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Florian
| | Veröffentlicht am Mittwoch, 17. August 2005 - 10:37 Uhr: | |
zur Personalie Kirchhoff: Grundsätzlich ist Kirchhoff sicher ein guter Mann: Endlich jemand, der sich mit der komplexen Steuermaterie schon vor Amtsbeginn auskennt (da kann der gelernte Englischlehrer Eichel noch so sehr über den "Akademiker" Kichhoff lästern - Fachkompetenz hat noch nie geschadet). Und da er kein Unions-Mitglied ist, dürfte er auch weniger Respekt vor heiligen Kühen wie den Wohnungsbau- und Agrag-Subventionen haben. Hinzu kommt, dass Kirchhoffs Vorschläge auch sehr vernünftig sind (aus meiner Sicht). Jedoch sehe ich folgendes Problem: Der Mann hat Null politische Hausmacht. Sollte er Finanzminister werden, dann ist damit praktisch garantiert, dass er überrollt wird. Selbst Theo Waigel hatte ja schon einen schweren Stand und ist oft eingeknickt - obwohl er als Vorsitzender der zweitgrößten Regierungspartei eigentlich eine ordentliche Rückendeckung gehabt hätte. |

Martin Jurgeit
| | Veröffentlicht am Mittwoch, 17. August 2005 - 11:02 Uhr: | |
Warum erinnert mich die "Personalie Kirchhoff" nur so stark an einen gewissen Jost Stollmann? |

Robin Maasters
| | Veröffentlicht am Mittwoch, 17. August 2005 - 19:13 Uhr: | |
@Max: Sollten Sie diese Einseitigkeit wirklich nicht bemerken, würde ich das als außerordentlich bedenklich einstufen. Nur 3 ganz aktuelle Beispiele: 1. "Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber" Der Spruch stammt weder von Edmund Stoiber noch von FJS, sondern von Bertolt Brecht. Dies wird systematisch verschwiegen, da man sonst den Spruch ja nicht mehr Stoiber anhängen, verdrehen, verfälschen oder sonstwie gegen ihn verwenden könnte. 2. Wenn, wie vor kurzem geschehen, einem prominenten "Parteilinken" der Führerschein abgenommen und sichergestellt wird, weil er angesoffen fast zum Geisterfahrer geworden wäre, sieht man davon im Fernsehen nichts oder fast nichts. Wäre dies einem von der CSU passiert, den hätten sie öffentlich geschlachtet. 3. Man kann das Bild von Stoiber von vor drei Jahren, wie er fast auf eine Bühne stolpert, auch noch 20 Jahre wiederholen-- oder auch nicht. Ein Journalist KANN ein Bild oder Foto veröffentlichen, MUSS es aber nicht. Genau dieser Ermessensspielraum wird genutzt, um jemandem zu schaden- oder nicht. Es gibt noch viele andere, mehr oder weniger subtile oder offene Beispiele, falls Sie daran Interesse haben, kann ich bei Gelegenheit gern weitermachen... |

Robin Maasters
| | Veröffentlicht am Mittwoch, 17. August 2005 - 19:30 Uhr: | |
Nachtrag: @Max: Man hat Stoiber vor drei Jahren seine damals manchmal unsicher wirkende Sprechweise vorgeworfen, dieses Äh,äh. Beachtenswert: Nahezu JEDER im Fernsehen macht das, achten sie mal darauf. Nur einem bestimmten Menschen dies dann vorzuhalten, ist schäbig! Und Versprecher? Die gibt es auch massenhaft, nur bei manchem hackt man noch jahrelang darauf herum, weil es politisch in den Kram paßt. Kleiner Tip: Achten Sie mal darauf, welche politische Seite in Talkshows, z.B. am Sonntag oder Donnerstag, immer ausreden kann, 5 min. oder länger, und wer grundsätzlich nach spätestens 1 min. unterbrochen wird. Fortsetzung folgt. |

