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Wahlergebnis durch Regression ermitteln

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Dr. Stefan Schwager
Veröffentlicht am Montag, 24. Februar 2003 - 21:15 Uhr:   

Meiner Meinung nach wäre es für den Bürger einfacher und fairer, wenn er bei einer Wahl einfach sein gewünschtes Endergebnis angeben könnte, statt nur eine einzige Partei (mittels Zweitstimme) ankreuzen zu können. Das Endergebnis wird durch Regression (beliebiger Ordnung) über alle gewünschten Ergebnisse ermittelt.

Beispiel : Man wählt 33% CDU, 33% SPD, 34% Grüne. Macht zusammen 100% und entspricht dem Willen des Wählenden, wie die Wahl ausgehen soll.
Natürlich kann man alle wählbaren Parteien beliebig gewichten.


Vorteile :
1) Spekulationen, was die anderen wählen, wäre vollkommen überflüssig (als Beispiel : "Ich muß SPD wählen, weil sonst die CDU gewinnt").

2) Parteien könnten sich auf bestimmte Themen spezialisieren. Z.B. könnte man die "bibeltreuen Christen" für wichtig erachten, ohne ihnen gleich die Regierungsfähigkeit zuzuschreiben. Man gibt ihnen einfach 10%, wenn man's für nötig hält. Beim bisherigen Verfahren haben nur die sog. "Volksparteien" eine echte Chance auf Ergebnisse deutlich über 5%.

3) Sogenannte "Denkzettelwahlen" wären überflüssig. Man gewichtet die ungeliebte Partei einfach weniger als bisher, ohne sie gleich komplett gegen eine andere austauschen zu müssen, die man eigentlich gar nicht wählen will!

4) Komplizierter als das bisherige System kann's wohl kaum sein, siehe Kenntnis der Bedeutung der Zweitstimme! Aber es wäre wesentlich durchschaubarer und einfacher, weil jedermann weiß, was ein Wahl-Ergebnis ist! Für die besonders Kritischen kann man ja weiterhin das Parteienkreuz anbieten (entspricht 100% für eine Partei).

Was haltet Ihr davon?

S. Schwager
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niklas
Veröffentlicht am Montag, 24. Februar 2003 - 22:42 Uhr:   

Man könnte das auch bewerkstelligen, indem man einem Wähler mehrere Stimmen gibt. Bei manchen Wahlen in D. gibt es sogar die Möglichkeit mehrere gleichwertige Stimmen abzugeben (Bsp.: Kommunalwahl in Bayern). Letztendlich ergäbe sich wohl kein anderes Ergebnis, da die meisten Wähler wohl 100% der Stimmen ihrer Lieblingspartei gönnen. Wenn ich z.B. die SPD partout nicht mag, dann bekommt sie auch 0%. Die schwankenden Wechselwähler würden vielleicht die Stimmen aufteilen, anstatt sich selbst auf die Parteien zu verteilen. Einfacher wird die Sache sicher nicht, wenn man 100 Stimmen (für Prozente) pro Wähler addieren muß und am Ergebnis ändert sich mE auch wenig.
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c07
Veröffentlicht am Montag, 24. Februar 2003 - 23:14 Uhr:   

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Stephan Glutsch
Veröffentlicht am Montag, 24. Februar 2003 - 23:47 Uhr:   

Ich finde die Idee auch nicht schlecht. Ich fuerchte aber, das Verfahren wuerde zu viele (d.h. mehr als 5%) ungueltige Stimmen produzieren, weil - so die Pisa-Studie - viele nicht rechnen koennen. Was passiert, wenn die Summe 150% oder 90% ist? Sollte man dann die Summe auf 1 normieren, d.h. im ersten Fall alle Anteile mit 0.667 und im zweiten Fall mit 1.111 multiplizieren? Es koennte ja sein, dass der Wahler sich im zweiten Fall bewusst zu 10% der Stimme enthalten hat.

