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Clovis Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Freitag, 25. September 2009 - 22:17 Uhr: | |
@ Martinb Fehndrich, falsch, sie können einer Partei ihre Zweitstimme geben, um ihr zu schaden. |

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Freitag, 25. September 2009 - 23:11 Uhr: | |
@Martin "Nein andersrum. Wenn ein Wähler auf negatives Stimmgewicht reagiert, dann so, daß er die überhängende Partei nicht wählt." Wir sind uns wohl einig, daß negatives Stimmgewicht entsteht, wenn eine Partei zu viele Zweitstimmen bekommt und dadurch ein internes Überhangmandat verhindert wird. So Berechngen nach dem Muster "wenn Partei A im Bundesland Y x Stimmen weniger bekommen hätte, dann hätte sie einen Sitz mehr", kann man naturgemäß erst im Nachhinein anstellen. Das kann man so genau nicht vorhersehen, außer bei einer Nachwahl. Nur wegen negativen Stimmgewichts wird kaum jemand anders wählen, erst im Hinblick auf mögliche Koalitionen wird hier taktisches Wählen wirklich sinnvoll. @Clovis "falsch, sie können einer Partei ihre Zweitstimme geben, um ihr zu schaden." Das ist nun sehr realitätsfern. Die Wahrscheinlichkeit, ein zusätzliches Mandat der präferierten Partei zu verhindern ist größer als die, dem Gegner zu schaden - schlimmstenfalls sorgt man sogar für ein zusätzlichen Sitz für die gegnerische Partei und Schaden für die eigene. Taktisch dem Gegner die Zweitstimme geben kann allenfalls bei einer Nachwahl sinnvoll sein. |

Clovis Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Freitag, 25. September 2009 - 23:12 Uhr: | |
Guten Abend Martin_D mit ihrem letzten Beitrag haben Sie recht. Der Pucklsheim funktioniert so, dass die Überhangmandate einer überhängenden Landesliste, den nicht überhängenden Landeslisten abgezogen werden. Das deichselt er so, dass er den Divisor so lange vergrößert, bis diese Mandate den anderen Listen gar nicht mehr zugeteilt werden. Der Vorschlag ist sehr geschickt formuliert. Scheinbar ändert sich fast gar nichts am Bestehenden, in Wirklichkeit würden Überhangmanate aber sehr viel unwahrscheinlicher werden. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, Clovis |

Martin Fehndrich
Moderator
| | Veröffentlicht am Freitag, 25. September 2009 - 23:40 Uhr: | |
@Thomas Oder, daß negatives Stimmgewicht entsteht, wenn eine Partei zu wenige Zweitstimmen bekommt und dadurch ein internes Überhangmandat entsteht. Da zwei Ergebnisse verglichen werden, geht es immer in beide Richtungen. Und man kann es genau genug vorhersehen, um alternativ zu splitten. |

Ratinger Linke Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Samstag, 26. September 2009 - 00:05 Uhr: | |
Wobei das negative Stimmengewicht als Begründung für das erfolgswertbedingte Splitten nur eine Alibifunktion hat. Wirklicher Grund ist einfach die weitgehende Erfolglosigkeit einer Zweitstimme unter Überhangbedingungen, auch ganz ohne negatives Stimmengewicht. Bloß unter Nach- und Wiederholungswahlbedingungen verschärft sich das nochmal entscheidend. |

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Samstag, 26. September 2009 - 01:16 Uhr: | |
"Oder, daß negatives Stimmgewicht entsteht, wenn eine Partei zu wenige Zweitstimmen bekommt und dadurch ein internes Überhangmandat entsteht." Eine negative Wirkung einer Zweitstimme kann es ausschließlich dadurch geben, daß ein internes Überhangmandat verhindert wird. "Und man kann es genau genug vorhersehen, um alternativ zu splitten" Selbst wenn alle CDU-Anhänger in Sachsen oder BW nicht der CDU die Zweitstimme gegeben hätten und auch keiner anderen Partei, wäre der Mandatsanteil weniger gestiegen als er bei der CSU zurückgegangen wäre, per Salso hätte CDU/CSU sogar einen geringeren Mandatsanteil gehabt. Hätten diese Wähler statt CDU eine andere Partei gewählt, wäre der Mandatsanteil niedriger als er tatsächlich war. Hätten alle CDU-Zweitstimmenwähler in BW stattdessen FDP gewählt, hätte der Mandatsanteil für die CDU 27,95 statt 28,17% betragen, für CDU/CSU insgesamt wäre die Mandatszahl mit 226 gleich geblieben, aber bei einem um 30 Abg. größeren Bundestag, so daß der Mandatsanteil von 36,8 auf 35,1% gesunken wäre. Nur durch taktische Überlegungen hinsichtlich des Koalitionspartners wird Splitting sinnvoll, nicht durch negatives Stimmgewicht als solches. Das erkennt man ja auch daran, daß Splitting auch für CSU-Anhänger sinnvoll ist, die Schwarz-Gelb wollen und mit Überhang für die CSU rechnen - obwohl es bei der CSU negatives Stimmgewicht nicht geben kann. |

