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Wahlrecht.de Forum » Umfragen » Andere Partei als die eigene wählen? » 26-50 « Zurück Weiter »

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Eike
Veröffentlicht am Dienstag, 10. September 2002 - 18:07 Uhr:   

@Jonas: Ich denke, dass Koalitionen auf Landes- und auf Bundesebene immer noch zwei Paar Schuhe sind, v.a. weil die PDS außenpolitisch, aber auch innenpolitisch Positionen vertritt, die die Bundesrepublik in ihren Grundfesten erschüttern würde (dass diese Erschütterung nicht in meinem Sinne wäre, habe ich hinreichend klar gemacht, ich denke aber, dass es vielen so gehen wird), und die Bundespolitik doch mehr Macht hat als die Landesregierungen.
Von daher glaube ich, dass eine SPD-PDS-Koalition nicht schon aufgrund der Koalitionen in Ländern möglich ist.
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jonas
Veröffentlicht am Dienstag, 10. September 2002 - 18:13 Uhr:   

naja, Europa wächst zusammen und Koalitionen mit links-sozialdemokratischen PArteien sind und waren in anderen Ländern möglich ohne große Krisen. Italien, Frankreich wäre hier z.B. zu nennen.
Außenpolitisch ist meiner Meinung nach noch viel mehr möglich als der tagspol. Blick das zulässt.
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alberto
Veröffentlicht am Dienstag, 10. September 2002 - 23:11 Uhr:   

Was, bitte, ist eine „eigene“ Partei?
WahlRechtReform
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Johannes 16
Veröffentlicht am Mittwoch, 11. September 2002 - 00:17 Uhr:   

ich denke auch, dass sowas durchaus möglich, bei vielen sogar wahrscheinlich ist , BSP:

mein vater wählt seit ungefähr 15 bis 20 jahren FDP , bei dieser wahl wird er die Union wählen, weil es ihm zu riskant ist , dass sie eine sozialliberale koalition eingehen.
eike ist das andere beispiel , er ist liberal , ber gegen stoiber , könnte also SPD wählen.
ich bin nur froh , dass ich noch nich wählen darf, weil ich wikrlich auch gewissensbisse hätte:

- ich bin kreisvorsitzender der Jungen Liberale (in einem Landkreis Nordbayerns) und stehe somit der FDP ziemlich nahe
- ich will keinen stoiber als kanzler und keinen beckstein als innenminister
- ich will die liberalen ansätze des Wahlprogramms durchsetzen
- ich habe starke bedenken, dass dies mit dieser, mit verlaub, "lahmen" und m. E. "konfusen" SPD möglich sein wird.

also denkt mal alle schön brav drüber nach, was ihr wirklich wollt (inkl. mir ;-).
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Cram
Veröffentlicht am Mittwoch, 11. September 2002 - 02:09 Uhr:   

Jonas,

tja. Schröder ist in der Tat sehr wandlungsfähig. Schließlich hat er 1994 die PDS-Tolerierung in Sachsen-Anhalt begrüßt. Du hättest die SPD gerne noch weiter links auf den Weg zur PDS. Da kann ich nur gute Reise wünschen. Dieser Weg führt schnurstraks in die Opposition. Die bürgerliche Mitte will keine PDS-Regierung. Die SPD würde sie daher vollkommen an Union und FDP verlieren und ihr zur Mehrheit verhelfen (siehe Sachsen-Anhalt). In Westdeutschland würde das nicht gutgeheißen werden.

In einem Punkt gebe ich dir recht: Die Koalitionen auf Landesebene sind natürlich Testballons für eine später möglich Kooperation auf Bundeseben. Erst Sachsen-Anhalt, dann MV, dann Berlin, die Tendenz der SPD Richtung PDS ist unverkennbar (eine schlimme Entwicklung). In allen Bundesländern wo es rot-rote Mehrheiten gibt (mit Ausnahme Brandenburg) gibt es solche Koalitionen. Daher sind die Aussagen von Rot-Grün zur PDS nur sehr eingeschränkt glaubhaft, schließlich wurde vor der Sachsen-Anhalt-Wahl 1994 eine Zusammenarbeit mit der PDS auch ausgeschlossen und es kam doch dazu.

