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Frankreich – Präsidentschaftswahlen

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Jan W.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Mittwoch, 14. Juni 2017 - 16:13 Uhr:   

Da muss man sich erstmal fragen, was "das Wahlergebnis" ist.
Theoretisch würde ich zum Erstrundenergebnis der 4 entschiedenen Wahlkreise die Zweitrundenergebnisse der übrigen Wahlkreise addieren.

Denn nur daraus ließe sich seriöserweise ein Vergleich zum Ergebnis konstruieren, weil sie eben die Wählerwanderungen enthalten, die letztlich zu den Wahlkreissiegen führen.
Dann haben wir eine Situation, die mit anderen Mehrheitswahlrechten vergleichbar ist.

Vergleiche mit deutschen Erststimmenergebnissen würde ich nicht empfehlen, weil hier viele einfach nur Folgekreuze ihrer Zweitstimmenentscheidung verteilen.
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 18. Juni 2017 - 20:36 Uhr:   

Der Sieg für Macron wird bei weitem nicht so groß ausfallen wie gedacht. Es gibt recht viele überraschende Ergebnisse und davon profitieren alle Gegner - LR, Linke und FN. Trotzdem wird Macron wohl eine komfortable Mehrheit haben.
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zigzag
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 18. Juni 2017 - 23:41 Uhr:   

(Diesen Post hatte ich geografisch etwas verschoben :-) Hier ist er aber richtig.)

Exit Polls


Ipsos / France Television, Radio France, Le Monde, Le Point

LREM: 311
MoDem: 44
LR: 101
UDI: 17
DVD (Divers Droite/Other Right): 7
FN: 8
FI: 19
PS: 34
PRG: 2
DVG (Divers Gauche/Other Left): 13
Divers/Others: 10
PCF: 11


Kantar Sofres / TF1, LCI, RTL

LREM: 315
MoDem: 45
LR-UDI-DVD: 133
FN: 6
FI: 17
PS: 32
PRG-DVG: 13
EELV: 1
PCF: 9
DLF: 0
Extreme Gauche/Extreme Left: 0
Other: 6


Elabe / BFMTV, l’express

LREM-MoDem: 395-425
LR-UDI-DVD: 95-122
FN: 4-6
FI: 10-16
PS-PRG-DVG: 27-35
Other: 8-12


Macron holt eine klare Mehrheit, aber deutlich weniger, als vorhergesagt.
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Ingo Zachos
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 19. Juni 2017 - 00:35 Uhr:   

Vor dem ersten Wahlgang wurden 320-400 Sitze für LREM/MoDEM vorausgesagt. So ist es wohl auch gekommen.

Ich würde es nicht wiederholen, das LREM nicht so hoch gewonnen hat wie vorhergesagt, denn das ist eher das übliche Schönreden der Wahlverlierer.

Tatsächlich kam es etwa wie vorhergesagt.

Ob Macron viel bewegen kann bleibt abzuwarten. Auch 2012 hat Hollande zuerst Sarkozy abgelöst und dann eine Mehrheit im Parlament erreicht. Seine machtpolitischen Ziele hat Macron nun erreicht. Jetzt werden wir sehen,ob er bei der Umgestaltung Frankreichs genauso punkten kann wie bei seinen außenpolitischen Auftritten.
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Ingo Zachos
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 19. Juni 2017 - 14:35 Uhr:   

Resultate der zweiten Runde:

https://www.interieur.gouv.fr/Elections/Elections-legislatives-2017/Second-tour-des-elections-legislatives-les-resultats

Das macht für das Macronlager 350 Sitze

Les Républicains und Verbündete 137 Sitze

Sozialisten und Verbündete: 44 Sitze

extreme Linke: 27 Sitze

Front National: 8 Sitze

Übrige(Grüne, Regionalparteien etc. ) 11 Sitze


Dank des Minderheitswahlrechts das in Frankreich gilt, hat Macrons Partei also nun auch eine komfortable Mehrheit in der Nationalversammlung.

