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Carsten (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Dienstag, 16. Januar 2007 - 15:19 Uhr:   

Unbeliebte Ministerpräsidenten gab es schon oft. Auch alte. Auch solche, die lange im Amt sind. Auch welche, die erst in die Bundespolitik wollten und dann doch gekuscht haben.

Aber ich kann mich nicht erinnern, dass nahezu eine ganze Partei so vehement die Ablösung eines Ministerpräsident betreibt - und das, obwohl es Bayern doch angeblich so gut geht.

Darum meine Frage: Wie ist zu erklären, was gerade passiert?
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Florian (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Dienstag, 16. Januar 2007 - 17:51 Uhr:   

Die CSU ist ein Phänomen:
Unter den demokratischen Parteien ist sie sicher jene, die in "normalen Zeiten" ihrer Parteiführung gegenüber am loyalsten ist.
Wenn es aber Zeit wird, die Führungsspitze zu wechseln, dann verfügt die CSU über erstaunliche Selbstreinigungskräfte.

Meiner Meinung nach ist das eine eindeutige Stärke dieser Partei:
Sie hat eine viel stabilere Führungsstruktur als z.B. Grüne, PDS und SPD.
Andererseits ist sie bei Bedarf in der Lage sich rechtzeitig zu erneuern (siehe etwa die Geschwindigkeit, mit der seinerzeit Streibl abserviert wurde, nachdem er unhaltbar geworden war - im Vergleich dazu die Unfähigkeit der CDU, Kohl rechtzeitig los zu werden).

Der konkrete Auslöser für die Umstellung ist dabei gar nicht so entscheidend (die "Amigo-Affäre" war ja eigentlich eine Kleinigkeit gegenüber dem, was sich wenige Jahre zuvor Strauss noch so alles geleistet hatte. Und die Frau Pauli wird man in einem Jahr auch wieder vergessen haben).
Entscheidend ist nicht der konkrete Auslöser, sondern die tiefere Ursache. Und das ist im vorliegenden Fall das Grummeln* in der Bevölkerung über Stoiber (das schon seit der BTW 05 schwelt, als Stoiber bei der Ämtervergabe Entscheidungsschwäche zeigte). Es spricht m.E. für die CSU, dass dieses Grummeln rechtzeitig vor der Landtagswahl erkannt wurde und nun die Konsequenzen gezogen werden.

* Ich wohne in der bayerischen Provinz und glaube, die Stimmung ganz gut mitzubekommen. Es war wirklich gravierend, welchen Ansehensverlust Stoiber 2005 gerade beim durchschnittlichen lebenslangen CSU-Stammwähler erlitten hatte.
(Wobei übrigens nach meinem Empfinden die Erfolge Stoibers gerade auf Landesebene durchaus erkannt werden - etwa bei der Haushaltskonsolidierung. Aber es fehlt das Vertrauen, dass er in Zukunft weiter erfolgreich sein wird.).
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Leser (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Dienstag, 16. Januar 2007 - 19:10 Uhr:   

Es spricht m.E. für die CSU, dass dieses Grummeln rechtzeitig vor der Landtagswahl erkannt wurde und nun die Konsequenzen gezogen werden.

Haha, rechtzeitig erkannt? Alle haben wochenlang gewartet, wann sie aus ihren Löchern kommen und mit dem Hauen und Stechen beginnen können, um selbst einen guten Platz für die nächsten Jahre zu ergattern. Manche haben da ein miserables Timing, so die Jung-CSU-MdB, die noch am 7. Januar auf der Zugspitze ein Plakat mit dem Text "Bayerns Spitze Edmund Stoiber" enfalteten (wenigstens einer von ihnen hat sich dem noch kurzfristig entzogen).
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Florian (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Dienstag, 16. Januar 2007 - 19:43 Uhr:   

"Haha, rechtzeitig erkannt? Alle haben wochenlang gewartet,..."

