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fw
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 30. Dezember 2016 - 06:28 Uhr:   

Wahlsysteme, in denen oft direkt über Personen abgestimmt wird, neigen zur Polarisierung. Das bekannteste und durch Trump sehr aktuelle Beispiel sind die USA. Hier wird vom Sheriff bis zum Präsidenten über diverse Posten direkt abgestimmt, und üblicherweise machen Demokraten und Republikaner das Rennen unter sich aus. Drittkandidaten haben keine Chance, weil sie immer unter dem Verdacht stehen, dem eigenen Lager die entscheidenden Stimmen wegzunehmen und damit dem gegnerischen Lager zu helfen.

Falls wir in Deutschland irgendwann eine Direktwahl des Bundespräsidenten einführen, wäre es ja wünschenswert, wenn dies zur Wahl einer ausgleichenden, bei allen Lagern allgemein anerkannten Person führt, und nicht zu einer polarisierenden Figur. Aber wie könnte ein Personenwahlrecht aussehen, das (dritten) Kompromisskandidaten eine echte Chance gibt?

Ich habe überlegt und meine, dass man das übliche Wahlverfahren (erster Wahlgang, wenn keine absolute Mehrheit Stichwahl zwischen beiden stärksten Kandidaten) nur etwas modifizieren müsste, um dies zu erreichen.

Mein Verfahren sieht so aus:
Im ersten Wahlgang ist der Gewinner direkt gewählt, wenn er mindestens 60% der Stimmen erhält. Erreicht kein Kandidat 60% der Stimmen, so erfolgt ein zweiter Wahlgang zwischen den drei stärksten Kandidaten des ersten Wahlgangs. Und nun der Clou: Im zweiten Wahlgang müssen die Wähler zwei Kandidaten jeweils eine Stimme geben, also entweder Kandidat A und B, oder Kandidat A und C, oder Kandidat B und C. Stimmzettel, die nur für einen Kandidaten angekreuzt sind, sind ungültig. (Alternativ könnte man auch über den Kandidaten der drei abstimmen lassen, den man am wenigsten möchte. Das liefe auf das gleiche hinaus, und dann müsste man nur einen Kandidaten ankreuzen. Aber das wäre wahrscheinlich zu verwirrend für viele Wähler, und "destruktives Wählen" ist mir allgemein unsympatisch.)

Die Folge wäre, das die Anhänger der beiden polarisierenden Kandidaten den jeweils anderen nichtwählen würden, aber den Mittekandidaten zwangsläufig mitwählen müssten, und auf diese Weise der Mittekandidat gewinnt. Und wenn der Kandidat gewinnt, der für die meisten Wähler akzeptabel ist, statt des Kandidaten, der die relative Mehrheit der Erstpräferenzen gewinnt, wäre das auch gerecht.}
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J.A.L.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 30. Dezember 2016 - 09:57 Uhr:   

"Und wenn der Kandidat gewinnt, der für die meisten Wähler akzeptabel ist, statt des Kandidaten, der die relative Mehrheit der Erstpräferenzen gewinnt, wäre das auch gerecht."


Das sehe ich schon vom Grundprinzip her völlig anders. Wer allgemein nur als zweitbeste Lösung angesehen wird, ist eben auch nur die zweitbeste Lösung. Warum sollte man das institutionalisieren? Was daran auch noch "gerecht" sein soll erschließt sich mir überhaupt nicht.
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Jan W.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 30. Dezember 2016 - 16:58 Uhr:   

So sehr ich gegen die Direktwahl des Bundespräsidenten bin, so würde ich die Wahlverfahren befürworten, die für die Wahl des irischen Präsidenten oder des Londoner Bürgermeisters angewandt werden.
Beim Wahlverfahren von fw müsste man sich nur vorstellen, die Kandidaten von Union, SPD und NPD würden es in die zweite Runde schaffen. Dann würden die (Erst-)Präferenz-Unterstützer der beiden ersteren eine Anti-NPD-Stimme abgeben und die NPD-Wähler würden quasi alleine entscheiden, wem der beiden anderen sie die Schlüssel zum Schloss Bellevue überreichen. Igitt.
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fw
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 01. Januar 2017 - 00:35 Uhr:   

Zur Frage, wie gerecht ein solches Wahlsystem wäre, ein konkretes Beispiel:

