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Archiv bis 06. Mai 2007

Wahlrecht.de Forum » Tagesgeschehen » Wahlen, Abstimmungen usw. im europäischen Ausland » Frankreich – Präsidentschaftswahlen » Archiv bis 06. Mai 2007 « Zurück Weiter »

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Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Montag, 23. April 2007 - 11:47 Uhr:   

> Damals stimmte auch eine nicht unerhebliche
> Minderheit der Le Pen-Wähler für Mitterand
> bzw. Jospin.
Für diese Wähler war Chirac auch nicht so attraktiv wie jetzt "Kärcher" Sarko.
Auf die 4% von Villiers/Nihous kann er sich ziemlich verlassen.

> 1995 hatten alle Linken zusammen 40,56% im 1. WG
> und Jospin 47,36% im 2. WG, ...
Dann geben wir mal analog eine 7%-Zuwachs aufs Royal-Ergebnis - und landen dann ziemlich genau bei der 40%-Schwelle, von der ich gesprochen habe ;-)

Schon klar, so einfach läßt sich das nicht rechnen. Denn:
> einen zentristischen Kandidaten gab es damals
> nicht.
Natürlich wird Royal von Bayrou-Wählern profitieren.

Man darf aber auch nicht übersehen, daß die Mobilisierung diesmal schon im ersten Wahlgang erheblich war. Royal hat diesmal deutlich früher ihre Battaillone zusammengekriegt, als das vor dem Schock von 2001 üblich war, wo die Linken sich erst einmal etwas Luxus in Form von Gesinnungsstimmen gegönnt haben, bevor sie dann diszipliniert "die Linke" gewählt haben.
Man muß doch mal sehen, daß die Kommunisten diesmal bei 2% gelandet sind - das ist schon krass.

M. E. hat Royal den üblichen motivierenden Anti-Rechts-Reflex schon weitgehend ausgeschöpft. Da sind nicht mehr die gewohnten Zuwächse drin.
Und wenn noch mehr "Protest-Jugendliche" im Fernsehen auftreten, die "Sarko verhindern" als Parole ausgeben, weil sonst "die Vorstädte brennen" - dann wird diese "Hilfe" eher schädlich für Royal.

Generell habe ich den Eindruck, daß Royal mit der Setzung eigener Themen ziemlich gescheitert ist. Am Ende mußte sich alleine auf den "Verhindern"-Reflex setzen, um wenigstens die Stichwahl zu erreichen. Und da wird das jetzt zur Belastung, weil die meisten Leute doch einen "Pro"-Präsidenten haben wollen, nicht nur etwas weghaben.
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Philipp Wälchli
Veröffentlicht am Montag, 23. April 2007 - 12:02 Uhr:   

Wenn man die Stimmen der beiden Stichwahlkandidaturen zusammenrechnet, dann bleiben allerdings noch fast ebensoviele Stimmen übrig, die neu verteilt werden müssen bzw. können. Damit liegt letztlich noch jede Entscheidung drin.
Wenn rein nach Blockzugehörigkeit gestimmt wird, dann ist wohl Sarkocy gewählt. Wenn dagegen andere Motive wichtiger werden, dann scheint mir dies nicht eben eindeutig.
Es fragt sich, wie weit ein Anti-Sarkocy-Effekt oder ein Jetzt-erst-recht-durchziehen-Effekt mitspielt. Auch die Frage könnte eine gewisse Bedeutung bekommen, wem die Mehrheit eher zutraut, über die politischen Lagergrenzen hinweg zu einen oder wenigstens zu vermitteln. Dabei dürfte wohl Royal einen gewissen Vorteil haben.
Aber letzten Endes wissen wir es erst dann genau, wenn das Endresultat der Stichwahl bekannt ist.

Zum französischen Wahlsystem ist übrigens anzumerken, dass das System der Präsidentenwahl nicht ganz dasselbe ist wie sonst in Frankreich üblich: In den zweiten Wahlgang kommen sonst nämlich alle Kandidaten, die einen bestimmten Anteil aller Stimmen in der ersten Wahlrunde erhalten haben. Das können dann schon mal auch drei sein (vier und mehr wird numerisch bereits schwierig, ist aber nicht unmöglich).
Beide Systeme, das sog. "romanische" und das System der klassischen Stichwahl, haben je ihre Vor- und Nachteile.
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Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Montag, 23. April 2007 - 12:14 Uhr:   

> Auch die Frage könnte eine gewisse Bedeutung
> bekommen, wem die Mehrheit eher zutraut, über
> die politischen Lagergrenzen hinweg zu einen
> oder wenigstens zu vermitteln.
Diesen Aspekt halte ich für sehr wichtig.
Vor allem die Masse der Bayrou-Wähler wird darauf achten (die Ränder links und rechts sortieren sich dagegen halbwegs automatisch).

