschiedliche Konzepte für jeweils schwache, mittelstarke und starke Schüler vorbereiten. Dann müsste er ja in einer Woche 75 unterschiedliche Stundkonzepte vorbereiten. Wie soll das gehen ? Und wie sollen da Prüfungen funktionieren ?" Du (Internet du) wirst da sicher mehr Ahnung haben als ich, aber bisher nahm ich immer an, die Klassen würden dann eher lose Verbände sein und ein Kurssystem würde immer mehr an Bedeutung gewinnen. Es gäbe nur noch einige Basisstunden (Geschichte, Deutsch (?), vielleicht Ethik oder Religion), die Klassenweise abgehalten werden. Der Rest wird auf ein reines Kurssystem hinauslaufen. |

Interessierter Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Freitag, 30. April 2010 - 16:36 Uhr: | |
@Ratinger Linke "Außerdem soll die Gemeinschaftsschule eine Ganztagsschule sein (und nicht nur eine Schule mit Ganztagsbetreuung)." Auch wenn das hier Off-Topic ist: Warum hängen sich (vor allem linke) Bildungspolitiker eigentlich immer so an der Ganztagsschule auf? Ist es inzwischen wirklich so, dass die Freizeit nach der Schule für die Schüler quasi sowas wie eine Belastung darstellt? "Schulversuche kann man sich eigentlich ziemlich sparen, wenn ohnehin jede Schule ihr eigenes Konzept entwickeln und umsetzen soll. Die Frage ist nur, wie der obligatorisch gemeinsame Unterricht in der 5. und 6. Klasse konkret ausschauen soll, wobei man aber einfach das bisherige Gesamtschulkonzept übernehmen kann." Grundsätzlich ist es zu begrüßen, dass mehr Entscheidungen auf den "unteren Ebenen" getroffen werden. Die Frage ist nur, wie man da noch einheiliche Standarts festsetzen will. Gut, ist nicht das Problem der Bürger, sondern wird auf der Kultusministerkonferenz sicher der Knaller werden. :-) @Martin Dauser "Zweitens scheint das auch an der Grundschule nicht wirklich gut zu funktionieren. Jeder erfahrene Lehrer am Gymnasium muss feststellen, dass die Schüler mit deutlich schlechteren Voraussetzungen von der Grundschule kommen als früher (Das ist Konsens unter Deutsch- und Mathematiklehrern) als . Da scheint die Grundschuldidaktik auf einen Holzweg zu sein und mangels ehricher Reflektion gesteht sie sich das nicht ein." Ist das wirklich so? Welche Ursachen sehen die Lehrer dann? (Interessant, dass das kaum in den Medien erwähnt wird.) |

Clovis Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Freitag, 30. April 2010 - 18:33 Uhr: | |
Guten Abend "Florian das Original" der Kern meines Vorschlages hinsichtlich der griechischen Eurostaatsschuld ist tatsächlich dies: Es sei denn, die Kredite wären nicht nur zinslos sondern auch unbefristet. Aber ein zinsloses und unbefristetes Darlehen wäre ja nichts anderes als wenn man das Geld einfach verschenkt In der Tat, man würde Griechenland das Geld zur Begleichung seiner Schulden einfach schenken, allerdings von der einzigen Institution, die sich das problemlos leisten kann, nämlich der EZB, die Euros aus dem Nichts schaffen darf (darum auch nur ausnahmsweise und einmalig). (Buch-)Geld aus dem Nichts schöpfen können zwar alle Banken, aber nur die Zentralbank kann es sich leisten, auf die Einforderung ausstehender Forderung "auf ewig" zu verzichten ohne einen Schaden davon zu tragen. Die Preis für dieses Geschenk wäre der Ausschluß aus der Eurozone. Wobei noch die Frage wäre, wie das technisch eigentlich vor sich ginge. Ich bin kein wirklicher Experte, aber meine Vermutung ist dies: Ein Land gehört zur Eurozone, wenn Schuldscheine dieses Staates als Sicherheit für Kredite der EZB akzeptiert werden. Griechenland müßte theoretisch gar keine eigene Währung schaffen, es könnte auch weiterhin den Euro als gesetzliches Zahlungsmittel beibehalten, hätte dann aber sehr eingeschränkte Möglichkeiten der Finanz- und Wirtschaftspolitik. Es würde dann der griechischen Regierung vermutlich auch sehr schwer fallen, sich erneut derart stark zu verschulden, weil der eigentliche technische Vorteil für ein Mitglied des Euroklubs darin besteht, dass eine Bank, die Kredite an eine Regierung des Euroklubs vergibt, diese mühelos bei der EZB zum Nominalwert refinanzieren kann. Griechenland pleite gehen zu lassen, würde ebenso bedeuten, dass ihm seine Schulden erlassen werden (wenigstens teilweise), mit dem Unterschied, dass diese Verluste dann aber bei normalen Geschäftsbanken anfallen, die dann entweder Verluste hinnehmen müssen, sprich also die erlassenen Schulden durch die Zinsgewinne aus anderen Krediten verrechnen müssen, oder dann, wenn die nicht ausreichen, selbst pleite gehen. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, Clovis |

