Themen Themen Profil Profil Hilfe/Anleitungen Hilfe Teilnehmerliste Teilnehmerliste [Wahlrecht.de Startseite]
Suche Letzte 1|3|7 Tage Suche Suche Verzeichnis Verzeichnis  

Wie verlässlich sind Wahlumfragen?

Wahlrecht.de Forum » Wahlsysteme und Wahlverfahren » Bundestagswahlen » Wie verlässlich sind Wahlumfragen? « Zurück Weiter »

Autor Beitrag
 Link zu diesem Beitrag

Wähler
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Mittwoch, 04. September 2013 - 15:18 Uhr:   

Hallo an alle,

mich beschäftigt die Frage, ob die Wahlumfragen auch wirklich die derzeitige Wahlstimmung wiederspiegeln.
Peer Steinbrück behauptete, dass diese nicht repräsentativ seien.
Einige kritisieren diese unter der Behauptung, sie seien nur dazu da um den Wahler zu beeinflussen und zu manipulieren.
Wie ist Eure Meinung dazu?
 Link zu diesem Beitrag

Jan W.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Mittwoch, 04. September 2013 - 16:54 Uhr:   

Ganz einfach: Der Kandidat hat bis zum Schluss die Stimmung zu halten.
Steinbrück hat dabei die Schwierigkeit, dass er ja nur der Kanzlerkandidat für Rot-Grün ist - und diese Konstellation hat einen nach bisherigen Standards uneinholbaren Rückstand. Die einzigen Regierungsoptionen, die sich für die SPD im Falle eines Patts ergeben könnten, finden ohne ihn statt, daher ist er de facto nicht mehr Kanzlerkandidat. Er kann gerade mal als Spitzenkandidat versuchen, Schwarz-Gelb zu verhindern, und das Feld bereiten für einen Parteifreund, der dann entweder R2G- oder Ampelkanzler oder Vizekanzler unter Merkel wird. Nominiert würde dieser am Dienstag nach der Wahl auf dem bereits einberufenen Parteikonvent.
Steinbrück versucht, durch diese Vorwürfe an die Institute, seine Enttarnung als Strohmann vor der Wahl zu verhindern.
Die Rollenverteilung ist aber klar: so wie Münte 2009 alle Schuld auf sich geladen hat, um sich in die Wüste schicken zu lassen, damit Steinmeier Fraktionsvorsitzender werden kann, so wird Steinbrück diesmal der Sündenbock sein. Im TV-Duell hat Raab schon gut in der Wunde gebohrt, es fehlte eigentlich nur noch der Röttgen-Vergleich, denn auch der hat vor der Wahl schon den "Trostpreis" verschmäht.

Die andere Gruppe derer, die Manipulation vermuten, sind die AfD-Anhänger: da ist das Motiv noch offensichtlicher.
 Link zu diesem Beitrag

Werner Fischer
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Mittwoch, 04. September 2013 - 17:23 Uhr:   

Umfragen sind keine Wahlergebnisse. Die Wahl selbst ist entscheidend, nicht irgendwelche (manipulierte oder objektive) Umfragen. Wäre es anders, könnte der Staat sich das Geld für Wahlen sparen und alle Wahlhelfer könnten sich ein schönes Wochenende machen.

Zugegeben, derzeit sieht es nicht danach aus, dass Rot-Grün eine eigene Mehrheit schaffen wird, doch wer nicht kämpft, der hat schon verloren. Noch haben die Wähler - mit Ausnahme weniger Briefwähler - nicht endgültig entschieden.

Wahlkämpfern in so einer Lage "Schauspielerei" vorzuwerfen, ist unfair. Sollen die Kandidaten denn schon vor dem Wahltermin einfach aufgeben? Wäre das der Demokratie dienlich?
 Link zu diesem Beitrag

Jan W.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Mittwoch, 04. September 2013 - 17:36 Uhr:   

@W.F.
Wichtig ist doch, dass die Wahl für die Sitzverteilung relevant ist. Daher muss die eigentliche Wahl durchgeführt werden. Außerdem werden bei Umfragen nicht die Bedingungen der einschlägigen Wahlvorschriften erfüllt ...
Die Unverbindlichkeit der Umfragen sind ihre Schwäche: sie sind in der Interviewsituation nicht anonym, die Stichprobengröße schließt Menschen aus. Und hier können Wähler lügen: wer dagegen bei der Wahl Partei X ankreuzt, ist damit zum Wähler von X geworden.

Aber dennoch sollte man den großen Instituten schon unterstellen, dass sie wirklich die Wahlabsichten messen wollen.
 Link zu diesem Beitrag

Wähler
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Mittwoch, 04. September 2013 - 23:18 Uhr:   

Danke für Eure ausführlichen Beiträge.
 Link zu diesem Beitrag

Letztes Wort
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 08. September 2013 - 15:04 Uhr:   

Meine Meinung:
Wahlumfragen sind Befragungen von zufällig Ausgewählten. Ganz genau kann das nie sein, stimmt aber schon etwa. Die Wahl, bei der die FDP überraschend das Ergebnis im Vergleich zu den LETZTN Umfragen vor der Wahl fast verdoppelte, war ein Sonderfall. Hier wählten viele CDU-Wähler mit der Zweitstimme ("Leihstimme") FDP, um die Koalition zu retten. Das konnte man nicht vorhersehen.

