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Ratinger Linke
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| | Veröffentlicht am Montag, 01. Oktober 2012 - 02:40 Uhr: | |
2002 war die PDS in Treptow-Köpenick bei 30.1 (-9.2), und das war schon mit Sperrklauselbonus; Zweitstimmen waren 23.4 (-17.8). 2005 war die Linke nach Zweitstimmen auch noch so weit hinten, dass sie den Wahlkreis ohne Gysi höchstens sehr knapp gewonnen hätte. Bei der Abgeordnetenhauswahl waren es 25.1 (-7.6); Zweitstimmen waren 23.0 (-5.9). Zur Stabilität der Wählerschaft: 2001 waren die Zweitstimmen bei 43.6 (+17.5). Nach den Umfragen hat die Linke gegenüber 2009 im Osten teilweise mehr als 25 Punkte auf die SPD verloren. In Treptow-Köpenick allein können das eher mehr sein. Außerdem haben die Piraten da schon 2009 3.3% gehabt und keinen Direktkandidaten. Bei der Abgeordnetenhauswahl waren es 9.3% (wo sie angetreten sind, waren die Erststimmen noch etwas mehr). Und die Piraten werden ziemlich sicher der Linken mehr schaden als der SPD. Ich glaub nicht, dass die Linke 2013 ein ernsthaftes Problem mit der Sperrklausel kriegt, aber wenn doch, dann ist die Chance auf 3 Wahlkreise ziemlich beschränkt. Selbst wenn sie im Westen auf 2% fällt, müsste sie im Osten unter das Niveau von 2002 fallen, wo es schon nicht für 3 Wahlkreise gereicht hat. |

Marc K.
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| | Veröffentlicht am Montag, 01. Oktober 2012 - 21:51 Uhr: | |
Die Linkspartei wird wegen ihrer großen Stammwählerschaft in den neuen Bundesländern bundesweit mehr als 5% bekommen, auch wenn sie in Westdeutschland deutlich unter 5% erhalten dürfte. Denn es ist davon auszugehen, dass sie in den alten Bundesländern immer noch 2-3% der Stimmen erhalten dürfte und nicht nur 1,1% wie 2002, als sie bundesweit an der 5%-Hürde scheiterte. Im übrigen dürfte sie in den neuen Ländern auch eher um die 20% erhalten, als 16,9% wie 2002. Trot der Schwächer der Linkspartei erscheint daher ein Ergebnis von 5-8% für die Linke als realistisch. Auch die FDP hat dieses Jahr gezeigt, dass sie sich stabilisieren kann. Ich gehe daher auch davon aus, dass die FDP in den nächsten Bundestag wieder einziehen wird. Ein Ergebnis von 5-8% ist für sie ebenfalls realistisch. Die Piraten sind hingegen die große Unbekannte. Die Niedersachsen-Wahl Anfang 2013 wird für die Piraten von entscheidene Bedeutung sein. Gelingt ihnen dort der Einzug in den Landtag - können sie sich gar als entscheidender Faktor für die Regierungsbildung profilieren (letztlich als Mehrheitsbeschaffer für Rot-Grün) - werden sie endgültig zu einem wichtigen Faktor in der Bundespolitik und im Bundestagswahlkampf. Anderenfalls werden sie wieder zu einer Randerscheinung werden - die allenfalls bei besonderen Umständen (Skandalen) - wieder in den Vordergrund kommen kann. |

Interessierter Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Mittwoch, 03. Oktober 2012 - 19:14 Uhr: | |
Da mit der Nominierung Steinbrücks der Vorwahlkampf jetzt endgültig eingeleitet wird, hätte ich eine Frage an euch, die ihr euch für Wahlen so interessiert wie ich: Glaubt ihr, dass die Koalition Union-FDP noch eine Chance hat? Ich meine, wenn es noch die Piraten und die Linken ins Parlament schaffen, dann wird es schon sehr eng und wenn die FDP keine bundespolitische Zukunft mehr hat, dann ist die Möglichkeit seghr groß, dass nur noch die Große und die Große Linke Koalition geht. Auf die Piraten wird sich wohl weder Union noch SPD verlassen wollen. |

Norddeutscher Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Mittwoch, 03. Oktober 2012 - 20:44 Uhr: | |
@Interessierter So wie sich die Stimmungslage gerade entwickelt, hat die FDP eine deutlich gerößere Chance in den Bundestag einzuziehen als die Piraten. |

