Themen Themen Profil Profil Hilfe/Anleitungen Hilfe Teilnehmerliste Teilnehmerliste [Wahlrecht.de Startseite]
Suche Letzte 1|3|7 Tage Suche Suche Verzeichnis Verzeichnis  

Archiv bis 05. Juli 2015

Wahlrecht.de Forum » Tagesgeschehen » Wahlen, Abstimmungen usw. im europäischen Ausland » Griechenland – Parlamentswahlen » Archiv bis 05. Juli 2015 « Zurück Weiter »

Autor Beitrag
 Link zu diesem Beitrag

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 02. Juli 2015 - 19:37 Uhr:   

Am Freitag steht noch die Entscheidung an, ob das Referendum überhaupt verfassungsgemäß ist. Art 44 Abs. 2 der Verfassung ist nicht gerade ein Muster an Klarheit. Es ist argumentiert worden, das Referendum sei unzulässig, weil eine Abstimmung für Finanzgesetze unzulässig sei. Das ist deswegen nicht so überzeugend, weil hier gar kein Gesetz zur Abstimmung steht. Nicht ganz klar ist aus dem Wortlaut, ob nur über Gesetzentwürfe abgestimmt werden darf, oder auch eine Art Meinungsumfrage veranstaltet werden darf, wie das jetzt der Fall sein sein soll.
 Link zu diesem Beitrag

Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 02. Juli 2015 - 20:19 Uhr:   

 Link zu diesem Beitrag

Bernhard Nowak
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 02. Juli 2015 - 21:20 Uhr:   

Wenn das Referendum am Freitag für verfassungswidrig erklärt werden sollte, wäre Tsipras doch fein raus. Denn dann muss er nicht bei einer Mehrheit für "Ja" zurücktreten. Ich hoffe auf eine Mehrheit für das "Nein" - sonst geht diese ewige "Retterei" doch nur weiter. Ich sehe - wie Prof. Sinn - im Grexit das "kleinere Übel" gegenüber dieser ewig sich verstärkenden Transferunion Heute hat der IWF schon wieder 50 Milliarden Euro für Griechenland gefordert. Was mich auch aufregt, ist, dass nach Auslaufen der Hilfsprogramme die ELA-Hilfen der EZB noch weiterlaufen. M.E. ist dies rechtswidrig, weil es ein Hilfsprogramm - und damit die Hoffnung auf Gegenleistungen - nicht mehr gibt. Die ELA-Hilfen dürfen also m.E. nicht nur nicht erhöht werden, sie müssten komplett eingestellt werden.
 Link zu diesem Beitrag

Björn
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 03. Juli 2015 - 08:48 Uhr:   

Zur verlinkten Wikipedia-Seite finde ich verdächtig, dass gestern noch vier Umfragen enthalten waren, heute sind es nur noch zwei. In den deutschen Medien liest man immer wieder von (mehreren) Umfragen, die das Ja-Lager noch knapp vorn sehen. Diese tauchen aber auf der Wikipedia-Seite gar nicht auf, obwohl sie nach der Referendumsankündigung durchgeführt wurden.

Wenn es wirklich relativ knapp ausgehen sollte, frage ich mich, ob das Referendum die große Signalwirkung hat, die man sich da von beiden Seiten erhofft. Ein starkes Mandat sähe anders aus.
 Link zu diesem Beitrag

Ingo Zachos
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 03. Juli 2015 - 11:04 Uhr:   

Wikipedia ist immer verdächtig, weil oft Schnelligkeit über Qualität siegt. Für einige Tage war eine Umfrage mit "Ja" -Mehrheit dabei, die ausdrücklich vom Umfrageinstitut als nicht repräsentativ gekennzeichnet wurde. Eine weitere Umfrage enthielt offenbar Zahlen, die niemals vom betreffenden Institut veröffentlicht wurden.

In deutschen Medien wurde auch die Kapa Research Umfrage vor der Ankündigung des Referendums als "Ja" im Sinne der Fragestellung des Referendum gewertet. Tatsächlich aber fragt sie nach einem "debt-deal", im griechischen Original : Schuldenschnitt, also auf jeden Fall eine ganz andere Fragestellung, und wohl auch ein ganz gegenteiliges Ergebnis als dargestellt.