m.g.s.
| | Veröffentlicht am Mittwoch, 17. August 2005 - 19:35 Uhr: | |
@Martin: Ich hoffe nicht, dass es soweit kommt - ich habe zu Hause noch eine hübsche Karikatur von Stollmann als dicker Elefant mit einem großen Superman-"S" auf der Brust, der wie ein Ballon durch die Gegend hüpft und dabei keinen Porzellanladen auslässt... Aber ich denke, so weit wird es bei Kirchhof nicht kommen, und sogar die Süddeutsche, ihres Zeichens nicht für ihren Konservativismus bekannt und letzte Woche durchaus unter den genüsslichen Stoiber-Zitate-Fledderern zu finden, bemerkt heute: "Überzeugender Auftritt von Paul Kirchhof Wer dachte, ein Paul Kirchhof aus der hehren Welt der Lehre, Forschung und Rechtsprechung könne im oft hemdsärmeligen Polit-Berlin nicht bestehen, sollte seine Einschätzung nach diesem Auftritt noch einmal überschlafen. Dieser Mann ist von anderem Kaliber als der fröhliche Dilettant Jost Stollmann, den Gerhard Schröder 1998 angeschleppt hatte. Paul Kirchhof ist jederzeit und unbedingt ministrabel." (Was nicht heißt, dass Kirchhof in einer schwarz-gelben Regierung durchaus mal unbequem werden kann, wenn seine Konzepte nicht ankommen.) Der ganze Artikel unter: http://www.sueddeutsche.de/,tt1m2/deutschland/artikel/882/58824/ |

Robin Maasters
| | Veröffentlicht am Mittwoch, 17. August 2005 - 22:49 Uhr: | |
Und weiter geht´s: Typische Talkshow-Gäste: 1 Sozi 1 Gewerkschafter 1 Handwerksmeister (erstmalig im TV) 1 Schauspielerin (Einkommensmillionärin, aber linksgerichtet) 1 Kriminologe m. SPD-Parteibuch 1 Arbeitslose alleinerziehende Krankenschwester mit 3 Kindern 1 PDS-Aushängeschild 1 Norbert"die Rente ist sischer"B. Man sieht die Liste im Videotext u. weiß vorher, wie es läuft. Umfrage in der Fußgängerzone: Von 25 Befragten finden sich immer 5-6 Unzufriedene, die man als "Mehrheitsmeinung" verkaufen kann. Eine Moderatorin, die wörtlich sagt:"Ich muß jetzt mal für ....Partei ergreifen. Leute, das ist nicht ihre Aufgabe! Jahrelang hat alle Welt gefordert, Parteien sollten VOR der Wahl sagen, was sie machen wollen. Jetzt tut die Union das und wird dafür "in der Luft zerrissen", Ausgleichsmaßnahmen werden "vergessen zu erwähnen" Die bemühen sich um Klarheit, und nun ist es auch wieder nicht recht. Frau Merkel sieht doch heute zweifellos besser aus als früher, seit sie mehr auf Kleidung, Frisur etc. achtet. Genau das wurde ihr jetzt auch wieder vorgeworfen. Eine bodenlose Frechheit, wie auf ihr herumgehackt wurde. Eine Unverfrorenheit sondershausen! Schließlich können nicht alle Menschen so gut aussehen wie... z.B. Frau Höhn. |

Görd
| | Veröffentlicht am Mittwoch, 17. August 2005 - 23:49 Uhr: | |
Immer diese Weltverschwörung und das nachdem Springer Sat1ProSiebenirgendwas gekauft hat. |

Martin Jurgeit
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 18. August 2005 - 07:53 Uhr: | |
@m.g.s.: Es gibt im Grunde nur zwei Szenarios im Zusammenhang mit der "Personalie Kirchhof": 1. Paul Kirchhof schmeißt, um "ministrabel" zu werden, rund Zweidrittel seines Steuerkonzeptes (inkl. wichtiger Kernthesen) über Bord und fügt sich der Unions-Parteiprogrammatik. 2. Oder aber er steht zu seinen Grundüberzeugungen, wird sich dann aber nicht im Kabinett wiederfinden und wie Stollmann als jemand da stehen, der sich, als es ernst wurde, nicht getraut hat. Man kann es drehen, wie man will - Kirchhof ist den Unions-Strategen in die Falle gegangen. Er kann im Grunde nur verlieren. Es ist mir unbegreiflich, warum er seine hervorragende Stellung als hoch geachteter, parteiunabhängiger Mahner von außen aufgegeben hat. Mir graut jetzt schon davor, was aus ihm wird, wenn er erst einmal in die Fänge der Ministerialbürokratie gerät ... |