Martin Dauser
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Freitag, 30. April 2010 - 19:36 Uhr: | |
@Interessierter Die Schüler können auch am Gymnasium am Anfang der 5. Jahrgangsstufe schlechter Kopfrechnen als früher. Die Rechtschreibung ist deutlich schlechter und das Textverständnis ist schlechter. Ich kenne keinen, der das anders sieht. Das hängt aber auch immer sehr stark davon ab, von welcher Grundschule die Schüler kommen. Die Gegner des gegliederten Schulsystems tun immer so, als ob es Massen an Schüler gibt, die etwa in Mathematik stark sind aber wegen sprachlicher Schwächen das Gymnasium nicht packen können, oder in den Sprachen sehr stark sind und wegen schwächen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich den Anforderungen am Gymnasium nicht gewachsen sind. Tatsächlich gibt es aber solche Schüler kaum. Denn wer stark in Mathematik ist, hat mit Sicherheit ein gutes Textverständnis und wird in den Sprachen dann zumindest mittellmäßig (bezogen auf das Niveau am Gymnasium) sein. Und wer in den Sprachen gut ist, muss zwangsläufig ein gutes analytisches Denken haben und wird deshalb in Mathematik zumindest mittelmäßig sein. Es gibt allerdings unter den Migrantenkindern oft welche, die durchaus Potential haben, jedoch wegen Schwächen in Deutsch (die sich in Latein forpflanzen) am Gymnasium bereits in der Unterstufe scheitern können. Hier sollte die Schulpolitik meiner Ansicht nach schon überlegen, wie man dieser Gruppe gerecht wird. Pragmatische Lösungen dürften dieser Gruppe aber eher weiterhelfen als ideologische Auseinandersetzungen. |

