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Kevin Matthes
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| | Veröffentlicht am Samstag, 26. September 2009 - 19:17 Uhr: | |
@Jeki "Meiner Meinung nach haben wir ein viel grundsätzlicheres Problem. Der Sozialstaat produziert eine immer größere Zahl von Abhängigen, die nie gelernt haben, für sich selber zu sorgen. Das Verhältnis von Leistungsempfängern und Leistungsträgern verändert sich immer mehr zugunsten der ersteren. Und dies schlägt sich zunehmend in den Wahlergebnissen nieder. Das gleiche gilt in vielen anderen Bereichen. Technische und naturwissenschaftliche Berufe werden als unattraktiv empfunden; entsprechend leben wir in einer Gesellschaft, die immer technik- und wissenschaftsfeindlicher wird. Auch Unternehmertum oder wirtschaftliches Denken an sich werden immer mehr verpönt. Daß Wirtschaft, Wissenschaft und Technik die Grundlagen unseres Wohlstandes bilden und somit überhaupt die Sozialleistungen ermöglichen, gerät dabei immer mehr aus dem Blickwinkel." Volle Zustimmung. Es kommt meiner Meinung nach unter anderem sehr auf das Verständnis für ökonomische Zusammenhänge an. Je stärker das ausgeprägt ist, desto weniger wird man geneigt sein "links" zu wählen. Als Schwarz-Gelbe Landesregierung würde ich dafür sorgen, dass es an den Schulen einen umfassenden Wirtschaftsunterricht gibt. |

Cyrix Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Samstag, 26. September 2009 - 19:24 Uhr: | |
Also "Negativ-Kampagnen" sind ja wohl schon älter als die jetzt gegen Schwarz-Gelb: http://www.youtube.com/watch?v=M1_RlfLNAr0 (Da ist man ja jetzt noch freundlich dagegen und stellt den politischen Gegner nicht als kleine Ratten o.ä. dar...) Cyrix |

Martin_D Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Samstag, 26. September 2009 - 19:37 Uhr: | |
@Kevin Matthes "Volle Zustimmung. Es kommt meiner Meinung nach unter anderem sehr auf das Verständnis für ökonomische Zusammenhänge an. Je stärker das ausgeprägt ist, desto weniger wird man geneigt sein "links" zu wählen." Ich bestreite, dass an dieser These etwas dran ist. Denn wäre sie richtig, wäre im stärker gebildeten Teil der Bevölkerung schwarz-gelb weitaus stärker als im Bevölkerungsdurchschnitt. Wahlanalysen in der Vergangenheit bestätigen die These nicht. Und ich habe auch nicht den Eindruck, dass Westerwelle oder Seehofer in letzter Zeit die besonders gebildeten Leute erreichen wollen. |

Kevin Matthes
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Samstag, 26. September 2009 - 19:55 Uhr: | |
@Cyrix Danke für den Link, sehr krass. Wäre interessant wie ich darüber denken würde wenn die FDP eine negativ Kampagne gegen Rot-Grün machen würde? Rot-Rot-Grün als Horrorszenario an die Wand zu malen, wie es z.B. Westerwelle gerne macht, kommt bei mir überhaupt nicht gut an. Ich mag es auch überhaupt nicht wenn man der Linken immer wieder ihre SED Vergangenheit vorwirft. Ich bin generell jemand der es lieber etwas harmonischer hat. Natürlich muss man sich inhaltlich streiten, aber bitte ohne Polemik. Ich finde es auch sehr positiv wenn ein Politiker in einer Diskussion einem anderen Politiker mal ausdrücklich recht gibt. Die negativ Kampagne der SPD stößt mir momentan extrem sauer auf, so unbeliebt war die SPD bei mir noch nie wie diese Tage. Zum Glück gibt sich das nach der Wahl wieder. Obwohl sympathisch wird die SPD mir wohl niemals mehr werden. |