Können sie bitte die Umfragen benennen, die in den deutschen Medien genannt werden? Die obige Kapa Research Umfrage wurde mit falscher Interpretation in fast allen deutschen Medien zitiert/abgeschrieben, sehr gut möglich, das ähnliche Fehler/ähnliches Abschreiben erneut vorkommen, ohne Nennung des Instituts und Nachforschung bei dem betreffenden Institut würde ich es aber nicht mit der Kneifzange anfassen wollen.

Tatsächlich gab es in griechischen Quellen noch keine repräsentative Umfrage mit "Ja"-Mehrheit, entweder es gab eine klare "Nein"-Mehrheit mit wenigen Unentschlossenen, oder eine knappe "Nein"-Mehrheit mit mehr Unentschlossenen.

Ich denke, Tsipras hat bewusst ein Datum so eng nach dem Scheitern der Verhandlungen gewählt, da die meisten Griechen noch eher der EU das Scheitern anlasten. Die negativen Folgen des Scheiterns sind noch nicht so klar, und werden emotional eher bei der EU gesucht als bei der Syriza/Anel-Koalition.

In Umfragen steht die Syriza seit Januar ständig mit komfortabler absoluter Parlamentsmehrheit da, anders als hier in den Medien als
Eindruck oft vermittelt wird:

https://en.wikipedia.org/wiki/Next_Greek_legislative_election#Opinion_polls

In Griechenland ist die Syriza also weit populärer als hierzulande vermittelt wurde und wird.

Das Verfassungsgericht ist durch die Jahrelange Regierung von ND und PASOK allerdingds auch von diesen Parteien dominiert, und es könnte in der Tat das Referendum aus formalen Gründen kippen, aber das würde der Popularität der Syriza eher nützen. Tsipras könnte einfach zurücktreten, und Neuwahlen anstreben, in denen er dann gute Chancen hätte auf eine absolute Mehrheit.

Ich denke, so sieht auch sein Kalkül aus: gewinne das Referendum, um dann mit einem Volksmandat im Rücken erneut einen Schuldenschnitt als Lösung zu fordern, oder aber Neuwahlen mit einem klaren Mandat für seine Partei.

Ein "Ja" beim Referendum wäre für mich ein echte Überraschung. Aber auch dann stellt sich die Frage, wer künftig Griechenland regieren wird. Ein Comeback der ND erscheint fraglich. Sie sinkt in den Umfragen, aber 2011 kam sie auch als Siegerin heraus, diesmal wird es aber schwerer, denn Tsipras ist abgekochter als es Papandreou war.
 Link zu diesem Beitrag

Björn
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 03. Juli 2015 - 11:18 Uhr:   

Man verweist bei den Live-Tickern in der Regel auf irgendwelche Umfragen, die von Zeitungen veröffentlicht werden, wo ich aber nicht erkennen kann, inwieweit das nun repräsentative Umfragen sein sollen oder nicht. Offensichtlich gehen die deutschen Medien wohl sehr selektiv mit den Umfragen um. Hängt vielleicht auch mit den Nachrichtendiensten wie dpa und Reuters zusammen, auf die sich die Zeitungen ja immer beziehen.

FAZ-Liveticker:
"Laut einer Umfrage der Zeitung "Ethnos" dürfte der Ausgang der Volksabstimmung denkbar knapp werden: 44,8 Prozent sprechen sich demnach für die Vorschläge der Gläubiger aus. 43,4 Prozent wollen mit Nein stimmen und damit den Kurs von Regierungschef Tsipras unterstützen."

"47,1 Prozent würden definitiv mit "Ja" stimmen, 39,3 Prozent definitiv mit "Nein".

Weiterhin sagen rund drei Viertel der Griechen, sie wollen unbedingt den Euro behalten "auch unter Opfern", die sie dafür erbringen müssen, berichtet der Finanzdienst Bloomberg.

