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Wahlrecht.de Forum » Tagesgeschehen » Bundestagswahl 2005 » Wie lange dauert große Koalition ? 2 oder 3 Jahre » 001-025 « Zurück Weiter »

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stefan
Veröffentlicht am Mittwoch, 12. Oktober 2005 - 23:13 Uhr:   

Was meint ihr Wie lange dauert die große Koalition ? 2 oder 3 Jahre
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Martin_D
Veröffentlicht am Mittwoch, 12. Oktober 2005 - 23:33 Uhr:   

4 Jahre, denn

Merkel wird wohl kaum durch konstruktives Misstrauensvotum gestürzt werden können.

Die Union wird auch keine andere Koalition finden können.

Der Weg über die Vertrauensfrage zur Auflösung des Bundestags ist bei einer großen Koalition auch schwieriger als bei einer kleinen mit knapper Mehrheit so wie bei rot-grün.
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Charlotta
Veröffentlicht am Donnerstag, 13. Oktober 2005 - 00:22 Uhr:   

Ich denke auch 2-3 Jahre

Die große Koalition arbeitet jetzt alle die anstehenden Probleme ab, die sie jetzt in der großen Koalition am besten bearbeiten können:
Föderalismusreform, Mehrwertsteuer, ein wenig Bildungspolitik,...

Aber wenn dann nach 2 bis 3 Jahren irgendwas von außen kommt (z. B. die USA fängt einen neuen Krieg an) wird die Kompromissbereitschaft gegen Null sinken.
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Görd
Veröffentlicht am Donnerstag, 13. Oktober 2005 - 01:21 Uhr:   

Hängt viel von den Landtagswahlen ab, verliert da eine der beiden Großen und die anderen gewinnen, wird's Zank geben und dann Neuwahlen. Sollte die große Koalition drei Jahre halten, dann bewegt sich im letzten Jahr sowieso nit, weshalb der Knackpunkt nach zwei Jahren sein wird.

Wichtig wird auch sein, wie sich die FDP oder die Grünen verhalten, die brauch man nämlich für ein konstruktives Misstrauensvotum.
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Klaus
Veröffentlicht am Donnerstag, 13. Oktober 2005 - 09:41 Uhr:   

Ich denke auch, daß nach zwei Jahren die Luft raus ist. Hoffentlich wurde bis dahin ordentlicher Subventionsabbau betrieben (Koch-Steinbrück) und eine ordentliche Föderalismusreform (incl. Finanzverfassung) durchgeführt. Wie geht es dann weiter?

Die Frage ist, ob sich

- die Grünen in Richtung Schwampel,
- die FDP in Richtung Ampel oder
- die SPD in Richtung rot-rot-grün bewegt.

Es wird dann ohne Neuwahlen ein Auswechseln der Minister (Schwampel) oder ein konstruktives Misstrauensvotum (Ampel, rot-rot-grün) geben.

Vierte Möglichkeit: sollte ein Skandal die SPD erschüttern, könnte Merkel eine "unechte Vertrauensfrage" stellen und Neuwahlen erzwingen (der SPD stünde im Falle eines Skandals in der Union dieser Weg nicht offen).
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Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Donnerstag, 13. Oktober 2005 - 10:05 Uhr:   

Weder beim Subventionsabbau noch bei der Föderalismus-Reform traue ich der neuen Regierung viel zu.
Beim ersten Thema wird jeder seine Klientel schützen wollen, beim zweiten werden sich die Länder noch stärker sträuben als gegenüber einer "kleinen" Koalition.

So eine große Koalition kann sehr wohl vier Jahre vor sich hinwurschteln, wenn sich kein knalliger Anlaß findet, um sie zu beenden.