Ja, und?
Mein Punkt ist hier nur folgender:
Stoiber wurde von der CSU in dem Moment abgesägt, als er für sie vom Bonus zum Malus wurde.
Und davor wurde er bedingungslos unterstützt.
Beides (aus parteitaktischer Sicht) absolut sinnvolle Verhaltensweisen.
Auf ein paar Wochen (oder auch Monate) hin oder her kommt es dabei wohl kaum an, zumal ja aktuell keine Wahlen anstehen.
Rechtzeitig zu den nächsten Landtags- und Kommunalwahlen wird sich die CSU auf jeden Fall personell neu aufgestellt haben.

Die 60%+X der letzten LTW wird Stoibers Nachfolger dabei sicher nicht wiederholen können. Aber die 50%+X dürften kaum ernsthaft in Gefahr sein (was bei einem erneuten Antreten Stoibers wohl schon hätte passieren können).
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Konstantin Wecker (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Mittwoch, 17. Januar 2007 - 02:42 Uhr:   

Lieber Herr Florian,
ob das momentane Vorgehen der CSU tatsächlich so "sinnvoll" ist, wie sie es gerne glauben wollen, das ist doch ernstlich zu bezweifeln.
Ich meine: der CSU fehlt da unten ganz einfach die korrektive Opposition, so muss sie sich schon selbst bekämpfen. Das meine ich durchaus ernst und kann auch gut gelingen. Man weiß derzeit aber offensichtlich selbst nicht, wo der "Nerv" des Volkes getroffen werden kann. Kann mir kaum vorstellen, dass ein so geforderter "Umbruch" mit Beckstein und Seehofer gelingen kann.
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Ralf Lang
Veröffentlicht am Mittwoch, 17. Januar 2007 - 14:50 Uhr:   

"Sie hat eine viel stabilere Führungsstruktur als z.B. Grüne, PDS und SPD."

In der PDS-Geschichte 1990-2005 wurde nur einmal eine Vorsitzende erfolgreich aus dem Amt verdrängt und das auch erst im zweiten Anlauf. In den meisten Landesverbänden gilt das mit Abstrichen auch.

Bei den Grünen haben vielleicht Ämter gewechselt, aber nicht Führungsfiguren.

Auch die FDP hatte ja in der jüngeren Vergangenheit eine kaum angefochtene Spitze. Westerwelle konnte sich sein katastrophales Management in der Sache Möllemann leisten, Gerhardt durfte über viele Wahlniederlagen hinweg die Geschäfte leiten.

Dagegen wirkt die SPD fast als Hühnerhaufen.
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Philipp Wälchli
Veröffentlicht am Mittwoch, 17. Januar 2007 - 16:48 Uhr:   

Was zur Zeit in Bayern abläuft, ist eine der vielen Varianten des alten Manövers "Sturz des Königs". Das ist schon die ganze Erklärung.
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Martin_D (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Mittwoch, 17. Januar 2007 - 21:59 Uhr:   

aktueller Stand der Dinge ist folgener:

Stoiber bleibt also bis auf weiteres Ministerpräsident und arbeitet zumindest bis jetzt nicht konstruktiv an eine Nachfolgeregelung mit.


Ich frage mich, wie will Stoiber es erreichen, dass die Basis der CSU geschlossen und motiviert mit ihm als Spitzenkandidaten in den nächsten Landtagswahlkampf zieht. Das halte inzwischen für völlig unvorstellbar.

Für mich zeigt dies, dass Stoiber seine persönlichen Interessen über die Interessen seiner Partei stellt und das finde ich sehr bedenkenswert. Denn dann muss man auch davon ausgehen, dass er notfalls auch seine persönlichen Interessen über die Interessen der Bayerischen Bevölkerung stellt.
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Ralf Lang
Veröffentlicht am Mittwoch, 17. Januar 2007 - 22:43 Uhr:   

Stoiber muss nur alle anderen realen Optionen unmöglich machen. Das sollte er hinkriegen. Sind ja alles keine Jungspunde, die aufgrund kurzer Karriere nicht viel falsch machen konnten.

