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Tipps und Tricks (Erststimme Wahlkrei...

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achoo
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Montag, 29. Juni 2009 - 19:51 Uhr:   

In BW entstehen erfahrungsgemäß Überhangmandate für die CDU. Wenn man das bürgerliche Lager unterstützen will, werden auf dieser Seite wohl noch Tipps gegeben(IHMO Erststimme CDU Zweitstimme FDP wg negativem Stimmrecht). Wenn man Rot-Grün unterstützen möchte lohnt es sich angesichts der Kommunalwahlergebnisse in Stuttgart mit der Erststimme Grün zu wählen, wenn man annimmt, dass im Wahlkreis Stuttgart auch wieder Stuttgart 21 Wahlkampfthema sein wird?
Haben die Grünen die Chance auf das Direktmandat?
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Nordlicht
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Montag, 29. Juni 2009 - 20:28 Uhr:   

Vor vier Jahren waren die Vorsprünge in Stuttgart knapp.

Stuttgart I, 2005
Erststimmen: CDU 56 243, SPD 55 593 => Vorsprung 650
Zweitstimmen: CDU 46 703, SPD 43 391 => Vorsprung 3 312

Stuttgart II, 2005
Erststimmen: SPD 57 524, CDU 54 297 = Vorsprung 3 227
Zweitstimmen: SPD 46 334, CDU 45 045 = Vorsprung 1 289

http://www.bundeswahlleiter.de/de/bundestagswahlen/BTW_BUND_05/ergebnisse/wahlkreisergebnisse/l08/wk259/wk_tabelle_259.html http://www.bundeswahlleiter.de/de/bundestagswahlen/BTW_BUND_05/ergebnisse/wahlkreisergebnisse/l08/wk260/wk_tabelle_260.html
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 30. Juli 2009 - 21:32 Uhr:   

"Haben die Grünen die Chance auf das Direktmandat?"
Nein, beide werden an die CDU gehen. Zur Verhinderung von Überhangmandaten hätten sich SPD und Grüne absprechen müssen, sprich SPD und Grüne treten nur in jeweils einem Stuttgarter Wahlkreis an. Stuttgart II würde aber auch dann wahrscheinlich an die CDU gehen, Stuttgart I wäre unsicher.
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albertk
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Donnerstag, 20. August 2009 - 21:26 Uhr:   

Ich schätze, die beiden Stuttgarter Wahlkreise werden diesmal an die CDU gehen. Auf der Webseite des Bundeswahlleiters kann man seit einiger Zeit auch die umgerechneten Wahlkreisergebnisse (die Wahlkreise sind diesmal etwas anders zugeschnitten) von 2005 nachsehen:

http://www.bundeswahlleiter.de/de/bundestagswahlen/BTW_BUND_09/ergebnis_2005_umgerechnet/wahlkreisergebnisse/l08/

Ich gebe hier nur mal die Prozentzahlen der 5 Bundestagsparteien aus dem Jahr 2005 umgerechnet auf die neuen Wahlkreise wieder (jeweils Erst- und Zweitstimmen):

Stuttgart I
CDU 39,2 (32,5)
FDP 6,7 (13,7)
SPD 38,6 (30,2)
GRÜNE 10,4 (17,2)
LINKE 3 (3,9)
D.h. hier lag die CDU nur knapp vor der SPD (0,6%), aber die Grünen hätten einen Stimmengewinn von rund 29% der Erststimmen gebraucht, bzw. geht man vom guten Zweitstimmenergebnis aus wären es 22%. Einen solchen Erdrutsch halte ich nicht mal angesichts des bekannten grünen Direktbewerbers Özdemir für möglich.

Noch aussichtsloser für die Grünen sieht es im zweiten Stuttgarter Wahlkreis aus:

Stuttgart II
CDU 39,7 (33,0)
FDP 4,3 (11,9)
SPD 42,1 (33,9)
GRÜNE 6,6 (12,6)
LINKE 4,7 (4,8)

