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Archiv bis 29. September 2012

Wahlrecht.de Forum » Tagesgeschehen » Wahlen in den USA (US-Präsident, US-Senat usw.) » Wahlen in den USA » Archiv bis 29. September 2012 « Zurück Weiter »

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Jan W.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 20. September 2012 - 19:38 Uhr:   

@TF
Und die 47%, die keine "federal income tax" bezahlen (also die Einkommenssteuer des Bundes), sind alles Menschen, die ihr Leben nicht in den Griff bekommen? Auch die Rentner? Auch die Soldaten im Ausland? Eltern mit einem amerikanischem Durchschnittseinkommen und 5 Kindern?
Die Arbeitslosen können ja nicht gemeint sein: denn an deren Lage ist einzig und allein Obama schuld, wenn man Romney glauben kann. Ich tu das nicht, aber Romney muss sich die Rückfrage gefallen lassen.

Wieso regt Romney denn darüber auf, das mittellose Menschen meinen, der Staat müsste für ihre absoluten Grundbedürfnisse aufkommen? Ein andere wird ihnen nicht helfen und wenn Romney sich daran stört, dann möchte er offenbar (sonst macht die Aufregung keinen Sinn), dass der Staat sich aus diesem Bereich komplett zurückzieht - und das bedeutet dann, dass sich niemand mehr kümmert und diese Menschen (an deren Situation ja nicht sie selbst sondern angeblich Obama schuld sein soll) nicht wohnen, nicht essen und nicht behandelt werden. Mindestens eins davon ist sehr schnell tödlich.
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Björn
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 21. September 2012 - 13:12 Uhr:   

"Wieso regt Romney denn darüber auf, das mittellose Menschen meinen, der Staat müsste für ihre absoluten Grundbedürfnisse aufkommen? Ein andere wird ihnen nicht helfen und wenn Romney sich daran stört, dann möchte er offenbar (sonst macht die Aufregung keinen Sinn), dass der Staat sich aus diesem Bereich komplett zurückzieht - und das bedeutet dann, dass sich niemand mehr kümmert und diese Menschen (an deren Situation ja nicht sie selbst sondern angeblich Obama schuld sein soll) nicht wohnen, nicht essen und nicht behandelt werden. Mindestens eins davon ist sehr schnell tödlich."

Romney verlangt doch im Prinzip nur eines, damit seine Idee auch umsetzbar ist und das hat er sich nicht getraut vor seinen Spendern zu sagen: Die Unternehmen müssen ihren Arbeitnehmern so etwas wie Lohn geben, der ihnen zum Leben reicht. Komisch nur, dass sich diejenigen, die lautstark gegen den angeblich so irren "Sozialismus" wettern, gerade diejenigen sind, die wahrscheinlich genau dafür verantwortlich sind. Wenn man sich mal überlegt, wie stark die FDP gegen Mindestlöhne wettert und zeitgleich sich über die steigenden sozialen Abgaben aufregt, da passt einfach in der Logik nichts mehr zusammen.
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 23. September 2012 - 14:34 Uhr:   

"Wieso regt Romney denn darüber auf, das mittellose Menschen meinen, der Staat müsste für ihre absoluten Grundbedürfnisse aufkommen?"
Er regt sich wohl eher darüber auf, dass sie sich auf den Staat verlassen und zu wenig selbst aktiv werden. Nebenbei gibt es sogar in Deutschland (noch) kein umfassendes Recht auf Staatsalimentierung. ALG 2 kann z. B. auf null gekürzt werden. Mir ist übrigens auch nichts bekannt über Hungertote bei uns in den 50er Jahren, als es noch keine Sozialhilfe gab (u. a. in Italien gibt es bis heute keine).

"Eltern mit einem amerikanischem Durchschnittseinkommen und 5 Kindern?"
Man muss ja nicht fünf Kinder in die Welt setzen, wenn man sie sich nicht leisten kann. Hier sind ganz klar die Eltern in der Verantwortung. Man muss Romney nun wirklich nicht nahe stehen, um es unverantwortlich zu finden, dass man Kinder in die Welt setzt, die man absehbar nicht selbst ernähren kann, und sich vom Staat alimentieren lässt. Leider ist das auch in Deutschland gar nicht so selten.