Interessierter Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 04. Oktober 2012 - 16:29 Uhr: | |
@Norddeutscher "So wie sich die Stimmungslage gerade entwickelt, hat die FDP eine deutlich gerößere Chance in den Bundestag einzuziehen als die Piraten." Ihr Eindruck in allen Ehren, aber ich habe aus Gesprächen und aus dem Internet den Eindruck, nicht wenige Leute versuchen die FDP bereits totzureden. Aber selbst wenn. Die aktuelle Koalition war im Wesentlichen doch den enormen Aufwind der FDP geschuldet und der ist jetzt erledigt. Also bleibt eigentlich nur eine 3 Koalition, die schon artithemtisch wahrscheinlich links sein wird oder eine Große Koalition. |

Migan Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 04. Oktober 2012 - 18:27 Uhr: | |
Dann kann man jetzt ja spekulieren, wie Steinbrück es seinen Wählern verkaufen will, dass er doch eine dritte Kraft mit ins Boot holen muss. Oder ist es realistisch, davon auszugehen, dass es für Rot-Grün reicht? |

Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 04. Oktober 2012 - 19:36 Uhr: | |
Wenn Rot/Grün von 5 Parteien umzingelt ist, die alle für eine Mehrheit reichen, geht es auch problemlos mit wechselnden Mehrheiten. |

Norddeutscher Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 04. Oktober 2012 - 20:07 Uhr: | |
@Ratinger Linke Es wird in Deutschland keine Minderheitsregierung geben. Dafür ist dieses Land nicht entspannt genug. Wenn es nicht für rot-grün reicht (wovon ich ausgehe), dann wird es entweder eine Große Koalition oder doch eine Ampel (wer Röslers Statement genau liest, wird sehen, dass er das mitnichten ausgeschlossen hat) geben, aber nie wechselnde Mehrheiten. |

Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 04. Oktober 2012 - 20:12 Uhr: | |
Naja, wechselnde Mehrheiten sind ja nicht neu. Bloß war bisher meist nur der Bundesrat davon betroffen (abgesehn von NRW). |

Norddeutscher Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 04. Oktober 2012 - 20:24 Uhr: | |
@Interessierter "Ihr Eindruck in allen Ehren, aber ich habe aus Gesprächen und aus dem Internet den Eindruck, nicht wenige Leute versuchen die FDP bereits totzureden." Natürlich versuchen interessierte Kreise das. Das ist auch 1969/70, 1982/83 und in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre versucht worden. Immer dann, wenn das genug der interessierten Kreise getan haben, gab es umgekehrt hinreichend (für den Erhalt der parlamentarischen Repräsentanz der FDP) viele Wähler, die sich gesagt haben "so ganz ohne FDP wollen wir das dann doch nicht haben" "Also bleibt eigentlich nur eine 3 Koalition, die schon artithemtisch wahrscheinlich links sein wird oder eine Große Koalition." Da haben sie in der Tendenz recht, wobei ich auf eine Große Koalition tippen würde, denn trotz meines obigen Hinweises auf Röslers Statement, glaube ich noch nicht, dass Verhandlungen zwischen Grünen und Blau-Gelben am Ende zu einer gemeinsamen Regierung führen werden. Jede von beiden Parteien wäre (wenn auch mit erheblichem Brechreiz) in der Lage, mit der "lagerfremden" Volkspartei zu koalieren und das dann als "notwendige staatstragende Entscheidung in schwerer Zeit und zur Abwehr von Schlimmerem" zu deklarieren, wenn es mit dem Wunschpartner nicht reicht. Aber für Ampel oder Schwampel sind die persönlichen Verletzungen, die sich Grüne und FDP'ler zugefügt haben zu groß. Und das liegt noch nicht mal hauptsächlich an der Bundesebene, sondern setzt sich bis in die kleinsten Gemeinden fort (Ausnahmen bestätigen die Regel, logisch). Ich habe selbst mit Christ- und Sozialdemokraten gesprochen, die waren jedesmal schockiert, was bei Dreierbündnisverhandlungen zwischen erwachsenen Menschen da an alten Rechnungen auf den Tisch kam. Im Bezirk Hamburg-Nord z.B. war die FDP 2009 eher bereit, mit der Linkspartei und zwei grünen Linksabweichlern (die jetzt bei den Piraten sind) einen SPD-Kandidaten (und der SPD-Kreisverband HH-Nord ist traditionell eher linksaußen in der Partei verortet) zum Bezirksamtsleiter zu wählen, als ein Bündnis mit dem Wunschpartner CDU einzugehen, für das die Unterstützung der GAL notwendig gewesen wäre. Im Bezirk Harburg umgekehrt haben die Grünen lieber mit der dort eher konservativen CDU koaliert, als in eine rot-grüne Koalition die FDP als notwendigen dritten Partner aufzunehmen. Aus Schleswig-Holstein habe ich Ähnliches gehört, da gibt es die obskursten kommunalen Bündnisse, nur weil die Vertreter von Grünen und FDP sich persönlich hassen. Sowas habe ich in dieser Breite und Schärfe zwischen Vertretern demokratischer Parteien sonst noch nie erlebt. |

