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Verzerrung im Landtagswahlsystem von ...

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Ratinger Linke
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Veröffentlicht am Mittwoch, 12. Januar 2011 - 10:03 Uhr:   

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Kay Karpinsky
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Veröffentlicht am Mittwoch, 12. Januar 2011 - 17:49 Uhr:   

Eine größere Quelle für Fehler ist allerdings die Basis des 2006er Ergebnisses. Die Zweitmandatszuteilung nach absoluten Stimmen bewirkte in kleinen Wahlkreisen Spezialeffekte, die 2011 nicht in dieser Form auftreten dürften. Das sind zu einen die lagerinternen Verschiebungen rot/grün, die sich in Stuttgart III und IV, Göppingen, Geislingen, Waiblingen, Heidenheim und Balingen zu Gunsten der SPD auswirkten, in Baden-Baden und Konstanz zu Gunsten der Grünen. In ausgesprochenen CDU-Hochburgen wiederum geht da gerne die Beteiligung in den Keller, weil die anderen überhaupt nichts reißen können und deswegen Mobilisierungsnachteile haben, so zu beobachten in Main-Tauber, Rastatt, Pforzheim. Darüberhinaus ist nach wie vor die Personalisierung auch bei den kleineren Parteien zu beachten. Einige frühere Stimmenfänger treten nicht mehr an, so zum Beispiel Braun (SPD/Böblingen), Palmer (Grüne/Tübingen), Metzger (seinerzeit auch Grüne/Biberach), sowie Theurer (FDP/Freudenstadt), Ehret (FDP/Emmendingen) und Brodbeck (FDP/Kehl). Bei Metzger und Theurer machten die personen- und nicht parteibezogenen Stimmen über 5 Prozentpunkte aus.
Was diesmal wirklich interessant werden könnte, ist wiederum der Effekt, dass man durch viele der CDU abgenommene Direktmandate gleichzeitig Ausgleichszweitmandate seiner eigenen Partei mit aufisst. Wenn die Grünen im RB Freiburg vor der Wahl stünden, die beiden engen Wahlkreise Freiburg I und Konstanz entweder knapp direkt zu gewinnen oder knapp nicht zu gewinnen, so wird letztere Alternative in den meisten Fällen wohl die insgesamt günstigere sein. Anders als beim negativen Stimmgewicht der Bundestagswahlen ist der Effekt durch die Wählerinnen und Wähler aber nicht intentional steuerbar.
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Mittwoch, 12. Januar 2011 - 17:59 Uhr:   

Vergleichszahlen für die Landtagswahlkreise und Régierungsbezirke (jeweils die letzten beiden Landtags-, Bundestags und Europawahlergebnisse) gibt es hier:

http://www.statistik-bw.de/Veroeffentl/Statistische_Berichte/4235_10001.pdf#search=Vergleichs-+und+Strukturdaten+zur+Landtagswahl+2011

Wenn man mal die Veränderung der BTW 2009 gegenüber 2005 vergleicht als Indikator für die zu erwartende regionale Entwicklung, dann fällt auf, dass auf Wahlkreisebene die Entwicklungen teilweise deutlich vom Durchschnitt abweichen, auf Regierungsbezirksebene das Bild aber recht einheitlich ist. Die größte Abweichung gab es noch bei der CDU, die im RB Tübingen 1,5 bis 2,5 Prozentpunkte mehr verlor als in den anderen Regierungsbezirken. Auch bei den Grünen sind die Unterschiede nicht weltbewegend (Land +3,2; Stuttgart +3,7; Karlsruhe +2,8; Freiburg +2,6; Tübingen +3,4). In den Wahlkreisen, wo die Grünen eine Chance auf das Direktmandat haben, gab es aber z. T. recht starke Abweichungen vom Landestrend. In Stuttgart I gewannen sie bei der BTW 09 klar überdurchschnittlich (+5,1) und hier sind die Chancen für die Grünen sicher landesweit am besten, nicht nur wegen dem Bahnhofsstreit. In Stuttgart III kann man ein Erstmandat für die Grünen ausschließen, in Stuttgart II und IV ist es zwar möglich, aber wegen des großen Rückstands eher unwahrscheinlich. Übrigens waren die Grünen bei der BTW in Stuttgart IV näher an der CDU als in Stuttgart II.