"Die Unternehmen müssen ihren Arbeitnehmern so etwas wie Lohn geben, der ihnen zum Leben reicht."
Soll jeder Hilfsarbeiter, jede McDoof-Bedienung und jede Friseuse so viel verdienen, dass man davon eine Familie mit mehreren Kindern ernähren kann? Natürlich ist es wünschenswert, wenn das Einkommen zum Leben reicht. Nur ist ja schon der Bedarf sehr unterschiedlich, es kommt auf die Zahl der Kinder an, ob und wieviel ein Partner, sofern vorhanden, verdient und dann ist das Preisniveau natürlich in Mississippi oder South Dakota niedriger als in Kalifornien oder New York. Außerdem ist der Lohn ökonomisch natürlich durch die Produktivität begrenzt.

"Komisch nur, dass sich diejenigen, die lautstark gegen den angeblich so irren "Sozialismus" wettern, gerade diejenigen sind, die wahrscheinlich genau dafür verantwortlich sind. Wenn man sich mal überlegt, wie stark die FDP gegen Mindestlöhne wettert und zeitgleich sich über die steigenden sozialen Abgaben aufregt, da passt einfach in der Logik nichts mehr zusammen."
Mindestlohn kann dazu führen, dass das Einkommen auf diesen Betrag steigt, oder dass gar kein (legales) Einkommen mehr erzielt wird. Je höher der Mindestlohn, desto wahrscheinlicher der Verlust des Arbeitsplatzes. Es ist wohl mehr als naiv zu glauben, mit einem Mindestlohn gäbe es den großen Einnahmeschub für die Sozialversicherungen. Für viele würde es noch viel schwieriger werden, Arbeit zu finden, vor allem für Jüngere.

In den Umfragen hat sich übrigens die letzten Tage nicht viel getan, bei RCP liegt Obama 3,3 Prozentpunkte vorne. Damit, dass Obama mindestens 47 % kriegt, dürfte Romney Recht behalten.
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Jan W.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 23. September 2012 - 15:06 Uhr:   

ICH "Wieso regt Romney denn darüber auf, das mittellose Menschen meinen,
der Staat müsste für ihre absoluten Grundbedürfnisse aufkommen?"
TF "Er regt sich wohl eher darüber auf, dass sie sich auf den Staat
verlassen und zu wenig selbst aktiv werden. Nebenbei gibt es sogar in
Deutschland (noch) kein umfassendes Recht auf Staatsalimentierung. ALG
2 kann z. B. auf null gekürzt werden. Mir ist übrigens auch nichts
bekannt über Hungertote bei uns in den 50er Jahren, als es noch keine
Sozialhilfe gab (u. a. in Italien gibt es bis heute keine)."
-> Nun, eine Gesellschaft kann man immer danach beurteilen, wie sie mit ihren Schwächsten umgeht. Bei Mittellosigkeit muss in Deutschland immer eine minimale Hilfe gewährt werden.

ICH "Eltern mit einem amerikanischem Durchschnittseinkommen und 5
Kindern?"
TF "Man muss ja nicht fünf Kinder in die Welt setzen, wenn man sie sich
nicht leisten kann. Hier sind ganz klar die Eltern in der
Verantwortung. Man muss Romney nun wirklich nicht nahe stehen, um es
unverantwortlich zu finden, dass man Kinder in die Welt setzt, die man
absehbar nicht selbst ernähren kann, und sich vom Staat alimentieren
lässt. Leider ist das auch in Deutschland gar nicht so selten."
Ich habe nicht behauptet, dass diese Menschen sich diese Kinder nicht leisten können! Das Budget dieser Familie ist sicher nicht üppig, aber es ist nicht undenkbar, dass sie über die Runden kommen. Sie müssen aber keine "federal income tax" zahlen - und damit fallen sie für Romney in die Schmarotzer-Liga der 47%. Also: was haben sie gegen eine Familie mit 50.000$ Einkommen und 5 Kindern, die weder Sozialleistungen in Anspruch nimmt noch Steuern an die amerikanische Bundesregierung zahlt (aber möglicherweise Steuern des Bundesstaates)!? Haben die bei Ihnen auch den Schmarotzerstempel?