In einer Klasse mit zwanzig Schülern soll ein Klassensprecher gewählt werden. Zur Wahl stehen Martina, Stefanie und Tabea.
Acht Schüler präferieren Martina. Von diesen haben sechs Tabea und zwei Stefanie als Zweitpräferenz.
Sieben Schüler präferieren Stefanie. Von diesen haben fünf Tabea und zwei Martina als Zweitpräferenz.
Fünf Schüler präferieren Tabea. Von diesen haben vier Stefanie und einer Martina als Zweitpräferenz.
Bei einer reinen relativen Mehrheitswahl gewinnt Martina mit acht Stimmen gegen Stefanie mit sieben Stimmen und Tabea mit fünf Stimmen.
Bei einer Mehrheitswahl mit Stichwahl scheidet Tabea in der ersten Runde aus, und Stefanie gewinnt die Stichwahl mit elf Stimmen gegen Martina mit neun Stimmen.
Bei meinem Wahlrecht gewinnt Tabea mit sechzehn Stimmen gegen dreizehn Stimmen für Stefanie und elf Stimmen für Martina. Anders gesagt: nur vier Schüler lehnen Tabea völlig ab, aber sieben Schüler Stefanie und neun Schüler Martina.
Drei Wahlsysteme - drei unterschiedliche Gewinner. Welches ist das gerechteste? Die Aufgabe eines Klassensprechers ist es, die Klasse als ganzes zu vertreten und Streit zu schlichten, und dafür ist Tabea, die von sechzehn und damit am meisten Schülern akzeptiert ist, am besten geeignet. Dass sie eine vergleichsweise kleine Fanbasis hat, ist dabei sogar eher ein Vor- als ein Nachteil, und schützt sie davor, eine bestimmte Gruppe der Klasse gegen eine andere zu bevorteilen.

Mein Wahlsystem ist, wie gesagt, nur für solche Posten gedacht, die "überparteilich" agieren sollen, wie zum Beispiel der des Bundespräsidenten. Regierungschefs hingegen sollen durchaus parteiisch sein und die Kandidaten hierfür unterschiedliche Konzepte verfolgen. Hierfür ist mein Wahlsystem nicht konzipiert.
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maschi
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 01. Januar 2017 - 22:30 Uhr:   

Gerade in einem Forum wie diesem sollten auch unkonventionell erscheinende Ideen ernsthaft diskutiert werden. Und der Grundgedanke ist durchaus bestechend, gerade für ein Amt wie das des Bundespräsidenten, dessen Inhaber das ganze Volk repräsentieren soll und auch entsprechend nicht polarisierend sein sollte.
Um mal eine etwas müßige "Was wäre wenn" Betrachtung anzustellen: Bei dem von fw vorgeschlagenen Wahlrecht wäre die neue Bundespräsidentin von Österreich wohl Irmgard Griss geworden.

@ Jan W.: "Dann würden die (Erst-)Präferenz-Unterstützer der beiden ersteren eine Anti-NPD-Stimme abgeben und die NPD-Wähler würden quasi alleine entscheiden, wem der beiden anderen sie die Schlüssel zum Schloss Bellevue überreichen. Igitt."

Das klingt ja gerade so, als würden Sie NPD-Wähler für verachtenswerte Untermenschen halten, die man aus allen politischen Entscheidungen am besten aussperrt. Ich sehe es viel eher so, dass man diesen (wahrscheinlich größtenteils frustrierten und nicht etwa vob Herzen bösen) Menschen helfen sollte, den Weg zurück in das nicht-extreme politische Spektrum zu finden (vgl. Lukas 15). Was wäre dafür besser geeignet, als sie über das o.g. Wahlrecht dazu zu bringen, sich mit anderen Kandidaten auseinandersetzen und sich für einen (als Zweitpräferenz) entscheiden zu müssen?
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Interessierter
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 01. Januar 2017 - 23:06 Uhr:   

Das Problem bei diesem System ist, dass damit wie von Jan W. anhand eines Beispieles formuliert eine Minderheit von Wählern ein sehr großes Gewicht erhält. Formulieren wir mal ganz neutral: Es gibt Kandidat A, B und C, die in die Stichwahl kommen.
Kandidat C hat im Ganzen vielleicht 10% der Wähler auf seiner Seite. A und B jeweils ca. 40%, der Rest sind Kandidaten, deren Mutter sie gewählt hat.
Wähler von A oder B würde niemals Kandidat C wählen. Sprich, jede Stimme für A wäre logischerweise auch eine Stimme für B. Das bedeutet, weder A noch B profitieren davon, zusätzliche Nichtwähler aus ihren Lager zu mobilisieren.
Die einzige Möglichkeit, die A oder B haben wirklich Stimmen zu gewinnen, ist, Wähler von Kandidat C für sich zu gewinnen, weil aufgrund der Regeln der Stichwahl die C-Wähler trotzdem eine Zweitpräferenz für A oder B vergeben müssen. (Bzw., was aufs selbe hinausläuft, vielleicht gibt es bei A oder B Wähler, die sich vorstellen könnten als Zweitstimme C zu wählen, die man mobilisieren könnte.)
Fakt ist, dass in diesem Modell die Wähler von C jetzt die Wahl entscheiden, obwohl C eigentlich nur 10% der Stimmen hinter sich hat. Dabei kann C beliebige politische Forderungen auf die Agenda setzen.