Stoiber denkt, wie alle führenden Politiker, dass genau seine Person und seine Sicht der Dinge die beste für die Partei ist. Sonst würde er es ja anders machen.
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mma
Veröffentlicht am Donnerstag, 18. Januar 2007 - 13:03 Uhr:   

So wie ich es wahrnehme, ist das jetzige Gezanke doch vor allem ein Beweis für die Stärke der CSU. In der ganzen Debatte, wer Stoibers Nachfolger werden soll, wird kaum einmal der eigentlich in einer Demokratie naheliegende Gedanke geäußert, dass dieser Nachfolger möglicherweise nur anderthalb Jahre regieren könnte.
Hat die bayerische SPD überhaupt schon einen Gegenkandidaten, der sich, die Situation nutzend, als die bessere Alternative präsentieren könnte?
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@mma (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Donnerstag, 18. Januar 2007 - 14:03 Uhr:   

Stärke der CSU oder Schwäche des bayrischen Wahlvolkes? Das liegt wohl am hohen Stammwähleranteil.
Die SPD wird wohl wieder ihren alten Kandidaten ins Rennen schicken mit dem Wahlziel, die absolute Mehrheit der CSU diesmal zu brechen. Wird sie aber nicht schaffen. Und wenn, dann hat wohl eher die FDP etwas davon
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mma
Veröffentlicht am Donnerstag, 18. Januar 2007 - 14:32 Uhr:   

@ @mma

Schreiben Sie "ihren alten Kandidaten", weil Sie sich gerade nicht auf seinen Namen besinnen können? Ich musste ihn auch erst googlen ...
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Ralf Lang
Veröffentlicht am Donnerstag, 18. Januar 2007 - 15:16 Uhr:   

Die SPD wird das Problem haben, dass erstmals links von ihr eine Alternative flächendeckend antritt. Die WASG hat in Bayern ihren zweitgrößten Landesverband und kann nebenher auf die Wahlkreisbüros der Bundestagsabgeordneten zurückgreifen. Wenn sie mit Klaus Ernst kandidiert, hätte sie sogar einen halbwegs bekannten Spitzenkandidaten. Das könnte für 2-3 % reichen und der SPD auch ein gutes Wahlergebnis dämpfen. Und dann gibts ja noch Grüne und Freie Wähler. Die Schwäche der CSU kann nicht nur in einem Jahr schon überwunden sein, sie nützt auch nicht automatisch der SPD
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Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Freitag, 19. Januar 2007 - 10:15 Uhr:   

> Schreiben Sie "ihren alten Kandidaten",
> weil Sie sich gerade nicht auf seinen
> Namen besinnen können?
Das ist ein schönes Beispiel.
Es sind hier zwar wohl keine Bayern am Diskutieren, aber durchgehend Leute mit weit überdurchschnittlichem politischen Interesse.

Die meisten Wähler dort werden den Typ genau so wenig kennen wie wir, und das wird er auch nicht durch einen Wahlkampf ausgleichen können.

Die Opposition in Bayern (besonders, aber eben nicht nur die SPD) macht nicht den Eindruck, als könne sie die zeitweilige Krise bei der CSU nutzen.
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Good Entity (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Freitag, 19. Januar 2007 - 15:35 Uhr:   

Es sind hier zwar wohl keine Bayern am Diskutieren - nicht ganz, denn Ich wohne in der bayerischen Provinz und glaube, die Stimmung ganz gut mitzubekommen schrieb Florian am 16. Januar. Übrigens hat er imho in seinen beiden Postings am 16. die Sache auch exakt vorhergesehen. Es lief sogar noch viel schneller als gedacht.

