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Ratinger Linke
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| | Veröffentlicht am Montag, 01. November 2010 - 21:51 Uhr: | |
Die Zahl der (formal) Wahlberechtigten ist bei den letzten Bundestagswahlen deutlich weniger stark gestiegen, als sich aus den statistischen Bevölkerungsdaten ergeben würde. Von 2002 bis 2005 sind knapp 23'000 Wahlberechtigte spurlos verschwunden und von 2005 bis 2009 waren es sogar fast 90'000. Das erscheint mir ziemlich viel. Das einzige wesentliche Loch, das offenbar statistisch nicht vernünftig erfasst wird, sind Ausbürgerungen von Personen mit Wohnsitz in Deutschland. Kennt da wer konkrete Zahlen? 90'000 wären mehr als ein Viertel der Einbürgerungen im selben Zeitraum. Nun gibt es sicher viele eingebürgerte Türken, die nach § 25 StAG ihre Staatsangehörigkeit verloren haben, aber davon wissen doch die Wählerverzeichnisse in der Regel nichts. Außer diesem Artikel in der Zeit hab ich keine auch nur halbwegs konkreten Aussagen gefunden. Zahlen zur Veränderung der Wahlberechtigten:
2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2002-2005 2005-2009 18-Jähr. +845293 +830168 +826824 +831660 +863006 +875322 +894716 +868850 +881117 +795000 +2547108 +3482172 Einbürg. +145609 +138411 +119577 +107428 +96659 +89256 +93343 +86111 +70643 +71476 +300672 +328402 Zuwand. +142657 +144526 +138256 +127185 +140855 +99633 +81979 +83296 +84357 +89500 +377163 +344226 Abwand. -89288 -89362 -95769 -103863 -124185 -116725 -124432 -127848 -139202 -123500 -337752 -516097 Gestorb. -818473 -808030 -820743 -832442 -797465 -809009 -800522 -804994 -820526 -818500 -2433265 -3262020 Saldo +225798 +215713 +168145 +129968 +178870 +138477 +145084 +105415 +76389 +13976 +453926 +376683
Die Veränderungen zwischen den Bundestagswahlen sind anteilig aus den Jahren hochgerechnet. Die Wahlberechtigten im Ausland muss man beim Vergleich abziehn, das waren 2002 48'107, 2005 54'808 und 2009 65'731. Damit sind die inländischen Wahlberechtigten laut Wählerverzeichnissen von 2002 bis 2005 um 431'142 und von 2005 bis 2009 um 286'855 gestiegen. Bei den Einbürgerungen sind Personen ohne Wohnsitz in Deutschland abgezogen und der Anteil der Wahlberechtigten aus den Daten für Altersgruppen (jeweils 5 Jahre zusammengefasst) geschätzt. Für die Gestorbenen liegen Daten zu Alter und Staatsangehörigkeit nur getrennt vor; nachdem die Unter-18-Jährigen dabei aber nur einen sehr geringen Anteil haben, kann man mit minimalem Fehler den durchschnittlichen Ausländeranteil dieser Gruppe unterstellen. Die Zahl derer, die 2009 18 geworden sind, ist aus den 17-Jährigen von 2008 geschätzt; Daten zu Migration und Gestorbenen 2009 sind aus den vorläufigen groben Zahlen mit den Detailproportionen von 2008 geschätzt. Wahlrechtsverluste aufgrund Betreuung u.Ä. dürften sich mit den entsprechenden Gestorbenen ohne Wahlrecht ziemlich die Waage halten. |

Thomas Frings
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| | Veröffentlicht am Montag, 01. November 2010 - 22:50 Uhr: | |
Betreuung könnte eine Rolle spielen. Da ist die Tendenz steigend. Von 2006 bis 2009 starben lt. Destatis 9983 Säuglinge, von 2003 bis 2005 8604, die waren aber natürlich nicht alle Deutsche. |

mmaneu
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| | Veröffentlicht am Dienstag, 02. November 2010 - 11:23 Uhr: | |
Könnte es einen Zusammenhang mit der Registerbereinigung geben, die im Zusammenhang mit der neuen lebenslangen Steuer-Identifikationsnummer durchgeführt wurde? Es wäre vorstellbar, dass bei der 2009 noch nicht abgeschlossenen Aktion die tatsächlich steuerpflichtigen Personen, also Volljährige bevorzugt überprüft und als Doubletten enttarnt wurden, sodass der sich daraus ergebende Bevölkerungsrückgang überproportional auf Volljährige konzentrieren würde. |

