Themen Themen Profil Profil Hilfe/Anleitungen Hilfe Teilnehmerliste Teilnehmerliste [Wahlrecht.de Startseite]
Suche Letzte 1|3|7 Tage Suche Suche Verzeichnis Verzeichnis  

051–075

Wahlrecht.de Forum » Umfragen » Umfragen zur Europawahl » 051–075 « Zurück Weiter »

Autor Beitrag
 Link zu diesem Beitrag

Liberaldemokrat
Veröffentlicht am Donnerstag, 20. Mai 2004 - 18:50 Uhr:   

Weiß jemand was aus den geplanten Listenverbindungen in den NL geworden ist. (CDA/CU/SGP; PvdA/GroenLinks; VVD/D66)?
Kandididieren diese als gemeinsamme Liste oder haben die großen auf ihre Liste Kandidaten der kleinen gesetzt?
 Link zu diesem Beitrag

Mörsberg
Veröffentlicht am Freitag, 21. Mai 2004 - 11:48 Uhr:   

@zigzag:
Vielen Dank erstmal. Einiges war zwar nur mittelmäßig aussagekräftig (Italien...), manchmal weiß man auch nicht, ob es sich wirklich auf Europa bezieht. Aber vieles war doch sehr interessant:
- in Schweden könnten die Christdemokraten unter vier Prozent bleiben
- in Spanien schneiden die Regionalisten erstaunlich mäßig ab, die PSOE dafür noch besser, als ich gedacht hätte. Die relative Schwäche der IU liegt im Trend.
- Die Ungarn sind wenigstens mal so ehrlich, den Unsicherheitsfaktor (der graue Balken) explizit auszuweisen. Wenigstens scheinen die Rechtsextremen (MIEP) deutlich unter fünf Prozent zu bleiben.
- Für Österreich rate ich mal wieder zu äußerster Vorsicht. Die HPM-nahen Medien führen eine Umfragen-Rallye durch und setzen auf das Prinzip Autosuggestion. Außer durch viel Publicity kann HPM eben nicht punkten. Interessanterweise liegt er ja trotz allem in Sachen Bekanntheitsgrad hinter Stenzel/ÖVP und Voggenhuber/Grüne.

@Liberaldemokrat:
> Kandididieren diese als gemeinsamme Liste oder haben die großen auf
> ihre Liste Kandidaten der kleinen gesetzt?
Anders als in Spanien ist die niederländische Listenverbindung, so wie ich sie verstanden habe, nur als Verrechnungsgröße zur Ermittlung der Sitzverteilung von Belang, was wegen der d'Hondt-Oberverteilung zu Win-Win-Situationen führen kann. Beim Ankreuzen muss man sich aber entscheiden (in Deinem Fall zwischen VVD und D66).
Bei den aktuellen Zahlen sähe das so aus:
Oberverteilung (d'Hondt):
PvdA/GL 11
VVD/D66 8
CDA/CU-SGP 7
SP 1
sonstige jeweils unter 1/27
Unterverteilung (Hare-Niemeyer):
PvdA 9, GL 2
VVD 7, D66 1
CDA 6, CU-SGP 1
Ohne Listenverbindungen würde es bei diesen Werten (zufällig) genauso aussehen, aber wenn es knapp werden sollte, ist im Zweifel die SP die erste, die Pech hat.
 Link zu diesem Beitrag

Mörsberg
Veröffentlicht am Freitag, 21. Mai 2004 - 13:41 Uhr:   

> Ohne Listenverbindungen würde es bei diesen Werten (zufällig)
> genauso aussehen, aber wenn es knapp werden sollte, ist im Zweifel
> die SP die erste, die Pech hat.
Nachtrag: Angenommen, die D66 blieben unter 3,7%, was ja anscheinend nicht auszuschließen ist, dann würden sie gar nicht berücksichtigt. Ihren Sitz bekäme dann GroenLinks. Unverbunden hingegen ergäbe sich gleicher Anspruch für PvdA, VVD und SP (da entschieden dann unter Umständen die letzten Millimeter).
 Link zu diesem Beitrag

Liberaldemokrat
Veröffentlicht am Freitag, 21. Mai 2004 - 14:38 Uhr:   

@Mörsberg:
Danke, für die gute Erklärung.
 Link zu diesem Beitrag

Mörsberg
Veröffentlicht am Freitag, 21. Mai 2004 - 15:32 Uhr:   

Noch ein paar Interpretationshilfen.
Die Umfrage für Spanien ist wie folgt in die derzeitigen EP-Fraktionen zu übersetzen:
SPE 25 (alle PSOE)
EVP 22 (alle PP)
Grüne-EFA 5 (Verdes, ICV, PNV, BNG und ERC je 1)
VEL 1 (IU)
ELDR 1 (CiU-CDC).
Bei den Regionalparteien kann es allerdings im Laufe der Zeit Veränderungen geben, falls sie durchrotieren und die Nachrücker sich zu anderen Fraktionen orientieren.