Bernhard Nowak
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| | Veröffentlicht am Donnerstag, 04. Oktober 2012 - 20:48 Uhr: | |
Ich glaube weder an eine Ampel noch an Jamaica. Rechnerisch realistisch scheint nur die große Koalition oder schwarz-grün zu sein, wobei ich mir schwer eine Koalition aus Union und Grünen, die von Seehofer bis Trittin reicht, vorstellen kann. Die eigentliche Nachricht der vergangenen Woche scheint doch zu sein: Steinmeier wird Vizekanzler und Außenminister, Gabriel wird in diesem Fall wohl zusätzlich zu seinem Amt als SPD-Vorsitzender den Vorsitz der SPD-Fraktion übernehmen. Und Steinbrück? Er wäre nach der Wahl "weg". Ich weiß auch nicht, ob die Kandidatur Steinbrücks nicht mehr Wähler in die Enthaltung und zur Wahl der Linkspartei treibt (die ja in den Umfragen zu gewinnen scheint), als es Steinbrück, der ja noch ein Jahr überbrücken muss, gelingen könnte, "bürgerliche Wechselwähler" an die SPD zu binden. Daher weiß ich nicht, ob sich die SPD mit der Steinbrück-Kandidatur wirklich einen Gefallen getan hat. |

El Tres
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| | Veröffentlicht am Freitag, 05. Oktober 2012 - 10:40 Uhr: | |
Es bleibt ja noch die Möglichkeit von Schwarz-Grün. Dafür könnte es schon reichen (wobei je nach endgültigem Wahlrecht dann doch wieder die Überhangmandate die Mehrheit vergrössern könnten), je nach dem wie die weitere Entwicklung verläuft und wie sich insbesondere Piraten und FDP entwicklen. |

Ralf Arnemann
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Freitag, 05. Oktober 2012 - 13:37 Uhr: | |
Ein Jahr vor der Wahl sind ALLE Prognosen Schall und Rauch, die derzeitigen Umfragewerte haben sowieso nichts zu sagen. Es ist gerade mal die KK-Frage bei der SPD geklärt worden. Jetzt wird man erst einmal beobachten, wie Steinbrück sich darstellt. Sein Startschuß mit der Bankenregulierung war gelungener Populismus, aber inzwischen knirscht es schon bei ihm (z. B. wg. Nebeneinkünften). Bis die SPD sich auf ein Programm geeinigt und eine Wahlkampagne erfunden hat, wird es noch lang dauern. Und vorher ist ihr Abschneiden völlig offen, da ist eine deutliche Verbesserung gegenüber dem 2009-Desaster möglich - aber genauso weitere Verluste. Ich persönlich würde zwar jederzeit wetten, daß FDP und Linke den Einzug in den Bundestag schaffen, im Gegensatz zu den Piraten. Aber das sind auch nur Wahrscheinlichkeiten, über die Ergebnishöhe ist damit sowieso noch nichts gesagt. Von daher sind auch noch alle politisch möglichen Koalitionen im Rennen. Sowohl die klassischen wie schwarz/gelb und rot/grün wie natürlich die GroKo oder die Linksfront. Nur eine Kombination von Grünen und FDP sehe ich nicht. Die Gründe hat Norddeutscher ausführlich dargestellt. Und diese gegenseitige Abneigung verstärkt sich immer mehr, gerade auch durch die Krisen beim Euro oder der Energiewende. Da werden auch neue Umfragezahlen nichts ändern. |