> Dabei dürfte wohl Royal einen gewissen Vorteil
> haben.
Das sehe ich umgekehrt.
Grundsätzlich ist Sarkozy zwar in der Tat der polarisierendere Typ, und Royal eher so die Rolle von "Friede-Freude-Eierkuchen".
Aber sie hat jetzt einige Zeit einen dezidierten Anti-Wahlkampf geführt. Diese Zuspitzung hat ihre Kampagne erst einmal in die Stichwahl gerettet - ist jetzt aber ganz zentrales Hindernis, um nun "Präsidentin aller Franzosen" zu spielen.
M. E. ist sie taktisch in der Sackgasse, sie wird in der kurzen Zeit bis zur Stichwahl keinen so gründlichen Kurs- und Imagewechsel mehr hinbekommen.
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Thomas Frings
Veröffentlicht am Montag, 23. April 2007 - 12:55 Uhr:   

"In den zweiten Wahlgang kommen sonst nämlich alle Kandidaten, die einen bestimmten Anteil aller Stimmen in der ersten Wahlrunde erhalten haben. Das können dann schon mal auch drei sein (vier und mehr wird numerisch bereits schwierig, ist aber nicht unmöglich)."

Ja, das könnte bei der Parlamentswahl interessant werden. Die UDF will diesmal nämlich eigenständig und nicht mehr im Bündnis mit der UMP antreten. Die UDF könnte in vielen Wahlkreisen 12,5% der Wahlberechtigten hinter sich bringen und damit für eine größere Anzahl an Dreierrennen im 2. Wahlgang sorgen. Da die Entscheidung in vielen Wahlkreisen üblicherweise recht knapp ausfällt, könnte das die Wahl schon wesentlich beeinflussen. Höchstwahrscheinlich wird die Partei des künftigen Präsidenten aber auch die Parlamentswahl gewinnen.
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PNK (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Montag, 23. April 2007 - 15:35 Uhr:   

Ich denke Bayrou konnte nur so viele Stimmen gewinnen, weil viele eher konservative Wähler mit Sarkozy unzufrieden sind. Dass er die jetzt im 2.Wahlgang einfach einzusammeln braucht, halte ich darum für falsch. Anders ist es natürlich mit Le Pen- Wähler, mind. 8%-Punkte hat Sarkozy mit denen Zuwachs. Ebenso die Linken für Royal, womit es dann 40:35 steht. Der Rest wird interessant. Sarkozy braucht dringend die Bayrou-Stimmen, sicher sind sie ihm lange nicht!
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Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Montag, 23. April 2007 - 17:16 Uhr:   

@PNK:
> Ich denke Bayrou konnte nur so viele Stimmen
> gewinnen, weil viele eher konservative Wähler
> mit Sarkozy unzufrieden sind.
Wenn man "konservativ" jetzt wörtlich nimmt - da werden m. E. wenige mit Sarkozy unzufrieden sein.
Die Bayrou-Wähler sind wohl eher "bürgerlich", "liberal", "christdemokratisch" - es ist nicht so ganz einfach, da Label für zu finden.
Auf jeden Fall werden viele von denen beim "kleineren Übel" zu Sarkozy gehen, das entspricht halt den klassischen Bündnisstrukturen von UDF und anderen.

> Dass er die jetzt im 2.Wahlgang einfach
> einzusammeln braucht, ...
Wäre in der Tat falsch, aber es reicht ihm schon, bei den Bayrou-Wählern ordentlich dabei zu sein. Das wird ihm wohl gelingen.

> womit es dann 40:35 steht.
Da fehlen noch die 4% der Villiers/Nihous-Wähler.

Und dann braucht Sarkozy gar nicht mehr so viel von Bayrou - und hat schon gewonnen.


So mal eine allgemeine Anmerkung: Wegen meiner grundsätzlichen Skepsis gegenüber Umfragen bin ich meistens sehr zurückhaltend mit Wahlprognosen - wer in diesem Forum länger mitliest wird das vielleicht gemerkt haben.
Vor dem ersten Wahlgang habe ich mich auch zurückgehalten.