Auch Ralf Lang könnte richtig liegen. Gerade weil die SPD ohnehin keine reale Chance auf greifbaren Erfolg in Bayern hat, mag mancher ohnehin nicht CSU wählende Bayer auch denken, "nun ist es auch egal", und dann gleich die WASG (oder wie sie dann bei der Wahl heißen mag) wählen. Das könnten auch etwas mehr als 2 % werden, je nachdem, wie sich die verschiedenen Oppositionsparteien aufführen.
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Florian (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Freitag, 19. Januar 2007 - 16:20 Uhr:   

Die bayerische SPD bewegt sich auch viel zu weit abseits der Realität.
Dieser Landesverband gilt als besonders links (nicht umsonst kam von dort auch die stärkste Opposition gegen die Schröderschen Reformen).
Was natürlich nicht unbedingt eine clevere Positionierung für ein konservatives Bundesland ist.

Mittlerweile hat ja auch die SPD selbst die Gleichung Bayern=CSU schon verinnerlicht.
(Besonders schön zu sehen bei Schröder, der immer wieder mal von "die Bayern" sprach, wenn er eigentlich "die CSU" meinte).
Wenn man dem Wähler somit schon selbst klar macht, dass eine Stimme gegen die CSU auch eine Stimme gegen Bayern ist, kann man natürlich in Bayern die CSU nicht stürzen.
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Hadrian (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Sonntag, 21. Januar 2007 - 20:16 Uhr:   

Daß die bayerische SPD so links ist, liegt aber weniger an ihrem Willen, sich so auszurichten, als an ihrem Mangel an Wählerpotential. Die CSU fischt so erfolgreich in der politischen Mitte, daß für andere Parteien nur die eher links Eingestellten übrigbleiben. Die bayerische SPD wird ja auch kaum als Volkspartei wahrgenommen, die enttäuschte CSU-Wähler auffangen könnte (wie in anderen Bundesländern mit CDU und SPD üblich).

Ein anderes Beispiel ist die bayerische FDP als relativ linker Landesverband, da der klassische Bürgerliche die CSU wählt (oder als Alternative die Freien Wähler). Auch hier rückt eine Partei nach links, weil Teile ihres bundesweit üblichen Spektrums der CSU angehören.
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Florian (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Montag, 22. Januar 2007 - 18:33 Uhr:   

@ Hadrian:
Alles richtig.
Aber was war zuerst da: Huhn oder Ei?
Kann die FDP die bürgerliche Mitte in Bayern nicht erreichen weil da die CSU sitzt oder sitzt die CSU dort so erfolgreich, weil die FDP das Feld geräumt hat?

An der Wahlurne besonders erfolgreich ist die Positionierung der FDP in Bayern auf jeden Fall nicht...

Dass aber die bayerischen Wähler für eine bürgerliche Alternative durchaus offen wären, zeigt der große Erfolg der freien Wähler:
Freie Wähler 4,0% bei der letzten Landtagswahl! In welchem anderen Bundesland gab es so was schon mal?
FDP übrigens 2,6%.
Die 4,0% wären für eine richtig aufgestellte FDP durchaus greifbar, d.h. die 5% wären selbst bei der letzten CSU-Erdrutschwahl für die FDP drin gewesen. Hätte aber natürlich ein anderes Profil gebraucht, als es eine Leutheusser-Schnarrenberger darstellt.

Oder anders formuliert:
Die CSU hat für sich und ihre Politik die Metapher "Laptop und Lederhose" geprägt.
Absolut zutreffend, wenn man die bayerische Geschichte kennt: Da gab es bis zum 2. Weltkrieg immer den Gegensatz zwischen deutschnationalem, wirtschaftsliberalem "Fortschritt" (v.a. in Franken) und sozialkonservativen, katholischen Traditionalisten (v.a. in Altbayern). Die CSU spricht beide an, dies ist ihre historische Leistung mit der sie sich in Bayern eine Mehrheit gesichert hat (die die Vorläuferin Bayerische Volkspartei nicht hatte, weil sie als Klientel eben nur die altbayerischen Katholiken hatte).
Das ändert aber nichts daran, dass "Laptop und Lederhose" ein Spagat ist, der zwei unterschiedliche Wählergruppen erreichen muss.