Vor allem: Bei einem vorzeitigen Ende muß die beendende Partei auch eine klare neue Option für eine Regierungsmehrheit anbieten können.
D.h. entweder kann die Union glaubhaft behaupten, diesmal würde es für schwarz/gelb reichen, oder aber die SPD macht die Berlin-Option, d.h. einen Schwenk zur PDS.
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P Fenech
Veröffentlicht am Donnerstag, 13. Oktober 2005 - 21:57 Uhr:   

2 Jahre, dann wird die SPD hoffentlich den linken Wählerauftrag wahrnehmen und mit der PDS eine linke Koalition bilden. Schröder ist ja schon weg, Lafontaine wird auch bald die Lust verlieren oder sich mit Gysi zerstreiten, dann steht einem rotroten Bündniss ja nix mehr im Wege.
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Good Entity
Veröffentlicht am Donnerstag, 13. Oktober 2005 - 22:20 Uhr:   

Ein rotrotes Bündnis hat keine Mehrheit im Bundestag (nur rund 280 Sitze) und auch keinen Wählerauftrag (zusammen rund 42 %).

Wenn Lafontaine und Gysi sich zerstreiten, hat es erst recht keine Mehrheit.

Wenn Lafontaine die Lust verliert, fällt mit dem Saarland das alte Bundesland mit den besten Linkspartei.PDS - Ergebnissen weg (Ich schätze 'mal, 4 % haben wie in der Umgebung des Saarlandes Linkspartei und 14 % "ihren" Lafontaine gewählt).
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The Joker
Veröffentlicht am Donnerstag, 13. Oktober 2005 - 23:17 Uhr:   

Im Gegensatz zu Österreich ´86 bis ´99 könnte in der BRD die große Koalition einen Linksruck auslösen. Ein Landtagserfolg in Rheinland-Pfalz (BTW: 5,6 %) könnte, zusammen mit Sachsen-Anhalt (bei Unzufriedenheit mit Schwarzrosa stärkste Kraft möglich) würde die Linkspartei auf 12 bis 15 % bringen, zumal die Grünen (ohne Fischer) und die FDP (kein Splitting-Effekt mehr) runter gehen dürften.
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Kalle
Veröffentlicht am Freitag, 14. Oktober 2005 - 06:47 Uhr:   

"2 Jahre, dann wird die SPD hoffentlich den linken Wählerauftrag wahrnehmen und mit der PDS eine linke Koalition bilden. Schröder ist ja schon weg, Lafontaine wird auch bald die Lust verlieren oder sich mit Gysi zerstreiten, dann steht einem rotroten Bündniss ja nix mehr im Wege."

Bei DEN SPD-Ministern in der Bundesregierung sehe ich nicht, wie die SPD sich nach links absetzen und mit der Linkspartei koalieren könnte, zumindest nicht als Teil einer Strategie der Parteispitze. Da müsste es in der SPD schon einen "Putsch" gegen Münte und co geben.

Mal ganz abgesehen davon, daß es nun zu einer zunehmenden Entfremdung zwischen Linkspartei und SPD kommen dürfte, da die Linkspartei natürlich massiv Opposition gegen die Bundesregierung machen wird, in der die SPD die "unpopulären" Ministerposten hat.

"Im Gegensatz zu Österreich ´86 bis ´99 könnte in der BRD die große Koalition einen Linksruck auslösen."

Wunschdenken. Es könnte auch was ganz anders passieren. Wenn die große Koalition gut läuft, so könnte dies der Union Auftrieb geben ("Seit die Union dran ist klappt's"). Wenn die große Koalition nicht gut läuft, so könnte dies der FDP Auftrieb geben ("SPD bremst zuviel, Schwarz-Gelb wäre doch besser gewesen").
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Analytiker
Veröffentlicht am Freitag, 14. Oktober 2005 - 09:00 Uhr:   

2 Jahre maximal. Dann ist die SPD wieder im Stimmungshoch und wird aus der Koaltion austreten. Spitzenkandidat wird wieder Gerd und dann gibts rot-rot-grün.
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Kalle
Veröffentlicht am Freitag, 14. Oktober 2005 - 10:05 Uhr:   

"2 Jahre maximal. Dann ist die SPD wieder im Stimmungshoch"

Wunschdenken.