Ratinger Linke Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Freitag, 30. April 2010 - 19:44 Uhr: | |
@Martin Dauser: Die relativen Unterschiede sind bei den Jüngeren viel größer. Allein der Altersunterschied macht in den Grundschulen noch ziemlich viel aus. Nur werden die Unterschiede störender, je spezieller die Themen werden, vor allem dann, wenn die Lernzielvorgaben sehr konkret sind. Im internationalen Vergleich schneiden die Grundschulen im Gegensatz zu den weiterführenden Schulen jedenfalls ziemlich gut ab und haben sich auch weiter verbessert. Was sich verändert hat, ist die Breite des Leistungsspektrums am Gymnasium durch größere Übertrittsquoten und aufgeweichte Übertrittskriterien. Im Trend (zumindest in den Großstädten) werden halt die Gymnasien die faktischen Einheitsschulen, ohne dass sie darauf konzeptionell vorbereitet sind. @Cyrix: Das Kurssystem gibts ja in den Gesamtschulen. Bloß ist das Modell nicht sonderlich erfolgreich, selbst wenn man berücksichtigt, dass die theoretischen Voraussetzungen praktisch nicht gegeben sind, weil sie fast nur von Schülern auf knappem Realschulniveau besucht werden. Die strikte Trennung nach Leistungsniveau ist insgesamt wenig erfolgreich, weil sie den schwachen Schülern schadet ohne den guten was zu bringen. @Interessierter: Der Vorteil einer echten und verbindlichen Ganztagsschule ist erstens, dass Unterrichtsformen ermöglicht werden, die sich nicht in das klassische Stundenraster pressen lassen, und zweitens, dass die Abhängigkeit von der Unterstützung der Eltern sinkt. Wobei der zweite Punkt aus konservativer Sicht genau der Nachteil ist. Daneben gibt es noch den gesellschaftlichen Aspekt, dass ein Teil der freizeitnahen Beschäftigung damit in sozial heterogenen Gruppen verbracht wird. Dass die Schulen und Lehrer grundsätzlich mehr Freiräume bekommen, prüfungsrelevante Fragen aber zentralistischer geregelt werden, widerspricht sich nicht. Das ist momentan im Prinzip eigentlich Konsens und tendenziell zumeist auch schon umgesetzt worden. |

Martin Dauser
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Freitag, 30. April 2010 - 20:11 Uhr: | |
"Die relativen Unterschiede sind bei den Jüngeren viel größer. Allein der Altersunterschied macht in den Grundschulen noch ziemlich viel aus. Nur werden die Unterschiede störender, je spezieller die Themen werden, vor allem dann, wenn die Lernzielvorgaben sehr konkret sind." Das widerspricht meiner Beobachtung aus der Praxis. Gerade sehr starke Schüler zeigen ihr Potential erst nach ein paar Jahren am Gymnasium. Auf der anderen Seite führt die Pubertät dazu, das manche in ein Leistungstief fallen. Der Anteil der Einser ist bei in den Klassenstufen 5 und 6 am geringsten und nimmt dann bis zum Abitur kontinuierlich zu. Der Anteil der 5er und 6er ist im allgemeinen zwischen 8. und 10. Klasse am höchsten und nimmt in der Oberstufe wieder deutlich ab. (Grund: Die Pubertät ist vorbei und das Näherkommen der zentralen Abschlussprüfung führt zu einer größeren Zielstrebigkeit) Diese persönliche Beobachtung ist ein klarer Widerspruch zu dir zitierten These. |

Interessierter Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Freitag, 30. April 2010 - 20:18 Uhr: | |
@Martin Dauser "Die Gegner des gegliederten Schulsystems tun immer so, als ob es Massen an Schüler gibt, die etwa in Mathematik stark sind aber wegen sprachlicher Schwächen das Gymnasium nicht packen können, oder in den Sprachen sehr stark sind und wegen schwächen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich den Anforderungen am Gymnasium nicht gewachsen sind." Da kann was dran sein. Das sind aber leider fragen, die politisch kaum behandelt werden können, ohne große Polemik zu erzeugen und wissenschaftlich wird daran wohl noch lange geforscht werden. Es ist aber interessant, die Sicht der Praktiker mal so direkt zu hören, Danke! "Ich kenne keinen, der das anders sieht. Das hängt aber auch immer sehr stark davon ab, von welcher Grundschule die Schüler kommen." Welche sind denn besser? Sind die speziell organisiert? @Ratinger Linke "Der Vorteil einer echten und verbindlichen Ganztagsschule ist erstens, dass Unterrichtsformen ermöglicht werden, die sich nicht in das klassische Stundenraster pressen lassen, und zweitens, dass die Abhängigkeit von der Unterstützung der Eltern sinkt. Wobei der zweite Punkt aus konservativer Sicht genau der Nachteil ist. Daneben gibt es noch den gesellschaftlichen Aspekt, dass ein Teil der freizeitnahen Beschäftigung damit in sozial heterogenen Gruppen verbracht wird." "Konservativ" muss man das eigentlich kaum sehen. Der Staat mischt sich damit viel tiefer in die Erziehung der Kinder ein als er sowieso schon tut und das mit der offenen Erklärung, damit den Einfluss der Eltern aushebeln zu wollen. Ausserdem gibt es gewiss auch Schüler, für die es besser ist, in der Freizeit nicht in der Schule sein zu müssen. Mobbing würde zum großen Problem in den Schulen und nach meinem Wissensstand sind die heutigen Schulen darauf gar nicht vorbereitet. Das ist sicher die Schattenseite. Natürlich gibt es da die von dir angesprochenen positiven Aspekte (ob die Schule wirklich heterogener ist als ein Fußballverein oder Kinder, die sich zum Spielen auf der Straßen treffen?). @Wahl: Gibt es eigentlich Listen darüber, wieviel % der Listenplätze die SPD z.B. gewechselt hat, bzw. wieviele Abgeordnete die SPD in die neue Aufstellung aufgenommen hat? |