Hier lag die SPD knapp vor der CDU (2,4%), ein Ergebnis, das sie kaum wiederholen wird. Nach allen Umfragen scheint diese Partei rund 1/3 ihrer Wähler bundesweit zu verlieren. Eine Chance auf ein grünes Direktmandat besteht hier kaum.
Man darf nicht den Fehler machen, Wahlen mit geringer Wahlbeteiligung wie Europa- oder Kommunalwahlen für eine Bundestagswahl hochzurechnen.
Hier empfiehlt sich Stimmensplitting wie in den meisten Wahlkreisen in Baden-Würtemberg für die Wähler der Grünen zugunsten der SPD. Die CDU hatte schon bei den letzten Wahlen in Baden-Württemberg 3 Überhangmandate. Folgt man den Prognosen auf election.de bekäme die CDU diesmal sogar fast alle Wahlkreise in Baden-Württemberg außer Freiburg, d.h. hier sind sogar noch mehr Überhangmandate für die CDU sicher (ca. 4-7).
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Kevin Matthes
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 10. September 2009 - 22:07 Uhr:   

In Baden-Württemberg könnte es für Rot-Grün beim Verhindern von CDU Überhangmandaten sehr schlecht laufen.

Nach den gegenwärtigen Umfragen dürfte die Union ihr Ergebnis von vor vier Jahren wiederholen. FDP und Grüne legen vermutlich um jeweils 4 Prozentpunkte zu. Die Linke legt um 2 Prozentpunkte zu. Die SPD verliert wahrscheinlich 10 Prozentpunkte.

Wenn man diese Veränderungen auf die wackeligen Wahlkreise in BaWü übertragen würde, dann wird es kritisch. Mit schöner Regelmäßigkeit gibt die Hälfte der FDP Wähler ihre Erststimme dem CDU Kandidaten. Das dürfte bei dieser Wahl nicht anders sein. Vermutlich wird das Stimmensplitting der FDP Wähler sogar zunehmen, die zusätzlichen FDP Wähler sind in erheblichem Umfang ja ehemalige CDU Wähler. Die Grünenwähler geben in der Regel nur zu ca. 40% ihre Erststimme dem SPD Kandidaten. Da es diesmal kein Rot-Grünes Projekt gibt, wird das vermutlich nicht zunehmen. Die Wähler der Linken machen kaum vom Stimmensplitting gebrauch.

Zu den fraglichen Wahlkreisen würde ich Mannheim, Freiburg, Lörrach und Stuttgart I+II zählen.


Mannheim:

Zweitst. 05 / Zweitst. 09 / Erstst. 09
CDU 31 / 31 / 38
SPD 37 / 27 / 37
FDP 10 / 14 / 7
Grüne 11 / 15 / 8
Linke 7 / 9 / 8
Sonstige 4 / 4 / 2

Der Kandidat der CDU erhält die 31% der CDU plus 7% der FDP, macht 38%. Der Kandidat der SPD die 27% der SPD plus 7% der Grünen, macht 34%. Von der Linken kommt vielleicht noch 1% dazu. Beim letzten mal haben die Sonstigen keinen Direktkandidaten aufgestellt, jetzt sind es gleich deren drei. Der SPD Kandidat kann vielleicht noch 2% von den Sonstigen bekommen, dann wäre er bei 37%. Das Rennen in Mannheim kann sehr knapp werden. Der CDU Kandidat könnte das Direktmandat holen.


Lörrach:

Zweitstimmen 05 / Zweitstimmen 09
CDU 35 / 35 / 42
SPD 35 / 25 / 35
FDP 10 / 14 / 7
Grüne 13 / 17 / 9
Linke 4 / 6 / 5
Sonstige 3 / 3 / 2

Der Wahlkreis dürfte ziemlich sicher an die CDU gehen, zumal die SPD bei der letzten Wahl noch mit Caspers-Merk angetreten ist.


Freiburg:

Hier holte beim letzten mal Gernot Erler von der SPD mit großem Vorsprung das Direktmandat. Hier tritt aber auch Kerstin Andreae von den Grünen an. Beim letzten mal hat sie noch zur Wahl von Gernot Erler aufgerufen, diesesmal möchte sie selbst die Erststimmen haben. Weil sie sich bessere Chancen ausrechnet. Der CDU Kandidat könnte der lachende Dritte sein.

CDU 29 / 29 / 36
SPD 31 / 21 / 36
FDP 9 / 13 / 6
Grüne 23 / 27 / 14
Linke 5 / 7 / 6
Sonstige 3 / 3 / 2


Stuttgart II / Nord:

CDU 33 / 33 / 41
SPD 34 / 24 / 35
FDP 12 / 16 / 8
Grüne 12 / 16 / 8
Linke 5 / 7 / 6
Sonstige 4 / 4 / 2

Ich denke, dass der Wahlkreis recht sicher an die CDU geht. Dazu kommt noch, dass hier auch ein Direktkandidat der Piraten antritt.


