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SPD verhöhnt Wähler

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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 16. März 2013 - 12:01 Uhr:   

Die SPD will Fotos und Parteisymbole auf dem Stimmzettel haben, um es Analphabeten leichter zu machen:
http://www.stern.de/politik/deutschland/hilfe-fuer-analphabeten-spd-kaempft-fuer-wahlzettel-mit-fotos-1978237.html

Da sage noch einer, Afrika könne kein Vorbild sein. Ist ja auch richtig fies, mit dem ausgeschriebenen Parteinamen konfrontiert zu werden. Auf dem Stimmzettel stehen aber auch die Kurzbezeichnungen, die wohl auch für die Dümmsten auffindbar sind. Mit Mühe enthalte ich mich eines Kommentars darüber, inwieweit die SPD für den beklagten Zustand verantwortlich ist, den es bei allgemeiner Schulpflicht gar nicht geben dürfte. Es werden ja auch immer mehr hohe Bildungsabschlüsse und immer bessere Noten vergeben. Der SPD gefällt das. Schon gar nicht will ich darüber spekulieren, ob Analphabeten überdurchschnittlich der SPD zuneigen, die SPD scheint das aber zu glauben. Ein Herz für Minderbegabte haben übrigens auch die Grünen, die Wahlprogramme inzwischen auch in "leichter Sprache" veröffentlichen.

Ich möchte die SPD hier nur für ihre Inkonsequenz kritisieren. Wenn man sich wirklich konsequent an den Dümmsten orientiert, müsste man viel weiter gehen. Für Analphabeten beginnen die Schwierigkeiten schon mit der Wahlbenachrichtigung. Wie sollen die verstehen, dass es eine solch ist und dann das richtige Wahllokal finden oder wissen, wie man die Briefwahl beantragt? Auch beim Stimmzettel selbst ist die SPD inkonsequent. Bildchen von den Direktkandidaten statt von den bundesweit bekannten Gesichtern würden eher verwirren und zwei Stimmen sind zu kompliziert. Um die dümmsten anzunehmenden Wähler nicht auszugrenzen, dürfte es nur eine Stimme geben und neben dem Kreis zum ankreuzen nur die Kurzbezeichnung und ein Foto des jeweiligen Spitzenkandidaten geben, also z. B. von Merkel oder Steinbrück. Dann hätten aber die Grünen ein Problem.
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cyrix
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 16. März 2013 - 12:05 Uhr:   

Nu, ich kann mich noch an eine Szene als Wahlhelfer erinnern, als eine ältere Frau (im Einzugsbereich meines Wahllokals lagen ein Studentenwohnheim und ein Altersheim) aus der Wahlkabine rief: "Wo finde ich hier die CDU?" ...

Ok, es war Europawahl, d.h. der Wahlzettel etwas unübersichtlich...
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Florian2
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Samstag, 16. März 2013 - 12:41 Uhr:   

Mir ist nicht klar, was genau mit "Partei-Symbolen" und "Kandidaten-Fotos" gemeint ist.

"Partei-Symbole":
Haben denn die deutschen Parteien solche überhaupt?
Ich wüsste nicht, was zum Beispiel die Parteisymbole von CDU oder FDP sein sollten. Bei der SPD gab es früher einmal das Symbol mit Faust und Rose. Habe ich aber schon lange nicht mehr gesehen (und fehlt z.B. auch auf der SPD-Homepage).
Am ehesten haben so etwas wohl die Grünen mit der Sonnenblume.

Natürlich könnte sich nun z.B. die FDP ein neues Symbol ausdenken.
Aber sie wäre natürlich gegenüber z.B. den Grünen mit einem seit Jahrzehnten eingeführten Symbol benachteiligt.
Erscheint mir irgendwie unfair.

"Kandiaten-Fotos":
Wie Thomas Frings schon richtig schreibt:
Es ist vollkommen unklar, wer das sein soll.
Bei der Erststimme natürlich der Direktkandidat (den allerdings viele Wähler insbesondere aus bildungsferneren Schichten gar nicht kennen dürften, so dass der gewünschte Effekt wohl verpuffen würde).

