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Tagesspiegel-Artikel "Mehrheit aus de...

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mma
Veröffentlicht am Mittwoch, 03. Oktober 2007 - 13:52 Uhr:   

Ist dieser Artikel hier schon bekannt?

http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/Bundestagswahl;art122,2390382
(die vollständige Internet-Adresse mit dem Teilhinter dem Semikolon geht offenbar nur per Hand einzugeben)

Er beruht vermutlich auf der Grundannahme, wenn die SPD - zugunsten der Linkspartei - stark bei den Zweitstimmen abnehme, würde sie auch bei den Erststimmen entsprechend schwächer. Ob man das in den alten Bundesländern so pauschal unterstellen kann, halte ich allerdings für sehr fragwürdig.
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Tim Spier
Veröffentlicht am Mittwoch, 03. Oktober 2007 - 14:08 Uhr:   

Bei allem Interesse an den election.de-Rechnereien: Für prognosefähig würde ich das Verfahren nicht halten. Mal abgesehen von den Unsicherheiten der zugrundegelegten Umfrageergebnisse: Dass sich das Verhältnis von Erststimmen in allen Wahlkreisen genau so entwickelt, wie es der Bundestrend tut, ist wohl höchst unwahrscheinlich. Aber zumindest die Tendenz, dass die Union stärker von Überhangmandaten profitieren kann, ist natürlich richtig, aber auch nicht wirklich neu.
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Admin
Veröffentlicht am Mittwoch, 03. Oktober 2007 - 14:08 Uhr:   

http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/Bundestagswahl;art122,2390382

Ein Komma in der URL muss hier immer mit einem Backslash (\) maskiert werden (siehe auch Formatierungen).
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Thomas Frings
Veröffentlicht am Mittwoch, 03. Oktober 2007 - 16:31 Uhr:   

"Aber zumindest die Tendenz, dass die Union stärker von Überhangmandaten profitieren kann, ist natürlich richtig, aber auch nicht wirklich neu."
Das ist keineswegs sicher. Bei einem sehr guten Abschneiden sind z.B. CDU-Überhangmandate in BaWü kaum in größerer Zahl möglich.


Einmal abgesehen von den bekannten Prognoseschwäche von Umfragen (erst recht zwei Jahre vor der Wahl) ist die regionale Entwicklung in Deutschland recht unterschiedlich. Das Splittingverhalten änderte sich 2002 gegenüber 2002 deutlich und erneut 2005 gegenüber 2002. 2002 war das Stimmensplittiing im schwarz-gelben "Lager" relativ schwach, 2005 dagegen wieder stark ausgeprägt. Hinzu kommt, daß z.B. in Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt wenige Prozentpunkte Verschiebung viele WAhlkreise kippen lassen kann.

Allzu ernst zu nehmen sind Prognosen a la election.de sicher nicht.
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neoliberaler (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Dienstag, 09. Oktober 2007 - 19:27 Uhr:   

Bei election.de wird folgendes gemacht. Es werden die Veränderungen im Bund genau gleich auf jeden Wahlkreis heruntergebrochen. Soll heissen, dass wenn Partei A 3-Prozentpunkte im bund dazugewinnt, dann gewinnt sie auch in jedem Wahlkreis 3% hinzu. Eine Prognose würde ich dann so ein Ergebnis nicht unbedingt nennen, aber zumindest eine Modellrechnung, die es weiter zu verfolgen gilt.

Warum?

a) Das Modell ist gar nicht so schlecht.

1) Die Veränderungen der Erst- und Zweitstimmen in den Wahlkreisen sind relativ hoch korreliert.

2) Die Veränderungen der Zweitstimme in den Wahlkreisen zu dem Ergebnis des Bundeslandes sind ebenfalls relativ hoch korreliert.

3) Selbst die Ergebnisse der Bundesländer zum Bund sind relaitv hoch korreliert, wenn man mal den Stoiber-Effekt 2002 (starke Zugewinne im Süden, keine im Norden) und gewisse Sondereffekte(Schröder - Niedersachsen) aussen vor lässt.

b) Die Auswirkungen könnten immens sein.

