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Archiv bis 05. September 2010

Wahlrecht.de Forum » Tagesgeschehen » Landtagswahlen in Deutschland » Landtagswahl in Schleswig-Holstein » Archiv bis 05. September 2010 « Zurück Weiter »

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Republikaner
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Samstag, 04. September 2010 - 16:12 Uhr:   

"Ich denke, es wird ohne völlige Abschaffung der Direktmandate keine proportionale Vertretung geben können.
[...]
Konsequent wäre also im Sinne der Sache die Abschafung der Direktmandate."

Das wäre dann konsequent, wenn eine exakt proportionale Mandatsverteilung das einzige Ziel unseres Wahlsystems wäre.

Das ist aber (glücklicherweise) nicht der Fall.
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Marc K.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 04. September 2010 - 22:31 Uhr:   

Wilko Zicht weißt in seinem Artikel zurecht darauf hin das ein Einstimmenwahlrecht nicht notwendig die Zahl der Überhangmandate verringert. Im Gegenteil kann es sie sogar erhöhen.

http://www.wahlrecht.de/news/2010/11.htm

Ein Einstimmenwahlrecht erscheint im Hinblick auf das Ziel der Reduzierung von Überhangmandaten nicht zielführend. Bei einem Zwei-Stimmenwahlrecht gibt es Stimmensplitting innerhalb der "politischen Lager", also etwa zwischen Grünen und SPD bzw. FDP und CDU. Fehlt die Erststimme für den Wahlkreis weg so wird die SPD keine Splittingstimmen von Grünen-Wählern mehr bekommen wie bisher. Das gilt zwar auch für die CDU im Verhältnis zur FDP. Es wirkt sich aufgrund des zu erwartenden höheren Wähleranteils der Grünen jedoch stärker zulasten der SPD auswirken. Die Chancen der SPD mehr Wahlkreise zu gewinnen sinkt von daher im Vergleich zu einem Zweistimmenwahlsytem. Damit wird die Wahrscheinlichkeit von Überhangmandaten für die CDU höher und nicht geringer.

Ich denke nicht das der Landtag in Schleswig-Holstein grundlegende Strukturänderungen im Wahlrecht beschließen wird. M.E. nach wird es am Ende bei einem Zweitstimmensystem bleiben aber die Zahl der Wahlkreise reduziert werden. Bei einer Reduzierung der Wahlkreise auf 35 wird jedenfalls die Zahl der denkbaren Überhangmandate reduziert. Das gilt erst recht bei Zugrundelegung der gegenwärtigen politischen Verhältnisse.

Das Problem wird dadurch reduziert aber nicht wirklich gelöst. Das grundlegende Problem liegt letztlich in den kaum vereinbaren Verfassungsvorgaben zum Wahlsystem, die einerseits die Persönlichkeitswahl und Verhältniswahl festschreibt und dabei Überhang- und Ausgleichsmandate vorsieht, andererseits aber eine feste Sitzzahl vorgibt, die daher nur geringfügig überschritten werden darf.
Auf mittlere Sicht wird man daher nicht darum herumkommen über eine Verfassungsänderung nachzudenken.
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Ratinger Linke
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Samstag, 04. September 2010 - 23:43 Uhr:   

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Martin Fehndrich
Moderator
Veröffentlicht am Samstag, 04. September 2010 - 23:48 Uhr:   

Ich glaube die "Extreme" sollte man nicht auf die paar letzten Wahlergebnisse beschränken. Das derzeitige Wahlsystem wurde darauf ausgelegt, daß zwei Parteien sich die Stimmen und Wahlkreise mehr oder weniger aufteilen, nicht daß eine mittelgroße Partei praktisch alle Wahlkreise gewinnt. Man sollte also bei der Suche nach einem neuen Wahlrecht durchaus auch die Situation mit einer 20%-Partei, die fast alle Wahlkreise gewinnt, mitberücksichtigen.

Ein Einstimmensystem verhindert vor allem Extremsplitting. Solang die Leute mit der Erststimme ähnlich wählen wie mit der Zweitstimme, wirkt sich das wenig aus.