Für Irland lassen sich aus den Erststimmen erfahrungsgemäß nur begrenzte Aussagen ableiten. Wenn man sich in irischen Politforen die dortigen Einschätzungen über zu erwartende STV-Transfers anschaut, dann kommt insgesamt folgendes heraus (Sitze numeriert nach Reihenfolge ihrer Vergabe):
Dublin: (1) FF; (2) LAB; (3) FG oder FF; (4) GP oder SF.
Osten: (1) FF; (2) FG; (3) LAB oder GP.
Süden: (1) FF; (2) FG; (3) K. Sinnott/Ind, die nach und nach die Transfers von LAB, SF und GP einsammeln dürfte.
Nordwesten: (1) FF; (2) D. Scallon/Ind oder M. Harkin/Ind (3) FG oder die Unterlegene aus (2).
Macht zusammen:
FF (UEN) 4-5
FG (EVP) 2-4
LAB (SPE) 1-2
GP (Grüne-EFA) 0-2
Ind. 1-3 (Scallon wäre EVP, bei den beiden anderen ist das unklar)
SF 0-1. Vermutlich fraktionslos.
Als sicher gelten darf nur, dass die Soldaten des Schicksals an Stimmen verlieren werden.
 Link zu diesem Beitrag

Thomas Frings
Veröffentlicht am Freitag, 21. Mai 2004 - 22:01 Uhr:   

@Mörsberg,zigag

Die Holland-Umfrage hatte ich auch schon gelesen, aber hier nicht erwähnt, da die Werte absolut unrealistisch sind die niedrige Wahhbeteiligung hat sehr grssoen Einfluß. 1994 lagen Parlaments- und Europawahl nur sechs Wochen auseinander und die Unterschiede waren sehr groß. Die Differenz von CDA u. VVD z.B. war bei nationaler Wahl 2,3%, bei der Europawahl 12,9%.
 Link zu diesem Beitrag

Sole
Veröffentlicht am Samstag, 22. Mai 2004 - 19:09 Uhr:   

"Ich sehe das als Beleg für meine These, dass die Kombination aus nichtvorhandener Sperrklausel und neutralem Verfahren zuwenig Anreize zu sinnvollen Parteizusammenschlüssen oder Listenverbindungen liefert."

Ob eine Partei mit innerer Spannung oder mehrere kleinere Parteien - letztlich gehen sie alle in die wesentlichen E-Fraktionen und müssen dort irgendwie miteinander können. Den Einzug vorausgesetzt sehe ich wenig Grund, eine Parteikonzentration überhaupt zu wollen.
 Link zu diesem Beitrag

Mörsberg
Veröffentlicht am Montag, 24. Mai 2004 - 11:51 Uhr:   

> Den Einzug vorausgesetzt sehe ich wenig Grund, eine
> Parteikonzentration überhaupt zu wollen.
Mein wichtigster Grund ist: Überschaubarkeit des Angebotes aus Sicht der Wähler. Es muss ja nicht gleich ein Zweiparteiensystem à la Malta sein oder die ebenfalls allzu leichtverständliche österreichische Version. Bei 7-9 Gruppierungen wie in Schweden, den Niederlanden oder sogar noch Frankreich komme ich auch noch gut hinterher. Aber eine gut zweistellige Anzahl aussichtsreicher Listen wie in Italien macht es einfach zu wahrscheinlich, dass man nicht die Entscheidung trifft, die man für die beste hielte, wenn man sich dann über alle Gruppierungen ausreichend informieren könnte. Doch dafür fehlt dann die Zeit.
Sogar in STV-Irland ist das Angebot auch mit mehreren Unabhängigen für Außenstehende wesentlich leichter einzuschätzen als in Italien. Denn offensichtlich zwingt auch STV die politischen Akteure zu einer gewissen Rationalität. Das italienische System lässt alle erdenkliche Irrationalität zu.
 Link zu diesem Beitrag

Mörsberg
Veröffentlicht am Montag, 24. Mai 2004 - 13:04 Uhr:   

Noch ein paar Bemerkungen zur STV-Diskussion (@c07):
> Für die Partei ist ein Kandidat genau dann nützlich, wenn er eine
> reelle Chance hat, tatsächlich gewählt zu werden. Präferenzen, die
> nicht ziehn, sind dagegen absolut wertlos. Je genauer das
> Wählerverhalten bekannt ist, desto sparsamer kann eine Partei also
> sein.
In Irland entspricht das Aufstellungsverhalten der Parteien genau diesen Prämissen. FF treten in allen vier EP-Wahlkreisen mit jeweils zwei Kandidaten an, FG zweimal mit zweien und zweimal mit einem, abhängig von der Chanceneinschätzung. Labour schickt in Dublin zwei Leute ins Rennen, sonst einen. Die übrigen Parteien benennen maximal einen Kandidaten pro WK. Sinn Féin überall, die Grünen lassen den Nordwest-Wahlkreis aus, die Socialist Party tritt nur in Dublin an, die Progressive Democrats verzichten sogar ganz auf Parteikandidaten. Dazu kommen noch einige Independants, von denen insgesamt vier als chancenreich einzustufen sind (vor allem im Nordwesten).
In Malta dagegen (die Listen, die ich ansprach, waren wohl nur vorläufig), treten sowohl NP als auch MLP mit je acht Kandidaten an. Rational betrachtet sinnvoll wären aber jeweils nur drei. Und hier tritt dann offenbar der 2. Fall ein.