Aber so deutlich wie der ausgegangen ist halte ich den Ausgang der Stichwahl für ungewöhnlich sicher.
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PNK (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Dienstag, 24. April 2007 - 00:22 Uhr:   

"Auf jeden Fall werden viele von denen beim "kleineren Übel" zu Sarkozy gehen, das entspricht halt den klassischen Bündnisstrukturen von UDF und anderen."
Wer kann schon in einen Menschen hinein schauen, jedenfalls haben diese sich vorgestern bewusst gegen Sarkozy entschieden. Alles kommt auf die Wahlempfehlung am Mittwoch an, ist sie nicht eindeutig für S., kämpft das linke Lager bis zum Umfallen und es wird zumindet spannend.
(Jedenfalls nicht 60:40)
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Martin Fehndrich
Veröffentlicht am Samstag, 28. April 2007 - 22:15 Uhr:   

@Andreas Hahn
Das Beispiel soll nur Schwächen des Stichwahl-Wahlsystems darlegen, insb den Anreiz in der Hauptwahl einen in der Stichwahl Chancenlosen zu wählen.

Als Alternativen bieten sich die ganzen Präferenzwahlsysteme an.
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Bernhard Nowak (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Sonntag, 29. April 2007 - 11:27 Uhr:   

28. April 2007 16:31 Uhr
Bayrou unterstützt Royal nur indirekt


Paris - Im Werben um die Wähler der Mitte hat die sozialistische Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal bei einem TV-Duell mit dem Zentrumspolitiker François Bayrou auf Übereinstimmungen in den Wahlprogrammen hingewiesen. Bayrou, der bei der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl am vergangenen Wochenende als Drittplatzierter ausgeschieden war, unterstützte die Sozialistin zwar indirekt gegen ihren Konkurrenten Nicolas Sarkozy. Er betonte aber zugleich die Unabhängigkeit seiner Partei und kritisierte vor allem Royals Wirtschaftsprogramm.

Man könne die Probleme Frankreichs nicht lösen, indem man Geld verteile, das man nicht habe, sagte Bayrou am Samstag. «Das hat noch nie funktioniert.» Der Zentrumspolitiker hatte am 22. April 6,8 Millionen Stimmen erhalten. Wer bei der Stichwahl am 6. Mai diese Wähler abfangen kann, hat gute Aussichten auf die Nachfolge von Jacques Chirac im höchsten Staatsamt. Ein Fernsehduell zwischen Royal und dem konservativen Kandidaten Sarkozy findet am 2. Mai statt.

Laut einer am Samstag veröffentlichten Umfrage könnte Sarkozy in der Stichwahl auf 52,5 Prozent der Stimmen kommen, auf Royal würden demnach 47,5 Prozent entfallen. Für die Ipsos-Erhebung wurden 1.255 Franzosen befragt. Eine Fehlerquote wurde nicht angegeben.
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Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Donnerstag, 03. Mai 2007 - 11:47 Uhr:   

Neue Umfragen zeigen weiterhin einen Vorsprung für Sarkozy:
http://tempsreel.nouvelobs.com/speciales/politique/elysee_2007/20070424.OBS3740/les_derniers_sondages.html

Interessant sind hier die Angaben über das Verhalten von Anhängern der ausgeschiedenen Kandidaten.

Die Bayrou-Wähler teilen sich ziemlich gleichmäßig auf Royal und Sarkozy auf.

Offenbar als Folge der Annäherung an Bayrou verliert Royal aber bei den Linksextremen - da wollen "nur" noch 64% zu ihr umschwenken.
Das ist zwar etwas mehr als die 57%, die Sarkozy bei den Le Pen-Wählern macht - in absoluten Stimmen dagegen ist der Unterschied marginal.

Bemerkenswert ist das auch, weil die extrem-linken Kandidaten alle sehr eindeutig für die Wahl Royals aufgerufen haben, während umgekehrt Le Pen seine Anhänger zur Wahlenthaltung aufgerufen hat - das hat wohl nicht funktioniert.

Die absoluten Zahlen sind natürlich bei so Umfrageprognosen wie immer unzuverlässig.

Aber sie zeigen m. E. das schon nach dem ersten Wahlgang sichtbare Problem Royals: Sie hat ihre Wählerbasis schon damals ziemlich mobilisiert. Jede Positionsveränderung zwischen Links und Mitte kostet sie fast ähnlich viele Wähler wie es bringt.

Sarkozy geht mit 6% Vorsprung in den Endspurt, und es ist nichts sichtbar, mit dem Royal das ausgleichen könnte.