Stuttgart I / Süd:

CDU 32 / 32 / 41
SPD 30 / 20 / 32
FDP 14 / 18 / 9
Grüne 17 / 21 / 11
Linke 4 / 6 / 5
Sonstige 3 / 3 / 2

Hier tritt Cem Özdemir von den Grünen an. Der wohl auch um die Erststimmen kämpfen will. Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass er soviele bekommt um dem Kandidaten der CDU gefährlich zu werden. Auch hier tritt zu dem ein Kandidat der Piratenpartei an.


Es könnte wirklich passieren, dass die CDU alle 38 Wahlkreise gewinnt. Bei einem landesweitem Zweitstimmenergebnis von 39% würden ihr aber nur 31 Sitze zustehen, das wären dann wirklich 7 Überhangmandate.

Warum SPD und Grüne sich hier nicht besser absprechen kann ich nicht so ganz nochvollziehen.
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 10. September 2009 - 22:50 Uhr:   

SPD und Grüne hätten Absprachen treffen können um CDU-Überhangmandate zu vermeiden. Aber sie ziehen es wohl vor, sich hinterher über diese zu beklagen. Es wäre z.B. problemlos möglich gewesen, in beiden Stuttgarter Wahlkreisen jeweils nur einen Bewerber aufzustellen, da Stuttgart I schon 2005 an die CDU ging und es somit keinen SPD-Platzhirsch gibt. Was die Grünen in Freiburg anstellen, ist schlicht Wahlhilfe für die CDU. Die Grüne wird natürlich nicht gewinnen, viele Grünen-Wähler werden die Erststimme auch weiterhin der SPD geben und selbst nach Zweitstimmen werden die Grünen wahrscheinlich hinter der CDU landen. Interessant ist übrigens, daß die Grünen in der Stadt Freiburg nicht unerheblich verloren bei der Europawahl, von 36,8 auf 32,5%. Bei der gleichzeitigen Kommunalwahl bekamen sie 23,9% statt 25,8% 2004. Offensichtlich haben die Grünen ihr Maximum in Freiburg erreicht.

Landesweit wird die CDU mindestens 36 Direktmandate holen, nur Mannheim und Freiburg sind nicht sicher.
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Taugenichts
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 11. September 2009 - 02:24 Uhr:   

Freiburg hat ja schon seit Jahren mit Dieter Salomon einen bündnisgrünen OB. Offensichtlich gibt es nun auch da gewisse Abnutzungserscheinungen, wie sie jede „Regierungspartei“ früher oder später aufweist.
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albertk
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Freitag, 11. September 2009 - 10:43 Uhr:   

Kevin Mattes schrieb: "Es könnte wirklich passieren, daß die CDU alle 38 Wahlkreise gewinnt. Bei einem landesweiten Zweitstimmenergebnis von 39% würden ihr aber nur 31 Sitze zustehen, das wären dann wirklich 7 Überhangmandate."

Ihre Rechnung habe ich an anderer Stelle auch schon mal - mit anderen Berechnungsmethoden (vergleichbar einer Simulation bei Mehrheitswahl) - durchkalkuliert. Das ist nachzulesen im Thread Reform des Bundestagswahlrechts. Legt man die letzte baden-württembergische Umfrage zur Bundestagswahl käme man tatsächlich auf ein solches Ergebnis. Legt man die derzeitigen Umfragen zugrunde und rechnet den Bundestrend auf die Wahlkreise um, sind höchstens noch 2 Wahlkreise für die SPD drin (Mannheim und Freiburg).

Die Erststimmenkampagne der Grünen in Freiburg ist, wie Thomas Frings treffend schreibt, eine CDU-Wahlhilfe. Freiburg hat zwar einen grünen OB, aber man sollte sich mal lieber die bisherigen Bundestagswahlergebnisse ansehen. Bisher war da kein Direktmandat in Aussicht, weil bei höherer Wahlbeteiligung auch der Anteil der Grünen Stammwähler schwindet.

Meine Zahlen habe ich übrigens von der Webseite des Bundeswahlleiters - und sie differieren mit denen von Kevin Mattes.