Theoretisch wäre die FDP aber durchaus in der Lage, sich auf "Laptop" zu konzentrieren und dieser Wählerschicht ein wesentlich klareres Angebot zu machen als die CSU.
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Maik (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Dienstag, 25. September 2007 - 22:30 Uhr:   

Am Freitag und am Sonnabend wird der CSU-Parteitag in München stattfinden. Günther Beckstein möchte von seiner Partei zum Ministerpräsidentenbewerber vorgeschlagen werden. Die entgültige Enscheidung fällt der Bayrische Landtag. Er wird Ministerpräsident werden.

Um den Parteivorsitz bewerben sich gleich 3 Bewerber. Dies sind Horst Seehofer, Erwin Huber und Gabriele Pauli. Horst Seehofer ist an der Basis beliebter. Erwin Huber ist, dagegen bei den Deligierter besser angesehen. Gabriele Pauli profitiert von denjenigen, die die Altherrenwirtschaft, in der CSU, satt haben. Erwin Huber wird wahrscheinlich gewinnen. Mit weiteren Bewerbern für die beiden Posten rechne ich nicht. Somit ergäbe sich das Tandem Beckstein/Huber.

Was ist das für ein Politikverständnis, wenn sich mehr Leute um den unwichtigeren Posten bewerben, und nur ein einziger, um das wichtigere Amt?
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Migan (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. September 2007 - 09:10 Uhr:   

@ Florian

"Dass aber die bayerischen Wähler für eine bürgerliche Alternative durchaus offen wären, zeigt der große Erfolg der freien Wähler:
Freie Wähler 4,0% bei der letzten Landtagswahl! In welchem anderen Bundesland gab es so was schon mal?
FDP übrigens 2,6%."

Dazu könnte man übrigens auch die 2,0% der ÖDP hinzurechnen, die im Grunde ebenfalls eine bayrische Besonderheit ist. Dann wäre man schon bei über 8%.
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Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. September 2007 - 10:19 Uhr:   

@Maik:
> Horst Seehofer ist an der Basis beliebter.
> Erwin Huber ist, dagegen bei den Deligierter
> besser angesehen.
Grundsätzlich ist es sehr wichtig, zwischen "Basis" und Delegierten einer Partei zu unterscheiden. Da gibt es oft erhebliche Abweichungen, am deutlichsten wohl bei SPD und Grünen.

Im konkreten Fall kenne ich aber keine Fakten die belegen könnten, daß es in der Seehofer/Huber-Frage größere Unterschiede gäbe.

> Gabriele Pauli profitiert von denjenigen, die
> die Altherrenwirtschaft, in der CSU, satt haben.
Ich würde mal eher sagen, bestimmte Leute in der CSU, die Stoiber satt hatten, haben von Pauli profitiert.
Ob sie selber noch von irgendeiner Stimmung profitieren kann bezweifle ich, sie dürfte inzwischen bei fast allen ihrer "Parteifreunde" ziemlich unten durch sein.
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Florian (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. September 2007 - 16:05 Uhr:   

"Dazu könnte man übrigens auch die 2,0% der ÖDP hinzurechnen, die im Grunde ebenfalls eine bayrische Besonderheit ist. Dann wäre man schon bei über 8%."