Ich habe gehoert, in einigen US-Bundestaaten werde demnaechst am Bildschirm gewaehlt. Dann koennte man die Nebenbedingung, dass alle Anteile zusammen 1 ergeben muessen in das Programm einbauen. Wenn man mit der Maus den Anteil fuer eine Partei erhoeht, wuerden, sobald die 100% ueberschritten sind, die Balken fuer die anderen Parteien nach unten gehen.

Uebrigens laesst sich das von Stefan vorgeschlagene Verfahren auch jetzt schon anwenden. Dazu sind folgende Schritte noetig:

1. Man nehme ein Blatt Papier und teile seine Stimmen auf die Parteien auf, z.B. 60% CDU und 40% FDP.

2. Man ordne die Zahlen 0 bis 99 gemaess diesen Anteilen den Parteien zu, fuer das obige Beispiel heisst das: 0...59 = CDU; 60...99 = FDP.

3. Dann generiere man eine Zufallszahl im Bereich 0 bis 99, z.B. auf den Sekundenzeiger der Uhr gucken, die Zahl in den den Taschenrechner eingeben, mehrmals die Sinus-, Cosinus-, Logarithmus- oder Quadratwurzeltaste druecken, und die letzten beiden Stellen notieren. Ich habe eben auf diese Weise 15 erhalten. Das liegt zwischen 0 und 59, also waehle ich die CDU.

4. Man verschicke Ketten-E-Mails und fordere andere auf, ebenfalls nach diesem Verfahren zu wahlen.

5. Man gruende eine Ich-AG, die die Zufallsgeneratoren in Form von Taschenrechnern in Fernost herstellen laesst und vertreibt.

Frage: Ist es erlaubt, zu irrationalem oder stochastischem Wahlverhalten aufzurufen? Beispiel: Bei Morgenrot waehlen Sie bitte die roten Socken. Wenn sie im Sternbild Fische geboren sind, waehlen Sie bitte Joschka Fischer.
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alberto
Veröffentlicht am Dienstag, 25. Februar 2003 - 00:01 Uhr:   

smile
Die Kompliziertheit der Materie nährt doch ihren Mann

Quote:

Von Stephan Glutsch am Montag, den 24. Februar 2003 - 23:47 Uhr: Ich finde die Idee auch nicht schlecht. Ich fuerchte aber, das Verfahren wuerde zu viele (d.h. mehr als 5%) ungueltige Stimmen produzieren, weil - so die Pisa-Studie - viele nicht rechnen koennen. Was passiert, wenn die Summe 150% oder 90% ist? Sollte man dann die Summe auf 1 normieren, d.h. im ersten Fall alle Anteile mit 0.667 und im zweiten Fall mit 1.111 multiplizieren? Es koennte ja sein, dass der Wahler sich im zweiten Fall bewusst zu 10% der Stimme enthalten hat.


und das soll sie auch. Was denn sonst noch? Recht, das Betroffene verstehen, erfüllt seinen Zweck nicht, in diesem unserem Lande.
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Dr. Stefan Schwager
Veröffentlicht am Dienstag, 25. Februar 2003 - 11:17 Uhr:   

Danke für eure Meinungen!

Es ist interessant, die totalitäre Einschätzung der eigenen Vernunft

Quote:

...jeder vernünftige Mensch sollte das meiner Meinung nach genauso machen, wie es eben praktisch auch heute der Fall ist



und der Einwand, die Gesellschaft sei zu doof für etwas Einfaches

Quote:

Ich fuerchte aber, das Verfahren wuerde zu viele (d.h. mehr als 5%) ungueltige Stimmen produzieren, weil - so die Pisa-Studie - viele nicht rechnen koennen.



begegnen mir immer wieder. Ich habe d'Hondt und Co. schon in der Schule nicht kapiert und halte es - ähnlich wie das Steuerrecht - für einen Verlierer im Kampf zwischen Verstand und Bürokratie.

Ich denke aber - und das ist viel schlimmer - daß es nicht zuletzt wegen der genannten Vorbehalte noch viele Jahrzehnte dauern wird, bis endlich direkt-demokratische Mittel (bundesweite Volksentscheide, ständige Kontrolle durch das Volk, etc) bei uns eingeführt werden.