Das Dilemma der ganzen "personalisierten Verhältniswahl" ist daß sich die drei Eigenschaften Proporz, Einerwahlkreise und Wahlkreissitzanteil von mind. 50% sich nicht alle drei gewährleisten lassen.

Da in der Verfassung des Landes Schleswig-Holstein aber nicht Wahlkreis, sondern Persönlichkeitswahl steht, sind Mehrpersonenwahlkreise eine Option.
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Marc K.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 05. September 2010 - 00:57 Uhr:   

@Martin Fehndrich,

eine personalisierte Verhältniswahl ist bei entsprechenden politischen Rahmenbedingungen durchaus in der Lage all diese Ziele zu erfüllen. Ich verweise auf die letzte Wahl in NRW (Mai 2010), bei der es mit diesem Wahlsystem zu gar keinen Überhangmandaten gekommen ist. Und das obwohl das Verhältnis von Wahlkreismandaten zu Listenmandaten mit 128 zu 53 noch erheblich ungünstiger ist als das Verhältnis von 40 zu 29 in Schleswig-Holstein.
Ihre Prognose vom Februar 2010 in der Sie eine Vielzahl von Überhang- und Ausgleichsmandaten in NRW vorausgesagt haben http://www.homopoliticus.de/2010/02/24/das-system-der-landtagswahl-2010-in-nrw/ hat sich als falsch erwiesen. Statt mehr Überhangmandate gabe es im Gegenteil gar keine Überhangmandate.
Allein dieses aktuelle Beispiel zeigt das es voreilig ist das Ende der Praktikabilität eines Zweistimmenwahlsystems zu verkünden.

Ob die politische Entwicklung tatsächlich dahin laufen wird das die Volksparteien dauerhaft unter 30 % schrumpfen und die bisher kleinen Parteien auf bis zu 20% kommen werden bleibt abzuwarten. Die FDP ist von ihrem Höhenflug inzwischen auf das Normalmaß zurechtgestutzt. Die Grünen erreichen als Oppositionspartei hohe Werte bei den Umfragen. Aber inwieweit sich das realisiert bleibt doch noch mal abzuwarten.
Von daher sind Ihre Gedankengänge, werter Herr Fehndrich, nach wie vor mehr theoretisch als aktuell-praktisch interessant.


P.S. off topic: Wie ich lese schlägt wahlrecht.de ein Änderung der Wahlprüfung vor.
http://www.wahlrecht.de/wahlpruefung/wahlgericht.html
Ich finde diese Vorschläge sehr interessant. Welche Resonanz haben Sie bislang gefunden? Gibt es zu diesem Thema bereits ein Diskussionsthread im Forum?


(Beitrag nachträglich am 05., September. 2010 von Marc editiert)
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Robert Jasiek
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 05. September 2010 - 06:55 Uhr:   

Kann bitte jemand erklären oder zu einer Erklärung verlinken, warum Mehrpersonen-Wahlkreise Überhangmandate verringern?
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Martin Fehndrich
Moderator
Veröffentlicht am Sonntag, 05. September 2010 - 10:48 Uhr:   

@Marc K.
Mit "nicht auf die paar letzten Wahlergebnisse beschränken" meinte ich nun gerade nicht ausschließlich das allerletzte Landtagswahlergebnis zu betrachten und dies dann zu verallgemeinern. NRW taugt auch wenig als Kronzeuge dafür, daß doch eher Überhangmandate eher etwas theoretisches seien. CDU und SPD haben sich quasi mit in einer Punktlandung die Wahlkreise und Stimmen passend aufgeteilt. Mit nur einer kleinen Verschiebung hätte es Überhangmandate gegeben und da der gemeinsame Stimmenanteil von SPD+CDU noch unter dem Wahlkreissitzanteil liegt, hat erst die 5%-Hürde Überhangfreiheit erst möglich gemacht.

Das Beispiel aus Februar war keine Prognose, sondern beschreibt ein vielleicht nicht wahrscheinliches aber auch nicht völlig unrealistisches Ergebnis, ein Ergebnis mit dem ein Wahlsystem umgehen können muß.

