| Autor |
Beitrag |

nero Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Mittwoch, 12. November 2014 - 14:03 Uhr: | |
Hallo zusammen, im Rahmen meines Informatik-Studiums bin ich an der Entwicklung eines Programms beteiligt, welches auf Grundlage der aktuellen Fassung des Wahlgesetzes aus einem Wahlergebnis die Mandatsverteilung im deutschen Bundestag berechnet. Das Programm richtet sich an all jene, die sich mit den Auswirkungen sowie den Stärken und Schwächen des Wahlgesetzes beschäftigen. Es wird bis März 2015 fertig gestellt und dann frei verfügbar sein. Der Link zum Programm und zu den Quellen wird dann hier gepostet. Wir befinden uns gerade in der Planungsphase und bitten euch als mögliche Nutzerin des Programms, uns Vorschläge für die Ausstattung des Programms zu machen. Man wird mit dem Programm alte Wahlergebnisse auswählen, neue Wahlergebnisse aus den Rohdaten des Bundeswahlleiters einlesen oder eigene fiktive Wahlergebnisse erstellen können. Aus diesen wird dann die Mandatsverteilung nach dem jüngst geänderten Wahlgesetz berechnet und angezeigt. Zudem wird es die Möglichkeiten geben, Wahlergebnisse auf Bundes-, Landes-, oder Wahlkreisebene zu verändern und die Auswirkungen dieser fiktiven Veränderungen auf die Mandatsverteilung zu beobachten. Hauptkritikpunkt am neuen Wahlrecht scheint die Möglichkeit zu sein, dass sich der Bundestag durch Überhangs- und Ausgleichsmandate stark vergrößert. Daher soll das Programm in der Lage sein, nach einem dem gegebenen Wahlergebnis möglichst ähnlichen Ergebnis mit einer maximalen Anzahl an Bundestagsmandaten zu suchen. Das alte Wahlrecht wurde aufgrund der Möglichkeit des negativen Stimmgewichts geändert. Daher wollen wir eine Suche nach einer solchen sog. Monotoniestörung auch im neuen Wahlrecht in unser Programm einbauen. Als letzten großen Punkt wollen wir kenntlich machen, wie viele Ausgleichsmandate aus unterschiedlich hohen Wahlbeteiligungen in den Bundesländern entstehen und wie stark die WählerInnen, aber auch die Wahlberechtigten, der Bundesländer im Bundestag repräsentiert sind. Falls euch weitere interessante Punkte einfallen, bitten wir um kurze Mitteilung bis spätestens *nächsten Dienstag, den 18. November* hier im Forum. Ansonsten müsst ihr es selbst einprogrammieren, sobald die Quellen verfügbar sind... Vielen Dank und freundliche Grüße Nero |

Nikolaus Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Mittwoch, 12. November 2014 - 16:42 Uhr: | |
Klingt sehr spannend! Ich hätte Interesse dran. Folgenden Satz verstehe ich allerdings nicht: "Daher soll das Programm in der Lage sein, nach einem dem gegebenen Wahlergebnis möglichst ähnlichen Ergebnis mit einer maximalen Anzahl an Bundestagsmandaten zu suchen." Über eine Erläuterung wäre ich froh. Z.B.: Sollte man nicht eher nach einer minimalen Mandatszahl suchen? Eine Anregung: man könnte bei der Möglichkeit, Wahlergebnisse zu verändern, die Möglichkeit einbauen, auch (evtl. sogar statt der Stimmeanteile) die Wahlbeteiligungen als solche in den Ländern zu variieren, also z.B. einen entsprechenden Prozentsatz einzugeben (und zu variieren), der dann in Stimmen (und entsprechend in Mandate) umgerechnet wird. Ich bin vor allem gespannt darauf, wie das mit der Suche nach eventuellem negativem Stimmgewicht funktionieren wird. Freundliche Grüße und viel Erfolg! |