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Samstag, 26. September 2009 - 01:21 Uhr: | |
@Ratinger Linke "Wirklicher Grund ist einfach die weitgehende Erfolglosigkeit einer Zweitstimme unter Überhangbedingungen, auch ganz ohne negatives Stimmengewicht." Richtig, taktisches sinnvolles Splitting sähe nicht anders aus, wenn es feste Sitze je Bundesland wie 1949 oder 1953 gäbe, wo negatives Stimmgewicht nicht möglich war. |

Ratinger Linke Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Samstag, 26. September 2009 - 03:05 Uhr: | |
@Thomas Frings: "Selbst wenn alle CDU-Anhänger in Sachsen oder BW nicht der CDU die Zweitstimme gegeben hätten und auch keiner anderen Partei, wäre der Mandatsanteil weniger gestiegen als er bei der CSU zurückgegangen wäre" Es ist sogar andersrum, sprich das negative Stimmengewicht existiert hier gar nicht (oder strikt gesprochen nur für nicht konkret bestimmbare Subgruppen von Wählern), wenn man Mandatsanteile betrachtet. Ohne Zweitstimmen in Baden-Württemberg und Sachsen gewinnt die CDU zwar 9 Sitze (+5,0%; 31 Proporzmandate weniger, 40 Überhangmandate mehr), aber die anderen Parteien gewinnen stärker: CSU +3 (+6,5%), Grüne +3 (+5,9%), FDP +5 (+8,2%), Linke +4 (+7,4%). Die SPD gewinnt 16 Sitze (+7,2%), könnte aber im Gegenzug Überhangmandate verlieren (hab ich jetzt nicht ausgerechnet; im schlimmsten Fall alle 9). Egal wie viele Sitze die SPD letztlich hat, die CDU verliert immer und die CSU gewinnt immer an Mandatsanteilen. Der Effekt ist ziemlich sicher völlig systematisch; das heißt das negative Stimmengewicht existiert nicht im großen Maßstab, sondern nur in Form der einzelnen Sitzsprünge. Was zwar nichts an der Verfassungswidrigkeit ändert, aber mangels Vorhersehbarkeit der Sitzsprünge verhindert, dass man negatives Stimmengewicht als Wähler außerhalb von Nach- und Wiederholungswahlen taktisch ausnutzen kann (indem man etwa dem Gegner mit seiner Stimme schadet). (In deiner Rechnung hast du womöglich die Überhangmandate der CDU im Ist-Fall vergessen; nur dann ist 28,17(6)% der Mandatsanteil der CDU.) |

Cyrix Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Samstag, 26. September 2009 - 06:48 Uhr: | |
Nun, der Nachteil von internem Ausgleich ist, dass die Landesverbände ohne Chancen auf Überhangmandate systematisch benachteiligt werden. Das könnte Probleme aufwerfen, weil die Abgeordneten dieser Landesverbände dann ja quasi für eine Verschlechterung ihrer Wiederwahlchancen stimmen würden... Der Nachteil einer Ausgleichsmandate-Regelung wäre eben in erster Linie, dass der Bundestag weiter aufgebläht werden würde. Dies könnte man aber durch eine moderate Absenkung der Anzahl der Wahlkreise (und damit regulären Bundestagsmandaten) leicht kompensieren (bei z.B. 10 Überhangmandaten für die Partei mit dem stärksten relativen Überhang ergäbe das 20 Ausgleichsmandate, wenn sie 1/3 der relevanten Stimmen erhalten hat; d.h. mit einer Absenkung auf 285 Wahlkreise hätte man den Effekt schon ausgeglichen). Nebenbei: Ist irgendwo eigentlich festgeschrieben, wie viele Einwohner ein Wahlkreis eigentlich haben soll? Ich kenne da nur relative Aussagen zwischen den Wahlkreisen. Denn tendenziell ließe sich ja mit einer sinkenden Bevölkerung auch eine Absenkung der Zahl der Wahlkreise rechtfertigen... Cyrix |

