| Autor |
Beitrag |

Markus Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Freitag, 02. Oktober 2009 - 12:35 Uhr: | |
Interessant ist besonders das Wahlergebnis in den neuen Bundesländern: Hier kommen die beiden (ehem.) Volksparteien nur noch in Sachsen auf über 50% (dort 50,2%) - in allen anderen Ost-Ländern liegen sie bei 46-48%. Am schlimmsten sieht es in Berlin aus - trotz eines Westteils schaffen es hier Union und SPD nur auf 43% (!!!) - sie könnten also keine Koalition mehr bilden. |

Suma Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Freitag, 02. Oktober 2009 - 17:00 Uhr: | |
Als Wahlhelfer war ich in Berlin dabei und muss sagen, dass ich auch etwas überrascht war, wie wenig Stimmen CDU und SPD in unserem Wahllokal bekommen haben. Dabei war interessant zu sehen, wie die beiden Stimmen jeweils vergeben worden sind. Danach kann man schon Rückschlüsse ziehen, wie die etablierten Politiker gesehen werden, gerade die von den großen Parteien. |

Markus Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Freitag, 02. Oktober 2009 - 22:41 Uhr: | |
Etwas interessant war es ja auch, daß die CDU überall dort, wo sie am allerschwächsten ist, nicht weiter verloren hat, sondern gleichbleibend blieb oder sich leicht verbessert hatte - also im Osten und im engeren Ruhrgebiet. Vielleicht ist doch der Tiefpunkt für sie überwunden? Aber sicher bin ich mir da keineswegs. |

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Freitag, 02. Oktober 2009 - 23:32 Uhr: | |
@Markus Im Osten ist die Union aber bei den vorangegangenen Wahlen relativ immer weiter zurückgefallen. Mal ein Vergleich CDU/CSU auf Bundesebene und CDU im Osten 1990: Bund 43,8 - Osten 41,8 1994: Bund 41,4 - Osten 38,5 1998: Bund 35,1 - Osten 27,9 2002: Bund 38,5 - Osten 28,3 2005: Bund 35,2 - Osten 25,3 2009: Bund 33,8 - Osten 29,8 Im Grunde wurde also nur ein vorangegangener Negativtrend korrigiert. Das hängt wohl auch damit zusammen, daß in der CDU-Diaspora offensichtlich CDU-Wähler weniger geneigt sind, zur FDP zu wechseln. Weit auffälliger finde ich die zumeist weit überdurchschnittlichen Verlusten in ihren Hochburgen, in Niederbayern sogar zweistellig. Nur in zwei Wahlkreisen hat die CSU noch die absolute Mehrheit der Zweitstimmen und auch das nur sehr knapp, die CDU liegt nur in Cloppenburg-Vechta über 50%, allerdings klarer (54,5%). Die Union erodiert klar in ihren Hochburgen. |

Suma Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Samstag, 03. Oktober 2009 - 12:00 Uhr: | |
Wenn man sich anschaut, wie der Niedergang der SPD in den Hochburgen vonstatten ging und was jetzt aus ihr geworden ist, müsste die CDU daher noch einiges befürchten. Es wird ja immer gesagt, dass die "Kernmarke" der SPD beschädigt ist. Kaum einer betrachtet sich die Union. Ich denke, sie hat das gleiche Problem. Die Beliebigkeit der Kanzlerin ist natürlich einerseits der großen Koalition geschuldet, dürfte aber auch mit der fehlenden Verankerung in der Geschichte der Partei zu tun haben. Also auch hier könnte eine Verwässerung dessen, was man als "Identität" der CDU bezeichnen kann, zu einem weiteren tiefgreifenden Wählerverlust führen. Indirekt ist er ja eindeutig erkennbar, indem nämlich die Union insgesamt gesehen absolut nicht von dem 11 %-Verlust der SPD profitiert hat. Das war früher unvorstellbar und zeigt für mich, dass auch die Union ein Identitätsproblem hat. |