"und wird aus der Koaltion austreten. Spitzenkandidat wird wieder Gerd"

Der nun ganz sicher nicht. Schröder ist schon in ein paar Monaten kalter Kaffee. Die Schröderanbetung in der SPD ist ohnehin mehr als lächerlich. Sieben Jahre lang wurde man nicht warm mit ihm, er brachte Hartz 4 und die Agenda 2010, kürzte den Kündigungsschutz, kürzte die Renten, beendete die paritätische Finanzierung der Sozialsysteme. Er führte die SPD ins Umfragetal, verlor Landtagswahl nach Landtagswahl. dann bringt er im Wahlkampf ein paar linke Sprüche und ist plötzlich ein Halbgott?

"und dann gibts rot-rot-grün."

Und warum dann nicht gleich? Lustig, mancher glaubt offenbar noch immer dran, an den ganz wahnsinnig genialen Plan von Gerd und Münte, der so genial ist, daß ihn keiner durchschaut...
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Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Freitag, 14. Oktober 2005 - 10:45 Uhr:   

> Lustig, mancher glaubt offenbar noch immer dran, an den
> ganz wahnsinnig genialen Plan von Gerd und Münte, der so
> genial ist, daß ihn keiner durchschaut...
Ja, das ist schon interessant.
Offenbar brauchen viele Leute das Gefühl, daß es "oben" gut sortiert und logisch zugeht.

Dabei hat Schröder nun immer wieder demonstriert, daß er nie nach irgendeinem Plan vorgeht.
Er ist ein genialer Mediendarsteller, kann spontan reagieren und aus dem Bauch heraus taktieren.
Aber strategisch ist er die völlige Null.

Sowohl die Neuwahlidee wie das Gekasper um die Kanzlerfrage waren spontane Reaktionen, um aktuelle Probleme einzufangen.
Obwohl klar war, daß man schon kurz darauf um so mehr Probleme an anderer Stelle bekommen würde.

Die Koalitionsvereinbarung incl. Kabinettsliste ist ebenfalls eine rein auf den Augenblick bezogene Lösung.
Wie es in einigen Monaten oder Jahren weitergehen soll - da haben wohl weder Schröder noch Münte irgendeine Idee.
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Claus
Veröffentlicht am Freitag, 14. Oktober 2005 - 13:55 Uhr:   

Das ist schon alles völlig richtig, nur hat auch die Merkel-CDU keinen Plan und was die Stoiber-CSU (deren interne Machtkämpfe ja auch noch lustig werden dürften) an Zukunftsvisionen entwickelt, steht auch noch in den Sternen. Das werden lustige Jahre, da wird es noch so drunter und drüber gehen, dass man sich letztlich noch ganz sentimental an die "handwerklichen Fehler" von Rot-Grün zurückerinnern wird ;-)
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Martin_D
Veröffentlicht am Freitag, 14. Oktober 2005 - 15:26 Uhr:   

> Aber strategisch ist er die völlige Null.
> Sowohl die Neuwahlidee wie das Gekasper um die Kanzlerfrage waren spontane Reaktionen, ... .

Das möchte ich bestreiten.
Hinter der Neuwahl stand sicher die strategische Überlegung, die SPD vor einer Selbstzerfleischung so weit wie möglich zu bewahren. Und auch der zunächst formulierte Anspruch auf das Kanzleramt war eine Strategie, die jeder Regierungschef der Welt in vergleichbarer Situation genauso gewählt hätten. Man kann doch wirklich nicht erwarten, dass er bei so einem Wahlergebnis in die Elefantenrunde marschiert und dabei alle Ansprüche auf das Kanzleramt aufgibt. Spontan und völlig überzogen war natürlich seine Wortwahl in der Elefantenrunde, das bestreitet ja niemand.

Aber klar, gegen Strategiegott Westerwelle ist Schröder natürlich strategisch eine Null. ;)
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Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Freitag, 14. Oktober 2005 - 15:49 Uhr:   

> Hinter der Neuwahl stand sicher die strategische Überlegung,
> die SPD vor einer Selbstzerfleischung so weit wie möglich zu
> bewahren.
Ja sicher stand diese Überlegung dahinter!
Aber gedacht hat Schröder wieder nur mal bis zur nächsten Ecke: Das er damit die für die Wochen nach der NRW-Wahl anstehenden Konflikte mit den Linken vertagen konnte.
Das ist Taktik, keine Strategie.
Denn gleich hinter der nächsten Ecke kam schon das Folgeproblem: Wegen der Neuwahlen organisiert sich die WASG nicht als PDS-Konkurrenz, sondern wird zur Fusion gezwungen.

