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Marius Frosch
Veröffentlicht am Montag, 26. April 2004 - 18:25 Uhr:   

Man kann über die DVU sagen was man will. Man kann über den Chef des
Unternehmens ? Gerhard Frey ? denken, was man will. Eines kann man nicht leugnen:

Die DVU präsentiert einen effektiven und mit modernsten Methoden geführten
Wahlkampf. Innerhalb von jeweils drei Wochen entfesselt sie, zentral von München aus dem Firmensitz des National-Zeitung-Verlegers Gerhard Frey gelenkt, ein Dauerfeuer der Propaganda. Und die trifft ins Schwarze.

Während sich andere Parteien monatelang in Gremien auf Kreis-, Bezirks-,Landes- und Bundesebene die Köpfe heißreden, wie das Wahlprogramm aussehen soll,ob man diesen oder jenen Kandidaten auf Platz zwei oder drei hieven soll, ob
nicht ein Sommerfest oder doch lieber eine Luftballonaktion der richtige Weg zum nächsten Wähler ist, entwirft bei Frey in München ein kleiner,überschaubarer Stab von Profis den Schlachtplan:

Zuerst werden die Länder sondiert, in denen die DVU überhaupt
nennenswerte Wahlchancen hat. Nach mehreren Schlappen konzentriert sich der Polit-Unternehmer jetzt entweder auf kleine Stadtstaaten im Westen(Bremen, Hamburg) oder
auf die östlichen Bundesländer mit hoher Wechselwählerbereitschaft. Zudem hat sich herausgestellt, daß die DVU im Osten besonders gute Chancen unter der Konstellation einer SPD-Regierung mit schwacher CDU-Opposition hat. Die DVU ist dort das knackige Kontrastprogramm zu verbrauchten Altparteien.Dann legt Frey einen Wahlkampf-Etat fest, der sich gewaschen hat. Der
Multi-Millionär (geschätztes Immobilienvermögen von einer halben Milliarde
> EUR)
> investiert oft mehr als SPD oder CDU zusammen! In Brandenburg sollen es
> 1999
> 2,5 Millionen EUR gewesen sein. Frey denkt jedoch unternehmerisch: Jede
> Mark
> muß sich durch zurückfließende Spendengelder und Umsätze über seinen
> Verlag
> durch neugeworbene Kunden wieder amortisieren. Darum liegen auch der
> Wahlwerbung stets Prospekte des "Deutschen Buchdienstes" und der
> National-Zeitung bei.
>
> l Zuletzt wird der Fächer aus Direktwerbung (persönliche Briefe, je nach
> Zielgruppe manchmal mehrere Dutzend vor dem Wahltag), Plakatwerbung mit
> Klebekolonnen und Großstellflächen sowie Flugzeugbanner eingesetzt.
>
> Die von den Medien verhängte Quarantäne begünstigt Freys Strategie eines
> lautlosen Überraschungsangriffs. Insofern ist es auch überflüssig, eine
> traditionelle Parteienstruktur aufzubauen, die den effizienten
> unternehmerischen
> Apparat hemmen würde. Die Kandidaten werden von Frey persönlich ausgesucht
> und in
> kurzen Wahlparteitagen mit wenigen Dutzend Mitgliedern durchgepaukt.
>
> Bisher ist Frey jedesmal unterschätzt worden, weil die übrigen Parteien,
> auch seine rechten Konkurrenten, einem Wahlkampfstil verhaftet sind, der
> teilweise rührend antiquiert ist. Infostände, an denen einsam ein paar
> Mitglieder
> Zeit verplempern, Vortragsveranstaltungen, zu denen nur zwei Dutzend
> Zuhörer
> kommen, Flugblätter, die nicht zugkräftig sind, und jede Menge
> Schnickschnack,
> der lediglich einige hundert Mitglieder bei Laune hält. Freys
> Gegenkonzept:
> Möglichst jeden potentiellen Wähler wenigstens einmal persönlich und
> direkt
> ansprechen. Mit einem Brief, der kürzesten nur denkbaren Verbindung. So
> erleben
> die Wähler die Phantom-Partei DVU außerordentlich konkret und intim. Zu
> Hause, in den eigenen vier Wänden mit persönlich adressierter Post, die
> leicht
> verständlich ist.
>
> Mühsame Modernisierung des Wahlkampfes
>
> Die großen Parteien haben unter Mühen ihren Wahlkampf in den letzten
> Jahren
> modernisiert. Am schwersten taten sich die, die sich sonst für
> fortschrittlich halten: die SPD. So führte sie erst jetzt den Posten eines
> Generalsekretärs
> ein, den man bei der Union und der FDP insebsondere zur Wahlkampfführung
> geschaffen hatte. Die SPD wurde nun wegen ihres Wahlkampfes 1998 von
> Kommunikationswissenschaftlern gelobt, ob der Professionalität der
> Vorgehensweise und
> wegen der guten Inszenierung des Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder. Die
> Methode war beinahe amerikanisch. Viel Glamour, viel Schein und viel Farbe
> auf
> wirksamen Bildern, versehen mit leicht eingängigen Botschaften wie "Wir
> wollen
> daß sie gesund werden ? und nicht arm".
>
> Kommunikation ist allumfassend und für Politiker und Parteien
> wahlentscheidend. Seit den zwanziger Jahren haben sich die modernen Formen
> der
> Öffentlichkeitsarbeit und Propaganda entwickelt und werden stetig
> verfeinert und