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Montag, 05. Oktober 2009 - 14:31 Uhr: | |
"Wenn man sich anschaut, wie der Niedergang der SPD in den Hochburgen vonstatten ging und was jetzt aus ihr geworden ist, müsste die CDU daher noch einiges befürchten." Die Hochburgen der SPD sind recht stabil. Sie verliert einfach überall, aber ohne daß dabei die Hochburgen wie das Ruhrgebiet dabei nennenswert eingeebnet würden. Das ist bei der Union anders. Merkel ist für das Profil der Union tatsächlich eine Katastrophe, die nur durch die Probleme bei der SPD überdeckt werden. 33,8% bei gar nicht mal so schlechter Ausgangslage ist ein mieses Ergebnis, wie sieht das dann erst bei wirklich schlechter Großwetterlage aus? Beide Volksparteien haben das Problem, daß man nicht so recht weiß, wofür sie eigentlich stehen. Beide Parteien haben in der GroKo ja auch nicht einmal den Versuch unternommen, irgend ein Problem wirklich zu lösen. Am krassesten sah man das am Gesundheitsfonds: praktisch durch das gesamte politische Spektrum besteht Einigkeit, daß der nicht taugt, aber die GroKo zog das trotzdem durch, nur um irgend ein Ergebnis präsentieren zu können. Da geht Bezug zur Realiät völlig verloren. In der SPD droht bereits ein Parteiausschluss, wenn man die Frechheit besitzt, der Wahrheit zu nahe zu kommen, wie der Fall Sarrazin zeigt. |

nowhereman
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Dienstag, 06. Oktober 2009 - 10:57 Uhr: | |
@ Thomas Frings So sind nunmal Volksparteien. Ich beschränke mich mal auf die Union. Selbst unter Kanzler Erhardt (wahrlich ein Marktwirtschafter) leistete sich die Union einen Sozialpolitiker namens Katzer, der starke Bindungen zum DGB hatte und wie Blüm unter Kohl mehr in der Presse wahrgenommen wurde als der wirschaftspolitische Sprecher. Dass bei Progammparteitagen die eigentliche Identität einer Partei heutzutage nicht erkennbar wäre, kann ich nicht erkennen. Das innenpolitische Profil der Union habe ich sogar in der großen Koalition deutlich empfunden, zum Unwillen der wohl von Ihnen hochgeschätzten FDP. Meines Wissens waren MWST-Erhöhung und Schuldenabbau auch vor der BTW 2005 schon Ziele der Haushaltspolitiker der CDU. Die Ideen der Familienministerin sind wohl auch durch Frauenflügel, wertkonservativer Kreise und Landesverbände gedeckt gewesen. Im Übrigen gehörte das Schlagwort des Aussitzens und damit Lösens von Problemen wahrlich nicht zu den Erfindungen von Frau Merkel. |

Good Entity Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Mittwoch, 07. Oktober 2009 - 21:18 Uhr: | |
Las gerade eine Detailbetrachtung zur Wählerwanderung, gestützt auf die Umfragen am Wahltag von fgw/infratest dimap/sob. Danach hat die CDU/CSU bei den evangelischen, den muslimischen und den konfessionslosen Wählern jeweils Stimmanteile verglichen mit 2005 gewonnen, bei den katholischen Wählern dagegen verloren. Das würde durchaus zu Thomas Frings Betrachtung zu den Hochburgen der CDU/CSU passen, die ganz überwiegend in Regionen mit eindeutig katholischer Mehrheit liegen. Dies führt zu dem angeblich überhaupt erstmaligen Resultat, dass die SPD bei den evangelischen Wählern hinter der CDU/CSU liegt, wenn auch knapp mit 29 % hinter 31 %. Das war demnach seit 1949 noch nie der Fall. Die SPD hatte demnach bei diesen Wählern bisher immer vorne gelegen. Die FDP und die Linke, beide früher schwerpunktmäßig Parteien der Konfessionslosen, haben dagegen jetzt beide gerade bei evangelischen und katholischen Wählern zugelegt. Die FDP ist dadurch jetzt sogar geringfügig stärker bei den Wählern der beiden christlichen Konfessionen als bei den Konfessionslosen vertreten. Bei den Grünen sind keine signifikanten Tendenzen zu verzeichnen. |