Das ist meines Erachtens schon ein ernsthaftes politisches Problem. Das Beispiel von Jan gibt dem nur eine gewisse Brisanz. (In Frankreich gibt es übrigens vergleichbare Probleme... Das gehört hier aber nicht hin.)

Das Problem das Systems liegt meines Erachtens an der zwingenden Stichwahl. Das System fördert Stichwahlen und supportet damit einen Lagerwahlkampf. Aber es führt auch zu seltsamen Konstellationen, die es mit einem anderen Wahlrecht nicht geben würde.
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tg
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 02. Januar 2017 - 14:49 Uhr:   

Es ist durchaus spannend, solch ein System mal theoretisch durchzuspielen. Ich sehe vor allem das Problem, daß unter bestimmten Voraussetzungen eine Gruppe durch Spaltung ein besseres Ergebnis erzielen kann. Konstruieren wir eine Bürgermeisterwahl mit 10.000 Stimmen irgendwo in Bayern:

CSU 5.800
Links 1.500
SPD 1.400
Grün 1.300

In der Stichwahl kann man dann (vereinfachend) damit rechnen, daß die Wähler des linken, des grünen und des SPD-Kandidaten für SPD und Links stimmen, die der CSU für CSU und SPD. Macht also:

CSU 5.800
Grün 4.200
SPD 10.000

Das wäre schon seltsam, daß ein Kandidat, der für 58 % der Wähler die Erstpräferenz ist, nicht gewählt ist!

Und wenn die CSU klug ist, stellt sie 2 Kandidaten auf und ruft ihre Wähler dazu auf, ihre Stimmen gleichmäßig zu verteilen - z.B. nördlich des Baches bitte den Huber wählen, südlich den Wagner (oder auch verteilt nach Männern und Frauen oder nach Altersgruppen). Dann haben wir im ersten Wahlgang:

CSU-Huber 2.900
CSU-Wagner 2.900
Links 1.500
SPD 1.400
Grün 1.300

Und im zweiten Wahlgang sieht es so aus:
CSU-Huber 5.800 + die Stimmen von Links-, Grün- und SPD- Wählern
CSU-Wagner 5.800 + die Stimmen von Links-, Grün- und SPD- Wählern
Links 4.200

Und so gewinnt die CSU die Wahl, wobei das andere, kleinere politische Lager entscheidet, welcher der beiden CSU-Kandidaten Bürgermeister wird!
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 02. Januar 2017 - 21:29 Uhr:   

@tg
Natürlich wäre solch ein Verfahren sehr anfällig für taktische Manöver.

Und wer wäre bei einer Stichwahl CSU-SPD-Grüne, CDU-SPD-AfD, CDU-SPD-Linke oder jetzt der Kompromisskandidat? Das ist nicht offensichtlich. Der Vorschlag ist auch deswegen nicht so sinnvoll, weil das unterstellte Szenario - zwei polarisierende Großparteien und eine kleine dazwischen - sehr oft gar nicht gegeben sein würde.
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fw
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Dienstag, 03. Januar 2017 - 23:45 Uhr:   