Befragt wurden 1000 Personen."
Das waren die, die gestern und heute kursieren.
 Link zu diesem Beitrag

Björn
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 03. Juli 2015 - 13:48 Uhr:   

Es wird übrigens jetzt schon gesagt, dass die Hochrechnungen wohl erst später genauer sein werden, so dass bei einem knappen Ergebnis die Prognose wohl sehr ungenau sein wird, weil den Fernsehstationen das Geld für intensivere Nachwahlbefragungen fehlt auf Grund der Krise.
 Link zu diesem Beitrag

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 03. Juli 2015 - 15:50 Uhr:   

"Ich denke, so sieht auch sein Kalkül aus: gewinne das Referendum, um dann mit einem Volksmandat im Rücken erneut einen Schuldenschnitt als Lösung zu fordern, oder aber Neuwahlen mit einem klaren Mandat für seine Partei."
Als ob sich die Stimmung nicht ganz schnell ändern könnte. Noch letzten Sonntag wäre es undenkbar gewesen, dass die Griechen in einem Referendum für Reformauflagen stimmen könnten. Das sieht bereits fünf Tage später ganz anders aus. Wenn Tsipras wirklich eine Rückenstärkung durch ein Referendum wünschte, hat er den Zeitpunkt saudämlich gewählt. Eine Bankenschließung trifft die gesamte Bevölkerung sehr schnell sehr negativ. Eine andere Erklärung wäre, dass er weiter nachgeben will, als er öffentlich zugibt, sich aber nicht traut - daran glaube ich aber eher nicht.

Erst ein Referendum auszurufen, das man verliert und dann mit dem Versprechen in den Wahlkampf ziehen, das nicht umzusetzen, was das Volk gerade beschlossen hat, ist aber in jedem Fall alles andere als schlau. Entweder hat sich Tsipras vollkommen verkalkuliert oder er will sich aus der Verantwortung stehlen. Ohne Einigung mit der Eurogruppe wird Griechenland ja in jedem Fall einen drastischen Sparkurs fahren müssen. Wenn keine dummen Ausländer mehr ganz viel Geld in dieses Fass ohne Boden schütten, wird der Staat gar nicht darum herumkommen, massiv die Ausgaben zu kürzen und Steuern viel konsequenter einzutreiben.
 Link zu diesem Beitrag

Jan W.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 03. Juli 2015 - 16:41 Uhr:   

Ich bin mir nicht sicher, ob Tsipras die Bankenschließung ursprünglich auf dem Schirm hatte ... kurz vor der Referendumsankündigung gab es ja noch eine ELA-Aufstockung und ich glaube, die Eskalation hat er so nicht erwartet.
Ich könnte mir vorstellen, dass er von einem Referendum in normaler Stimmung ausgegangen ist.

Im Wikipedia-Artikel sind einige der verschwundenen Umfragen jetzt im Fließtext wiederaufgetaucht. Davon eine als ursprünglich nicht zur Veröffentlichung bestimmte, die aber vom Institut als echt bestätigt wird; eine weitere wurde offenbar nicht vom Institut kommentiert.
In der Tabelle sind jetzt 2 Umfragen mit JA-Mehrheit enthalten, alle Umfragen mit einem Erhebungszeitraum, der ganz oder teilweise im Juli liegt, sind too close to call.
 Link zu diesem Beitrag

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 03. Juli 2015 - 17:18 Uhr:   

"Ich bin mir nicht sicher, ob Tsipras die Bankenschließung ursprünglich auf dem Schirm hatte ... kurz vor der Referendumsankündigung gab es ja noch eine ELA-Aufstockung und ich glaube, die Eskalation hat er so nicht erwartet."

Seh ich ähnlich, er hat sich wahrscheinlich einfach verkalkuliert. Es war aber leichtsinnig von ihm, als selbstverständlich vorauszusetzen, dass das Hilfsprogramm extra bedingungslos verlängert wird für sein taktisches Manöver. Letzten Sonntag hätte er problemlos eine massive Nein-Mehrheit bekommen. Aber das Referendum war wohl nicht von langer Hand geplant, sondern eine spontane Entscheidung. Selbst die griechische Verhandlungsdelegation in Brüssel wurde überrumpelt.
 Link zu diesem Beitrag

Norddeutscher
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Freitag, 03. Juli 2015 - 18:24 Uhr:   

Thomas Frings: "Entweder hat sich Tsipras vollkommen verkalkuliert oder er will sich aus der Verantwortung stehlen."

