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tg
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| | Veröffentlicht am Montag, 14. Juni 2010 - 14:38 Uhr: | |
Die Flamen möchten sich sicher nicht den Niederlanden anschließen, aber das alleine ist ja kein Grund, mit den Wallonen zusammenzubleiben. Ein eigener Staat Flandern wäre sicher lebensfähig. Das ist der eigentliche Klebstoff der Belgien ... zusammenhält. Frittensoße? [Sorry, aber der Witz lag zu nahe] |

Thomas Frings
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| | Veröffentlicht am Montag, 14. Juni 2010 - 18:32 Uhr: | |
Ergebnis nach Regionen Flandern/Brüssel/Wallonien/Total N-VA 27,8/1,8/-/17,4 CD&V 17,3/1,6/-/10,8 CDH 0,3/12,2/14,6/5,5 sp.a 14,6/2,0/-/9,2 PS 0,4/26,6/37,6/13,7 Open Vld 13,6/2,3/-/8,6 MR 0,8/27,1/22,2/9,3 Vlaams Belang 12,3/1,7/-/7,8 GROEN! 6,9/1,6/-/4,4 ecolo 0,3/12,0/12,3/4,8 Dedecker 3,7/0,3/-/2,3 PP 0,1/3,5/3,1/1,3 PVDA/PTB 1,4/1,6/1,9/1,5 FN 0,0/1,0/1,4/0,5 Rest 0,5/4,8/6,8/2,8 Die Stimmen für die frankophonen Parteien in Flandern kommen alle aus dem zu Flandern gehörenden Teil von Brüssel-Halle-Vilvoorde. 8400 Stimmen von Auslandsbelgiern lassen sich nicht zwischen Brüssel und Halle-Vilvoorde aufschlüsseln. N-VA, Vlaams Belang und Dedecker bekanen 43,8% der Stimmen in Flandern, rechnet man die 1,9% für frankophonen Parteien raus, haben 44,6% der Flamen (ohne die in Brüssel) für diese Parteien gestimmt. Noch etwas höher war der Anteil bei der Wahl zum Senat. Dort bekamen diese drei Parteien im niederländischen Wahlkollegium zusammen 47,2%, die N-VA schnitt bei der Senatswahl besser ab. Das liegt wahrscheinlich daran, dass hier De Wever selbst Spitzenkandidat war (gleichzeitige Kandidatur für Kammer und Senat ist nicht möglich). |

Thomas Frings
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| | Veröffentlicht am Montag, 14. Juni 2010 - 18:42 Uhr: | |
"Das Problem ist natürlich: Genau die Streitpunkte (wallonische Bevölkerung in den "flämischen" Gemeinden rund um Brüssel), die den Sprachenstreit derzeit verursachen, wären auch mit einer Trennung der beiden Landesteile nicht gelöst." Vieles würde sich durch eine Trennung aus flämisch-nationalistischer Sicht sehr wohl zum Besseren wenden. Die Subventionierung Walloniens fiele weg und mit der Französierung des Brüsseler Umlands wäre Schluss. |