Zudem sind Wahlumfragen KEINE Vorhersage der Wahl, sie zeigen nur den aktuellen (zum Zeitpunkt der Umfrage) Wert auf ca. 2%-Punkte genau. Aber bis zur Wahl und auch nach der letzten Wahlumfrage, bis zur Stimmabgabe, kann sich jeder Wähler noch umentscheiden bzw. können mehr oder weniger Wähler der jeweiligen Parteien noch mobilisiert werden, oder (doch) nicht. Generell sind Wahlumfragen sehr gut, sie zeigen fast exakt die MOMENTANE Wählerstimmung, doch sagen sie nicht exakt vorher, wie dann, nach der letzten Wahlumfrage vor der Wahl, wirklich abgestimmt wird.
 Link zu diesem Beitrag

Jan W.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 08. September 2013 - 16:41 Uhr:   

Bei den verbreiteten Zahlen über Unentschlossene wäre es sinnvoll, die lagerentschiedenen Unentschlossenen darzustellen, die halt noch nicht wissen, ob sie z.B. rot oder grün wählen, aber die schon genau wissen, dass sie rot-grün wählen wollen. Analog kann man das für schwarz und gelb erheben.
Umgekehrt kann man dann auch bei den entschlossenen hinterfragen, ob sie innerhalb der präferierten Koalition wirklich schon so entschieden sind.

Eine alternative Sonntagsfragendarstellung würde niedrigere Balken für klare Parteiangaben haben, aber dafür auch "Koalitionsreservebalken".
 Link zu diesem Beitrag

Marc K.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 09. September 2013 - 01:08 Uhr:   

Tendenziell dürfte die Zahl der Unentschlossenen, die eher der SPD zuneigen größer sein, als die derjenigen die der CDU zuneigen. Die Wahl wird wohl hauptsächlich durch die Mobilisierung der potenziellen Wähler entschieden.
Hier liegt die Union vor. Allerdings sind die SPD-Wählerschaft laut Umfragen des Allensbach Instituts 2013 stärker motiviert als 2009. Von daher ist - totz fehlender Wechselstimmung eine Bestätigung der schwarz-gelben Koalition ungewiß. Allerings erscheint eine Bestätigung der schwarz-gelben Koalition, anders als noch in den Umfragen vor einem Jahr - als möglich. Bei dieser Lage könnte auch auf Bundesebene ein derzeit noch unterschätzter Zweitstimmeneffekt zugunsten der FDP eintreten. Diese lag unmittelbar vor der Wahl bei 4-5% in den Umfragen erzielte aber bei den Wahlen 9,9% und damit sogar 1,7% mehr als 2008. Das FDP-Wahlergebnis 2013 könnte daher auch näher an 10% als an 5% liegen.
Ob es für Schwarz-Gelb reicht ist offen. Die Chancen stehen gut für eine knappe Wiederwahl. Eine Wette hierauf würde ich wagen - wenn auch nicht mit allzu hohen Einsatz.
 Link zu diesem Beitrag

Björn
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 09. September 2013 - 18:38 Uhr:   

Gestern hat Jörg Schönenborn explizit in der Zuschauerbefragung bei Presseclub - Nachgefragt gesagt, dass Umfragen gar nicht den Anspruch erheben eine Vorhersage für ein Wahlergebnis liefern zu wollen, sondern eben nur Stimmungen liefern sollen. Die Tatsache, dass nicht die Sonntagsfrage allein steht, sondern mit einem ganzen Fragebogen die Interviewten befragt werden, soll eben diese Stimmung widerspiegeln und diese zusätzlichen Fragen spielen wohl in der Bewertung in die Sonntagsfrage mit hinein.
Es ist aber natürlich schwierig, diese Abgrenzung zu ziehen, wenn oben immer die Frage eingeblendet ist: Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, wen würden Sie wählen? ... Das wirkt für Otto Normalverbraucher sicherlich schon wie eine Art von Vorhersage. Noch kritischer, wenn man die oft getätigte Aussage hört: Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die CDU auf... % .
 Link zu diesem Beitrag

Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 09. September 2013 - 19:35 Uhr:   

Beitrag verfassen
Beitrag:
Fett Kursiv Unterstrichen Erstelle Link Clipart einfügen

Benutzername: Hinweis:
Dies ist ein geschützter Bereich, in dem ausschliesslich registrierte Benutzer Beiträge veröffentlichen können.
Kennwort:
Optionen: HTML-Code anzeigen
URLs innerhalb des Beitrags aktivieren
Auswahl:

Admin Admin Logout Logout   Vorige Seite Vorige Seite Nächste Seite Nächste Seite