Themen Themen Profil Profil Hilfe/Anleitungen Hilfe Teilnehmerliste Teilnehmerliste [Wahlrecht.de Startseite]
Suche Letzte 1|3|7 Tage Suche Suche Verzeichnis Verzeichnis  

Befragungsmethoden

Wahlrecht.de Forum » Umfragen » FAQ/Allgemeine Fragen zu Wahlumfragen » Befragungsmethoden « Zurück Weiter »

Autor Beitrag
 Link zu diesem Beitrag

Thomas Frings
Veröffentlicht am Mittwoch, 20. Juli 2005 - 19:29 Uhr:   

Gestern trat der äußerst unwahrscheinliche Fall ein, und ich wurde selbst mal für eine (Forsa-)Umfrage befragt. Die wollten erstaunlich viel wissen, es waren mehrere Dutzend Fragen.

Zuerst fragte die Frau, ob ein Haushaltsmitglied einige Fragen beantworten könne. Ob man überhaupt wahlberechtigt ist und auch wählen geht, wurde nicht gefragt. Dann wurde als offene Frage nach den drei wichtigsten Problemen gefragt, danach wieder als offene Frage nach den drei wichtigsten Wahlkampfthemen. Darauf folgte eine ellenlange Fragenliste (keine Gewähr für Vollständigkeit, Reihenfolge nur grob- bei derart vielen Fragen kann man sich nicht alles merken, Fragen nur sinngemäß wiedergegeben):

- Welche Partei kann die Problemen in Deutschland lösen?
- Was würden Sie wählen, wenn nächsten Sonntag Bundestags-/Landtags-/Kommunalwahl wäre (keine Antwortvorgaben, keine Unterscheidung von Erst- und Zweitstimme bei BTW).
- Was werden Sie bei der Bundestagswahl wählen?
- Was haben Sie bei der Landtagswahl gewählt? (ich wohne in NRW)
- Stehen Sie einer Partei nahe?
- Wie zufrieden sind Sie mit der Bundesregierung/ dem Bundeskanzler (sehr zufrieden/ zufrieden/ weniger zufrieden/ überhaupt nicht zufrieden)?
- Wen würden Sie bei einer Direktwahl des Kanzlers wählen, Schröder oder Merkel?
- Wie zufrieden sind Sie mit der Landesregierung?
- Ist die neue Regierung besser als die SPD-Regierung?
- Wie zufrieden sind Sie mit CDU/CSU?
- Sind sich CDU und CSU weitgehend einig oder nicht?
- Was halten Sie vom Unionswahlprogramm (geht zu weit, ist gerade richtig, geht nicht weit genug)?
- Entsprach das Unionsprogramm Ihren Erwartungen oder sind Sie enttäuscht?
- Sollten CDU/CSU wieder regieren?
- Wird sich die Lage in Deutschland verbessern/gleichbleiben/verschlechtern?
- Wird sich die Lage in Deutschland mit einer CDU/CSU-FDP-Regierung verbessern/gleichbleiben/verschlechtern?
- Würde bei einer schwarz-gelben Regierung die Arbeitslosigkeit steigen/gleich bleiben/ sinken?
- Wie kümmern sich SPD/Union/FDP/Grüne/Linkspartei um die Menschen (sehr viel/viel/wenig/gar nicht, wurde für jede Partei abgefragt)?
- Kümmern sich die Parteien oder andere Institutionen wie z.B. Kirchen um die "kleinen Leute" ? (zu der Frage fiel mir als einziger spontan nichts ein)
- Sind Sie für Neuwahlen?
- Beeinflußt der Anschlag in der Türkei Ihre Urlaubsplanung?
- Sind Sie dafür, daß man weiterhin zu jeder Jahreszeit Lebensmittel aus aller Welt einkaufen sollte, oder sollte es mehr regionale und jahreszeitliche Produkte geben?
- Der Verbraucherschutz wurde vor einiger Zeit in einem Ministerium gebündelt. Soll das so bleiben, sollen die Kompetenzen wieder aufgeteilt werden oder soll der Staat sich da raushalten?
- Dann ein schönes Beispiel für bewußt beeinflussende Fragestellung: Die Milchbauern bekommen mit 25 Cent je Liter weniger als die Produktionskosten. Sollen die Bauern einen "gerechten Preis" bekommen oder sind Ihnen niedrige Verbraucherpreise wichtiger?
- Sind Sie auch dann gegen Lebensmittel mit Gentechnik, wenn sie billiger sind, oder ist Ihnen das egal, wenn der Preis stimmt?
- Wie oft nutzen Sie ÖPNV?
- Halten Sie das ÖPNV-Angebot für ausreichend?
- Soll der Staat den ÖPNV mehr fördern?
- Viele Menschen haben einen weiten Weg zur Arbeit. Spielt ÖPNV da Ihrer Meinung nach eine wichtige Rolle?