> Es geht nur im Gegensatz zu einer Verhältniswahl davon aus, dass
> die Wähler die Kriterien, nach denen sie entscheiden, selber
> bestimmen. Wenn die Parteien für die große Mehrheit das
> entscheidende Kriterium sind, ist listenübergreifendes STV einfach
> überflüssig. Es schadet aber auch nicht sonderlich, außer dadurch,
> dass es normalerweise auf relativ kleine Wahlkreise angewiesen ist,
> wo es eine hohe natürliche Sperrklausel gibt, und außerdem wie
> d'Hondt verzerrt (aber nur, wenn man die Droop- statt der
> Hare-Quota nimmt).
Sieht man eben vom Sonderfall Malta ab (reines Zweiparteiensystem mit klarar Polarisation macht STV in der Tat redundant), entstünde zunächst im idealen Modellfall bei Droop-STV folgende Situation: Die einzelnen Parteien lassen sich jeweils unterschiedlichen Lagern zuordnen. Dabei werden die Kandidaten politisch verbündeter Parteien aus dem eigenen Lager als mögliche Transferempfänger eingesetzt, sobald die Liste der eigenen Partei erschöpft ist. Die Sitzverteilung in einem Mehrpersonenwahlkreis mit Droop-STV entspräche dann einer Oberverteilung auf politische Lager nach Droop mit Ausgleich nach größten Resten. Die Unterverteilung innerhalb der Lager verliefe wie bei Hare/Niemeyer. In Zweilagersystemen wie Deutschland/West führt d'Hondt für die Oberverteilung zum gleichen Ergebnis.
Neu wären aber vor allem folgende Effekte:
- Mögliche Transferstimmen ausgeschiedener Sonstiger (ein Großteil wird immer nicht transferierbar sein, z.B. NPD-Überzeugungstäter, einiges wird aber weiterverwendet werden können)
- Wähler, die nach Ausgewogenheit innerhalb eines Lagers streben und deswegen z.B. Kandidaten von SPD und Grünen im Wechsel reihen. Wenn das viele machen, nützt das vor allem den kleineren Parteien der jeweiligen Lager.
- Wähler, die sich nicht wirklich entscheiden können, so dass lagerübergreifende Transfers entstehen.
- stärkere Personalisierung möglich und notwendig (vor allem für Grün und Gelb interessant)
- Einseitige Transferbeziehungen: Das könnte zwischen SPD und PDS der Fall sein, wo die SPD zwar Transfers erhält, aber im Gegenzug keine oder weniger überlässt. Einige SPD-Hardliner etwa aus dem Schmoldt-Flügel werden sich weigern, Stimmen nach Grün zu transferieren, ebenso überzeugte Moralkatholiken von CDU nach FDP.
- Unerwartete Transferbeziehungen, zum Beispiel PDS-CDU.
In offeneren, weniger lagergeprägten Parteiensystemen ist bei STV, vor allem, wenn die Wahlkreise eher klein sind, zudem ein Trend zu moderaten Positionen zu erwarten, um damit möglichst viele Transfers mittiger Wähler einsammeln zu können. Aus diesem Grund werden in Irland auch Grüne ins EP gewählt.

Welcher Partei STV in Deutschland nützen könnte, hängt von der Stellung im Parteiensystem und den innerparteilichen Strukturen ab. Nach meiner Einschätzung wären:
- Nutznießer: CSU, Grüne, CDU
- Verlierer: Rechtsextreme, SPD
- Auswirkungen unklar: FDP, PDS, sonstige.

Das größte Problem sehe ich darin, dass bei geschlossenen Wahlkreisen zu viel von der Wahlkreisgröße abhinge, wobei große Wahlkreise das Angebot für die Wähler zu unübersichtlich machen würden. Dann würde wieder nach Parteien gewählt und der STV-Effekt wäre dahin.
 Link zu diesem Beitrag

c07
Veröffentlicht am Dienstag, 25. Mai 2004 - 07:48 Uhr:   

Mörsberg:
> Die Sitzverteilung in einem Mehrpersonenwahlkreis mit Droop-STV
> entspräche dann einer Oberverteilung auf politische Lager
> nach Droop mit Ausgleich nach größten Resten.

STV entspricht bei vorherrschender Wahl nach Lagern nur dann einem Quotenverfahren (je nach Quote), wenn die Wähler mit der Präferenzvergabe an der Lagergrenze aufhören. Das ist aber nicht sinnvoll, außer bei nur 2 Lagern bei Droop, wo Reststimmen immer wertlos sind. Ansonsten bleibt immer noch die Wahl des kleineren Übels.

> Die Unterverteilung innerhalb der Lager verliefe wie bei Hare/Niemeyer.