Thomas Frings
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| | Veröffentlicht am Sonntag, 25. September 2011 - 14:11 Uhr: | |
Letzte Woche schaffte es ja es ja der Dauerstreit um Brüssel-Halle-Vilvoorde in die ausländischen Medien. Details der Einigung wurden nicht veröffentlicht. Bekannt ist folgendes: Brüssel und Vlaams Brabant sollen eigene Wahlkreise bilden, es soll keine Apparentierung mehr geben. In den 6 Facilitätengemeinden sollen aber die Einwohner entweder eine Stimme für den Wahlkreis Vlaams Brabant oder auf der anderen Seite des Stimmzettels für den Wahlkreis Brüssel abgeben können. Hierzu ist in jedem Fall eine Verfassungsänderung erforderlich. Bei den Koalitionsverhandlungen wurde die N-VA ausgeschlossen, als De Wever eine Denkschrift von Di Rupo eindeutig ablehnte. Wenige Monate vorher hatten die frankophonen Parteien die eine Denkschrift De Wevers mit seinen Vorstellungen brüsk und so schnell abgelehnt, dass sie die gar nicht gelesen haben konnten. Dann machte CD&V-Chef Beke einen Umfaller und war plötzlich doch bereit, ohne N-VA zu verhandeln, aber nur, wenn vorher eine Einigung über BHV erzielt würde. Das ist nun geschehen. Diese Lösung wird die Flamen mit Sicherheit 1-2 Sitze kosten. Durch den Wegfall der Apparentierung fällt der Vorteil des hohen Ausländeranteils für Brüssel jetzt praktisch komplett den Frankophonen zu. Die Sitzzahlen der Wahlkreise werden nämlich auf Basis aller Einwohner und nicht bloß der Belgier ermittelt. Am 1.1.2008 betrug der Ausländeranteil in ganz Belgien 9,11%, in Flandern 5,75%, in Wallonien 9,32% und in Brüssel 28,14%! Durch die Ausländer hat Brüssel 3 zusätzliche Sitze. Da obendrein dort auch noch die Wahlbeteiligung unterdurchschnittlich ist, ist das Stimmengewicht dort wesentlich höher als im Rest des Landes. Da nur noch ca. 11% der Stimmen in Brüssel an flämische Parteien gehen, würden bei 15 Sitzen für Brüssel gar keiner oder nur einer an flämische Parteien gehen. Dieser Anteil würde durch Stimmen aus den Facilitätengemeinden noch leicht weiter sinken. Andererseits könnte es für die Frankophonen selbst ohne die Facilitätengemeinden noch zu einem Sitz in Vlaams Brabant reichen. Aber nicht nur wahlmathematisch ist der „Erfolg“ der flämischen Parteien wenig einsichtig, sondern auch politisch. Einmal ist es ja nicht gelungen, Brüssel wahltechnisch komplett vom Umland abzutrennen, zum anderen schießt man sich auch selbst ins Knie. Mit Sicherheit werden die Facilitätengemeinden jetzt in einem Kanton zusammengefasst, was zu dem für die Flamen nicht so günstigen Ergebnis führen wird, dass dort über 70% der Stimmen auf frankophone Listen entfallen werden. Die Flamen sind also in der Wahlrechtsfrage eindeutig die Verlierer und dafür haben die auch noch Zugeständnisse gemacht – dümmer geht es nicht. Und besser geht es nicht für die Frankophonen. Aber dem extremistischen FDF war das immer noch zu wenig. Die hat sich jetzt vom MR getrennt. Die FDF hatte seit 1995 auf der Liste von PRL bzw. später dem MR kandidiert und auch eine gemeinsame Fraktion gebildet. Bei den Koalitionsverhandlungen ist man sich inzwischen auch in einem weiteren wichtigen Punkt, nämlich der Finanzierung der Regionen einig. Die Regionen bekommen ca. 11 Mrd. mehr Geld. Brüssel bekommt ca. 500 Mio. (die N-VA behauptet 600 Mio.) Euro mehr, Wallonien kriegt als Ausgleich für mögliche Nachteile 10 Jahre land 500 Mio. pro Jahr zusätzlich, danach 10 Jahre weitere Zahlungen degressiv. Auch hier haben die Flamen also nichts erreicht, was zu weniger Transfer führte – ganz im Gegenteil. Die frankophonen Parteien sind dann (mit der unbedeutenden Ausnahme FDF) dann auch alle höchst zufrieden mit den Koalitionsverhandlungen. Da können sich die Flamen ganz sicher sein, total über den Tisch gezogen zu werden. Dieser Eindruck ist dann auch in Flandern zunehmend verbreitet und erklärt den rasanten Aufstieg der N-VA. Nach der Aufspaltung der Volksunie bekam der N-VA 2003 nur 4,8% der flämischen Stimmen und nur einen Sitz. Bei der Regionalwahl 2004 und der Wahl 2007 war der N-VA dann in einem Kartell mit CD&V. Nachdem sich Leterme von den Frankophonen über den Tisch ziehen ließ, beendete die N-VA die Zusammenarbeit, trat bei der Regionalwahl 2009 wieder selbständig an und bekam überraschend gut 13%. Nur ein Jahr später holte die Partei dann 28% in Flandern. In aktuellen Umfragen steht die N-VA deutlich über 30% und wenn jetzt diese Regierung zu Stande kommt (wovon auszugehen ist), werden es bald 40% sein. Zum Glück für CD&V und OpenVLD gibt es aber so schnell keine Wahl. Regional- und Europawahl ist erst 2014, regulär ist auch erst dann die nationale Parlamentswahl fällig. Unangenehm werden kann aber die Kommunalwahl im Oktober nächsten Jahres. Da sind viele Posten zu vergeben, da die belgischen Kommunen eine Magistratsverfassung haben und die Amtszeiten der Bürgermeister und Schöffen an die Wahlperiode des Rates gebunden sind. |