Es folgten "nur noch einige statistische Angaben zur Person", was wohl eine leichte Untertreibung war:

- Geburtsjahr
- Erwerbstätig ja/nein
- Berufsstatus
- Höchster Bildungsabschluß
- Familienstand
- Leben Sie mit jemandem zusammen?
- Wie viele Personen leben im Haushalt?
- Tragen Sie am meisten zum Haushaltseinkommen bei?
- Sind Sie derjenige im Haushalt, der die meisten Einkäufe erledigt?
- Haushaltseinkommen
- Leben Personen unter 18 im Haushalt?
- Sind Sie Gewerkschaftsmitglied?
- Konfession/Kirchgangshäufigkeit
- Einschätzung auf Links-/Rechtsskala von 1 (ganz links) bis 10 (ganz rechts)
- Sind Sie Mitglied in einer Partei?
- Benutzen Sie das Internet?
- Haben Sie im Haushalt einen PC mit Internetzugang?
- Haben Sie eine E-Mail-Adresse?
- Haben Sie einen DSL-Anschluß?
- Unter wie vielen Festnetzanschlüssen sind Sie zu Hause erreichbar?
- Einschätzung der Kenntnisse in neuen Medien auf Skala von 1 (gar keine) bis 5
- Staatsangehörigkeit (komisch, daß die Frage ganz zum Schluß kommt)

Die letzte Frage war: Dürfen wir Sie nochmal anrufen?


Erstaunlich fand ich auch , daß bei diesem umfangreichen Fragenkatalog nicht nach dem Wahlverhalten bei der letzten Bundestagswahl gefragt wurde. Ich vermute mal, daß sehr viele nicht mehr zugeben wollen, damals SPD gewählt zu haben. Und wenn das von den Befragten behauptete Wahlverhalten allzu heftig vom tatsächlichen abweicht, kann man mit dem Ergebnis nichts mehr anfangen.

Zumindest die Befragung zu Essen & Verbraucherschutz und zu ÖPNV sind höchstwahrscheinlich für andere Auftraggeber durchgeführt worden als für die übliche Sonntagsfrage mit ein paar Zusatzfragen zu aktuellen Themen. Bei einer so speziellen Frage wie den Kompetenzen des Verbraucherschutzministeriums kann eigentlich nur dieses selbst der Auftraggeber sein, zumal die übrigen Fragen zum Thema wunderbar ins grüne Denkmuster passen.

Was mich interressieren würde: Wie fragen fgw, infratest und emnid, weiß da jemand etwas drüber oder ist selbst schon mal befragt worden?
 Link zu diesem Beitrag

Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Donnerstag, 21. Juli 2005 - 10:07 Uhr:   

> Zuerst fragte die Frau, ob ein Haushaltsmitglied einige Fragen
> beantworten könne.
Und schon hier würde ich das Telephonat beenden.
Es rufen fast täglich bei uns irgendwelche Telephonmarketing-Leute an, die einem Versicherungen, Geldanlagen oder sonst irgendeinen Blödsinn verkaufen wollen.
Und die kommen auch fast immer über die Befragungs-Schiene.
Wobei dann statt die folgenden Suggestivfragen nicht über Milchpreise gehen sondern über die Frage, ob man nicht seine Steuerlast deutlich drücken möchte ...

Wie repräsentativ kann eigentlich der Bevölkerungsanteil sein, der bereit, so eine Frageorgie überhaupt mitzumachen?
Bei den diversen persönlichen Fragen würde ich sowieso größtenteils die Antwort verweigern.
 Link zu diesem Beitrag

John Rawls
Veröffentlicht am Donnerstag, 21. Juli 2005 - 10:30 Uhr:   

>>>>
Wie repräsentativ kann eigentlich der Bevölkerungsanteil sein, der bereit, so eine Frageorgie überhaupt mitzumachen? Bei den diversen persönlichen Fragen würde ich sowieso größtenteils die Antwort verweigern.