Jetzt hat Schröder die optimalen Bedingungen für SPD-Selbstzerfleischung geschaffen: Man muß mit der CDU regieren statt mit den Grünen, und links greift eine gestärkte Parlamentspartei PDS an.
Wenn das ein strategischer Erfolg sein soll: Ganz großes Kino.

> Und auch der zunächst formulierte Anspruch auf das Kanzleramt
> war eine Strategie, die jeder Regierungschef der Welt in
> vergleichbarer Situation genauso gewählt hätten.
Da bin ich mal auf Beispiele gespannt, daß nur irgendein andere Abgewählter genauso einen Mist gebaut hat wie Schröder am Wahlabend.

Da treibt er die Partei über Wochen in eine Konfrontation, die nicht zu gewinnen ist. Und jetzt müssen sie alle klein beigeben, die Linken und die Seeheimer, die doch alle geschworen haben, niemals Merkel zu wählen.
Peinlicher hätte man es kaum hinkriegen können, die Glaubwürdigkeit der SPD ist im Keller.

Verglichen mit Schröder sind die meisten Politiker, Westerwelle sowieso, in der Tat "Strategiegötter".
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Bernhard Nowak
Veröffentlicht am Freitag, 14. Oktober 2005 - 22:54 Uhr:   

Im übrigen will die "Zeit" erfahren haben - auf S. 3 der gestrigen Ausgabe - Schröder habe unbedingt die "israelische Lösung" erzwingen und zwei Jahre weiter amtieren wollen. Dann habe er Neuwahlen geplant. Müntefering sei aber dagegen gewesen und so sei das Bündnis Schröder-Müntefering, dass seit der Wahl Münteferings zum SPD-Vorsitzenden bestand, zerbrochen. Die Zeit verspricht sich einiges vom neuen Bündnis Merkel-Müntefering.

Ob die Koalition 4 Jahre hält oder nicht, hängt meines Erachtens sehr stark davon ab, ob a) Umfragen einem Block - rot-grün oder schwarz-gelb eine eigene Mehrheit vorhersagen und ob b) in der SPD diejenigen, die rot-rot-grün wollen (Wowereit etc.) sich in Zukunft gegen diejenigen, die dieses Bündnis auf Bundesebene auch längerfristig - auch ohne Lafontaine - nicht wollen, durchsetzen. Wie dies ausgeht, weiß ich nicht und wage ich auch nicht zu prognostizieren.
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Martin_D
Veröffentlicht am Freitag, 14. Oktober 2005 - 23:46 Uhr:   

@Ralf Arnemann:

Ich bleibe jetzt hartnäckig:

Die Situation am Wahlabend war doch so: Es gab zwei Kanzlerkandidaten. Keiner von beiden hatte unter Berücksichtigen der vor der Wahl getätigten Koalitionsaussagen eine Mehrheit im deutschen Bundestag. Also gab es in der Kanzlerfrage keinen eindeutigen Gewinner oder Verlierer. Daher gab es überhaupt keinen Grund für einen der beiden Kanzlerkandidaten, den Anspruch auf das Kanzleramt am Wahlabend aufzugeben. Taktisch unklug war es aber, derart "krawallig" in der Elefantenrunde aufzutreten. Weil das nur die Union mit der Merkel solidarisiert hat. Allerdings würde man Legendenbildung betreiben, wenn man behaupten würde, ohne Schröders Elefantenrundenauftritt wären die Verhältnisse zwischen Union und SPD und auch in den Parteien selbst wesentlich anderes, als sie es heute sind.
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Marc K.
Veröffentlicht am Sonntag, 16. Oktober 2005 - 00:07 Uhr:   