Ralf Arnemann
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 18. August 2005 - 10:32 Uhr: | |
@Martin: Da gibt es noch eine Reihe von Möglichkeiten mehr. Die naheliegendste ist: Kirchhof setzt sein Konzept in den wesentlichen Punkten durch. Denn: Obwohl die CDU beim Wahlprogramm wieder etwas konventioneller geworden ist, war sie mit Merz schon nahe dran am Kirchhof-Konzept. Und eigentlich will Merkel auch in diese Richtung. Nach gewonnener Wahl und als Kanzlerin hat sie viel mehr Durchsetzungkraft gegenüber den Bedenkenträgern. Und: Die FDP vertritt im Prinzip das gleiche Konzept. Solms und Kirchhof würden sich in Koalitionsverhandlungen in kürzester Zeit einigen. Und Kirchhof ist politisch nicht so naiv wie Stollmann, er wird alle diese Faktoren kennen und nutzen. |

MMA
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 18. August 2005 - 12:09 Uhr: | |
"Wer außer mir merkt überhaupt noch, wie gleichgeschaltet alles ist?" Für die einen sind das die bösen linken Medien (ja, schon 1976 wurde Kohl immer aus der Froschperspektive gezeigt, sah so dick aus und erlitt deswegen seine schlimme Niederlage, die er dann erst viel später kompensieren konnte [am Rande: Ihr Datum war übrigens der 3. Oktober!]). Für die anderen ist alles, aber auch wirklich alles neoliberal, nationalistisch, voller Ausländer, proamerikanisch, antiamerikanisch,sozialistisch, faschistisch. |

Martin Jurgeit
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 18. August 2005 - 14:19 Uhr: | |
@Ralf: Würden wir hier über die Bildung einer französischen Regierung sprechen, würde ich dir sofort zustimmen. Nur (leider) geht es hier um eine deutsche Bundesregierung, die sich auch mit Landesregierungen (und Kommunen) über wichtige Punkte einer Steuergesetzgebung einig werden muss. Und da sehe ich mehr als schwarz. Am Ende wird allen wieder das Hemd näher sein als die Hose ... Das Merz übrigens "so nahe" an den Kirchhof-Plänen dran wäre, halte ich für gar nicht so erwiesen. In wesentlichen Punkten widersprechen sich dessen (und der FDP) Vorstellungen sogar dimateral mit denen Kirchhofs. Er ist z.B. aus guten Gründen ein vehementer Gegner eines Stufenmodells bei der Berechnung der Steuerlast, das von Merz fast schon zu einem Dogma überhöht wurde. Ich fürchte, dass viele in der Union gar nicht genau wissen, was Kirchhof eingentlich wirklich vertritt. Und dabei ist z.B. der "Karlsruher Entwurf" ein sehr verständlicher und gar nicht mal so umfangreicher Text. |

