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"Wollt ihr Krieg" - Suggestivfragen i...

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zwick
Veröffentlicht am Mittwoch, 05. März 2003 - 15:06 Uhr:   

Der Stern hat jetzt vorab eine Umfrage zur Irak-Story abgedruckt.
86% wollen demnach in Deutschland keinen Krieg.
Gut.
83% schließen sich der Meinung an, die USA sollten nicht ohne UNO-Mandat angreifen.
Zwei Dinge fallen klar auf:
1. Das Thema ist mehrdimensional - es geht im Verständnis der Leute nicht um die Frage "Schalter ein oder aus ?", es spielen zumindest noch signifikant eine weitere Dimension (UNO-Abstimmung) eine Rolle. Mindestens.
2. Die Fragestellung und die Suggestion eines "sozial erwünschten" antwortverhaltens, also der sachte Zwang, sich in der Öffentlichkeit "konformistisch" zu äußern, haben einen gewaltigen Einfluss auf das Antwortverhalten.

Aber es fällt weiter auf, dass die SPD weniger als 86% Zustimmung erhält und man könnte schließen: So wichtig ist der Irak in der Agenda der privaten Haushalte wohl doch nicht.
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Sole
Veröffentlicht am Mittwoch, 05. März 2003 - 15:26 Uhr:   

"2. Die Fragestellung und die Suggestion eines "sozial erwünschten" antwortverhaltens, also der sachte Zwang, sich in der Öffentlichkeit "konformistisch" zu äußern, haben einen gewaltigen Einfluss auf das Antwortverhalten."

Was zu beweisen wäre
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c07
Veröffentlicht am Mittwoch, 05. März 2003 - 17:23 Uhr:   

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Stephan Glutsch
Veröffentlicht am Mittwoch, 05. März 2003 - 21:17 Uhr:   

Da gibt es den bekannten Witz:

Darf man beim Beten rauchen? - Aber nein, Bruder, wie kommen Sie denn auf solche Gedanken.

Darf man beim Rauchen beten? - Aber natürlich, Bruder, Sie dürfen immer beten.

Es kommt also immer darauf an, wie die Frage gestellt wird. Ich habe es auch schon bei annonymen Umfragen erlebt, daß die Fragestellung suggestiv ist, z.B.

Sind Sie der Meinung, daß die Gleichberechtigung der Frau durch die Maßnahme XYZ verbessert werden sollte.

Nun kann man zwar die Gleichberechtigung (und vor allem gleiche Pflichten) von Frauen befürworten, gleichzeitig aber der Meinung sein, daß die Maßnahme XYZ dazu ungeeignet ist.

Ein anderes Beispiel: Ein Antisemitismusinstitut weist nach, daß bei 60% der Schweizer antisemitische Tendenzen vorhanden sind. Dabei wurde den Testpersonen folgende Frage gestellt:

Sind Sie der Meinung, daß die Juden einen zu großen Einfluß haben.

Auch hier ist es nicht möglich, bei der Beantwortung zwischen "groß" und "zu groß" zu differenzieren.

Ein weiteres Problem ist, daß die Antworten nichts kosten, also werden die meisten Menschen die "moralischere" Antwort vorziehen, insbesondere dann, wenn sie direkt befragt werden. Es ist ein großer Unterschied, ob man sich gegen die Einschränkung des Asylrechts ausspricht oder ob man bereit ist, selbst Flüchtlinge aufzunehmen und für alle Risiken und Nebenwirkungen zu haften.

Ein einfacher Trick, die gewünschte Antwort zu bekommen, ist, sich seiner politischen Gesinnung gemäß auffällig zu kleiden. Wenn also jemand mit Latzhose, gefärbter Windel um den Hals gewickelt, Ohrring, Lederarmband auf mich zu kommt, dann gehe ich gewöhnlich aus dem Weg, um mich nicht anzustecken.

Ich habe das einmal beim Fernsehen erlebt. Ein Kamerateam kam in die Mensa der Universitaet Jena. Die Mitarbeiter sahen aus wie Ökos oder Marxisten. Sie gingen dann schnurstracks auf den Tisch des Studentenrates zu (die sahen damals auch mehrheitlich aus wie Ökos und Marxisten, und viele hatten vorher führende Positionen in der FDJ inne). Zufällig habe ich sie Sendung dann im Fernsehen gesehen. Es handelte sich um eine Umfrage unter Jenaer Studenten, was sie von Burschenschaften hielten. Natuerlich kam ein bekannter Linksextremist zu Wort. Das war also die Meinung der Janaer Studenten, einfach mal in die Mansa reingeschaut und zufällig ein paar Studenten befragt ...
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alberto
Veröffentlicht am Mittwoch, 05. März 2003 - 21:50 Uhr:   

Was lange Bestand hat

quote:

Von Stephan Glutsch am Mittwoch, den 05. März 2003 - 21:17 Uhr: Da gibt es den bekannten Witz:
Darf man beim Beten rauchen? - Aber nein, Bruder, wie kommen Sie denn auf solche Gedanken.
Darf man beim Rauchen beten? - Aber natürlich, Bruder, Sie dürfen immer beten.



ist auch gut. Das stimmt zwar nicht immer, aber oft. So auch bei diesem Witz. Wer fragt, der führt. Wer zuhört, noch mehr. Wer Reaktionen erwarten kann, am allermeisten. Die Aufgeregtheiten bei Umfragen verstehe ich nicht.
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Nimreem
Veröffentlicht am Donnerstag, 06. März 2003 - 07:44 Uhr:   

@ zwick,

das ist mir seit der Jugend klar. Damals - bei der ersten grossen Friedensbewegung - waren über 70% vehement für die Position der SPD ohne Schmidt. Der Union unter Kohl wurde aber mehr wirtschaftliche Kompetenz zugetraut. Kohl gewann dann 1983 die Bundestagswahl.