Richtig.
Das ist ja das besondere an Bayern:
Es gibt eine glasklare "bürgerliche" Mehrheit.
Aber nicht alle "Bürgerlichen" wünschen sich auf ewige Zeiten eine absolute CSU-Mehrheit.
Deshalb sind sie für bürgerliche Alternativen zur CSU sehr aufgeschlossen.
Das sieht man auf Landesebene.
Aber noch viel mehr auf kommunaler Ebene.
Das Bild der kleinen bayerischen Gemeinde mit CSU-dominierten Gemeinderat und CSU-Bürgermeister stimmt in verblüffend vielen Fällen nicht.
Leider habe ich keine Statistik. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass locker ein Drittel der bayerischen Bürgermeister den freien Wählern oder einer lokalen Bürger-Partei angehören.

Das ist (eigentlich) ein irres Betätigungsfeld für die FDP. Theoretisch wären für die FDP locker zweistellige Wahlergebnisse drin.
Nur wie gesagt: Dafür müsste man ein anderes Profil haben.
Etwa so: nahe an der CSU positioniert. Aber eben eine Alternative zur CSU und näher am Bürger.
Mit genau diesem Konzept fahren die örtlichen Wählerinitiativen gegen die CSU sehr, sehr erfolgreich.
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Florian (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. September 2007 - 17:05 Uhr:   

Nachtrag:

Wie gesagt, ich habe keine Bayernweite Statistik gefunden. Auf der Seite des stat.Landesamts habe ich einfach mal den ersten Landkreis angeklickt (Altötting - also "Benedikt-IVX-Country", das Musterbeispiel für gediegene katholische Provinz, allerdings mit relativ hohem Arbeiteranteil wegen der dortigen chemischen Industrie) .
In den insgesamt 24 Gemeinden dieses Landkreises haben freie Wählergruppen bei der letzten Gemeinderatswahl wie folgt abgeschnitten:

Von insgesamt 356 Gemeinderatssitzen gingen 114 an freie Wählergruppen (Listenverbindungen mit anderen Parteien noch nicht mitgerechnet).
Also 32%

Die FDP ist nur in einer der insgesamt 24 Gemeinden überhaupt angetreten und erreichte 1 Mandat...
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SaaleMax (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. September 2007 - 19:43 Uhr:   

Hallo Florian...in deinem letztem Artikel schreibst du "allerdings mit relativ hohem Arbeiteranteil..." wäre Dir ein Wahlkreis OHNE Arbeiter lieber, oder siehst du Arbeiter als Wahlergebnisverfälscher oder noch etwas anderes an??

Ich sage da nur, "Wer die Arbeit nicht ehrt ist den Taler nicht wert" !

Soviel dazu, dieser Satz von dir gab mir eben etwas zu Denken! Aber nun weiter mit der CSU...die es auf verblüffende Weise versteht Arbeiter und Vorstandsmitglied eines Unternehmens, in einer Partei und mit Ihren Interessen zu vereinen.....
also da müssen Andere noch lange und hart dran arbeiten !!!
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(Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. September 2007 - 21:38 Uhr:   

@SaaleMax
Kann es sein, dass du etwas links angehaucht bist?

(nicht als Vorwurf zu verstehen)
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Florian (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. September 2007 - 22:35 Uhr:   

@SaaleMax:
Ich weiß nicht, was Du da in meinen Beitrag hineinlesen willst.
Eine Wertung der Arbeiterschaft - positiv oder negativ - kann ich beim besten Willen nicht erkennen.

Ich wollte Altötting eigentlich nur soziologisch etwas beschreiben und klar machen, dass es sich dabei um einen soziologisch relativ bunten/vielfältigen Landkreis handelt.
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zigzag
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. September 2007 - 22:45 Uhr:   

@Florian

Wahlstatistiken aus Bayern gibt's hier
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Florian (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. September 2007 - 23:32 Uhr:   