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Mittwoch, 07. Oktober 2009 - 22:34 Uhr: | |
@Good Entitiy Die FDP war lange Zeit hauptsächlich eine Partei der Protestanten. Davon ist nichts mehr übrig, heute spielt die Konfession fürs FDP-Ergebnis praktisch keine Rolle mehr. In NRW und Bayern liegt sie in den mehrheitlich evangelischen Gebieten sogar erkennbar unter dem Landesdurchschnitt. Inwieweit das mit der Konfession zu tun hat, sei dahingestellt. Bei Union gibt es dagegen immer noch einen ganz klaren Zusammenhang, besonders krass zu sehen im westlichen Niedersachsen. Aber dieser Zusammenhang schwächt sich eben stark ab. Sehr stark war die Union immer bei Katholiken und bei den Bauern, nachdem sie im protestantisch-agrarischen Bereich anfangs noch starke Konkurrenz hatte von der FDP und regional DP. Die Bedeutung des primären Sektors ist drastisch geschrumpft und die Kirchenbindung lockert sich immer mehr, wenn auch bei den Katholiken etwas langsamer als bei den Evangelen. Entsprechend hat die FDP im katholisch-ländlichen Bereich auch die positivste langfrisige Entwicklung. Als ein Beispiel von vielen mal Niederbayern: hier war die CSU Jahrzehnte klar über 60% und die FDP war extrem schwach und schaffte es erst 1987, über 5% zu kommen (bei Landtagswahlen erst 2008), bis 2005 waren 6,2% Rekord. 2005 holte sie dann 8,3 und jetzt 14,3% und ist dort damit fast im Bundesdurchschnitt. "Die FDP und die Linke, beide früher schwerpunktmäßig Parteien der Konfessionslosen, haben dagegen jetzt beide gerade bei evangelischen und katholischen Wählern zugelegt." Bei der Linkspartei liegt das natürlich an der Westausdehnung, einen Zusammenhang mit der Konfession kann ich da nicht sehen. "Bei den Grünen sind keine signifikanten Tendenzen zu verzeichnen." Bei den Grünen fällt auf, daß sie dort besonders wenig zulegen, wo sie in der Landesregierung sitzen (HH +0,7, HB +1,1). @nowhereman Es gab in der Anfangszeit noch viel schlimmere Sozialisten als Katzer in der CDU, aber die haben eben nie dominiert außer in der unmittelbaren Nachkriegszeit bis etwa 1947. Blüm hat man ja 1989 auch eine Teil seines Ressorts weggenommen indem man wieder ein Gesundheitsministerium einrichtete. |

Suma Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 08. Oktober 2009 - 10:13 Uhr: | |
@Thomas Frings: Bei den Grünen fällt auf, daß sie dort besonders wenig zulegen, wo sie in der Landesregierung sitzen (HH +0,7, HB +1,1) Ist das wirklich so aussagekräftig, wenn sie im Bund auch nur 2,6 % zugelegt haben? Da würden mir dann doch eher andere Landesergebnisse auffallen, wo die jeweiligen Landesregierungen abgestraft wurden wie etwa CSU halt. Heute habe ich in einem Artikel gelesen, was mir auch dadurch erst richtig aufgefallen ist, dass die Grünen doch in den letzten 4 Jahren ziemlich zufrieden sein können, nachdem manche meinten, dass sie es schwer haben würden in den kommenden Jahren. Die Bilanz ist rein strategisch und zahlenmäßig gar nicht mal so schlecht und dass obwohl Übermensch Joschka nicht mehr da ist. In HH Schwarz-Grün, Bremen Rot-Grün, Saarland auch auf jeden Fall drin, in Hessen fast drin gewesen (okay, zählt nicht) und naja Thüringen wohl nicht, wenn nicht das politische Chaos vollends ausbricht. Dafür dass sie nach der BTW 2005 nirgendwo mehr in der Regierungsverantwortung gestanden hat, ist es schon recht sehenswert. |

