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Süddeutsche Artikel 4. Juni 2012 - Wa...

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bastirlp
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Montag, 23. Juli 2012 - 15:28 Uhr:   

Hallo,

im Zuge einer Hausarbeit möchte ich mich mit dem Artikel der Süddeutschen vom 4. Juni 2012 befassen. Hier wurde von den Betreibern der Seite Wahlrecht.de eine Modellrechnung für Deutschland durchgeführt. Insgesamt wurde die Bundestagswahl von 2009 auf 11 andere Wahlrechtssysteme verrechnet und grafisch (Sitzverteilung) dargestellt. Leider fehlen mir jedoch genaue Berechnungen zu den einzelnen Modellen, die ich allerdings unbedingt brauche. Vor allem die errechneten Stimmenanteile der einzelnen Parteien werden von mir für die Berechnung des "Least Square Index" benötigt. Doch leider sind diese nirgends zu finden. Sicherlich wären die Daten selbst "errechenbar", allerdings würde das den Rahmen der Arbeit sprengen. Daher meine Frage an die Betreiber oder Dritte ... gibt es diese Daten irgendwo?

Danke und LG
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Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 23. Juli 2012 - 16:45 Uhr:   

Die Stimmenanteile lasen sich trivial aus dem Ergebnis berechnen.

Die Berechnungen der Sitzverteilung sind (abhängig vom Wahlsystem) teilweise nicht trivial; das kann man nicht kurz darstellen. Ein grundsätzliches Problem ist, dass CDU und CSU teils nicht als getrennte Parteien betrachtet worden sind, teils (entgegen den Angaben) aber offensichtlich schon. Insofern sind die Systeme nicht wirklich vergleichbar, und teilweise ist es damit unmöglich, die Sitzzahlen von CDU und CSU eindeutig zu extrahieren.

Zum Gallagher-Index wär zu bemerken, dass er kein geeignetes Maß für die Erfolgswertgleichheit ist. Die besten Indexwerte liefert da eine Oberverteilung nach Hare/Niemeyer statt nach Sainte-Laguë. Für eine analoge Quantifizierung der Erfolgswertabweichungen muss man die Wurzel der mittleren quadratischen Abweichung der Erfolgswerte aller Wähler vom Ideal betrachten.

[Link zum Artikel der Süddeutschen]
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Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 23. Juli 2012 - 16:51 Uhr:   

PS: Der Vergleich von Verteilungen mit unterschiedlicher Gesamtsitzzahl ist immer problematisch. Bei den Erfolgswerten muss man da mindestens den idealen Erfolgswert auf 1 normieren.
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 23. Juli 2012 - 17:46 Uhr:   

Alle Szenarien außer das geltende Wahlrecht und SPD- sowie Grünen-Entwurf hätten zu einem erheblich anderen Wahlverhalten der Wähler und z. T. auch zu einem anderen Kandidaturverhalten der Parteien geführt, wodurch diese Modellrechnungen nicht sinnvoll sind. Bei relativer Mehrheitswahl ist das offensichtlich, ohne oder mit minimaler Sperrklausel (wie beim Linke-Entwurf bzw. in NL) hätten die Splitterparteien mehr Stimmen bekommen, weil potenzielle Wähler nicht mehr dadurch abgeschreckt worden wären, ihre Stimme wahrscheinlich zu "verschenken".

Auch ansonsten sind die Analogien zu anderen Ländern zweifelhaft. In der Türkei z. B. gibt es zusätzlich zur 10%-Hürde auch noch Verzerrungen durch vielfache d'Hondt-Anwendung in zumeist recht kleinen Wahlkreisen und durch die Wahlkreise an sich, andererseits aber auch die Möglichkeit, die 10%-Hürde durch eine Bewerbung als Parteiloser zu umgehen. In Griechenland hat das Parlament nur 300 Sitze, der 50-Sitze-Bonus ist daher dort relativ ungefähr doppelt so groß. In Italien sind Koalitionen möglich, die stärkste Partei muss nicht unbedingt profitieren.
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bastirlp
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Montag, 23. Juli 2012 - 17:51 Uhr:   

Hallo,

schon mal danke für die schnelle Antwort. Aber eine Frage habe ich noch. Ich kann doch nicht von den Stimmenanteilen der Parteien, errechnet aus der BWahl 09, ausgehen und diese dann z.B. für die Berechnung des Gallagher-Indexes - Modellrechnung Japan - verwenden? Ist es nicht so, dass allein die Wahlsysteme zu unterschiedlichen Stimmenanteilen der Parteien führen? Oder irre ich mich jetzt total?

Die bereits genannten Aspekte, dass der Vergleich nur bedingt sinnvoll ist, sind mir klar. Dennoch können die Werte im Sinne einer korrekten Thesenstellung durchaus eine schlüssige Hausarbeit hervorbringen. Dies MUSS jedoch, wie schon angesprochen, durch entsprechende Punkte relativiert werden - das ist mir klar.

LG
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Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 23. Juli 2012 - 18:13 Uhr:   

Dass die Stimmenzahlen gleich bleiben, ist jedenfalls vorausgesetzt, wenn man verschiedene Wahlsysteme mit Indizes wie dem Gallgher-Index vergleichen will. Es soll ja gerade untersucht werden, was die verschiedenen Systeme daraus machen.

Wobei es natürlich richtig ist, dass diese Annahme realitätsfern ist, wenn es gravierende Unterschiede zwischen den Wahlsystemen gibt. Aber Annahmen über ein geändertes Wahl- und Kandidaturverhalten wären völlig spekulativ; damit kriegt man erstrecht keinen objektiven Vergleich. Die Unterstellung, dass CDU und CSU teils gemeinsam zu betrachten wären, impliziert eh schon ein geändertes Kandidaturverhalten. Und natürlich muss man die ausländischen Wahlsysteme teils ziemlich verbiegen, damit sie hier anwendbar werden, und dabei gibts oft viele Möglichkeiten.

Dass eine Hausarbeit nicht besser sein muss als ein großer Teil der Literatur, ist natürlich klar. Da wird man sicher den Gallagher-Index verwenden können, ohne das weiter zu hinterfragen.
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bastirlp
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Montag, 23. Juli 2012 - 18:09 Uhr:   

PS: Ich glaube ich habe meinen Denkfehler gefunden. Meine geschilderte Problematik der Stimmenanteile spiegelt genau diejenige Problematik wieder, die bereits angesprochen wurde: Das Wählerverhalten und somit veränderte Stimmenanteile der Parteien ...

Dennoch ... unter Ausschluss dieser Tatsache ... ^^
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bastirlp
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Montag, 23. Juli 2012 - 18:39 Uhr:   

@ Ratinier Linke

Danke für deine Kommentare. Sicherlich scheint die Untersuchung durchaus wenig nennenswerte Erkenntnisse zu liefern, dennoch sollte es innerhalb der Hausarbeit durchführbar bleiben und sein. Eine komplexere Herangehensweise an die Thematik würde wohl den Rahmen sprengen, so dass man hier und da Abstriche einplanen muss und dazu gezwungen wird zu reduzieren.

Des Weiteren sollte der Artikel nur als Aufhänger und Themenlieferant dienen. Qualifizierte Zusatzliteratur ist daher selbstverständlich und wird sowieso vom wissenschaftlichen Arbeiten bedingt.

Dennoch vielen Dank für die schnelle Abhilfe.

LG

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