@zigzag:
Schon klar, die Seite hatte ich auch gefunden.
Meine Frage war aber, welchen Stimmenanteil die freien Wählergruppierungen bei den Kommunalwahlen erhalten.
Und das habe ich (in komprimierter Form für Bayern gesamt) auch dort nicht finden können.
Daher habe ich exemplarisch einfach einen Landkreis herausgegriffen um meine These zu belegen, dass die diese Gruppen kommunal wahnsinnig stark sind (und die CSU in Bayern auf kommunaler Ebene daher auch weit von einer absoluten Mehrheit der Summe der Mandate entfernt ist).
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Philipp Wälchli
Veröffentlicht am Donnerstag, 27. September 2007 - 09:20 Uhr:   

Na ja, Arbeiter in der Industrie sind ja nicht gerade die klassische Wählerbasis des Bürgerblocks. Allerdings muss man wohl auch sagen, dass viele der heutigen Chemie-Arbeiter kaum mehr "Arbeiter" im Sinne des 19. Jahrhunderts sind, sondern gut ausgebildet und sich wohl auch selbst zumeist eher als "Angestellte" und "Mitarbeiter" denn als "Arbeiter" verstehen.

Und kurz eine Bemerkung zur Frage: Warum bewerben sich mehr Leute um den "unwichtigeren" Posten?
Grundsätzlich liesse sich ja auch fragen, warum eigentlich Parteivorsitz und Regierungschef nicht in Personalunion geführt werden, was ja in vielen Ländern dieser Erde durchaus das Übliche ist (mit Ausnahmen - es gibt sogar Verfassungen, die da Schranken aufstellen).
Grundsätzlich ist es für jede Partei, die sich in einer Lage wie derzeit die CSU befindet, klar, dass derjenige Kandidat Ministerpräsident werden muss, der am besten akzeptiert wird, und zwar nicht nur in der Partei selbst, sondern im ganzen Land. Vgl. z. B. die Lage in Japan, wo die LDP ja auch seit dem zweiten Weltkrieg an der Regierung ist. Sowas geht aber nur, wenn die Partei es immer schafft, genügend Menschen auf ihre Seite zu ziehen, so dass sie nie in die Minderheit versetzt wird. Nach rein innerparteilichen Kriterien kann man da nicht entscheiden.
Bei der SPD hingegen wird man zur Zeit wohl in erster Linie Leute suchen, die bei den Wählerschichten punkten, die die SPD in letzter Zeit verloren hat, um diese wiederzugewinnen. Leute suchen, die auch über die eigene Wählerschaft hinaus akzeptabel sind, kann man dann immer noch, wenn man wieder die alten Stimmenzahlen gesammelt hat, andernfalls landet man eh in der Versenkung.
Umgekehrt ist ein Parteivorsitzender in einem Land, in dem eine Partei die Mehrheit hält, natürlich nicht bloss ein Parteivorsitzender unter andern, sondern derjenige, der sehr viele Fäden im Hintergrund zieht, ziehen kann und auch muss - also gar nicht unbedingt so "unwichtig", sondern für den Machterhalt der Partei sogar sehr wichtig. Zugleich ist jeder, der dieses Amt bekleidet, auch ein potentieller Anwärter auf den Posten des Regierungschefs. Für eine Person mit Ambitionen ist es daher durchaus naheliegend, einmal den Parteivorsitz anzustreben und sich so in Stellung zu bringen, um "bei Bedarf" den "König" zu beerben. Versucht man hingen, im "Dirketschuss" Regierungschef zu werden, kann man sich damit unmöglich und für alle Zeiten unwählbar machen - ist so jedenfalls im Ausland schon öfter vorgekommen. Unter Umständen hat es auch für manche Leute mehr Attraktion, gewissermassen "im Hintergrund" zu bleiben und dennoch ein wichtiges Wort mitreden zu können, denn nicht alle ambitionierten und talentierten Politiker sind auch Persönlichkeiten, die sich bei öffentlichen Auftritten gut verkaufen können. Von einem Parteiamt aus, das etwas "privater" ist als ein Regierungsamt, können solche Leute hingegen schon eher erfolgreich agieren.
Was nun bei den drei Bewerber(inne)n persönlich jeweils den Ausschlag gegeben hat, müsste man sie allerdings wohl selbst fragen.
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Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Donnerstag, 27. September 2007 - 10:38 Uhr:   