Ralf Arnemann
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 18. August 2005 - 19:10 Uhr: | |
> Ich fürchte, dass viele in der Union gar nicht genau wissen, was > Kirchhof eingentlich wirklich vertritt. Da gebe ich Dir völlig recht. Das ist aber nicht wirklich schlimm - die Führungsgremien dürften wenigstens halbwegs in der Lage sein, das zu verstehen (während ich bei der Bundesregierung immer Zweifel habe, ob die verstehen, was sie beschließen). Das Stufenmodell ist in der Tat eigentlich nur ein Nebenaspekt. Eigentlich kommt es auf eine transparentere und einfachere Bestimmung (und Verbreiterung) der Steuerbasis an. Natürlich kann es da Eitelkeiten geben, wer sich denn nun optisch mit "seinem" Modell durchsetzt. Aber sowohl bei schwarz als auch bei gelb ist klar, daß die Steuerreform DER wesentiche Baustein ist, ohne den alle anderen Reformen Makulatur bleiben. Und man hatte sich ja schon einmal auf eine recht weitgehende Reform geeinigt (die dann von Lafontaine blockiert wurde), die muß man nur weiterentwickeln. Selbstverständlich werden auch die Länderfürsten ihre Interessen wahren - aber letztlich wird keiner von denen so selbstmörderisch sein, die Steuerreform zu verhindern. Kirchhof hat da einen sehr großen Hebel. |

Thomas Frings
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 18. August 2005 - 20:20 Uhr: | |
"Aber sowohl bei schwarz als auch bei gelb ist klar, daß die Steuerreform DER wesentiche Baustein ist, ohne den alle anderen Reformen Makulatur bleiben." Mindestens ebenso nötig müssen aber auch die Sozialversicherungen saniert werden. Die Idee der Union, Löcher in den Sozialversicherungen mit einer MwSt-Erhöhung zu stopfen ist genau das Falsche. Das ist im Grunde die selbe (falsche)Logik wie bei der Ökosteuer, nur ohne ideologische Überhöhung. Wenn man z.B. den Sozialausgleich in der Krankenversicherung stärker über das Steuersystem regeln will (was ja Union und FDP wollen) muß natürlich erstmal das Gesundheitswesen radikal umgekrempelt werden. Eine radikale Steuerreform ist wichtig- bringt aber isoliert nicht DEN großen Befreiungsschlag. |

Dr. Ohnemoos
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 18. August 2005 - 20:40 Uhr: | |
@Robin Maasters Dass die deutschen Medien links dominiert seien, ist natürlich Unsinn. Bei der letzten Talkshow die ich gesehen habe, wurde z.B. hauptsächlich der PDS-Politikerin das Wort genommen. Frau Christiansen ist ja bekannt für ihre CDU-Vorliebe. Richtig ist vielmehr, dass - weitgehend außerhalb des rechts-links-Schemas - es in den deutschen Medien eine Tendenz gibt, die Amerikaner schlecht zu machen und den Islam zu verharmlosen (ebenso werden z.B. "alternative Heilverfahren" oft unkritisch hochgejubelt). Ich kann mich - ich weiß nicht mehr welcher Sender es war - erinnern, dass zu den Anschlägen in London der Sprecher um keinen Preis in der Welt sagen wollten, dass die Attentäter Moslems waren. Es wurde immer um den heißen Brei herumgeredet, bis es zur Übersetzung einer Rede von Tony Blair kam. Da musste der deutsche Sprecher dann das Wort Islam doch einmal in den Mund nehmen, weil Tony Blair es eben erwähnt hat. Hier ist zu fragen, warum man sich gescheut hat, darauf hinzuweisen, dass die Attentäter Moslems waren und dass die Attentate eben etwas damit zu tun haben, dass die Täter Moslems waren. Wie lange will man sich noch blind stellen ? Im übrigen habe ich Magnum immer gern gesehen. All the Best Dr. Ohnemoos |

Robert Z.
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 18. August 2005 - 22:42 Uhr: | |
@Martin Jurgeit: "Er ist z.B. aus guten Gründen ein vehementer Gegner eines Stufenmodells bei der Berechnung der Steuerlast" Aus welchen guten Gründen denn? Der Unterschied zwischen linear-progressiv oder "stufig" verlaufender Grenzsteuerlast scheint mir eher kosmetisch zu sein, mit dem Vorteil der einfacheren Rechnungen beim "stufigen" Modell. Oder spielen Sie darauf an, daß eine Flat-Tax (konstanter Grenzsteuersatz) noch besser wäre? @Dr. Ohnemoos "Frau Christiansen ist ja bekannt für ihre CDU-Vorliebe." Vor allem ist sie (ebenso wie Frau Illner) bekannt für ihr oberflächliches Halbwissen. Aufmerksame Zeitungsleser sind meist besser über die Konzepte der Parteien oder die Vorgänge der letzten Wochen orientiert als diese beiden. |