Klare Gewinner sind LREM und MoDem, aber auch die extreme Linke und der Front National haben hinzugewonnen, auch wenn dieser das Wahlziel stärksten Oppositionspartei zu werden klar verfehlt hat.

Klare Wahlverlierer: Die Sozialisten, die 2012 fast allein eine absolute Mehrheit hatten, und mit ihren Verbündeten eine absolute Mehrheit hielten. 287 verlorene Sitze sprechen eine deutliche Sprache.

auch klar verloren: LR, die 92 Sitze verloren.

Angekratzt: Marine Le Pen. Zwar hat der FN gewonnen und auch sie hat selbst nun ein Mandat, aber die vollmundige Ankündigung, stärkste Opposition zu werden, wie sie es nach der verlorenen Präsidentschaftswahl ankündigte, ist krachend verfehlt worden.
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SaaleMAX
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 19. Juni 2017 - 20:30 Uhr:   

Macron...ein bisschen Chirac ein bisschen Mitterrand ?!?

Ich kann mich dem Eindruck nicht ganz verwehren, daß die neue Partei LREM gegründet wurde um unter anderem Namen eine Mischung aus ehem. Konservativer und sozialischtischer Politik mit einem Hauch Marktliberalismus fortzusetzen und Frankreich vorerst vor dem abkippen in linke oder rechte Extreme "zu bewahren".

Letztendlich ist es ein Wein, den man woanders schon lange trinkt, nur in einem neuem Fass und jetzt der franz. Wählerschaft präsentiert wurde?
SURPRISE------Es wurde ein Erfolg.

Man darf auch sagen daß mittlerweile viele alte EX-Konservative und EX-Sozialisten an diesem "WEIN" mitarbeiten.
Ungefähr so als würden CDU und SPD Haudegen eine neue Partei gründen mit einem unverbrauchten Repräsentanten.

Man wird sehen was man Von Macron und LREM erwarten darf.Der Ex- Wirtschaftsminister und Rothschild-Banker wird uns zeigen, wofür er steht.
erfüllt er die Erwartungen nicht, ist er so schnell wieder weg, wie er gekommen ist.
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Maik Otter
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 19. Juni 2017 - 22:14 Uhr:   

Die Parteinwerte in der 1. Wahlrunde und in der 2. Wahlrunde weichen teilweise kräftig voneinander ab! Die 22 654 164 gültigen Erstrundenstimmen geteilt die 577 Wahlkreis ergibt einen republikweiten Durchschnitt von ~ 39 262 Stimmen. Die LREM benötigte durchschnittlich ~ 20 751 Erstrundenstimmen je 1 Gewähltem. Die Sitze der LREM sind durchschnittlich um 89,21 % billiger! Der Frauenanteil in der Nationversammlung wird steigen!

Die Senatswahl wird ausgerechnet am Sonntag, 24.09.2017 stattfinden!

Der Kongress wird schwächer durchgeschüttelt werden!
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Ingo Zachos
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Dienstag, 20. Juni 2017 - 11:01 Uhr:   

So, in Macrons Regierung schon der erste Rücktritt. Die prophane Tagespolitik holt den Hoffnungsträger offenbar schon schnell ein.

@ Maik Otter:

Natürlich ist in einem Minderheitswahlrecht ("Mehrheitswahlrecht" ist ein Euphemismus, den ich nicht mitmache)eine Partei überrepräsentiert, und damit deren Sitze "billiger" als in einem Verhältniswahlrecht. Das ist nicht immer die stärkste Partei, wie von Anhängern dieses Wahlrechts gerne kolportiert, sondern oft, siehe Präsidentenwahl USA immer die gleiche Minderheitspartei, die sich so zur Mehrheit "schummelt". wie gesagt, dieses System ist in der Tendenz nicht besonders demokratisch, was ihre Beliebtheit teilweise erklärt.
die Anhänger betonen dann, dieses System produziere klare Mehrheiten, was , siehe UK nicht einmal stimmt, vor allem aber wird der Wählerwille systematisch verzerrt, aber diese Diskussion hatten wir schon mehrfach.