Das ist grundsätzlich alles richtig, was Philipp ausgeführt hat.
Die Situation in Bayern ist aber viel banaler: Die drei Kandidaten bewerben sich deswegen "nur" um den Parteivorsitz, weil sie beim MP (der von der Fraktion bestimmt wird) überhaupt keine Chancen sahen.
Letztlich ist es so, daß Beckstein und Huber als Bündnis das Stoiber-Erbe aufgeteilt haben, und Beckstein als der Stärkere hatte den ersten Zugriff.

Die Kandidaturen von Seehofer und Pauli sind chancenlos.
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Thomas Frings
Veröffentlicht am Donnerstag, 27. September 2007 - 11:46 Uhr:   

"Die Kandidaturen von Seehofer und Pauli sind chancenlos"
Glücklicherweise. Seehofer als CSU-Chef wäre ein großes Hindernis für eine schwarz-gelbe Koalition.

Die Abstimmung über den Parteivorsitz ist eben auch ein Richtungsentscheidung, auch wenn bisher hauptsächlich Seehofers Privatleben im Zentrum der Aufmerksamkeit stand.
Bisher gab es in der CSU nur einmal eine Kampfabstimmung, als 1949 Müller durch Ehard abgelöst wurde, was die Regierungsbildung im Bund für Adenauer sehr erleichterte.
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zigzag
Veröffentlicht am Donnerstag, 27. September 2007 - 15:53 Uhr:   

@Florian

"Meine Frage war aber, welchen Stimmenanteil die freien Wählergruppierungen bei den Kommunalwahlen erhalten.
Und das habe ich (in komprimierter Form für Bayern gesamt) auch dort nicht finden können."

Wie wär's hiermit:
(Kreisfreie Städte + Kreistage. Für die Gemeinderäte habe ich in der Tat auch keine zusammengefassten Ergebnisse gefunden)

http://www.statistik.bayern.de/wahlen/biz/kowa_rb.php?schluessel=999}
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Paul McPauli (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Montag, 01. Oktober 2007 - 07:44 Uhr:   

"Seehofer als CSU-Chef wäre ein großes Hindernis für eine schwarz-gelbe Koalition. "

Es gibt keine Koalition in der Opposition.
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Maik (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Dienstag, 09. Oktober 2007 - 10:24 Uhr:   

Heute findet im Landtag die Ministerpräsidentenwahl statt. Günther Beckstein ist der einzige Bewerber. Er wohnt in Nürnberg, ist also Franke. Außerdem ist er evangelisch. Doch momentan stört es die CSU offiziell nicht, da sich die Partei wieder - halbwegs - geordnet hat. Weiter ist interessant, wen er in die Landesregierung berufen wird.

Meine Prognosen:
Ministerpräsidentenwahl: Er wird mit 123:81 Stimmen gewählt.
Regierungsbildung: 16 Personen nach Bezirksproporz.
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Maik Otter (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Dienstag, 09. Oktober 2007 - 12:32 Uhr:   

Günther Beckstein (CSU) ist heute Vormittag zum Ministerpräsident gewählt worden. Es hatten 178 von 180 Personen abgestimmt. Günther Beckstein hat 122 von 124 Stimmen seiner Fraktion bekommen. Es haben sich wohl 2 CSU-MDL enthalten. Die Fraktionen der SPD und des Bündnis 90/Die Grünen dürften geschlossen gegen ihn gestimmt haben.

Günther Beckstein ist der dritte Franke im Amt. Er ist der erste evangelische Ministerpräsident. Sein Kabinett wird er am nächsten Dienstag vorstellen.

Quelle: Deutschlandfunk (aktulle Radionnachricht)

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