Grüße,
S. Schwager
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alberto
Veröffentlicht am Dienstag, 25. Februar 2003 - 11:55 Uhr:   

smile
Der erste Schritt

Quote:

Ich denke aber - und das ist viel schlimmer - daß es nicht zuletzt wegen der genannten Vorbehalte noch viele Jahrzehnte dauern wird, bis endlich direkt-demokratische Mittel (bundesweite Volksentscheide, ständige Kontrolle durch das Volk, etc) bei uns eingeführt werden.


ist die Anwendung des Grundgesetzes. Vor allem die Trennung von gesetzgebender und verfassunggebender Versammlung (nach bisher 140 unbefugten Verschlimmbesserungen) ist dringlich. Die Dominanz der Ödies in beiden ist unterträglich. Hier kulminiert das Paradoxon.
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c07
Veröffentlicht am Dienstag, 25. Februar 2003 - 14:01 Uhr:   

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Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Dienstag, 25. Februar 2003 - 14:30 Uhr:   

> Ich habe d'Hondt und Co. schon in der Schule nicht kapiert ...
Tut mir leid das so hart sagen zu müssen: Aber genau dieses Nicht-kapieren führt dann zu solchen Vorschlägen.
Denn das gesamte (auch nicht unkomplizierte) Vorspiel mit den aufgeteilten Prozenten führt dann am Ende doch nur wieder zur Frage, wie dann die Prozente in Sitze umzuwandeln sind - also d'Hondt vs. übrige Verfahren.
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alberto
Veröffentlicht am Dienstag, 25. Februar 2003 - 14:32 Uhr:   

smile
Ist es nicht suspekt?,

Quote:

Noch schlimmer wär es, wenn die Dummheit der Mehrheit vorausgesetzt wird, weil dann die Motivation für die Herrschenden groß ist, die Masse möglichst dumm zu halten, um so ihre Macht zu sichern. Das ist mit meinem Demokratieverständnis nicht vereinbar.


wenn einer Selbstverständliches so beteuert?
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Dr. Stefan Schwager
Veröffentlicht am Dienstag, 25. Februar 2003 - 14:50 Uhr:   


Quote:

Wer bei Strukturen auf die Kooperationsbereitschaft der Beteiligten setzt, also erwartet, dass sie bewusst gegen ihre eigenen Überzeugungen und Interessen handeln, sollte sich fragen, ob dann solche Strukturen überhaupt noch nötig sind. Im konkreten Fall gäbe es dann z.B. keinen Grund für ein Mehrparteiensystem.




Ich verstehe nicht, wieso man gegen seine Interessen handelt, wenn man beim Wählen ein Wunsch-Wahlergebnis abgibt. Ich finde, daß es meinen Interessen gradezu entspricht, wenn ich die Möglichkeit habe, meine Wunschzusammensetzung des Parlaments zu wählen anstatt eine einzelne Partei.
Wer beim Wählen in der Alles-Oder-Nichts-Kategorie denkt, kann das ja weiterhin so handhaben.
Wo ist hier der Widerspruch zu einem Mehrparteiensystem?

Grüße,
S. Schwager
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c07
Veröffentlicht am Dienstag, 25. Februar 2003 - 15:56 Uhr:   

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Sole
Veröffentlicht am Dienstag, 25. Februar 2003 - 16:21 Uhr:   

"Das geht bei deinem Verfahren dadurch, dass man möglichst weit in der gewünschten Richtung von der Norm abweicht, und das bedeutet eben normalerweise 100% für die bevorzugte Partei."

Vorausgesetzt, dass die gewünschte Richtung durch eine bestimmte Partei übermäßig oder wenigstens umfassend vertreten wird.