Sehr gute Chancen haben die Grünen in Freiburg II, obwohl das der einzige Landtagswahlkreis ist, in dem die Grünen bei der BTW einen minimalen Verlust hatten (-0,1) und die CDU weit unterdurchschnittlich verlor (-2,3). In Freiburg I werden die Grünen dagegen höchstwahrscheinlich nicht gewinnen. Der CDU-Vorsprung war 2006 mit 19 Pp ziemlich groß und bei der BTW gewannen die Grünen nur 1,5 Pp dazu, also deutlich unterdurchschnittlich. In Heidelberg schaut es für die Grünen auch recht gut aus, wobei bei der BTW aber die CDU deutlich unterdurchschnittlich verlor und die Grünen unterdurchschnittlich zulegten. Tübingen ist schon fraglicher, Wahrscheinlichkeit eher unter 50%. In Konstanz und den beiden Karlsruher Wahlkreisen war der CDU Vorsprung 2006 so groß, dass die CDU sie sehr wahrscheinlich halten wird.

Ich bezweifle auch stark, dass Schwarz-Gelb und Rot-Grün stimmenmäßig gleichauf liegen werden. Nur wenn die die FDP rausfliegen sollte, kann Rot-Grün eine absolute Mehrheit kriegen.
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Ratinger Linke
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Veröffentlicht am Mittwoch, 12. Januar 2011 - 21:08 Uhr:   

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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Mittwoch, 12. Januar 2011 - 21:54 Uhr:   

"Sinn der Sache war keine Wahlkreisprognose, sondern eine Abschätzung der durch das Wahlsystem bedingten Verzerrung"
Die theoretisch möglichen großen Verzerrungen werden praktisch dadurch unterbunden, dass die Regierungsbezirke nicht stark unterschiedlich wählen, daher kommt bei dir ja auch nur etwa ein Sitz als mittlere Verzerrung zugunsten der CDU raus. Der Haupteffekt ist, dass die stärkste Partei zwangsläufig den letzten Sitz im Regierungsbezirk bekommt. Deshalb ist relevant, ob die CDU überhaupt überhängt. Da sind dann eben doch die Wahlkreisergebnisse wichtig. Die CDU wird sehr wahrscheinlich in mindestens drei Regierungsbezirken überhängen. Im Rb Tübingen ist das unsicher, hier kann der WK Tübingen durchaus entscheidend sein, alle anderen Wahlkreise hat die CDU dort sicher. Da die Grünen eine Partei mit recht stark ausgeprägten Hochburgen sind, werden sie der großen Mehrheit der CDU-Bewerber nicht gefährlich, selbst wenn sie wirklich 30% kriegen sollten.
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Ratinger Linke
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Veröffentlicht am Mittwoch, 12. Januar 2011 - 23:13 Uhr:   

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Ratinger Linke
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Veröffentlicht am Donnerstag, 13. Januar 2011 - 03:10 Uhr:   

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nowhereman
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 19. Februar 2011 - 09:34 Uhr:   

Aufgrund lokaler Gegebenheiten kann es gut sein, dass der einzige üblicherweise an die SPD fallende Wahlkreis in Mannheim-Nord an die CDU fällt.
In der Folge stiege auch in Nordbaden die Chance auf Überhang, selbst wenn die Grünen in Heidelberg punkten.

Grund: der zunächst gewählte Kandidat ist aus der SPD-Gemeindefraktion ausgetreten.
Es gab Vorwürfe von kriminellen und arbeitsrechtlich zu sanktionierenden Vorkommnisse, "beleidigt" über das kritische Verhalten seiner Ex-Partei bewirbt er sich jetzt als Einzelkandidat und tummelt jetzt im Umfeld Linke/Gewerkschafts-SPD.
Er versucht sich auch mit dem Thema Bürgerprotest zu profilieren, es geht um einen Flugplatz und mal wieder um eine Bahnstrecke, womit er ein wenig im grünen Umfeld, allerdings sehr gering, hausieren geht.

Selbst wenn Einzelbewerber dann doch scheitern, etwa ex-CDU-Mitglied bei einer BTW in Fulda, trotz bester Vernetzung, dieser Herr könnte im "wahlfaulsten" Wahlkreis des Südstaates zwischen 5-15 % erreichen, genug um der SPD zu schaden, wobei sich der CDU-Kandidat wenig Hilfe von Wechselwählern CDU/FDP versprechen kann, sie sind in diesem industriell geprägten Kreis eher die Ausnahme.
Die CDU strukturiert sich aus Herzblut-Christen, kleineren Angestellten, einigen Handwerkern, die besser Verdienenden wohnen (klar zeichne ich jetzt ein zu grobes Bild) im anderen MA-Wahlkreis.
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Guido Ingendaay
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 26. März 2011 - 10:11 Uhr:   

Ich durchschaue die Feinheiten des Wahlrechts nicht ganz, aber so viel habe ich begriffen: das bestehende Baden-Württembergische Landtagswahlrecht weist Mängel auf. Diese Mängel sind nicht nur theoretisch, sondern könnten praktische Konsequenzen haben, v. a. eine Bevorzugung der CDU. Andererseits scheint es so zu sein: Es ist eher unwahrscheinlich, dass dieser Effekt so ausfallen wird, dass die CDU/FDP bei niedrigerer Stimmenzahl eine Mandatsmehrhheit gewinnen könnten. In diesem Fall wäre auch keine Legitimation gegeben. Sehe ich das so richtig?
Das würde bedeuten: Leihstimmen an die Linken sind für Wähler, die einen Regierungswechsel wünschen, keine Pflicht. Man braucht keine Angst zu haben, dass die eigene Stimme verpufft, wenn die Linke nicht in den Landtag kommt.