Ratinger Linke
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| | Veröffentlicht am Mittwoch, 03. November 2010 - 14:53 Uhr: | |
Betreuung spielt wohl eher keine wesentliche Rolle. Es scheint zwar keine wirklich aussagekräftigen Zahlen zur Totalbetreuung zu geben, aber bis 1991 waren rund 65'000 unter Vormundschaft, und nach Auslaufen der Übergangsregeln (Ende 2001) dürfte nur noch ein kleinerer Teil davon unter Totalbetreuung stehen. Die Gesamtzahl der neu eingerichteten Betreuungen ist bis 2001 stark gestiegen, steigt seither aber nur noch ziemlich langsam (und fast die Hälfte davon wird durch die gestiegenen Aufhebungen zu Lebzeiten kompensiert). Nachdem die Totalbetreuungen aber nur einen Bruchteil der gesamten Betreuungen ausmachen, könnte da die Entwicklung völlig anders sein. Säuglinge (und andere wesentliche Gruppen an nicht Wahlberechtigten) sollten aus obigen Zahlen schon rausgerechnet sein. Tendenziell hab ich aber zu wenig Unter-18-Jährige von den gestorbenen Deutschen abgezogen, weil da die Säuglinge den größten Teil ausmachen und der Ausländeranteil bei denen seit 2000 deutlich unterdurchschnittlich ist. Macht aber wegen der absolut geringen Menge keinen großen Unterschied. Die Änderung der Differenzen zwischen Bevölkerungsfortschreibung und Melderegistern (und damit Wählerverzeichnissen) scheint aber in der Tat beträchtlich zu sein, jedenfalls nach den Zahlen von Berlin, wo beide Zahlen im Detail seit 2003 verfügbar sind. Differenzen für Berlin (positiv sind Überbestände in der Fortschreibung gegenüber dem Register) und Änderungen der Differenzen gegenüber dem Vorjahr:
2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 Diff. Dtsch. Ausl. Dtsch. Ausl. Dtsch. Ausl. Dtsch. Ausl. Dtsch. Ausl. Dtsch. Ausl. Dtsch. Ausl. 0-17 -1241 +8041 -1276 +8075 -3655 +8208 -4177 +8628 -5490 +10030 -6470 +11514 -8218 +13144 18+ +56178 -4743 +52351 -4430 +53445 -2245 +54439 -3658 +60925 -3068 +64950 -1162 +68199 -122 Änderg 0-17 -35 +34 -2379 +133 -522 +420 -1313 +1402 -980 +1484 -1748 +1630 18+ -3827 +313 +1094 +2185 +994 -1413 +6486 +590 +4025 +1906 +3249 +1040
Von Ende 2005 bis Ende 2009 macht das zusammen einen zusätzlichen Überschuss von 14'754 Deutschen ab 18 Jahren in der Fortschreibung. Wenn man berücksichtigt, dass die Register in den Großstädten normalerweise deutlich fehlerhafter als in kleineren Gemeinden sind, käme man da deutschlandweit grob auf die Differenz von 90'000. Der Zusammenhang mit der aktuellen Registerbereinigung ist aber nicht ganz klar. Die größte zusätzliche Abweichung hat es schon 2007 gegeben. Außerdem entfällt der Großteil davon auf Leute, die Ende 2009 zwischen 18 und 45 Jahre alt waren. Bei den Älteren sind die Änderungen unsystematisch, z.B. sind beim Jahrgang 1945 im Saldo der letzten Jahere 1'207 Deutsche nur aus den Registern gestrichen worden, beim Jahrgang 1946 sind dagegen 805 nur in den Registern neu aufgetaucht. Eigentlich würde ich bei einer Registerbereinigung erwarten, dass vorallem eingebürgerte Gastarbeiter, die im Alter in ihr Heimatland zurückgekehrt sind, ohne sich abzumelden, für zusätzliche Differenzen sorgen. Bei verschwundenen Ausländern wird normalerweise unterstellt, dass sie in ihr Heimatland gezogen sind, während sich verschwundene Deutsche in der Regel bis zur nächsten Volkszählung in der Bevölkerungsfortschreibung halten können. Ansonsten sollte es eigentlich keine Gründe für wesentliche Differenzen auf deutschlandweiter Ebene geben. Auffällig ist übrigens noch, dass die 0-Jährigen in der Fortschreibung durchgängig einen wesentlichen Überschuss haben, während die 1-Jährigen eher im Melderegister mehr sind. |
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