Martin_D Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Samstag, 26. September 2009 - 20:07 Uhr: | |
Welche Negativkampagne der SPD ist denn gemeint ? Falls es eine solche wirklich geben sollte, ist sie völlig an mir vorbeigegangen. Im Gegenteil: Nach meiner Wahrnehmung hat die SPD in keinem der Wahlkampfe der vergangenen 30 Jahre die CDU so wenig angegriffen wie in diesem Wahlkampf. Das ist ja auch normal nach einer Großen Koalition, die im Großen und Ganzen vergleichsweise harmonisch war. Oder gilt es schon als böse Negativkampagne, wenn die SPD behauptet, dass die Mega-Steuersenkungsversprechungen der FDP unrealistisch sind ? |

Kevin Matthes
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Samstag, 26. September 2009 - 20:29 Uhr: | |
@Martin_D ""Volle Zustimmung. Es kommt meiner Meinung nach unter anderem sehr auf das Verständnis für ökonomische Zusammenhänge an. Je stärker das ausgeprägt ist, desto weniger wird man geneigt sein "links" zu wählen." Ich bestreite, dass an dieser These etwas dran ist. Denn wäre sie richtig, wäre im stärker gebildeten Teil der Bevölkerung schwarz-gelb weitaus stärker als im Bevölkerungsdurchschnitt. Wahlanalysen in der Vergangenheit bestätigen die These nicht." Ich bestreite energisch, dass die gebildeteren Teile der Bevölkerung automatisch mehr Verständnis für ökonomische Zusammenhänge haben. Das habe ich auch nie behauptet. Nehmen wir nur z.B. Günter Grass, sicher ein sehr gebildeter und intelligenter Mensch. Liest man sich aber einige seiner Dialoge mit anderen Intellektuellen über gesellschaftliche Probleme durch, muss man feststellen, dass er von ökonomischen Zusammenhängen absolut überhaupt nichts versteht. Das ist genau das gleiche wie wenn ich mich über Literatur auslassen würde oder versuchen würde einen Roman zuschreiben. Oder wenn ich einem Herzchirurgen erklären würde wie man ein künstliches Herz implantiert. Hier ist z.B. eine Magisterarbeit, die mit 1,0 benotet wurde: http://www.freidok.uni-freiburg.de/freidok/volltexte/2004/1208/pdf/niedriglohnstrategien.pdf "Ist jede Arbeit besser als keine ?" - Niedriglohnstrategien im "aktivierenden Sozialstaat" Diese Magisterarbeit steckt voller sachlicher Fehler. Wirklich die simpelsten Zusammenhänge werden überhaupt nicht verstanden. Trotzdem gibt es dafür die Note 1,0. Der Verfasser ist zwar formal gebildet, aber es mangelt ihm komplett am Verständnis für ökonomische Zusammenhänge. Wiwi Studenten wählen weit überwiegend Schwarz-Gelb, Sozialpädagogen z.B. mit größter Wahrscheinlichkeit überwiegend "links". "Und ich habe auch nicht den Eindruck, dass Westerwelle oder Seehofer in letzter Zeit die besonders gebildeten Leute erreichen wollen." Diesen Eindruck habe ich eigentlich bei keiner Partei, am wenigsten bei den Volksparteien. Die gebildeteren Wähler dürften weit überwiegend eh auf eine bestimmte Partei oder zumindest auf ein Lager festgelegt sein. Außerdem ist die Gruppe der besser Gebildeten wohl sehr klein im Vergleich zu den weniger Gebildeten. Wenn man nur gebildete Leute ansprechen würde, würde man vermutlich an der 5% Hürde scheitern. |

Kevin Matthes
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Samstag, 26. September 2009 - 20:43 Uhr: | |
@Martin_D tagtäglich laufen im TV SPD Wahlwerbespots in denen es nur darum geht Angst vor Schwarz-Gelb zu schüren. Ich meine nicht die normalen SPD Wahlwerbespots, sondern diese extra nur gegen Schwarz-Gelb gerichteten. Das ist in meinen Augen einfach nur billigste Polemik. Jeden Tag gab es einen anderen SPD Flyer (zumindest online) in denen einfach nur Angst vor Schwarz-Gelb geschürt wurde. Man muss doch nur die Startseite der SPD im Netz aufrufen. Die NPD schürt Angst vor Ausländer und die SPD Angst vor Schwarz-Gelb. Ich empfinde das als unglaubliche Hetzkampagne. |