Ich glaube eher beides. Erst hat er sich völlig verkalkuliert und nun will er sich aus der Verantwortung stehlen.
 Link zu diesem Beitrag

Björn
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 03. Juli 2015 - 18:41 Uhr:   

Der Staatsrat hat das Referendum zugelassen.
Heute wurde sagte ein Syriza-Abgeordneter, man habe das Referendum forciert, weil man weiß, dass man keine Mehrheit im Parlament bekommen würden für eine Einigung und die Kräfte innerhalb der Regierungskoalition weit auseinanderliegen.
 Link zu diesem Beitrag

maschi
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 03. Juli 2015 - 23:33 Uhr:   

Thomas Frings: "Entweder hat sich Tsipras vollkommen verkalkuliert oder er will sich aus der Verantwortung stehlen."

Tsipras muss es nur schaffen, die Situation innenpolitisch unter Kontrolle zu halten, dann hat er gegenüber den Gläubigern alle Hebel in der Hand:

Bei einem "Ja" wird er in Verhandlungen das dem Referendum zu Grunde liegende Gläubigerangebot einfordern (bei weitergehenden Zugeständnissen würde er ja gegen das Mandat des Volkes verstoßen...). Wenn sich die Gläubiger darauf einlassen, müssen sie quasi über Nacht Soforthilfen in Milliardenhöhe freigeben, um den Kollaps der griechischen Banken zu verhindern. Griechenland bekommt erstmal weiter Geld, und Tsipras wird mit Sicherheit Möglichkeiten finden, zu einem ihm genehmen Zeitpunkt die Verhandlungen in die Länge zu ziehen/platzen zu lassen, um die tatsächliche Umsetzung unangenehmer Reformen zu verhindern.

Bei einem "Nein" oder wenn die Gläubiger sich zu irgendeinem Zeitpunkt weigern, Griechenland weiter mit Geld zu versorgen: Wer hindert Tsipras daran, schlichtweg den Totalausfall aller Verbindlichkeiten zu erklären? Über Staatsschulden, ELA Notkredite und TARGET Salden verlieren die übrigen EU Staaten fast eine halbe Billion Euro (eine kurze Überschlagsrechnung von mir, wenn jemand genaue Zahlen hat, wäre das sicherlich für alle hier interessant) und Griechenland ist auf einen Schlag schuldenfrei.
Wer hindert Tsipras daran, sich nach so einem Schritt schlichtweg zu weigern, aus Euro und EU auszutreten? Sicherlich wäre es dann schwer für Griechenland, in der Währung Euro liquide zu bleiben, aber es würde mich nicht wundern, wenn hier Staaten wie Russland oder China aushelfen würden. Schließlich wäre der Preis gering im Vergleich zu dem Schaden, den man dem Westen finanziell, aber auch durch Platzieren eines willigen Quertreibers in EU und NATO zufügen könnte.
 Link zu diesem Beitrag

Björn
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 03. Juli 2015 - 23:49 Uhr:   

Er kann kein "Angebot einfordern", das er von seiner Seite aus abgelehnt hat. Tsipras hat sein politisches Schicksal mit dem Nein verknüpft...im Übrigen auch Varoufakis. Man muss schon unterscheiden. Das 2. Hilfspaket ist definitiv weg und das angebotene Geld auch. Da ein komplett neues Hilfspaket geschnürt werden muss, kommen hier in manchen Ländern wieder die Parlamente ins Spiel. Merkel kann froh sein, dass sie so eine große Mehrheit hat. Das wird von Tsipras und Varoufakis ja vollkommen verschwiegen. Sie behaupten ja heute allen Ernstes, egal wie es ausgeht, man habe in 48 Stunden eine Einigung. Mutig, wenn man etwas in 6 Monaten nicht geschafft hat.