Martin Dauser
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Freitag, 30. April 2010 - 20:36 Uhr: | |
"Welche (Grundschulen - Anmerkung von mir) sind denn besser? Sind die speziell organisiert?" Ich unterrichte in Freising. Da haben wir Schüler aus eher ländlichen Gegenden, aber auch Schüler entlang der S-Bahn München-Freising, also aus dem Speckgürtelbereich von München. Tendenziell lässt sich sagen, dass die Schüler aus den ländlichen Grundschulen besser sind als die aus den Grundschulen aus den Speckgürtel (Das hat teilweise auch etwas mit Übertrittsquoten zu tun). Außerdem sind Schüler aus Grundschulklassen mit erfahrenen Lehrerinnen (Lehrer sind an Grundschulen inzwischen eine große Ausnahme) tendenziell besser als Schüler aus Klassen mit jungen Lehrerinnen, die oft etwas unreflektiert möglichst gut umsetzen wollen, was ihnen die Pädagogen an der Uni und in der Referendarsausbildung beigebracht haben. |

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Freitag, 30. April 2010 - 22:01 Uhr: | |
@RL "Im internationalen Vergleich schneiden die Grundschulen im Gegensatz zu den weiterführenden Schulen jedenfalls ziemlich gut ab und haben sich auch weiter verbessert." Das ist grob irreführend. Dass Deutschland bei Iglu viel besser abschneidet, liegt vor allem daran, dass bei Iglu Südafrika und mehrere islamische Länder den Durchschnitt drastisch senken, die allesamt bei Pisa gar nicht dabei waren. Umgekehrt fehlen Finnland und Südkorea bei Iglu. Und Italien als Land mit Einheitsschule liegt bei Iglu noch vor Deutschland, bei Pisa aber noch wesentlich schlechter als Deutschland. Irgendeinen "Beweis" für die Überlegenheit der Einheitsschule lässt sich so absolut nicht gewinnen. Im Bundesländervergleich ist es so, dass ganz klar die besser sind, die stärker sieben. @Clovis "In der Tat, man würde Griechenland das Geld zur Begleichung seiner Schulden einfach schenken, allerdings von der einzigen Institution, die sich das problemlos leisten kann, nämlich der EZB, die Euros aus dem Nichts schaffen darf (darum auch nur ausnahmsweise und einmalig). " Nur ganz kurz: das geht an der Realität vorbei. Wenn man einmal damit anfinge, würden garantiert viele andere Länder folgen. Das würde der Markt antizipieren und die Zinsen stiegen drastisch – und zwar für sämtliche Euro-Schuldner. Zurück zum Thema: dass die Grünen lt. Infratest bundesweit bei 16% stehen sollen, in NRW aber "nur" bei 12, das passt einfach nicht zusammen. Sehr erstaunlich, dass die CDU bei der fgw relativ schlecht wegkommt und die FDP relativ gut – fast immer ist es genau umgekehrt. |