Gibt es zwei sozialdemokratische Parteien mit unterschiedlichen Nuancen oder zwei Sorten Liberale (Nationale und Soziale) dann kann die gleichberechtigte oder gewichtete Wahl beider sinnvoll sein.
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c07
Veröffentlicht am Dienstag, 25. Februar 2003 - 16:40 Uhr:   

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alberto
Veröffentlicht am Dienstag, 25. Februar 2003 - 18:59 Uhr:   

smile
Nachtigall, ick hör dir trapsen

Quote:

Von c07 am Dienstag, den 25. Februar 2003 - 14:01 Uhr: Wer bei Strukturen auf die Kooperationsbereitschaft der Beteiligten setzt, also erwartet, dass sie bewusst gegen ihre eigenen Überzeugungen und Interessen handeln, sollte sich fragen, ob dann solche Strukturen überhaupt noch nötig sind. Im konkreten Fall gäbe es dann z.B. keinen Grund für ein Mehrparteiensystem.


... und wie er's gern hätte: Braun oder rot?
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Dr. Stefan Schwager
Veröffentlicht am Dienstag, 25. Februar 2003 - 19:52 Uhr:   

Danke für die ausführliche Stellungnahme, c07!
Ich will ja nicht unbedingt das letzte Wort haben, aber die Aussage

Quote:

...Wenn jeder seine Ansichten pur in das Verfahren einbringt, wird das Parlament das ganze Volk im Endeffekt am besten abbilden.



stimmt m.E. nur, wenn das Volk seine Ansichten auch "pur" einbringen kann.
Bei der Wahl "1 aus N" kann ich das aber nicht (solange N nicht gegen unendlich geht). Es bleibt der "Quantelungsfehler", der umso größer ist, je weniger Auswahlmöglichkeiten das Spektrum bietet.

Auch kann ich die Aussage

Quote:

...Wenn sich zwei Parteien nicht nennenswert unterscheiden, sollten sie sich zusammenschließen



nicht unterstützen, denn dann wären unsere Volksparteien schon zusammengeschmolzen und mit dem "1 aus N" System säßen wir dann vor einem "Ja-Nein"-Stimmzettel a la DDR.

Grüße,
S. Schwager
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c07
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. Februar 2003 - 04:56 Uhr:   

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alberto
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. Februar 2003 - 08:56 Uhr:   

smile
Ohne artikulationsfähige Opposition

Quote:

Von c07 am Mittwoch, den 26. Februar 2003 - 04:56 Uhr: Dass sich Parteien zusammenschließen sollten, war nur auf eine hypothetische Situation bezogen, die aus meiner Sicht momentan nicht ansatzweise existiert, auch wenn sich die Parteien schon mal stärker unterschieden haben. Für meinen Geschmack gibt es zurzeit eher zu wenig als zu viele Parteien.


mit einer Einheitspartei also, ist das Gebilde eine Diktatur. Daß die sich dann - wie die „DDR“ als demokratisch apostrophiert -, ist so gut wie sicher, weil der Anschein der Legitimation umso dringlicher ist, je weniger es sie wirklich gibt. Mit 98% „Gewählte“ sind ja keine Utopie, es gibt sie wirklich. Daher muß die Demokratie wehrhaft sein. Dafür gibt es den Artikel 20, IV GG,  der nicht für parlamentarischen Gebrauch bestimmt ist. Daß hier immer wieder von der Einheitspartei gefaselt wird, muß alle Alarmglocken schrillen lassen!
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c07
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. Februar 2003 - 11:20 Uhr:   

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Thomas Frings
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. Februar 2003 - 16:16 Uhr:   

"Ein Bürgerkrieg scheint mir wahrscheinlicher als ein umfassender gesamtgesellschaftlicher Konsens..."
Einen Bürgerkrie halte ich für extrem unwahrscheinlich. Und was heißt denn "umfassender gesamtgesellschaftlicher Konsens"? Entweder ist der so vage formuliert, daß jeder zustimmen kann und so auslegt wie es ihm gerade paßt (etwa so wie bei UNO-Resolutionen) oder die Parteien sind sich tatsächlich in allen Fragen ziemlich einig- dann sind sie aber überflüssig. Demokratie fußt doch gerade auf der Prämisse, daß ein umfassender Konsens nicht existiert.
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alberto
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. Februar 2003 - 17:29 Uhr:   

smile
Kannst Du Dich mal entscheiden?