Jeki Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Samstag, 26. September 2009 - 20:58 Uhr: | |
@ Kevin Ich bin mal auf www.spd.de gegangen - es stimmt tatsächlich: "Risikofaktor Schwarz-Gelb" leuchtet da gleich auf, und dann wird gleich wieder auf billigste Art und Weise mit der Angst vor Atomtechnik hantiert. Ein Armutszeugnis. |

Bernhard Nowak
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| | Veröffentlicht am Samstag, 26. September 2009 - 21:12 Uhr: | |
Zum Thema wirtschaftliche Kompetenz. Man kann immer verschiedener Meinung sein. Aber dem politisch Andersdenkenden wirtschaftliche Kompetenz abzusprechen, halte ich für falsch. Man mag Lucas Zeise (Financial Times Deutschland) mit seinem Buch: "Ende der Party" für links halten - ebenso wie Heiner Flaßbeck. Man mag Keynesianisten nicht mögen. Aber ihnen einfach ökonomische Kompetenz abzusprechen, halte ich für falsch. Jeder der Seiten hat Argumente. Der unten angegebene Artikel auf Spiegel Online etwa zeigt, warum der Wähler den Steuersenkungsplänen skeptisch gegenüber stehen kann: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,650851,00.html Mangel an ökonomischer Kompetenz kann man weder den angebotstheoretischen noch den keynesianistischen Konzepten nachsagen - man muss sich mit ihnen auseinandersetzen. Was die Kampagne der SPD gegen schwarz-gelb betrifft: es ist eine Negativkampagne - richtig. Dies liegt aber daran, weil schwarz-gelb über bestimmte Absichten selber nicht spricht, wenn man etwa über Absichten des Gutenberg-Papiers oder der Absichten des CDU-geführten Innenministeirums über Ausweitung der Kompetenzen des Verfassungsschutzes redet. Wenn darüber offen gesprochen würde, könnte eine solche Kampagne nicht geführt werden. Und die Union und die FDP machen das gleiche mit rot-rot-grün. Dies ist auch eine Negativkampagne. Beide Seiten stehen sich m.E: hier in nichts nach. |

Martin_D Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Samstag, 26. September 2009 - 21:49 Uhr: | |
@Kevin Matthes Weil sie diejenigen Ansprichen, die ein Studium Wirtschaftswissenschaften absolvieren oder in der Vergangenheit absolviert haben: Mein Eindruck ist, dass für einen nicht unwesentlichen Teil dieser Gruppe gilt, dass sie zwar sich viel Wissen zu dem Thema angelesen haben, aber das Angelesene sehr unreflektiert einfach übernehmen. Mit ein Grund für die aktuelle Wirtschafskrise übrigens. Gerade solche Leute neigen erfahrungsgemäß sehr stark zu schwarz-gelb. Wobei sich das beschriebene Phänomen, dass Angelesenes ohne kritische Reflexion übernommen, keineswegs auf Wirtschafswissenschaftler beschränkt, sondern in vielen Bereichen anzutreffen ist. Übrigens ist das für mich eines der zentralen Probleme der Bildung Deutschland, dass braves Anlesen bevorzugt wird gegenüber dem Bilden eigener, selbstständiger Standpunkte. |