Ratinger Linke Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Samstag, 01. Mai 2010 - 00:50 Uhr: | |
@Interessierter: Aussagen wie die, dass Lese- und Mathematikkompetenz stark zusammenhängen, kann man leicht an den PISA-Daten überprüfen, die (im Gegensatz zu denen von politischen Umfragen und PISA-E) frei verfügbar sind. Tatsächlich beträgt die Korrelation in Deutschland 0,81 (PISA 2006), also kann die eine Kompetenz ungefähr 2/3 der Schwankungen bei der anderen erklären. Wobei Deutschland nahe dem oberen Ende liegt (international 0,75), was auch nicht erstaunlich ist, weil im gegliederten Schulsystem die Fälle unsymmetrischer Begabung aus dem Raster fallen. @Thomas Frings: Es gibt genügend Länder, die sowohl an IGLU als auch an PISA teilnehmen, um einen aussagefähigen Vergleich zu ermöglichen. Dass die reinen Punktezahlen nicht vergleichbar sind, ist schon klar. |

Interessierter Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Samstag, 01. Mai 2010 - 11:58 Uhr: | |
@Thomas Frings "Irgendeinen "Beweis" für die Überlegenheit der Einheitsschule lässt sich so absolut nicht gewinnen. Im Bundesländervergleich ist es so, dass ganz klar die besser sind, die stärker sieben." Ich denke, man darf in diesen Fragen nicht nur (!) die Schulform betrachten, sondern auch andere Faktoren wie pädagogische Konzepte, Motivation der Schüler, Vorbildung durch und Hilfe von den Eltern, Ansehen von Bildung in der Kultur und sicherlich noch vieles aus diesem Umfeld mehr. Dass immer monokausal auf die Gesamtschulen gesehen wird ist doch nur darauf zurück zu führen, dass die Politik gegenüber den anderen Faktoren de facto ohnmächtig ist (und es in einer freien Gesellschaft auch sein muss). @Thomas Frings "Zurück zum Thema: dass die Grünen lt. Infratest bundesweit bei 16% stehen sollen, in NRW aber "nur" bei 12, das passt einfach nicht zusammen. Sehr erstaunlich, dass die CDU bei der fgw relativ schlecht wegkommt und die FDP relativ gut – fast immer ist es genau umgekehrt." Interessant, ich würde das so interpretieren, dass die Grünen es sich beim Wähler irgendwie im Wahlkampf verscherzt haben, aber das ergibt kaum einen Sinn. Die FDP steht vor der CDU, weil sie, wie schon während der BTW, Eindeutigkeit verspricht (Schwarz-Gelb und nichts anderes, bei der CDU steht immernoch Schwarzgrün im Raum, auch wenn ich das mittlerweile für eher unwahrscheinlich halte). |

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Samstag, 01. Mai 2010 - 12:33 Uhr: | |
@Interessierter Natürlich ist das komplex und die Schulform nur ein Faktor unter vielen. Aber es lässt sich eben selbst dann kein schlagendes Argument für die Einheitsschule, wenn man die Studienergebnisse monokausal deutet. Innerhalb Deutschlands sind die Faktoren außer der Schulform aber natürlich wesentlich einheitlicher als zwischen verschiedenen Staaten. Von daher kann man aus dem Bundesländervergleich eher Schlüsse ziehen als aus einem internationalen Vergleich. "Interessant, ich würde das so interpretieren, dass die Grünen es sich beim Wähler irgendwie im Wahlkampf verscherzt haben, aber das ergibt kaum einen Sinn." Oder es gibt schlicht einen Messfehler. Auch die niedrigere Wahlbeteiligung kann eine Rolle spielen. Es ist aber unplausibel, dass sie ausgerechnet den Grünen schaden soll, das wird eher bei SPD und besonders Linkspartei der Fall sein. "Die FDP steht vor der CDU, weil sie, wie schon während der BTW, Eindeutigkeit verspricht (Schwarz-Gelb und nichts anderes, bei der CDU steht immernoch Schwarzgrün im Raum, auch wenn ich das mittlerweile für eher unwahrscheinlich halte)." Für Schwarz-Grün müßte es ja auch erstmal überhaupt eine rechnerische Mehrheit geben. Schwarz-Grün-Spekulationen spielten bisher keine große Rolle, van daher glaube ich nicht, dass die Grünen dadurch wesentlich verloren haben. Ich denke, die Union hat eher ein grundsätzliches als ein taktisches Problem - man weiß nicht so recht, wofür sie steht. Landespolitisch hat die CDU schon klare Positionen, aber die Wähler trennen nicht zwischen Bundes- und Landespolitik. Oft wissen sie ja nicht einmal, wer für was zuständig ist. |