Was sich dann in all denn netten Filter-, Gewichtungs- und Verschiebungsfunktionen äußert, mit denen die Institute ihre Daten dann nachbehandeln und die du, Ralf, immer als unseriös abhandelst.. ;-)
 Link zu diesem Beitrag

Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Donnerstag, 21. Juli 2005 - 12:09 Uhr:   

Und diese Methoden halte ich weiterhin für weitgehend unseriös.
Weil ich nicht glaube, daß die Bevölkerungsgruppe, die telephonisch erreichbar zu Hause sitzt und bereit ist, eine solche Fragenliste komplett und wahrheitsgemäß zu beantworten, in ihrer politischen Struktur vergleichbar ist zu der Bevölkerungsgruppe, die aus diversen Gründen in den Umfragezahlen nicht erfaßt wird.

Sprich: Wenn die Einen plötzlich die Linkspartei ganz toll finden oder statt grün nun lieber schwarz wählen - dann sehen die Anderen das wahrscheinlich ganz anders. Weil sie andere Lebens- und Kommunikationsgewohnheiten haben - und die prägen politische Urteile ganz heftig.

Die beständigen Fehlprognosen der letzten Jahre beweisen recht klar, daß eine Hochrechnung des Verhaltens der einen Gruppe auf die Gesamtwählerschaft trotz aller Filter-, Gewichtungs- und Verschiebungsfunktionen nicht seriös möglich ist.

Mal abgesehen davon, daß in vielen Fällen alle diese angeblichen Funktionen überlagert werden von der entscheidenden Endkorrektur, bei der das Institut die Wünsche des Auftraggebers einarbeitet.
 Link zu diesem Beitrag

Holsteiner
Veröffentlicht am Donnerstag, 21. Juli 2005 - 17:30 Uhr:   

Es gibt doch sowieso nur eine wirklich repräsentative Umfrage und die findet am Wahltag statt. Eine höhere Stichprobe hat keiner und einen besseren Querschnitt der Gesellschaft bekommt man auch kein Institut hin. Eine Gewichtung ist nicht nötig. Einziger Nachteil, man benötigt mehre tausend Menschen, die bereit sind, sich den Abend um die Ohren zu schlagen, aber das hat bisher auch geklappt. Also: Umfragen sein lassen und lieber häufiger (z.B. jährlich) wählen. Das Argument, dann wäre ja ständig Wahlkampf und man käme ja nie zum regieren, ist absurd. Auch jetzt finden stets und ständig Landtagswahlen statt, die zu "bundespolitischen Testwahlen" hochstilisiert werden und die Politik auch lähmen. Also mein Vorschlag: An jedem letzten Sonntag im Januar (damit der Wahlkampf kurz ist, denn zu Weihnachten wird kein Wähler Wahlkampfaktivitäten akzeptieren) finden die Wahlen aller Ebenen vom Gemeinderat bis zum Bundestag (EU-Parlament geht ja leider nicht) statt und Umfragen werden zukünftig nicht mehr durchgeführt. Dann wissen Regierung und Opposition genau, was die Bevölkerung über ihr Tun und Lassen im letzten Jahr denkt und kann sich entsprechend umorientieren.
 Link zu diesem Beitrag

Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Donnerstag, 21. Juli 2005 - 17:33 Uhr:   

Noch häufiger wählen fände ich nicht so gut.

Aber ein generelles Verbot von Umfragen, das würde verdammt viel ändern im deutschen Politikbetrieb - und wohl vorwiegend zum Positiven.
 Link zu diesem Beitrag

Bimm
Veröffentlicht am Donnerstag, 21. Juli 2005 - 18:48 Uhr:   

Wahlen können Umfragen nicht ersetzen. Einziger Vorteil: Man wäre die "Sonntagsfrage" los. Aber Meinungen und Einstellungen der Bürger zu bestimmten Themen ließen sich auf dem Wahlweg ganz bestimmt nicht in Erfahrung bringen.

Denke mal, Umfragen haben durchaus ihren Sinn und ihre Berechtigung und kann beim besten Willen nicht erkennen, was sich "im deutschen Politikbetrieb" zum Postiven verändern würde, falls es keine demoskopischen Erhebungen mehr gäbe. Aber das ist wohl auch eher nur als polemische Zwischenbemerkung von Herrn Arnemann zu werten.