Aber der Zweitstimme?
Dies kann doch eigentlich nur der erste (Landes-)Listenkandidat sein.
Frau Merkel ist zum Beispiel in Baden-Württemberg überhaupt nicht wählbar. Es ist daher kein wahlrechtlicher Grund erkennbar, warum ihr Foto auf einem dortigen Wahlzettel stehen sollte.
Aber auch der Ssitzenkandidat der Landesliste dürfte vielen Wählern (insbesondere auch aus den hier ja relevanten "bildungsfernen Schichten") nicht hinreichend bekannt sein.

Und "Kanzlerkandidaten" (d.h. ein Kandidat für ein Regierungsamt) hätten auf einem Wahlzettel für die Wahl der Legislative ohnehin nichts verloren.
In der öffentlichen Diskussion werden solche Feinheiten zwar gerne vermischt, man sollte hier aber wahlrechtlich schon klar trennen.
Es ist z.B. durchaus vorstellbar, dass der Kanzlerkandidat einer Partei gar nicht für den Bundestag kandidiert (es waren zwar besondere Umstände, aber Kanzler Kiesinger war zum Beispiel kein Bundestagsmitglied).
Ebenso gibt es viele Parteien, die gar keinen Kanzlerkandidaten haben. Oder einen Kandidaten, der für eine andere Partei kandidiert (konkretes Beispiel: Stoibers Bild hätte 2002 doch wohl kaum für die hessische CDU stehen können).
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Migan
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Samstag, 16. März 2013 - 13:37 Uhr:   

Wie wäre es mit getrennten Wahlzetteln?
Einen für die SPD, den man dann nur noch falten muss, und einen für diejenigen, die in gleicher und geheimer Wahl eine andere Partei wählen möchten ...
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Jan W.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 16. März 2013 - 18:44 Uhr:   

@Thomas Frings
Ich verstehe nicht, wie Sie aus dieser Frage gleich eine parteipolitische Agitation machen können. Analphabetismus hat übrigens häufig nichts mit Dummheit zu tun ... Tatsache ist, dass für knapp eine Million Wahlberechtigte der Stimmzettel eine große Hürde sein kann.
Das hat sich die SPD nicht ausgedacht, das hat der Dachverband der Volkshochschulen vor der letzten Wahl bekannt gegeben.
http://www.dvv-vhs.de/dvv-meldungen/nachrichten/aktuelles-einzelmeldung/article/gelebte-demokratie-vhs-wahlaktion-half-analphabeten-jetzt-ist-die-bundespolitik-am-zug.html
Da begegnet Ihnen übrigens auch eine bekannte CDU-Vertreterin.

Dennoch halte ich die Umsetzung für nur bedingt sinnvoll. Die Parteisymbole sind in Deutschland überwiegend Wortmarken und bieten nur geringe Vorteile gegenüber dem Parteikürzel. Ein Erkennen der "komplett ausgeschriebenen Namen" der Parteien ist daher nicht nötig. Ein vorheriges Abmalen der Buchstaben des Parteikürzels auf einen kleinen Spickzettel ist durchaus kein unrealistisches Szenario, da Analphabeten durchaus immer wieder Strategien entwickeln, um ihre Schwäche zu verbergen.

Wahlprogramme in "Einfacher Sprache" sind ja eine freiwillige Sache, aber aus Ihren Ausführungen entnehme ich, dass Sie, Thomas Frings, kein Herz für Lernbehinderte haben.
Wieso wäre es Ihrer Meinung denn sinnvoll und besser, dass dieser Kreis der Wahlberechtigten noch weniger Möglichkeiten haben, sich über die Positionen von Parteien zu informieren!?
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Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 16. März 2013 - 19:05 Uhr:   

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Jan W.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 16. März 2013 - 19:16 Uhr:   

@RL
Man könnte in der Tat die Nennung der Listennummer verbindlich machen.
Da muss aber niemand "abzählen" - die Nummern stehen schon auf dem Stimmzettel.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/7e/Bundestagswahl_05_stimmzett.jpg
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Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 16. März 2013 - 19:21 Uhr:   

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Jan W.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 16. März 2013 - 19:25 Uhr:   