Interessierter Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Freitag, 05. Oktober 2012 - 19:08 Uhr: | |
@Norddeutscher "(wer Röslers Statement genau liest, wird sehen, dass er das mitnichten ausgeschlossen hat)" Rösler hat eine Koalition mit den Rot-Grünen meines Erachtens so gut ausgeschloßen, wie das für Politikerverhältnisse überhaupt möglich ist. Dass er dabei nicht den Fehler begeht, in eine "Basta"-Rhetorik zu verfallen darf ihn nicht negativ angerechnet werden! "denn trotz meines obigen Hinweises auf Röslers Statement, glaube ich noch nicht, dass Verhandlungen zwischen Grünen und Blau-Gelben am Ende zu einer gemeinsamen Regierung führen werden." Ich glaube auch nicht an einen großen gemeinsamen Nenner. Auch wenn die Wählerschichten sich in der sozialen Stellung sehr ähneln dürften. @Bernhard Nowak "Rechnerisch realistisch scheint nur die große Koalition oder schwarz-grün zu sein, wobei ich mir schwer eine Koalition aus Union und Grünen, die von Seehofer bis Trittin reicht, vorstellen kann." Ich hätte es mir bis zur Energiewende auch nicht vorstellen können, nun scheinen mir aber immer mehr inhaltliche Schnittstellen zwischen Union (zumindest CDU-Part, die CSU schießt allerdings schon jetzt eher quer) und Grüne aufzufallen. Die Energiepolitik muss dabei nicht die Einzige sein. Die Europapolitik ist ja auch relativ konform und auch auf anderen Politikfeldern sehe ich weniger unüberbrückbare Hindernisse als erwartet. Dennoch habe ich diese Option mal ausgeschloßen, weil es noch zu vielen ideologischen Ballast ("Herdprämie" vs. KITA-Ausbau, Fragen der Sozial- und Bildungspolitik) gibt, den beide nicht loswerden können oder wollen. Nur die Union zeigt sich überraschend "pragmatisch". "Ich weiß auch nicht, ob die Kandidatur Steinbrücks nicht mehr Wähler in die Enthaltung und zur Wahl der Linkspartei treibt (die ja in den Umfragen zu gewinnen scheint), als es Steinbrück, der ja noch ein Jahr überbrücken muss, gelingen könnte, "bürgerliche Wechselwähler" an die SPD zu binden." Steinbrücks Kandidatur scheint mir fast ein politischer Rorschachtest gewesen zu sein. Die Wirtschaftsliberalen kritisieren Steinbrücks Linkspopulismus, die Banken "regulieren" zu wollen und "Geschäfts-" und "Investmentbanken" stärker zu trennen. Die Linken beängstigt seine eher konservative Grundhaltung und sie sehen ihn als Vertreter der selben, ökonomisch falschen, Politik, die auch Merkel vertritt. Nur die Konservativen scheinen sich relativ uneinig bei seiner Bewertung zu sein; sie sind sich aber einig, dass sie andere Kandidaten vorziehen würden, wenn sie wählen. Aber gut, das ist nur die Veröffentlichte und gehörte Meinung.  |