6 Überhangmandate bedeuten soviel wie 1% mehr Stimmen. Und sie könnten das Wahlergebnis umdrehen.

c) Die Modellrechnung im Tagesspiegel erscheint mir relativ konservativ. Mit einer leichten Variation der Annahmen und einem ein wenig anderen Wahlergebnis sind über 20 Überhangmandate für die Union möglich:

1) Stärkeres Stimmensplitting zwischen Union und FDP. Union verliert 2% an die FDP, aber mehr FDP-Wahler stimmen für die Unions-Wahlkreisbewerber

2) geringeres Stimmensplitting zwischen SPD und Grünen

3) geringeres Stimmensplitting Linke-SPD
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Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Donnerstag, 11. Oktober 2007 - 18:30 Uhr:   

> dass wenn Partei A 3-Prozentpunkte im bund
> dazugewinnt, dann gewinnt sie auch in jedem
> Wahlkreis 3% hinzu.
Das halte ich für eine sehr fragwürdige Methode.
Ich würde schon die Veränderung danach bemessen, ob eine Partei in einem Wahlkreis stark oder schwach ist.

Soll heißen: Wenn die Partei z. B. 30% bundesweit erzielte, und nun +3% "gemessen" werden.
Dann sind das relativ ein Zehntel Zuwachs, also würde sie in einem Wahlkreis 55% statt bisher 50% bekommen, um anderen 22% statt bisher 20%.
Überall 3% draufzuhauen verzerrt die sehr unterschiedlichen regionalen Strukturen.
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neoliberaler (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Donnerstag, 11. Oktober 2007 - 20:30 Uhr:   

Hallo Herr Arnemann,

das könnte man denken. Klingt ja auch logisch und vernünftig, was sie da sagen. Ist aber nicht so.

Betrachtet man mal die Wahlen 1994-1998 (weil ich die Zahlen gerade da habe).

Die SPD hat im Schnitt der Wahlkreise bei den Zweitstimmen 4,62% Prozentpunkte gewonnen. Die Standardabweichung betrug 2,27%. Der höchste Zuwachs lag bei 11,62-Prozentpunkten, das schlechteste Ergebnis bei -3,82%.
Macht man eine Regression zwischen Ergebnis 1994 und Stimmenzuwachs in Prozentpunkten, dann hat die SPD sogar in den Wahlkreisen, wo sie schwächer ist, in Prozentpunkten stärker hinzugewonnen, wobei das Bestimmtheitsmaß bei nur 4% liegt. (Gleichung: y=-0,0588 + 0,0676)

Bei der CDU ist das Bild etwas differenzierter. Im Westen ist das Ergebnis ähnlich wie bei der SPD (natürlich spiegelverkehrt). Im Osten hat sie dort wo sie 1994 noch stärker war tatsächlich mehr verloren.

Wobei man wirklich nach Bundesländern differenzieren muss.
So lagen die ganzen starken Zuwächse der SPD in Niedersachsen und die schlechten Ergebnisse in Brandenburg.

Das sind die von mir beschriebenen Punkte 2 und 3.

Rechnet man nicht einfach die Veränderungen aus den aktuellen Bundestagsumfragen gleichmäßg auf jeden Wahlkreis drauf, sondern versucht nach Bundesländern zu differenzieren, dann könnte das Ergebnis sogar noch eklantanter werden.

Legt man die Forsa-Zahlen für die Bundesländer zugrunde, dann wären in Niedersachsen und sogar NRW Überhangmandate für die CDU möglich !!!
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Good Entity (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Donnerstag, 11. Oktober 2007 - 20:51 Uhr:   

@Ralf Arnemann: Bestes und sehr praktisches Beispiel wäre die Linkspartei.

Ein Zugewinn (oder Verlust) von einem Zehntel der bisherigen Wähler wäre bundesweit ca. plusminus 1 Prozentpunkt. In brandenburger Wahlkreisen wäre das aber gerade so eine leichte Brise, kein Gewinn oder Verlust eines Zehntels der Anhängerschaft.

Andererseits müssen die Gewinne der einen zu den Verlusten der anderen passen.

Soll heißen: Wenn in Altötting die SPD ein Zehntel ihrer Wähler verliert, dann kann die CSU dort trotzdem kein Zehntel zu ihren Wählern dazugewinnen, weil sie dann die 100 % - Marke schon fast durchstößt. Proportional geht es also auch nicht.

