Ein organisierter (meist experimenteller) Markt (d.h mit echtem Geld),
auf dem Wertpapiere (Futures) auf den Ausgang einer Wahl gehandelt
werden zum Zwecke der Vorhersage von Wahlergebnissen (aber auch zur
Untersuchung von Marktverhalten).
Die Preise der Parteien ergeben sich durch Angebot und Nachfrage, die
schlußendlichen
Auszahlungsbeträge ergeben sich aus dem Wahlergebnis.
Hintergrund ist die Hayek-Hypothese zu Märkten, wonach
ein Markt die verfügbaren, aber
auf viele Personen verstreuten Informationen,
besser als jedes Planungsinstrument sammelt und bewertet
und das Ergebnisse in einem Marktpreis zusammenfaßt.
Wahlbörsen gehören zum Gebiet der Experimentellen Ökonomie.
Die erste Wahlbörse wurde 1988 von
Robert Forsythe, University of Iowa,
anlässlich der US-Präsidentschaftswahl veranstaltet.
Analog zu Wahlbörsen kann man für praktisch jedes in der Zukunft
liegende Ereignis (Ergebnisse von Fußballspielen, Regierungsumbildungen, ....)
Märke veranstalten.
- Händler handeln gewinnorientiert (ansonsten verlieren sie Geld, und
zwar echtes Geld).
- Eine Wahlbörse ist ein Nullsummenspiel. Die Gewinne und Verluste aller
Händler saldieren sich zu Null.
- Alle Wahlbörsen zur selben Wahl, sollten die selben Kurse
aufweisen (unabhängig von Veranstalter). Arbitrage
- Wahlbörse ist nicht unabhängig von den Umfragen. Diese stellen
eine Information der Marktteilnehmer, die diese bewerten. Im Extremfall
folgen die Marktpreise nur den Umfragen.
- Die Berechnungsgrundlage muß klar definiert und objektiv meßbar sein
(Stimmenanteil einer Partei).
Manipulationsmöglichkeiten/Schwächen
- Ansatz ist, daß die Händler gewinnorientiert handeln. Tatsächlich
neigen
sie z.T. dazu ihre Lieblingspartei zu kaufen.
- Wer manipuliert, verliert Geld - bei einem kleinen Markt aber ggfs.
nur wenig.
- Einem Kurstreiben einer Kleinpartei läßt sich nur schwer Gegensteuern.
(Tendenz der Überbewertung kleiner Parteien)
- Die Marktteilnehmer sind auch nicht schlauer als die Meinungsforscher,
und der Marktpreise folgen nur den Umfragen.
- Anreiz sollte ausschließlich der Kursgewinn (bzw. der vermiedene
Kurverlust sein),
d.h. kein Gewinnspiel für den besten (schlechtesten) Marktteilnehmer,
kein
Spielgeld, das nicht wehtut, wenn man es verliert.
- Einsatz. Wenig Geld - Einfache Manilulationsmöglichkeit - viel Geld -
weniger Teilnehmer, die am Marktgeschehen teilnehmen können.
Die Veranstalter einer Wahlbörse stehen vor dem Dilemma, daß bei
einem unbegrenzten Einsatz ggfs sehr wenige marktbeherschende Spieler
die Preise bestimmen, während durch eine Begrenzung des Einsatzes
der Markt Börsenspielcharakter erhält.
Technische Umsetzung
- Primärmarkt. Der Kauf und Verkauf eines Basisporfolios mit allen
Parteien mit der Bank zum Preis von 100% wird ermöglicht.
- vote-share market (Auzahlung nach Prozentwerten)
winner-takes-all-markets (Nur Auszahlung an den Sieger)
- double auction (niedrigste Verkauf, höchste Kaufangebot)
- bid ask spread: Indikator für Liquidität im Markt