Die Umfrageergebnisse beziehen das Fernsehduell noch nicht ein - aber das scheint ja auch unentschieden ausgegangen zu sein.
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Che (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Donnerstag, 03. Mai 2007 - 14:33 Uhr:   

Segolenes Hoffnung:
Umkehrung des Ergebnisses!

Gab es schon dreimal:
1974: Giscard überholte Mitterrand.
1981: Genau umgekehrt.
1995: Chirac überholte Jospin.

Ein "Swing" im zweiten Wahlgang wäre also keine Novität!
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Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Donnerstag, 03. Mai 2007 - 15:30 Uhr:   

@Che:
> 1974: Giscard überholte Mitterrand.
Weil er die 15% von Chaban-Delmas zu sich rüberziehen konnte.

> 1981: Genau umgekehrt.
Weil Mitterand von Marchais et al. mehr Reserven bekommen konnte als Giscard von Chirac.

> 1995: Chirac überholte Jospin.
Das war die einzige wirklich überraschende Wahl - da war Jospins Lager im ersten Wahlgang insgesamt stärker, hat dann über die fehlende Mobilisierung verloren.

> Ein "Swing" im zweiten Wahlgang wäre also
> keine Novität!
In dem für Royal nötigen Ausmaß schon.

Die bisherigen Swing-Beispiele sind nicht wirklich vergleichbar. Da gab es links wie rechts weitere starke Kandidaten, die Finalisten kamen mit recht schwachen Ergebnissen in die Stichwahl - entscheidend war am Ende die Lagerbildung.

Diesmal haben die beiden Stichwahl-Gegner schon ziemlich viel mobilisiert, ihr Lager weitgehend auf sich gezogen - an den Rändern gibt es nicht mehr so viel zu holen.
Bleibt nur die Mitte zu verteilen - und da gibt es keine so klare Präferenz, daß der deutliche Sarkozy-Vorsprung leicht zu gefährden wäre.

Dazu kommt die schon überraschend hohe Wahlbeteiligung im ersten Wahlgang, da ist für den zweiten auch kein Überraschungspotential mehr von den Nichtwählern zu erwarten.
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Thomas Frings
Veröffentlicht am Donnerstag, 03. Mai 2007 - 19:59 Uhr:   

"Offenbar als Folge der Annäherung an Bayrou verliert Royal aber bei den Linksextremen - da wollen "nur" noch 64% zu ihr umschwenken."

Solche Aussagen sind gewagt. Bei 1000 Befragten müßte es ca. 150 Bayrou- und 75 linksextreme Wähler geben, wovon nicht alle antworten. Eine sehr kleine Stichprobe.

Dennoch hat Sarkozy natürlich klar die besseren Karten. Royal müßte schon über 60% der Bayrou-Wähler, fast alle Wähler der extremen Linken und Grünen und eine nennenswerte Minderheit der Le Pen-Wähler für sich gewinnen, um gewinnen zu können. Das ist ziemlich unwahrscheinlich. Daß Le Pens Wähler massenhaft zu Hause bleiben, ist auch nicht zu erwarten.

@Che
Ralf kann ich nur zustimmen. Mitterand lag 1974 auch nur deshalb vorne im 1. WG, weil er (wie 1965) linker Sammelkandidat war. 1981 stellten PCF und MRG eigene Bewerber auf.
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PNK (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Freitag, 04. Mai 2007 - 12:41 Uhr:   

Ich hätte eine Frage an die frankophilen unter uns: man hörte ja im Februar/März, dass sich Royal doch den einen oder anderen Patzer geleistet hat, diese aber in der heißen Phase des Wahlkampfes nicht mehr auftraten. Verfolgt einer von euch die französische Presse derart gut, dass er/sie sagen kann, inwiefern sich das staats"männische" Ansehen von Royal seit März wieder erholt hat. Oder anders: ist sie in den letzten 10 Tagen wählbarer geworden? Könnte es eventuell Sarkozy-Wähler geben, die sich jetzt, da Royal sicher noch mehr in den Medien ist als vor 3 Wochen, vorstellen könnten, sie diesmal zu wählen?
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Bernhard Nowak (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Freitag, 04. Mai 2007 - 12:49 Uhr:   

Nicolas Sarkozy klarer Favorit: Aber Francois Bayrou wählt ihn nicht





Paris - In drei seit dem gestrigen Donnerstag publizierten Meinungsumfragen wird Sarkozy jeweils als Favorit für die zweite Runde der Präsidentschaftswahl gehandelt. Laut den Umfragen geht er damit indirekt als Sieger aus dem TV-Duells vom letzten Mittwoch hervor. Der als Königsmacher gehandelte Zentristen-Kandidat François Bayrou (UDF) erklärte jedoch, er werde nicht für Sarkozy stimmen.