Vermutlich wird es eine bundeseinheitliche, aber doch etwas "interessantere" Formel sein, die election.de verwendet. Ist der Datenverarbeitung ja auch völlig egal.
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neoliberaler (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Donnerstag, 11. Oktober 2007 - 21:34 Uhr:   

Nö, election.de macht es so.

Ich hab es nachgerechnet. Wenn man es so macht kommt für jeden Wahlkreis genau das Ergebnis raus.

By the way: Ich habe genau das Überhangmandatsthema bei election.de angesprchen.

Ergebnis: gelöscht und gesperrt...

Das nur mal zur Qualität und Seriosität dieser Seite...

Ändert aber nichts daran, dass das Thema hochinteressant ist.
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mma
Veröffentlicht am Freitag, 12. Oktober 2007 - 11:35 Uhr:   

Da würde ich doch noch mal auf meinen eingangs geäußerten Gedanken zurückkommen wollen.

Kann man bei "Der Linken" im Osten und im Westen die gleiche Korrelation von Erst- und Zweistimmen unterstellen?

Im Osten ist die Partei praktisch eine Volkspartei, sie ist medial bestens präsent. Man kann sie dort nicht wählen, ohne mitzubekommen, welche lokal/regional bekannten konkreten Personen dadurch gestärkt werden. Da kann man dann auch den Direktkandidaten wählen, wenn er nicht gerade ganz unmöglich erscheint.

Im Westen dagegen ist es oft schlichtweg unklar, wer sich alles hinter einer kleinen Partei "verbirgt"; jemand Populäres wie Lafontaine oder auch irgendwen kaum bekanntes von irgendwoher aus Deutschland in den Bundestag zu wählen ist für einen Anhänger der Partei sinnvoll - die kaum bekannten Leute, die diese Partei vor Ort aufstellt, müssen da noch längst nicht vertrauenerweckend erscheinen. Und das Gefühl, dass eine Stimme für den Die-Linke-Bewerber den Sieg des CDU-Direktkandidaten fördert ist für eingefleischte Linke auch bei aller Wut über die SPD nicht gerade sympathisch.

Wer weiß, ob die Erststimme dann nicht doch eher an den örtlichen SPD-Bewerber geht, der in der lokalmedialen Darstellung gern als weißer Rabe, der sich in der Fraktion nur nicht durchsetzen kann, erscheint - oder an eine noch integrer erscheinende Grüne ...
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Good Entity (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Freitag, 12. Oktober 2007 - 18:01 Uhr:   

"Nö, election.de macht es so." - tja, wird dann wohl so sein. Kann ja jeder machen wie er will. In allererster Näherung bei einem herkömmlichen Zweiparteien - Direktmandatesystem wie etwa analog in den USA oder grob betrachtet früher in DE passt es auch sehr gut.

Bei einem Dreiparteiensystem für die Direktmandate würde ich neben den imho richtigen Überlegungen von mma auch noch auf die Verhaltensweisen der Wähler bei einem ebenfalls Dreiparteiensystem in GB verweisen: Das vom Wähler vermutete Wahlergebnis in seinem Wahlkreis hat dort einen starken Einfluss auf seine Wahlentscheidung. Er wählt verstärkt die jeweiligen Nos 1 und 2, die von Wahlkreis zu Wahlkreis und auch von Wahl zu Wahl dann andere sein können.

Das kannten wir bisher in DE eher nicht oder kaum, abgesehen vom althergebrachten und berechenbaren Stimmensplitting. neoliberalers Berechnungen 1994 / 1998 sind daher sicher völlig richtig und normalerweise prognostizierbar, aber nicht, wenn sich wie hier die Spielregeln ändern, weil noch ein Ball ins Spiel kommt. Was die Wähler mit diesem machen, kann man momentan nur raten und es kann sich bei der übernächsten Wahl auch schon wieder ändern, wenn tatsächlich für den durchschnittlichen und mäßig informierten Wähler unerwartete Effekte auftreten sollten.
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silencio
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Mittwoch, 08. Juli 2009 - 12:24 Uhr:   

Oh, man hat schon 2007 auf die Möglichkeit hingewiesen, dass die CDU nur durch Überhangmandate gewinnen könnte? Interessant, diese Diskussion im Rückblick zu sehen.
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Norddeutscher
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 12. Juli 2009 - 13:43 Uhr:   

@ Silencio:

Es kann sein, daß CDU, CSU und FDP (die CDU wohl kaum alleine) durch die Überhangmandate eine Mehrheit bekommt, aber die Behauptung, sie könne eine Mehrheit nur bekommen, weil es Überhangmandate gibt, dürfte aufgrund der derzeitigen Umfragen haltlos sein.
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silencio
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Montag, 13. Juli 2009 - 00:42 Uhr:   

@Norddeutscher:

Naja, ich bezweifle stark, dass das Ergebnis so aussehen wird wie die Umfragen derzeit vermuten lassen. Das wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht so sein. Allein an die Stärke der FDP glaube ich nicht, auch wenn sie sicherlich von der Schwäche der CDU profitieren wird. Ich würde auf keinen Fall drauf wetten, dass es zu einer konservativen Mehrheit in Prozenten reichen wird. Ich bin eher überzeugt, dass es andersrum der Fall sein wird und dann sehr wohl die CDU allein durch Überhangmandate die Regierung mit der FDP stellen kann.
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 13. Juli 2009 - 12:21 Uhr:   

"Allein an die Stärke der FDP glaube ich nicht, auch wenn sie sicherlich von der Schwäche der CDU profitieren wird."
Wenn da viele am Ende doch Union wählen, würde das an der Summe für Schwarz-Gelb nichts ändern.
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silencio
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Montag, 13. Juli 2009 - 12:59 Uhr:   

Das mag so sein...ich sollte keine Beiträge in der Nacht schreiben. Ich hatte da nicht so den Drang sämtliche Bedenken zu formulieren...also hier ein paar Gedanken:

1. Die konservative Mehrheit, die die Umfragen gerade abbilden, steht meiner Meinung nach auf extrem wackeligen Füßen. Mit der FDP wird in großen Teilen immer noch eine wirtschaftsliberale Partei gesehen, die ihr Programm nicht revidiert hat aus den Erfahrungen der Wirtschaftskrise. Steuersenkung zu propagieren könnte sich schnell gerade in dieser Zeit als Bumerang erweisen. Im Allgemeinen hat sich in den Wahlen gezeigt, dass die FDP nicht so viele Stimmen bekommen konnte, wie die CDU verloren hat.

2. Die Umfragen gehen von einer eklatanten Schwäche der SPD aus, nur aus dieser ist überhaupt eine konservative Mehrheit denkbar. Wenn ich mir Forsa anschaue, die gerade die FDP bei 21 % sieht, also ziemlich genau dem Wahlergebnis bei der Europawahl, so bezweifle ich diese Zahl stark. Die SPD hat überproportional gelitten unter der geringen Wahlbeteiligung. Es ist glaube ich nicht zu gewagt, darüber nachzudenken, dass die Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl höher sein wird.

3. In der Regel hat meines Wissens die SPD bei den Bundestagswahlkämpfen an Stärke gewonnen. Das größte Problem bei der SPD ist nicht, die Wähler anderer Parteien zu überzeugen für sie zu stimmen, sondern ihre eigenen Wähler zu mobilisieren.

4. Jetzt zwar etwas gewagt, aber ich formuliere es trotzdem: Die Umfragen stehen für die Konservativen zur Zeit recht gut da. Das könnte sich aber bei der tatsächlichen Wahlentscheidung als negativ für das CDU/FDP-Lager herausstellen, nämlich dann, wenn man (wie im übrigen 1990 genau der umgekehrte Effekt bei der SPD) überlegt, ob man so ein starkes konservatives Lager haben möchte gerade angesichts der Wirtschaftskrise. Da könnten dann einige Stimmen aufgrund solcher Überlegungen zum anderen Lager (nicht unbedingt zur SPD) wandern.

5. Die FDP wird teilweise bei 15 % gesehen. Sie wird also in einigen Gebieten deutlich über die 15 % springen müssen, um im Durchschnitt dieses Ergebnis zu erzielen. Schaue ich mir die LTW in Hessen an (auch wenn es eine LTW ist, vergleiche ich es trotzdem mal), dann sehe ich, dass die FDP dort unter den denkbar günstigsten Bedingungen für sie (unbeliebter CDU-Ministerpräsident, katastrophale SPD-Querelen, Angst vor der Linken) man gerade bei 16 % kommt. Woher soll sie also die ganzen Stimmen bekommen?