Die Reise der SPD geht nach links und je mehr sie in diese Richtung geht desto schwächer wird sie dauerhaft werden. Vielleicht solltest du ganz offen Werbung für Rot-Dunkelrot machen, einen besseren Wahlhelfer für Schwarz-Gelb als dich kann man sich ja gar nicht vorstellen. Die SEDPDS die noch heute den Bau der Mauer rechtfertigt (Porsch) und die DDR für den besseren Staat erklärt (Wagenknecht), die von der Teilung und der Unzufriedenheit der Ostdeutschen Honig saugt und Ressentiments gegen die "Wessis" und die "imperialistischen Amerikaner" schürt, während Spitzenvertreter der Partei den "friedliebenden" Milosevic besuchten, die als eine Partei eine ganzen Teil Deutschlands runtergewirtschaftet hat (durch die Staatswirtschaft) und nun mit ähnlichen Konzepten antritt (die Lösung sieht sie in einer staatlich gelenkten Wirtschaft (die gescheiterten Konzepte der 70er-Jahre) ist absolut nicht zukunftsfähig (70% der Mitglieder über 65, 2% unter 30). Aber wie gesagt, gute Reise, SPD!
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schwester-es
Veröffentlicht am Mittwoch, 11. September 2002 - 17:14 Uhr:   

mich persoenlich aergert, dass ich schroeder beim letzten mal gewaehlt habe, weil ich kohl loswerden wollte und ihn dieses mal gewaehlt habe, weil ich stoiber verhindern will. und in dieser hinsicht ist mir mit ziemlich gleichgueltig in welcher konstellation schroeder kanzler wird.
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jonas
Veröffentlicht am Mittwoch, 11. September 2002 - 19:17 Uhr:   

@cram

Abwarten, ob ein linkere Kurs die SPD in die Opposition bringen würde. Kurzfristig vielleicht, aber Politik und allein in der Zeit seitdem ich aktiv Politik/pol. Entwicklungen (weltweit) betrachte (etwa 20 Jahre) hat sich weltweit sehr viel getan und das hat sich ja auch auf DEutschland ausgewirkt (Wiedervereinigung, etc.)

Ich habe nie gesagt, dass ich die PDS liebe oder mit allen Äußerungen ihrer Mitglieder/VertreterInnen einverstanden bin, ich halte aber dennoch für wichtig, dass sie im Bundestag bleiben und eine wie auch immer gearterte Politik von links kritisieren/kommentieren dürfen.

Ich finde die Bezeichnung SEDPDS ziemlich beknackt. Ich sagte ja auch nicht (z.b.) deutschnationale-Zentrums-Union zur CDU oder so was in der Art, wobei ich weiss, dass die CDU keine direkte Nachfolgerin von diesen genannten Parteien ist.

Die Frage in diesem Abschnitt des Forums ist meiner Meinung nach: Wer wählt hier andere und aus welche Gründen als seine Partei. (Für ol' dirty alberto: ... als die Partei, in der er Mitglied ist.)
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Eike
Veröffentlicht am Mittwoch, 11. September 2002 - 22:42 Uhr:   

Johannes: Es nicht ganz richtig, was du sagst: Ich bin nicht gegen Stoiber. Für mich ist wichtig, dass die FDP in der Regierung sitzt und gute Politik macht. Ich glaube nur, dass das mit der SPD einfacher wäre, weil die Gewerkschaften nicht so stark Propaganda machen könnten.
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Cram
Veröffentlicht am Donnerstag, 12. September 2002 - 01:11 Uhr:   