Quote:

Von c07 am Mittwoch, den 26. Februar 2003 - 11:20 Uhr:

alberto: Aber solche Überlegungen sind momentan sehr theoretisch. Es gibt bei uns sogar mehr Polarisierung als tatsächlich im Parteiensystem repräsentiert wird, und alles deutet darauf hin, dass sie sich in den nächsten Jahrzehnten noch wesentlich verschärfen wird. Ein Bürgerkrieg scheint mir wahrscheinlicher als ein umfassender gesamtgesellschaftlicher Konsens, und das Problem ist eher, dass real existierende Spannungen ignoriert werden, als dass es zu viel divergierende politische Strömungen gäbe.


Demokratie trägt Konflikte aus, bevor sie virulent werden. Daher dürfen auch Mehrheiten nicht von der Willensbildung ausgeschlossen werden.


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c07
Veröffentlicht am Mittwoch, 26. Februar 2003 - 18:57 Uhr:   

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Uwe Matrisch
Veröffentlicht am Mittwoch, 19. März 2003 - 12:47 Uhr:   

Der Vorschlag von Dr. Stephan Schwager ist wunderbar, weil:

1. Stimmspliting nimmt nicht ab. Die meisten Wähler wollen doch damit Ihre "gespaltene" Präferenz ausdrücken. Was bei Erst- und Zweitstimme aber nicht sehr sinnvoll ist.

2. Es ist, um die Probleme dieser Gesellschaft zu lösen endlich notwendig, dass auch Funktionsparteien wählbar sind. Da es aber bei einer Wahl um so viele Fragen geht, ist es für viele Bürger unmöglich "nur" eine Partei, die sich beispielsweise "nur" mit Ökologie beschäftigt.

3. Demokratie lebt bei aller Theorie von ihrer Akzeptanz. Da unsere Demokratie von Parteien getragen wird und deren Akzeptanz abnimmt, sind Reformen notwendig. Durch dieses neue Wahlrecht werden sich, denke ich, die Parteien stark verändern. Da Sie um jeden Prozentpunkt stärker kämpfen müssen, sehr zum Wohle der Bürger.

Und ein Irrtum: Denkzettelwahlen werden zunehmen. Da ich eine Partei für mich nicht ganz abwähle, sinkt Hemmschwelle zu einem Schritt.

Grüße, Uwe Matrisch
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Thomas Frings
Veröffentlicht am Donnerstag, 20. März 2003 - 13:30 Uhr:   

@ Uwe Matrisch

"Da Sie um jeden Prozentpunkt stärker kämpfen müssen, sehr zum Wohle der Bürger."

Kämpfen Parteien bisher etwa nicht um jeden Prozentpunkt?

Und was bei dem Kampf rauskommt, ist keineswegs immer zum Wohl der Bürger. Schröders populistische Aktionen von Holzmann bis Irak waren gelinde gesagt eher kontraproduktiv.
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Dr. S. Schwager
Veröffentlicht am Freitag, 28. März 2003 - 21:45 Uhr:   

Ich bedanke mich bei allen Beitragenden!

S. Schwager
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Uwe Matrisch
Veröffentlicht am Montag, 31. März 2003 - 15:42 Uhr:   

@Thomas Frings

ja, die Parteien kämpfen in erster Linie um jede Wählerstimme. Wer schon mal einen Wahlkampf mitgemacht hat, weiß, dass dem eine Wählerpotentialanalyse vorausgeht. Das heißt, in Gegenden, die aussichtslos sind, wird weniger investiert. Dort wo Stammwähler sind, wird ein Rotinewahlkampf abgespult. Letzteres wäre nicht mehr möglich, da auch Stammwähler "ihre" Partei mit "Punktabzügen" leichter "bestrafen" können.