> perfektioniert. Die stark überzeugende Wirkung der Mundpropaganda, in der
> modernen
> angloamerikanischen Literatur als "Face to Face Communication" bezeichnet,
> wurde ebenso entwickelt wie der als notwendig betrachtete unmittelbar
> scheinende
> Kontakt mit dem "Leader".
>
> Die Methoden der DVU sind also nicht neu, sie werden aber effizient
> eingesetzt. So setzen auch andere Parteien auf Direktwerbung und das
> persönliche
> Anschreiben der Bürger. Niemand versteht sich derzeit aber so gerissen
> darauf wie
> Gerhard Frey von der DVU. Und er macht damit viele Schwächen wett, die
> diese
> Partei mangels Parteiorganisation besitzt.
>
> In der Wahrnehmung des Bürgers wird der Wahlkampf der Deutschen Volksunion
> in drei Etappen vorgenommen und im wesentlichen auf die heiße Phase, also
> drei
> Wochen vor dem Wahltermin konzentriert.
>
> Zuerst wird massiv plakatiert. Neben den üblichen A3-Plakaten mit der
> Aufschrift "Kriminelle Ausländer raus" sind es vor allem
> Großflächenplakate, immer
> mit dem akzeptierten "Schwarz-Rot-Gold" im Winkel, das seit den siebziger
> Jahren bis 1998 auch die CDU in ihren Plakaten verwendete, vor allem seit
> 1976
> unter dem Vorsitzenden Helmut Kohl. Die Assoziation "offizielles
> Deutschland"
> und DVU ist hier unterlegt. Die Plakate werden vor allem an
> Bushaltestellen,
> Bahnhöfen und an Straßenkreuzungen aufgestellt.
>
> Persönliche Anschreiben als kürzester Weg
>
> Erst zwei Wochen vor der Wahl werden die Kandidaten bekanntgegeben. Hier
> zeigt sich ein deutlicher Unterschied zu den großen Volksparteien. Diese
> sind in
> ihrem Wahlkampf deutlich kandidatenorientierter. Der personalisierte
> Wahlkampf von CDU und SPD erinnert auch bei den Landtagswahlen an das
> Vorbild des
> amerikanischen Präsidentenwahlkampfes ? mit der Konzentration auf Stolpe
> und
> Schönbohm in Brandenburg sowie Müller und Klimmt im Saarland. Die Person
> wird
> gewählt ? weniger das Programm. Wer kennt bei der DVU schon die
> Kandidaten?
> Über die traditionellen Massenmedien, Fernsehen, Hörfunk und Tageszeitung
> werden sie nicht publik. Hier verweigert sich die politisch korrekte
> Berichterstattung.
>
> Die Themen, die auch in den kurz gehaltenen Programmen formuliert werden,
> sind dabei griffig formuliert und leicht verständlich. Das
> DVU-Wahlprogramm für
> Brandenburg ist ein Faltblatt von vier Seiten, mit den Schlagworten:
> "Deutsches Geld für deutsche Aufgaben" oder "Deutsche zuerst" oder "Wir
> sind das
> Volk". Hierbei werden nicht nur akzeptierte Slogans in einen "nationalen"
> Kontext gestellt, sondern mit der Angst vor Arbeitslosigkeit, Identitäts-
> und
> Freiheitsverlust und Armut gespielt.
>
> Das Wahlprogramm der DVU liegt in einem Brief an alle Haushalte, eine
> Woche
> vor der Wahl (Etappe drei). Die Werbung spricht hier von einer
> "Direct-Mailing Aktion" ? sehr teuer und sehr wirksam. Der Brief ist
> aufgemacht wie eine
> offizielle Wahlbenachrichtigung. "Wahlbüro Potsdam" ? steht sogar darauf.
> Auf
> dem roten Kuvert steht auch: "Persönliche Zustellung", was die
> Betroffenheit
> des Adressaten erhöht, und "An die Bürgerinnen und Bürger in Brandenburg:
> Wichtige Unterlagen zur Wahl zum Landtag". Alles in allem könnte der
> Empfänger
> denken, es ist wohl der Wahlschein.
>
> Aber wenn er den Brief öffnet, steht nicht drin, wo und wann er wählen
> kann,
> sondern was und wen. Auf dem Briefkopf werden die Kandidaten vorgestellt.
> In
> den Formulierungen wird geschickt mit der Furcht vor Isolation und der
> Angst
> gespielt, in der Minderheit zu sein: "Immer mehr Brandenburger sind der
> Meinung, daß die arroganten Polit-Bosse einen saftigen Denkzettel verdient
> haben."
>
> Es wird dazu aufgerufen, seinem Ärger Luft zu machen, da die DVU die
> Partei
sei, die "am kräftigsten Wirbel macht". Das Wahlkreuz solle zum Protestkreuz werden. Mit einfachen, überschaubaren Grafiken wird gezeigt, daß Kriminalität
gerade bei Ausländern zu finden ist und daß die Arbeitslosenzahl seit 1992 um 55 Prozent gestiegen ist. Im beigelegten und in aufrüttelndem Rot gehaltenen Flugblatt werden Argumente geliefert, wie die eben sachlich
> dargestellten
> Probleme gelöst werden können. Mit einer Karte kann man dann sofort seine
Meinung differenzierter sagen als nur durch ein Wahlkreuz. Die Fragen,allesamt suggestiv und in der unterlegten Antwort so formuliert, daß sie prinzipiell für jeden gewissenhaften Bürger, wenn sie einmal beantwortet sind, auch die eigene Meinung widerspiegeln. Man kann auch sofort die National-Zeitung abonnieren. Alles kompakt in einem Umschlag, kurz vor der Wahl.