WK Freiburg: 2005 (1.Stim/2.Stim) + 2002
CDU 34,4% 29,6% 31,9% 30,5%
SPD 45,1% 31,0% 48,3% 33,5%
FDP 3,1% 9,1% 5,8% 7,0%
Grüne 11,0% 22,8% 12,7% 25,0%
Linke 4,3% 4,9% 1,3% 1,7%

Durch das Stimmensplitting war Freiburg bisher ein sicherer SPD-Wahlkreis, bei einem Erdrutsch der SPD (1/3 Verluste nach derzeitigen Umfragen) ist er es aber nicht mehr. Mehr noch: Durch die Erststimmenkampagne der Grünen könnte selbst dieser Wahlkreis, in dem die CDU eher schwach ist (~30%), von ihr gewonnen werden.

In Stuttgart betreibt Cem Özdemir ebenfalls eine Erststimmenkampagne - und ist nicht auf der Liste abgesichert. Auch das halte ich für eine Wackelpartie, die leicht zugunsten der CDU ausgehen wird.
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Kevin Matthes
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 11. September 2009 - 11:17 Uhr:   

@albertk

Zustimmung.

Nur das hier verstehe ich nicht:

"Meine Zahlen habe ich übrigens von der Webseite des Bundeswahlleiters - und sie differieren mit denen von Kevin Mattes."

Meine Zahlen stammen auch vom Bundeswahlleiter und die sind doch auch praktisch identisch mit Deinen. Ich habe allerdings die Nachkommastellen weggelassen und entsprechend so gerundet, dass sich in der Summe 100 ergibt.
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Ratinger Linke
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Freitag, 11. September 2009 - 12:28 Uhr:   

Aus der Sicht der Grünen kann es durchaus sinnvoll sein, massive Erststimmenkampagnen in Überhangländern zu fahren, die in der direkten Wirkung der CDU nutzen. Den eigenen Kandidaten schadet das nicht (eher hilft es bei der Mobilisierung), und die Machtperspektive ist ohnehin gering (ohne die CDU zumindest).

Möglichst viele Überhangmandate bieten aber taktische Vorteile in der längeren Frist. Wenn die 30 voll werden und damit die vom Bundesverfassungsgericht angedeutete Grenze überschritten wird, sind die Unionsgelüste nach voller Beibehaltung des Überhangs gleich viel aussichtsloser. Und mit einer vom Überhang abhängigen Regierung wäre er völlig diskreditiert.

Außerdem macht eine nach Erststimmen sehr schwache SPD die Einführung eines (klassischen) Mehrheitswahlrechts absolut sinnlos (Folge wäre dann entweder ein weitgehendes Einparteienparlament oder aber weiter ein Vielparteienparlament ohne klare Mehrheiten).

Dazu kommt noch, dass die Grünen gerade in Baden-Württemberg nicht mehr so klar in ein einzelnes Lager einsortierbar sind. Auch in einer Stichwahl könnte die SPD nicht mehr einfach pauschal alle Grünenstimmen auf sich umbuchen. Und wer längerfristig die Mehrheit in Wahlkreisen wie Freiburg anstrebt, muss irgendwann damit anfangen, die Wähler umzuerziehen, die ja gerade erst dabei sind, das Stimmensplitting zu lernen.
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Ralf Arnemann
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 11. September 2009 - 13:55 Uhr:   

@Ratinger Linke:
> und die Machtperspektive ist ohnehin gering
Richtig.
Eigentlich ist es für die Grünen fast noch mehr als für die SPD strategisches Ziel, daß es bei der Bundestagswahl ein klares schwarz/gelb gibt - damit ersparen sie sich erhebliche Zerreißproben wg. Jamaika.
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Taugenichts
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 11. September 2009 - 14:31 Uhr:   

Gernot Erler, der als SPD-Direktkandidat in Freiburg antritt, ist als Staatsminister im Auswärtigen Amt zumindest den politisch Interessierten ein Begriff. Das sollte ihm doch eigentlich bei der Wahl nützen?
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Kevin Matthes
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 11. September 2009 - 15:58 Uhr:   

@Taugenichts

Sicher wird ein prominenter Direktkandidat auch aus dem anderen Lager ein paar Stimmen bekommen wenn diese nur ein unbekanntes Gesicht präsentieren kann. Sonderlich viel scheint das aber nicht auszumachen.

