Mehrheitsbedingung

[Wahlrechtslexikon]

Ein Wahlsystem erfüllt die Mehrheitsbedingung, wenn eine Partei mit einer Mehrheit an Stimmen auch eine Mehrheit an Sitzen zugeteilt bekommt.

Die Mehrheitsbedingung kann durch eine entsprechende explizite Mehrheitsklausel erzwungen werden.

Zur Präsisierung muß man bei Mehrheit zwischen einer Mehrheit von mehr als 50% und einer Mehrheit von mindestens 50% unterscheiden.

Problem: Gerade Gesamtsitzzahl

Bei einer geraden Anzahl von insgesamt zu verteilenden Sitzen, teilen bei knappen Mehrheiten viele Verfahren einer Partei, die etwas mehr als 50% der Stimmen erhalten haben, genau 50% der Sitze zu. Eine Zuteilung von mehr als 50% der Sitze kann aber eine nichtgewollte Verzerrung des Proporzes zur Folge haben.

Beispiel: Gesamtsitzzahl: 2

Partei A: 51%
Partei B: 49%
Wenn die Mehrheitsbedingung erfüllt ist, erhält die größere Partei automatisch beide Sitze. Bei einer proportionaleren Verteilung erhalten beide Parteien jeweils einen Sitz.

Mehrheitsbedingung für mehrere Parteien

Manchmal wird auch gefordert, daß jede Mehrheitskoalition auch eine Mehrheit an Sitzen haben soll. Dies kann aber kein Verteilungsverfahren sicherstellen. Was anderes gilt, wenn eine bestimmte Mehrheitskoalition irgendwie ausgezeichnet ist.

Beispiel: Gesamtsitzzahl: 3

Es gibt fünf Parteien, mit jeweils rund 20% der Stimmen. Hier hat eine Koalition aus zwei Parteien ohne Sitz und einer weiteren Partei mit höchstens einem Sitz eine Mehrheit an Stimmen, aber keine Mehrheit an Sitzen.

Inwieweit erfüllen verschiedene Berechnungsverfahren die Mehrheitsbedingung


von Martin Fehndrich (letzte Aktualisierung: 11.12.2005)