Hübsch find ich übrigens auch Romney's neusten Steuertrick. Normalerweise müssen Steuerberater ja versuchen, die niedrigst-mögliche Steuerlast für ihren Klienten zu erreichen - Romney gab für sich aber dann doch noch mal eine kleine Steuererhöhung für sich selber in Auftrag: schließlich hatte er in einem Interview gesagt, er habe 2011 14% Steuern bezahlt. Um letztendlich auf 14,1% zu kommen, durften also Spendenquittungen in Höhe von rund 2 Millionen Dollar nicht eingereicht werden.
Mehr Steuern zu zahlen, als man muss, hat Romney übrigens schonmal als Indiz dafür bezeichnet, das System nicht zu verstehen - was für ihn damals hieß: so jemand dürfe nicht Präsident werden.

Bisher gar kein größeres Aufsehen hat der von Mitt Romney bezahlte Leihmuttervertrag seines Sohnes mit einigen Abtreibungsklauseln erregt ... da müssten doch die liberalen Wähler mal fragen, warum Romney das Wahlprogramm der Republikaner in der Abtreibungsfrage nicht etwas liberaler gestaltet hat, während die Konservativen vor Wut kochen müssten.
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 23. September 2012 - 23:31 Uhr:   

Zumindest ich brauch hier nicht hasserfüllt Wahlkampf zu machen. Wir hier wählen ja auch nicht. Die Wähler in den USA sind offenbar ziemlich festgelegt und lassen sich nicht so leicht durch Negativreklame der Gegenseite beeinflussen.
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Jan W.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 24. September 2012 - 14:29 Uhr:   

@TF
Der Vorwurf geht mir nicht wirklich nahe, wenn er aus der gefühlten deutschen Filiale der republikanischen Wahlkampfzentrale kommt.
Natürlich ist die Mitte des US-Meinungsmainstreams anders gelagert, als die Mitte der deutschen Gesellschaft - und die Republikaner sind noch weiter davon entfernt, deshalb wirken sie häufig noch befremdlicher auf die deutsche Öffentlichkeit.
Also einem Demokraten, der die deutsche Staatsbürgerschaft traue ich durchaus zu, dass er bei seiner ersten Bundestagswahl eine Partei findet, die zu ihm passt - bei einem eingefleischten Republikaner dürfte das schwierig werden: da dürfte nur für den gemäßigten Flügel die CSU noch einer Option sein ...
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Jan W.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. September 2012 - 17:02 Uhr:   

Langsam wird es eng für Romney:
http://www.realclearpolitics.com/epolls/2012/president/2012_elections_electoral_college_map.html
RCP gilt selbst als eher republikaner-nah, aber der Umfragenaggregator wird natürlich unabhängig gefüttert.
Und da hat Obama mit derzeit vorraussichtlich 265 Wahlmännerstimmen fast die magische 270 erreicht. Romney liegt mit 191 weit zurück. Dazwischen werden 80 Stimmen als "Toss Up" (knapp, umkämpft - Abstand der Kandidaten innerhalb der Schwankungsbreite des Stichprobenfehlers) gewertet.
Diese Toss-Up-Wertung lässt sich auch ignorieren:
http://www.realclearpolitics.com/epolls/2012/president/2012_elections_electoral_college_map_no_toss_ups.html
Hier wird jeder Staat, egal wie knapp die Umfrage, dem derzeit vorneliegenden Kandidaten zugeordnet - und das ist derzeit in allen Toss-Up-Staaten Obama: er führt 347:191.