Kevin Matthes
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Samstag, 26. September 2009 - 23:04 Uhr: | |
@Bernhard "Zum Thema wirtschaftliche Kompetenz. Man kann immer verschiedener Meinung sein. Aber dem politisch Andersdenkenden wirtschaftliche Kompetenz abzusprechen, halte ich für falsch." Natürlich kann man unterschiedlicher Meinung sein, wäre ja schlimm wenn das nicht möglich wäre. Ich spreche auch dem politisch Andersdenkenden nicht die wirtschaftliche Kompetenz ab. Ich bemängel nur, dass die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung praktisch über fast gar keine Wirtschaftskenntnisse verfügt. Wenn das anders aussehen würde, dann hätte es Schwarz-Gelb meiner Meinung nach einfacher. "Man mag Lucas Zeise (Financial Times Deutschland) mit seinem Buch: "Ende der Party" für links halten - ebenso wie Heiner Flaßbeck. Man mag Keynesianisten nicht mögen. Aber ihnen einfach ökonomische Kompetenz abzusprechen, halte ich für falsch. Jeder der Seiten hat Argumente." Das mach ich doch auch nicht. Beide Seiten haben ihre Existenzberechtigung und sind wichtig. Was die Steuersenkungspläne der FDP angeht, so bin ich da selbst sehr skeptisch. Zum einen sind es genau die gleichen wie schon 2005. Die veränderte Finanzlage der öffentlichen Haushalte wird dabei überhaupt nicht berücksichtigt. Mich ärgert es sehr, dass die FDP die Steuersenkung in den Mittelpunkt des Wahlkampfes stellt. Das lässt sich halt am einfachsten medienwirksam verkaufen. Komplexere Zusammenhänge lassen sich über die Medien überhaupt nicht transportieren. Das zeigt auch dieser Artikel im Spiegel. Das ist einfach nur niveauloser Journalismus. Steuersenkungen alleine würden nun wirklich nichts zum besseren wenden. Steuersenkungen alleine halte ich sogar für ziemlich schädlich. Die Steuerbelastung ist in Deutschland auch nun wirklich nicht das Problem. Rot-Grün hat die Einkommensteuer massiv gesenkt, ohne dass das zu einem signifikantem Wirtschaftswachstum geführt hätte. Das Problem ist die hohe Grenzabgabenbelastung. Da muss die Politik ansetzen. Da sehe ich auch die eigentliche Stärke des FDP Programms, wobei sie das nicht als solche herausstellt weil es kaum jemand verstehen würde bzw. viele FDP Politiker es vermutlich selbst nicht verstehen. Wenn man die Vorschläge der FDP in diesem Bereich umsetzen würde, dann würde die Grenzabgabenbelastung für die Arbeitnehmer die vom Einkommen her unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze liegen, extrem stark sinken. Die hätten Netto zwar erstmal nicht mehr in der Tasche, aber von zusätzlich hinzuverdienten 100 Euro würde auf einmal deutlich mehr übrig bleiben. Es bestünde ein Anreiz deutlich länger zu arbeiten. Das würde im Laufe der Zeit dazu führen, dass wir uns bei der jährlichen Arbeitszeit der Schweiz annähern würden. In vielen Bereichen würde das Programm der FDP meiner Meinung nach Deutschland in Richtung Schweiz bewegen. Die Senkung der Grenzabgabenbelastung würde eines unser Hauptprobleme lösen, nämlich dass wir viel zu kapitalintensiv produzieren. Die bisherigen Maßnahmen die Lohnnebenkosten zu senken waren allesamt lächerlich. Um zu mehr Wirtschaftswachstum zu kommen muss mehr vom Faktor Arbeit in der Produktion eingesetzt werden. Die Politik behauptet immer, dass mehr Wirtschaftswachstum zu mehr Arbeit führt. Die vertauschen recht gerne Ursache und Wirkung. "Was die Kampagne der SPD gegen schwarz-gelb betrifft: es ist eine Negativkampagne - richtig. Dies liegt aber daran, weil schwarz-gelb über bestimmte Absichten selber nicht spricht, wenn man etwa über Absichten des Gutenberg-Papiers oder der Absichten des CDU-geführten Innenministeirums über Ausweitung der Kompetenzen des Verfassungsschutzes redet. Wenn darüber offen gesprochen würde, könnte eine solche Kampagne nicht geführt werden." Diese herumgeisternen Arbeitspapiere? Ist es nicht normal dass jedes Ministerium zu allen möglichen Richtungen über die man nachdenken könnte, Arbeitspapiere anfertigt? Ich weiß es nicht. Ich finde es nur unredlich von der SPD diese Arbeitspapiere so darzustellen, dass die unter Schwarz-Gelb umgesetzt würden. Wobei ich gestehen muss, dass ich die Berichterstattung dazu überhaupt nicht richtig verfolgt habe. "Und die Union und die FDP machen das gleiche mit rot-rot-grün. Dies ist auch eine Negativkampagne. Beide Seiten stehen sich m.E: hier in nichts nach." Wie schon geschrieben, finde ich es von Schwarz-Gelb nicht gut, wenn man Rot-Grün unterstellt, dass sie bedenkenlos Rot-Rot-Grün machen würden. Obwohl die da meiner Meinung nach schon redlicher argumentieren. Die unterstellen Steinmeier ja nicht, dass er mit den Linken paktieren würde. Außerdem gibt es meines Wissens auch keine Wahlwerbespots in denen Union oder FDP auf Rot-Grün rumhacken. Auch auf deren Internetseiten findet man so schnell keine negativ Kampagnen. |