Martin Fehndrich
Moderator
| | Veröffentlicht am Samstag, 26. September 2009 - 10:40 Uhr: | |
@Ratinger Linke Wie soll bei dem Vorschlag sowas wie negatives Stimmgewicht entstehen können? http://www.wahlrecht.de/verfahren/minimierung.html |

Ratinger Linke Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Samstag, 26. September 2009 - 11:42 Uhr: | |
Meine Überlegung war hier falsch, weil Mehrstimmen nur dann Überhang anderswo induzieren können ohne zu einem eigenen Mandatsgewinn zu führen, wenn das Verfahren nicht konsistent ist. Ist also bei Sainte-Laguë nicht möglich. |

Matthias Cantow
Moderator
| | Veröffentlicht am Samstag, 26. September 2009 - 13:24 Uhr: | |
@Bernhard Ich fürchte aber, dass sich das Bundesverfassungsgericht - leider - nicht widersprechen wird. Es hat sich da schon im letzten Jahr widersprochen. @Cyrix Ist irgendwo eigentlich festgeschrieben, wie viele Einwohner ein Wahlkreis eigentlich haben soll? Nein, solange eine annähernd gleiche Größe (Zahl der deutschen Bevölkerung) eingehalten wird, liegt in der freien Entscheidung des Gesetzgebers. |

Bernhard Nowak
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Sonntag, 27. September 2009 - 21:02 Uhr: | |
Schönbohm in den ARD-Tagesthemen eben: 22 Überhangmandate, alle für die CDU |

Schwarzgelb Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Sonntag, 27. September 2009 - 21:50 Uhr: | |
Kam gerade auf der ARD: 24 Ü-Mandate: 23 zu 1 für Union, wenn ich das richtig erkenne: http://img89.imageshack.us/img89/4465/daserste20090927214151.png |

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Sonntag, 27. September 2009 - 21:57 Uhr: | |
In Bremen steht das Überhangmandat für die SPD auf der Kippe. Nach jetzigem Auszählungsstand 31,4% - das ist ziemlich genau an der Grenze. |

neoliberaler Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Sonntag, 27. September 2009 - 22:01 Uhr: | |
Wenn ich das richtig sehe, gewinnt die CDU in BW nur ca 35%, aber 37 Wahlkreise. Nach Zweitstimmen gibt das nur 27 Mandate Das sind dann 10 Überhangmandate. Ich glaube wir kommen da noch Richtung 30 |

Kevin Matthes
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Sonntag, 27. September 2009 - 22:07 Uhr: | |
In NRW hat das Stimmensplitting zwischen CDU und FDP nicht so gut funktioniert. Die FDP legt in den meisten WK bei den Erststimmen in Prozentpunkten stärker zu als bei den Zweitstimmen. Die SPD kann so überraschend einige WK halten bei denen ich gedacht hätte, dass die kippen. |

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Sonntag, 27. September 2009 - 22:17 Uhr: | |
@Kevin In NRW ziemlich egal, Bonn war zu erwarten - wegen Westerwelle und unfähiger CDU. Erftkreis I hat die SPD nach Jahrzehnten verloren. |

Ralf Arnemann
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Montag, 28. September 2009 - 00:51 Uhr: | |
Die CDU hat in Hamburg drei der sechs Direktmandate gewonnen - das ist ein historische Premiere. Hamburg war ja immer ein Paradebeispiel für flächendeckend sichere SPD-Direktmandate und deswegen die Möglichkeit für negatives Stimmgewicht. |

Norddeutscher Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Montag, 28. September 2009 - 00:58 Uhr: | |
@Ralf Arnemann: "Die CDU hat in Hamburg drei der sechs Direktmandate gewonnen - das ist ein historische Premiere." Ist es nicht: Meines Wissens haben 1953 von acht Direktmandaten die SPD nur einen (Herbert Wehner), die CDU drei, die FDP zwei und die DP zwei gewonnen. |