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 08. Oktober 2009 - 11:43 Uhr: | |
"Ist das wirklich so aussagekräftig, wenn sie im Bund auch nur 2,6 % zugelegt haben?" Im dritten Stadtstaat Berlin legten die Grünen recht kräftig zu, in Müchen und Köln lag der Zuwachs bei 3 Prozentpunkten. Schaut man sich die Wahlkreise im Hamburger Umland an, dann haben die Grünen dort viel stärker zugelegt. Bei den direkt an Hamburg angrenzenden WK war der Zuwachs zwischen 3 und 3,5 Prozentpunkten. Hier kann man getrost Einfluß der Landespolitik annehmen. Auch in Bremen legten die Grünen im Umland deutlich stärker zu, hier ist das Bild aber nicht ganz so klar wie in Hamburg. "Heute habe ich in einem Artikel gelesen, was mir auch dadurch erst richtig aufgefallen ist, dass die Grünen doch in den letzten 4 Jahren ziemlich zufrieden sein können, nachdem manche meinten, dass sie es schwer haben würden in den kommenden Jahren." Warum hätten die Grünen denn in Schwierigkeiten kommen sollen? War doch klar, daß sie in der Opposition nicht einbrechen werden, wenn sie sich nicht besonders dämlich anstellen und 5 € Benzinpreis oder ähnliches fordern. "Die Bilanz ist rein strategisch und zahlenmäßig gar nicht mal so schlecht und dass obwohl Übermensch Joschka nicht mehr da ist." Zahlenmäßig stehen die Grünen gut da, strategisch aber ziemlich schlecht. Im Bund werden sie nicht gebraucht. Es gibt keine theoretisch mögliche Koalition, in der sie gebraucht würden. In den meisten Ländern werden sie auch nicht gebraucht. In drei sehr kleinen Ländern mitzuregieren ist nun wirklich keine tolle Entwicklung, zumal sie in Hamburg gerade wegen der Aussicht auf Schwarz-Grün erheblich verloren und im Saarland nur minimal zulegten. Hamburg, Bremen und Saarland sind so gar nicht repräsentativ. Personnen spielen bei den Grünen kaum eine Rolle. Ohne Joschka Fischer wären frühere Wahlen nicht nennenswert anders ausgegangen. |

PNK Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 08. Oktober 2009 - 12:15 Uhr: | |
Ich führe die Stabilität der Grünen trotz des Verlustes von Joschka Fischer und der Regierungsverantwortung im Bund (die drei Minister unter rot-grün wurden von den "linken" Wählern stets als enorm kompetent und sympathisch angesehen- der alte Sage der Regierungsunfähigkeit der Grünen konnte so für potenzielle Wähler endgültik widerlegt werden) eigentlich ausschließlich auf zweierlei zurück. Erstens wurden alle Oppostitionsparteien in den letzten 4-11 Jahren gestärkt (bis hinein in die APO). Zweitens ist neben der Bankenkrise sicher der Klimawandel das präsenteste Thema der letzten 4 Jahre gewesen. Beides wird in den nächsten vier Jahren vielleicht noch präsent seien, aber eben in 10 oder 20 Jahren vielleicht nicht mehr. Anders gesagt: mit Joschka Fischer und den günstigen Bedingungen für die kleinen Parteien im Allgemeinen und die Grünen im Speziellen, wären die Grünen sicher nicht nur fünftstärkste Partei geworden. Ich glaube hingegen nicht, dass die Grünen 2013 oder 2017 noch ein ähnliches Wahlergebnis erzielen werden. Die Linke und FDP läuft ihnen ja selbst in westdeutschen Großstädten den Rang ab- obwohl die Grünen dort noch (leicht) wachsen. Sollten allerdings der Atomausstieg und der ökologische Wandel tatsächlich rückgängig gemacht werden (was ich allerdings nicht für sehr wahrscheinlich halte), hätten wir wieder eine Situation wie in den 80ern/90ern. Die Grünen wären dann wieder ein Sammelbecken für ökologisch-interlektuellen Protest. Als solche Partei bräuchte man weniger Spitzenpersonal wie J.Fischer sondern man würde von den Ideen leben. Bleiben allerdings alle Parteien bei ihren (pseudo)grünen Positionen, wird es wie gesagt bei ungünstigeren Bedingungen für die Grünen schwer werden, nochmals über 8% (wie 2002, 2005, 2009) zu kommen. |