Populismus ist Teil der Demokratie, die in keinen Wahlsystem ausgeschlossen werden kann. Diesem kann man nur mit Bildung und Aufklärung begegnen. Vorgeschlages Wahlverfahren würde im Wahlkampf
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Thomas Frings
Veröffentlicht am Mittwoch, 02. April 2003 - 16:38 Uhr:   

@ Uwe Matrisch
"Populismus ist Teil der Demokratie, die in keinen Wahlsystem ausgeschlossen werden kann. Diesem kann man nur mit Bildung und Aufklärung begegnen"

Falsch. Selbst in Ländern, die in der PISA-Studie besser abgeschnitten haben als Deutschland, haben Populisten größere Erfolge als hier (siehe Schweiz, Dänemark, Norwegen, Österreich). Selbst im besten Bildungssystenm bleibt eine Menge dummes Volk übrig. Jemanden, der naturgegeben unterbelichtet ist, macht man auch mit hohen und effizient eingesetzten Bildungsausgaben nicht schlau.
Außerdem: Die Dummen sind bei populistischen Gruppierungen zwar in der Regel klar überrepräsentiert, aber auch bei solchen Gruppen gibt es intelligente Leute.
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alberto
Veröffentlicht am Mittwoch, 02. April 2003 - 20:16 Uhr:   

smile
PISA ist immer und überall

Quote:

Von Thomas Frings am Mittwoch, den 02. April 2003 - 16:39 Uhr: @ Uwe Matrisch  "Populismus ist Teil der Demokratie, die in keinen Wahlsystem ausgeschlossen werden kann. Diesem kann man nur mit Bildung und Aufklärung begegnen" Falsch. Selbst in Ländern, die in der PISA-Studie besser abgeschnitten haben als Deutschland, haben Populisten größere Erfolge als hier (siehe Schweiz, Dänemark, Norwegen, Österreich). Selbst im besten Bildungssystenm bleibt eine Menge dummes Volk übrig. Jemanden, der naturgegeben unterbelichtet ist, macht man auch mit hohen und effizient eingesetzten Bildungsausgaben nicht schlau. Außerdem: Die Dummen sind bei populistischen Gruppierungen zwar in der Regel klar überrepräsentiert, aber auch bei solchen Gruppen gibt es intelligente Leute.


Germany du hast es besser. Durch konsequente Selektion der Willfährigen und Mittelmäßigen in der xter Generation ist es uns gelungen, jeden solange zu befördern, bis er den Gipfel seiner Unfähigkeit erreicht hat. Zum Populismus gehören immer Populisten, die selber wissen, wovon sie reden. Die gibt es hier nicht mehr. Ödies sind nicht die Hellsten, und nur sie bilden die herrschende Klasse. Damit sind alle Probleme beseitigt.


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WahlRechtReform
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c07
Veröffentlicht am Donnerstag, 03. April 2003 - 08:38 Uhr:   

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Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Donnerstag, 03. April 2003 - 11:59 Uhr:   

Ich bin aus praktischer Erfahrung SEHR skeptisch bei der These, Bildung würde die Leute automatisch politisch reifer und für Populismus unanfälliger machen.
Natürlich ist es notwendig, eine gewisse Grundkenntnis über Staat und Gesellschaft zu haben.

Aber gerade höher Gebildete neigen zu einem akademischen Theoretisieren, und damit oft zu abstrus realitätsfernen politischen Meinungen.

Da werden, ob von links oder rechts, oft ganz aberwitzige krude Verschwörungtheorien geglaubt, "geheime Zusammenhänge" entlarvt und generell viel Gehirnschmalz darauf verwandt politisch angeblich sinnvolle und für Gerechtigkeit und Gemeinwohl notwendige Maßnahmen zu fordern und zu rechtfertigen, die zufällig immer die persönlichen Interessen des Betreffenden maximal befördern würden.
Da sind oft weniger Gebildete pragmatischer. Die sagen ganz klar: Von dem Gebiet verstehe ich nichts, deswegen beurteile ich das nur nach den Ergebnissen.
Eine so pragmatische Einstellung ist in anderen Ländern auch bei Akademikern nicht ungewöhnlich, in Deutschland aber eher ungewöhnlich, da es bei uns meist ums Grundsätzliche geht, nicht ums pragmatisch Funkionierende.
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c07
Veröffentlicht am Donnerstag, 03. April 2003 - 12:51 Uhr:   

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Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Donnerstag, 03. April 2003 - 14:12 Uhr:   