Ihre Zahlen erklären nur genau diesen Effekt und sind keine Überraschung und auch keine Ausreißer.
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cyrix
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Dienstag, 04. Juli 2017 - 11:47 Uhr:   

Aus Macrons "Rede zur Lage der Nation" (naja, zumindest heißt die Vorlage in den USA so ;) ) geistert in den deutschen Medien (z.B. [1]) immer wieder die noch eher unpräzise Aussage, "Er werde vorschlagen, 'eine Dosis' Verhältniswahlrecht einzuführen, sagte Macron."

Nun habe ich weder die Rede (die ich mangels Sprachkenntnissen auch gar nicht verstehen könnte) noch eine Übersetzung dieser bisher gesehen, würde aber mal vermuten, da alle deutschen Medien, die ich bisher dazu gelesen habe, bei der gleichen seeeeehr schwammigen Formulierung "eine Dosis Verhältnsiwahlrecht" bleiben, dass Macron auch nicht wirklich mehr gesagt hat.

Ist hier einigen evtl. mehr bekannt?

[1]: http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-07/frankreich-emmanuel-macron-versailles-ansprache-programm-vorstellung
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Mittwoch, 05. Juli 2017 - 23:36 Uhr:   

Das hat er so gesagt - ohne konkret zu werden - und ganz neu ist das nicht. Das war eine Bedingung von Bayrou:
http://www.lemonde.fr/politique/article/2017/06/13/legislatives-philippe-redit-que-l-introduction-d-une-dose-de-proportionnelle-est-a-l-ordre-du-jour_5143578_823448.html

Was am Ende rauskommt, werden wir sehen. Wahrscheinlich nicht viel.
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zigzag
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 04. November 2018 - 14:11 Uhr:   

Unabhängigkeitsreferendum in Neukaledonien am 04.11.2018

Die Wähler entscheiden darüber, ob Neukaledonien ein unabhängiger Staat werden oder der bestehende Status als französisches Überseegebiet beibehalten werden soll.

https://de.wikipedia.org/wiki/Unabh%C3%A4ngigkeitsreferendum_in_Neukaledonien_2018
https://en.wikipedia.org/wiki/New_Caledonian_independence_referendum,_2018
https://fr.wikipedia.org/wiki/R%C3%A9f%C3%A9rendum_de_2018_sur_l%27ind%C3%A9pendance_de_la_Nouvelle-Cal%C3%A9donie
https://www.referendum-nc.fr/
https://la1ere.francetvinfo.fr/nouvellecaledonie/referendum-non-independance-emporte-569-resultats-provisoires-645894.html
https://www.lnc.nc/nouvelle-caledonie/referendum-nc-2018
https://twitter.com/hashtag/ReferendumNC2018?src=hash
https://uselectionatlas.org/FORUM/index.php?topic=278070.msg6497666


Ergebnis

NON: 56,9 %
OUI: 43,1 %

Participation: 79,8 %
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SaaleMAX
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 09. Dezember 2018 - 20:30 Uhr:   

Regierung Macron in Bedrängnis?

Um sich polititisch über Wasser zu halten versucht die Regierung des neoliberalen Macron Einschnitte beim Volk hinauszuzögern geht aber unterdessen gegen die Proteste des Volkes mit gepanzerten Einsatzwagen und Kampfgas vor.
Dieser Mann wurde als Präsident NUR in einer Stichwahl gewählt...und zeigt jetzt wofür er steht.
Auch er wird einsehen müssen, das OHNE Volk , kein Staat zu machen ist, wie seine Vorgänger.Das er bis jetzt nur seine Freunde aus Wirtschaft und Banken beglücken wollte zeigt eigentlich ganz klar wie Aussagen vor einer Wahl mit dem Handeln nach der Wahl mittlerweile außeinander liegen.
..................
So etwas nennt man LOBBYKRATIE !
Und die Lobbykratie ist der KREBS der Demokratie!
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tg
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 10. Dezember 2018 - 00:32 Uhr:   

"Dieser Mann wurde als Präsident NUR in einer Stichwahl gewählt..."