Martin_D Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 08. Oktober 2009 - 12:46 Uhr: | |
Die Bedeutung der Klimapolitik wird in den nächsten 10 bis 20 Jahren eher wachsen als sinken. Das die Grünen nicht in dem gleichen Ausmaß Zugewinne bekamen wie die Linken oder die FDP, ist leicht zu erklären. Sowohl die Linken ("möglichst viel Staat") als auch die FDP ("möglichst wenig Staat") greifen auf einfache Botschaften zurück, während die Grünen das weitaus differenzierter sind. Daher waren die Grünen im Gegensatz zu FDP und Linke nicht attraktiv für Protestwähler, die durch einfache Botschaften angesprochen werden können. Perspektiven für die Grünen sehe ich darin, dass die FDP als Regierungspartei sich schwerer tun wird, mittels einfachen Botschaften die Wähler zu erreichen und die Grünen langfristig schon die FDP einholen und vielleicht sogar überholen kann. In diesem Fall ergeben sich zwangsläufig auch Koalitionsoptionen. |

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 08. Oktober 2009 - 12:55 Uhr: | |
"Die Bedeutung der Klimapolitik wird in den nächsten 10 bis 20 Jahren eher wachsen als sinken." Das Thema wird einschlafen wie das Waldsterben. Dann werden die Grünen wie beim Waldsterben behaupten, dank ihrer Politik sei die Klimakatastrophe abgewendet worden. So ähnlich wurde es beim Waldsterben gemacht. Als das angebliche Waldsterben einfach nicht so recht eintreten wollte und die Wälder im Gegenteil sogar wuchsen und dichter wurden, wurde einfach behauptet, die Grünen hätten dafür gesorgt, das Maßnahmen gegen das Waldsterben ergriffen wurden. Das ist zwar nachweislich falsch (die SO2-Emissionen sanken schon seit 1973 drastisch), aber wenigstens die eigenen Leute glauben es. |

Wahlticker
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 08. Oktober 2009 - 13:09 Uhr: | |
Ich sehe das ähnlich wie Martin_D: die Grünen haben eine relativ große Stammwählerschaft, in der sie als völlig eigenständige Partei wahrgenommen werden, anders als die FDP bei der ich eine solche Wählerschaft nicht feststellen kann. Daher tun die Grünen sich zwar schwerer als Protestpartei massenhaft Stimmen abzuschöpfen, sie müssen in meinen Augen aber auch nicht befürchten dass diese Wähler wieder massenhaft abwandern. Dies jedoch könnte der FDP passieren. Das Grüne Thema Umwelt wird in den nächsten Jahren in jedem Fall aktuell bleiben, mit großer Wahrscheinlichkeit sogar noch wichtiger werden. Klima ist da nur ein Aspekt. Dass die Welt weiter auf ökologische Probleme zusteuert ist durch das weltweite Bvölkerungs und Industriewachstum festgelegt. |