Eike,

wie sollte das mit der SPD möglich sein? Die SPD setzt auf einen Umverteilungsstaat. Sie lehnt eine Absenkung der horenden Staatsquote von 48,5% ab (SPD-Ideologie: "Nur Reiche können sich einen armen Staat leisten"). Als ob die Höhe der Staatsquote Ausagekraft über die Handlungsfähigkeit des Staates hätte. Man erinnere nur an die 70er-Jahre, wo die Staatsquote von 40% auf 50% gesteigert wurde um keysianistische Konjunkturprogramme zu fahren und mehr umzuverteilen. Trotzdem wurden auch noch die Schulden massiv erhöht. Trotz der Konjunkturprogramme stieg die Arbeitslosigkeit von 600.000 auf 1,7 Mio. (es gab auch sehr hohe Inflationsraten).
Nach der Wende 1982 kam es zur Politik der marktwirtschaflichen Erneuerung. Die Staatsquote wurde von 50% auf 45% zurückgefahren, die Arbeitslosigkeit sank von 9,1% (1983) auf 7,6% (1990), die Neuverschuldung wurde reduziert und die Inflation lag sehr niedrig.

Diese Politik der marktwirtschaftlichen Erneuerung war nur mit der CDU/CSU möglich, deshalb brauch 1982 Rot-Gelb auseinander.
Heute hat die Union ein klares Programm in Richtung Abbau der Staatsquote und der marktwirtschaftlichen Erneuerung (3 x 40). Die FDP geht mit ihren Vorstellungen sogar noch weiter (3 x 35). Die Unterschiede in der Wirtschaftspolitik sind zwischen Union und SPD geringer als zwischen FDP und SPD. Herr Döring hat zu Recht gesagt: die FDP "ist in der Wirtschaftspolitik Lichtjahre von der SPD entfernt." Wie soll also Rot-Gelb möglich sein? - Wohl nur dann wenn sich die FDP stark verbiegt. Das würde ihr dann aber nicht guttun.
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Eike
Veröffentlicht am Donnerstag, 12. September 2002 - 12:09 Uhr:   

Du erinnerst mich daran, dass ich in meinem Beitrag etwas vergessen hatte, nämlich, dass die FDP-Forderungen auf dem Parteitag natürlich die Frage "Willst du mich heiraten?" an die Union waren.
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Sole
Veröffentlicht am Mittwoch, 29. Januar 2003 - 18:08 Uhr:   

Der PDS-Landtagsabgeordnete Schwarzenholz wählt nach eigener Aussage am Wochenende SPD.
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Stoiber-Fan
Veröffentlicht am Mittwoch, 29. Januar 2003 - 18:23 Uhr:   

Sag ihm doch er soll PDS wählen, die wären wenigstens auf jeden Fall so verantwortungslos und würden auch nach der Wahl bei ihrem Nein bleiben, bei der SPD ist die Gefahr viel zu groß, daß dieses Nein den Abend des 2. Februar nicht übersteht. Schröder kann ja dann sagen: Die Leute wollen wohl kein Nein sonst hätten sie uns gewählt und nicht andere!
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c07
Veröffentlicht am Donnerstag, 30. Januar 2003 - 21:00 Uhr:   

Stoiber-Fan: Ich hab schon mal aussagekräftigere Beiträge gelesen.
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Liberaldemokrat
Veröffentlicht am Mittwoch, 21. Juli 2004 - 23:58 Uhr:   

Weiß jemand, ob die Unabhängigen Bürger NRW vorhaben an der Landtagswahl 2005 teilzunehmen?
Da sich mein Bezirksvorsitzender und Spitzenkandidat Dr. Ingo Wolf von Prof. Dr. Pinkwart hat weichreden lassen und die Prinzipien der NRW-FDP und seine eigenen geopfert hat und es somit eine Koalitionsaussage zu Gunsten der CDU gibt, überlege ich ernsthaft bei der LTW die CD-A (Christdemokratisches Anhängsel / ehm. FDP) nicht zu wählen.
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KONFIGURATOR
Veröffentlicht am Freitag, 23. Juli 2004 - 21:59 Uhr:   