6. Im Allgemeinen habe ich immer noch das Umfragedesaster von 2005 in Erinnerung. Das wird sich wahrscheinlich so nicht wiederholen, kennzeichnet aber doch eine abnehmende Bindung zu den Parteien im Allgemeinen. Ein sehr hoher Prozentsatz der Unentschiedenen wird auch diesmal wieder zu erwarten sein, so dass es sich erst in der letzten Woche vor der Wahl entscheiden wird, wer das Rennen macht.
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mma
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 13. Juli 2009 - 14:42 Uhr:   

@silencio

Vor allem kommt es auf den 30. August an. Die drei Landtagswahlen sind als Test wichtig, für mögliche Linksfront-Kampagnen relevant und können auch die Bundesratsmehrheit verändern. Einfach schon dadurch, dass über Letzteres vermehrt diskutiert wird, kann es Einflüsse auf das Wählerverhalten geben, die wir jetzt noch gar nicht abschätzen können.
Wenn die interessierte Öffentlichkeit sich gerade mal wieder in einer aktuellen Debatte die tatsächlichen Machtverhältnisse im Bundesrat vor Augen geführt hat, wirken Diskussionen über Rot-Rot-Grün oder Schwarz-Grün, die zu anderen Zeiten mediale Aufreger hergeben, dann doch eher unrealistisch.
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Florian das Original
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Montag, 13. Juli 2009 - 15:21 Uhr:   

Silencio:

Im Grundsatz sehe ich das ähnlich.
Insbesondere auch die Tatsache, dass auch ich die Umfragewerte für nicht sehr belastbar halte.

Aber Hinweis zu einem Punkt:
"Mit der FDP wird in großen Teilen immer noch eine wirtschaftsliberale Partei gesehen, die ihr Programm nicht revidiert hat aus den Erfahrungen der Wirtschaftskrise."

Das mag so sein.
Und wissen Sie was?
Für mich ist das genau der Grund, warum ich die FDP wahrscheinlich im Herbst wählen werde (zum ersten Mal bei einer bundesweiten Wahl).

Vielleicht bin ich mit dieser Denkweise eine Ausnahme.
Aber es ist auf jeden Fall auch nicht korrekt, aus Ihrer persönlichen (von mir vermuteten) Ablehnung von "wirtschaftsliberalen" Positionen abzuleiten, dass das für die FDP bei der Wahl ein Mühlstein um den Hals sein sollte.
Vielleicht gibt es außer mir eben auch noch weitere 15% an Bundesbürgern, die die Abkehr von wirtschaftsliberalen Prinzipien mit Sorge betrachten.

Meine allgemeine Empfehlung ist da immer:
Man sollte aufgrund von vorherrschenden Meinungen im eigenen Umfeld nicht den Trugschluss ziehen, dass diese Meinungen in Deutschland allgemeiner Konsens seien.
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 13. Juli 2009 - 17:47 Uhr:   

@silencio
"1. Die konservative Mehrheit, die die Umfragen gerade abbilden, steht meiner Meinung nach auf extrem wackeligen Füßen. Mit der FDP wird in großen Teilen immer noch eine wirtschaftsliberale Partei gesehen, die ihr Programm nicht revidiert hat aus den Erfahrungen der Wirtschaftskrise. Steuersenkung zu propagieren könnte sich schnell gerade in dieser Zeit als Bumerang erweisen."
So denken doch nur Leute, die die FDP sowieso nie wählen würden. Die FDP bekommt neue Wähler überwiegend von der Union und das sicher auch gerade deshalb, weil vielen die Union zu sozialdemokratisch ist und die FDP eben nicht (oder zumindest sehr viel weniger).


"2. Die Umfragen gehen von einer eklatanten Schwäche der SPD aus, nur aus dieser ist überhaupt eine konservative Mehrheit denkbar. Wenn ich mir Forsa anschaue, die gerade die FDP bei 21 % sieht, also ziemlich genau dem Wahlergebnis bei der Europawahl, so bezweifle ich diese Zahl stark."
Natürlich kriegt die SPD deutlich mehr als 21%, die Grünen aber sicher erheblich weniger als 13% (wo sie bei Forsa und Infratest liegen), die haben sie nicht einmal bei der Europawahl geschafft. Die 9% für die Linkspartei dürften dagegen realistisch sein.