Am heutigen Freitag um Mitternacht wird der Wahlkampf offiziell zu Ende gehen. Ségolène Royal wird bis zuletzt in Brest (Bretagne) kämpfen, während Nicolas Sarkozy in dem kleinen Wintersportort Petit-Bornand (Haute-Savoie) vor seinen Anhängern dem Wahlkampfendspurt entgegentritt.

Während der Wahlkampf zu Ende geht, werden die Prognosen immer deutlicher, und handeln immer deutlicher Sarkozy (UMP) als möglichen Anwärter auf den Einzug in den Elysée-Palast. Drei Meinungsforschungsinstitute geben ähnliche Werte und eine ähnliche Entwicklung zu Gunsten von Nicolas Sarkozy an.

TNS-Sofres hat heute seine für RTL, LCI und Le Figaro eingebrachten Zahlen veröffentlicht: 54,5 % für Nicolas Sarkozy (+2, 5 Punkte) und 45,5% für Ségolène Royal (-2,5%). Auch

Ipsos/Dell sieht Sarkozy mit 54% vor Royal mit 46%, was für Konservativen einen Zuschlag von +0,5 Prozentpunkten bedeutet.

Eine dritte Umfrage von CSA-Cisco für Le Parisien/i-Télé wurde schon am gestrigen Donnerstag bekanntgegeben, und erfasste die Stimmung direkt nach dem TV-Duell am Mittwochabend: 53% für Sarkozy mit einem Gewinn von einem Prozentpunkt, und 47% (-1%) für Royal.

Der Schlüssel dieser Entwicklung könnte nicht nur im Eindruck der TV-Debatte, sondern auch im Wählerverhalten der UDF-Wähler liegen. Ipsos machte darauf aufmerksam, dass seit Montag die Entwicklung zurückgegangen sei, nach der die UDF-Wähler mehrheitlich zur Sozialistin Royal tendierten.

Die Wähler von François Bayrou in der ersten Runde seien so gespalten wie nie: 34% für Sarkozy, 34% für Royal, und 32% gaben an, sich zu enthalten ohne keine Angabe machen zu wollen.

"Ich werde nicht für Sarkozy stimmen"

François Bayrou selbst hatte unmittelbar nach der Debatte keinen Kommentar abgeben wollen. Er sagte nur: „Sie hat sich relativ gut geschlagen“. Am Mittwochabend gab er dann vor Journalisten von Le Monde endlich ein endgültiges Statement ab: „Ich werde nicht für Sarkozy wählen“. Seiner Ansicht nach „riskiert Sarkozy, die sozialen Spannungen zu verschärfen.“

Dies ist eine eindeutige Aussage, die aber konkretisiert, was Bayrou bereits mehrfach angedeutet hatte. Schon am 25. April, nach der ersten Wahlrunde, hatte er gesagt: „Ich weiß noch nicht, für wen ich wählen werde, aber ich fange an zu wissen, für wen ich nicht wählen werde.“ Ob er selbst für Ségolène Royal wählen wird, hat er allerdings immer noch nicht verlauten lassen.

Viele seiner Anhänger sind allerdings entschieden. So Anne –Marie Comparini, Abgeordnete des Departement Rhone. „Die Debatte hat in mit den Eindruck bestärkt, dass wir eine dritte Kraft brauchen.“ Sagte sie, und begründete damit ihre Entscheidung, vom „vote blanc“, einer aktiven Enthaltung Gebrauch zu machen. Die Partei UDF sei kein Fähnchen im Wind, so die Abgeordnete.

Bayrou selbst ist aber mit seiner Anti-Sarkozy-Haltung zunehmend isolierter, ein Großteil der UDF-Mitglieder ist zu dem UMP-Kandidaten übergelaufen. Es scheint nicht, als könnte seine Erklärung, nicht für Nicolas Sarkozy zu stimmen, UDF-intern noch viel bewirken. (sl)


veröffentlicht am: 04.05.2007
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Bernhard Nowak (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Freitag, 04. Mai 2007 - 19:25 Uhr:   

05.05.2007)
Royal ruft zur Revolte auf Kandidatin stemmt sich gegen schlechte Umfragen
Von Hans-Hagen Bremer, Paris



