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Nichtwahl bzw. ungültige Wahl - wie b...

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Thomas
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Mittwoch, 10. September 2008 - 13:26 Uhr:   

Hallo zusammen,

bisher war ich der festen Überzeugung, dass jede Stimme die nicht abgegeben wird, im Zweifel den Radikalen zugute kommt, weil die ihre Stammwählerschaft ja haben, und sich damit ihr Anteil an den Gesamtstimmen entsprechend erhöht.

Nun bin ich allerdings irrigiert. Beispiele:

100 Wahlberechtigte:

30 SPD = 30%
30 CDU = 30%
10 Grün = 10%
10 FDP = 10%
15 Die Linke = 15%
5 NPD = 5%

Wenn nun 30 Leute den Kanal von Münte und Merkel voll haben und nicht wählen gehen:

15 SPD = 21%
15 CDU = 21%
10 Grün = 14%
10 FDP = 14%
15 Die Linke = 21%
5 NPD = 7%
30 Ungültig/nicht abgegeben

Die 2 weggerundeten Prozent mal beiseite: so wäre jetzt meine Vorstellung. Wenn das nicht stimmt, http://www.wahlrecht.de/lexikon/ungueltig.html, wie ist dann das Ergebnis?
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Mittwoch, 10. September 2008 - 18:34 Uhr:   

Es ist durch nichts belegt, daß radikale Parteien besonders treue Wähler hätten. Die NPD-Ergebnisse waren über Jahrzehnte kaum meßbar und die Kommunisten hatten bis 2005 im Westen Ergebnisse um 1%. Ende der 60er Jahre hatte die NPD schon einmal beachtliche Ergenisse bis 9,8%, und verschwand kurz danach wieder in der Versenkung. Allenfalls den Linkspartei-Wählern im Osten kann man überdurchschnittliche Treue nachsagen, dort wird die Linkspartei aber auch weniger als Extrempartei angesehen.

Die Wahlbeteiligung in den beiden Ländern, in denen die NPD im Landag sitzt, war keineswegs besonders niedrig. Nur in Schleswig-Holstein, Hamburg, NRW und Hessen war sie bei der jeweils letzten Landtagswahl höher als in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Als die DVU 1998 12,9% in Sachsen-Anhalt holte, lag die Wahlbeteiligung bei 71,5% und 17 (!) Prozentpunkte höher als bei der vorangegangenen Wahl. Zumindest für Rechtsextremisten kann man wohl behaupten, daß ihnen hohe Wahlbeteiliging eher nutzt als schadet.

Mathematisch ist es zudem so, daß die Wahlbeteilung schon sehr stark fallen muß, um eine Kleinpartei mit gegebener absoluten Stimmenzahl nennenswert nach oben zu bringen.
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Thomas
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Donnerstag, 11. September 2008 - 09:44 Uhr:   

Alles korrekt, aber es ist dann in der Therie doch so, wie im 2. Beispiel geschrieben!?

Wenn ja, dann dürfte sich das doch auch bundesweit auswirken, was die Linkspartei angeht, die viele aus Protest wählen werden. Der Rest, der aus Verdruss nicht wie immer sein Kreuz bei CDU oder SPD macht, bleibt zu Hause - womit sich der Anteil der Linken erhöhen dürfte ...
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Tim Spier
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 11. September 2008 - 09:53 Uhr:   

Die Wahlbeteiligung von Anhängern bestimmter Parteien hängt von vielen Faktoren ab. Die Wahrscheinlichkeit, wählen zu gehen, ist sicher nicht nur von Partei zu Partei verschieden, sondern auch innerhalb verschiedener Anhänger-Segmente. Politisches Interesse wird allgemein als wichtige Determinante der Wahlbeteiligung gesehen. Wenn also eine Anhängerschaft besonders viele politisch Interessierte aufweist, dann kann sie in aller Regel besser mobilisieren. Der Zusammenhang von Radikalität der Partei und Mobilisierung ihrer Anhänger erscheint mir allenfalls als grobe Faustformel, im Detail lässt sich das m.E. nicht halten. So ist die Mobilisierungsfähigkeit der FDP und der Grünen in ihrem Potential sicherlich recht hoch, da hier ein überdurchschnittliches formales Bildungsniveau und ein hohes politisches Interesse die Regel ist. Das mag auch für einen Teil der Ostwählerschaft der PDS gegolten haben, inzwischen sind aber - insbesondere im Westen - Wähler hinzugekommen, die sicherlich von Wahl zu Wahl neu und mühsam mobilisiert werden müssen.

Im Übrigen habe ich die Rechnung nicht ganz verstanden. Vorausgesetzt das wirklich nur CDU und SPD ihre Anhängerschaft schlecht mobilisieren können, so stimmt doch alle an ihr.
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Thomas
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Donnerstag, 11. September 2008 - 10:03 Uhr:   

In wie weit die Radikalen-Theorie in der Praxis eine Rolle spielt, will ich gar nicht wissen (man sieht ja schon an dem sehr konstruierten Rechenbeispiel, dass sich der Anteil der NPD selbst bei -30% für die Volksparteien nur minimal um 2% erhöhen würde) - mir ging es darum, ob die Grundannahme, dass damit theoretisch jede nicht abgegebene oder ungültige Stimme negative Folgen haben _könnte_, stimmt. Denn im Lexikon dieser Seite steht:

"Auch wenn immer gesagt wird, wer nicht wähle, wähle extrem, von der Nichtwahl profitieren alle Parteien proportional zu ihrem Stimmenanteil, d.h. vor allem die großen Parteien CDU und SPD. "

Und das kann ich so beim besten Willen nicht erkennen.}
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Tim Spier
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 11. September 2008 - 10:44 Uhr:   

Nun gut, da würde ich die Kritik unterstützen. Der Satz würde nur stimmen, wenn die Nichtwähler nicht einer oder meinetwegen auch mehrerer Parteien nahestehen würden. Die Nichtwähler würden - wenn sie wählen - sich sicherlich nicht gleichmäßig bzw. proportional auf alle Parteien verteilen. Eine erhöhte Nichtwahl schadet bestimmten Parteien, sowie sie anderen Parteien nutzt.
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Martin Fehndrich
Moderator
Veröffentlicht am Donnerstag, 11. September 2008 - 22:41 Uhr:   

CDU profitiert hier im Beispiel auch davon, daß die SPD Stimmen verliert. Die kleineren Parteien profitieren etwas weniger und die kleinste Partei am wenigsten.

Natürlich profitiert die CDU nicht davon, daß CDU-Wähler zuhause bleiben, sondern SPD,Linke und kleinere entsprechend dem Stimmenanteil.

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