Bernhard Nowak
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Samstag, 06. Oktober 2012 - 00:58 Uhr: | |
Für mich grenzt Steinbrücks Kandidatur fast an Wählertäuschung. Warum? Steinbrück hat nach derzeitigem Stand der Umfragen doch nur Chance als Kanzler einer Ampel-Koalition aus SPD, FDP und Grünen. Mal abgesehen von persönlichen und politischen Animositäten zwischen FDP und Grünen bewirkt eine Koalition, an der FDP und Grüne beteiligt wären, doch folgendes: die FDP-Wähler, die eigentlich zur CDU/CSU neigen, würden die FDP in Scharen verlassen, wenn die FDP eine Ampel-Koalition eingeht. Das gleiche gilt (Hamburg, Saarland und die OB-Wahl in Frankfurt am Main haben es gezeigt) für die Grünen im Falle einer Jamaica-Koalition. Bei den Grünen kommt erschwerend hinzu, dass die beiden aussichtsreichsten Kandidaten für die Spitzenkandidatur, Trittin und Frau Roth, ausgesprochene Gegner einer schwarz-grünen Koalition sind, Trittin hat dies im Spiegel de facto ausgeschlossen. Es gibt kein schwarz-grünes oder Jamaica-Bündnis im Bundesrat, welches eine Politik einer neuen Bundesregierung stützten könnte. Das gleiche gilt für eine Ampel. Und auch für schwarz-grün. FDP und Grüne würden bei einem Zusammengehen von ihren Wählern stark abgestraft und wahrscheinlich bei allen Landtagswahlen unter die Sperrklausel gedrückt (die Grünen bei schwarz-grün oder Jamaica, die FDP bei einer Ampel). Insofern schließe ich - unabhängig von politischen Inhalten und Animositäten - diese Konstellation aus. Es bleibt nach derzeitigem Umfragestand nur die große Koalition mit Seniorpartner Union und Juniorpartner SPD. Steinbrück will aber nicht in ein Kabinett Merkel. Und Merkel wird nicht zugunsten eines anderen Unionspolitikers auf ihre Kanzlerschaft verzichten, damit Steinbrück ins Kabinett kann. Also wird es doch so laufen: Steinmeier wird in einem neuen Kabinett Merkel Außenminister und Vizekanzler. Er ist also der eigentliche SPD-Vizekanzlerkandidat. Gabriel wird Partei- und Fraktionschef. Und Steinbrück? Er hat nach der Wahl seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen. Und ich denke nach wie vor, dass Steinbrück weniger Wähler mobilisieren kann, SPD zu wählen, als er linke Wähler abschreckt, SPD zu wählen, die Linkspartei wählen oder gar nicht wählen gehen. Der einzige "Vorteil" eines Kandidaten Steinbrück wäre, dass er unzufriedene Unions- und FDP-Wähler nicht dazu treibt, CDU, CSU oder FDP zu wählen, weil sie unter allen Umständen einen Kanzler Steinbrück verhindern wollen. Dies würde aber voraussetzen, dass die Person des Bundeskanzlers oder der Kanzlerin einerseits und die schwarz-gelbe Regierung andererseits unpopulär wären, wie es 1998 der Fall war, wo die Leute Kohl buchstäblich nicht mehr "sehen" konnten. Da dies hier nicht der Fall ist - Merkel ist populär - nützt ein gemäßigter Steinbrück hier nichts. Und er schafft es auch mit seinen Griechenland-Äußerungen nicht, eurokritische Wähler zu sich herüberzuziehen, da die SPD - und auch Steinbrück - in der Wahrnehmung dieser Wähler viel stärker für "Transferunion" steht als Union und FDP (die m.E. mit ihrer Rettungsschirmpolitik auch unglaubwürdig sind, aber dies ist eine andere Sache). Insofern soll Steinbrück Wähler ködern. Dies wird ihm m.E. nicht gelingen und nach der Wahl ist er der Mohr, der seine Schuldigkeit getan hat. Für mich grenzt die Nominierung Steinbrücks daher beinahe an Wählertäuschung. Die eigentlich entscheidenden Figuren der SPD bleiben auch nach der Kanzlerkandidaten-Entscheidung der potentiell zukünftige Partei- und Fraktionschef Gabriel und der potentielle zukünftige Wieder-Vizekanzler und Außenminister Steinmeier. Nicht Steinbrück. |

Arno Nymus
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Samstag, 06. Oktober 2012 - 03:28 Uhr: | |
Bernhard Nowak schrieb quote:und zur Wahl der Linkspartei treibt (die ja in den Umfragen zu gewinnen scheint)
In welchen Umfragen "scheint" die Linkspartei zu gewinnen? Liegen Ihnen andere Umfragen vor als diejenigen auf wahlrecht.de? |