Zwei Tage vor der entscheidenden zweiten Runde der Präsidentenwahl in Frankreich hat sich der Abstand zwischen Nicolas Sarkozy und Ségolène Royal weiter vergrößert. Nach den von den drei Umfrageinstituten CSA, Ipsos und TNS-Sofres am Freitag veröffentlichten Erhebungen kann der Kandidat der konservativen Regierungspartei UMP am Sonntag mit 53 bis 54,5 Prozent der beabsichtigten Stimmabgaben rechnen. Der Vorsprung gegenüber der sozialistischen Konkurrentin, den Sarkozy bis auf eine Ausnahme in allen Befragungen seit Januar hielt, ist damit gegenüber den vor einer Woche veröffentlichten Umfragen dieser Institute um 0,5 bis 2,5 Prozentpunkte gewachsen.

„Nach unseren Erhebungen haben sich 90 Prozent der Wähler entschieden, wie sie am Sonntag stimmen werden“, sagte Brice Teinturier, der stellvertretende Direktor des Meinungsforschungsinstitutes TNS-Sofres in Paris. Das Verhalten der noch unentschlossenen Wähler würde damit am voraussichtlichen Ergebnis nichts mehr ändern.

Als entscheidenden Grund für die Verstärkung dieses für Sarkozy günstigen Trends führte Teinturier einen Stimmungswandel der Wähler des Zentrums-Kandidaten François Bayrou an, der in der ersten Runde mit 18,3 Prozent als Drittplatzierter ausgeschieden war. Von dessen 6,8 Millionen Wählern, um die sich sowohl Royal als auch Sarkozy bemühten, hängt im Wesentlichen der Ausgang der Präsidentenwahl ab. „Erhebungen unmittelbar nach der ersten Runde zeigten bei diesen Wählern einen klaren Vorsprung Royals gegenüber Sarkozy“, berichtete Teinturier. Dieser Vorsprung habe sich aber in den vergangenen Tagen zum Vorteil des UMP-Kandidaten Sarkozy umgekehrt. 40 Prozent der Bayrou-Wähler wollen nach Angaben seines Instituts am Sonntag für Sarkozy stimmen, 35 für Royal, 25 wollen sich der Stimme enthalten. Das Ergebnis deckt sich mit den Erhebungen der anderen Institute. „Die Dynamik der beabsichtigten Stimmenübertrag von Bayrou auf Royal ist in sich zusammengefallen“, erklärte Teinturier.

An dem Trend hat auch die TV-Debatte vom Mittwochabend zwischen Sarkozy und Royal nichts geändert. „Das war auch nicht zu erwarten gewesen“, sagte Teinturier. „Das Duell endete nicht unentschieden, sondern mit einem klaren Vorteil für Sarkozy“, erklärte der Meinungsforscher. 55 Prozent der Zuschauer fanden nach einer TNS-Sofres-Umfrage vom Donnerstag Sarkozy überzeugend, nur 32 Prozent Royal. Bei der Frage nach der Sachkenntnis schnitt Sarkozy ebenfalls mit 55 Prozent gegenüber 22 Prozent für Royal besser ab.

Royal versuchte unterdessen, sich gegen die von den Instituten prognostizierte Niederlage zu stemmen. In einem Rundfunkinterview forderte sie die Wähler am Freitag zur „Revolte“ gegen die Umfragen auf. In einer Kundgebung am Vorabend in Lille hatte sie ihren Zuhörern zugerufen: „Wagen Sie es, wagen Sie es!“ Zur gleichen Zeit gab sich Sarkozy schon siegesgewiss. „Während dieser ganzen Kampagne hat mich Frankreich nicht verlassen“, sagte er in einer Versammlung in Montpellier.
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Bernhard Nowak (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Samstag, 05. Mai 2007 - 09:35 Uhr:   

Royal beschloss Wahlkampf mit scharfen Angriffen auf Sarkozy
Ex-Innenminister schüre "Angst und Vergeltung" - Letzte Umfragen sehen Sarkozy mit 55 Prozent vorn, Royal liegt bei 45 Prozent
Paris - Kurz vor der Stichwahl um die französische Präsidenschaft hat die sozialistische Kandidatin Segolene Royal ihren Rivalen Nicolas Sarkozy noch einmal scharf angegriffen. Sie warf dem konservativen Ex-Innenminister am Freitagabend vor, "Angst und Vergeltung zu schüren" und die "dunkle Seite der menschlichen Natur anzustacheln".

Bei einem Wahlkampfauftritt in Brest sicherte sie den Franzosen zu, im Falle ihres Sieges "eine schützende Präsidentin" sein zu wollen. "Ich werde mich gut um Euch kümmern", sagte sie vor einer Menge von ungefähr 15.000 Menschen.