Schwarzgelb Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Samstag, 26. September 2009 - 23:31 Uhr: | |
TV-Total-Prognose: http://img87.imageshack.us/img87/1257/prosieben20090926225721.png TV-Total-Prognose mit "Koeffizienten". Der Korrektur-Koeeffizient entspricht den Abweichungen der Umfrageergebnisse des Jahres 2005 von dem amtlichen Endergebnis der 2005er-Wahl. http://img268.imageshack.us/img268/9198/prosieben20090926225953.png Ich meine wir müssen uns über die Nicht-Repräsentativität einer aktiven Telefon- und SMS-Umfrage nicht unterhalten, aber der Zeitvergleich zu 2005, bei dem diese Nicht-Repräsentativität ja auch schon galt, war durchaus interessant. Insbesondere mit welcher Konstanz die SPD 20%-Verluste hatte. |

Verwirrt Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Samstag, 26. September 2009 - 23:38 Uhr: | |
"Ich bin mal auf www.spd.de gegangen - es stimmt tatsächlich: "Risikofaktor Schwarz-Gelb" leuchtet da gleich auf, " Das ist - Stand 23.30 - schlicht und ergreifend eine Lüge. |

b.schütt Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Samstag, 26. September 2009 - 23:48 Uhr: | |
Nach der Prognose also 46 % für Union/FDP und 48 % für SPD/Grüne/Linke. Das würde ja den Trend laut Forsa bestätigen. Falls die SPD, wie in der Prognose angedeutet, aber katastrophal abschneidet, bedeutet dies Überhangmandate in erheblicher Zahl für CDU/CSU und damit wäre eine Mehrheit für CDU/CSU/FDP gesichert. Allem anschein nach läuft es morgen darauf hinaus, daß wir erstmals eine Regierung erhalten, die vom Wahlvolk stimmenmäßig keine Mehrheit erhalten hat. |

Jeki Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Samstag, 26. September 2009 - 23:49 Uhr: | |
@Verwirrt Bitte vorsichtiger mit Unterstellungen umgehen. Offenbar verändert sich die Seite von Zeit zu Zeit. Um 21:00 wurde auf jeden Fall gegen Schwarz-Gelb polemisiert. |