Robin Maasters
| | Veröffentlicht am Freitag, 19. August 2005 - 00:03 Uhr: | |
@Dr.Ohnemoos: Themaverfehlungen und Ablenkung als Antwort auf meine Texte scheinen hier Gewohnheit zu werden (warum eigentlich), aber trotzdem: Mit Ausnahme Ihrer ersten drei Zeilen stimme ich Ihrem Beitrag zu, anderes Thema, nun ja...Daß Ihnen zu meinen Beiträgen nur "Unsinn" einfällt, muß nicht an den Beiträgen liegen. Suchen Sie mal unter "DDVG"! Ich will gar nicht ausschließen, daß es auch bei anderen Parteien ähnliche Beteiligungen gibt, aber hier scheinen es besonders viele zu sein (ob es außer der Spitze noch einen Eisberg gibt (??) Manche Fernsehmacher scheinen ihren einzigen Lebenszweck darin gefunden zu haben, auf die jetzigen Oppositionsparteien einzuschlagen, bei ARD u.ZDF ist dies besonders unerträglich, da die Leute nicht nur von Zwangs-Gebühren von Linken, sondern von Anhängern ALLER Parteien finanziert werden. |

Robin Maasters
| | Veröffentlicht am Freitag, 19. August 2005 - 01:09 Uhr: | |
@Dr.Ohnemoos Nachtrag: Nur nebenbei: Wenn ein Nachrichtensprecher in DE die Nationalität oder Religion eines Verbrechers verschweigt, dann muß ich zunächst davon ausgehen, daß es sich um einen Ausländer handelt. Warum? Nicht als Vorurteil. Nein, denn bei einem Deutschen wird es IMMER erwähnt und alle 30 Minuten wiederholt... |

Der mit den Doppelbuchstaben
| | Veröffentlicht am Freitag, 19. August 2005 - 12:13 Uhr: | |
Die DD_VG ist trotz ihrer imposanten Medienliste recht bedeutungslos am publizistischen Horizont. Zumm Glück |

Florian
| | Veröffentlicht am Freitag, 19. August 2005 - 20:44 Uhr: | |
"Richtig ist vielmehr, dass - weitgehend außerhalb des rechts-links-Schemas - es in den deutschen Medien eine Tendenz gibt, die Amerikaner schlecht zu machen" Stimmt leider absolut. |

Robin Maasters
| | Veröffentlicht am Samstag, 20. August 2005 - 00:21 Uhr: | |
Das hier will ich Ihnen allen doch nicht vorenthalten: http://www.lachstdu.com/data/media/15/schroeder.jpg Warum gibt es das eigentlich nicht im Fernsehen zu sehen?:o) |

Martin Jurgeit
| | Veröffentlicht am Montag, 22. August 2005 - 08:36 Uhr: | |
@Robert Z.: "Der Unterschied zwischen linear-progressiv oder "stufig" verlaufender Grenzsteuerlast scheint mir eher kosmetisch zu sein, mit dem Vorteil der einfacheren Rechnungen beim "stufigen" Modell. Oder spielen Sie darauf an, daß eine Flat-Tax (konstanter Grenzsteuersatz) noch besser wäre?" Ich könnte jetzt einfach sagen: "Sowohl als auch". Das eigentliche Kirchhof-pur-Modell ist natürlich die Flat-Tax. Aber wenn schon nicht die, dann ist Kirchhof ein Anhänger des linear-progressives Modells, wie etwa die Erfahrungen in den USA zeigen, wo sich die Gehälter jetzt an den Stufen entlang aufstauen, weil "moderate" Gehaltserhöhungen in "Grenznähe" zu den Stufen schlicht zu Einkommensverlusten der Arbeitnehmer führen würden. Die Berechnung solcher linear-progressiver Steiersätze ist übrigens sehr viel leichter als manche Wahlauszählverfahren, die hier im Forum propagiert werden ;-) Aber das alles dürfte sich nach der Diskussion des Wochenendes eh erübrigt haben - von Kauder über Merkel bis Oettinger hat ja wohl so jeder jetzt klar und in aller Öffentlichkeit gesagt, was er von der Durchsetzbarkeit der Kirchhof-Vorschläge hält. Für mich ist das Thema durch. Mir bleibt nur ein großes Rätsel, warum dieser Klartext nicht vor der Nominierung mit Kirchhof geredet wurde ... |