Ergebnis für Freiburg 2005:

Erststimmen / Zweitstimmen für:
Rot-Grün: 56,1% / 53,8%
Schwarz-Gelb: 38,2% / 38,7%
Linke: 4,3% / 4,9%
Sonstige: 1,4% / 2,6%

Wenn man jetzt annimmt, dass der Unterschied zwischen den beiden Ergebnissen der Linken komplett zu Rot-Grün geht und sich der Unterschied bei dem Ergebnis der Sonstigen im Verhältnis des Zweitstimmenanteils von Schwarz-Gelb zu Rot-Grün auf die Erstimmen verteilt ergebe sich folgendes Bild:

53,8% + 0,6% + 0,7% = 55,1%
38,7% + 0,5% = 39,2%

Nach dieser Rechnung scheint es so zu sein, dass 1 Prozentpunkt aus dem Schwarz-Gelbem Zweitstimmenlager ins Rot-Grüne Erststimmenlager geflossen sind. Vor dem Hintergrund der recht bekannten roten und grünen Spitzenkandidaten finde ich das nicht viel.

Wenn man für die kommende Wahl annimmt, dass die CDU ihr Zweitstimmenergebnis hält, FDP und Grüne jeweils 4 Prozentpunkte zulegen und die Linke um 2 Prozentpunkte zulegt. Die SPD 10 Prozentpunkte verliert. Und wenn man dann noch annimmt, dass das Erststimmenergebnis von Schwarz-Gelb bzw. Rot-Grün im gleichen Verhältnis zum Zweitstimmen Ergebnis wie bei der letzten Wahl eintritt dann ergibt sich folgendes:

Ungefähr zu erwartendes Erststimmenergebnis:

Schwarz-Gelb: 42%
Rot-Grün: 50%
Linke: 6%
Sonstige: 2%

Von den 42% für Schwarz-Gelb sind maximal 6% für den FDP Kandidaten, eher weniger. Der CDU Kandidat dürfte wohl mindestens 36% bekommen. Bei der letzten Wahl hat Kerstin Andreae 11% der Erststimmen bekommen und das obwohl sie zur Wahl von Gernot Erler aufgerufen hat. Jetzt wirbt sie selbst um die Erststimme. Wenn Sie nun 14% bekommen würde, dann würde Gernot Erler nur noch 36% bekommen, genauso viel wie der CDU Kandidat. Vermutlich wird sie aber mehr als 14% bekommen. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass es sehr knapp für Gernot Erler wird.

Das sind natürlich alles nur Zahlenspielereien. Es kann natürlich auch völlig anders kommen. Z.B. SPD verliert in Freiburg nur 5%, CDU verliert dafür aber ebenfalls 5%.
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Ralf Arnemann
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 11. September 2009 - 17:51 Uhr:   

@Taugenichts:
> Gernot Erler, der als SPD-Direktkandidat in
> Freiburg antritt, ist als Staatsminister im
> Auswärtigen Amt zumindest den politisch
> Interessierten ein Begriff.
In der Berliner Szene ist er mit dieser Position wichtig und angesehen.
Für die Normalbevölkerung ist er damit maximal ein C-Klasse-Politpromi.

Bei der Wahl wird viel wichtiger sein, wie er sich die letzten Jahre vor Ort präsentiert hat (und da hat er es gerade mit diesem Job schwerer als "normale" MdBs).
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Florian das Original
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Freitag, 11. September 2009 - 18:41 Uhr:   

Ich habe das Glück, dass in meinem Wahlkreis sowohl der amtierende Bundestags- als auch die amtierende Landtags-Abgeordnete ein (C-Klasse)-Politpromi ist.

Für mich ist das schon ein starkes Argument, diesen Leuten meine Stimme zu geben.
Wenn ich mich dann nämlich mal an meinem Abgeordneten mit einem Problem wenden muss, dann hat der wenigstens auch die Macht, etwas zu bewegen.
(Ob er es dann auch macht ist eine andere Frage. Auf jeden Fall kann er sich nicht so einfach hinter den politischen Zwängen verstecken wie ein normaler Hinterbänkler).

Im Freiburg-Beispiel kommt erschwerend hinzu, dass die Grünen mit praktisch 100% Wahrscheinlichkeit in der Opposition sein werden, während für Herrn Erler durchaus eine Perspektive besteht, dass er seinen Staatssekretär-Posten behalten kann.

Wäre ich also (Gott behüte!) rot-grüner Freiburger, wäre für mich daher klar, wem ich meine Stimme geben würde.