Mit dem Ansatz solche Wahlergebnisse (wie sie mit SH nicht nur in Umfragen vorliegen) als nur theoretisch und nicht aktuell-praktisch interessant einzuordnen bekommt man natürlich regelmäßig Probleme, wenn das Wahlsystem diese nicht angemessen berücksichtigt.

@Robert Jasiek
Wenn in einem Wahlkreis mehrere Sitze verteilt werden, dann teilen sich die Parteien diese mehr oder weniger proportional auf und sind dann dem Landesproporz ähnlicher.
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 05. September 2010 - 10:54 Uhr:   

@Martin Fehndrich
"Ich glaube die "Extreme" sollte man nicht auf die paar letzten Wahlergebnisse beschränken. Das derzeitige Wahlsystem wurde darauf ausgelegt, daß zwei Parteien sich die Stimmen und Wahlkreise mehr oder weniger aufteilen, nicht daß eine mittelgroße Partei praktisch alle Wahlkreise gewinnt."
Der Direktmandatsanteil der CDU betrug das 2,7-Fache des Zweitstimmenanteils. Das wurde bisher selbst in Sachsen-Anhalt, wo die regionalen Unterschiede noch kleiner sind als in Schleswig-Holstein und drei Parteien realistische Chancen auf Direktmandate haben, nicht überboten.

"Man sollte also bei der Suche nach einem neuen Wahlrecht durchaus auch die Situation mit einer 20%-Partei, die fast alle Wahlkreise gewinnt, mitberücksichtigen."
Da fällt mir weltweit kein einziges Beispiel ein.

"Ein Einstimmensystem verhindert vor allem Extremsplitting. Solang die Leute mit der Erststimme ähnlich wählen wie mit der Zweitstimme, wirkt sich das wenig aus."
Richtig

"Das Dilemma der ganzen "personalisierten Verhältniswahl" ist daß sich die drei Eigenschaften Proporz, Einerwahlkreise und Wahlkreissitzanteil von mind. 50% sich nicht alle drei gewährleisten lassen."
Das stimmt zwar, in vielen Bundesländern sind Überhangmandate aber bei 50% Direktmandateanteil recht selten. In NRW sank z.B.auch bei einer größeren Zahl von Ausgleichsmandaten der Direktmandateanteil nie unter 63%. Allerdings ist dort auch die geographische Verteilung der Parteienpräferenzen ganz anders.

"Da in der Verfassung des Landes Schleswig-Holstein aber nicht Wahlkreis, sondern Persönlichkeitswahl steht, sind Mehrpersonenwahlkreise eine Option."
Natürlich ist das eine sinnvollere Option als Einerwahlkreise. Aber eben eine völlig unrealistische, erst recht WEIL in der Verfassung Persönlichkeitswahl steht. Denn das schließt starre Wahlkreislisten aus (wenn es gleichzeitig keine oder eine starre Landesliste gibt). Die SPD begründet ihre Ablehnung des "Mehr Demokratie"-Vorschlags ganz direkt damit, dass sie ihre Abgeordneten selbst bestimmen will, von der CDU ist keine andere Einstellung zu erwarten.

@Marc K.
"Und das obwohl das Verhältnis von Wahlkreismandaten zu Listenmandaten mit 128 zu 53 noch erheblich ungünstiger ist als das Verhältnis von 40 zu 29 in Schleswig-Holstein. "
CDU und SPD lagen praktisch gleichauf. Aber trotzdem hätte es um ein Haar ein Überhangmandat gegeben. Schleswig-Holstein hat wegen der sehr gleichmäßigen geographischen Verteilung der Parteipräferenzen eine wesentlich größere Überhangneigung als NRW (gleichen Direktmandatsanteil vorausgesetzt), wo die regionalen Unterschiede relativ groß sind.

@Robert Jasiek
"Kann bitte jemand erklären oder zu einer Erklärung verlinken, warum Mehrpersonen-Wahlkreise Überhangmandate verringern?"
Weil die Mandate dort proportional verteilt werden sollen und damit ein extrem überproportionaler Mandatsanteil einer Partei nicht möglich ist.
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Marc K.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 05. September 2010 - 12:56 Uhr:   

@Martin Fehndrich,

Ihre Vorhersage in NRW hat sich im Ergebnis als falsch erwiesen. Und das trotz des in der Tat problematischen Verhältnisses von 128 Wahlkreismandaten zu 53 Listenmandaten.
Bei einem ausgewogenen Verhältnis von Wahlkreismandaten und Listenmandaten von 50/50 wären in NRW praktisch Überhangmandate ausgeschlossen (bzw. extrem unwahrscheinlich).