ZITAT NRW-Linker: "Aber so, wie nach dem 2. Weltkrieg die Nazis in Scharen in die sogenannten "buergerlichen" Parteien eingetreten sind, sind halt in der Ost-PDS noch Vertreter der DDR-Elite enthalten. Die sind mir aber doch um einiges lieber als die Nazis, da sie nicht an dem Beginn eines Krieges beteiligt waren und auch nicht Millionen Leute umgebracht bzw. vergast haben. Bei allem Respekt fuer die Opfer des DDR-Regimes, das ist wirklich eine ganz andere Sache als das, was die sogenannten "buergerlichen" Parteien, insbesondere die FDP, da mit sich rumschleppen. Ausserdem haben CDU und FDP schliesslich auch die Stuetzen des DDR-Regimes, also die Blockparteien, aufgenommen. Nach der Vereinigung der (West-)FDP mit der (Ost-)FDP, der LDPD und der NDPD (Nationaldemokratische Partei der DDR, also die Schwesterpartei der westdeutschen NPD) waren mehr als 30% der FDP-Mitglieder Blockfloeten (mit gelber oder brauer Vergangenheit)! Die genaue Zahl habe ich nicht im Kopf."

1. An diesem Posting war ja nun beinahe jeder Satz falsch. Fakt ist, dass (im Gegensatz zur CDU) die wenigen ehemaligen NSDAP-Mitglieder innerhalb der FDP diese spätestens Ende der 60er Jahre nahezu komplett verließen.

2. Fakt ist, dass die SED die absolut meisten ehemaligen NSDAP-Mitglieder hatte! Kaum zu glauben, aber wahr! Und vor allem die ihre Altnazis bis zur Wendezeit noch Ämter innehatten (im Gegensatz zu den CDU-Altnazis etwa)!!!! Ekelig sowas!

3. Falsch ist Deine Behauptung, dass die NDPD-Mitglieder in die FDP aufgegangen sind. Die NDPD führte Fusionsgespräche mit der NPD und niemals mit der FDP! Die NDPD-Mitglieder sind nur in wenigen Ausnahmefällen in die FDP gewechselt und waren dann auch keine Altnazis! Und überhaupt ist der Blockflötenanteil in der FDP äußerst gering (Deine Zahlen beziehen sich nur auf die paar Monate direkt nach der Wende)!!!

4. Hingegen ist die PDS nach NDP/REP/DVU die nationalistischste Partei. Das belegen nicht nur Umfragen innerhalb der Anhängerschaft, sondern das ist auch historisch begründbar (siehe oben). Auch die SED-Politik an sich war zutiefst national ausgerichtet. Von linker Politik keine Spur! Schade, dass anarchistische Revoluzzer wie Du auch noch so etwas unterstützen! Pfui.
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c07
Veröffentlicht am Freitag, 23. Juli 2004 - 23:56 Uhr:   

Für ernsthafte Informationen dazu ist dieser Text empfehlenswert.
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Liberaldemokrat
Veröffentlicht am Samstag, 24. Juli 2004 - 01:26 Uhr:   

@KONFIGURATOR
@NRW-Linker:

1. Die NDPD hat bis auf den Namen nichts mit der NPD gemeinsam und war wohl kaum deren Schwesterpartei. Die NDPD war eine zentristische Partei.

2. Die NDPD schloss sich 1990 mit der LDP zum BFD (nach der Wahl/als Partei) und dieser schloss sich anschließend mit DFP und FDP-Ost mit der West-FDP zur gesamtdeutschen FDP zusammen.

3. Der letzte Hauptgeschäftsführer der NDPD, Joachim Günther, ist seit 1990 Bundestagsabgeordnete und war von 1990 bis 1995 sächischer Landesvorsitzender. Wolfgang Rauls, letzter NDPD-Vorsitzender, war von 1990 bis 1994 Umweltminister von Sachsen-Anhalt und ist seit 2002 wieder Landtagsabgeordneter. Ist es ist falsch und unverschämt solche Personen als Neonazis a la NPD zu bezeichnen.
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Kai
Veröffentlicht am Montag, 26. Juli 2004 - 08:44 Uhr:   

@liberaldemokrat:

Ich bin ja auch traurig, dass mein Parteivorsitzender Jürgen Rüttgers nicht mit einer Koalitionsaussage zugunsten der Grünen in den Landtagswahlkampf ziehen will. Jedenfalls halte ich den Möllemann-Gedächtnis-Verein in Nordrhein-Westfalen für absolut nicht regierungsfähig.

