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Ehrenbürgerschaft für Tiere?

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Wahlwatcher
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Mittwoch, 14. Juli 2010 - 03:52 Uhr:   

Kein Witz: Die spanische Ortschaft Carballiño hat dem treffsicheren Kraken-Orakel "Paul" die Ehrenbürgerschaft verliehen: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,706364,00.html
Frage: Wäre dies auch in Deutschland möglich? (nachdem Berlins Zoo dem Eisbären-Hype 2007 ja manchen zusätzlichen Euro verdankte, erscheint mir der Gedanke nicht so gaga, wie er vielleicht klingt)
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tg
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Mittwoch, 14. Juli 2010 - 08:51 Uhr:   

Kein Witz, aber lustig! :-)

Dies scheint mir aber eher ein symbolischer PR-Akt als eine echte Ehrenbürgerschaft. Eine kleine Verrücktheit im Überschwang des Titeljubels.

Im Rheinland kriegen doch die Narren auch in einigen Städten die Schlüssel der Stadt oder des Rathauses übergeben - viel ernster würde ich diese Verleihung auch nicht sehen.
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Interessierter
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Mittwoch, 14. Juli 2010 - 23:39 Uhr:   

Ehrenbürgerschaften werden wohl nicht mit dem Wahlrecht verbinden sein. ;-) Zumindest nicht solche.
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kleisthenes
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 05. August 2010 - 10:44 Uhr:   

Im deutschen Recht gelten Tiere als Sachen, da hätte Paul schlechte Karten. In anderen Rechtssystemen kann das anders sein. Vor vielen Jahren unterhielt ich mich mit einem Rechtsanwalt über den Wunsch von Tierfreunden, auch bei uns möge ein Tier als eine Art von Person gelten. Er erzählte mir, daß es im englischen Recht etwas derartiges gebe, weshalb ein Hund, der einen Menschen anfällt und tödlich verletzt, dort zum Tode verurteilt werden könne. Gelegentlich kann man in der Presse lesen, irgendeine alte Engländerin habe ihr Vermögen ihrem Hund vererbt. Auch das stellt den Hund vielleicht in gewissem Maße Personen gleich.

Zurück zu Paul in Spanien: Was dort für Skurrilitäten möglich sein könnten, kann man nur mit Kenntnis des spanischen Rechts beantworten.
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Ingo Zachos
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 05. August 2010 - 11:31 Uhr:   

Ja, die Offical Monster Raving Loony Party hat sogar schon einmal eine Katze zur Co-Vorsitzenden gewählt, die berühmte Cat Mandu:

http://en.wikipedia.org/wiki/Cat_Mandu

Das war aber wohl nur als Scherz gedacht, wie die ganze Partei.

Ernsthafter aber ist z.B. die Frage nach Bürgerrechten für Primaten, also den "Affen", die uns verwandtschaftlich am Nächsten stehen:
Schimpansen, Zwergschimpansen (Bonobos) Gorillas und Orang Utans.

Einige namhafte Forscher fordern in der Tat, die Unterscheidung "Mensch-Tier" aufzuheben, und anzuerkennen, dass der Mensch ein Tier ist.
Damit müsste auch die Frage nach Menschenrechten bzw. Bürgerrechten für Primaten gestellt werden.
Die Tötung oder Enbtführung eines Primaten wäre dann z.B. juristisch wie die eines Menschen zu behandeln.
Wahlrecht könnten sie allerdings wohl nicht ausüben.

Paul ist ein Oktopode.
Da fordert derzeit niemand Bürgerrechte.
Die Ehrenbürgerschaft ist wohl eher in Scherz oder Dankbarkeit für den WM-Sieg und nicht zuletzt ein PR-Gag.

Aber warum braucht er ein Wahlrecht?
Er weiß doch schon, wer gewinnt, also ist das wählen für ihn ziemlich sinnlos...

In diesem Sinne:

Prost!
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Marc K.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 05. August 2010 - 19:37 Uhr:   

kleisthenes,

Tiere sind im deutschen Recht keine Sachen (vgl. § 90 a, S. 1 BGB). Auf sie finden nur, sofern nicht anders bestimmt, die Vorschriften des Sachenrechts entsprechend Anwendung.

Wie Sachen sind Tiere aber nicht rechtsfähig, d.h. nicht in fähig Träger von Rechten und Pflichten zu sein.

Rechtsfähig sind nur natürliche Personen (also Menschen) und juristische Personen (die von Menschen geschaffen wurden).
Das Wahlrecht bei öffentlichen Wahlen steht nur natürlichen Personen, also Menschen zu. Es ist ein höchstpersönliches Recht und daher nicht übertragbar.