Sarkozy wies bei einer Rede in Glieres im Departement Haute-Savoie die Attacken Royals zurück. Seine politische Gegnerin sei offenbar von den Umfragewerten getrieben, die sie hinten sähen. Royal spüre "wie der Boden unter ihren Füßen weggleitet."

Amtsantritt 17. Mai um null Uhr

In einem Interview mit der Tageszeitung "Le Parisien" sagte Sarkozy, er wolle sein Amt am 17. Mai um null Uhr antreten, sollte er die Stichwahl um das Präsidentschaftsamt am Wochenende gewinnen. An diesem Tag läuft das Mandat von Amtsinhaber Jacques Chirac ab. Bei zwei früheren Wahlen hatte der Wahlsieger bereits zwei oder drei Tage vor Ablauf des Mandats seines Vorgängers das Amt angetreten, Sarkozy schloss das hiermit aus.

"Le Parisien" veröffentlichte das Gespräch mit Sarkozy am Freitagabend auf seiner Internetseite. Nach einer Beschwerde der Wahlkampfleitung Royals verzichtete das Blatt aber darauf, das Interview in der Samstagausgabe abzudrucken. Die Royal-Berater hatten darauf hingewiesen, dass ab Mitternacht von Freitag zu Samstag der Wahlkampf eingestellt sei, was auch für Medienveröffentlichungen gelte.

Umfragen: Sarkozy 55 Prozent - Royal 45 Prozent

Nicolas Sarkozy liegt Umfragen vom Freitag zufolge weit vor seiner sozialistischen Konkurrentin Segolene Royal. 55 Prozent der Wähler würden demnach am Sonntag für den früheren Innenminister stimmen, 45 Prozent für Royal, wie die Befragung von 807 Wählern durch das Institut BVA ergab. Sarkozy legte damit gegenüber der letzten BVA-Umfrage vom Montag um drei Prozentpunkte zu, Royal verlor drei Prozentpunkte.

Eine Umfrage des Instituts IPSOS kam zum selben Ergebnis wie BVA. Die Umfragen wurden kurz vor Mitternacht publik gemacht, nach diesem Zeitpunkt dürfen in Frankreich keine neuen Umfragen mehr veröffentlicht werden.

Laut BVA glauben 51 Prozent der Franzosen, dass Sarkozy bei der TV-Debatte der beiden Kandidaten am Mittwochabend überzeugender wirkte als Royal. 29 Prozent der Befragten sahen hingegen die sozialistische Kandidatin vorne. Neun Prozent bewerteten das Fernseh-Duell unentschieden. (APA/Red)
05. Mai 2007
08:40
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Bernhard Nowak (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Samstag, 05. Mai 2007 - 14:49 Uhr:   

Sarkozy klarer Favorit in Frankreich
05. Mai 14:00



Sarkozy klarer Favorit
Foto: dpa

Der konservative Präsidentschaftskandidat Sarkozy geht mit einem satten Vorsprung in die Stichwahl am Sonntag. Die Sozialistin Royal forderte die Wähler auf, die Umfragen Lügen zu strafen».

Der Kandidat der Konservativen, Nicolas Sarkozy, geht an diesem Sonntag bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Frankreich als klarer Favorit ins Rennen. Letzte Umfragen von sechs Meinungsforschungsinstituten gingen alle davon aus, dass der 52- jährige Chef der Regierungspartei UMP einen deutlichen Sieg über die Sozialistin Ségolène Royal (53) erringen wird. Der frühere Innenminister Sarkozy kam in den Befragungen auf bis zu 55 Prozent.
Mehr in der Netzeitung:
Sarkozy nach TV-Duell weiter in Führung

03. Mai 17:46
Presseschau: Royal trat Sarkozy vors Schienbein

03. Mai 2007 10:26
Sarkozy und Royal liefern sich hartes TV-Duell

02. Mai 19:43, ergänzt 03. Mai 07:58
Chirac verhindert Razzia in Elysée-Palast

02. Mai 2007 18:29

Royal, die dagegen nur noch 45 Prozent erreichte, kämpfte dennoch bis zuletzt um die Millionen Wähler der Mitte des Zentrumspolitikers François Bayrou. Am Freitag, dem letzten Wahlkampftag, hatte sie den Ton gegen die «Gefahr» Sarkozy noch verschärft und die Franzosen aufgefordert, «die Umfragen Lügen zu strafen». Nach dem TV-Duell am Mittwoch, bei dem sie ihren Rivalen vergeblich aus der Reserve zu locken versuchte, waren Royals Umfrageergebnisse weiter gefallen. Am Wahlwochenende durften keine Umfragen mehr veröffentlicht werden.