Fragender
| | Veröffentlicht am Montag, 22. August 2005 - 09:12 Uhr: | |
@Martin Jurgeit Die FDP scheint sich schon ins Fäustchen zu lachen: Samstag-Mittag hatten die schon bei uns in der Fußgängerzone einen Info-Stand (die SPD war auch noch da, aber CDU und Grüne glänzten durch Abwesenheit) mit einem großen Transparent "Wer Kirchhof will, muß FDP wählen" und ein handgestricktes Flugblatt der örtlichen Gliederung (kam von Duktus und Gestaltung her wohl nicht aus der Zentrale, sondern war schnell geschrieben und fotokopiert), in dem Kauders Äußerungen dokumentiert und auseinandergenommen wurden. Im Unterschied zu den USA führen die von Union und FDP vogeschlagenen Stufentarifen im Übrigen nicht zu Netto-Einkommensverlusten bei Brutto-Gehaltssteigerungen, weil immer nur der die Grenze überschiessende Betrag mit dem höheren Satz besteuert wird. |

Martin Jurgeit
| | Veröffentlicht am Montag, 22. August 2005 - 11:26 Uhr: | |
@Fragender: Danke für den Hinweis zu den Stufentarifen-Modellen von Union und FDP. Es bleibt aber dabei, dass dieses System mit großer Wahrscheinlichkeit dazu führen würde, dass sich viele Einkommen immer kurz vor den Grenzen der Stufen einpendeln, da man dort "am besten" weg käme - quasi eine Steuererleichterung gegenüber dem Durchschnitt erhält. Während die anderen, die knapp über den Hürden liegen, zumindest für einen Teil ihres Einkommens überproportional viel Steuern zahlen und sich ungerecht behandelt fühlen. |

Florian
| | Veröffentlicht am Montag, 22. August 2005 - 13:16 Uhr: | |
Ich glaube, hier gibt es ein Missverständnis zwischen Durchschnittssteuersatz und Grenzsteuersatz. zur Klarstellung ein Beispiel für einen Stufentarif: Es gelte 0% Steuersatz bis einschließlich 15.000 € 15% Steuersatz bis einschließlich 30.000 € 25% Steuersatz bis einschließlich 60.000 € 35% darüber Jemand, der 30.000 € verdient, zahlt dann: 2.250 € (nämlich 0% für die ersten 15.000 und 15% für die restlichen 15.000€). Der Durchschnittssteuersatz liegt bei 7,5% (=2.250/30.000) Jemand, der 30.001 € verdient, zahlt dann: 2.250,25 € (nämlich 0% für die ersten 15.000, 15% für die nächsten 15.000€ und 25% für den letzten Euro). Der Durchschnittssteuersatz liegt immer noch bei rund 7,5%. |

Marek
| | Veröffentlicht am Montag, 22. August 2005 - 14:22 Uhr: | |
Warum werden die Steuermodelle eigentlich nie als mathematische Funktion präsentiert? Dann würden erst gar keine Missverständnisse auftreten. Und die Eigenschaften der Modelle ließen sich viel besser diskutieren und vergleichen. |