Trotz allem (und ja zum Glück) war die Kriegsbedrohung und damit die Angst um sein Leben in Deutschland nie so gross, dass die Angst um seine wirtschaftliche Existenz dies nicht überdeckte.

Ob deshalb den Leuten das Thema aber nicht wichtig ist, würde ich nicht behaupten. Immerhin hat es nie so grosse Demos aus wirtschaftlichen Gründen gegeben. Es ist den Leuten halt anders wichtig, sie reagieren da anders drauf.
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Zwick
Veröffentlicht am Donnerstag, 06. März 2003 - 09:01 Uhr:   

@ nimreem
Zugegeben, diese letzte Folgerung ist induktiv und nicht analytisch.
Das Ende der Regierung Schmidt hing nicht an Kohl's vermuteten Kompetenzen, sondern vor allem an der FDP. Mal unter uns: Hätte die FDP nicht gewechselt, die CDU hätte nie 50% erreicht und wir hätten sozusagen "österreichische Verhältnisse" erlebt. Eine unendliche Dauerregierung durch eine einzige Konstellation. Ohne das werten zu wollen!
Grüße
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Frank Schmidt
Veröffentlicht am Samstag, 08. März 2003 - 20:47 Uhr:   

@Zwick
Auch der Linksruck von Schmidt zu Vogel konnte 1983 die Grünen nicht draußen halten. Gegen Schmidt wären die Grünen bei der normalen Wahl 1984 wohl noch stärker geworden.
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zwick
Veröffentlicht am Montag, 10. März 2003 - 10:29 Uhr:   

@Frank Schmidt
Der Fall Klitschko hat gezeigt, dass man links genauso hart eingefeilt bekommen kann wie rechts.

Entschuldigung. Aber ich kriege immer eine Allergie, wenn ich "links-rechts" als vermeintliche Ortsbestimmung lese und verweise gern darauf, dass schon ein einfaches zweidimensionales Koordinatensystem aufschlussreichere Auskunft geben kann als die eindimensionale Linie von links nach rechts.
Aber selbst, wenn ich "links-rechts" hinnehmenen könnte: Was wäre damit zu prognostizieren? Hieße es dann: "Wenn links, dann höhere Steuern" oder ""Wenn rechts, dann mehr Waffenhandel" ?
Insofern ist der Verdacht auch nicht ganz richtig, dass die Grünen eine Abspaltung von der "linken" Seite der SPD seien. Gerade in der Phase als die Grünen politisch wurden sind dort die exotischsten Gestalten herumgewieselt, Ökobauern, Pazifistengeneräle, Betroffenheits- und Quotendamen, Ökopaxe, Antiimerialisten, Atomkraftgegner ...
Was ist denn davon heute noch identifizierbar? Gerade mal die Strukturen bürgerlichen Protestes wie Unterschriftensammlungen und Bürgerinitativen, Hearing, sit in, usw.
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SoleSurvivor
Veröffentlicht am Montag, 10. März 2003 - 21:01 Uhr:   

"Insofern ist der Verdacht auch nicht ganz richtig, dass die Grünen eine Abspaltung von der "linken" Seite der SPD seien."

Die Anwesenheit von ex-KBWlern etc bei den Grünen macht sie natürlich noch lange nicht zu einer Partei "links" der SPD. Die Abspaltung links hieß DS und ist gescheitert.
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zwick
Veröffentlicht am Montag, 07. April 2003 - 15:30 Uhr:   

Schöne Umfrage bei Dol2day:

Seid ihr gegen die USA oder für (Frieden mit) Saddam?

Im Forumsbereich "dol-Politik" begriffen 60% diese Fragestellung nicht. Immerhin. 92% der Spanier sind gegen die USA. Ich gehe mal davon aus, dass wir hier 100% schaffen! Entsprechend ausgewogen sind die Antwortkategorien! Wir können die spanischen Umfrageergebnisse noch toppen - wenn keiner verweigert hier ...

Nein, ich bin gegen USA und für Frieden mit Saddam 15,0% (9)
Ja, ich bin für Frieden mit Saddam, aber gegen die USA 14,0% (8)
Nein, ich bin dafür, dass die USA eine böse Lektion erteilt bekommen und bin für den friedlichen Saddam 7,0% (4)
Ja, die USA sollen kapitulieren müssen und Saddam den FRIEDEN lassen
9,0% (5)
Eventuell bin ich gegen die USA, tendiere aber mehr zu Saddam, aus Friedensgründen 7,0% (4)
Saddam ist impotent, aber friedliebend, deshalb: Gegen die USA 10,0% (6)
Die USA sind blutrünstig, aber menschenverachtend, bösartig und gnadenlos, ich bin aber DAFÜR, dass sie eine Niederlage erleiden und Saddam in Ruhe lassen 41,0% (25)


Also: Ich zähle zusammen und komme auf 103%, die entweder gegen die USA oder für Saddam sind ...
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ahhs
Veröffentlicht am Montag, 22. September 2003 - 08:39 Uhr:   

make war , not peace !
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Sole
Veröffentlicht am Montag, 22. September 2003 - 12:11 Uhr:   

Auf dol2day findet man leider kaum noch etwas über election.de-Niveau

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