Wichtig ist meiner Meinung nach allerdings schon, dass sich Auftraggeber und Auftragnehmer - also die Institute - ihrer Verantwortung bewusst sind, und da habe ich (siehe aktuelles Beispiel Welt kompakt, Allensbach und mickrige 250 Befragte in Bayern) schon so manchmal meine berechtigten Zweifel.
 Link zu diesem Beitrag

Holsteiner
Veröffentlicht am Donnerstag, 21. Juli 2005 - 23:23 Uhr:   

@Bimm
Diese Pseudo-Plebiszitäre Umfrageritis, die mit BILD-Schlagzeilen nach dem Motto "63% der Bürger fordern das und das - Herr Minister handeln Sie!" korrespondieren, halte ich für zutiefst schädlich für eine repräsentative Demokratie.
 Link zu diesem Beitrag

Bimm
Veröffentlicht am Freitag, 22. Juli 2005 - 10:38 Uhr:   

Jep, das ist natürlich richtig. Aber ich glaube, es wäre auf Dauer noch schädlicher für die repräsentative Demokratie, wenn Entscheidungsträger völlig entkoppelt von der Realität Politik machen würden. "Die da oben" sind doch oftmals einfach schon zu weit weg vom "kleinen Mann".

Bei etlichen Reformbesachlüssen in den letzten Jahren wäre es durchaus sinnvoll gewesen, wenn die Verantwortlichen etwas über die tatsächlichen Bedürfnisse und Einstellungen der Bürger gewusst und diese Ernst genommen hätten. So wäre uns bestimmt das ein oder andere Reformdesaster (Hartz IV, Gesundheitsreform, Rentenreform) erspart geblieben.

@Holsteiner: Bei den Bild-Schlagzeilen gebe ich dir natürlich recht - aber es wird ja zum Glück nicht jede Studie in der Blödzeitung veröffentlicht.
 Link zu diesem Beitrag

Florian
Veröffentlicht am Freitag, 22. Juli 2005 - 12:25 Uhr:   

"Aber ein generelles Verbot von Umfragen, das würde verdammt viel ändern im deutschen Politikbetrieb - und wohl vorwiegend zum Positiven."

Na, na, na. Spricht so wirklich ein Liberaler?
 Link zu diesem Beitrag

Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Freitag, 22. Juli 2005 - 13:06 Uhr:   

@Florian:
Ich habe bewußt im Konjunktiv gesprochen - natürlich wäre so ein Verbot nicht inakzeptabel (nicht nur für Liberale).

Ich bin aber deutlich der Meinung, daß die deutsche Politik DEUTLICH besser laufen würde, wenn es keine Umfragen gäbe.

Ich teile auch keineswegs die Vermutung, bei Umfragen zu Sachthemen würden politische Entscheider besser an die Basis gekoppelt - dafür sind die Frageformulierungen viel zu oberflächlich.


Generell ist es ein großer Unterschied, ob jemand nur seinen Senf irgendwo zugibt (ob nun bei einer Sonntagsfrage oder der Umfrage zu einem Sachthema), oder ob er wirklich entscheiden soll.

Bei einer Wahl oder einer Volksbefragung gehen die Leute viel sorgsamer mit ihrem Stimmrecht um als wenn sie am Telephon mal befragt werden.
Das erklärt auch teilweise den großen Unterschied zwischen Rohdaten und Wahlergebnissen.

Wir werden dies m. E. auch bald beim Thema "Linkspartei" sehen.
Das ist derzeit ein schönes Thema für die Stammtische. Endlich mal wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben, die es "denen da oben" mal zeigt. Und dann kommen dann so phantastische Ergebnisse raus wie 12% bundesweit oder gar 20% im Saarland.

Am Wahltag selber dagegen werden die Leute zu einem großen Teil dann ganz nüchtern abwägen, welcher Partei sie wirklich zutrauen, etwas zu erreichen. Gerade bei Bundestagswahlen ist die Bereitschaft zur Protestwahl minimal.