Kevin Matthes
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Sonntag, 27. September 2009 - 00:06 Uhr: | |
@Martin_D "Mein Eindruck ist, dass für einen nicht unwesentlichen Teil dieser Gruppe gilt, dass sie zwar sich viel Wissen zu dem Thema angelesen haben, aber das Angelesene sehr unreflektiert einfach übernehmen." Das sehe ich nicht ganz so. Es ist zwar so, dass in der Wirtschaftswissenschaft an deutschen Unis die neoklassische Theorie ganz klar im Vordergrund steht, mehr als im angelsächsichen Bereich oder in Frankreich. Es ist aber nicht so, dass die ganzen anderen Strömungen der Wirtschaftswissenschaften ausgeblendet würden. Es ist auch nicht so, dass die keynesianische Theorie als Mumpitz dargestellt wird. Ich würde auch bestreiten, dass man sich in VWL besonders viel anlesen könnte. In BWL geht das in weiten Teilen ja noch, aber nicht in VWL. Das meiste in der BWL versteht man praktisch sofort. In VWL dauert das Verstehen meist viele Semester. Vieles ist mir erst im Hauptstudium klar geworden. Man muss z.B. die ganzen Modelle wirklich verstehen, das funktioniert nicht mit anlesen oder auswendig lernen. Es ist doch auch nicht so, dass VWL eine Wissenschaft wäre, die nicht immer wieder alte Erkenntnisse in Frage stellen würde. Kritiker von Außen werfen ihr teilweise vor, dass Ökonomen Modelle und Theorien unreflektiert zur Kenntnis nehmen würden. Diesen Vorwurf halte ich für absurd. Die Kritik von Außen scheint mir oft wenig gehaltvoll. Die berechtigte Kritik kommt fast ausschließlich von innerhalb der Wissenschaft. "Mit ein Grund für die aktuelle Wirtschafskrise übrigens. Gerade solche Leute neigen erfahrungsgemäß sehr stark zu schwarz-gelb." Sorry, aber das ist nun wirklich völliger Humbug. Das wird zwar immer wieder in den Medien behauptet, entbehrt aber jeglicher Grundlage. Eine ganz entscheidende Strömung in der Ökonomie ist der Monetarismus. Der steht übrigens im krassen Widerspruch zum Keynesianismus. Kernforderung des Monetarismus ist eine strikte Begrenzung des Geldmengenwachstums. Die Geldmenge soll unabhängig von irgendwelchen politischen Überlegungen um eine feste Rate Wachsen. Milton Friedman und Walter Eucken haben zu dem mal vorgeschlagen, dass der Mindestreservesatz der Geschäftsbanken auf 100% angehoben werden sollte. Damit könnten diese überhaupt keine Geldschöpfung mehr betreiben. Wenn es nach der herrschenden Lehre gehen würde, dann wäre es nie zu dieser Krise gekommen. Die Ursache dieser Krise war die extrem starke Ausweitung der Geldmenge und der politische Wille, dass jede noch so einkommensschwache Familie in den USA ein Eigenheim besitzen sollte. Die starke Ausweitung der Geldmenge ist ein typisches Instrument keynesianischer Wirtschaftspolitik. Die Ursache und die Folgen dieser Krise kann man jedem VWL Lehrbuch entnehmen. Es wird auch recht wenig nützen die Finanzmärkte stärker zu regulieren, das ist zwar besser als nichts, aber wenn das Geldmengenwachstum nicht begrenzt wird, dann wird es wieder zu solchen Krisen kommen. Lafontaine war ein heißer Verehrer von Alan Greenspan. Lafontaine hat immer eine starke Ausweitung der Geldmenge gefordert. Nun stellt er sich hin und bemängelt, dass die Finanzmärkte nicht ausreichend reguliert waren. Das ist so als ob jemand ein Haus anzündet und sich dann beschwert, dass die Brandschutzbestimmungen nicht ausreichend seien. Wenn es nach der Wissenschaft ginge, dann wären solche Krisen unmöglich. "Wobei sich das beschriebene Phänomen, dass Angelesenes ohne kritische Reflexion übernommen, keineswegs auf Wirtschafswissenschaftler beschränkt, sondern in vielen Bereichen anzutreffen ist. Übrigens ist das für mich eines der zentralen Probleme der Bildung Deutschland, dass braves Anlesen bevorzugt wird gegenüber dem Bilden eigener, selbstständiger Standpunkte." Ich frage mich was für selbständige Standpunkte man als VWL Student einnehmen könnte? Der durchschnittliche Student ist sicher nicht mit soviel Genialität beschenkt, dass er eigene Theorien entwickeln könnte. Eigene Standpunkte einnehmen, die den grundlegenden Erkenntnissen der Wirtschaftswissenschaft widersprechen macht meiner Meinung nach keinen Sinn, es sei denn man kann die Gesetze widerlegen. Ein Mathematiker kann auch schlecht den Standpunkt einnehmen, dass die Menge der natürlichen Zahlen endlich wäre. In der Regel wird jeder Student der Wirtschaftswissenschaften sich mehr oder weniger einer oder mehrerer Schulen zugehörig fühlen. Nach den einfachsten Modellen kann es z.B. keine Arbeitslosigkeit geben, aber wir haben in der Realität leider Arbeitslosigkeit. Es gibt unglaublich viele verschiedene Theorien warum es doch Arbeitslosigkeit geben kann, obwohl die nach den grundlegenden Modellen unmöglich ist. Alle diese verschiedenen Erklärungsansäzte haben ihre Daseinsberechtigung. Diese Theorien bringen uns wichtige Erkenntnisse wie man die Arbeitslosigkeit bekämpfen kann. Es wäre schön wenn die Politik mehr auf die Wissenschaft hören würde. Im Vergleich zu den USA (als Beispiel) hinterfragen sowohl die Schüler als auch die Studenten schon sehr viel. Eigenständiges Denken ist meiner Meinung nach hier mehr gefragt als in den USA. Meiner Meinung nach haben viele Menschen leider ein sehr verzerrtes Bild der Wirtschaftswissenschaften. In Bezug auf einige Bereiche der BWL stimmen ja viele der Vorwürfe, aber die wenigsten scheinen zu wissen um was es in der VWL geht und wie es innerhalb der Wissenschaft aussieht. Es gibt z.B. kaum einen VWL Professor, der ein gutes Haar an der Politik lassen würde, egal von welcher Partei. Professoren wie Sinn oder Hickel sind unter der Mehrzahl der VWL Professoren auch sehr unbeliebt, völlig egal welcher Schule die nahe stehen. |

