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Albert Genser
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 12. September 2013 - 09:56 Uhr:   

Hallo zusammen,

ich stelle mir eine Frage: Wenn in einem Wahlkreis bei der Bundestagswahl ein Kandidat die Mehrheit der abgegebenen Stimmen bekommt, was passiert mit den Stimmen, die an die anderen Kandidaten gegangen sind?

Hintergrund der Frage: In "meinem" Wahlkreis steht der "Sieger" im Grunde genommen fest. Den finde ich jedoch doof! Wenn ich jetzt einem anderen Direktkandidaten meine Stimme gebe, ist die - sollte er nicht gewinnen - dann einfach futsch oder hat die Stimme in anderen Zusammenhängen (z.B. bei der Parteienfinanzierung, etc.) noch positive Auswirkungen? Mir ist klar: Wer die meisten direkten Stimmen bekommt, zieht in den Bundestag. Das Demokratie. Doch was passiert mit den Stimmen der Unterlegenen, mit den Minderheiten?

Hat jemand darauf eine Antwort oder kann auf einen erklärenden Text verlinken?

Gruß Agens1
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Wilko Zicht
Moderator
Veröffentlicht am Donnerstag, 12. September 2013 - 10:08 Uhr:   

Abgesehen von dem symbolischen Wert der Stimme - auch unterlegene Kandidaten gewinnen politisches Gewicht, wenn ihr Erststimmenanteil im Vergleich zum Zweitstimmenergebnis im Wahlkreis positiv hervorsticht - kommt da höchstens die Parteienfinanzierung bzw. Wahlkampfkostenerstattung in Frage. Voraussetzung dafür ist aber, dass der Kandidat mindestens 10 % der Erststimmen erhält und für seine Partei in diesem Bundesland keine Landesliste zugelassen ist (zu erkennen daran, dass auf dem Stimmzettel in der gleichen Zeile rechts kein Feld für die Zweitstimme ist).
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Albert Genser
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 12. September 2013 - 10:31 Uhr:   

Danke Wilko!

Das bedeutet dann, dass ich entweder meine Stimme gar nicht sinnvoll einsetzen kann, oder darauf hoffen muss, dass möglichst viele den "Gewinner-Kandidaten" auch doof finden. Oder?
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Wilko Zicht
Moderator
Veröffentlicht am Donnerstag, 12. September 2013 - 10:44 Uhr:   

Um welchen Wahlkreis geht es denn?
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petra berg
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 12. September 2013 - 11:02 Uhr:   

Hallo Albert,

Du kannst Deine Erststimme entweder taktisch einsetzen und den voraussichtlich stärksten Gegenkandidaten wählen - in der Hoffnung, daß dies viele andere Wähler auch tun - oder Du kannst die Stimme "verschwenden" indem Du irgendeinen Kandidaten wählst , obwohl Du weißt, er hat keine Chance.

Übrigens weiß nach über 60 Jahren Zweistimmenwahlsystem noch immer die Hälfte aller Wahlberechtigten nicht, daß die Erststimmen, die nicht für den Sieger abgegeben werden, keinerlei Bedeutung fürs Wahlergebnis haben und damit unwichtig sind. (Im Gegensatz zur Landtagswahl in Bayern, wo beide Stimmen für die Sitzverteilung zählen)

LG
Petra
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Albert Genser
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 12. September 2013 - 11:36 Uhr:   

Hallo Petra,

danke für die klaren Worte!

Jetzt weiß ich, was ich tun muss.

Gruß Albert
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Werner Fischer
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 12. September 2013 - 12:46 Uhr:   

Da evtl. Überhangmandate nun durch Ausgleichsmandate neutralisiert werden, hat die Erststimme für die Parteien keinerlei Bedeutung mehr - ggf. führt sie nur zu einer Aufblähung des Bundestages über die 598 Mandate hinaus.

Wirkung zeigt die Erststimme nur, falls ein Kandidat gewinnt, der ohne Partei antritt - allerdings ist das noch nie eingetreten. Und in den meisten Wahlkreisen hat man diese Möglichkeit gar nicht, denn dort treten ausschließlich Parteikandidaten an.