Nach aktuellem Stand scheint Romney nahezu chancenlos zu sein ... wobei man natürlich die Debatten nicht vergessen sollte. Doch die müssten dem Pendel schon einen gewaltigen Stoß in Richtung Romney versetzen - und wenn man überlegt, wie was eine gleiche Swing-Intensität in Richtung Obama zahlenmäßig bedeuten würde, erkennt man, wie unrealistisch ein Meinungsumschwung dieser Größenordnung jetzt noch ist.
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Ingo Zachos
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. September 2012 - 19:17 Uhr:   

Zu diesem Zeitpunkt sieht es danach aus, als ob Obama mit einem ähnlichen Ergebnis wie 2008 gewinnen könnte, vielleicht etwas weniger Wahlfrauen/-männer, aber dennoch eine gute Länge voraus. Selbst den Verlust von Kalifornien könnte er sich theoretisch leisten.

Trotzdem: noch liegt der Endspurt vor uns, und Gore konnte im Endspurt 2000 sogar noch überholen, obwohl auch er zurücklag.

Die Debatten werden eher wenig verändern, wenn, dann verstärken sie den Trend eher noch. Sollte Romney sie alle gewinnen, wie Kerry 2004, könnte es trotzdem nichts bringen, es sei denn Obama verkündet beispielsweise, der Iran sei eine weltoffene Demokratie. Zuletzt hat sich Ford so 1976 in den Fuß geschossen, als er auf Nachfrage Polen und den Ostblock als nicht sowjetdominiert bezeichnete.

Aber, wenn man sich die Debatten der Republikaner und dabei besonders Romney anguckt, dann denke ich, das Romney eher fehlgreift als Obama.

Derzeit setzen im Internet nicht mehr viele auf Romney. Seit seiner offiziellen Nominierung sinkt er in den Wettbüros immer weiter.

Zwar hat Obama nicht mehr den Schwung von 2008, aber Romney ist kein Reagan oder Clinton. Er kann nur begrenzt für Stimmung sorgen. Das konnte selbst Bush jr. deutlich besser.

Dabei ist die Ausgangslage für Obama ähnlich wie für Carter 1980. Er wird als liberal wahrgenommen, und die Wirtschaft sieht nicht rosig aus.

Aber 1980 war eben Reagan da, und 1992 war Clinton da, die beide den Titelverteidiger den Sand abgraben konnten. Das bringt Romney nicht fertig.

Er wird verlieren. Wenn er Pech hat, und Obama in den Debatten überzeugt, dann kann Romney sogar schlechter abschneiden als McCain 2008.
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Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. September 2012 - 22:23 Uhr:   

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Marc K.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. September 2012 - 23:23 Uhr:   

Ich denke das Ergebnis der Präsidentschaftswahl 2012 wird knapper sein als 2008. Dennoch hat Obema als Amtsinhaber die besseren Chancen. Die Verweigerung der Wiederwahl eines Amtsinhabers ist in den USA selten. In den letzten 76 Jahren gab es hierfür nur drei Fälle (Ford, Carter, Bush senior).
Obwohl die Bilanz von Obama im Vergleich zu den großen Erwartungen die er 2008 geweckt hat äußerst bescheiden ist, insbesondere die wirtschaftliche Lage in der USA nach wie vor schwierig ist und bleibt, dürfte es wahrscheinlich für ihn reichen. Romney gelingt es bisher nicht die Unzufriedenheit mit Washington auf seine Mühlen zu lenken. Die durchaus bestehenden Divergenzen innerhalb der Republikanischen Partei machen die Lage für ihn auch nicht einfacher.
Romney müsste stärker versuchen seine Stärken herauszustellen. Als erfolgreicher amerikanischer Unternehmer und Mitbegründer von Bain Capital hat er in den 80er- und 90er-Jahren an der Sanierung amerikanischer Unternehmen erfolgreich mitgewirkt. Diese gerieten immer wieder unter Druck ausländischer - insbesonderer japanischer aber auch europäischer Konkurrenz. Viele standen vor der Pleite. Durch Fusion von Firmen konnte die Wettbewerbsfähigkeit vieler Unternehmen überhaupt erst wiederhergestellt werden. Die USA konnten so ihre Wettbewerbsfähigkeit wieder stärken. Die ökonomischen Erfolge der USA in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre waren maßgeblich auch auf diesen Strukturwandel zurückzuführen. Statt bestehende - unwirtschaftliche - Strukturen zu bewahren, wirkte Romney als Unternehmer an der Umgestaltung aktiv mit.