@c07:
> Andererseits kann, soll und muss Politik auch Realitäten schaffen und
> ist insofern immer realitätsnah.
Natürlich hat Politik immer reale Auswirkungen.
Aber inzwischen könnte man fast sagen, daß es die Ausnahme ist, wenn die Akteure die Auswirkungen ihrer politischen Arbeit auch nur halbwegs korrekt einschätzen können.
Zuviele Gesetze werden gemacht, mit denen der eigentliche Zweck überhaupt nicht, dafür aber einige ungewollte Nebenwirkungen erreicht werden. Was dann oft Grund für neue, zusätzliche Gesetze ist, die ähnlich daneben gehen.

> Das kann im Kleinen eine sinnvolle Einstellung sein, aber im Großen
> gibt es einfach zu wenig Fälle, die man beurteilen könnte. Aus der
> Geschichte kann man nicht viel lernen, weil immer unbekannt ist, was
> bei einer anderen Entscheidung passiert wäre.
Das ist richtig. Aber auch schon wieder zu akademisch.

Eine ganz primitive Vorgehensweise der Art "Wenns mir gut geht, wähle ich die Regierung wieder, wenn nicht, wechsele ich zur Opposition" ist in Summe über die Wahlberechtigten gar nicht so schlecht.
Da wird zwar häufig die Kausalbeziehung zwischen Qualität der Regierungsarbeit und konkreter Auswirkung auf das persönliche Wohlergehen nicht stimmen. Aber im Schnitt wird das vielleicht eher zu vernünftigen Wahlergebnissen führen als wenn Leute eine Partei wählen, weil sie ihnen aus verquasten Überbau-Überlegungen geeignet erscheint.
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c07
Veröffentlicht am Donnerstag, 03. April 2003 - 15:13 Uhr:   

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Nimreem
Veröffentlicht am Donnerstag, 03. April 2003 - 15:33 Uhr:   

@ Ralf,

Eine ganz primitive Vorgehensweise der Art "Wenns mir gut geht, wähle ich die Regierung wieder, wenn nicht, wechsele ich zur Opposition" ist in Summe über die Wahlberechtigten gar nicht so schlecht.

Würde aber, wenn jeder nur auf sich schaut, zu einer 2/3-tel Gesellschaft führen. Wie es dem letzten Drittel dann geht, das sich ja nie die Mehrheit erzielt, ist dann wurscht.
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Ralf Arnemann
Veröffentlicht am Donnerstag, 03. April 2003 - 16:42 Uhr:   

@c07:
Die Grundsatzentscheidung ist doch meistens erst einmal: Weitermachen oder Wechsel.
Welche Regierungs- oder Oppositionspartei dann den Zuschlag bekommt, ist dann für viele Leute die zweite Entscheidung.

@Nimreem:
Theoretisch könnte das so passieren, aber ich halte das nicht für realistisch.
Schließlich ist diese "Schlicht-Methode" auch nicht die, die ich als alleinige Richtschnur für alle Wähler gut fände.

Ich halte diesen pragmatischen Ansatz nur für besser als so manche (vor allem akademische) Luftnummer, bei der die Leute nach abstrakten theoretischen Überlegungen eine Wahlentscheidung treffen und dabei ignorieren, daß sie bisher real schlecht mit dieser Option gefahren sind (und meist kommen sich diese Leute noch besonders schlau vor, weil sie meinen das "System" durchschaut zu haben).

Besser als beide Ansätze ist selbstverständlich die Wahlentscheidung nach demokratischer Ideallehre, bei der man gut informiert und nüchtern abwägt und für jede Wahl neu entscheidet.
Man wird aber nie hoffen können (trotz zunehmender höherer Bildung), daß sich ein größerer Prozentsatz der Wähler so verhalten wird.
Noch schlechter als alle drei genannten Ansätze ist das Verhalten mancher Stammwähler, die blind nur ankreuzen, was die Familie schon immer gewählt hat, und die auch dem berühmten Besenstiel in jeweiliger Parteifarbe ihr Vertrauen schenken würden.
Auch die gibt es wohl in allen Bildungsschichten.

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