Thomas Frings
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| | Veröffentlicht am Montag, 21. November 2011 - 20:50 Uhr: | |
Erfreulich, dass die Koalitionsverhandlungen gescheitert sind. Grund war vor allem ein Konflikt zwischen PS und OpenVld. Die Linken und besonders die PS will das Haushaltsloch größtenteils über Einnahmeverbesserungen schließen, obwohl Belgien schon jetzt mit die höchste Steuern- und Abgabenbelastung der EU hat. Die Liberalen wollen dagegen hauptsächlich ausgaben kürzen, was die Linken und besonders die PS nicht will. Ein besonderes Sakrileg ist die Arbeitslosenversicherung. In Belgien wird Arbeitslosengeld unbegrenzt gezahlt. Wer es also einmal bekommt, kann es ungeschmälert bis zur Rente beziehen, wenn er nicht wieder in Arbeit kommt. Eine Abschaffung der unbegrenzten Zahlung oder auch nur eine degressive Gestaltung des Arbeitslosengeldes ist mit der PS nicht zu machen, denn das träfe besonders ihre Klientel. In Wallonien und erst recht in Brüssel gibt es viel mehr Arbeitslose als in Flandern, womit auch verständlich wird, warum die Flamen so gerne die Sozialversicherungen spalten würden. Nachdem OpenVld-Chef Alexander De Croo bei den Verhandlungen zu BHV und den Finanzen der Regionen sich derart nachgiebig agierte und gar nichts erreichte, ist es eher überraschend, dass er nun auf einmal prinzipientreu ist. Als die N-VA im Juli Verhandlungen mit Di Rupo ablehnte, begründete sie das auch mit den ökonomischen Positionen von Di Rupo. Damals hatten die "Liberalen" offensichtlich kein Problem damit. Nun erkennt De Croo plötzlich, dass die Parti socialiste sozialistisch ist und auch eine entsprechende Politik betreiben will. Quelle surprise! Es ist erstaunlich, dass Belgien trotz seiner hohen Staatsverschuldung kaum als Pleitekandidat gehandelt wird, und das trotz des Reformunwillens. Wahrscheinlich wird nur Druck von außen über steigende Zinsen den Immobilismus aufbrechen. Belgien, sogar Wallonien, ist ökonomisch aber kein so schlimmer Fall wie Griechenland. Ein einziger Vergleich möge genügen: Griechenlands Export betrug 2010 16,2 Mrd. €, der Belgiens bei ungefähr gleicher Einwohnerzahl 310 Mrd. € (wovon über 80% auf Flandern entfielen). Eine neue Regierung ist jetzt erstmal für längere Zeit nicht in Sicht. Eine Neuwahl würde mit Sicherheit die N-VA in Flandern noch wesentlich stärker machen, in den letzten Umfragen liegt sie bei 35% oder mehr, auf frankophoner Seite dürfte sich aber nicht viel tun und neue Koalitionsmöglichkeiten würden sich nicht ergeben. |