Was den verweigerten Euro-Austritt angeht. Wenn die EZB wirklich wollte, könnte sie Fakten schaffen. Zu glauben, dass Tsipras tatsächlich wirtschaftlich gesehen am längeren Hebel sitzen würde, finde ich reichlich naiv. Aber da die Mitgliedschaft von Merkel, Hollande & Co. als politische und eben nicht wirtschaftliche Frage verstanden wird, halte ich einen Euro-Austritt oder EU-Austritt leider für recht unwahrscheinlich.
 Link zu diesem Beitrag

Jan W.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 04. Juli 2015 - 00:58 Uhr:   

Die Gläubiger haben wiederholt erklärt, dass es sich bei dem Dokument nicht um Angebot handelt. Weder war es unter allen Eurogruppenländern abgestimmt, noch war es für Umstände gedacht, unter denen der IWF aufgrund von Zahlungsausfällen nicht mehr beteiligt werden kann.
Ob ja oder nein, Griechenland äußert eine Verhandlungsposition, kein Verhandlungsergebnis. Für eine Einigung braucht es immer noch beide Seiten. Wenn Griechenland sich gewisse Unflexibilitäten für die weiteren Verhandlungen einhandelt, dann muss Griechenland die auch wieder loswerden - eine Gehorsamspflicht für die Geberseite kann man daraus ja schlecht ableiten.
Übrigens habe ich den leisen Verdacht, dass die Seite mit den offenen Banken eine leicht stärkere Position am Verhandlungstisch hat.

Die Idee, Putin oder die Chinesen würden in irgendeiner Weise Geld geben, um die Banken in Griechenland zu öffnen, ist abwegig.
 Link zu diesem Beitrag

maschi
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 04. Juli 2015 - 21:03 Uhr:   

"Tsipras hat sein politisches Schicksal mit dem Nein verknüpft..."

Das ist in der Tat die innenpolitisch Herausforderung, vor der er bei einem "Ja" steht und die Frage, wie weit Tsipras zu gehen bereit ist. Wenn er es darauf anlegt, an der Macht zu bleiben könnte er entweder auch bei einen "Ja" schlichtweg sein Rücktrittsversprechen kassieren oder Neuwahlen ansetzen ohne aber zurückzutreten, sondern geschäftsführend im Amt bleiben. Solange die Niederlage für das "Nein" Lager nur knapp ausfiele, kann er auf Grund der Besonderheit des griechischen Wahlrechts trotzdem eine absolute Mehrheit erringen, wenn "Nein" mehr oder weniger geschlossen für Syriza stimmt und die Opposition zersplittert ist.

"Was den verweigerten Euro-Austritt angeht. Wenn die EZB wirklich wollte, könnte sie Fakten schaffen."
Wie würde das ablaufen? Die eine wirklich brutale Sanktionsmöglichkeit ist, Griechenland aus dem SWIFT-System auszusperren, aber darüber entscheidet nicht die EZB. Abgesehen davon stimme ich Ihnen zu, dass die entscheidenden Personen nicht den Mut für einen Rausschmiss gegen den Willen Griechenlands haben.

"Ob ja oder nein, Griechenland äußert eine Verhandlungsposition, kein Verhandlungsergebnis. Für eine Einigung braucht es immer noch beide Seiten. Wenn Griechenland sich gewisse Unflexibilitäten für die weiteren Verhandlungen einhandelt, dann muss Griechenland die auch wieder loswerden - eine Gehorsamspflicht für die Geberseite kann man daraus ja schlecht ableiten. "
Worauf ich hinauswollte ist, dass auch bei einem "Ja" die durch das Referendum festgelegte Verhandlungsposition, eben weil sie (die wie Sie richtig schreiben) als Angebot der Gläubiger gar nicht mehr auf dem Tisch liegt, nicht bedeutet, dass man sofort zu einer Einigung kommt. Daher sind die Konsequenzen eines "Ja" von denen eines "Nein" gar nicht so unterschiedlich, insbesondere wenn Tsipras (oder auch ein Nachfolger, der die Politik der Konfrontation fortsetzt) an der Macht bleibt und es weiter darauf anlegt, Europa ohne Gegenleistung Geld aus der Tasche zu ziehen.

"Die Idee, Putin oder die Chinesen würden in irgendeiner Weise Geld geben, um die Banken in Griechenland zu öffnen, ist abwegig."