Wie soll man denn "Listennummern kommunizieren", wenn nicht durch abdrucken der Ziffer? Wer diese Ziffer versteht, findet sie auch auf dem Stimmzettel wieder.
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Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 16. März 2013 - 19:29 Uhr:   

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Jan W.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 16. März 2013 - 19:43 Uhr:   

@RL
Was verstehen Sie denn unter persönlicher Vermittlung?
Kein Kandidat wird je im gesamten Wahlkreis klinkenputzen können!
Bundesweit sind vielleicht ein paar 100.000 Hausbesuche mögliche und auch die Zahl der 5-Minuten-Gespräche am Infostand ist dadurch begrenzt, dass der Tag nur 24 Stunden hat.
Man kann doch nicht die lesefähige nichtlernbehinderte Mehrheit von solchen Kontaktangeboten nicht komplett ausschließen, um eine Komplettabdeckung von Menschen mit Herausforderungen zu erreichen.
Dem signifikanten Mehraufwand steht entgegen, dass die aufwendiger eingeworbenen Stimmen ja auch nur einmal zählen - was ja auch völlig richtig ist.
Landesweit einheitliche Listennummern gibt es ja schon und wenn Union und SPD zwei Auflagen (Liste 1, Liste 2) Plakate für verschiedene Länder drucken müssen, ist das auch nicht schlimm. Für Parteien die beim Bundeswahlleiter die Teilnahme gesondert beantragen müssen (die also weder im Bundes- noch im Landtag sitzen) kann man ja noch einheitliche Nummern einführen.
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Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 16. März 2013 - 20:05 Uhr:   

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Jan W.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 16. März 2013 - 20:26 Uhr:   

@RL
Also ansonsten gibt es ja immer noch die Parteikürzel.

Die Anzahl der Parteimitglieder ist eine irreführende Größe - bei den Volksparteien kann man vielleicht von gerade einmal 10-20.000 aktiven ehrenamtlich wahlkämpfenden Mitglieder reden ... die haben aber alle nebenbei noch ein normales Leben.
Da bekommt man eine Entourage für klinkenputzende Kandidaten, Ordner bei größeren Kundgebungen, Sonnenschirme auf allen Wochenmärkten, Plakatieren und vielleicht noch 1-2 Aktionen pro Woche sind Kreisverbände in der Regel komplett ausgelastet und an der Kapazitätsgrenze ...
Zur Wahrheit der deutschen Parteienlandschaft gehören auch die vielen Karteileichen!
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Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 16. März 2013 - 20:37 Uhr:   

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tg
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Veröffentlicht am Samstag, 16. März 2013 - 20:52 Uhr:   

Ich sehe da keinen Handlungsbedarf. Es ist bereits heute möglich, den Wahlvorsteher um Hilfe beim Ausfüllen des Stimmzettels zu bitten, wenn man dazu nicht selbst in der Lage ist.
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Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 16. März 2013 - 21:06 Uhr:   

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Jan W.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 16. März 2013 - 21:19 Uhr:   

@tg
Barrierefreiheit bedeutet, nicht bitten zu müssen.
Man kann ja auch Menschen bitten, den Rollstuhl inkl. Insasse in den dritten Stock des Rathauses zu tragen, aber trotzdem ist es erst mit Aufzug barrierefrei.

Aber grundsätzlich sehe ich hier auch keinen Änderungsbedarf (siehe mein Beitrag von 18:44).

@RL
Und wieso werden Analphabeten und Lernbehinderte dann bisher nicht schon die Listennummern von Parteimitgliedern in ihrem Bekanntenkreis verraten!?
Ansonsten finde ich es schwierig, von jeder infrage kommenden Partei ein Mitglied im privaten Umfeld zu haben ... ich kann das über mich nicht sagen. So im mittleren Bekanntenkreis habe ich gerade mal einen Sozi ... und wenn das nicht meine bevorzugte Partei ist, hätte ich jetzt Pech!?
Für je ein Mitglied von Grünen und CDU müsste ich den Kreis schon etwas weiter spannen.
Für unter 40-jährige dürfte das schon eine recht große Auswahl sein, wenn man bedenkt, dass die meisten Parteien hoffnungslos überaltert sind.
http://edocs.fu-berlin.de/docs/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDOCS_derivate_000000002084/Oskar_Niedermayer_-_Parteimitglieder_in_Deutschland__Version_2011.pdf?hosts=
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein über 60-jähriger Mitglied einer Partei ist, ist im Vergleich zu einem unter 30-jährigen SECHSMAL HÖHER!
Wer als Erst-, Zweit-, Drittwähler (Wahlalter 18 plus 3 Legislaturperioden à 4 Jahre = 30) mangels Kontakt zu Parteimitgliedern zuhause bleibt, ist aus Demokratiesicht eigentlich dauerhaft verloren.