Björn
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| | Veröffentlicht am Dienstag, 22. November 2011 - 22:15 Uhr: | |
Naja, man sollte nicht unerwähnt lassen, dass Belgien bereits die Staatsverschuldung von 139 % runtergedrückt hat auf 96%. Dass "die Märkte" diese hohe Verschuldung so gar nicht gekratzt hat damals, zeigt eigentlich nur, dass der Alarmismus der Politik exakt das Gegenteil von dem bewirkt, was sie eigentlich erreichen wollen. |

Thomas Frings
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| | Veröffentlicht am Mittwoch, 23. November 2011 - 19:17 Uhr: | |
@Björn "Naja, man sollte nicht unerwähnt lassen, dass Belgien bereits die Staatsverschuldung von 139 % runtergedrückt hat auf 96%." In den letzten Jahren gibt es aber wieder eine steigende Tendenz. "Dass "die Märkte" diese hohe Verschuldung so gar nicht gekratzt hat damals," Das interessierte in den 80er und 90er Jahren sehr wohl und schlug sich in der Risikoprämie nieder. Erst nach der Euro-Einführung lag das Zinsniveau dann in den Euroländern fast gleich. Diese Irrationalität wurde jetzt korrigiert und die negative Realverzinsung bei deutschen Staatsanleihen wird nicht von langer Dauer sein. Ein großer Vorteil des Marktes ist ja, dass Fehlentwicklungen viel schneller korrigiert werden als in der Politik, wenn das denn in der Politik überhaupt geschieht. "der Alarmismus der Politik exakt das Gegenteil von dem bewirkt, was sie eigentlich erreichen wollen." Der Alarmismus wurde nicht von den Pleitekandidaten selbst geschürt, sondern eher von Merkel und Sarkozy, die ja ständig beschwören, dass der Eueo in Gefahr sei, wenn ein Land pleite gehe. Historisch gesehen sind die Zinsen für Staatsanleihen immer noch ziemlich niedrig, insofern ist Alarmismus tatsächlich fehl am Platze. Zurück zu Belgien: wie es dort weitergeht, ist noch nicht absehbar. Gut möglich, dass Di Rupo mit seinem Gang zum König nur Theater spielte, in der Hoffnung, die Liberalen zum Sündenbock zu machen. Das Kernproblem ist halt, das der sog. Sprachenstreit noch durch eine ideologische Kluft verschärft wird. Die Linken sind in Wallonien viel stärker als in Flandern. 2010 erhielten Sozialisten, Grüne und Ultralinke (PVDA/PTB, Front des gauches, LSP) in Wallonien zusammen 52,7%, in Brüssel 44,4% und in Flandern nur 23,7% (ganz Belgien 34,1%). Wallonien war immer wesentlich linker als Flandern, aber momentan ist die Kluft besonders groß. Obendrein ist das cdH viel weiter links als die "Schwesterpartei" CD&V. Von Schwesterparteien kann man eigentlich gar nicht mehr sprechen, die haben sich völlig auseinandergelebt. Das gilt übrigens abgeschwächt auch für die beiden sozialistischen bzw. liberalen Parteien, nur zwischen Ecolo und Groen! sind die Bande relativ eng, diese haben auch eine gemeinsame Fraktion in der Abgeordnetenkammer. Di Rupo ist zuletzt auch deshalb nicht gewillt, den Liberalen entgegenzukommen, weil er neben der Reaktion der eigenen Basis und der sozialistische Gewerkschaften auch fürchtet, von der cdH-Spitze um Benoit Lutgen und Joelle Milquet links überholt zu werden. Die MR ist praktisch die einzige größere frankophone, nichtsozialistische Partei. Eine Mitte-Rechts-Regierung könnte auf frankophoner Seite nur die MR umfassen und die ist dort sehr deutlich in der Minderheit. Eine von Regierung mit starkem linken Einfluss entspricht zwar dem Mehrheitswillen der Frankophonen, aber überhaupt nicht dem der Flamen und auch nicht dem in Belgien insgesamt, denn da sind die Linken deutlich die Minderheit, auch wenn man das cdH dazuzählt. So besteht die paradoxe Situation, dass die Sozialisten meistens und seit 1988 ununterbrochen in der Regierung saßen, obwohl das linke Spektrum schwächer ist als in den meisten anderen europäischen Staaten. |