Da sich allerdings rot und grün offenbar ewige Liebe bis in die Opposition geschworen haben, ist eine sozialliberale Koalition in Düsseldorf ohnehin völlig ausgeschlossen. Die Alternativen sind schwarz-gelb oder (äußerst unwahrscheinlich) rot-grün, nur wenn die FDP völlig bockt, wäre auch schwarz-grün drin. Ein Ergebnis, bei dem die FDP so weit vor den Grünen liegt, dass sozialliberal möglich wäre, rot-grün aber nicht, ist absolut unwahrscheinlich. Insofern ist die Koalitionsaussage der FDP zugunsten der CDU ein reales Bekenntnis zum Regierungswillen.

Aber wählen Sie nur die Unabhängigen Bürger oder ähnliches Gedöns. Damit verhelfen Sie der CDU zur absoluten Mehrheit, indem die FDP unter 5 % fällt. Mir soll´s recht sein.
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Sole
Veröffentlicht am Montag, 26. Juli 2004 - 09:34 Uhr:   

"2. Fakt ist, dass die SED die absolut meisten ehemaligen NSDAP-Mitglieder hatte! Kaum zu glauben, aber wahr! Und vor allem die ihre Altnazis bis zur Wendezeit noch Ämter innehatten (im Gegensatz zu den CDU-Altnazis etwa)!!!! Ekelig sowas! "

Kunststück bei fast 2 Millionen Mitgliedern ;)

Abgesehen davon dürfte ein nicht geringer Anteil der NDPD-"Gründungsmitglieder" (was bei einer künstlich gegründeten Partei ein schwieriger Begriff ist) aus ähnlicher Richtung kommen.

Es gab wohl tatsächlich Angebote der NPD an die NDPD in der Wendezeit. Angesichts des schlechten Abschneidens bei der Volkskammerwahl kann man sich auch vorstellen, dass - in nur vager Kenntnis der NPD - einige Personen sich zeitweilig mit dem Gedanken beschäftigt haben. Ich strebe in den nächsten Monaten ein Gespräch mit Herrn Guttmacher über diese Zeit an, vielleicht kann er Personen nennen, die diesen Sachverhalt erleuchten.

Es gab durchaus prominente Funktionsträger des 3. Reiches in Ämtern der SED und im Statt DDR. Ein Großteil der Debatte um die deutsche Vergangenheit wird sehr verbissen geführt - von allen Seiten.

Wie wird man Funktionsträger in einem Gemeinwesen, in dem bestimmte Engagements als normal vorausgesetzt werden und Abweichen von dieser Norm entweder eine ggf sehr schwere soziale Benachteiligung (DDR) oder ganz handfeste existenzielle Bedrohung (3. Reich) heißen kann?

Ist es denn so schwer nachzuvollziehen, dass der karrierebewußte Oberlehrer aus dem Eichsfeld irgendeiner Partei angehört, weil er gern stellvertretender Schuldirektor werden will und das ohne - am Besten DIE Partei, aber andere sind finanziell und zeitmäßig weniger belastend - Mitgliedschaft eher nicht passiert?

Ist der unspektakulären Jungwissenschaftlerin ohne großen Reiz zu verübeln, dass sie selbstverständlich in der FDJ ist und dort auch Funktionen wahrnimmt?

Eigentlich nur, wenn sie hinterher von all dem nichts mehr wissen wollen, das alles gar nicht so gewesen sei oder gar unter einem dramatisierten Zwang geschehen sein soll.

Tausende trieb ganz normaler Opportunismus in Parteien und Massenorganisationen, hunderte in Ämter, gleich in welchem Staat.

In Gesellschaften mit hohem Druck wesentlich verschärft. Aber schaut euch doch mal in euren Parteien, Gewerkschaften, Sozialverbänden um.

Ist da nicht der eine oder andere dabei, der sich vom richtigen Parteibuch eine Rendite erhofft, der nicht aus solchen Erwägungen vielleicht dazugekommen ist?

Ich behaupte, man soll diesen Opportunismus nicht unkritisch, aber auch nicht inquisitorisch behandeln.