Ich sehe das Ergebnis vom 18. September noch völlig offen - und die PDS kann sich noch nicht einmal der 5% sicher sein.
 Link zu diesem Beitrag

Sole
Veröffentlicht am Freitag, 22. Juli 2005 - 13:57 Uhr:   

Ja, die 12 % Ergebnisse sind natürlich Quatsch. Ich gehe zwar davon aus, dass der Einzug zur Zeit ausgemachte Sache ist, aber solche Stimmungen können ja binnen Wochen umschlagen, wie wir aus 2002 wissen.
 Link zu diesem Beitrag

Bimm
Veröffentlicht am Freitag, 22. Juli 2005 - 14:04 Uhr:   

Können sie, und zwar in beide Richtungen, was spätestens seit Hamburg-Wahl (Schill-Partei) oder den Erfolgen der Neo-Nazis bei ostdeutschen Landtagswahlen bekannt sein dürfte.

Und jetzt kommt mir bloß nicht mit "regional begrenzten Entscheidungen".
Warum sollte sich nach dieser BTW die Parteienlandschaft nicht nachhaltig ändern? Der Verdruss in weiten Teilen der Bevölkerung ist offenbar so groß, dass ganz erhebliche Überraschungen möglich sind.
 Link zu diesem Beitrag

Fragender
Veröffentlicht am Freitag, 22. Juli 2005 - 14:29 Uhr:   

@Bimm
Das erstaunliche ist, daß in meinem Umfeld (ich wohne in einem sogenannten Arbeiterviertel und arbeite in einem anderen sogenannten Arbeiterviertel) zwar - wie eigentlich immer in den letzten 15 Jahren - über "die da oben" geschimpft wird, ich aber nicht erkennen kann, daß der Verdruß höher oder anders ist als sonst. Ich kenne (außer meiner Nachbarin, die seit Gründung DKP-Mitglied ist und vor dem Verbot auch in der KPD war und einer Regenbogen-Aktivistin) auch praktisch niemanden, der überlegt Linkspartei zu wählen. Bei der Hamburg-Wahl 2001 war das anders, da haben einem auch Leute denen man sowas nie zutraute offen gesagt, daß sie Schill wählen würden.

Zur Linkspartei heißt es hier (Hamburg) immer nur: Der Gysi und der Lafontaine haben doch schon bewiesen, daß sie es nicht können. Insofern irritieren mich die 12% sehr. 6%-7% bundesweit hielte ich für deutlich realistischer, denn Gysi mobilisiert im Osten natürlich deutlich besser, als es die PDS 2002 geschafft hat und im Westen ist auch ein leichter Zuwachs drin, aber woher die Linkspartei 8% im Westen bekommen soll, ist mir schleierhaft, wenn ich mir hier mein Umfeld angucke.
 Link zu diesem Beitrag

Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Freitag, 22. Juli 2005 - 14:43 Uhr:   

@Sole:
> Ja, die 12 % Ergebnisse sind natürlich Quatsch. Ich gehe zwar
> davon aus, dass der Einzug zur Zeit ausgemachte Sache ist, ...
So sehe ich das auch (natürlich können noch krasse Änderungen passieren).

Ein Ergebnis von 6-8% wäre realistisch und eigentlich auch ein guter Erfolg.

Nur daß das natürlich angesichts der durch die Umfragen aufgedrehten Erwartungen als heftige Pleite dargestellt und empfunden werden wird.
Einige Linkspartei-Anhänger (siehe die Diskussionen bei dol) sind derzeit fast wie auf Drogen, das wird eine böse Enttäuschung geben.

Mich erinnert das überraschend an einige Aspekte des FDP-Wahlkampfs 2002.
Die Riesenerwartung, die tollen Umfrageergebnisse, ein Populist (Möllemann/Lafontaine), der das seriöse Partei-Establishment grau aussehen läßt, der dann auch anfängt, mit dubiosen Parolen bei den Protestwählern zu fischen.
Und dann der große Knall.

Und auch die FDP hatte eigentlich ein gutes Wahlergebnis mit einer schönen Steigerung - angesichts der Erwartungshaltung galt sie aber als Verlierer.
 Link zu diesem Beitrag

John Rawls
Veröffentlicht am Freitag, 22. Juli 2005 - 15:24 Uhr:   

Nicht nur wegen der Erwartungshaltung, sondern auch, weil es halt so nicht gereicht hat - und sich das Gefühl, (selber) "dran Schuld" zu sein, in Fremd- wie Selbstdarstellung schnell hochschaukelte.