Thomas Frings
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 08. Oktober 2009 - 13:22 Uhr: | |
@Wahlticker Eine Klimadebatte möchte ich hier natürlich nicht anstoßen, darum nichts weiter zu diesem Thema von mir. Aber daß die Grünen als völlig eigenständige Kraft wahrgenommen würden, ist nun wirklich nicht richtig. Das erkennt man schon daran, daß sich die Grünen-Wähler viel mehr über den schwarz-gelben Sieg ärgern als sich über das gute Grünen-Ergebnis zu freuen. |

Markus Richter
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 08. Oktober 2009 - 13:56 Uhr: | |
"Ich führe die Stabilität der Grünen trotz des Verlustes von Joschka Fischer und der Regierungsverantwortung im Bund (die drei Minister unter rot-grün wurden von den "linken" Wählern stets als enorm kompetent und sympathisch angesehen" Der Verlust der Regierungsverantwortung geht in aller Regel mit Stimmenzuwachs einher, das Gegenteil ist die klare Ausnahme. Das gilt natürlich besonders in finanziell schwierigen Zeiten. |

Ratinger Linke Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 08. Oktober 2009 - 14:02 Uhr: | |
Der Klimawandel ist vor allem ein Problem der nächsten Generation, in Deutschland eher noch später. Deshalb wird sich der Medienhype legen, aber das Thema latent auf Dauer bleiben. An der Tatsache gibt es ja nicht die geringsten Zweifel, sondern nur am Umfang der Auswirkungen und bei den Konsequenzen für heutiges Handeln. Für eine Bindung der allermeisten Wähler, die mit diesem Thema überhaupt angesprochen werden, reicht das. Insbesondere dann, wenn es die anderen Parteien den Grünen überlassen sollten. |

Suma Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 08. Oktober 2009 - 14:05 Uhr: | |
Ups...da gibts ja doch einige Beiträge seit heute morgen. Mich wundert die Aussage, dass die Grünen strategisch schlecht dastehen. Es ging ja dabei nich nur um den Ist-Zustand, sondern auch um das zukünftige Potenzial. Daher kann ich mir schon vorstellen, wenn die großen Parteien weiter an Zuspruch verlieren, dass die Grünen als Jamaika wie auch Rot-Rot-Grün durchaus ein wichtiges Wörtchen mitreden werden. Die Versuchung ist natürlich jetzt groß, mit SPD und Linke weit nach links zu schwenken. Das könnte sich durchaus als Fehler erweisen, wenn sie das wirklich so handhaben werden. PNK: "Die Linke und FDP läuft ihnen ja selbst in westdeutschen Großstädten den Rang ab- obwohl die Grünen dort noch (leicht) wachsen." Naja, so ganz so würde ich das nicht unterschreiben. Vom Zweitstimmenergebnis mag das so sein, aber ich finde es für eine Partei schon interessant, dass sie bei den Erststimmen weitaus mehr herausholen können als die FDP und die Linke in den Großstädten. D. h. für mich, dass die Grünen durchaus in der Lage sind, in der sog. Mitte und im "bürgerlichen Lager" Stimmen zu holen. Dieses Potenzial wird die Linke auf lange Sicht nicht anzapfen können. Was die FDP angeht, so glaube ich, dass sie ihren Höhenflug so ziemlich ausgereizt hat. Sie wird höchstens von der Schwäche der Union weiter noch profitieren, aber diese "Leihstimmen" können auch ganz schnell verschwinden. Aber wir werden das ja noch früh genug sehen. Es ist nur interessant, dass man tatsächlich glaubt, dass nach außenhin irgendwie der Eindruck entstehen soll, dass das "bürgerliche Lager" einen großen Sieg davongefahren hat. Das Gegenteil ist der Fall. Neben der Schwäche der CDU ist schließlich festzuhalten, dass ein massiver Anteil der SPD-Wähler in den Nichtwählerbereich gegangen ist, gerade mit der Begründung, die SPD habe ihre sozialdemokratischen Prinzipien aufgegeben, also quasi das linke Spektrum nicht mehr bedienen können. Daher erscheint es mir schon so, dass unter dieser zugegebenermaßen hypothetischen Betrachtung, die Zahl der gesamten Wählerschaft prozentual wohl überwiegend dem linken Lager zugeordnet werden kann, da die Nichtwähler der SPD in der CDU/FDP keine sinnvolle Alternative gesehen haben. Das führt dazu, dass die Bürgerlichen nach meiner Meinung zukünftig sehr wohl Schwierigkeiten bekommen könnten eine Zweierkonstellation aufzustellen, so dass sie Grünen durchaus als Mehrheitsbeschaffer brauchen werden. |