Wie oft ich den Mann dann beim örtlichen Schützenfest sehe ist für mich hingegen deutlich weniger wichtig.
(Wobei ich mich immer wieder wundere, auf wie vielen lokalen Veranstaltungen ich die besagten C-Promis dann doch immer wieder treffe, deren Zeit eigentlich knapp genug sein dürfte.
Letzten Monat z.B. die Landtagsabgeordnete bei einer popeligen Praxis-Eröffnung.)
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Ralf Arnemann
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 11. September 2009 - 23:17 Uhr:   

@Florian:
Das sind sehr rationale Überlegungen, das Potential des deutschen Wahlrechts zu nutzen.
Eigentlich ist das mit Direktstimme und Listenwahl ja ganz pfiffig konstruiert - aber die meisten Leute wählen einfach zu sehr ihren normalen Stiefel und machen sich über die Möglichkeit der Personenwahl zu wenig Gedanken.

Eine andere sehr interessante Überlegung sollte z. B. sein, generell die Präsenz des eigenen Wahlkreises zu erhöhen.
Wenn also ein Direktkandidat (und sei es der der "eigenen" Partei) auf der Liste gut abgesichert ist, braucht er keine Erststimme. Da wählt man doch lieber einen nicht abgesicherten Kandidaten, auch wenn er von der "falschen" Partei kommt.
Denn ein zusätzlicher Abgeordneter des eigenen Wohnorts im Parlament kann nützlich sein. Und der "falschen" Partei nützt das gar nichts, dafür fällt ja irgendein Abgeordneter von sonstwo von der Liste.
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Good Entity
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Samstag, 12. September 2009 - 17:46 Uhr:   

Wenn man für die kommende Wahl annimmt, dass die CDU ihr Zweitstimmenergebnis hält, FDP und Grüne jeweils 4 Prozentpunkte zulegen und die Linke um 2 Prozentpunkte zulegt. Die SPD 10 Prozentpunkte verliert. (@Kevin Matthes oben)

Das würde durchaus richtig etwa den momentanen Umfragen entsprechen. Allerdings ist die Frage von Überhangmandaten bei einer solchen Verteilung ziemlich egal, da wir dann ein Wahlergebnis von CDU/CSU 35,2 %, FDP 13,8 %, SPD 24,2 %, Grüne 12,1 %, Linkspartei 10,9 % hätten, mithin eine Koalition aus CDU/CSU und FDP auch ohne jegliches Überhangmandat die absolute Mehrheit der Abgeordneten besitzen würde. Überhangmandate würden also eine ohnehin vorhandene eindeutige Mehrheit nur noch etwas vergrößern.

Wenn man in den ergebnistechnisch interessanteren Bereich kommen will, müsste man an Kevin Matthes (oder albertks aus dem anderen Thread) Zahlen eindeutig etwas manipulieren, also beispielsweise CDU/CSU zwei runter und dafür SPD zwei rauf oder was auch immer man für wahrscheinlich oder möglich hält.

Jeder darf mal spielen.

Imho ist darüberhinaus das mögliche Splittingverhalten bei dieser Wahl sogar noch schlechter vorauszusehen als sonst. Der Grund: FDP, Grüne und Linkspartei werden alle drei voraussichtlich jeweils ihr bestes jemals erreichtes Ergebnis erzielen. Das bedeutet zwangsläufig, sie werden jeweils in relevantem Maße Zweitstimmen von Wählern bekommen, die diese jeweilige Partei noch nie vorher gewählt haben. Das sind also keine Stammwähler, zu deren (Splitting-) Wahlverhalten es Erfahrungswerte gibt, wie sie Kevin Matthes oben ausgeführt hat.

Ein erheblicher Teil der jetzt zu FDP, Grünen und Linkspartei wechselnden Wähler fand bei der letzten Wahl offensichtlich sowohl Gerhard Schröder und die SPD wie auch den eigenen Direktkandidaten der SPD wählbar. Okay, die SPD soll es diesmal aus sehr unterschiedlichen Gründen also nicht sein - aber ob man dann automatisch auch den bisher stets gewählten Direktkandidaten vom Stimmzettel kickt? Manchmal vielleicht mit voller Absicht, weil der TYP gerade der Anstoß des Wechsels war. Aber das ist ja nicht der Regelfall.
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Kay Karpinsky
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 12. September 2009 - 21:28 Uhr:   