Diese Erfahrung als erfolgreicher Sanierer bringt Romney auch in die Politik ein.

Er ist damit ein Kontrastprogramm zu Obama, der mit einer staatsinterventionistischen Politik - die an die insgesamt nicht sonderlich erfolgreiche französische Politiktradition erinnert - z.B. General Motors künstlich am Leben gehalten hat und durch deren Entschuldung diesem Unternehmen unfaire Wettbewerbsvorteil verschafft - zulasten der amerikanischen Steuerzahler. Auch die Erhöhung der Neuverschuldung von Obama bietet viel Angriffsfläche. Seine Sozialpolitik hat hierzu erheblich mit beigetragen.

Romney hätte sich wohl für die freie Marktwirtschaft ausgesprochen - so dass es durch den Markt selbst zu einer Bereinigung der - nach wie vor bestehenden - Überkapazitäten in der Automobilindustrie gekommen wäre.

Alles in allen hat Romney viele Stärken. Das es ihm so wenig gelingt diese auszuspielen lässt sich nur auf eine mangelhafte Wahlkampfkonzeption zurückzuführen. An sich hätte Romney das Potenzial Obama in Wirtschaftsfragen in die Defensive zu drängen.

Am Ende wird es wohl auf die Mobilisierung ankommen. Noch vor wenigen Wochen wäre mein Tipp gewesen, dass Romney das popular vote knapp gewinnt, aber Obama beim electoral vote knapp vorn liegt, da er den Norden und den Westen weitgehend gewinnen dürfte, insbesondere in den Staaten mit größeren Anteil der Automobilindustrie. Inzwischen halte ich es auch für wahrscheinlich, dass er das Popular vote gewinnen dürfte.
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Jan W.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. September 2012 - 23:39 Uhr:   

@Marc K.
Also, dass es knapper als 365:173 (Ergebnis von 2008) wird, ist jetzt eine sehr unscharfe Prognose. Obama hat ja noch 95 Wahlmännerstimmen Luft nach unten, um weiterhin Präsident zu bleiben ...
Das Problem ist ja nicht nur Romney(')s Kampagne, sondern auch persönlich hat er Probleme, zum Wähler durchzudringen. Das geleakte Video ist ja in vielerlei Hinsicht schockierend, seine eigene Steuerlast, die er auch noch nach oben geschönt hat, Massenentlassungen durch Bain Capital, der Abtreibungsvertrag seines Sohnes - oder eben jetzt sein Outing als wahrer Luftfahrtexperte. Das war wohl sein persönlicher Sarah-Palin-kann-von-ihren-Haus-bis-nach-Russland-sehen-Moment ...
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Marc K.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 27. September 2012 - 00:31 Uhr:   

@Jan W,


Das Problem ist ja nicht nur Romney(')s Kampagne, sondern auch persönlich hat er Probleme, zum Wähler durchzudringen. Das geleakte Video ist ja in vielerlei Hinsicht schockierend

Wieso? Das sich jemand im vertraulichen Rahmen etwas anders ausdrückt als in der Öffentlichkeit ist doch völlig normal. Und das nicht alle Wähler für Romney erreichbar sind, ist eine Binsenweisheit. Genauso wenige dürften mindestens 45% der Wähler für Obama erreichbar sein....


seine eigene Steuerlast

Wo soll da das Problem sein? Das er die rechtlich zulässigen Möglichkeiten genutzt hat um seine Steuerlast zu reduzieren? Das macht jeder vernünftige Bürger. Bemerkenswert ist allerdings, dass er noch nicht einmal sämtliche Spenden von der Steuer abgesetzt hat. Insofern hat Romney sogar zu viel Steuern gezahlt in bezug auf die geltende Rechtslage.