Das trifft ausnahmslos auf alle 10 Präsidentenwahlen seit der Einführung der direkten Wahl 1965 zu!
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Mark Tröger
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 10. Dezember 2018 - 19:51 Uhr:   

"Das trifft ausnahmslos auf alle 10 Präsidentenwahlen seit der Einführung der direkten Wahl 1965 zu!"

Aber in der Stichwahl waren alle Gegenkandidaten außer Le Pen ausgeschlossen, und die hätte gegen niemanden eine Chance gehabt. Das heißt der Sieg in der Stichwahl hat keine Aussagekraft. Das ganze Stichwahlkonzept ist auch mangelhaft. In der Weimarer Republik z. B. gab es da ein besseres Konzept für den zweiten Wahlgang, in dem jeder, auch neue Kompromisskandidaten, antreten konnten, und derjenige mit der einfachen Mehrheit Präsident wurde.

Macron hat 24% im ersten Wahlgang bekommen. Das ist halt sehr wenig, und war absehbar ungenügend, um stabil regieren zu können.
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 10. Dezember 2018 - 22:32 Uhr:   

"In der Weimarer Republik z. B. gab es da ein besseres Konzept für den zweiten Wahlgang, in dem jeder, auch neue Kompromisskandidaten, antreten konnten, und derjenige mit der einfachen Mehrheit Präsident wurde."
Die einfache Mehrheit hätte Macron dann ziemlich sicher bekommen und wer hätte mit wem einen Kompromiss schließen sollen?

"Macron hat 24% im ersten Wahlgang bekommen. Das ist halt sehr wenig, und war absehbar ungenügend, um stabil regieren zu können."
Das beste Ergebnis, das Chirac jemals im 1. Wahlgang bekam, war 20,8%, trotzdem war er 12 Jahre Präsident. De Gaulle holte 44,6%, trotzdem haben die Linken gewaltig randaliert.
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Mark Tröger
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 10. Dezember 2018 - 23:24 Uhr:   

"Die einfache Mehrheit hätte Macron dann ziemlich sicher bekommen und wer hätte mit wem einen Kompromiss schließen sollen? "

Das hätten die französischen Parteien untereinander klären müssen. Vielleicht zwischen PS und FI oder zwischen Republikanern und Front National.

Die Kandidaten, die im ersten Wahlgang auf den Plätzen 1 und 2 landen, sind nicht unbedingt diejenigen, mit dem größten Potenzial für eine absolute Mehrheit. Die Le Pens sind das beste Beispiel. Aber auch Macron hatte einfach Glück, dass die größeren Lager vor dem ersten Wahlgang gespalten waren.

"Das beste Ergebnis, das Chirac jemals im 1. Wahlgang bekam, war 20,8%, trotzdem war er 12 Jahre Präsident."

Allerdings hat 1995 im ersten Wahlgang ein weiterer Kandidat aus dem Mitte-Rechts-Lager 18,6% erhalten. Es ist doch klar, dass man sich innerhalb eines Lagers in einem zweiten Wahlgang hinter einem Kandidaten versammelt. Die hätten sich auch so für einen zweiten Wahlgang auf einen Kandidaten einigen können. Dass nur die ersten zwei Kandidaten aus dem ersten Wahlgang zugelassen werden, sorgt aber für einen Zufallsfaktor tendenziell zugunsten in sich geeinigter kleinerer Lager und zu Lasten größerer aber in sich zerstrittener Lager, die in einer freien Wahl aber größere Chancen auf eine absolute Mehrheit hätten.
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Holger81
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Dienstag, 11. Dezember 2018 - 17:06 Uhr:   