Und wenn man dann noch hinzunimmt, dass Analphabetismus mit viel Scham verbunden ist und in der Regel verborgen wird ... wäre ich in der Lage, ich würde zu dem Bekannten, der in der SPD ist, nicht hingehen und sagen: "Du ich kann nicht lesen, welche Listennummer habt Ihr nochmal bei der Wahl?"
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Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 16. März 2013 - 22:10 Uhr:   

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tg
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 16. März 2013 - 22:56 Uhr:   

Es ging mir jetzt nicht um Fälle wie Demenz oder geistige Behinderung. Um nicht selbst in der Lage zu sein, einen Stimmzettel auszufüllen, reicht es ja bereits, beide Arme bis zu den Fingern in Gips zu haben. Oder ein Beispiel aus meiner Erfahrung als Wahlvorsteher: Da gab es mal die Situation, daß ein Senior mich um Hilfe beim Ausfüllen bat mit der Begründung, daß er seine Brille vergessen habe und den Stimmzettel nur sehr verschwommen erkennen könne. Er hat mir dann, als kein anderer Wähler anwesend war, seine Wahlabsicht genannt, und ich habe für ihn den Stimmzettel angekreuzt. Das würde ich bei einem Analphabeten genauso halten.

Ein anderer Aspekt: Es gibt ja auch verschiedene Stufen des Analphabetismus. Es mag durchaus Menschen geben, die keine Texte oder Wörter lesen können, aber schon in der Lage sind, einzelne Buchstaben zu erkennen. Die zählen ja heutzutage auch als Analphabeten, dürften aber in der Lage sein, die von ihnen präferierte Partei auf dem Stimmzettel zu finden und damit ihr Wahlrecht selbständig auszuüben.
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Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 16. März 2013 - 23:26 Uhr:   

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Ingo Zachos
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 17. März 2013 - 04:02 Uhr:   

Die Idee ist nicht neu. In vielen Ländern, in denen z.B. wie in Indien verschiedene Alphabete in Gebrauch sind, und daher viele funktionale Analphabeten zu erwarten sind, werden Symbole mit Parteien bzw. Kandidaten verbunden.

Es ist keine Verhöhnung. Im Gegenteil ist es ein Vorurteil anzunehmen, das alle Wähler lesen können.

Richtig ist aber, das auch bisher Analphabeten oder Sehbehinderte bzw. Blinde Hilfestellung bekommen konnten, weil sie eben nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen werden dürfen. Ich erinnere mich vage, das 2009 extra darauf hingewiesen wurde. Ich glaube, es war ein Jahr der Bekämpfung des Analphabetentums oder ein ähnlicher Anlaß.

Für die BTW 2013 wird der Vorschlag zu spät kommen, aber als Anregung für die Zukunft ist er beachtenswert. Doch wird ein Wahlzettel dadurch nicht kürzer, übersichtlicher oder billiger.

In Deutschland sind ca. 2 bis 8 Millionen Menschen entweder komplette Analphabeten oder funktionale Analphabeten. Genau weiß man das nicht. Also durchaus keine kleine Minderheit, und in Zukunft sind leider noch mehr funktionale Analphabeten zu erwarten, da die Anstrengungen zur Verringerung des Problems angesichts der Haushaltslage wohl dauerhaft unterfinanziert sein dürften, zumal die Betroffenen auch keine effektiven Interessengruppen bilden dürften.
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Ingo Zachos
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 17. März 2013 - 04:33 Uhr:   

Hier ist ein Beispiel für Wahlzettel mit Symbolen:

http://www.marxist.com/images/stories/south_africa/ballot_paper09.jpg

Und ich finde es schlimm, solche Vorschläge mit den Worten "Da sage noch einer, Afrika könne kein Vorbild sein" mittels eines Vorurteils zu begründen.