Martin Dauser
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Samstag, 01. Mai 2010 - 13:38 Uhr: | |
Ich habe mir mal die Landtagwahlergebnisse der Grünen in NRW noch einmal angeschaut. Meist waren dort etwas schwächer als im Bundesdurchschnitt. In den Landtag von NRW zogen sie erstmals 1990 und damit später als in den meisten anderen westdeutschen Landtagen ein. Eine auffällige Ausnahme bildet die Wahl 1995, als sie mit 10,0 % ein zweistelliges Ergebnis holten. |

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Samstag, 01. Mai 2010 - 14:06 Uhr: | |
"Meist waren dort etwas schwächer als im Bundesdurchschnitt." 1990, 1995, 2000 und 2005 lag das Ergebnis im Bundestrend, 2005 schlechter, 1985 viel schlechter. 1985 war dies der Grund, 2005 war Steinbrück relativ beliebt und hat viele Grünen-affine Wähler zur SPD geholt. Diesmal gibt es keinen erkennbaren Grund. 16% im Bund halte ich auch ohne die Diskrepanz zur NRW-Umfrage für äußerst fragwürdig. |

Wahlticker
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Samstag, 01. Mai 2010 - 17:33 Uhr: | |
Naja könnte viele Gründe geben. Die SPD will die Kohle behalten, das spielt im Bund keine Rolle, in NRW vielleicht schon. Dann finde ich, persönlich und als Mann, diese Spitzenkandidatin der Grünen etwas abschreckend. Vielleicht hat die das Potential nicht ganz abschöpfen können, um es mal vorsichtig zu formulieren. Auf alle Fälle ist es eine spannende Wahl mit unklarem Ausgang, und so etwas teilt die Wähler natürlich in zwei Lager, und das nützt erst mal CDU und SPD. Aber wenn wir uns die letzten Landtagswahlen in Hessen, SH, Thüringen und Saarland ansehen, dann sehen wir dass CDU und SPD am Wahltag meistens weniger erhalten haben als prognostiziert, Grüne, und FDP meistens mehr, also heißt es: abwarten. |

Interessierter Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Samstag, 01. Mai 2010 - 17:50 Uhr: | |
@Thomas Frings "Oder es gibt schlicht einen Messfehler. Auch die niedrigere Wahlbeteiligung kann eine Rolle spielen. Es ist aber unplausibel, dass sie ausgerechnet den Grünen schaden soll, das wird eher bei SPD und besonders Linkspartei der Fall sein." Da sind wir einer Meinung. Wenn Wähler zu Hause bleiben, dann eher DieLinke- und SPD-Wähler "Für Schwarz-Grün müßte es ja auch erstmal überhaupt eine rechnerische Mehrheit geben. Schwarz-Grün-Spekulationen spielten bisher keine große Rolle, van daher glaube ich nicht, dass die Grünen dadurch wesentlich verloren haben." Nun, es scheint so als sei das Schwarzgrüne Thema eine "Medienkampangie", mit der es der SPD und der Partei DieLinke gelingen könnte, sowohl Grünen als auch der CDU den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die klassischen Grünenwähler würden sich über eine Schwarzgrüne Regierung sogar noch mehr ärgern als die klassischen CDU-Wähler und da so eine Regierung, erkauft durch massive Eingeständnisse an die Grünen, im Saarland installiert wurde, hat das Thema zur Zeit sogar eine unleugbare Popularität. Meiner persönlichen Meinung nach lag es im Saarland eher an den Linken, deren Regierung man verhindern wollte. Das war bestimmt eine Demütigung der Linken, die im Saarland mit Hilfe von Lafontane symbolträchtig erstmals an einer Landesregierung im Westen beteiligt sein wollten. Offenbar war das beiden Parteien ein Ansehensverlust wert gewesen, mit dem man jetzt in NRW spielen kann. Verständlich, fahren doch die Konservativen das Rot-Rot-Grüne Thema auch schon seit einiger Zeit. "Landespolitisch hat die CDU schon klare Positionen, aber die Wähler trennen nicht zwischen Bundes- und Landespolitik. Oft wissen sie ja nicht einmal, wer für was zuständig ist." Das stimmt leider. Da müsste im Politikunterricht einfach mehr geleistet werden. |