Es ist ein Beleg für das eklatante Versagen der Parteien im Rahmen der politischen Bildung, wenn viele Wähler auch 60 Jahre nach Einführung des Zwei-Stimmen-Wahlrechts die Wirkung von Erst- und Zweitstimme noch nicht kennen.

Ich plädiere dafür, die Grundzüge des bayerischen Wahlrechts auf den Bund zu übertragen. Dann zählen beide Stimmen gleich und die Auswahl bei den Personen wird ebenfalls noch gestärkt.
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Norddeutscher
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Donnerstag, 12. September 2013 - 17:13 Uhr:   

@Werner Fischer:"Wirkung zeigt die Erststimme nur, falls ein Kandidat gewinnt, der ohne Partei antritt"

Stimmt nicht. wenn im Wahlkreis HH-Mitte z.B. der bisherige SPD-Abgeordnete Johannes Kahrs nicht gewählt wird, ist er ()da er einen aussichtslosen Listenplatz hat) überhaupt nicht im Bundestag. Das wäre - da Kahrs einer der führenden Köpfe des rechten SPD-Flügels ist - eine erhebliche Auswirkung.
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Arno Nymus
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 12. September 2013 - 17:16 Uhr:   

Ich plädiere dafür, die Erststimme abzuschaffen und stattdessen die Zweitstimme auf offenen Listen einsetzen zu dürfen (ähnlich wie in Bremen), damit das Wahlsystem wirklich mal einen Personalisierungseffekt hat.

Damit man nicht endlos lange Listen hat, sollten die Listen in Wahlkreisen aufgestellt werden, die etwa einen Erwartungswert von 5 Abgeordneten haben; aber mit zulässigen Abweichungen in Bundesländern, wo dies notwendig ist).

***
Die 598 Sitze würden in einer Oberverteilung entsprechend aller auf eine Partei (inklusive der auf Personen von Listen dieser Partei) entfallen Stimmen auf die Parteien verteilt und in der Unterverteilung innerhalb jeder Partei auf die Wahlkreislisten (jeweils Sainte-Lague).
***

Idealerweise würde sogar stattdessen eine biproportionale Verteilung vorgenommen werden, um neben Parteien- auch Regionenproporz für den GesamtBundestag zu garantieren.

Trivialerweise kann man dabei auch Parteien erlauben, in mehreren Wahlkreisen mit der selben Liste anzutreten. Bei der biproportionalen Methode würden von dieser Liste dann entsprechend alle Sitze besetzt, die auf einen der Wahlkreise (dieser Partei) entfallen sind. Für die Parteien wäre es dabei sinnvoll, ihre Listen so aufzustellen, dass sie zumindest mit einem oder zwei sicheren Plätzen in dem Wahlkreis rechnen können, damit auch bei z. B. 6%-Parteien die Personalisierung gut greifen kann.

Das System ist einfach für Wähler und sehr verständlich in der Berechnung (man bemerke, dass die komplette Bestimmung der Stärke jeder einzelnen Wahlkreisliste durch den Satz zwischen den Sternchen vollständig beschrieben ist), liefert eine garantierte Sitzzahl von 598, vollständigen Parteienproporz(, bei Verwendung der biproportionalen Methode zusätzlich vollständigen Regionalproporz), eine echte Personalisierung für alle Parteien und würde nebenbei das leidige Erststimmen-Missverständnis aus der Welt schaffen.

Freundliche Grüße,
Arno Nymus

Edit: Typos

(Beitrag nachträglich am 12., September. 2013 von Arno Nymus editiert)
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Good Entity
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Donnerstag, 12. September 2013 - 20:58 Uhr:   

Das hätte natürlich den Effekt, dass Talkshowmoderatoren, Schauspieler, Profisportler oder Deutschland-sucht-den-Superstar-Teilnehmer sehr viel bessere Chancen auf einen Einzug in den Bundestag haben als möglicherweise dröge Fachleute welcher Art auch immer.