Sehe ich das richtig?
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Bernhard Nowak
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Veröffentlicht am Samstag, 26. März 2011 - 11:45 Uhr:   

Angesichts der derzeitigen Umfrageergebnisse sind Leihstimmen für die Linke für Wähler, die einen Regierungswechsel wünschen, aus meiner Sicht verlorene Stimmen für einen solchen Regierungswechsel. Denn wenn die Linkspartei deutlich über 4%, jedoch weniger als 5% bekommen wird, sind diese Stimmen für grün-rot oder rot-grün verloren. Kommt die Linke jedoch - was ich angesichts der derzeitigen Umfragen nicht glaube - in den Landtag, so ist zwar richtig, dass es keine schwarz-gelbe Mandatsmehrheit geben wird, aber die Chancen für die Union, möglicherweise ohne Mappus in irgendeiner Form an der Regierung zu bleiben, weil sich SPD und Grüne nicht auf Koalitions- oder Tolerierungsabkommen mit der Linken einlassen wollen, weil ihnen dies zu riskant erscheint, ist einfach zu groß.
Wer wirklich einen Regierungswechsel in BW erreichen will, sollte daher Grüne oder SPD wählen, wer dies nicht will, CDU oder FDP. So einfach erscheint mir dies.
Mich wundert, dass in einem heutigen Spiegel Online Artikel über den Ministerpräsidenten Mappus wieder gesagt wird, das Wahlrecht in BW bevorzuge die CDU. Wenn ich diesen Thread hier richtig interpretiere, sind die Schwankungen doch nur minimal, d.h. letztlich "bevorzugt" das Wahlrecht zwar die CDU als stärkste politische Partei im Land, der Effekt ist aber nicht so bedeutsam, wie es häufig in der Presse dargestellt wird, wenn ich Ratinger Linkes Rechnungen und seine Beiträge hier richtig interpretiere.
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Ratinger Linke
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Veröffentlicht am Samstag, 26. März 2011 - 12:52 Uhr:   

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Xaver Fichtl
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 17. April 2011 - 21:25 Uhr:   

Nach den Analysen vor der Wahl vermisse ich hier die Analysen der Verzerrungen nach der Wahl. Denn in Relation zum Gesamtwahlergebnis hat die CDU ein Mandat zuviel, die FDP eines zu wenig:

Partei / Sitzanteil / Sitze nach S.L.-Schepers / Sitze real / Differenz
CDU / 58,76 / 59 / 60 / +1
SPD / 34,84 / 35 / 35 / 0
Grüne / 36,46 / 36 / 36 / 0
FDP / 7,94 / 8 / 7 / -1

Anmerkung: die Sitzanzahl stimmt hier nach d`Hondt und Hare-Niemeyer mit Sainte Lague-Schepers überein.
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Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 17. April 2011 - 22:43 Uhr:   

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nevermore
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 05. August 2011 - 16:20 Uhr:   

Was passiert eigentlich, wenn jemand sein Mandat niederlegt, wie jetzt Mappus oder Wölfle? Es gibt ja Überhang-, aber auch Ausgleichsmandate. Werden diese Mandate einfach wieder besetzt? Im Bund würde ein Überhangmandat doch wegfallen oder? Aber dort gibts auch keine Ausgleichsmandate.
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Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 05. August 2011 - 17:29 Uhr:   

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Hanseat
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Samstag, 06. August 2011 - 18:12 Uhr:   

@Ratinger Linke

Doch, es gäbe einen Hebel: Nicht nach Regierungsbezirken wählen, sondern nur auf Landesebene verteilen.
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Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 07. August 2011 - 04:22 Uhr:   

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Hanseat
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 07. August 2011 - 18:11 Uhr:   

@Ratinger Linke

"aber den habe ich nicht gemeint". Tja, Ihr Fehler, wenn Sie die Verantwortlichen für das Problem nicht sehen wollen. Es ist nunmal Aufgabe des Gesetzgebers, Wahlgesetze zu machen, die in sich konsistent und verständlich sind und insofern ist der Hebel auch da.
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Ratinger Linke
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 07. August 2011 - 19:35 Uhr:   

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