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Samstag, 26. November 2011 - 14:15 Uhr: | |
OpenVld ist eingeknickt und plötzlich gibt es doch eine Einigung übers Budget. Wesentliches geändert hat sich gegenüber Di Rupos ursprünglichen Vorschlägen nicht, nur wird das Mindestalter für Frühverrentung schneller erhöht und die Steuererhöhungen sind etwas weniger weitreichend. Man will einiges an neuen Steuern einführen und die geplanten Einsparungen sind zu großteils Luftbuchungen. Eine "Einsparung" erreicht man z. B. dadurch, dass die Gesundheitsausgaben nicht mehr um 4,5% wachsen sollen, was in der Vergangenheit als Norm galt, sondern nur noch um 3,3%. Diese 3,3% Zuwachs pro Jahr sind aber nichts weiter als die durchschnittliche tatsächliche Steigerung der letzten Jahre. Tatsächlich gespart wird also überhaupt nichts. Allein mit diesem allzu durchschaubaren Trick soll fast die Hälfte der angeblichen Einsparungen zusammenkommen. Ob das Ergebnis geeignet ist, die Kreditwürdigkeit Belgiens wesentlich zu steigern, ist mehr als fraglich. Ernstzunehmender Reformwille ist jedenfalls bei der neuen Regierung nicht vorhanden. Analyse und Details der ursprünglichen Pläne gibt es hier. |

nowhereman
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| | Veröffentlicht am Samstag, 26. November 2011 - 20:20 Uhr: | |
Was wäre eigentlich mit den deutschsprachigen Gemeinden um Eupen und St.Vith. Klar, sie haben ihre Sprachen- und weitere kulturelle Rechte, gehören aber streng genommen doch in die Wallonie. Mir ist die Rolle der dritten Sprachengruppe in Belgien nicht so ganz klar. Würden sich die "deutschen" in einer wallonisch-frankophonen Regierung wiederfinden können bei etwa gleichen Rechten wie heute oder könnten sie einen Kleinstaat gründen wollen (wenn Flammen ihr Land haben und die Wallonie ihren Staat, warum wir nicht?) bzw. auf lange Sicht der Bundesrepublik Deutschland beitreten wollen? Letzeres dürfte doch staatsrechtlich sehr schwierig zu bewerkstelligen sein. |

Norddeutscher Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Sonntag, 27. November 2011 - 14:06 Uhr: | |
@nowhereman Aufgrund des Versailler Vertrages gehören Eupen und Malmedy zu Belgien, weshalb es bei einer Auflösung Belgiens zum Wallonischen Staat kommen würde. |

J.A.L.
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| | Veröffentlicht am Sonntag, 27. November 2011 - 14:25 Uhr: | |
Ich könnte mir vorstellen, dass im Zweifel man sich eher gen Luxemburg als "heim ins Reich" orienteren würde... glaube aber, dass das eher fern liegende Spekulationen sind. |