Meine Aussage das ihre Gedankengänge mehr theoretisch als praktisch-aktuell sind bezieht sich auf Ihre These das eine Partei mit 20% der Zweitstimmen alle Direktmandate gewinnt.

P.S. Mich würde interessieren welche Resonanz der Vorschlag zur Reform des Wahlprüfungsverfahrens bisher hatte. Gibt es zu dem Thema ein Thread im Forum?
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Ratinger Linke
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 05. September 2010 - 16:15 Uhr:   

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Martin Fehndrich
Moderator
Veröffentlicht am Sonntag, 05. September 2010 - 16:41 Uhr:   

Ich bin ja erstaunt, daß wir bei der nicht besonders anspruchvollen Anforderung, daß ein Wahlsystem auch extreme Wahlergebnisse vernünftig in Sitze umsetzen können muß, plötzlich mit Kategorien "selten" oder gar nur dem Beispiel der letzten Landtagswahl hantieren. "Extrem" sollte viel mehr heißen über alle bisherigen Wahlergebnisse hinauszugehen (schon gar nicht zurück) und auch Wahlergebnisse zu erfassen, die zum jetzigen Zeitpunkt eher unrealistisch erscheinen (also z.B. die dominierende 20%-Partei).

@Thomas Frings
Mehrpersonenwahlkreise sind eine Möglichkeit alle drei kritischen verfassungsrechtlichen Eckpunkte (Gesamtsitzzahl, Proporz, Persönlichkeitswahl) besser umzusetzen Auch wenn das unrealistisch ist, weil die Zielrichtung der Parteien eine andere ist.

@Marc K.
Das Beispiel aus Februar war nicht nur keine Prognose, sondern auch keine Vorhersage, sondern ein nicht völlig ausgeschlossenes Ergebnis. Gilt auch für die stärkste 20% Partei, das ist kein Tip. Aber wir wissen auch nicht, wie in 15-20 Jahren die Zersplitterung der Parteienlandschaft fortgeschritten ist.
Nennenswerte Resonanz zum Thema Wahlprüfungsreform gab es bisher nicht. Im Rahmen der Parteienzulassung (bzw. eher Nichtzulassung) zur Bundestagswahl 2009 gab es aber ähnliche Forderungen.
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Robert Jasiek
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 05. September 2010 - 17:51 Uhr:   

"Nicht extrem" umfasst mehr als nur die Betrachtung des Variationsraums aller bisherigen Wahlergebnisse in SH oder ggf. aller Bundesländer. Es umfasst mindestens auch alle durchaus möglichen Weiterentwicklungen der Parteienlandschaft, wobei man verschiedene Startannahmen machen kann. ZB "Bald eine weitere kleine Partei (oder die CSU...) mehr.", "Bisherige Volksparteien a) konstant, b) weiter rückläufig usw.", "Es werden sich a) 2, b) 2 und tlw. 3, c) 3 Parteien um die Direktmandate schlagen.", "Weiter abnehmende Wahlbeteiligung." usw. All dies ist keineswegs extrem und müsste daher mit der Auswirkung auf Überhangmandate vom Gesetzgeber berücksichtigt werden. Extrem hingegen wäre die Annahme von plötzlich 10% ungültigen der abgegebenen Stimmen, da Nichts konkret auf so ein Ereignis hindeutet (solange die Wahlzettel gleichermaßen verständlich bleiben). Extrem wäre auch die Annahme, plötzlich alle 6 größten Parteien hätten gleich viele Stimmen so um die 15%. So etwas wird man erst in 20 Jahren erneut in Erwägung ziehen müssen, ob es vom Extrem zur realen Möglichkeit geworden ist; dann wäre bei Bedarf das Wahlgesetz schon wieder zu ändern.
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 05. September 2010 - 18:58 Uhr:   