"In der Weimarer Republik z. B. gab es da ein besseres Konzept für den zweiten Wahlgang, in dem jeder, auch neue Kompromisskandidaten, antreten konnten, und derjenige mit der einfachen Mehrheit Präsident wurde. "

Was war das für ein "Konzept"? Faktisch war der erste Wahlgang in Weimar nur eine irrelevante Meinungsumfrage, da nie jemand in diesem die absolute Mehrheit holte. Hindenburg wurde 1925 erst nach dem 1. WG aufgestellt. Vor 100 Jahren gab es vermutlich noch keine so zuverlässigen Wahlprognosen, sodass eine solche "offizielle Umfrage" noch einen gewissen Sinn machte, aber heutzutage könnte man da auch gleich in einem einzigen Wahlgang mit einfacher Mehrheit wählen lassen.

"Die Kandidaten, die im ersten Wahlgang auf den Plätzen 1 und 2 landen, sind nicht unbedingt diejenigen, mit dem größten Potenzial für eine absolute Mehrheit. Die Le Pens sind das beste Beispiel. Aber auch Macron hatte einfach Glück, dass die größeren Lager vor dem ersten Wahlgang gespalten waren. "
Zustimmung zum ersten Satz. Aber Frau Macron wurde vor der Stichwahl nicht als chancenlos angesehen (vgl. Hofer), und die beiden vermeintlich "größeren Lager" kamen im 1.WG zusammen nur auf die Hälfte (wenn überhaupt?) aller Stimmen. Wenn die Linken/gemäßigten Rechten sich wirklich jeweils als ein "Lager" sähen, hätten sie vernünftigerweise VOR dem 1. Wahlgang einen Kompromisskandidaten ins Rennen schicken müssen, um ihre Chance auf die Stichwahl zu sichern. (Frankreich hat ja Jahrzehnte Erfahrung mit diesem Wahlrecht und diese lehrt auch, dass eine große Partei die Stichwahl verpassen kann.) Selbst dann wäre es aber ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Macron und Le Pen geworden, wer in die Stichwahl kommt.

Im Übrigen hat sich doch auch Macron selbst als Kompromisskandidaten zwischen den 2 "Lagern" angesehen...
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Mark Tröger
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Dienstag, 11. Dezember 2018 - 19:07 Uhr:   

"Was war das für ein "Konzept"? Faktisch war der erste Wahlgang in Weimar nur eine irrelevante Meinungsumfrage, da nie jemand in diesem die absolute Mehrheit holte. Hindenburg wurde 1925 erst nach dem 1. WG aufgestellt. Vor 100 Jahren gab es vermutlich noch keine so zuverlässigen Wahlprognosen, sodass eine solche "offizielle Umfrage" noch einen gewissen Sinn machte, aber heutzutage könnte man da auch gleich in einem einzigen Wahlgang mit einfacher Mehrheit wählen lassen."

Nein.

1. Wahlumfragen sind ungenau.

2. Auch der hinterletzte Einsiedler ohne Telefon muss die Möglichkeit haben an der Wahl teilzunehmen.

3. Wahlumfragen können gefälscht werden. Z. B. werden gegen Forsa und Insa Fälschungsverdachte erhoben.

4. Man schafft, indem man Wahlumfragen so wichtig macht, zusätzliche Fälschungsanreize.

"Zustimmung zum ersten Satz. Aber Frau Macron wurde vor der Stichwahl nicht als chancenlos angesehen (vgl. Hofer)"

Im französischen Fall sind die Umfragen relativ eindeutig:

https://en.wikipedia.org/wiki/Opinion_polling_for_the_2017_French_presidential_election#Macron%E2%80%93Le_Pen

Le Pen lag in jeder einzelnen Umfrage für eine Stichwahl weit zurück, nicht nur gegen Macron. Hollande wäre der einzige gewesen gegen den sie eine Chance gehabt hätte, aber der trat nicht mehr an. Die deutschen Medien haben zwar vor der Wahl ihren Angstfantasien freien Lauf gelassen, aber mit kühlen Kopf konnte man genau sehen, dass Le Pen dieses mal noch chancenlos war.