Von daher kann ich das Geschrei um Altkader in der CDU und FDP der 50er, um PG in der SED oder SED-Funktionäre in der PDS nur dort nachvollziehen, wo sie tatsächlich die alte Ideologie unkritisch weitertragen. Die Zahl der Fälle dürfte unspektakulär sein. Was unterscheidet die Blockflöte von einst denn heute von ihrem Kollegen in Hessen, bis auf einen gewissen Altersunterschied?

Unehrlich sind sie allesamt, die einen gegenüber der Biographie von Leuten, über die sie besser nicht richten, die anderen gegenüber ihrer eigenen. Je mehr da von Moral die Rede ist, um so mehr drängt sich der Verdacht auf, da hege jemand ganz andere Ziele.
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Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Montag, 26. Juli 2004 - 11:02 Uhr:   

Ich stimme Sole weitgehend zu.
Die Mitgliedschaft in NSdAP, SED oder den Blockparteien alleine sagt noch ziemlich wenig aus. Man muß sich immer den konkreten Einzelfall anschauen.
Und da findet man neben den erwarteten Anti-Demokraten alle möglichen anderen Formen, die teilweise sehr wohl später in einer demokratichen Partei mitarbeiten dürfen und sollten.

Die echten Wendehälse, die vorher sehr lautstark und aktiv die Regierungslinie hochhielten, um Karriere zu machen - die sind natürlich ärgerlich.
Aber wer schlicht nur ein Parteibuch (oder gar nur eine FDJ-Mitgliedschaft) mitnahm, um in Ruhe studieren zu dürfen, dem kann man keinen Vorwurf machen.
Insbesondere wenn man im Vergleich sieht, wieviele Leute in der demokratischen Bundesrepublik nur deswegen in eine Partei gehen, um berufliche Vorteile abzugreifen ...
(Bei uns in der Stadt sollen über die Hälfte der Mitglieder in der jahrzehntelangen Regierungspartei Angestellte der Stadtverwaltung sein - das ist wohl recht eindeutig zu interpretieren).

Und es gab sowohl bei den Nazis wie den Kommunisten überzeugte Idealisten, die wirklich glaubten, mit ihrem Engagement Positives für ihr Land zu bewirken. Wenn die dann nach dem Scheitern ihres Ideals dazulernen, sind die oft die glaubhafteren Demokraten als mancher, der nur aus Opportunismus mitgemacht hat (und heute noch nur aus Opportunismus mitmacht).

Kritisch wird es bei hohen Funktionsträgern und vor allem bei Leuten, die durch Denunziation etc. Anderen geschadet haben. Da sollte man trotz beteuerter "Läuterung" lieber auf deren Mitarbeit verzichten.
Und insofern sehe ich auch sehr kritisch, wie die PDS solche Probleme oft als "Respektierung der DDR-Biographie" verniedlicht.

Aber das rein äußerlich Abzählen von ehemaligen Parteimitgliedschaften ist völlig sinnlos.
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ich
Veröffentlicht am Montag, 26. Juli 2004 - 15:05 Uhr:   

@Ralf / @Sole

Es gibt ja Leute, da glaubt man garnicht, wie die in eine bestimmte Partei gekommen sind. Mein entfernter Onkel wohnte in einer Bezirkshauptstadt in der DDR und arbeitete als Handwerker in einem großen Sanitärbetrieb. Nachdem sein Abteilungsleiter Anfang der 80er in den Ruhestand ging, kam der Personalleiter auf ihn zu und meinte, er sei doch geeignet, aber es gäbe da ein Problem, das sei sein mangelndes "gesellschaftliches Engagement". Auf den Hinweis meines Onkels, er sei doch im Kulturbund aktiv und betreue doch auch eine Kinder-Handballmannschaft in der BSG, meinte der Personalleiter, das reiche nicht, er müßte in eine Partei eintreten. Mein Onkel schlug dann die LDPD vor, das wurde mit der Begründung abgelehnt, der alte Abteilungsleiter sei schon in der LDPD gewesen, jetzt seien CDU, DBD oder NDPD dran. CDU ging nicht, da mein Onkel überzeugter Atheist ist, für die DBD fehlte der bäuerliche Hintergrund (ein Kleingarten mit Gemüseanbau hätte gereicht), also mußte er in die NDPD eintreten, um den Job zu bekommen. Der Personalleiter und mein Onkel waren sich einig, daß das Humbug sei, aber es sei halt "von oben gewollt" (O-Ton des Personalleiters, selbst SED-Genosse: "Die wollen ein nicht-sozialistisches Feigenblatt mit Parteibuch, ich will einen vernüftigen Abteilungsleiter - also bekommen beide was sie wollen und Du mußt alle 14-Tage zur NDPD-Sitzung, was solls." Mein Onkel ist dann 1989 auch sehr schnell wieder ausgetreten.
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Martin Jurgeit
Veröffentlicht am Montag, 26. Juli 2004 - 15:16 Uhr:   