Good Entity Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Samstag, 06. Oktober 2012 - 16:55 Uhr: | |
Bei den verschiedenen Betrachtungen über eine mögliche Koalition für 2013 wird eine Möglichkeit bisher noch nicht berücksichtigt, auch nicht von Bernhard Nowak in seinen detaillierten Erörterungen. Denkbar ist nämlich grundsätzlich auch eine Große Koalition, in welcher die SPD als stärkste Partei den Kanzler stellt. Momentan hat die CDU/CSU in den Umfragen irgendwo um die 6 % Vorsprung auf die SPD, aber stark schwankend. Wer mal auf die Wahlumfragen vor der Wahl 2005 schaut: Damals hatte die CDU/CSU gegenüber der SPD sogar noch kurz vor der Wahl auch etwa 6 % Vorsprung, stark schwankend. Das Ergebnis war dann 35,2 % zu 34,2 % und eine große Koalition. Noch winzige 1 % mehr für die SPD und Gerhard Schröder wäre der Kanzler einer großen Koalition geworden. Genau das hat gerade Steinbrück sicherlich sehr genau im Gedächtnis. Das Wählerpotential für eine solche Konstellation wäre da. Er muss lediglich den Wahlkampf zutreffend darauf zuspitzen, dass eine Ablösung von Angela Merkel am besten möglich ist, wenn man ihm und der SPD unmittelbar die Stimmen gibt, und nicht etwa den Linken oder den Piraten oder den Grünen. Das kann er konsequent tun, ohne die Grünen anzugreifen oder zu verprellen, denn sein Ziel im Wahlkampf kann trotzdem "Rotgrün" bleiben. Wenn das dann doch reicht - na prima. Wenn nein - Große Koalition unter ihm. Mit anderen Worten: Er führt einen Wahlkampf wie Gerhard Schröder. Er spricht die gleichen Wähler an. Es fehlt noch ein Elbhochwasser oder so wie 2002. Sollte es kommen wie ausgeführt, wäre er auch ohne Weiteres als Kanzler für eine Große Koalition glaubhaft vermittelbar. Übrigens auch bei 0,1 % Vorsprung, also beispielsweise einem 33,6 % zu 33,5 %. Die Diskussion ist ja 2005 schon mit umgekehrten Vorzeichen ausgiebig geführt worden. Sollte es doch Rotgrün werden können, wird er auch Kanzler, da haben die Grünen keine Wahl. Ein weiterer Charme der Situation für Steinbrück: Die FDP kann ihm völlig egal sein. Fliegt sie raus, vergrößert das die Chance für Rotgrün. Bleibt sie drin, geht das vermutlich auf Kosten der CDU und fördert damit seine Chance, Kanzler in einer Großen Koalition zu werden. Und Bernhard Nowak sieht völlig richtig, warum eigentlich Steinmeier und Gabriel zugestimmt haben: Sie vergößern die Chance für die SPD, irgendwie wieder an die Regierung zu kommen. Entweder unter Steinbrück als Kanzler. Oder ganz ohne ihn. Steinbrück hat genau eine Chance. Viel problematischer ist die Situation für die CDU. Wer wird in einer von Steinbrück geführten Großen Koalition denn Vizekanzler und Außenminister? ANgela Merkel? |

Jan W.
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| | Veröffentlicht am Samstag, 06. Oktober 2012 - 17:29 Uhr: | |
@G.E. Das Problem an dieser Variante, bzw. der Faktor, die sie unwahrscheinlicher erscheinen lässt, ist: die Grünen scheinen innerhalb des linken Lagers stärker zu sein. Die Lagerführung ist weniger eindeutig. Steinbrück ist innerhalb der bisherigen Troika derjenige, der es am wenigsten vermag, Wähler der Linken wieder zurück zur SPD zu locken - die Stimmen bleiben tote Stimmen, mangels Koalitionsoption. Deshalb ist der Schröder-Plan Neue Mitte 2.0 sehr schwierig! 2005 gab es zwar schon die neuentstandene Linke, aber eben auch noch relativ schwache Grüne und keine Piraten. Steinbrück kann keinen Wahlkampf um die Lagerführung gegen Grüne, Piraten, Linke machen - einerseits würde das als Aufgabe gewertet, da er nur noch das Amt des Bundeskanzlers in einer Großen Koalition anstrebt, andererseits stößt eine Große Koalition potentielle Grünen- aber vor allem Linken- und Piratenwähler sehr vor den Kopf. Das kann starke Gegenbewegungen und Lagerkrach auslösen - das schadet nur im Wahlkampf. |