Thomas Frings
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| | Veröffentlicht am Sonntag, 27. November 2011 - 16:23 Uhr: | |
@JAL "Ich könnte mir vorstellen, dass im Zweifel man sich eher gen Luxemburg als "heim ins Reich" orienteren würde... glaube aber, dass das eher fern liegende Spekulationen sind." Zustimmung, dass das fernliegende Spekulation ist. So schnell wird Belgien nicht zerbrechen. Ein Anschluss an Luxemburg dürfte auch schon daran scheitern, dass die Luxemburger das wahrscheinlich nicht wollen. |

Taugenichts
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| | Veröffentlicht am Sonntag, 27. November 2011 - 17:50 Uhr: | |
Karl-Heinz Lambertz, der Ministerpäsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, scheint persönlich eine Verbindung mit Luxemburg zu favorisieren, sofern der bisherige belgische Staat tatsächlich einmal auseinanderbrechen sollte. Warum sollte das die Luxemburger stören? Sie können doch sowieso alle Deutsch. |

Ralf Lang
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Sonntag, 27. November 2011 - 18:26 Uhr: | |
Ist das derselbe Dialekt? Ein größeres Luxemburg versaut natürlich die Statistik. Ist es denn wirklich wahrscheinlicher, dass sich alle irgendwo anschließen statt zu balkanisieren? Die gemeinsame Geschichte mit Belgien ist jetzt rund 200 Jahre her. |

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Sonntag, 27. November 2011 - 18:34 Uhr: | |
"Warum sollte das die Luxemburger stören? Sie können doch sowieso alle Deutsch." Aber Letzeburgisch können sie nicht und dialektmäßig ist der einwohnerstärkere Nordteil und teilweise auch der Südteil weit davon weg. Wäre mir auch neu, dass sich Luxemburg als deutschsprachiges Land definiert. Eine Mitarbeit an der Rechtschreibreform lehnte Luxemburg mit der Begründung ab, es sei kein deutschsprachiges Land, obwohl natürlich fast alle Luxembuger Deutsch können. Wieso sollen die reichen Luxemburger ihren Luxus-Sozialstaat auf ein paar vergleichsweise arme Ostbelgier ausdehnen? Wenn man sich mal ansieht, wie Luxemburg mit nördlichem Anhängsel aussähe, dann wäre das schon ein komisches Gebilde und obendrein nicht zusammenhängend. Luxemburg hat nichts von eine Norderweiterung, das würde Geld kosten und zusätzlich die Stellung des zur Amtssprache erhobenen Dialekts schwächen. Kleinstaaten sind sehr auf Abgrenzung zu großen Nachbarn bedacht, gerade wenn man den Nachbarn recht ähnlich ist. |