Kein Ökonom Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Sonntag, 27. September 2009 - 00:30 Uhr: | |
@ Kevin Matthes, ich bin ganz froh, dass es nicht nur Wirtschaftswissenschaftler in der Politik gibt, die erzählen einem mit Impetus, dass Menschen für einen Hungerlohn arbeiten sollen, so dass selbst Filialleiter froh sein sollen, wenn sie 750 Euro verdienen - siehe Artikel über Kik in Spiegel-Online (heute Abend), denn, wenn man höhere Löhne zahlen muss, gäbe es die Arbeit nicht, den Rest solle der Staat zuschiessen - der aber kein Geld hat, weil er besser Steuergeschenke verteilen soll wegen der Progression. Nein, da ist mir eine Physikerin lieber, die das tut, was man als Volkspartei tun muss: Rahmenbedingungen schaffen, in der alle am Fortschritt partiziperen und dabei haben ihr die Minister der SPD geholfen das umzusetzen, insbesondere in der Wirtschaftskrise, allein das macht die Große Koalition zu einer guten. Ich empfinde es als Negativkampagne, wenn die FDP sagt, SPD fehle der Mut - wenn man tollkühn Steuergeschenke verteilen will, dann bin ich froh, wenn andere nicht den Mut haben da mitzumachen. Und eine der übliche Beschimpfungen wird auch nicht wahrer, wenn man sie alle 4 Jahre wiederholt: die SPD rückt ständig nach links. So oft (nach dem Abgang Helmut Schmidt, nach dem Putsch Scharpings durch Lafontaine, nach der Annäherung an die Grünen, nach dem Ende von Schröder und jetzt eben wieder...). Mal sehen was in 4 Jahren die Ursache für den nächsten Linksrutsch ist. |

Verwirrt Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Sonntag, 27. September 2009 - 00:36 Uhr: | |
@Jeki Sie haben selbst einen Link gesendet, der nicht belegt, was sich behaupten. Darauf habe ich aufmerksam gemacht. In Ihrer Replik rudern sie ja auch zurück. Wen wundert es, wenn eine Partei gegen ihre politischen Gegner polemisiert. Im Sinne des Posts, auf den ich ursprünglich reagiert habe, fühle ich mich bestätigt. |