Ich halte die ewige Diskussion "Wer war schlimmer", die in diesem Forum scheinbar immer wieder ausbricht, für ziemlich müßig. "Global betrachtet" gab es sowohl auf der Seite des Rechts- wie des Linksextremismus so schlimme Verbrechen im letzten Jahrhundert, dass sich dieses ewige Aufrechnen einfach von selbst verbietet. Natürlich kann man nicht alles "über einen Kamm scheren". Natürlich war der Faschismus in Italien überhaupt nicht vergleichbar mit dem deutschen Nationalsozialismus. Und niemand kommt natürlich auf die Idee, die SED etwa mit den Roten Khmer auf eine Stufe zu stellen. Jedem, der sich aber nach dem Zweiten Weltkrieg mit extremistischen Parteien eingelassen hat, wusste nur zu gut, auf welcher Geschichte diese Parteien und ihre Ideologien fußten.

Auch die SED-Mitglieder konnten nur froh sein über die "Gnade der späten Machtergreifung" ihrer Partei (die noch blutig genug war). Und seien wir einfach dankbar, dass es insbesondere die Führung in Moskau (man mag es ja kaum glauben) immer wieder geschafft hat, die SED-Scharfmacher vom Krieg abzuhalten. Die SED war ja sogar noch stolz darauf, dass man die DDR (zu unrecht) mit dem Überfall auf die CSSR in Verbindung brachte und wäre liebend gerne auch über Polen hergefallen, als sich dort die Demokratie-Bewegung entwickelte.

Kein Mensch weiß, was am Ende dabei rauskommt, wenn radikale Parteien erst einmal die UNBESCHRÄNKTE Macht erlangen. Nicht einmal ein Großteil ihres einfachen Parteivolkes kann das wissen! Jedes dieser Mitglieder sollte im Angesicht der historischen Erfahrungen aber immer mit dem Schlimmsten rechnen!

Es hat zu allen Zeiten und in allen Ländern immer sehr viele Menschen gegeben, die sich dessen bewusst waren und deshalb NICHT Mitglied von radikalen Parteien geworden sind. Selbst dort, wo ihnen eine solche Mitgliedschaft große Vorteile gebracht hätte! Auch in der DDR waren die Mitglieder in SED und Blockparteien (seien sie nun aus Opportunismus oder Überzeugung eingetreten) klar in der Minderheit! Und es gibt genug Beispiele, dass Karrieren in den allermeisten Bereichen auch OHNE Parteibuch möglich waren. So billige Ausreden kann man wirklich nicht mehr gelten lassen.
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Sole
Veröffentlicht am Montag, 26. Juli 2004 - 15:45 Uhr:   

Lieber Martin Jurgeit, es ist hinterher immer sehr leicht, Leute zu verurteilen. Ganz besonders für die, die nie selbst in die Verlegenheit kamen, für Spitzenpositionen möglicherweise "umfallen" zu müssen.

Es ging hier keineswegs darum, zu klären welcher deutsche Staat der schlimmste sei - mit zunehmendem Alter scheint die BRD ja auch mächtig im Ranking vorzurutschen - sondern es ging um das Verhalten von Menschen und den Umgang mit ihnen.

An der Geschichte ist der, der sich in Zirkel oder ins Private zurückzieht und seine Hände in Unschuld zu waschen glaubt immer so sehr beteiligt wie jeder, der offensichtlicher "drin ist".
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Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Montag, 26. Juli 2004 - 16:18 Uhr:   

@ich:
Sehr schöne Geschichte, und wohl durchaus treffend.