Wenn Sie es so formulieren, würde ich nicht wiedersprechen. Wenn man die Theorie zu Grunde legt, dass es das Ziel ist, dem Westen zu schaden, wäre es widersinnig, einen Beitrag zur Stabilisierung Griechenlands und der Eurozone zu leisten. Anders sieht es aus, wenn Tsipras zuvor den Totalausfall aller Verbindlichkeiten erklärt hat. Das Geld gäbe es auch dann wohl nicht ohne Gegenleistung, aber mit OLP-Anteilen, Erdgaspipeline-Rechten, möglicherweise auch Nutzung von Militärbasen und Rüstungsgeschäften hat Griechenland durchaus eswas in der Hand, was sich versilbern ließe.
Wenn der Bruch mit dem Rest der EU tief genug geht, besteht auch die Möglichkeit, dass Griechenland einfach selber unkontrolliert Euros druckt. Siehe dazu auch http://www.welt.de/wirtschaft/article143467819/Was-wenn-Athen-sich-seine-Euros-einfach-selbst-druckt.html Selbst wenn es nicht soweit kommt, ist das zumindest ein Drohpotential, angesichts dessen Griechenland möglichweise sogar offiziell die Freigabe bekommt, die Druckerpressen laufen zu lassen, damit die EZB zumindest eine gewisse Kontrolle darüber behält. (So wie ich die Berichterstattung verstanden habe ( http://www.welt.de/wirtschaft/article140547185/Die-schwierige-Suche-nach-dem-griechischen-Geld.html ) lief es bereits in den letzten Monaten so, dass für von den Konten griechischer Sparer abgehobenes Geld einfach neues gedruckt wurde.
 Link zu diesem Beitrag

Jan W.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 04. Juli 2015 - 21:25 Uhr:   

Das "echte Falschgeld" wäre in der Tat ein Problem ...

Klar, JA und NEIN sind beide sehr problematisch. Das verkorkste an der Lage ist, dass beide Antworten keine Lösung bringen.
 Link zu diesem Beitrag

zigzag
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 05. Juli 2015 - 14:14 Uhr:   

Referendum am 05.07.2015

Die Wahllokale schließen um 18:00 Uhr MESZ (19:00 Uhr Ortszeit).

Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Griechisches_Referendum_2015
https://en.wikipedia.org/wiki/Greek_bailout_referendum,_2015

Wahlkommission / Ergebnisse
http://www.referendum2015gov.gr/en/
http://ekloges.ypes.gr/current/e/public/index.html?lang=en#

News de
https://www.griechenland.net/
http://derstandard.at/r3447/Griechenland
http://www.spiegel.de/thema/griechenland/
http://www.sueddeutsche.de/thema/Griechenland_am_Abgrund
http://www.zeit.de/schlagworte/orte/griechenland/index
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/thema/griechenland
http://www.welt.de/themen/alexis-tsipras/
http://info.arte.tv/de/griechenland-dossier
http://www.tagesschau.de/thema/griechenland/
http://www.heute.de/liveblog-schuldenstreit-mit-griechenland-38900810.html
http://www.deutschlandradio.de/text-und-audio-suche.287.de.html?search...

News en
http://www.ekathimerini.com/
http://www.macropolis.gr/?i=portal.en.home

News gr
http://www.ert.gr/
http://www.antenna.gr/news/
http://www.skai.gr/
http://www.kathimerini.gr/
http://www.enet.gr/
http://www.tanea.gr/
http://www.in.gr/
http://greki-gr.blogspot.de/

Blog en
http://uselectionatlas.org/FORUM/index.php?PHPSESSID=12237b3219696d56705f712caff05c42&topic=215094.0

Twitter
https://twitter.com/search...

Umfragen
https://en.wikipedia.org/wiki/Greek_bailout_referendum%2C_2015#Opinion_polls *
http://www.electograph.com/p/special.html

frühere Wahlen
http://www.electoralgeography.com/new/en/category/countries/g/greece

(Beitrag nachträglich am 05., Juli. 2015 von zigzag editiert)
 Link zu diesem Beitrag

Good Entity
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 05. Juli 2015 - 15:47 Uhr:   

Die von der Bank von Griechenland gedruckten Eurobanknoten sind leicht zu identifizieren. Die neue, seit 2013 umlaufende Serie (derzeit 5 € und 10 €, an November auch 20 €) trägt Seriennummern, die mit YA beginnen, die vorherige Serie mit den größeren Werten trägt Seriennummern mit Y.