Die Unterverteilung innerhalb der Lager läuft tendenziell genauso wie die Oberverteilung. Mit Droop-Quota sind auch da noch die größeren Parteien bevorzugt. Immerhin ist es nicht so schlimm wie lagerinternes d'Hondt, weil die Quote auf die Gesamtstimmen bezogen bleibt. Soweit ein Lager mehr Sitze als die eigenen vollen Quoten bekommt, entscheiden aber letztlich die Wähler aus den anderen Lagern mit, welche Partei bevorzugt wird. Deshalb haben mittigere Parteien gegenüber einer normalen Verhältniswahl einen Vorteil.

> Wähler, die nach Ausgewogenheit innerhalb eines Lagers streben
> und deswegen z.B. Kandidaten von SPD und Grünen im Wechsel reihen.
> Wenn das viele machen, nützt das vor allem den kleineren Parteien
> der jeweiligen Lager.

Nicht unbedingt. Gerade die Unentschiedenen wählen heute eher die Kleineren. Schon wegen der 5%-Hürde, aber auch, um ein Gleichgewicht herzustellen.

> Wähler, die sich nicht wirklich entscheiden können, so dass
> lagerübergreifende Transfers entstehen.

Wähler, die die Lager mischen, sind wohl selten welche, die sich nicht entscheiden können. Sie entscheiden halt nach anderen Kriterien als nur die Parteien.

> stärkere Personalisierung möglich und notwendig (vor allem
> für Grün und Gelb interessant)

Letzteres bezweifle ich. Die Möglichkeit, gezielt einzelne Personen zu wählen, könnte gerade hier Stimmen abziehen. Bei festen Wahlkreisen haben sie eindeutig die geringere Dichte an attraktiven Kandidaten.

> Einseitige Transferbeziehungen

Wer das Wahlrecht verstanden hat und sich nicht explizit enthalten will, wird immer einen Transfer definieren, wo er nicht völlig unwahrscheinlich ist (also zu Kandidaten, deren frühe Streichung ziemlich sicher ist). Dann ist das nur eine Frage der genauen Sortierung. Und da ist es natürlich klar, dass es Wähler gibt, die nicht nur in den zwei Lagern denken. In bestimmten Fällen wird das sogar die Mehrheit sein. Z.B. wird zumindest im Westen die große Mehrheit sowohl Reps als auch PDS ganz nach hinten sortieren. Es gibt auch ziemlich viele Wähler, die Union und SPD beide deutlich gegenüber dem Rest bevozugen.
 Link zu diesem Beitrag

Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Dienstag, 25. Mai 2004 - 10:49 Uhr:   

@c07:
> Es gibt auch ziemlich viele Wähler, die Union und SPD beide
> deutlich gegenüber dem Rest bevozugen.
Deswegen spricht Westerwelle ja immer von den beiden sozialdemokratischen Großparteien ;-)

Ansonsten gebe ich Dir recht: Das Wählerverhalten wird viel komkplexer sein als nur das reine Lagerdenken.

Tendenziell werden die kleinen Parteien von einer stärkeren Personalisierung profitieren. Denn die Wähler wählen in erster Linie die Nasen, die sie kennen. Und es ist nun einmal so, daß man im Verhältnis zur Parteigröße mehr Leute aus den kleinen Parteien kennt als von den großen. Der Normalbürger kennt vielleicht "nur" doppelt so viele Schwarze und Rote gegenüber den Gelben und Grünen - letztere sind aber weit weniger als halb so groß.
Je personalisierter die Wahl wird, desto größere Probleme werden CDU und SPD haben, die große Masse ihrer No-Name-Hinterbänkler unterzubringen.
 Link zu diesem Beitrag

Mörsberg
Veröffentlicht am Dienstag, 25. Mai 2004 - 13:33 Uhr:   

@c07:
Ich sprach oben von einem angenommenen "idealen Modellfall". Um herauszufinden, welche Auswirkungen STV wirklich haben wird, müsste man es genaugenommen simulieren (dieses Forum und seine regelmäßigen Besucher wäre ein guter Rahmen dafür - man müsste wenigstens das System nicht vom Urschleim her erklären).

> Gerade die Unentschiedenen wählen heute eher die Kleineren.
Hier fängt eben die Spekulation an.

> Wähler, die die Lager mischen, sind wohl selten welche, die sich
> nicht entscheiden können. Sie entscheiden halt nach anderen
> Kriterien als nur die Parteien.
Richtig. "Nicht entscheiden" ist natürlich eine Formulierung, die von einer klaren Lagerbildung ausgeht. Wer die Kandidaten nicht kennt, wird sich allerdings im Zweifel an der Parteizugehörigkeit orientieren, vor allem wenn der Wahlkreis groß ist und das Kandidatenfeld schwer überschaubar.

> > stärkere Personalisierung möglich und notwendig (vor allem
> > für Grün und Gelb interessant)
> Letzteres bezweifle ich. Die Möglichkeit, gezielt einzelne Personen
> zu wählen, könnte gerade hier Stimmen abziehen. Bei festen
> Wahlkreisen haben sie eindeutig die geringere Dichte an attraktiven
> Kandidaten.
Eine Einschätzung...