"Ich bin ja erstaunt, daß wir bei der nicht besonders anspruchvollen Anforderung, daß ein Wahlsystem auch extreme Wahlergebnisse vernünftig in Sitze umsetzen können muß, plötzlich mit Kategorien "selten" oder gar nur dem Beispiel der letzten Landtagswahl hantieren."
Theoretisch kann auch eine Partei mit weniger als 5% die absolute Mehrheit bekommen und in Bayern, Saarland und Bremen kann der Fall eintreten, dass gar keine Sitze vergeben werden können (alle Parteien unter 5%) und rein theoretisch besteht sogar die Möglichkeit, dass niemand für den Landtag kandidieren will. Muss man alle diese Eventualitäten im Wahlgesetz berücksichtigen? Nein, weil sie eben so unwahrscheinlich sind. Auch bei Mehrpersonenwahlkreisen kann es theoretisch massiv Überhangmandate geben, wenn denn das Wahlverhalten "extrem" genug ist oder es Missbrauchspotential wie in Hamburg gibt.
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Sinnvoll Wählen
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 05. September 2010 - 18:59 Uhr:   

Warum sind eigentlich die Bürger in Nordrhein-Westfalen in der Lage, trotz höheren Wahlkreisanteils ein Überhangfreies Parlament zu wählen, während die Schleswig-Holsteiner das nicht schaffen? Sind die in Schleswig-Holstein zu beschränkt dafür? Es muß doch das Ziel jedes Bürgers sein, das Parlament klein zu halten, indem er durch sein Wahlverhalten Überhang- und Ausgleichsmandate minimiert, weil dadurch Kosten für überzählige Politiker eingespart werden. Und das das möglich ist, wenn nur die Wähler in ihrer Gesamtheit für eine hinreichend sinnvolle Verteilung von Listenstimmen und Wahlkreisgewinnen sorgen, zeigt ja Nordrhein-Westfalen.
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PNK
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 05. September 2010 - 19:09 Uhr:   

Weil es in NRW ausgeprägte SPD-Hochburgen und ausgeprägte CDU-Hochburgen gibt. Es wird also nicht der Fall auftreten, dass eine der beiden Parteien nur 35% und weniger holt und trotzdem fast alle WK gewinnt, da die andere Partei immer noch welche gewinnen wird. Das ist eigentlich bekannt und dass deshalb die NRW-Wähler irgendwie "schlauer" sind bzw. die SHler zu "beschränkt", meinen Sie hoffentlich nicht ernst, andernfalls wär ihr Wissen UND ihr Ton etwas beschränkt...
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Sinnvoll Wählen
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 05. September 2010 - 19:20 Uhr:   

@PNK

Aber wer sorgt denn für die Hochburgen. Die fallen doch nicht vom Himmel und sind gottgegeben. Es sind vdoch die Wähler mit ihrem Wahlverhalten, die diese Hochburgen bewirken. Es stünde den Schleswig-Holsteinern doch ebenso frei, durch ihr Wahlverhalten Hochburgen auszubilden und damit zu einer annähernden Gleichverteilung der Direktmandate zu kommen und gleichzeitig stünde es ohnen auch frei, CDU und SPD durch ihre Entscheidung soviele Zweitstimmen zu verschaffen, daß es dann keine Überhang- und damit auch keine Ausgleichsmandate gibt.
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Interessierter
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 05. September 2010 - 20:42 Uhr:   

@Sinnvoll Wählen:

Warum sollen die SHsteiner taktisch wählen und nicht einfach ihren Herzen folgen?
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Timo
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 05. September 2010 - 22:14 Uhr:   

@Sinnvoll Wählen
Aber wer sorgt denn für die Hochburgen. Die fallen doch nicht vom Himmel und sind gottgegeben. Es sind vdoch die Wähler mit ihrem Wahlverhalten, die diese Hochburgen bewirken. Es stünde den Schleswig-Holsteinern doch ebenso frei, durch ihr Wahlverhalten Hochburgen auszubilden und damit zu einer annähernden Gleichverteilung der Direktmandate zu kommen und gleichzeitig stünde es ohnen auch frei, CDU und SPD durch ihre Entscheidung soviele Zweitstimmen zu verschaffen, daß es dann keine Überhang- und damit auch keine Ausgleichsmandate gibt.