Massenentlassungen durch Bain Capital

Bain Capital hat marode Unternehmen saniert, die anderenfalls durch die Konkurrenz von ausländischen Wettbewerbern - insbesondere japanischen - in die Insolvenz gegangen wären. Wenn dies geschehen wäre, wären sämtliche Arbeitsplätze weggefallen. Durch Fusionen wurde eine nicht wettberwerbsähige Unternehmensstruktur neu geordnet und fit gemacht für den globalen Wettbewerb. Das hat Amerika nach vorne gebracht und mit zur Stärke der USA in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre beigetragen.

Alles weitere ist albern. Man kann z.B. sehr wohl die Frage stellen, warum es nicht möglich ist die Fenster zu öffnen. Solange das Flugzeug sich am Boden befindet stellt sich wirklich die Frage was dagegen spricht. Denn die Phase im Flugzeug vor dem wirklichen Start und nach der Landung im Flugzeug betrifft keine unerhebliche Zeitspanne.
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Marc K.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 27. September 2012 - 00:48 Uhr:   

Ingo Zachos,

So wie die SPD sich mit der Agenda 2010 abgeschossen hat, denn die Vorteile traten nie ein, die Nachteile sind aber gerade für ihre Stammwähler nun offenbar.

Das Deutschland seine internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessert hat, hat sehr viel mit der Agenda 2010 zu tun. Das die Arbeitslosigkeit in Deutschland so massiv zurückgegangen ist - anders als in anderen europäischen Ländern - hat sehr viel mit der Agenda 2010 zu tun. Das der deutsche Staat im Vergleich zu anderen als solide gilt und sich daher zu maximal niedrigen Zinssätzen an den Kapitalmärkten refinanzieren kann, hat sehr viel mit der Agenda 2010 und anderen Reformen im Sozialstaat (etwa der Rente mit 67) zu tun. Strukturell erscheint Deutschland deshalb weit besser aufgestellt als die meisten anderen europäischen Staaten - gerade auch mit Blick auf den demographischen Wandel. Doch muss noch mehr geschehen. Man wird nicht umhin können auch das Niveau der Beamtenpensionen langfristig zu reduzieren. Und an der beschlossenen Absenkung des Rentenniveaus führt ohnehin kein Weg vorbei. Eine Rolle rückwärts kann und wird es nicht geben.
Das größte Risiko für Deutschland ist die unbeschränkte Haftung für andere Eurostaaten, die sich notwendigen Reformmaßnahmen verweigern. Von daher wären auch Eurobonds der absolut falsche Weg, da man damit den Schuldenstaaten einen Blankoscheck ausstellen würde. Mit Vorschlägen zu Bankenstruktur Nebelkerzen zu zünden (deren Sinnhaftigkeit äußerst fraglich ist und die international ohnehin nicht durchsetzbar ist) erinntert doch sehr an den typischen SPD-Sozialpopulismus. 1998 wurde aus diesen Gründen eine sinnvolle Rentenreform zurückgenommen um eine andere 3 Jahre später wieder eingeführt. Nicht auszuschließen, dass dies bei einigen Wählern verfängt. Zur Lösung der Probleme trägt ein solcher Populismus jedoch nicht bei. Er führt nur zu einer Entfremdung zwischen Politik- und Wirtschaftseliten. Wozu das führt, sieht bzw. wird man in Frankreich sehen. Mit seiner wahnwitzigen Hochsteuerpolitik treibt Hollande Frankreich immer weiter Richtung Rezession und Niedergang. Denn immer mehr die Leistungsträger verlassen das Land.

Zurück zu den USA: Die Republikaner haben nun ein Konzept aufgestellt. Es ist ein klares Kontrastprogramm zu Obama. In den USA besteht die Auswahl zwischen klaren Alternativen, während in Deutschland alles in einem großkoalitionären Einheitsbrei aufgeht.
Ob dieses wettbewerbsorientierte Politikmodell nicht doch auf Dauer besser sein wird???
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tg
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 27. September 2012 - 08:21 Uhr:   

" Das war wohl sein persönlicher Sarah-Palin-kann-von-ihren-Haus-bis-nach-Russland-sehen-Moment ..."