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Mittwoch, 30. November 2011 - 19:16 Uhr: | |
Nach anderthalb Jahren geht es nun auf einmal schnell. Schon nächste Woche soll die neue Regierung vereidigt werden, die inhaltlichen Themen sind fast abgearbeitet. Die Postenverteilung kann aber durchaus zu Problemen und damit zu Verzögerungen führen. Art. 99 der Verfassung lautet: Der Ministerrat zählt höchstens fünfzehn Mitglieder. Den Premierminister eventuell ausgenommen, zählt der Ministerrat ebenso viele niederländischsprachige wie französischsprachige Minister. In der Praxis wurde die Höchstzahl seit ihrer Einführung 1993 fast durchgehend ausgeschöpft, weniger als 14 Regierungsmitglieder gab es seit den 30er Jahren nicht. An der Regierung sind beteiligt: auf flämischer Seite CD&V (17 Sitze), Open Vld (13), sp.a (13), zusammen 43 Sitze bei 88 Flamen insgesamt, auf frankophoner Seite PS (26), MR (15) und cdH (9), zusammen 50 Sitze bei insgesamt 62 Frankokophonen. Die Frankophonen haben also ein Übergewicht unter den 93 Koalitionsabgeordneten, obwohl sie in der Bevölkerung klar in der Minderheit sind. Auf flämischer Seite hat die Koalition keine Mehrheit, während vier Fünftel der frankophonen Abgeordneten hinter der Regierung stehen. Wenn die Kabinettspostenposten proportional verteilt würden, müssten die Frankophonen die Mehrheit in der Regierung stellen. Das wäre auch ehrlich, denn die beteiligten flämischen Parteien haben sich total über den Tisch ziehen lassen. Es ist aber fraglich, dass CD&V und VLD tatsächlich akzeptieren, dass Di Rupo als Premier nicht zum französischsprachigen Kontingent gezählt wird und die Frankophonen so 8 von 15 Regierungsmitgliedern stellen können. Di Rupo nicht zu den Frankophonen und damit quasi als neutral zu zählen, dürfte in Flandern auch deshalb schwer vermittelbar sein, weil Di Rupo des Niederländischen nicht mächtig ist. Er kann nur einen niederländischen Text vom Blatt ablesen, und das auf eine Weise, die zweifeln lässt, ob er versteht, was er sagt. Es dürfte nicht viele Länder auf der Erde geben, wo jemand Regierungschef werden kann, der die Sprache der Bevölkerungsmehrheit nicht beherrscht. Auf flämischer Seite ist die Verteilung von 7 Ministerposten einfach, hier liegt eine 3:2:2-Verteilung auf der Hand. Unter den frankophonen Parteien wird das aber sowohl bei 7 als auch bei 8 zu verteilenden Posten schwierig. Austarieren kann man natürlich mit der Ressortverteilung und vor allem mit Staatssekretärsposten, für diese gibt es keine Begrenzung und ist keine Sprachparität vorgeschrieben. |

tg
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| | Veröffentlicht am Donnerstag, 01. Dezember 2011 - 10:24 Uhr: | |
"Di Rupo nicht zu den Frankophonen und damit quasi als neutral zu zählen, dürfte in Flandern auch deshalb schwer vermittelbar sein, weil Di Rupo des Niederländischen nicht mächtig ist. Er kann nur einen niederländischen Text vom Blatt ablesen, und das auf eine Weise, die zweifeln lässt, ob er versteht, was er sagt." Ein bißchen Niederländisch spricht er schon, aber man kann wirklich nicht sagen, daß er die Sprache souverän beherrscht, siehe etwa dieses Interview auf Niederländisch: http://www.youtube.com/watch?v=rboOFBhpE2g&feature=related Seine Probleme mit der niederländischen Sprache sind in Flandern natürlich ein gefundenes Fressen für Parodie und Satire. Für die, die Niederländisch verstehen, hier zwei lustige Beispiele: http://www.youtube.com/watch?v=dLZlpZKzCtc http://www.youtube.com/watch?v=ixzWlRIwV9k |

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 01. Dezember 2011 - 12:10 Uhr: | |
Für Lacher sorgt [di Rupo; diskriminierende Beleidigung entfernt / Wilko Zicht] schon selbst. Er will die Staatsverschuldung "zurücktrinken" (er sagt terugdrinken statt terugdringen): http://www.youtube.com/watch?v=HcVWlxxY1tU&feature=youtube_gdata Auch ansonsten lässt sein Radebrechen vermuten, dass er Niederländisch kaum versteht.} |

Ralf Lang
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 01. Dezember 2011 - 22:40 Uhr: | |
Ach, was dem einen sein Stoiber, ist dem anderen sein Ruppi. |

tg
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Freitag, 02. Dezember 2011 - 11:59 Uhr: | |
Das hat schon Auswirkungen auf die Sprachenfrage. Es gibt in Flandern nun mal aus historischen Gründen den Eindruck einer gewissen Spracharroganz bei den Wallonen. Wie wirkt so eine Rede (die auch ohne das "drinken" peinlich genug wäre) denn wohl auf Flamen, die eigentlich den Erhalt Belgiens wünschen, aber damit ein wallonisches Desinteresse an Flandern signalisiert bekommen? |
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