Dazu kommt noch, dass ein Großteil des Splittingverhaltens von 2005 auch darauf beruht hat, wie die jeweilige Zweitstimmenpartei das kommuniziert hat. Damit gibt es immerhin Erfahrungswerte, in welchem Gebiet solche Kommunikation wie stark ankommt. In einem ostdeutschen Flächenwahlkreis wie dem, wo ich hier grade drin sitze, geht da gar nix. Laut einem Politikstudenten, der hier in diesen Tagen entsprechende Befragungen durchführt, kennen 90% seiner Gesprächspartner nichtmal einen Namen einer Direktkandidatin oder eines Direktkandidaten. Dabei werben alle fünf Bundestagsparteien ordentlich mit Kopfplakaten, auch mit erheblichen Anteilen am Gesamtpappenbesatz (Linke 25%, Grüne 50%, SPD 50%, CDU 80%, FDP 100%). Nur wie soll man auch jemanden als "seinen" Kandidaten wahrnehmen, der schon mal in 70km Entfernung wohnt?
Redet man hingegen über Baden-Württemberg, sieht das ganz anders aus. Die interessanten Wahlkreise sind da alle mehr oder weniger urban, am wenigsten noch Lörrach-Müllheim. Da läuft Kommunikation ganz anders ab, und es machen auch mal über die Hälfte der Grün-Wähler ihr Erststimmenkreuz bei Gernot Erler (oder seinerzeit auch Herta Däubler-Gmelin). Wenn diesmal anderes kommuniziert wird, kann man daher kaum davon ausgehen, dass die Wähler trotzdem wieder so splitten werden wie 2005.
Hinzu kommt die Frage der jeweiligen Listenabsicherung. Das spricht beispielsweise in Mannheim stark für den SPD-Kandidaten Rebmann (Platz 17 BaWü ist da diesmal wohl schon recht wacklig), in Stuttgart-Süd für Özdemir - Ute Vogt kommt eh rein - in Freibung sind Andreae und Erler beide gut abgesichert.
Ohne nähere Kenntnis der örtlichen Situation sollte man sich mit Vorhersagen da jedenfalls nicht zu weit aus dem Fenster hängen.
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Rhein-Neckar
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Freitag, 18. September 2009 - 21:43 Uhr:   

Herr Karpinsky,
dann traue ich mich mal etwas zu Mannheim zu sagen, denn dort kenne ich mich aus - der Wahlkreis fällt an die CDU, den Kandidaten der CDU kennt man seit (fast) Jahrzehnten, den der SPD überhaupt nicht, zumal er nicht aus Mannheim stammt, was bei dem weniger akademischem Milieu der Stadt wichtig ist. Der CDU-Mensch wirbt extrem um die Erststimme, der SPD-Mensch nur sehr verhalten, da fällt der Grüne fast mehr auf - aber: das alles unter dem Vorbehalt, es gibt keine großen Stimmungswechsel mehr. Die Leser sollten sich daran erinnern, dass vor den letzten Wahlen auch in den städtischen Wahlkreisen in BW etwa election.de bis kurz vor der Wahl CDU-Sieger voraussah. Gerade in Mannheim, mit für BW traditionell sehr hoher Nichtwählerzahl, konnte bei Wahlen die Mobilisierung überraschende Ausschläge in die eine oder andere Richtung bringen, da halfen keine Rechenspiele vorher.
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Kay Karpinsky
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 19. September 2009 - 22:40 Uhr:   

Dass die mittlerweile doch nicht unbeträchtliche bundespolitische Prominenz von Gerhard Schick sich dämpfend auf das rot/grüne Stimmensplitting auswirken wird, kann natürlich sein. Allerdings wird nach Zweitstimmen die SPD auch mit landesweiten 22% im WK 275 noch Erste und deutlich stärker als die Grünen, so dass es für alle, die die CDU-Überhänger gering halten wollen, zumindest rational sinnlos wäre, Schick mit der Erstimme zu wählen, zumal er sowieso einen sicheren Listenplatz hat. Im Wahlkreis 258 wäre Erststimme Ute Vogt genauso irrational. Aber das sind halt auch Konjunktive.
Rational müssten Gegner von schwarz/gelb wenigstens in den Wahlkreisen 280 und 285 mit der Erststimme sogar FDP wählen, da diese dort mit ziemlicher Sicherheit zweitstärkste Partei wird.

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