@Martin D.,

hinter dem Manöver Neuwahlen gemäß Art. 68 GG stand mit Sicherheit die Einschätzung von Schröder das die Ausgangslage für die SPD 2006 noch schlechter gewesen wäre bzw. das nach der verlorenen Landtagswahl die Kritik an seinem Kurs besonders von linker Seite zunehmen würde. In der Spekulation war ja auch ein möglicher Kanzlerrücktritt und ein Wechsel zu Müntefering (wie ein Jahr zuvor in der Position des Parteichefs). Mit der Vertrauensfrage ist Schröder dem zuvor gekommen und hat - jedenfalls nach außen - im Wahlkampf eine Einheit zwischen seiner Person und der Partei herstellen können, die inhaltlich, wie die Kontroversen der letzten Jahren gezeigt haben nicht so bestand.
Ziel für die SPD war es an der Regierung zu bleiben (Müntefering: "Opposition ist Mist."). Die realistische Variante hierfür war zumindest so viele Stimmen zu erhalten, dass eine schwarz-gelbe Mehrheit nicht zustande kommt um so zu einer großen Koalition zu kommen. Daneben hat sich Schröder wohl erhofft das bei einer solchen Ausgangslage - eine zu erwartende große Koalition - er mit seinem Popularitätsvorsprung für die SPD doch noch so stark mobilisieren kann, dass die SPD vor der Union landet. Das hat er auch fast erreicht. Aber er ist dennoch - wenn auch knapp gescheitert. Und dies erklärt auch seinen vollkommen mißratenen und unangemessenen Auftritt am Wahlabend. Er hat sich geweigert die Realitäten anzukennen. Und die waren nunmal so, dass er - wenn er nicht mit der PDS gehen wollte - keine Aussicht auf eine Fortsetzung der Kanzlerschaft hatte.
Der Auftritt war ein taktischer Fehler. Er hat Frau Merkel gestärkt und das Ziel - falls es bestanden hat - sie als Kanzlerin einer großen Koalition zu verhindern geschadet. Es war in dem Sinne absolut kontraproduktiv. Einen größeren Gefallen hätte Schröder Frau Merkel gar nicht machen können.

Taktisch war das Manöver Neuwahlen machiavellistisch sehr geschickt eingefädelt. Im Wahlkampf hat Schröder geschickt agiert und vor allem mit einer Negativ-Kampagne gegen die Union Stimmung geschürt. Diese hat mit der Norminierung von Kirchhof und dessen Äußerungen über sein Steuermodell - die nichts mit dem Steuermodell der Union gemeinsam haben - auch noch eine Steilvorlage geliefert. Von den sonstigen Wahlkampfpannen der Union gar nicht zu sprechen.
Aber darauf hat er gesetzt und hat damit den Absturz der SPD in die Opposition verhindert. Aber seine Kanzlerschaft hat er verloren.
Insofern: ein halber Sieg und eine halbe Niederlage.
Das gilt gleichermaßen für die Union: eine schwarz-gelbe Mehrheit wurde nicht errungen, aber die Union stellt nun wieder den Kanzler.

Und die SPD muss nun erstmal einen Gegenkandidaten gegen Frau Merkel aufbauen, die bei der nächsten Wahl als Kanzlerin und damit mit dem Amtsvorteil ins Rennen geht.
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Bernhard Nowak
Veröffentlicht am Sonntag, 16. Oktober 2005 - 10:27 Uhr:   