Das ist so ähnlich, als wollte man die Fußballnationalmannschaft mittels Volksabstimmung aufstellen lassen. Sicherlich gibt das eine Elf aus individuell erstklassigen Topspielern, aber gewinnen werden die Nichts.

Sicher ist es auch wichtig, ein paar Leute dabei zu haben, die tolle Rededuelle führen können. Die überzeugen dann vielleicht auch Berlusconi oder sogar Assad oder womöglich gar Kim Il Sung von irgendetwas.

Irgendwie wäre es aber doch ganz nett, möglichst viele Leute dabeizuhaben, die insgesamt betrachtet Ahnung von möglichst vielen Dingen haben. Auch wenn sie keine Reden halten und nicht singen können und darum bei voll personalisierten Wahlen wenig Chancen haben.
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Arno Nymus
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 14. September 2013 - 01:57 Uhr:   

@Good Entity:
Die Personalisierung wäre ja (wie halt auch im Bremer und Hamburger Wahlrecht) nur so stark wie auch Personenstimmen abgegeben werden. Wenn also nur die Hälfte der Stimmen explizit auf Personen entfallen, würde halt entsprechend auch nur etwa die Hälfte der Sitze nach der Anzahl der Personenstimmen und die andere Hälfte von den Listen aufgefüllt werden.
Damit soll entsprechend auch ein guter Ausgleich hergestellt werden zwischen Personen, die beim Volk populär sind und Personen, die in ihrer Partei als verdienstvolle Mitglieder bekannt sind; denn die Meinung, wie stark die Personalisierung sein soll, geht ja doch sehr stark auseinander.

Der Vergleich zur Nationalmannschaft ist meiner Ansicht nach ungünstig insofern, als dass die Nationalmannschaft in keinster Weise demokratischen Prinzipien folgt. Es ist ja eben nicht so, dass die Vereine aus ihren Spielern eine Liste aufstellen und dann die Bevölkerung die Vereine wählt, die dann entsprechend der auf die Vereine entfallenen Stimmen anteilig ihre auf ihrer Liste weitest oben stehenden Spieler entsendet - was halt die Analogie zu einer geschlossene Listenwahl wäre.* Stattdessen gibt es dort einen "von oben" eingesetzten Alleinentscheider über die Aufstellung.
Ich denke mal, dass wir übereinstimmen, dass wir so einen in der Politik nicht (wieder) wollen, während es bei der Nationalmannschaft als Trainer, der die Spieler zu einem Team formen soll, schon Sinn ergibt. Hingegen hat in der Politik - insbesondere beim Bundestag - ja auch die Opposition eine wichtige Funktionalität. Entsprechend halte ich die Analogie nicht für gut von Nationalmannschaft auf Politik übertragbar.

Freundliche Grüße,
Arno Nymus

* Zusätzlich ist aber natürlich wichtig zu erwähnen, dass Parteien eine gewisse inhaltliche Positionierung haben, so dass für eine Partei zu stimmen schon mehr Sinn ergibt als für einen Verein zu stimmen. Das ist sicherlich eine gute Begründung, warum eine stärkere Personalisierung bei der Nationalmannschaft sogar mehr Sinn ergeben würde als bei der Bundestagswahl.
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Jan W.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 14. September 2013 - 07:12 Uhr:   

@Arno Nymus
Das Problem am hanseatischen System ist, dass ein simples Partei-Ankreuzen als Unterstützung von Partei und Landesliste gewertet werden.
Sinnvoller wäre eine separate Wahl der Landesliste. Wer nur oben am Parteinamen sein(e) Kreuz(e) macht, sollte zwar die Partei stärken können, aber für den Rechenschritt, der über die Stärke von Landesliste bzw. Personenbank entscheidet nicht berücksichtigt werden. Hier sollte nur die explizite Wahl der Landesliste (neues Feld auf dem Wahlzettel) gewertet werden.
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Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 14. September 2013 - 08:40 Uhr:   

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