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Prozent und Prozentpunkte – Unterschied?

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Jens
Veröffentlicht am Dienstag, 22. Februar 2005 - 11:43 Uhr:   

Hallo,

wer kann mir denn eine qualifizierte Definition oder Erklärung der Begriffe „Prozente“ und „Prozentpunkte“ liefern? Beziehungsweise den Unterschied erläutern? Wäre echt sehr, sehr dankbar!!!
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Frank Schmidt
Veröffentlicht am Dienstag, 22. Februar 2005 - 11:52 Uhr:   

Angenommen, eine Partei erhält 400 von 1000 Stimmen. Das sind 40 Prozent.

Erhält sie beim nächsten Mal 10 Prozent mehr Stimmen, dann sind das 10 Prozent von 400, also 40 Stimmen mehr und 440 insgesamt.

Prozentpunkte verwendet man, wenn man Prozentzahlen addieren will. Man nimmt also die 40 Prozent als Prozentpunkte und addiert 10 Prozentpunkte dazu, erhält also 50 Prozentpunkte, also die Hälfte der Stimmen.
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Philipp Wälchli
Veröffentlicht am Dienstag, 22. Februar 2005 - 23:29 Uhr:   

"Prozentpunkt" ist schlicht und ergreifend eine sprachliche Dummheit, nichts mehr und nichts weniger.
"Prozent" heisst wörtlich: "auf Hundert" und stellt letztlich nichts anderes dar als eine Bruchzahl mit gleichbleibendem Nenner von 100. 40% bedeutet also dasselbe wie 40/100.
In der altertümlichen Sprache des Schweizer Obligationenrechts (1907 beschlossen) heisst es denn auch einfach noch "x vom Hundert" statt "x Prozent" - und diese altertümliche Floskel war (und ist noch) gar nichts so schlecht verständlich.
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Frederic
Veröffentlicht am Dienstag, 22. Februar 2005 - 23:48 Uhr:   

"... vom Hundert" findet sich auch heute noch in allen deutschen Gesetzestexten.
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Marek
Veröffentlicht am Mittwoch, 23. Februar 2005 - 08:09 Uhr:   

@Philipp
„Prozentpunkt“ ist schlicht und ergreifend eine sprachliche Dummheit, nichts mehr und nichts weniger.

Nein, es dient der Abgrenzung. Wenn sich das Wahlergebnis einer Partei von 20% auf 30% erhöht, dann hat sich das Ergebnis um _50%_ erhöht, bzw. um _10_ Prozentpunkte.
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Matthias Cantow
Veröffentlicht am Mittwoch, 23. Februar 2005 - 18:06 Uhr:   

Ich halte die Verwendung von Prozent und Prozentpunkten – nach einer längeren Zeit skeptischer Betrachtung – sogar für sehr sinnvoll, um die unterschiedlichen Bedeutungen auszudrücken (und immerhin in deutscher Sprache!). IIRC lernte man in der DDR den Unterschied bspw. noch so zu erläutern: ... erhöht sich "relativ um 10 Prozent" oder "absolut um 10 Prozent".

Eine solche Exaktheit kann man wohl den PISA-Ergebnissen nach in der heutigen Zeit (leider) von niemandem mehr erwarten – für die alltägliche Kommunikation muss es aber eine eindeutige, für jeden verständliche und deshalb möglichst einfache Unterscheidung geben. Daher entwickelte sich dann bei den Personen, die tagtäglich mit diesem Problem zu kämpfen hatten, die Unterscheidung in Prozent und Prozentpunkte (Fachleuten untereinander reden natürlich wieder anders, am Rentenmarkt etwa spricht man teilweise nur von Punkten bzw. (Hundertstel Prozent-)Ticks).

Dass diese sinnvoll ist, zeigt auch die Übernahme ins neue Schuldrecht (§§ 288, 497 BGB) – was aber für die nächsten Jahre noch zu größeren Unstimmigkeiten führen dürfte, da – und hier gibt es auch eine Parallele zur Diskussion um die Sitzzuteilungsverfahren (um mal wieder den Bogen zum Wahlrecht zu schlagen) – viele Juristen den mathematischen Unterschied gar nicht begreifen bzw. von dieser neuen Entwicklung nichts mitbekommen haben – man suche nur einmal bei Google zu

AGB "in Höhe von" "2 % über dem"
bzw.
AGB "in Höhe von" "Prozentpunkte über dem"

(Vielleicht sollte man sich einmal überlegen, bei den Ersteren Geld zu borgen – bei den niedrigen Zinsen ,-).)
In etwa zehn Jahren wird dieser Sprachgebrauch zumindest in Deutschland dann ganz normal sein.
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Philipp Wälchli
Veröffentlicht am Mittwoch, 23. Februar 2005 - 20:07 Uhr:   

In der Fachsprache der Finanzwelt gibt es die Basispunkte, die eindeutig definiert sind, allerdings mit Prozent nicht wirklich etwas zu tun haben.
Im übrigen ist es nach wie vor so, dass man immer eindeutig angeben muss, worauf sich der Ausdruck "Prozent" bezieht. Da hilft auch das Prozentpunkte-Märchen nicht weiter.
Das Problem liegt nämlich in der Logik der Sache, nicht im sprachlichen Ausdruck: Prozent ist ein normierter Bruch mit gleichbleibendem Nenner. Das ist im wesentlichen schon das ganze Geheimnis. Das trifft aber auch auf Promille zu, man könnte auch ein Prodix oder sowas definieren (Nenner: 10), wenn es praktisch hilfreich wäre.
In jedem Fall muss man aber angeben, worauf man sich bezieht, d. h. welcher Bruchteil WOVON gemeint ist.
Dabei spielt es keine Rolle, ob man Prozent, Promille oder einen andern Anteil meint. Stets muss klar sein, wovon ein Anteil gemeint ist.
Eine Steigerung von 20% auf 30% ist eine Steigerung um 50% des alten ehemaligen Wahlergebnisses oder eine Steigerung auf 150% des alten Wahlergebnisses oder eine Steigerung um 10% aller Stimmen usw.
Lässt sich alles sehr genau ohne Rückgriff auf Prozentpunkte und dergleichen Mätzchen ausdrücken.
Abgesehen davon werden die berüchtigten Prozentpunkte ohnehin in den meisten Texten, in denen sie vorkommen, in mindestens drei unterschiedlichen Bedeutungen verwendet. Wer Prozentrechnung wirklich begriffen hat, hat es auch nicht nötig, "Prozentpunkte" zu erfinden.
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Eujen (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Freitag, 29. Dezember 2006 - 10:14 Uhr:   

Die vorstehenden Beiträge enthalten angenehm viel Präzises und +/- Überzeugendes. Das Problem aber sind die vielen dummen Journalisten, die sich offenbar zunehmend aus Ungebildeten oder Halbgebildeten rekrutieren. Sie sorgen für immer mehr Volksverdummung, indem sie sich in der Verwendung von (von ihnen) unverstandenen und daher oft unpassenden Begriffen gefallen, nur weil sie vielleicht trendy sind und sich vermeintlich gut machen, im Sinne von scheinbar besonderer Kompetenz. Die Schuld daran trifft aber (nur) die einstellenden, zu unkritischen und/oder selbst unfähigen Chefredakteure.
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User
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Samstag, 19. April 2014 - 18:32 Uhr:   

Dass Prozentpunkte nur eine sprachliche Dummheit ist stimmt überhaupt nicht! Da ist ein wichtiger Unterschied, der in den anderen Kommentaren erklärt wurde.
@Philipp: Verunsichere keine Menschen mit falschen Aussagen!

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