Für Oktopus Paul sieht es daher in Bezug auf das Wahlrecht schlecht aus. Er ist kein Mensch.
Im übrigen würde auch die Wahlhandlung, insbesondere der geheimen Stimmabgabe, im Falle von Paul, den Oktopus, zu größeren Schwierigkeiten führen....
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tg
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 06. August 2010 - 11:11 Uhr:   

Eine geheime Stimmabgabe wäre theoretisch soagr möglich: Man baut eine Wahlkabine aus Holz um das Aquarium, nur der Wahlvorsteher geht hinein und wenn Paul ihm seine Entscheidung mitgeteilt hat, überträgt er sie auf einen Stimmzettel.

Dennoch bin ich natürlich strikt gegen eine Ausweitung des Wahlrechts auf Oktopoden; nur meinen nächsten Totoschein würde ich gerne mal von Paul ausfüllen lassen.
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Marc K.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 06. August 2010 - 23:04 Uhr:   

@tg,

Paul hat bislang immer nur zwischen zwei Plastikboxen gewählt. Bei einer Wahl müsste es schon mehr Boxen geben.
Eine Wahl mit Wahlvorsteher wäre im übrigen nicht mehr ganz geheim.
Vorstellbar wäre aber der Einsatz von Wahlcomputern. Die Stimmabgabe Pauls ließe sich technisch aufzeichnen und verschlüsseln. Wenn auch andernorts im Wahlkreis Wahlcomputer eingesetzt würde ließe sich die Geheimheit der Wahl von Paul völlig sicherstellen. Anderenfalls ließe es sich nicht vermeiden das jedenfalls die Auszähler im Wahllokal Pauls dessen Wahlverhalten ermitteln können.
Aber letztlich steht Paul, den Oktopus, mangels Rechtsfähigkeit auch nicht das Wahlrecht zu. Die Verleihung von (symbolischen) Ehrungen (und sei es die Ehrenbürgerschaft einer Stadt) ändern daran nichts.
Im übrigen hat die Verleihung einer Ehrenbürgerschaft nichts mit einer Einbürgerung zu tun. Es ist eine bloße Ehrung. George Bush sen. wurde durch die Verleihung der Ehrenbürgerschaft von (West-)Berlin ebenso wenig Bürger (i.S. von Wahlbürger) der Bundesrepublik Deutschland noch Stadtbürger von Berlin.

Künftig werden wir im übrigen auf Vorhersagen von Paul verzichten müssen. Paul hat bereits mitteilen lassen das er in den Ruhestand geht. Mit über 2,5 Jahren hat er ja auch schon die durschnittliche Lebenserwartung einer "Gewöhnlichen Krake" (Octopus vulgaris) überschritten. Der Ruhestand kommt als wohlverdient.....
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Moritz Dürr
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 06. August 2010 - 23:49 Uhr:   

Weitaus schwieriger gestaltet sich natürlich die Frage, ob Paul auch das passive Wahlrecht zuzubilligen ist. Da gibt es ja m.E. ob seiner körperlichen Beschaffenheit massive Probleme. Man denke nur an Abstimmungen per Armaufheben in den entsprechenden Gremien... Willkommen im Sommerloch !
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tg
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 07. August 2010 - 00:20 Uhr:   

"Eine Wahl mit Wahlvorsteher wäre im übrigen nicht mehr ganz geheim."

Aber so gut wie, da der Wahlvorsteher ja zur Verschwiegenheit verpflichtet ist.

Und es ist ja rechtlich durchaus auch möglich, daß der Wahlvorsteher den Stimmzettels für einen Wähler ausfüllt, wenn dieser nicht dazu in der Lage ist.
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Marc K.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 07. August 2010 - 13:13 Uhr:   

@tg,

das wäre möglich. Falls man das Wahlrecht generell auf Oktopoden ausweiten möchte würde damit aber der Ausnahmefall zur Regel werden. Das ist nicht im Sinne des Gesetzes. Daher habe ich schon mal technische Möglichkeiten zur Stimmabgabe erwogen, die dann wohl eingeführt werden müssten.


@Moritz Dürr,

nun, dafür müssten dann auch Vorrichtungen geschaffen werden. Schließlich würde ja auch niemanden Personen die aufgrund eines Unfalls oder von Geburt an keine Arme haben das passive Wahlrecht absprechen.
Im übrigen kann Paul ja durchaus seine Tentakel heben. Man müsste ihn halt an seinen Sitzplatz ein Aquarium hinstellen aus der heraus er das Geschehen verfolgen kann.

Bei Abstimmungen per Handzeichen wird im übrigen nicht das exakte Abstimmungsverhalten der einzelnen Abgeordneten ermittelt, sondern nur die aus der Perspektiven des Präsidenten erkennbaren Mehrheitsverhältnisse. Sollten diese nicht erkennbar sein, so ist ohnehin in einen anderen Abstimmungsmodus (Hammelsprung) zu wechseln. Wobei der auch für Paul ein Problem darstellen würde. Hier müsste man ersatzweise wohl wieder mit Plexiglasboxen arbeiten.

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