Themen Themen Profil Profil Hilfe/Anleitungen Hilfe Teilnehmerliste Teilnehmerliste [Wahlrecht.de Startseite]
Suche Letzte 1|3|7 Tage Suche Suche Verzeichnis Verzeichnis  

Kooptation?

Wahlrecht.de Forum » Sonstiges (FAQs, Wahltipps, usw. …) » Kooptation? « Zurück Weiter »

Autor Beitrag
 Link zu diesem Beitrag

Philipp Wälchli
Veröffentlicht am Dienstag, 24. September 2002 - 00:32 Uhr:   

Kann hier jemand angeben, wo etwa noch der Brauch der Kooptation in staatlichen Gremien besteht oder bestehen könnte?
Unter Kooptation ist zu verstehen, dass Mitglieder eines Kollegiums (Parlament, Regierung, Ausschuss, ...) Mitglieder selbst hinzuwählen. Das klassische Beispiel dafür ist die Wahl römischer Priester durch ihre Kollegen, immer wenn ein Platz frei wurde. Im Mittelalter und teilwese bis in die Neuzeit hinein wurde dieses Verfahren aber auch im ständisch-aristokratischen bzw. patrizischen Staat geübt, indem Vakanzen z. B. in einem Stadtrat durch diesen selbst gefüllt wurden, ohne Beteiligung der Bürger, oder indem am Ende seines Amtsjahres ein Rat die Mitglieder des Rates für das nächste Jahr wählten u. dgl. (Wo es sich um sehr kleine Gremien oder Einzelämter handelt, nennt man dies auch Designation.)
Im 19. Jahrhundert begegnet Kooptation bisweilen auch in Kombination mt "demokratischen" Wahlen, z. B. in der Weise, dass ein Parlament gewählt wurde, dann aber selbst noch eine bestimmte Zahl Mitglieder hinzuwählte. Wenn z. B. ein Parlament von 200 Sitzen in Einerwahlkreisen mit relativer Mehrheitswahl gewählt wurde, dann konnte so vielleicht die stärkste Parteï 90 Sitze gewinnen. Wenn nun noch 40 Sitze vom Parlament selbst durch Wahl besetzt wurden, wobei wiederum die relative Mehrheitswahl zur Anwendung kam, dann erhellt, dass die Fraktion mit den 90 Sitzen sich unter günstigen Voraussetzungen (die andern können sich nicht zusammenraufen, z. B. weil Kommunisten, Reaktionäre und Bürgerliche sich spinnefeind sind)alle oder die meisten der 40 zusätzlichen Sitze verschaffen konnte. Wenn es ihr gelang, nur 31 der 40 zu gewinnen, dann war aus der Minderheit von 90 Sitzen (auf 200) eine Mehrheit von 121 (auf 240)geworden. Das zeigt u. U., warum Kooptation ein undemokratisches Prinzip ist.
Es dürfte im Allgemeinen ausgemerzt sein, aber vielleicht kommt es irgendwo auch in demokratischen Staaten noch vor???
 Link zu diesem Beitrag

Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Dienstag, 24. September 2002 - 16:57 Uhr:   

Bei staatlichen Gremien ist mir derzeit kein Beispiel bekannt.
Bei Vereins- oder Parteigremien ist es noch üblich, zusätzliche Mitglieder per Gremiumsbeschluß zu kooptieren - aber meines Wissens immer nur ohne Stimmrecht.

Bei Aufsichtsräten (entspricht dem Schweizer Verwaltungsrat) von Aktiengesellschaften dagegen gibt es Kooptation in der Form, daß ausscheidende Mitglieder nicht von der Hauptversammlung, sondern vom verbleibenden Aufsichtsrat nachgewählt werden. Dabei gibt es aber spezielle Rechte für Großaktionäre.
 Link zu diesem Beitrag

Eike
Veröffentlicht am Dienstag, 24. September 2002 - 23:01 Uhr:   

Bei uns im Kirchengemeinderat (Ev. Landeskirche Baden) gibt es Kooptation.
 Link zu diesem Beitrag

Philipp Wälchli
Veröffentlicht am Samstag, 28. September 2002 - 23:11 Uhr:   

Das ist interessant, auch wenn's bloss kirchlich ist. Gibt es dazu nähere Informationen?
 Link zu diesem Beitrag

Thomas Frings
Veröffentlicht am Mittwoch, 09. Oktober 2002 - 15:32 Uhr:   

In Belgien werden 10 der 71 Senatoren kooptiert (6 Flamen, 4 Wallonen).
 Link zu diesem Beitrag

Philipp Wälchli
Veröffentlicht am Mittwoch, 10. Dezember 2003 - 13:39 Uhr:   

Eine besondere Bestellungsweise gibt es für den Universitätsrat der Universität Zürich. Mir ist allerdings noch unklar, wie genau dieses Verfahren zu klassieren ist.
Die Kantonsregierung wählt mit Mehrheit die Mitglieder; zugleich gehören aber dem Universitätsrat auch jene Mitglieder der Regierung an, die einem Departement vorstehen, das mit der Universität zu tun hat (zur Zeit: Erziehungsdirektion und Gesundheistdirektion [betr. medizinische Fakultät]), und diese können sogar das Präsidium innehaben.
Mir scheint, dass dies im Grunde auf eine Art verschleierte Kooptation hinausläuft.
 Link zu diesem Beitrag

Thomas Frings
Veröffentlicht am Freitag, 12. Dezember 2003 - 12:23 Uhr:   

Man muß trennen zwischen Kooptation, also Wahl zusätzlicher Mitglieder durch das Gremium selbst, und Ex-offico-Mitgliedschaft. Die gibt es in Deutschland sehr häufig bei Parteigremien. In NRW gehört der direkt gewählte Bürgermeister automatisch dem Stadt-/Gemeinderat an und ein Landrat dem Kreistag. Als Beispiel in der Schweiz fällt mir Appenzell-Innerrhoden ein, wo die Mitglieder der Standeskommission (=Regierung) bis in die 90-er Jahre automatisch dem Kantonsparlament angehörten.
 Link zu diesem Beitrag

Philipp Wälchli
Veröffentlicht am Freitag, 12. Dezember 2003 - 14:43 Uhr:   

Ex officio-Mitgliedschaft ist eine Sache; der Universitätsrat eine andere. Die Mitgliedschaft von Regierungsangehörigen in Legislativorganen ist z. B. in Appenzell deswegen aufgehoben worden, weil sie der Gewaltenteilung widerspricht. Dieser Trend ist generell zu beobachten.
Beim Universitätsrat ist die Sache aber ein wenig anders: 5 Mitglieder der Regierung wählen 4 Mitglieder des Universitätsrats, und 2 Mitglieder der Regierung sind zugleich Mitglieder des Universitätsrats.
Das erscheint eine merkwürdige Konstruktion, zumal andernorts die Kompetenzen des Universitätsrats entweder bei der Regierung selbst, bei einer Direktion (=MInisterium) oder bei einem Gremium der Universität liegen.

Beitrag verfassen
Beitrag:
Fett Kursiv Unterstrichen Erstelle Link Clipart einfügen

Benutzername: Hinweis:
Dies ist ein geschützter Bereich, in dem ausschliesslich registrierte Benutzer Beiträge veröffentlichen können.
Kennwort:
Optionen: HTML-Code anzeigen
URLs innerhalb des Beitrags aktivieren
Auswahl:

Admin Admin Logout Logout   Vorige Seite Vorige Seite Nächste Seite Nächste Seite