@Martin:
> Ich halte die ewige Diskussion "Wer war schlimmer", ... für
> ziemlich müßig.
Genau. Deswegen solltest Du nicht damit anfangen.
M. E. ist der größte Teil Deines Beitrags irgendwie sehr weit weg vom Thema.

> Und es gibt genug Beispiele, dass Karrieren in den allermeisten
> Bereichen auch OHNE Parteibuch möglich waren.
Als Ausnahme war viel möglich. Aber die Regel war eben nicht so.

> So billige Ausreden kann man wirklich nicht mehr gelten lassen.
Ich halte es eher für billig, als Außenstehender solche Werturteile zu fällen.
Ich halte es für völlig nachvollziehbar und ok, wenn der geschilderte Onkel von "ich" den Dreh mit dem NPDP-Parteibuch gemacht hat, um den Job zu kriegen. Mit politischen Radikalismus hatte das wirklich nichts zu tun ...
Und ich habe gleichzeitig die größte Hochachtung vor Leuten, die sich solchen System-Kompromissen verweigert haben. Aber die Norm wars nicht und konnte es auch nicht sein.
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Liberaldemokrat
Veröffentlicht am Montag, 26. Juli 2004 - 16:51 Uhr:   

@kai:
"Jedenfalls halte ich den Möllemann- Gedächtnis-Verein in Nordrhein-Westfalen für absolut nicht regierungsfähig."
1. Es handelt sich nicht mehr um einen Möllemann-Gedächtnis-Verein sondern inzwischen um eine Neuauflage der Partei-der-Besserverdiener. Die fähigen FDP-Politiker kandidieren entweder nicht mehr (Brigitte Capune-Kitka), haben erheblich Probleme im Bezirk/Land (Horst Engel) oder können/dürfen nicht mehr in ihrem eigenen Kreisverband kandidieren (Dr. Grüll).
2. Sie ist tlw. regierungsfähig. Dr. Wolf wäre vermutlich nicht der schlechteste Innenminister. Pinkwart ist unfähig. Fähige Politiker wären u.a. Dr. Stefan M. Grüll, Dr. Andreas Reichel, Ulrike Flach.


"Insofern ist die Koalitionsaussage der FDP zugunsten der CDU ein reales Bekenntnis zum Regierungswillen."
1. Das die FDP regieren will, ist nicht neu, das war auch 2000 so.
2. Die Koalitionsaussage widerspricht dem, was Dr. Wolf auf dem Bezirksparteitag gesagt hat. Außerdem halte ich generell nichts von Koalitionsaussagen. Das die Chancen für SPD/FDP ziemlich gering sind, ist mir auch bewusst, aber deshalb ist eine Koalitionsaussage trotzdem nicht nötig, denn: (1) Ohne Verhandlungen von vorneherrein zu Sagen wir machen es mit der CDU, halte ich für falsch. (2) Die Basis ist immernoch nicht sonderlich christliberal. Man kann nicht einfach so sagen, wir machen es mit der CDU, wenn man fast 40 Jahre lang mit der SPD zusammenarbeitete bzw. zusammenarbeiten wollte. Ohne Koalitionsaussage ist CDU/FDP wesentlich erträglich, denn dann ist die FDP immer noch unabhängig, und nicht CDU-Anhängsel. (3) CDU/FDP Koalitionen in NRW haben noch nie gut geendet und gar begonnen. Die erste CDU/FDP Koalition war von Adenauer diktiert wurden.


"Aber wählen Sie nur die Unabhängigen Bürger oder ähnliches Gedöns. Damit verhelfen Sie der CDU zur absoluten Mehrheit, indem die FDP unter 5 % fällt."
Fällt die FDP unter 5%, was ob ich nun Unabh. Bürger wähle oder nicht, was gar nicht so unwahrscheinlich ist, denn die meißten Wähler die 2000 zur FDP gingen kamen von der SPD, ist das nicht unbedingt das schlechteste für die FDP. Denn dann kann Pinkwart/Friedhoff abdanken, und das ist alles andere als schlecht. Wir haben durchaus jüngere und erfahrerene Leute als Prof. Pinkwart.

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