@Ralf:
> Und es ist nun einmal so, daß man im Verhältnis zur Parteigröße
> mehr Leute aus den kleinen Parteien kennt als von den großen.
... und die dazugehörige Gegenmeinung. Ich sehe tendenziell auch eher einen Nachteil für die Großen. Es ist eben schwer zu vermitteln, dass es ohne Hinterbänkler gar keine Vorderbänkler geben kann. Entscheidend ist letztlich die Kommunikation zwischen Partei, Kandidat und Wählern. Da reichts dann nicht mehr aus, die ganze Stadt mit dem immergleichen Durchschnittslächeln zu tapezieren.

Und nochmal @c07:
> > Einseitige Transferbeziehungen
> Wer das Wahlrecht verstanden hat und sich nicht explizit enthalten
> will, wird immer einen Transfer definieren, wo er nicht völlig
> unwahrscheinlich ist
Das ist eine sehr rationale Sicht der Dinge, die voraussetzt, dass man in der Regel ein kleineres oder kleinstes Übel für sich definieren kann. Ich glaube allerdings, dass Fälle expliziter Enthaltung häufiger sind, als manch ein rational denkender Mensch annimmt.
Um es zu konkretisieren, mein aktuelles Lieblingsbeispiel Nordirland. Drei Sitze, Droop-STV, sieben Kandidaten. Drei davon (den grünen, den Alliance-Kandidaten, und den SDLPler) könnte ich ohne Gewissensprobleme irgendwie reihen. McCann kann man wegen Chancenlosigkeit getrost weglassen. Aber dann stünde ich, unter der Prämisse, dass die DUP auf jeden Fall an letzter Stelle (also gar nicht) käme, vor dem Problem, mich zwischen den Kandidaten von Sinn Féin und der UUP entscheiden zu müssen. Ich könnte mir Schöneres vorstellen. Und solche Situationen werden eben immer wieder auftreten.
In der Republik Irland lässt sich konkret meistens beobachten, dass die ausgeschiedenen Kandidaten von Sinn Féin mehr Stimmen an andere Kandidaten transferieren (ein großer Teil ist allerdings von vornherein nicht transferierbar) als umgekehrt Stimmen von woanders zu Sinn Féin übergehen. Das ist dann eben eine einseitige Transferbeziehung.
 Link zu diesem Beitrag

Thomas Frings
Veröffentlicht am Dienstag, 25. Mai 2004 - 23:42 Uhr:   

Das Problem bei parteiübergreifendem STV ist: Stimmen die Wähler nach Parteilinie, ist es wie in Malta in der Tat redundant. Vergeben die Wähler ihre Präferenzen aber quer Beet über die Parteien, wie es viele in Irland tun, optimieren die Partein ihre Chancen dadurch, daß sie wenig Kandidaten aufstellen, möglichst so viele, wie sie realistischerweise maximal Sitze erwarten können. So ist die Auswahl innerhalb einer Partei dann in Irland auch sehr beschränkt: Die FF stellte bei der Dail-Wahl 2002 (bei 166 Sitzen insgesamt) 106 Kandidaten auf, davon wurden 81 gewählten. Von FF und FG abgesehen, präsentieren die Parteien im Normalfall nur einen Kandidaten pro Wahlkreis, häufiger auch gar keinen. Labour hatte 2002 47 Kandidaten in 39 Wahlkreisen (von 42 insgesamt), die Grünen 31 Kandidaten in 31Wahlkreisen, SF 37 in 34, PD 20 in 18.

"dass die ausgeschiedenen Kandidaten von Sinn Féin mehr Stimmen an andere Kandidaten transferieren (ein großer Teil ist allerdings von vornherein nicht transferierbar) als umgekehrt Stimmen von woanders zu Sinn Féin übergehen."
Radikale werden von STV eben benachteiligt.
 Link zu diesem Beitrag

zigzag
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. Mai 2004 - 00:03 Uhr:   

Neue EU-Umfragen:

Endlich gibt es auch eine aus Großbritanien (in %):
28 Conservative Party
27 Labour Party
18 Liberal Democrats
14 UK Independents - UKIP
6 Green Party
3 British National Party - BNP
2 Scottish National Party/ Plaid Cymru
1 Scottish Socialist Party - SSP
0 Respect Party
1 Others
http://www.yougov.com/yougov_website/asp_besPollArchives/bes_arcIntro.asp?sID=3&wID=0&uID=
unter "Political Reports" und dann "The European and local Elections"

Lettland:
http://www.skds.lv/doc/EP_042004.doc

Neues aus Irland:
in Sitzen:
Fianna Fail verliert ein auf 5
Fine Gael hält 4
Labour verdoppelt auf 2
Green Party verliert beide
Sinn Fein gewinnt einen davon
http://www.irishexaminer.com/pport/web/Full_Story/did-sgn890TnJx-XssgadLjt5C321I.asp