Zunächst einmal vielen Dank für die vielen Rückmeldungen. Ich habe mir zu allen Einwänden Gedanken gemacht, auch wenn ich nicht alle teile. Vor allem zwei Kritiken haben mich ins Grübeln gebracht: Dass ein Kandidat scheitern kann, obwohl er eine absolute Mehrheit der Erstpräferenzen auf sich vereint, ist tatsächlich ungerecht. Noch problematischer ist aber noch ein anderer Einwand: nämlich was passiert, wenn ein Mitte-Links-Kandidat, ein Mitte-Rechts-Kandidat und ein Extremist in die Endrunde kommen? Das Problem dabei ist nicht so sehr, dass bei einer Zwei-Runden-Wahl sich die Endrundenkandidaten vor allem um die Wähler der "kleinen" und ausgescheidenen Kandidaten bemühen und dadurch ggf. deren Themen pushen: Das liegt in der Natur einer Stichwahl. Das Problem ist, dass mein Wahlsystem einen Anreiz schafft, dass ein nicht-extremistischer Anhänger eines der beiden Mitte-Kandidaten einen strategischen Anreiz hat, nicht den anderen Mitte-Kandidaten, sondern den Exremisten mitzuwählen, um die Chancen des eigenen Favoriten zu verbessern. (Beispielsweise können konservative Wähler einem konservativen Kandidaten zum Sieg verhelfen, wenn sie neben diesem den Rechtsextremisten mitwählen, wohingegen der Sozialdemokrat gewinnt, wenn die konservativen Wähler diesen wählen.) Wenn aber die Anhänger beider Mitte-Kandidaten jeweils den Extremisten mitwählen, könnte es sein, dass am Ende genau dieser gewinnt, obwohl ihn die deutliche Mehrheit eigentlich abgelehnt hat. Damit scheitert mein Wahlsystem deutlich an zwei Ansprüchen, die ich an es gestellt habe (1. Beförderung von "ehrlichem Wählen" und Verhinderung von "taktischem Wählen"; 2. Beförderung von integrativen Kandidaten, Chancenlosigkeit von Spaltern), und deswegen ziehe ich es in dieser Form zurück.

Ich habe einige Stunden nachgedacht, wie man mein Wahlsystem verändern müsste, damit es den von mir gestellten Ansprüchen doch gerecht wird. Mit Excel habe ich diverse Szenarien mit jeweils 150.000 Durchgängen durchgespielt, wieder nachgedacht, wieder gerechnet, und zu diesem Ergebis bin ich gekommen:

In der ersten Wahlrunde gewinnt ein Kandidat, der mehr als 50% der Stimmen auf sich vereint. Erzielt kein Kandidat eine absolute Mehrheit, so folgt eine Stichwahl zwischen den drei stärksten Kandidaten. In der Stichwahl müssen die Wähler nun die drei Kandidaten in eine Reihenfolge bringen, also eine "Erststimme" an ihren Favoriten vergeben, eine "Zweitstimme" an ihren Zweitkandidaten und eine Drittstimme an den Kandidaten, den sie am wenigsten mögen. (Ich bin mir unsicher, ob ich auch einfache Stimmen nur für einen Kandidaten zulassen soll. Falls sie zulässig sind, so wird die Zweitstimme dann jeweils hälftig auf die beiden anderen Kandidaten verteilt.)

Bei drei Kandidaten (ich verwende der plastischeren Darstellung halber wieder die drei Namen von oben) hat der Wähler nun sechs Möglichkeiten:

a) Martina-Stefanie-Tabea
b) Martina-Tabea-Stefanie
c) Stefanie-Martina-Tabea
d) Stefanie-Tabea-Martina
e) Tabea-Martina-Stefanie
f) Tabea-Stefanie-Martina

Nun gewinnt der Kandidat, der sowohl mit seinen Erststimmen und den Zweitstimmen nur eines Gegenkandidaten als auch mit seinen Erststimmen und den Zweitstimmen nur des anderen Gegenkandidaten jeweils über 50% erreicht. Wem das zu abstrakt ist, kann sich das auch so vorstellen, dass drei hypothetische Stichwahlen zwischen jeweils zwei Kandidaten durchgeführt werden, und der Kandidat, der beide Stichwahlen gegen beide Gegenkandidaten gewinnt, die Wahl insgesamt gewinnt. Anders als bei meinem ursprünglichen Modell ist es bei diesem Modell nicht möglich, dass man als Wähler durch die Wahl des Zweitkandidaten seinem Erstkandidaten schadet. Daher gibt es keinen Grund mehr, die Zweitstimme taktisch zu vergeben, sondern kann sie ehrlich vergeben. Und ein Kandidat, der mehr die Hälfte der Erststimmen auf sich vereinigt, ist sowieso durch.

Mathematisch sieht das so aus:
Wenn (a+b+c)>50% UND (a+b+e)>50% --> Martina hat gewonnen
Wenn (a+c+d)>50% UND (c+d+f)>50% --> Stefanie hat gewonnen
Wenn (b+e+f)>50% UND (d+e+f)>50% --> Tabea hat gewonnen.