Ich habe nie verstanden, was an dieser Aussage von Palin eigentlich problematisch gewesen sein soll.
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Ingo Zachos
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 28. September 2012 - 17:41 Uhr:   

Eine ganz andere Perspektive:

Romney ist klar der Kandidat mit dem steiferen Image.

Sein Problem ist, das selbst seine Witze ernst genommen werden, und das er als Sohn eines Milliardärs und Politikers, der damals Präsident werden wollte auch ein Milliardär und Politiker geworden ist, der Präsident werden will.

Romney ist zudem kein bisschen entspannt, nicht einmal wenn er einen Witz machen möchte.

Obama, Bush jr., Clinton und Reagan konnten aber alle witzig rüberkommen, was vor allem im Wahlkampf "am Boden" sehr viel Punkte bringt, und wenn man schon die Debatte verliert, kommt man wenigstens sympathisch rüber.

Allein Bush sr. fällt da aus der Rolle, aber er verlor auch, wie Carter, seine Wiederwahl nicht ohne Grund.


Ich denke, der Humor eines Kandidaten trägt sehr zu seinem Erfolg bei, vielleicht mehr als der politische Inhalt. Er könnte die rhetorische Schlüsselqualifikation sein.
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Ingo Zachos
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 28. September 2012 - 17:58 Uhr:   

@ tg:

Ganz einfach: Wenn man nach außenpolitischer Erfahrung abgeklopft wird, als Antwort zu geben, sie könne Russland von ihrem Haus aus sehen, dann klingt das eben nicht nach einer Empfehlung.


Zudem war es wohl humorvoll gemeint, und wäre es so gekommen, vielleicht mit anschließender Überleitung zu ihren Auslandsreisen, privat und politisch, dann hätte sie voll gepunktet.

Aber rüber kam der Satz als ernst, und er stimmt ja nicht einmal, denn von Wasilla aus sieht man, bei sehr guten Bedingungen, nicht einmal die Südküste Alaskas, aber bestimmt nicht bis nach Russland.
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tg
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 29. September 2012 - 09:29 Uhr:   

Diese Aussage stammte nicht von Sarah Palin, sondern von Tina Fey, einer Komödiantin, die auch als Palin-Double auftrat.

Die Aussage von Palin lautete: "They're our next-door neighbors, and you can actually see Russia from land here in Alaska, from an island in Alaska"
http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=JXL86v8NoGk
Und das ist absolut korrekt - Little Diomede Island. Und es ist eine durchaus sinnvolle Aussage, verpackt in einer Art Metapher: Natürlich müssen die Governeure von z.B. Kalifornien, Arizona und Alaska sich mehr mit internationaler Politik beschäftigen als die von z.B. Delaware, Iowa oder Kentucky. Eben weil ihre Staaten ans Ausland grenzen bzw. in Sichtweite des Auslands liegen.

Interessant ist im Zusammenhang mit all den immer wieder durchgekauten angeblichen oder wirklichen Fehlern und Peinlichkeiten republikanischer Politiker, daß entsprechende Momente demokratischer Politiker in den Medien kaum erwähnt werden. Zum Beispiel Obamas Reise durch 57 Bundesstaaten oder seine schlechten Manieren bei der Queen.

(Beitrag nachträglich am 29., September. 2012 von tg editiert)
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Jan W.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 29. September 2012 - 13:36 Uhr:   

@tg
Ich hab damals mitbekommen, dass die Tina-Fey-Imitation deshalb so erfolgreich war, weil sie sich häufig Wort für Wort an die Interviews gehalten hat ... aber das ist inzwischen schwer rekonstruierbar.
Trotzdem bleibt hier die Frage: ist das wirklich nur eine Metapher!? Oder ist es völlig irrelevant, ob zu Alaska irgendeine kaum besiedelte Insel gehört, von der aus man am Horizont bei sehr gutem Wetter manchmal ein paar Felsen sehen kann, die formal schon zu Russland gehören?
Gefragt war nach "insight into Russian action" (Einblicke in russisches Handeln) aufgrund der Lage Alaskas - und eine felsige Küste handelt nun mal nicht.
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Ingo Zachos
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 29. September 2012 - 14:02 Uhr:   

@ tg:

Wenn es Dir klar ist, warum es nicht überzeugt, warum fragst Du dann?? Als Antwort auf außenpolitische Erfahrung ist es eben allein nicht überzeugend, sondern eher komisch, egal wie sie es formuliert.