In Übersee begann die Präsidentenwahl bereits am Samstag. Den Anfang machten von 1200 Uhr MESZ an die Wähler der Inselgruppe Saint- Pierre et Miquelon südlich von Neufundland. Es folgten die Wahlberechtigten in Überseegebieten und -départements wie Martinique, Guadeloupe, Martinique und Französisch-Guayana. Die Neuregelung gilt für etwa eine Million Wahlberechtigte. Wegen der Zeitverschiebung wurde früher noch in Übersee gewählt, während der Sieger feststand. Zwei Wochen nach der ersten Runde sind am Sonntag dann die weiteren mehr als 43 Millionen französischen Wähler aufgerufen, im zweiten Wahlgang einen Nachfolger für Jacques Chirac zu bestimmen.

Gewählt wird für fünf Jahre der sechste französische Staatschef seit der Gründung der Fünften Republik 1958. Die ersten offiziellen Hochrechnungen werden am Sonntag um 20:00 Uhr veröffentlicht. Die etwa 65.000 Wahllokale schließen überwiegend um 18:00 oder 19:00 Uhr, vor allem in großen Städten jedoch erst um 2000 Uhr. Das erlaubt frühe Hochrechnungen, die in Frankreich allerdings erst bekannt gegeben werden dürfen, wenn sämtliche Wahllokale geschlossen worden sind. (dpa)
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Bernhard Nowak (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Sonntag, 06. Mai 2007 - 17:50 Uhr:   

Spiegel Online Eilmeldung:

FRANKREICH
Sarkozys Sieg zeichnet sich ab
Belgischen Medien zufolge hat der konservative Kandidat Nicolas Sarkozy die Präsidentschaftswahlen in Frankreich gewonnen. Die Sozialistin Ségolène Royal erhielt demnach weniger Stimmen als erwartet.

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Paris - Die meisten Wahllokale in Frankreich schließen um 18 Uhr. Doch in den Großstädten können die Wähler noch bis 20 Uhr ihre Stimme abgeben. Deshalb dürfen in Frankreich noch keine Hochrechnungen veröffentlicht werden. Im Nachbarland Belgien dagegen schon - und die sehen den UMP-Kandidaten Nicolas Sarkozy mit 53 bis 54 Prozent vorn. Seine sozialistische Konkurrentin Ségolène Royal erreichte demnach zwischen 46 und 47 Prozent der Stimmen.

In den vergangenen zwei Wahlkampfwochen hatten beide Kandidaten darum gerungen, die rund sieben Millionen Wähler des zentristischen Kandidaten Francois Bayrou für sich zu gewinnen.


Frankreich: Run auf die Wahllokale
Fotostrecke starten: Klicken Sie auf ein Bild (9 Bilder)



Den ganzen Tag über zeichnete sich ein hohes Interesse der Franzosen für die Wahl ab. Die Beteiligung lag bis 17 Uhr mit 75 Prozent schon deutlich über den vergangenen Wahlen. Etwa eine Million Franzosen waren bereits gestern in Überseegebieten wie Französisch-Guyana, Martinique und Guadeloupe zur Wahl aufgerufen. Am ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatten sich 85 Prozent der Franzosen beteiligt.


LIVE-VIDEO
AFPDer Wahlabend
Ergebnisse, Reaktionen und Analysen zum zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahl in Frankreich im Live- Videostream, heute um 19.45 Uhr und um 22.45 Uhr. Eine Kooperation von SPIEGEL ONLINE und Arte Sarkozys Anhänger feiern auf dem Place de la Concorde im Zentrum der Hauptstadt Paris.

In den sozialen Brennpunkten hält die Polizei Ausschreitungen für möglich. Tausende Beamte wurden vorsorglich mobilisiert. Im Großraum Paris sollen 3000 Polizisten und Gendarmen Randalierer auf dem Weg ins Zentrum schon auf den Bahnhöfen abfangen.

ler
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Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Sonntag, 06. Mai 2007 - 18:09 Uhr:   

Läuft offenbar so, wie es zu erwarten war.

Und die Meldungen den ganzen Tag über, daß in den Banlieues schon Ausschreitungen angekündigt wurden für den Fall, daß Sarkozy gewählt wird, dürften ihm noch einmal ordentlich Wähler gebracht haben.

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