In den meisten Fällen gibt es so einen Gewinner. Allerdings gibt es eine Restwahrscheinlichkeit, dass keiner der drei Kandidaten sein Kriterium erreicht. Und zwar ist das genau dann der Fall, wenn ein Stichwahlen-Paradox vorliegt, und jeder der Kandidaten jeweils eine Stichwahl gegen einen Konkurrenten gewinnen und gegen einen anderen verlieren würde. In diesem Fall gewinnt der Kandidat, der die meisten Erststimmen gewonnen hat. Das ist gerecht, weil es dann offensichtlich keinen allgemein akzeptierten Kandidat gibt, schließlich verliert jeder der Kandidaten eine hypothetische Stichwahl gegen einen anderen. (Alternativ könnte man in diesem Fall auch wieder mein ursprüngliches Modell verwenden, und den Gewinner der größten Summe aus Erst- und Zweitstimmen zum Sieger machen, aber das führt dann wieder zum Problem des taktischen Wählens, weswegen ich in diesem Fall eine Entscheidung per einfacher relativer Mehrheitswahl bevorzuge.)

Jetzt Ihr!
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Norddeutscher
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Mittwoch, 04. Januar 2017 - 15:33 Uhr:   

Wenn ich das recht verstehe, ist die Stichwahl in etwa Condorcet, oder?
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tg
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 09. Januar 2017 - 20:56 Uhr:   

Die Frage ist, warum der Dritte in jedem Fall in die Stichwahl kommen soll, wenn kein Kandidat die absolute Mehrheit hat. Bei
A 49 %
B 48 %
C 2 %
D 1 %
sehe ich nicht, was C für eine Teilnahme am zweiten Wahlgang qualifiziert. Wenn die ersten beiden zusammen keine 50 % haben, finde ich es OK, daß auch der Dritte an der Stichwahl teilnehemen darf. Oder wenn der Dritte einen bestimmten Prozentsatz übertrifft (z.B. wie in Frankreich 12,5 %). Aber doch nicht in jedem Fall!


Ansonsten habe ich mal überlegt, ob es Verfahren gab oder gibt, die dem ursprünglichen Vorschlag ähneln, also vor allem jedem Wähler mehrere gleichwertige Stimmen zugestehen. Unterschiede ergeben sich dadurch, wie viele Kandidaten gewählt werden sollen.

Nennen wir die Anzahl der Stimmen pro Wähler s und die Anzahl der schließlich Gewählten g.

Fall 1:
s>g [konkret: s=2, g=1]
Die Idee, jedem Wähler 2 gleichwertigen Stimmen zu geben, um einen Kandidaten zu wählen. gab es tatsächlich schon mal: 1789 bis 1800 im Wahlmännerkollegium. Ging die Wahl 1789 und 1792 aufgrund der Dominanz von Washington noch problemlos vonstatten, so wurde es 1796 und vor allem 1800 so kurios, daß man anschließend auf das heutige System mit einer Stimme pro Wahlmann wechselte.

Fall 2:
s=g
Ein solches Wahlsystem findet in einem unpolitischen Bereich Anwendung, nämlich in der Vorrunde von Tanzturnieren. Werden dort z.B. 6 Endrundenteilnehmer gesucht, so hat jeder Schiedsrichter 6 Stimmen, und die 6 Paare mit den meisten Stimmen sind qualifiziert.

Im politischen Bereich würde dies dies jedoch nicht gut funktionieren. Würde man z.B. einen Gemeinderat so wählen und würden alle Wähler alle Stimmen an die Kandidaten der bevorzugten Partei geben, käme selbst bei kleinstem Vorsprung ein "Winner takes it all" heraus. (Ist das schon mal irgendwo probiert worden?)

Fall 3:
s<g [konkret: s=3, g=4]
So etwas gibt es bei der Senatswahl in Spanien in den Provinzen des europäischen Festlandes (Balearen, Kanaren, Ceuta und Melilla haben etwas andere Regelungen). In jeder dieser Provinzen werden 4 Abgeordnete gewählt, dabei stellt jede Partei 3 Kandidaten auf, jeder Wähler hat 3 Stimmen und die 4 Kandidaten mit den meisten Stimmen sind gewählt. In der Praxis vergeben auch hier die meisten Wähler alle Stimmen an die Kandaten einer Partei, so daß in fast allen Provinzen (bei der letzten Wahl 46 von 47) die stärkste Partei 3 Mandate bekommt und die zweitstärkste Partei 1 Mandat - welcher Kandidat es bei dieser wird, entscheiden dann faktisch die wenigen Stimmensplitter.

Das Hauptproblem beim Ausgangsvorschlag scheint tatsächlich das s>g zu sein. Bei s=g hat es sich zumindestentens im Tanzsport bewährt, und für s<g gibt es sogar ein Beispiel aus der politischen Realität.

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