Aber die Wahrnehmung kann auch sehr unterschiedlich sein: wenn ich in meinem Viertel (satte 40+etwas bei Kommunalwahlen, klare rotgrüne Mehrheiten - aber CSU MdB) Wahlkampf betreibe und dabei wohlgemerkt an einem SPD Stand stehe, dann gewinnt man schnell den Eindruck, es gäbe eigentlich nur noch die Linkspartei als Thema. Das ist sicherlich genauso verzerrt.
 Link zu diesem Beitrag

Florian
Veröffentlicht am Freitag, 22. Juli 2005 - 22:51 Uhr:   

Es sollte doch wohl möglich sein, dass die SPD klar herausstellt, dass es überhaupt keine "neue Linkspartei" in Deutschland gibt. Sondern dass einzig und allein die PDS ihren Namen geändert hat.
Und dass die "WASG" bei der Bundestagswahl überhaupt nicht antritt, sondern eben nur die PDS.
Und dass somit auch nur das PDS-Programm zur Wahl steht.

Wenn diese Botschaft beim West-Wähler ausreichend klar ankommt, dann sollten 20% "Linke.PDS"-Wähler im Saarland wohl ausgeschlossen sein.

Im übrigen:
Es ist sicherlich falsch, aus seinem persönlichen Umfeld auf die Stimmung im Lande zu schließen. Aber nur zur Vollständigkeit: Ich habe bisher noch niemanden getroffen, der mir gegenüber Sympathie (oder gar Wahlabsicht) für die Linkspartei geäußert hätte. Aber vielleicht wohne ich da auch einfach im falschen Bundesland (Bayern).
 Link zu diesem Beitrag

Tamarin
Veröffentlicht am Freitag, 22. Juli 2005 - 23:43 Uhr:   

Tritt nicht die WASG-Hessen mit einer eigenen Landesliste an?
 Link zu diesem Beitrag

Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Dienstag, 26. Juli 2005 - 17:03 Uhr:   

Zum Thema Telefonbefragung lohnt sich der folgende Link:
[URL]http://www.kolumnen.de/kaufmann-200705.html[/URL]
 Link zu diesem Beitrag

Sole
Veröffentlicht am Dienstag, 26. Juli 2005 - 17:14 Uhr:   

Es ist schon komisch, wer einen derzeit auf Politik und "die Partei" anspricht. Die berauschten Beiträge und Einlassungen aus dem Parteiumfeld gibt es aber wirklich.

Wenn diese ominösen Ostwerte auch nur annähernd stimmen, dann müßte es ja Direktmandate förmlich regnen. Kein Wunder, wer derzeit alles auf Listen und Wahlkreise drängt. Am Wochenende ist dann bei uns Listenparteitag, da dürfen wir dann aussieben
 Link zu diesem Beitrag

Good Entity
Veröffentlicht am Dienstag, 26. Juli 2005 - 19:30 Uhr:   

@Sole: Mein Beileid. Wenn da ein oder ein paar falsche, jetzt erstmals politisch Interessierte durch Euer Sieb auf einen guten Listenplatz bei der Linkspartei.PDS rutschen kommen ja eine Menge Hohmänner, Däubler-Gmelins, Ackermänner und sonstige zweifelhaft-lustige Statements in den nächsten Jahren auf uns zu. Gut Sieb!
 Link zu diesem Beitrag

Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Mittwoch, 27. Juli 2005 - 09:07 Uhr:   

@Sole:
> Am Wochenende ist dann bei uns Listenparteitag, da dürfen wir dann
> aussieben
Dann nehmt möglichst die, die schon vor vier Jahren bereit waren sich zu engagieren - als das noch mühselige Plackerei mit wenig Erfolgschance war.
Wer jetzt plötzlich auftaucht und abstauben möchte, ist unabhängig von politischen Behauptungen kein guter Kandidat.

Beitrag verfassen
Beitrag:
Fett Kursiv Unterstrichen Erstelle Link Clipart einfügen

Benutzername: Hinweis:
Dies ist ein öffentlicher Bereich. Wenn Sie kein registrierter Benutzer sind, geben Sie lediglich Ihren Namen in das "Benutzername"-Eingabefeld ein und lassen das "Kennwort"-Eingabefeld leer. Die Angabe Ihrer E-Mail-Adresse ist freiwillig.
Kennwort:
E-Mail:
Optionen: HTML-Code anzeigen
URLs innerhalb des Beitrags aktivieren
Auswahl:

Admin Admin Logout Logout   Vorige Seite Vorige Seite Nächste Seite Nächste Seite