Die Bank von Griechenland druckt auch Eurobanknoten für andere Staaten, aber auch diese zeigen in der neuen Serie das YA und die zur Konjunkturförderung nach Griechenland vergebenen Aufträge kann die EZB natürlich stoppen.

Lässt Griechenland nun von der Notenbank gegen den Willen der EZB zusätzliche Eurobanknoten drucken, werden solche mit YA (beziehungsweise Y) sehr rasch als nicht akzeptierte Banknoten erklärt. Es ist für jeden Verkehrsteilnehmer leicht ersichtlich, wenn man ihm eine YA- oder Y-Eurobanknote andrehen will. Die Geldautomaten (außerhalb Griechenlands) werden dieses "Echtheitsmerkmal" rasch erkennen und die Banken sind auch schon nach jetziger Regelung verpflichtet, die Verkehrsfähigkeit der von ihnen ausgegebenen Eurobanknoten zu prüfen.

Wer jetzt schon eine "alte, echte" YA- oder Y-Eurobanknote im Portemonnaie hat, hat möglicherweise Pech. Aber es wird den Normalbürger weniger treffen. Ein Blick ins Portemonnaie dürfte bei den neuen Scheinen üblicherweise solche mit XA (Giesecke & Devrient in München) oder NA (Niederlande) oder UD (Frankreich) oder einer anderen gängigen Seriennummer in Mitteleuropa zutage fördern. Wenn man einen mit YA findet, wird man ihn dann wohl eher als zeitgeschichtliches Dokument aufheben.

Da auf den Eurobanknoten auch die Plattennummer ganz klein mit abgedruckt ist (jeweils rechts oben neben dem Torbogen), lässt sich sogar noch mit etwas mehr Mühe verifizieren, ob es noch ein legaler "älterer" Schein ist oder nicht. Die wird man dann händisch umtauschen dürfen, wie früher die D-Mark-Scheine.

Auch die Seriennummern sind kontrolliert und nachvollziehbar. Es wäre sehr einfach für die EZB, die Handlungen Griechenlands zu verfolgen.

Klar, die Herren Tsipras und Varoufakis könnten auf die Idee kommen, einfach den Buchstaben zu wechseln und neue Eurobanknoten beispielsweise mit SA (Banca d'Italia) zu drucken. Technisch sicher möglich. Technisch könnte so etwas aber mit Sicherheit schon lange auch die Volksrepublik China, Russland und wohl auch die Notenbankdruckereien einiger anderer Staaten außerhalb der EU. Sie tun es nicht. Sie drucken auch keine US-Dollar, was noch viel leichter wäre. Es wäre das Drucken wirklichen Falschgelds, denn die Bank von Griechenland würde dann in meinem Beispielfall auf den Banknoten behaupten, sie sei die Banca d'Italia. Das hat mit EU-Recht nichts mehr zu tun, es wäre praktisch das Aus für Griechenland in der Weltwirtschaft. Wer würde ihnen noch etwas verkaufen, wenn man wüsste, dass sie ohnehin nur mit Falschgeld bezahlen?

Ich glaube eigentlich nicht, dass Griechenland in diese Falle geht. Die EZB hätte kraftvolle Instrumente dagegen, die man mit etwas Aufwand, aber doch gefahrlos einsetzen könnte und bei einem solchen Verhalten wohl auch müsste. Der griechischen Regierung müsste ihr Volk schon völlig egal sein, wenn sie versucht, sich so an der Macht zu halten.
 Link zu diesem Beitrag

Schreiberling
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 05. Juli 2015 - 16:21 Uhr:   

@Good Entity solche Aussagen halte ich für Quatsch. Sollte die EZB einige Banknoten für ungültig erkären, würde dies das Vertrauen in den Euro generell stark erodieren lassen, nahezu unvorstellbar.

Zwei Grexit-Polls soll es ab 18:00 Uhr geben:
"GPO for MegaTV and Metron Analysis for ANT1"

Admin Admin Logout Logout   Vorige Seite Vorige Seite Nächste Seite Nächste Seite