Bernhard Nowak
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Sonntag, 27. September 2009 - 00:42 Uhr: | |
@Kevin: Im wirtschaftlichen Bereich stimme ich Dir vollkommen zu. Es ist in der Tat die hohe Grenzbelastung, die relativ früh einsetzende Steuer-Progression, die aus meiner Sicht beseitigt werden muß. Und meines Erachtens hätte die FDP stärker herausstellen müssen, dass ein vereinfachter Steuersatz (15,25,35%) von ihr geplant wird, um das deutsche Steuersystem international wettbewerbsfähiger zu machen, also den Standort Deutschland nicht durch ein kompliziertes Steuerrecht gegenüber anderen Staaten zu benachteiligen. Und Tatsache ist auch, dass es in der Endzeit von Helmut Kohl - und da regierte die FDP noch mit - es höhere Steuern gab wie unter rot-grün, wo sie immerhin gesenkt worden sind. Allerdings muß man hier konstatieren, dass die SPD ab 1995 die Mehrheit im Bundesrat hatte und Lafontaine eine geplante Steuerreform blockiert hat. Zum politischen Bereich: hier bleibe ich dabei, dass die Union - nicht die FDP - keinen konkreten Wahlkampf geführt hat. Und dies verängstigt die Menschen, weil sie sagen: die planen Einschnitte und wollen es uns nicht sagen. Und die Reaktion der Generalsekretäre von CDU und CSU auf die berechtigte Frage, was Guttenberg mit seinen Äußerungen meine, man müsse auf "Liebgewordenes verzichten" (einer sagt: ich weiß es nicht, der andere sagt: auf Steinbrück) ist lächerlich. So geht dies m.E. nicht. Und natürlich fährt die SPD da eine Kampagne, denn die Politiker sollen dazu stehen, dass es Arbeitspapiere in ihren Ministerien gibt und sich nicht (scheinheilig) davon distanzieren. Sie sollen im Wahlkampf "Farbe bekennen" und sich der Diskussion mit ihren Mitbewerbern stellen - auch Frau Merkel. Sie ist Kanzlerin, nicht Monarchin. Da hat Westerwelle völlig recht. Wie auch immer: es wird spannend morgen, das hat die Sendung von Stefan Raab gezeigt. Linke und FDP werden gute Ergebnisse einfahren, CDU, SPD leicht verlieren, die Grünen - vermutlich auch wegen der Piratenpartei - nicht so sehr gewinnen. Mal sehen, was da morgen auf uns zukommt und wer sein Wählerpotential mobilisiert. Ich selber bedaure sehr diese "Ausschließeritis" der kleinen Parteien, also der FDP und der Grünen. Aus meiner Sicht müssen die demokratischen Parteien untereinander gesprächs- und koalitionsfähig sein. Weimar ging unter, weil dies nicht mehr der Fall war und die demokratischen Parteien zu wenig kompromissfähig waren. Wenn also morgen abend die große Koalition fortgesetzt wird - was möglich zu sein scheint, wenn es für schwarz-gelb nicht reicht, dann sollten alle Parteien mal überlegen, ob sie klug damit fahren, weiter Optionen auszuschließen, anstatt zu sagen: hier liegt meine Präferenz, aber wenn die nicht die Mehrheit bekommt, bin ich auch zur anderen Seite gesprächsfähig. Dies fände ich besser für unser Land. |

Cyrix Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Sonntag, 27. September 2009 - 00:46 Uhr: | |
Also mir hat immernoch keiner erklären können, wo das Problem einer ach so komplizierten linearen Progression ist. Ich meine, das schlimmste, was man da machen muss, ist den Flächeninhalt von rechtwinkligen Dreiecken ausrechnen. Das lernt man irgendwo in Klasse 5-7... Das deutsche Steuerrecht krankt in seiner Kompliziertheit wohl kaum an einem linear ansteigenden Grenzsteuersatzes, sondern an zig Möglichkeiten sein zu versteuerndes Einkommen zu drücken. Alles andere zu behaupten ist reiner Populismus. Cyrix |
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