"3. In der Regel hat meines Wissens die SPD bei den Bundestagswahlkämpfen an Stärke gewonnen. Das größte Problem bei der SPD ist nicht, die Wähler anderer Parteien zu überzeugen für sie zu stimmen, sondern ihre eigenen Wähler zu mobilisieren."
Dazu müßte sie erst einmal ein Thema finden. Steinmeier ist auch längst kein so guter Wahlkämpfer wie Schröder. Daß Merkel wie 2005 der SPD Steilvorlagen liefert, darauf deutet bisher nichts. Womit soll die SPD denn mobilisieren? Mit der Aussicht auf vier weitere Jahre GroKo (und das als Juniorpartner) wohl kaum. Angst vor Schwarz-Gelb zu schüren ist bei dieser weichgespühlten Union sehr schwierig.


"Die SPD hat überproportional gelitten unter der geringen Wahlbeteiligung."
... und die Grünen profitiert.


"5. Die FDP wird teilweise bei 15 % gesehen. Sie wird also in einigen Gebieten deutlich über die 15 % springen müssen, um im Durchschnitt dieses Ergebnis zu erzielen."
Ich glaube auch nicht an 15% für die FDP, aber entscheidend ist doch die Summe. Schwarz-Gelb muß nicht so viel zulegen. Die Splitterparteien werden wohl so 4-5% bekommen, damit reichen dann knapp 48% zur Mehrheit ohne ÜM. 36% CDU/CSU und 12% FDP wären also z.B. schon ausreichend.


@mma
"Die drei Landtagswahlen sind als Test wichtig, für mögliche Linksfront-Kampagnen relevant und können auch die Bundesratsmehrheit verändern."
Ich denke, hier hat die SPD nicht so viel zu befürchten, sie liegt schon in allen drei Ländern auf katastrophalem Niveau. Eine Linksfront wir es in Sachsen sicher nicht und in Thüringen und im Saarland wahrscheinlich nicht geben. Eine bürgerliche Mehrheit ist in allen drei Ländern möglich, aber in keinem sicher. In Sachsen ist die Wahrscheinlichkeit am größten, in Thüringen am kleinsten. In Thüringen ist natürlich das Abschneiden der NPD eine große Unbekannte, die Nähe zur Bundestagswahl wird ihr eher schaden. Die Grünen sind in keinem der drei Länder sicher drin, auch dadurch große Unsicherheit und damit Spannung. Für einen Stimmungstest taugen aber alle drei Länder nicht, denn sie sind so gar nicht repräsentativ. In der Hinsicht ist die Kommunalwahl in NRW am gleichen Tag schon aussagekräftiger.
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silencio
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Montag, 13. Juli 2009 - 17:55 Uhr:   

@Florian das Original:

Ich habe davon gesprochen, dass sich aus den weiteren Befragungen ein Bild ergibt, dass eben nicht eine Unterstützung des wirtschaftsliberalen Kurses vorliegt. Das war dann also nicht meine persönliche Einschätzung, sondern eine Herleitung aus der Beantwortung jener Fragen.
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Florian das Original
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Montag, 13. Juli 2009 - 18:25 Uhr:   

@Thomas F.:
"Ich denke, hier hat die SPD nicht so viel zu befürchten,"

Nun ja, die SPD droht natürlich schon, dass sie den Status "Volkspartei" einbüßt.

("Volkspartei" ist natürlich nicht genau definiert. Aber sicher ist klar, dass Parteien deutlich unter 20% nicht dazu zählen.
Und klar ist auch, dass BISLANG von der SPD von der Öffentlichkeit immer erwartet wurde, einen Kanzlerkandidaten zu präsentieren. Während der Versuch bei der FDP eher bespöttelt wurde.
Wenn die SPD aber in "Schlagdistanz" zur FDP rückt und in vielen - womöglich auch westdeutschen - Ländern nur noch drittstärkste Partei ist, dann wird sie diesen Nimbus irgendwann einbüßen).

Im Saarland wird sie womöglich nur drittstärkste Partei.
Und in Sachsen (zur Zeit der Urväter einst SPD-Hochburg) könnte sie auch unter 10% landen. Als unwahrscheinliches (aber mögliches!) Horrorszenario könnte die SPD in Sachsen sogar an der 5%-Hürde scheitern.

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