Martin Jurgeit
| | Veröffentlicht am Montag, 22. August 2005 - 14:41 Uhr: | |
Entscheindend ist doch aber, dass jemand von den letzten 100 Euro Verdienst vor der Stufe 15 Euro abgeben muss, von den ersten 100 Euro nach der Stufe aber gleich 25 Euro. Und egal um welchen Betrag in welcher Höhe es hier konkret gehen wird, die Menschen werden sich immer riesig ärgern und aus PRINZIP übervorteilt fühlen. Das gleiche erlebt man z.B. auch in Nahverkehrssystemen, wo Abstufungen in den Tarifen gegeben sind. Gerade in den Grenzorten, wo der nächsthöhere Tarif zum erstmals anfällt, ist immer der Unmut riesengroß, selbst wenn es nur um 20 oder 30 Cent gehen sollte. Nur in Verkehrssystemen lässt sich ein Stufensystem in der Regel leider nicht vermeiden, wenn man die Benutzung der Fahrscheinautomaten noch einigermaßen praktikabel halten will. Bei der Steuerberechnung kamen wir dagegen immer ganz gut mit dem linear-progressiv System zurecht. Ich kenne aus meinem Bekanntenkreis eigentlich niemanden, der sich an diesem Punkt gestoßen hat. Das große Problem sind - abgesehen von der Höhe der Steuern allgemein - vielmehr die vielen "Ausnahmetatbestände", bei denen im Grund jeder das Gefühl bei Abgabe der Unterlagen hat, irgendetwas habe ich bestimmt vergessen. |

Klaus
| | Veröffentlicht am Montag, 22. August 2005 - 14:42 Uhr: | |
Es wird ja oft versucht, leider verweigern sich die Medien einer sachlichen Diskusion über Fakten und Konzepte. Es ist eben einfacher, mit Schlagworten (besonders beliebt: "unsozial" oder "ungerecht") und Personalisierungen ("TV-Duell") zu arbeiten, statt Begriffe wie "Durchschnittssteuersatz" und "Grenzsteuersatz" zu definieren. Ein kleines Beispiel durchrechen kannst Du im allgemeinen auch vergessen, bei der ersten Zahl schalten die Leute ab, weil sie "von Mathe nie etwas verstanden haben" und "schon in der Schule Mathe gehasst haben und ganz schlecht waren". (Diese Aussagen steigern die Beliebtheit der fraglichen Person auch gleich massiv, das gilt aber nur für das Themengebiet Mathematik) |

Martin Jurgeit
| | Veröffentlicht am Montag, 22. August 2005 - 14:47 Uhr: | |
@Marek: Die Antwort gerade bezog sich noch auf Florian. Aber auch kurz zu deinem Einwurf: Im "Karlsruher Entwurf" z.B. hat Kirchhof genau das getan, leider liegt mir der genaue Text gerade nicht vor. Ich weiß aber noch, dass sogar ich das verstehen konnte - und das soll in diesem Fall wirklich was heißen ;-) |

Marek
| | Veröffentlicht am Montag, 22. August 2005 - 15:15 Uhr: | |
> Ein kleines Beispiel durchrechen kannst Du im allgemeinen auch > vergessen, bei der ersten Zahl schalten die Leute ab, weil (...) Die durchgerechneten Beispiele haben sowieso immer einen Haken: Jeder wählt einen Fall, in dem sein eigenes Modell gegenüber der Konkurrenz das beste Ergebnis liefert. Wenn schon Beispiele durchgerechnet werden, dass sollte es eine Menge von "Referenzbürgern" geben, an denen die Auswirkungen verschiedener Modelle aufgezeigt werden können. Oder man müsste in den Rechnungen mit parametrisierten Beispielpersonen rechnen, die dann einen Großteil der tatsächlichen Steuerzahler abdecken. Die Art wie momentan Beispiele präsentiert werden (und damit meine ich alle Parteien) halte ich für unseriös. Ein einzelnes, frei gewähltes Beispiel hat kaum Aussagekraft. |

Robin Maasters
| | Veröffentlicht am Montag, 22. August 2005 - 19:07 Uhr: | |
@Klaus: "schalten DIE Leute ab..." "schalten DIE MEISTEN Leute ab..." würde ich sagen, ansonsten stimme ich voll zu! Wer z.B. im TV versucht, so etwas ruhig zu erklären, wird spätestens nach dem zweiten Satz abgewürgt mit der Bemerkung "das würde hier zu weit führen". Halten die Moderatoren ALLE Zuschauer für so bescheuert, schließen die von sich auf andere oder sind die meisten Leute wirklich so bescheuert, sich das gefallen zu lassen? Gerade das macht solche Sendungen ja zu sinnlosen Leerplauderstunden mit Frust für diejenigen, die sich Informationen erhofften. |