nowhereman
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 08. Oktober 2009 - 14:30 Uhr: | |
@ Thomas Frings Sehen Sie den gegenwärtigen Ministerpräsidenten in Bayern auch als Sozialisten? Meines Wissens hat er sich bei jeder nur möglichen Gelegenheit für den "kleinen Mann" eingesetzt, gegen Großkonzerne (Nokia) gewettert und für eine vom Bürger bezahlbare Gesundheitspoitik gestanden. Der Hinweis auf seine Herkunft (als Lehrling im Landratsamt ganz unten angefangen) gehört in diese Reihe. Wenn ja, freue ich mich schon mal wieder auf diese nächste Linksfrontregierung, bei der Merkel (direkt) und Seehoffer (über seine CSU-Minister) den Kommunisten in die Hände spielen. Dadurch dass Sie Umweltprobleme mit einem Handstreich abtun, (S02-Probleme hat es zum Beispiel im Erzgebirge und der damaligen CSSR sehr wohl gegeben, Störfälle in Kraftwerken in USA gab es, ein Ansteigen der Meereshöhe in Folge des Abschmelzens von Polareis ist wissenschaftlicher Standard, wird nur von notorischen Außenseitern bezweifelt), stellen Sie sich selbst in eine Ecke, in der Sie nicht hingehören. Wer über Ihr Allgemeinwissen verfügt, politische und juristische Aussagen treffen kann mit Gehalt, der weiß über die Notwendigkeit differenzierter Betrachtung. Wie Grüne sich entwickeln werden, ob mal wieder ein großes Land mitregiert wird oder nicht, kein Mensch weiß das. Ob die CDU/CSU Wähler der Mitte behält oder verkrault, ist schwer zu beantworten, 1 Mio Stimmen von der SPD gewonnen, fast so viele an die FDP verloren, ob die FDP für alle Zeit einen eher marktradikalen Kurs fährt, bezweifle ich, da gab es einmal die sozialliberale Koalition und bis vor wenigen Jahren diese Koalition in Rheinland-Pfalz, Brüderle schwärmt heute noch im SWR-Regionalprogramm davon. Wie die Entwicklung der SPD endet, ob Sie überhaupt je endet (etwa in einer Verschmelzung mit der Linken), auch das läßt sich nicht sagen, ich glaube eher nicht, es gibt dort zu viele Parteimitglieder, die wissen, dass man Geld nicht beliebig ausgeben kann, wie von Lafontaine propagiert. Ob man es schlimm findet oder nicht, wenn die SPD im 20-er Turm gefangen bleibt, das ist Geschmackssache. Ich kann mir auch 19 Parteien mit 5-6% der Stimmen im Bundestag vorstellen, ob das was bringt, da habe ich meine Zweifel. Übrigens haben Union und SPD immer noch 500000 Mitglieder, eine ganze Menge. Das Sie schwachsinnige soziologische Untersuchungen brandmarken (die Linke gewinnt bei Katholiken), finde ich übrigens toll. |
|