Neues aus Ungarn:
http://www.gallup.hu/Gallup/release/EUparlval/040520.htm

Für Österreich diesmal eine Umfrage einernicht HPM-naher Zeitung(in%:
SPÖ 36
ÖVP 34
Grüne 12
HPM 10
FPÖ 8
http://derstandard.at/?id=1673095

Zwei neue Links für Frankreich:
http://www.tns-sofres.com/archives_pol.htm
http://www.ifop.com/europe/banque/resulbase.asp?THEME2=europeennes

Und für Polen nicht für die Europawahlen, sondern für nationale Wahlen eine Seite die Umfragen von 4 Instituten auflistet:
http://www.e-polityka.pl/sondaze.htm

@Mörsberg gerade auf der Seite für Italien stehen doch viele Umfragen verschiedener Institute für die EU-Wahl
(unter Intenzioni di voti Europa z.B. von EKMA und IPSO oder so ähnlich, kann gerade nich nachschauen, da sich die Seite nicht aufbaut).
 Link zu diesem Beitrag

Mörsberg
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. Mai 2004 - 14:33 Uhr:   

Kann ich noch Slowenien nachreichen (laut FAZ vom 25.5.):

Partei (Fraktion) Prozent/Sitze
LDS/DeSUS (ELDR) 28/3
NSi (EVP) 16/2
SDS (EVP) 13/1
ZLDS (SPE) 8/1
SNS (extr. Rechte) 7/0
SMS/ZZ (GRÜNE-EFA) 6,5/0
SLS (EVP) 4/0
sonstige 17,5
Vermutlich wurden die Unentschlossenen (wie in Ungarn und Lettland) nicht mitgezählt.

Bei den Frankreich-Umfragen sind jetzt halt ein paar Sonstige dazugekommen, da ändert sich aber nicht viel. Eine Sitzverteilung kann man wie auch im UK halt schlecht ausrechnen.

Irland kann ich so nicht unkommentiert stehenlassen. Wenn Mary McDonald (SF) nach direkten Stimmen gerade mal ein Prozent vor Patricia McKenna (GP) liegt, dann wird sie durch die Transfers garantiert noch überholt. Da geht der vierte Sitz noch eher an FF-Brady, bevor ihn Sinn Féin bekommt. Außerdem wurde der Südwahlkreis nicht erwähnt. Das alles berücksichtigend, komme ich auf:
FF (UEN) 4
FG (EVP) 4
LAB (SPE) 2
GP (GR-EFA) 1
IND 2 (beide vermutlich ELDR)

Übersetzung der polnischen Umfrage in Fraktionen und Mandate:
PO (EVP) 13
SO (FL) 13
PiS (UEN) 9
SDLP (SPE) 6
LPR (FL) 5
SLD (SPE) 5
PSL (EVP) 3
Zusammen EVP 16, SPE 11, UEN 9, fraktionslos 18. Schauderhaft!

Österreich ergibt, wie jeder leicht nachrechnen kann, 7-6-2-2-1. Wenn die FPÖ weiter absinkt, weil die ganzen Protestwähler auf Martin umschwenken, wird es immer wahrscheinlicher, dass die Vorzugsstimmenkampagne des Listendritten Mölzer, früherer Chefideologe von Haider und Rechtsextremist ohne Wenn und Aber, Erfolg haben wird.
 Link zu diesem Beitrag

lazio
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. Mai 2004 - 16:17 Uhr:   

@Mörsberg

Sitzverteilung in Slowenien nach d'hondt oder wie kommst du auf die Mandata. Ich habe irgendwo gelesen, dass das slowenische Wahlsystem die kleinen Parteien bei der Europawahl bevorzugen soll, also dann wäre es wohl nicht d'Hondt und dann käme man wohl auf eine Mandatsverteilung 2,1,1,1,1,1. Kann mir jemand genaueres dazu sagen.
 Link zu diesem Beitrag

Mörsberg
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. Mai 2004 - 16:38 Uhr:   

Slowenien:
Kann jemand das übersetzen? Im Artikel 13 steht "d'Hondtov sistem" und ich dachte, das könnte da wohl kaum stehen, wenn man es nicht bräuchte. Vielleicht ist es aber modifiziert (man kann schließlich auch Sainte-Laguë oder die dänische Methode als modifiziertes d'Hondt beschreiben).
Hier werden die Details jedenfalls verschwiegen.
 Link zu diesem Beitrag

zigzag
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. Mai 2004 - 18:46 Uhr:   

Artikel 13 übersetzt mit
http://www.tranexp.com:2000/InterTran/

Nicht sehr verständlich, aber vielleicht kannst du ja was draus erahnen/erraten

Spalten poslanskih Trillerpfeife unterbinden Tour gelb Kupfer Strafzettel Probekandidat sich Vertreibung bis zu Welt Strieme.


Poslanska Trillerpfeife unterbinden Tour sich rationieren aufführen Probekandidat unter begünstigen über Verlauf äußern ICH Quotient, wen sich dobijo so daß, sich sortieren Wählerin hinauf ICH Seinesgleichen phyllopod Probekandidat deli Z Welt zig mit man bis zu verschiedenartig poslancev, wen sich Stimme (d'Hondtov System). Z Strafzettel Probekandidat es ist designiert so menge Probekandidat, welches Befugnis es ist dobila aufführen.