Florian
| | Veröffentlicht am Montag, 22. August 2005 - 21:04 Uhr: | |
@ Marek: Ich sehe das Problem wo anders. Es ist ja schon so, dass nach der Vorstellung eines Steuerkonzepts in den Medien immer sofort für halbwegs typische Haushalte die Wirkungen auf den Cent ausgerechnet werden. Das Problem dabei ist, dass hier immer nur an die kurzfristigen fiskalischen Folgen gedacht wird und nicht an die langfristigen strukturellen. Da heißt es dann z.B. "ein unverheirateter Arbeitnehmer mit Brutto 2.700 € wird beim neuen Konzept mit 27,13€ zusätzlich belastet". Gemeint ist dabei eben immer nur die leicht zu berechnenden fiskalischen Folgen. Aber viel spannender wären Fragen wie: Welche Anreizwirkungen hat das neue Konzept? Welche Verhaltensänderungen sind zu erwarten? Führt das ganze vielleicht zu zusätzlichem Wachstum? Anders formuliert: Dadurch, dass man nur die direkten fiskalischen Folgen darstellt, spielt man nur die einzelnen Gruppen gegeneinander aus: Wem bleibt mehr, wem weniger? Es wird somit ein Nullsummenspiel suggeriert, bei dem jeder schauen muss, dass sein Teil des Kuchens nicht kleiner wird. Die Möglichkeit, dass durch das Konzept der gesamte Kuchen größer oder kleiner werden könnte und entsprechend alle profitieren oder darunter leiden wird hingegen meist nicht ausreichend beleuchtet. |

Martin Jurgeit
| | Veröffentlicht am Dienstag, 23. August 2005 - 07:14 Uhr: | |
Es regnet in großen Teil Deutschlands wie aus Kübeln und die Flüsse steigen über die Ufer ... na, wenn das kein Déjà-vu ist ... |

m.g.s.
| | Veröffentlicht am Dienstag, 23. August 2005 - 11:50 Uhr: | |
Florian: Interessante Betrachtung, der ich zustimme. Martin: i. Oh ja, ein Deja-vu... *fingertrommel* Böse gesagt: Jetzt können Stoibers Landsleut beweisen, wie sie mit ihrer eigenen Frustration umgehen. Aber warten wirs ab und wünschen den Bayern (Österreichern, Schweizern...) Mast- und Schotbruch. ii. Ich glaube, dass der Nahverkehrsvergleich hinkt. Man bezahlt ja keinen Festbetrag bei der Steuer, und der steigt ab 30.000 plötzlich in die Höhe. Sondern man bekommt effektiv mehr, auch wenn man die 30.000 nur um wenig überschreitet. Die Furcht besteht meiner Ansicht nach ausschließlich darin, dass man bei Überschreiten einer gewissen Grenze etwas von dem sicher geglaubten zusätzlich weggenommen bekommt. Insofern ist so ein Stufentarif immer psychologisch schwieriger, aber wenn de facto gar kein negativer Effekt eintritt, wird das auch erkannt werden. |

Ralf Arnemann
| | Veröffentlicht am Freitag, 13. Januar 2006 - 14:11 Uhr: | |
Ist doch witzig. Da hatten wir uns im Sommer über die umstrittene Qualifikation des Prof. Walter / Göttingen unterhalten: [URL]http://www.wahlrecht.de/forum/messages/40/1922.html#POST24731[/URL] Und nun soll er wohl von seiner Uni abgesägt werden - mit ähnlicher Begründung: [URL]http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,394978,00.html[/URL] Da sieht man doch mal, wie sehr dieses Forum politische Entwicklungen beeinflußt ;-) |
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