nero Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Mittwoch, 12. November 2014 - 18:07 Uhr: | |
Hallo Nikolaus, zur Maximierung der Bundestagsgröße: Dies ist ähnlich wie das negative Stimmgewicht ja eine unerwünschte Eigenschaft des Wahlgesetzes. Wir wollen überprüfen, inwiefern das in der Praxis ein Problem ist. Also wollen wir ein realistisches Wahlergebnis nehmen, z.B. eines aus der Vergangenheit, dass es tatsächlich gegeben hat. Nun wollen wir folgende Frage untersuchen: Angenommen, der Bundestag hat mit diesem Ergebnis 650 Sitze. Wenn die Leute nur ein ganz klein wenig anders gewählt hätten, hätte der Bundestag dann womöglich über 700 oder gar über 800 Sitze bekommen? Danke für den Hinweis zu den Mandaten, das sollten wir auf jeden Fall einbauen, da es ja auch Ausgleichsmandate nur wegen geänderten Wahlbeteiligungen in den Ländern geben kann. Ja, diese Suche nach einem negativen Stimmgewicht wird etwas schwierig, weil es im Gegensatz zur Anzahl der Sitze im Bundestag eine boolesche Größe ist (nur Ja/Nein), was es etwas schwieriger macht, einen geeigneten Algorithmus zu finden. Viele Grüße Nero |

Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Mittwoch, 12. November 2014 - 21:30 Uhr: | |
|

Nero
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Mittwoch, 12. November 2014 - 22:42 Uhr: | |
Danke für den Input. Wir müssen uns diese Woche erstmal damit beschäftigen, was für Funktionen sinnvoll wären. Mit der Umsetzbarkeit schlagen wir uns dann bis März herum. Brute Force ist sicher nicht machbar, vermutlich werden wir ein heuristisches Optimierungsverfahren wie "Simulated Annealing" benutzen und auf die Situation anpassen, also dem Algorithmus quasi mögliche Wege zum Ziel eincodieren, z.B. die von dir genannten. |

Jan W.
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Mittwoch, 12. November 2014 - 23:51 Uhr: | |
Also wichtig ist, klar abzubilden, welcher Überhang welcher ist. Der Sitzanspruch einer Landespartei (vor Ausgleichsmandaten) leitet sich aus dreierlei Quellen ab: - der Verhältniswahlanspruch (Parteioberverteilung, Länderunterverteilung) - der anteilige Anspruch am fixen Länderkontingent - die Zahl der gewonnenen Direktmandate im Bundesland Relevant ist der größte der drei Werte. Nur der erste Wert orientiert sich (durch die Länderunterverteilung) an der Wahlbeteiligung im Bundesland, die anderen beiden nicht. Übersteigt der dritte Wert den ersten, so liegt klassischer Überhang vor. Übersteigt der zweite Wert den ersten, so liegt kontingentbedingter Überhang vor. Übersteigen beide Werte den ersten, so entsteht (auch) Misch-Überhang. Bei Verhältnisanspruch 7, Kontingentanspruch 10, und 8 gewonnenen Direktmandaten bedeutet das 7 Mandate regulärer Anspruch, 1 Mandat Misch-Überhang, 2 Mandate kontingentbedingter Überhang. Ermittelt werden sollten Real-Länderkontingente: wie sähen die Länderkontingente aus, wenn sie nicht fix wären, sondern anhand der gültigen Zweitstimmen in den Ländern ermittelt würden. Wie würden sich diese auf die Landesparteien unterverteilen und welche Landesparteien erhalten aufgrund der fixen Kontingente mehr Ansprüche als durch Realkontingente - wo treffen diese Mehransprüche auf kontingentbedingten Überhang? Das Minimum (Mehranspruch, kontingentbed. Überhang) ist der Überhang aufgrund unterschiedlicher Wahlbeteiligungen. Eine entsprechende Rechnung bzgl. der Direktmandate ist seriös nicht möglich: zwar ließe sich aufgrund der Zahl der abgegebenen gültigen Erststimmen in den Bundesländern eine "Realallokation" der Wahlkreise auf die Bundesländer berechnen, aber ohne Wahlkreisgrenzen fehlen die Wahlkreisergebnisse, die man für den Überhangmechanismus braucht. |

Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 13. November 2014 - 05:10 Uhr: | |
|

Nikolaus Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Freitag, 10. April 2015 - 12:32 Uhr: | |
Gibt es denn inzwischen ein Ergebnis, Nero? |

Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Samstag, 11. April 2015 - 01:34 Uhr: | |
|

Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Samstag, 11. April 2015 - 02:29 Uhr: | |
|

Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Samstag, 11. April 2015 - 03:12 Uhr: | |
|

Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Samstag, 11. April 2015 - 20:47 Uhr: | |
|
|