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Medienlieblinge gewinnen keine Wahlen

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Sole
Veröffentlicht am Mittwoch, 16. Februar 2005 - 18:57 Uhr:   

Dieser Artikel ist Abfallprodukt einer Diskussion auf election.de

Die Medien sind dieser Tage voll von Artikeln, die sich lustig machen über den "Kumpel von uns", über nicht mediengerechte Politiker. Nach einem zu wenig mediengerechten Ministerpräsidenten Erwin Teufel und einer spröden Protestantin an der Spitze der CDU trifft es nun Peter Harrx Carstensen. Der sei zur Niederlage verurteilt, denn er sei ein nobody. Eine Allerweltsgestalt. Einer von uns. Er gehe in der Menge unter.

Alles Aussagen, die so auch auf George Bush Jr. zutreffen könnten.

Die Journalisten machen uns glauben (und glauben vermutlich selbst) "Fashion" sei ein wahlentscheidender Aspekt. Das ist logisch, denn über Fashion läßt sich seitenweise und teilweise interessant daherrhababern, ohne Gefahr zu laufen widerlegt zu werden. Nach der Wahl gilt: Was kümmert mich der Artikel vom letzten Monat?

"Dass z.B. der Spiegel jetzt den CDU-Kandidaten in SH als Gutelaunebär lächerlich machen will ... Rückfall in die Zeiten, als der Spiegel zur "roten Kampfpresse" gehörte."

Die kalte Realität, dass Wahlverhalten ein komplexer Mix langfristiger Entwicklungen, Zeitgeist, kurzfristiger Trends und Stimuli ist, dass Wahlverhalten also nicht von wenigen, nachrichtenwerten Personen oder Handlungen massiv beeinflusst wird, gefährdet eine ganze Zunft von Beratern, Canvassing-Experten, Mediaplanern, Image Designern - und eben auch Journalisten.

Es wäre kreuzgefährlich, wenn den Kunden (Wählern und Politikern) aufginge, dass es vollkommen nebensächlich ist, ob der teuer bezahlte General seinen Truppen gepunktete oder gestreifte Mützen empfielt. Ob elegant oder nicht: Gestorben wird trotzdem.

Joseph Fischer und Gregor Gysi sind zu medialen Ikonen ihrer Parteien aufgestiegen. Sie sind mediengerechte Typen, liefern Überschriften und Schlagwörter. Über ihre Fähigkeit, Wähler zu gewinnen gibt es sehr unterschiedliche Urteile.

Franz-Joseph Strauss, ein griesgrämiger Fettsack, der mediale Antiheld schlechthin, war er etwa weniger ein Wahlfaktor? War der denn weniger geignet, Massen zu bewegen. Oder anders herum: Sind andere es denn mehr? Politikkommunikation, Wahlkampf und Darstellung der Politiker geraten immer mehr zu einer sich selbst genügenden, schwer zugänglichen Subkultur, deren Botschaften auf die Journalisten gemünzt sind. Beim Wähler kommen nur mehr Sprechblasen an.

Helmut Kohl hat noch nie eine Wahl gewonnen, weil die Medien ihn für einen charismatischen Führer hielten. Peter Harry Carstensen muss keine Angst haben. Er ist in guter Gesellschaft.
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Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Donnerstag, 17. Februar 2005 - 10:03 Uhr:   

Guter Artikel. Ähnliches habe ich ja speziell zum Thema Carstensen auch schon geschrieben.
Es wird bestimmt ein (völlig übliches) Problem für Carstensen sein, daß er landesweit bei weitem nicht den Bekanntheitsgrad einer Simonis hat (und haben kann).
Aber bei den Wählern, die ihn kennen, wird er im Schnitt nicht schlechter abschneiden als ein "mediengerechterer" Kandidat.

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