"Im Übrigen hat sich doch auch Macron selbst als Kompromisskandidaten zwischen den 2 "Lagern" angesehen..."

Kann man so sehen, allerdings würde ich ihn als denkbar schlechten Kompromiss ansehen.
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Mark Tröger
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Dienstag, 11. Dezember 2018 - 19:19 Uhr:   

PS.

Wenn man sich unbedingt einen Wahlgang sparen will, kann man auch im ersten und einzigen Wahlgang das Instant-Runoff-Voting-System benutzen, bei dem man die Kandidaten der persönlichen Präferenz nach durchnummeriert.

https://de.wikipedia.org/wiki/Instant-Runoff-Voting
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Dienstag, 11. Dezember 2018 - 19:32 Uhr:   

Die Diskussion hatten hier vor ein paar Tagen.

"Vielleicht zwischen PS und FI oder zwischen Republikanern und Front National."
Letztzeres hätten garantiert weder Le Pen noch Fillon gewollt und Melenchon hätte kaum Macron überholen können, selbst mit (unwahrscheinlicher) Unterstützung der PS.
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Mark Tröger
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Dienstag, 11. Dezember 2018 - 20:13 Uhr:   

"Letztzeres hätten garantiert weder Le Pen noch Fillon gewollt und Melenchon hätte kaum Macron überholen können, selbst mit (unwahrscheinlicher) Unterstützung der PS."

Möglich ist dass Macron, Le Pen, Fillion und Melenchon alle im zweiten Wahlgang angetreten wären, weil da in der Tat nicht ganz offensichtlich ist, wer wem überhaupt ideologisch nahe steht, und da alle fast gleichauf waren, jeder sich für den zweiten Wahlgang noch was hätte ausrechnen können. Das IRV-System scheint dafür eine gute Lösung zu sein.

Allerdings scheidet so die Möglichkeit eines Kompromisskandidaten aus. Hätten die Republikaner Juppe aufgestellt, hätten sie vermutlich sowohl den ersten als auch zweiten Wahlgang klar gewonnen.
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tg
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Mittwoch, 12. Dezember 2018 - 23:39 Uhr:   

Mal ein ganz anderer Gedankengang: Statt über die Legitimation des Präsidenten könnte man ja auch über die Legitimation des Parlaments diskutieren. Natürlich sind die Vorteile des Mehrheitswahlrechts in Einerwahlkreisen bekannt: Die Abgeordneten haben eine enge Beziehung zu den Wählern ihres Wahlkreises, und in der Regel gibt es eine stabile absolute Mehrheit für eine Partei sowie eine große Opposition, während die weiteren Parteien nur wenige Sitze bekommen. Aber: Wenn eine größere Unzufriedenheit mit Regierung UND größter Opposition aufkommt, wird es schwierig, diese im Parlament zu artikulieren. Während z.B. die AfD als Fraktion mit über 90 Abgeordneten im Bundestag sitzt, hat der FN mit höherem Stimmenanteil gerade mal 8 Abgeordnete.

Außerdem fehlt den französischen Wählern die Möglichkeit, die regierende Partei während ihrer Amtszeit etwas zurechtzustutzen, wie es den Wählern in Deutschland durch die Landtagswahlen und in den USA bei den Midterm Elections möglich ist. In Frankreich hingegen finden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen zeitnah zueinander statt und dann gibt es die nächsten 5 Jahre nur die unbedeutenden Wahlen zum EP und zu den Regionalräten. Dann bleiben für den Fall breiterer Unzufriedenheit halt nur Massenproteste als Möglichkeit, den Präsidenten etwas in Bedrängnis zu bringen.

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