Interessierter Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Samstag, 01. Mai 2010 - 18:09 Uhr: | |
@Wahlticker "Die SPD will die Kohle behalten, das spielt im Bund keine Rolle, in NRW vielleicht schon." Mal ehrlich: Das hilft doch nur bei Leuten, die unmittelbar von den Subventionen profitieren oder bei argen Traditionswählern. Ich verstehe ja schon, dass, grade bei der SPD, eine Lobby da ist, aber eigentlich ist doch klar, dass die Förderung anderer Schlüsselindustrien das Gebot der Stunde ist. "Dann finde ich, persönlich und als Mann, diese Spitzenkandidatin der Grünen etwas abschreckend. Vielleicht hat die das Potential nicht ganz abschöpfen können, um es mal vorsichtig zu formulieren." Ich glaube nicht, dass die Spitzenkandidaten der Grünen für die Landtagswahl so entscheidend sind. Eher die Direktkandidaten. "Auf alle Fälle ist es eine spannende Wahl mit unklarem Ausgang, und so etwas teilt die Wähler natürlich in zwei Lager, und das nützt erst mal CDU und SPD. Aber wenn wir uns die letzten Landtagswahlen in Hessen, SH, Thüringen und Saarland ansehen, dann sehen wir dass CDU und SPD am Wahltag meistens weniger erhalten haben als prognostiziert, Grüne, und FDP meistens mehr, also heißt es: abwarten." Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Das liegt daran, dass die Wähler eine Regierung abwählen wollen. Bedenkt man die enge Verzahnung zwischen Parlament und Regierung, sowie die Prominenz, die nur die Regierungsmitglieder idR erreichen, ist das auch ganz klar. Und wenn man eine Regierung abwählen will, will man ihre Alternative an die Macht wählen. Das läuft dann auf SPD vs. CDU hinaus, allerdings gibt es eine wichtige Einschränkung: Auf Bundesebene gab es die letzte 4 (!) Jahre eine Große Koalition, sodass jede Stimme für SPD und CDU gleichzeitig auch eine Stimme für eine Fortsetzung der Großen Koalition hätte bedeuten können. Nur wer FDP, bzw. Grün gewählt hat, konnte 100% sicher sein, welche Regierung er unterstützt hat. Derselbe Effekt findet sich auch bei LTW, nur wird dort die Unsicherheit eben über andere Landtagswahlen/die Bundestagswahl erzeugt. Die Wähler entscheiden sich lieber für FDP, bzw. die Grünen, um damit das jeweilige Lager zu stärken und die jeweilige Volkspartei zu animieren, eine "klassische Koalition" zu bilden (also Rotgrün vs. Schwarzgelb). Das Ergebnis der Linken ist dadurch zu erklären, dass einige eigentlich-SPD-Wähler nach HARTZ IV übergelaufen sind und durch das Wählen der Partei DieLinke eine Änderung der SPD erzwingen wollen. |
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