Designiert es gibt erfolglos Bewerber, Kandidaten, wen es gibt dobili die höchst sortieren vorzuziehen Wählerin. Vorzuziehen die jastimmen sporadisch Probekandidat sich upoštevajo, ob oder sortieren vorzuziehen Wählerin posameznega Probekandidat Abscheu Quotient, werktätig raus so daß, sich sortieren vseh Wählerin, beschäftigt hinauf ICH phyllopod, deli Z dvakratnikom verschiedenartig Probekandidat hinauf Schrift. Ob oder hinter dieses Gesamtheit ist nicht designiert so menge Probekandidat, welches poslanskih Befugnis wohnhaft Leintuch, es gibt hinauf übrig poslanska Trillerpfeife unterbinden Tour hinauf tej Schrift designiert erfolglos Bewerber, Kandidaten unter begünstigen über vrstnem verringern Probekandidat hinauf Schrift Probekandidat.

Viel Spaß beim entziffern,
Ich versteh nur Trillerpfeife, Probekandidat aber auch erfolglos Bewerber, sortieren, vorzuziehen,begünstigen und verringern

Auf der Seite der Europagrünen steht folgendes:
"Wenn die SMS einen Sitz haben will, braucht sie mehr als 8 %."
http://www.eurogreens.org/cms/default/dok/8/8989.slowenischen_jugendpartei_und_gruene_koa@de.htm
 Link zu diesem Beitrag

c07
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. Mai 2004 - 18:49 Uhr:   

Dass Artikel 13 im zweiten Absatz d'Hondt beschreibt, bin ich mir auch ohne Sprachkenntnisse nach Vergleich hiermit relativ sicher. Im nächsten Absatz scheint es mir zwar eher um die Präferenzstimmen zu gehen, aber die Zahl 7,14 macht bei d'Hondt keinen Sinn.
 Link zu diesem Beitrag

Mörsberg
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. Mai 2004 - 21:38 Uhr:   

> aber die Zahl 7,14 macht bei d'Hondt keinen Sinn.
Bei sieben Sitzen ist das der Prozentwert, der einer halben Hare-Quote entspricht. Was soll's.
Acht Prozent würden bei den obigen Umfragedaten ja auch mit d'Hondt tatsächlich reichen, falls die 17,5% Sonstigen sich wirklich gleichmäßig auf Kleinzeug verteilen.

Übrigens - um nicht wieder ein Extraposting zu bemühen - ebenfalls umfragerelevant ist die Aussage von Elisabeth Noelle letzte Woche in der FAZ, dieselben Befragten, die zu 7,9% ihrem Institut gesagt hätten, bei einer allfälligen Bundestagswahl FDP wählen zu wollen, würden dies bei der Europawahl nur zu 5,8% tun. Wenigstens mal ein verwertbarer Anhaltspunkt, um einzuschätzen, wieviel Luft die FDP nach unten braucht.
 Link zu diesem Beitrag

Nick Palmer
Veröffentlicht am Donnerstag, 27. Mai 2004 - 10:35 Uhr:   

Ein interessanter Forum fuer Europafreundliche Wahlsystemfreaks - eine seltene Erscheinung in GB, aber ich schliesse mich gerne dazu.
Die erwaehnte GB-Untersuchung (Conservative-Fuehrung: 1%) ist mit Vorsicht zu geniessen. Erstens basiert es sich auf eine Internet-Umfrage: die Meinungen sind gestritten, ob die dabei notwendige Korrekturen in allen Zusammenhaengen gueltig sind. Zweitens sehen die Ergebnisse anders aus, wenn man sich auf die Waehler konzentriert, die angeblich "sicher" die Stimme abgeben. Dann fuehren die Konservativen mit 8% (genau so wie bei den E-Wahlen vor 5 Jahren) und die EU-feindliche (obwohl nicht wie die BNP offen rassistische) Rechtspartei UKIP kommt auf dritte Stelle mit 18%.
Die allgemeine Meinung in der Labour Fraktion im Westminster-Parliament ist, dass wir ein gutes Resultat bekommen, falls die meisten tatsaechlich die Stimme abgeben. Bei einer niedrigen Wahlteilnahme (eher wahrscheinlicher - letztes Mal was es deprimierend tief bei 25%) profitieren die rechte Kraefte. Bekanntlich stimmen die Leute eher wenn sie gegen etwas protestieren wollen. Ein UKIP-Durchbruch ist sowieso zu erwarten.
(Sprachfehler bitte entschuldigen!)