Tatsächlich sind die meisten Afrikanischen Staaten Vielvölkergemeinschaften mit vielen Sprachen, und daher kann es sein, das vielen Wählern der Parteiname auf Englisch unbekannt ist, aber durchaus in ihrer Muttersprache, selbst wenn sie lesen können.

Und in Indien, der größten Demokratie der Erde, gibt es sogar mehrere dutzend Alphabete. Eben weil diese Länder kulturell weit vielschichtiger sind als Deutschland, machen sie sich schon seit Jahren an die Lösung derartiger Probleme.

Im Gegensatz zu den dortigen Gesellschaften liegt aber unser Problem nicht in der reichen Kultur, sondern daran, das wir trotz einer Einheitssprache nicht Ausschließlich ein Volk von Dichtern und Denkern sind, aber eines das seine Vorurteile ("Bei uns muss niemand hungern", "Wir haben ein vorbildliches Bildungssystem", "Es gibt hier keine Analphabeten, und wenn doch, sind sie selber schuld", "Von Afrika kann man nichts lernen" und dergleichen) kultiviert.
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Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 17. März 2013 - 06:11 Uhr:   

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Norddeutscher
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 17. März 2013 - 15:34 Uhr:   

"Ansonsten finde ich es schwierig, von jeder infrage kommenden Partei ein Mitglied im privaten Umfeld zu haben ... ich kann das über mich nicht sagen. So im mittleren Bekanntenkreis habe ich gerade mal einen Sozi ... und wenn das nicht meine bevorzugte Partei ist, hätte ich jetzt Pech!? "

Ich weiß nicht, was Sie für einen Bekanntenkreis haben. Aber alleine in meinem näheren Bekanntenkreis befinden sich Mitglieder aller Bundestagsparteien außer der CSU (weil Bayern doch ein bißchen weit weg ist) und außerdem auch der Piraten.
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 17. März 2013 - 16:16 Uhr:   

@RL
Zu Italien: Solche Parteisymbole gibt es aber in Deutschland bisher nicht und die stehen in Italien auch nicht neben, sondern anstatt der Parteibezeichnung auf dem Stimmzettel. Für Analphabeten ist das nicht zwingend einfacher, zumal sich die Parteienlandschaft häufig wandelt und sich die Symbole nicht so schnell in den Köpfen verankern.


@Zachos
"Und in Indien, der größten Demokratie der Erde, gibt es sogar mehrere dutzend Alphabete. Eben weil diese Länder kulturell weit vielschichtiger sind als Deutschland, machen sie sich schon seit Jahren an die Lösung derartiger Probleme."
Dass es in einem Land viele Sprachen gibt, berechtigt nicht zu dem Vorurteil, dass vor Ort auch viele gesprochen werden. In den meisten indischen Bundesstaaten dominiert eine einzige Sprache ganz eindeutig und diese ist oft einzige Amtssprache. Würde man die EU in die Vereinigten Staaten von Europa umwandeln, hätte dieser Staat eine beträchtliche sprachliche Vielfalt, aber vor Ort würde sich nichts ändern und es würde weiterhin fast überall eine einzige Sprache dominieren und von nahezu allen Wahlberechtigten verstanden. Es ergäbe sich bei Wahlen keine Notwendigkeit, den Stimmzettel mit zwei Dutzend Sprachen zu überfrachten oder auf Parteisymbole zurückzugreifen.
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Ingo Zachos
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 17. März 2013 - 17:03 Uhr:   

@ Thorsten Frings:

1. Sie haben völlig Recht, solche Symbole für die Parteien existieren hier noch nicht. Deshalb wäre es für die BTW 2013 auch kaum möglich, Symbole einzuführen, durchaus aber bei späteren Wahlen.

2. In der Tat sind unsere Wahlzettel, die immer recht textlastig sind, sehr lang und breit und unübersichtlich. Sie können manchmal kaum an eine ziemlich große Pinnwand geheftet werden.