Die 57 Staaten gibt es tatsächlich, den mehr als 50 Staaten entsenden Delegierte zum Parteitag der Demokraten (und auch der Republikaner).

Vieles ist allerdings üble Nachrede (Staatsbürgerschaft, Moslem bei Obama oder behauptete mormonische Rituale bei Romney, um nur ein paar Beispiele zu nennen) oder Überzeichnet (Romneys 47 Prozent oder der Versuch, Obamas Rede in Berlin als Fehler dazustellen oder die Debatten um Steuererklärungen)

Solche Schlammschlachten sind aber in den USA üblich, und beeinflussen eher wenig Wähler. Mehr Einfluss hat die Fähigkeit des Kandidaten, bei Reden und öffentlichen Anlässen sich ansprechend zu verkaufen.



Hier ist Romney klar hinter Obama zurück, und deswegen verliert er den Wahlkampf am Boden und in den Medien, obwohl er sich gerade im Fernsehen, finde ich ganz gut hält. Fotogen ist er ja. Aber seine Reden und Wahlkampfauftritte zünden eben nicht. McCain war da in den Townhalls schon viel besser, aber damals war Obama noch voll glaubwürdig.

Jetzt hätte McCain gute Chancen, aber Romney eben nicht.

Ich denke, je länger der Wahlkampf am Boden noch anhält, wird Romney verlieren. In den Medien kommt er sogar recht gut weg, und Werbung kann er auch genug schalten.

Es wäre schon ganz gut, wenn er den Abstand in den Umfragen, den er jetzt hat, halten könnte. Eine Siegchance hat er nur noch bei einem echten Schnitzer Obamas oder einem handfesten Skandal.
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Björn
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 29. September 2012 - 14:21 Uhr:   

"Vieles ist allerdings üble Nachrede (Staatsbürgerschaft, Moslem bei Obama oder behauptete mormonische Rituale bei Romney, um nur ein paar Beispiele zu nennen) oder Überzeichnet (Romneys 47 Prozent oder der Versuch, Obamas Rede in Berlin als Fehler dazustellen oder die Debatten um Steuererklärungen)

Solche Schlammschlachten sind aber in den USA üblich, und beeinflussen eher wenig Wähler."

Das würde ich so nicht unterschreiben. Wenn Schlammschlachten eher geringen Einfluss hätten, würden diese Kandidaten dieses Mittel nicht nutzen, zumal es gerade einen gefährlichen Bumerang-Effekt haben kann. Gerade zu den 47% kam (gestern glaube ich) eine Analyse der Umfragen von 538, die Hinweise liefert, dass diese unelegante Rede sich nachhaltig negativ ausgewirkt hat auf seine Umfragewerte. Noch ist es sicherlich zu früh, aber es gab auf jeden Fall in der Vergangenheit solche Negativfaktoren, die den Wahlkampf bestimmt haben und den Kandidaten eine Niederlage beigebracht hat. Vor vier Jahren war sicherlich der Missgriff von McCain, Palin als running mate zu wählen, der entscheidende Fehler. Im Fall Bush vs Kerry war es sicherlich die swift boat-Kampagne, die Kerrys Niederlage vorbereitete. Die 47%-Äußerung hat definitiv das Potential, Romney nachhaltig zu beschädigen, zumal er schon zuvor eben mit jenen Attributen zu kämpfen hatte, die ihn als abgehoben vom Volk bezeichneten, daher hat diese Äußerung sicherlich noch einmal zusätzlich dieses Urteil, was viele von ihm haben, bestätigt.

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