Nick Palmer MP (Labour, Wahlkreis Broxtowe)
 Link zu diesem Beitrag

monnemer
Veröffentlicht am Donnerstag, 27. Mai 2004 - 10:57 Uhr:   

Wieso gibt´s keu Umfrach merr zu de Eurobawahl? S´wär schon net schlescht, wemma mol üwwer de Stimmung infommiert wär.
 Link zu diesem Beitrag

Mörsberg
Veröffentlicht am Donnerstag, 27. Mai 2004 - 17:19 Uhr:   

Der italienische Abendkurier hat Interessantes zu vermelden:
- für Italien
- für den Rest

Zur Einschätzung des italienische Ergebnisses sollte man noch wissen, wer wozu gehört:
EVP: FI, UDC, UDEUR und von den Sonstigen die SVP und die Rentnerpartei.
SPE: etwa 2/3 von DS/Margerita
ELDR: etwa 1/3 von DS/Margerita, Pietro
GRÜNE-EFA: Verdi
VEL: CI, RC
UEN: AN
FL: Lega, Radikale
Prognose der Sitzverteilung lass ich weg, da nur Spannbreiten angegeben sind, die Sonstigen nicht aufgeschlüsselt wurden und die spaßigen Zufälle von sperrklauselfreiem Hare/Niemeyer eh jede Rechnung versaubeuteln.
Wer sich in den anderen Ländern mit den Parteien nicht auskennt, kann es mit einer kleinen Nachfrage probieren (meistens hilft aber schon electionworld.org).
 Link zu diesem Beitrag

Thomas Frings
Veröffentlicht am Freitag, 28. Mai 2004 - 12:12 Uhr:   

@Nick Palmer
"Bekanntlich stimmen die Leute eher wenn sie gegen etwas protestieren wollen."
Naja, Unzufriedene bleiben meistens einfach zu Hause.
Oft ist aber der Erfolg von Rechtsaußenpartein mit steigender Wahlbeteiligung verbunden, wie 1989 der Erfolg der Republikaner in Deutschland oder vor zwei Jahren in Holland.

Labour hat offensichtlich ein allgemeines Mobilisierungsproblem- nicht nur bei der Europawahl. Bei der letzten Unterhauswahl betrug die Wahlbeteiligung auch nur 59,4%.
 Link zu diesem Beitrag

Mörsberg
Veröffentlicht am Freitag, 28. Mai 2004 - 17:59 Uhr:   

Ich hab, weil ich ja selbst leicht misstrauisch bin, nochmal über Malta versucht, Recherchen anzustellen.
Zunächst zur Kandidatenzahl bei STV. Auf der Seite der maltesischen Wahlbehörde sind für die Parlamentswahlen die Ergebnisse in den einzelnen 5er-Wahlkreisen mit den jeweiligen Auszählschritten angegeben. Daraus kann man gut erkennen, dass sich annähernd alle Transfers innerhalb eines Lagers abspielen. Wenn 99% der Stimmen auf nur zwei Parteien entfallen, kommt dabei bei Droop-STV als Sitzverteilung immer entweder 2-3 oder 3-2 heraus, wobei der letzte Sitz an die stärkere Partei geht. In Malta wurde STV anstelle FPTP eingeführt, als sich einmal eine Stimmenmehrheit nicht in einer Mandatsmehrheit abbildete (das ist bei 13 Mehrpersonenwahlkreisen zwar auch nicht ausgeschlossen, aber ungleich unwahrscheinlicher). Parteiübergreifende Transfers kommen erst allmählich auf.

Laut irgendwelcher nicht ganz aus der Luft gegriffenen Umfragedaten kann Arnold Cassola von den maltesischen Grünen bei der EP-Wahl mit 5,4% Direktstimmen rechnen. Es fehlen also noch 11,3% an Transfers (nicht mehr transferierbare Stimmen sind in Malta auch selten). Für die Möglichkeit, diese zu erreichen, sprechen anscheinend folgende Aspekte:
- Von allen Unabhängigen und Sonstigen ist Cassola mit Sicherheit der chancenreichste. Also werden sich irgendwann die Stimmen fast all derer, die vom NP/MLP-Duopol nicht begeistert sind, bei ihm sammeln.
- Anders als bei einer nationalen Parlamentswahl geht es nicht um eine Regierungsmehrheit. Damit sind alle Wähler, die aus taktischen Gründen sonst das kleinere Übel wählen, ungebunden.
- Auch in anderen Ländern, in denen das Wahlsystem die Parteienlandschaft unbeweglich macht (UK), lässt sich bei EP-Wahlen die Tendenz beobachten, dass die Leute mal was ausprobieren möchten.
- AD konnten sich im Vorfeld des EU-Referendums 2003 als Zünglein an der Waage darstellen, das entscheidende Ja-Stimmen mobilisiert hat.
- Zunehmende Verbreitung findet die Argumentation, die Interessen Maltas könnten um so besser vertreten werden, je mehr Fraktionen im EP maltesische Mitglieder besitzen.
Ich bezweifle allerdings dennoch, dass es für Cassola reicht.

Morgen werde ich mal eine Übersicht posten, was die aktuellen Umfragedaten insgesamt an ungefähren Fraktionsstärken ergeben würden. Ich suche allerdings noch Material für Dänemark, Estland, Zypern, Litauen, Luxemburg, Portugal und Finnland (zusammen immerhin 83 Sitze).

Admin Admin Logout Logout   Vorige Seite Vorige Seite Nächste Seite Nächste Seite