@Marc K.: Volle Zustimmung. Wobei mir aber bei dem Szenario noch nicht klar wird, ob wirklich Schröder der Urheber der Neuwahlidee am 22. Mai 2005 gewesen ist. Ich habe den Eindruck, dies war Müntefering. Denn dessen Ziel ist es, die SPD langfristig an der Regierung zu halten und dafür muss sie zuverlässig sein. Daher halte ich den "Zeit"-Bericht auch für plausibel, nachdem Müntefering Schröders Versuche, nach der Wahlniederlage über ein "israelisches Modell", welches er nicht einzuhalten beabsichtigte, an der Regierung zu bleiben, missbilligte. Denn dies hätte die Zuverlässigkeit oder Verlässlichkeit der SPD massiv geschadet. Im übrigen steht in der "Zeit" ebenfalls, Müntefering habe die große Koalition sogar "herbeigesehnt". Dies ist auch verständlich, da nur so die Blockademehrheit (die die Union schamlos genutzt hat, siehe die Ablehnung des Subventionsabbaus von Eichel nach der Beschlussfassung der Union zum selben Thema nach dem Juli 2005, obwohl Eichel seinen Vorschlag nur von der Union abgeschrieben hatte!) von Union und FDP aufzuheben war. Dieser wäre bei einer Bestätigung von rot-grün oder einer rot-rot-grünen Regierung ja fortgesetzt worden. Dann hätte spätestens 2006 vermutlich Rheinland-Pfalz eine unionsgeführte Regierung bekommen und die CDU/CSU eine Zweidrittelmehrheit im Bundesrat erhalten. Schon deshalb konnte Schröders Plan - aus Sicht Münteferings - nicht aufgehen. Insofern hat Müntefering sein Ziel - fast - erreicht. Schröder scheint anzunehmen, dass Neuwahlen die SPD stärker machen würden als die Union. Dies halte ich für vollkommen unrealistisch, da FDP-Wähler vom September 2005 zur Union zurückgehen würden. Außerdem würde Schröder die SPD-Anhänger nicht mehr mobilisieren können und Sympathisanten der Linkspartei, die im September 2005 SPD wegen Schröder wählten, nicht davon abhalten können, wegen der großen Koalition nun die Linkspartei zu wählen. Einige grüne Stimmen für die SPD wegen der Aussicht, dass sich grün neu orientiert (in Richtung "Jamaica-Koaliton") würde an dem Ergebnis von Neuwahlen nichts ändern: die Union deutlich gestärkt, die SPD geschwächt. Dies hat Müntefering - wohl im Gegensatz zu Schröder - erkannt. Ich würde sagen: Schröder denkt zuerst an sich; Müntefering zuerst an die - langfristige! - Regierungsbeteiligungsmöglichkeit der SPD. Insofern glaube ich fast, dass Müntefering mehr als Schröder Initiator der Neuwahlentscheidung im Mai gewesen ist - aus den von Dir dargelegten plausiblen Gründen.
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Marc K.
Veröffentlicht am Sonntag, 16. Oktober 2005 - 10:58 Uhr:   

@Bernhard,

so viel taktische Raffinesse einen solchen Plan auszuhecken traue ich eher Schröder als Müntefering zu. Wie dem auch sei - wir werden es wohl nie so genau erfahren - Müntefering und Schröder haben gemeinsam agiert und gemeinsam den Weg zur Neuwahlen bestritten.
Was auffällig ist, ist natürlich, dass Müntefering am Wahlabend des 22. Mai 2005 als erster Neuwahlen angekündigt hat und nicht der Kanzler, der ja schließlich allein verfassungsmäßig befugt ist die Vertrauensfrage zu stellen. Ich wäre aber vorsichtig hieraus Schlüsse zu ziehen. Das Vorgehen war ja offensichtlich abgesprochen.

Was mir allerdings auch aufgefallen ist, ist dass Müntefering sich dezidiert gegen eine israelische Lösung ausgesprochen hatte.
Ein solches Modell, was von Schröder-Anhängern ins Gespräch gebracht wurde, war vollkommen jenseits der Realitäten. Die Union hätte sich nie darauf eingelassen. Eine große Koalition wäre unter solcher Bedingung NIE zustande gekommen. Die Union hätte eher Frau Merkel fallen gelassen (wobei sie das nach den Angriffen Schröders auch nicht mehr konnte) als sich darauf einzulassen.
Die einzige Chance Schröder wäre es gewesen eine große Koalition zu torpedieren. Das war auch mein erster Gedanke bei bzw. nach dem Auftritt Schröder in der Elefantenrunde am Wahlabend. Anders konnte ich mir dieses Verhalten nicht erklären. Vielleicht hoffte er ja tatsächlich die FDP würde umfallen und eine Ampelkoalition machen. Ansonsten hätte noch der Ausweg mit der PDS gestanden. Doch hier stellt sich das Problem, dass Schröder selbst als der Kanzler, der den Reformprozeß zumindest eingeleitet hat, in die Geschichte eingehen will. Von daher konnte er diesen Schwenk nicht vollziehen bzw. hätte ihn nur zu einem auch für ihn zu hohen Preis vollziehen können.
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Martin_D
Veröffentlicht am Sonntag, 16. Oktober 2005 - 12:25 Uhr:   