Kommunikationsfachleute sprechen davon, daß die "interpersonale
Kommunikation in sozialen Einheiten nach drei bis fünf Tagen
handlungsrelevant wird". Mit
anderen Worten: Wird solch ein Brief nach dem Erhalt gründlich gelesen und "klönt" man darüber mit der Familie und mitNachbarn, dann ist die Wirkung dieser Mund-zu-Mund-Propaganda berechenbar, zumindest in Regionen mit geringer Millieu-Bindung und einem hohen Anteil von Wechselwählern, die sich von der aktuellen Politik im Stich gelassen fühlen.Die Methoden der DVU sind professioneller, auch dreister und perfider als
die anderer demokratischer Rechtsparteien ? so der Republikaner. Unter anderem darauf ist auch deren unterschiedliches Abschneiden bei Wahlen zurückzuführen
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Sole
Veröffentlicht am Montag, 26. April 2004 - 20:39 Uhr:   

Mal der Reihe nach. Frey steckt viel Geld rein. Frey bekommt für eine Null-Partei recht gute Ergebnisse. Frey bekommt mit viel Geld geringere Ergebnisse als andere Parteien mit wesentlich weniger Geld.

Frey tritt anders als etwa die FDP nicht immer an und vermeidet Zählkandidaturen.

Frey schafft wiederum keine bundesweiten Erfolge, anders als etwa die Republikaner, die es immerhin schon mal ins Europaparlament schafften (was ihnen wenig nützte).

Diese "Effizienz" ist also zwiespältig. Für die Partei bleibt trotz hohem Aufwand nur ein Nischendasein. Für den Unternehmer ist es auch wenig mehr als ein Nullsummenspiel.
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Bernd Schaller
Veröffentlicht am Donnerstag, 29. April 2004 - 11:14 Uhr:   

Kleiner Hinweis am Rande: in vielen anderen Ländern ähneln die Parteien eher der DVU: relativ wenige Mitglieder (meist Honoratioren) mit relativ viel Einfluß. Das System wie in Deutschland mit vielen Ortsverbänden ist in anderen Ländern eher seltener. Wobei ich feststellen mußte daß sich viele OV eher mit Gesellschaftlichem (Kaffekränzchen, Ausflüge etc.) denn mit Politik beschäftigen und wenn dann doch eher mit Kommunalpolitik als mit "großer" Politik". Ansonsten geb ich Mario Frosch größtenteils recht.
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Sole
Veröffentlicht am Montag, 03. Mai 2004 - 21:32 Uhr:   

Eine Territorialgliederung befasst sich naturgemäß meist mit Fragen aus dem eigenen Gesichtskreis - und das kann sie auch am Besten.

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