Und ich befürchte (aber das könnte ein Vorurteil sein), bei dem Talent unserer Beamten für die Gestaltung von Wahlzetteln, würden die Symbole und Fotos der Kandidaten den Wahlzettel eher weiter überfrachten. Es wäre aber denkbar, mit weniger Text, etwas Farbe, und dem Streichen von langen Listenreihungen und der Verwendung von Icons die Sache benutzerfreundlicher zu gestalten. Wie sie sehen, ist gerade also auch das ein Argument für die Einführung von Symbolen. Sie wären, richtig gemacht, viel leichter verständlich auch für gebildete Wähler .

Aber ich nehme an, sie arbeiten auf ihrem PC noch mit CLI, und ohne diese lästigen Symbole zum anklicken für Analphabeten, die Windows benutzen oder eine GUI.

3. Ich habe nie behauptet, für alle Wahlen in ganz Indien sei anzunehmen, hier gäbe es immer Wähler aller Sprachen. Davon gehen auch die örtlichen Wahlleiter nicht aus, denn diese sind da oft recht pragmatisch. Interessant, das sie gleich (typisch Deutsch?) unterstellen, das alle Wahlzettel in Indien gleich sein müssten, obwohl sie das ja nicht einmal in Deutschland sind.

Trotzdem liegt der Grund für die Symbole nicht in der Beschränktheit der indischen Kultur, sondern in deren Vielfältigkeit und der Erfahrung damit.

Das Problem hier ist anders. Es geht darum, den Wahlzettel zu ändern, um so einfacher wählen zu können.

Ich denke, der Gedanke ist gut, und gerade der Blick auf verschiedene Wahlzettel aus mehreren Ländern (vielen Dank, Ratinger Linke!) zeigt, wie Farbe, Fotos und Symbole den Wahlzettel durchaus auflockern können, auch für den lesenden Teil der Bevölkerung.
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 16. April 2017 - 10:48 Uhr:   

Die Versuche der SPD, sich am dümmsten anzunehmenden Wähler zu orientieren, stoßen bei der Umsetzung nicht nur auf Gegenliebe.

In Schleswig-Holstein werden offenbar mindestens teilweise Wahlbenachrichtigungen für die Wahl am 7. Mai in "leichter Sprache" verschickt. Das empfinden offenbar einige Wähler irritierend und nicht als Erleichterung.

http://www.abendblatt.de/region/article210151735/Wahlbriefe-Gut-gemeint-schlecht-gemacht.html
http://www.shz.de/regionales/schleswig-holstein/politik/wahlbriefe-in-leichter-sprache-um-schoenheit-geht-es-nicht-id16557912.html
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cyrix
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 16. April 2017 - 14:09 Uhr:   

@Thomas Frings: Spricht da eigentlich eine Geringschätzung des Demokratie-Gedankens (in der die Entscheidungsgewalt eben nicht bei einer gebildeten Oberschicht liegt, sondern alle Bevölkerungsteile einbezogen sind) aus Deinen Worten?

Wie der zweite Artikel ganz gut beschreibt, ist bei der Umsetzung der Wahlbenachrichtigung in Leichte Sprache nicht alles glatt gelaufen. Aber inwiefern der Grundgedanke, auch Menschen, die sonst Schwierigkeiten hätten, am normalen Wahlprozedere teilzunehmen (das schließt z.B. auch etwa Blinde mit ein), jetzt entsprechend polemisch in den Dreck gezogen werden muss, frage ich mich schon.

Parteilogos auf dem Wahlzettel helfen im Übrigen wohl in erster Linie älteren Menschen, deren Sehfähigkeit nachgelassen hat...
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 16. April 2017 - 15:46 Uhr:   

"Spricht da eigentlich eine Geringschätzung des Demokratie-Gedankens (in der die Entscheidungsgewalt eben nicht bei einer gebildeten Oberschicht liegt, sondern alle Bevölkerungsteile einbezogen sind) aus Deinen Worten?"
Ich denke, dass es für die Geringschätzung der Wähler spricht, wenn sie solche Wahlbenachrichtigungen bekommen.
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Good Entity
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Dienstag, 18. April 2017 - 16:13 Uhr:   

Ein Blinder hätte von einer Wahlbenachrichtigung in "Leichter Sprache" allerdings auch nichts.

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