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Samstag, 06. Oktober 2012 - 17:51 Uhr: | |
"Im Bezirk Harburg umgekehrt haben die Grünen lieber mit der dort eher konservativen CDU koaliert, als in eine rot-grüne Koalition die FDP als notwendigen dritten Partner aufzunehmen. Aus Schleswig-Holstein habe ich Ähnliches gehört, da gibt es die obskursten kommunalen Bündnisse, nur weil die Vertreter von Grünen und FDP sich persönlich hassen. Sowas habe ich in dieser Breite und Schärfe zwischen Vertretern demokratischer Parteien sonst noch nie erlebt." Wie die Situation in einem Jahr in der FDP sein wird, ist jetzt noch nicht absehbar. Dass Rösler zum Zeitpunkt der BTW noch FDP-Chef ist, ist absolut nicht sicher. Die Niedersachsen-Wahl als voraussichtlich einzige wichtige Wahl vor dem nächsten Herbst wird hier entscheidend sein, zumal Rösler ja aus Niedersachsen kommt. Einen spezifischen Hass zwischen FDP und Grünen kann ich aus der eigenen Umgebung nicht bestätigen. Es gab und gibt schon diverse Bündnisse mit FDP und Grünen auf kommunaler Ebene (z. B. Bonn, Darmstadt, Bielefeld), es gab auch schon solche Koalitionen auf Landesebene und nicht immer war Krach zwischen FDP und Grünen der Grund für das Ende. Der schleswig-holsteinische Landesvorsitzende ist so ziemlich der letzte FDP-Politiker, dem man eine Aversion gegen eine Ampel nachsagt. Eine Ampel ist sicher nicht auszuschließen. "Viel problematischer ist die Situation für die CDU. Wer wird in einer von Steinbrück geführten Großen Koalition denn Vizekanzler und Außenminister? ANgela Merkel?" Das Problem der Union ist, dass sie vom Verhalten der SPD abhängig ist, wenn sie nicht entweder eine absolute Mehrheit für die Union holt oder noch einmal Schwarz-Gelb eine Mehrheit kriegt. Das ist fast ausgeschlossen bzw. unwahrscheinlich. Bundeskanzler ist definitiv das Ende der politischen Laufbahn, anschließend kann man höchstens noch ein paar Jahre im Bundestag sitzen. Einen Nachfolger für den Parteivorsitz wird man immer finden. Was die Wahlergebnisse anbelangt, war Merkel bisher auch keine gute Vorsitzende. "Entweder unter Steinbrück als Kanzler. Oder ganz ohne ihn. Steinbrück hat genau eine Chance." Das ist richtig und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass es keine große Koalition gibt. Wenn die SPD nicht vorne landet und es auch keine rot-grüne Mehrheit gibt, muss Steinbrück entweder zusehen, eine Mehrheit ohne Union zusammen zu bekommen, oder er muss das Feld räumen. Das wäre dann die Chance für Gabriel und dessen bevorzugte Option wird nicht sein, Vizekanzler unter Merkel zu werden. Eine ökosozialistisch-kommunistische Regierung und eine Ampel sind wahrscheinlicher als eine große Koalition unter Merkel. "Wähler der Linken wieder zurück zur SPD zu locken - die Stimmen bleiben tote Stimmen, mangels Koalitionsoption." Als ob eine Koalition mit der Linkspartei oder eine von den Kommunisten unterstützte SPD/Grüne-Minderheitsregierung auszuschließen wäre. |

nowhereman
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Samstag, 06. Oktober 2012 - 18:06 Uhr: | |
Nein, liebe Analysten, eure Gedanken sind für die Tonne. Wer vor der Wahl Fehler macht(wie Obama im TV-Duell), der verliert. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt lässt sich gar nichts sagen - Scharping war in den 90-er Jahren bis zur Europawahl im Sommer vor Kohl und hat krachend verloren, andere Beispiel wurden schon zitiert. Das Spannende ist doch gerade, dass niemand sagen kann, wie sich Wähler verhalten werden. Sind die Piraten weiter im Absturz, dann haben sie keine Chance, es kann aber auch wieder eine Auferstehung geben. Dann wird tatsächlich eine GroKO wahrscheinlich. Aber es können ja auch die Linken scheitern....Man wird sehen, ob sich da weiter Grabenkämpfe auftun oder ob sich die Linke wieder profilieren kann. Im konservativen Lager gilt ähnliches: Wenn Niedersachsen fällt, dann entsteht entweder ein Mitleidseffekt und man wählt CDU bei der BTW oder eben nicht. Und wenn Bayern ein paar Tage vor der BTW wählt, dann kann passieren, was es auch schon mal gab - Stoiber hui und Waigel pfui. Gut ganz so schlecht war das Ergebnis im Bund nicht, aber doch deutlich schlechter als erwartet aufgrund der LTW. Un ob Steinbrück dann nicht doch den Vizekanzler gibt, kann keiner sagen, womöglich wird er von anderen dazu gedrängt, weil es sonst nicht klappt. |
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