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5% Hürde und geringe Wahlbeteiligung...

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David
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Mittwoch, 05. August 2009 - 21:59 Uhr:   

Hallo alle miteinander,

ich habe gerade mal im Wahllexikon den Beitrag bei "Wahlenthaltung und ungültige Stimmen" gelesen. Darin steht, dass von einer niedrigen Wahlbeteiligung alle Parteien proportional entsprechend ihres Stimmenanteils profitieren, also vor allem die großen Parteien.

Ich kann das ja auch nachvollziehen, ein Beispiel:

Von 1000 Wählern wählen:
SPD: 450 Wähler = 45 %
CDU: 500 Wähler = 50 %
FDP: 30 Wähler = 30 %
Grüne: 20 Wähler = 20 %

Jetzt geht einer nicht zur Wahl, und wie im Beitrag angegeben, nur die gültigen Stimmen zählen:
SPD: 450 Wähler = 45,045.. %
CDU: 500 Wähler = 50,050.. %
FDP: 30 Wähler = 3,003.. %
Grüne: 19 Wähler = 1,902.. %

Man sieht, im Verlgeich der prozentualen Werte hat die CDU mit der größten Stimme den meisten "Gewinn" an dem einen Nichtwähler.

Nun aber die andere Ansicht: Was passiert, mit der 5%-Hürde, wenn wenig Leute zur Wahl gehen?

Dazu wieder mein Beispiel: 1000 Wähler

1000 Wähler = 100 % -> 5% = 50 Wähler

50 Wähler sind die 5 % Hürde.

So, und nun geht einer nicht zur Wahl:

999 Wähler = 100% -> 5% = 49,95 Wähler.

Gut, 49,95 Wähler ist eine krumme Zahl, aber bei der echten Wahl sind die Werte ja auch größer als in meinem Beispiel. Trotzdem sehe ich jetzt, dass durch den einen Nichtwähler die Anzahl der für die kleinen Parteien zu erreichechenden Stimmen für den Eintritt in den Bundestag gesunken ist.

Ich komme zu dem Ergebnis: Nichtwählen ist gut für das Ergebniss der großen Parteien und hilft den kleinen (vor allem Extremen, denn die gehen ja zur Wahl) in den Bundestag.

Ist das so richtig? Oder habe ich irgendwas nicht beachtet?

Viele Grüße
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Mittwoch, 05. August 2009 - 23:42 Uhr:   

Ich komme zu dem Ergebnis: Nichtwählen ist gut für das Ergebniss der großen Parteien und hilft den kleinen (vor allem Extremen, denn die gehen ja zur Wahl) in den Bundestag."

Es ist doch ganz einfach. Wählt man nicht, schadet das natürlich der Partei, die man gewählt hätte, wenn man zur Wahl gegangen wäre. Der Stimmenanteil aller anderen steigt dadurch minimal und zwar proportional zu ihrem Stimmenanteil - also folglich bei größeren Parteien in Prozentpunkten mehr als bei kleinen. Am Verhältnis dieser Parteien untereinander ändert sich aber natürlich nichts, und von daher ist es mindestens irreführend zu behaupten, niedrige Wahlbeteiligung nutze vor allem großen Parteien.

Von niedriger Wahlbeteiligung profitieren natürlich Parteien, deren Wähler relativ wenig zu Wahlabstinenz neigen. Das sind in der Regel Union, Grüne und FDP. Das Gegenteil gilt für die SPD und (zumindest in Westdeutschland) für die Linkspartei.

Daß Extreme von niedriger Wahlbeteiligung profitierten, ist so ganz sicher falsch. Da reicht ein Blick auf die Europawahl: trotz sehr niedriger Wahlbeteiligung schnitten die Links- und Rechtsradikalen nicht gut ab. Als die DVU 1998 bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 12,9% bekam, war die Wahlbeteiligung mit über 70% für eine Landtagswahl sehr hoch. Differenzieren muß man bei der Linkspartei: im Osten hat sie recht viele zuverlässige Stammwähler, das sind nicht nur Protestwähler, im Westen ist sie dagegen ganz klar Protestpartei mit nicht sehr gefestigter Anhängerschaft, wie die Europawahl ja gezeigt hat.
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David
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Donnerstag, 06. August 2009 - 21:04 Uhr:   

Ja, ok, aber was ist mit meiner Überlegung mit der "fallenden", oder besser gesagt, mit der mit weniger Stimmen zu erreichenden 5%-Hürde? Stimmt das?
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 06. August 2009 - 22:23 Uhr:   

Natürlich ist es so, daß bei niedrigerer Wahlbeteiligung die 5%-Hürde absolut niedriger liegt. Deshalb zu Hause zu bleiben, ist aber sicher nicht schlau. Einmal ist es natürlich das Sinnvollste, eine bestimmte Partei zu wählen, wenn man diese Partei über 5% sehen will, man aber nicht sicher ist, ob sie das schafft. Zum anderen müßten schon sehr viele Wähler zu Hause bleiben, um die 5%-Hürde nennenswert zu drücken. Ein Rechenexempel: eine Partei bekommt bei 47 Mio. gültigen Zweitstimmen (entspricht etwa der Anzahl 2005) 4,9%. Damit diese Partei auf 5% käme, müßten 940000 Wähler der übrigen Parteien nicht oder ungültig gewählt haben.

Außerdem wird es diesmal höchstwahrscheinlich keine Partei in der Nähe von 5% geben.
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David
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Montag, 10. August 2009 - 19:40 Uhr:   

Danke, super, jetzt bin ich zufrieden das meine Logik stimmt... ;-)

Die Frage war nur aus Interesse, ich hatte halt den Artikel gelesen und war ins Grübeln gekommen.

Auf jedenfall nochmal danke für die Antwort

Grüße
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G. Traktat
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Dienstag, 11. August 2009 - 12:58 Uhr:   

Guten Tag, da ja zur SH-Landtagswahl auch die so genannten "Freien Wähler" antreten werden, würde es mich sehr interessieren, wie deren Chancen in diesem Forum eingeschätzt werden.
Dank und Gruß
G.Traktat

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