@Mark K. ,

ich stimme deiner Analyse in großen Teilen zu. Allerdings bin ich der Meinung, dass Kirchhof Rolle beim Rückgang der Zustimmung für die Union überschätzt wird. Da wird vieles jetzt an Kirchhof aufgehängt, was auch ohne Kirchhof passiert wäre. Möglicherweise hat Kirchhof den Effekt noch ein bisschen verstärkt, aber nicht ausgelöst. Genauso halte ich die Rolle des Irakkonflikts auf die Bundestagswahl 2002 überschätzt.
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Thomas Frings
Veröffentlicht am Montag, 17. Oktober 2005 - 12:04 Uhr:   

"Doch hier stellt sich das Problem, dass Schröder selbst als der Kanzler, der den Reformprozeß zumindest eingeleitet hat, in die Geschichte eingehen will."

Ich wäre sehr vorsichtig damit, Schröder irgendeine Strategie zu unterstellen. Die war in den sieben Jahren zuvor jedenfalls nie erkennbar, immer nur Stückwerk, selbst Taktik konnte man fast nie beobachten. Auch die "Agenda 2010" war großteils hohles Geschwafel. Hätte er wirklich eine Strategie gehabt, wäre Hartz IV bestenfalls ein erster Schritt, niemals aber ein angeblich tolles Projekt, dem dann nichts mehr folgt.
In die Geschichte eingehen wird er höchstens als Fußnote, in vier Jahren ist er vergessen. Wenn man in einigen Jahren eine Umfrage macht, wer der beste Kanzler war, wird er vielleicht auf 2% kommen.
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J.A.L.
Veröffentlicht am Montag, 17. Oktober 2005 - 13:47 Uhr:   

Das würde ich präzisieren. Der rot-grüne Regierung an sich wird wenn nicht als Ära, so doch als erkennbarer Abschnitt der deutschen Zeitgeschichte gedacht werden. Ich könnte mir auch denken, dass dies positiver als man sich dies jetzt vorstellen mag sein wird. Es könnten vor allem die gesellschaftsverändernden Maßnahmen der "starken Phase" 1999-2001 in den Mittelpunkt rücken (von Serbenbombardment bis Homoehe).

Ich stimme aber darin zu, dass dies nicht auf die Person Gerhard Schröder bezogen sein wird. Der wird wohl in einigen Jahren nur noch als "Kanzler zur Zeit rot-grünen Regierung" erinnert, ähnlich wie heute Kurt-Georg Kiesinger als Kanzler zur Zeit der (ersten) großen Koalition.
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Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Montag, 17. Oktober 2005 - 14:50 Uhr:   

@Martin_D:
> Es gab zwei Kanzlerkandidaten. Keiner von beiden hatte unter
> Berücksichtigen der vor der Wahl getätigten Koalitionsaussagen
> eine Mehrheit im deutschen Bundestag. Also gab es in der
> Kanzlerfrage keinen eindeutigen Gewinner oder Verlierer.
Es gab auf jeden Fall einen eindeutigen Verlierer: Schröder hatte Neuwahlen angesetzt mit dem erklärten Ziel, eine Bestätigung zu bekommen. Und das ist deutlich schief gegangen.

Gewonnen hatte zu diesem Zeitpunkt noch keiner.
Und ich habe immer gesagt, daß es grundsätzlich akzeptabel war, wenn Schröder bei der Kanzlerfrage noch einen Anspruch erhebt. Allerdings eben nicht in der Form, daß er sich als Gewinner darstellt - das war er nicht.
Sondern er hätte sowohl inhaltliche Argumente bringen (z. B. Erfahrung) als auch klar der Union eine Zusammenarbeit anbieten müssen.

So aber hat er eine völlig unhaltbare Position bezogen, der Rückzug davon hat der SPD deutlich geschadet.

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