Ihre Argumentation ist sinnlos, und das wissen Sie wohl auch. Ausgeprägte Hochburgen, wie in NRW (oder z.B. in Hessen) erschweren oder verhindern nach unserem Wahlrecht Ü-Mandate. Selbstverständlich sind die Wähler für die Vergabe von Erst- und Zweitstimme verantwortlich, damit auch für die LT-Zusammensetzung nach Zweitsimme und den direkt gewählten Abgeordneten.

Und vermutlich haben Sie auch recht, dass die meisten Wähler ein kleines, schlankes Parlament wünschen.
Dennoch wird sich ein überzeugter CDU- oder SPD-Wähler wenig an Überhangmandaten stören, wenn sie zu einer Parlamentsmehrheit "seiner" Partei beitragen.

Sie scheinen sich zu wünschen, dass der überzeugte CDU-Wähler mit Erststimme SPD wählt, um Überhangmandate der CDU zu verhindern. Das ist absurd.Wir alle wissen, was Sie meinen weitere Ausführungen Ihrerseits sind also nicht nötig.
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Marc K.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 05. September 2010 - 22:31 Uhr:   

@Martin Fehndrich,

Thomas Frings hat mir die Antwort schon vorweggenommen. Ein Wahlsystem das alle theoretischen Eventualitäten berücksichtigt wäre wenig praktikabel. Bestimmte Regelungen - etwa Sperrklauseln - wären gar nicht oder nur in sehr komplexer Form möglich. Denn in einem extrem zersplitterten Parteiensystem könnte z.B. nur eine Partei die 5%-Hürde überspringen und würde damit schon mal 100% der Listenmandate erhalten. Ein solches bei den gegebenen Verhältnissen nur theoretisches Wahlergebnis kann nicht der Standard sein. Ausreichend ist es wenn es bei den gegebenen politischen Grundverhältnissen die jeweils gegebenen Standards erfüllt.
Problematisch sind in Schleswig-Holstein allerdings schon die Standards. Die Frage ob das Parlament nun 69 oder 79 oder 89 Sitze hat würde ich kein so großes Gewicht beimessen wie den übrigen Wahlgrundsätzen. Erst recht halte ich es nicht für sinnvoll dieser Frage Verfassungsrang zu geben. Von daher sind die Probleme in Schleswig-Holstein auch zum Großteil durch den Gesetzgeber selbst verschuldet. In fast allen anderen Bundesländern existiert dieses Problem nicht und ebensowenig auf Bundesebene.

Nun kurz noch mal zu Ihrem Beitrag vor der NRW-Landtagswahl 2010: Sie haben geschrieben:
"Ein Ergebnis der Landtagswahl 2010 wird eine Vergrößerung des Parlaments sein, denn die Zahl der Überhangmandate und Ausgleichsmandate wird steigen."

Damit haben Sie ein solches Ergebnis vorhergesagt. Es ist ja nun keine Schande eine falsche Voraussage zu machen. Das kann nun wirklich jeden mal passieren. Man sollte das dann aber auch eingestehen und nicht versuchen eine eindeutige Aussage wegzudefinieren.
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Martin Fehndrich
Moderator
Veröffentlicht am Sonntag, 05. September 2010 - 22:42 Uhr:   

@Thomas Frings
Du willst Do hoffentlich den Fall, daß alle Parteien unter 5% liegen, in die Kategorie "selten" schieben, um dann zu folgern, daß man weil eh nicht alles lösen könne, gar nichts machen brauche.

Fälle von "Mißbrauch" oder besser "Ausnutzen des Wahlsystems" sollte man immer berücksichtigen, wenn es das geben kann. Mit Wahrscheinlichkeiten kann man das nicht mehr erfassen (Ein Beispiel wär hier in Albanien die Parlamentswahl 2005). Das spricht natürlich gegen ein Zweitstimmensystem, das bei Mehrmandatswahlkreisen auch obsolet wird.

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