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Mehrheitswahlsystem England

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Lisa
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Mittwoch, 07. Januar 2009 - 09:47 Uhr:   

Hallo, ich habe eine Frage bzw. eher ein Problem.
Und zwar muss ich nächste Woche ein wichtiges referat halten zum Thema "Das Mehrheitswahlsystem anhand vom Bsp. Amerika und England"
Aber England gehört ja mehr oder weniger zum politischen System von Großbritannien oder habe ich da was falsch verstanden?
Also meine frage: kann man das mehrheitswahlsystem am beispiel von england erklären oder muss man dazu gb mit einbeziehen?
und wenn ja, was gibt es dazu zu sagen?
habe da leider nicht viel ahnung davon, wäre super wenn mir jemand dabei helfen würde!
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J.A.L.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Mittwoch, 07. Januar 2009 - 09:59 Uhr:   

Da es keine spezifisch englischen Wahlen - anders als in Wales oder Schottland - gibt, gehe ich davon aus, dass hier der in Deutschland leider recht weit verbreitete Fehler gemacht wurde, England als Sammelbezeichnung für das ganze Vereinigte Königreich zu verwenden.

Insofern solltest du dich um das britische bzw. amerikanische Wahlsystem kümmern.
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tg
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Mittwoch, 07. Januar 2009 - 16:51 Uhr:   

Na ja, auch beim Begriff "Amerika" ist die Aufgabe nicht gerade präzise gestellt. Vermutlich geht es wohl um die USA. Man könnte hier jedoch z.B. auch Antigua, Bahamas, Barbados, Dominica, Grenada, Jamaica, Belize, Mexiko und Kanada als weitere Staaten in Amerika aufführen, die ein Mehrheitswahlsystem haben.
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hms
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Montag, 21. September 2009 - 16:44 Uhr:   

Generell habe ich die Frage, ob ein Mehrheitswahlrecht "ungerecht" ist. Soweit ich die Väter des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland verstanden habe, wollten sie Nachteile des vermeintlich "gerechten" Verhältniswahlrechtes (zu viele Parteien, wenig Einfluss des Bürgers auf die Wahllisten, instabile Regierungen, Anfälligkeit für extreme Populisten) aus der Weimarer Republik vermeiden, indem sie eine Mischung aus Mehrheitswahl und Verhältniswahl mit einer Prozentklausel eingeführt haben. Dadurch sind zugunsten der Regierbarkeit "Ungerechtigkeiten" vom Gesetzgeber offenbar gewollt. Warum wird nun aber durch komplizierte Auswertungsverfahren (die kaum jemand versteht von der Mehrheit der Wähler, die dadurch manipulierbar werden) versucht, eine nachgeschobene Gerechtigkeit wieder einzuführen, indem man das Ergebnis der Zweitstimmenverhältnisse als übergeordnet, ideal und gerecht bezeichnet? Wird dadurch nicht der gewollte Einfluss der Wähler auf die Auswahl ihres direkten Kandidaten, den sie im Gegensatz zum Listenkandidaten besser kennen, wieder aufgehoben? Die Listen werden von Wenigen aufgestellt, der Wähler kann sie nur als Ganzes ankreuzen. Könnte man das nicht ebenso als "ungerecht" bezeichnen?
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Claudia
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Montag, 28. September 2009 - 15:24 Uhr:   

Ein Mehrheitswahlrecht ist nicht ungerechter, es ist anders. Das Verhältniswahlrecht setzt in der Praxis die Existenz von Parteien voraus. Es bildet die Stärke der Parteien am Wahltag ab und vergibt danach mehr oder weniger anonym die Sitze. Für dieses Ziel (Repräsentation von Parteien im Parlament) ist das Mehrheitswahlrecht schlecht geeignet. Das Mehrheitswahlrecht hat ein anderes Ziel: Es bildet ab, wen die Bevölkerung eines Wahlkreises für ihren geeignetsten Vertreter hält. Dafür braucht man nicht unbedingt Parteien (in den USA gibt es sie zwar, aber die Bindung zwischen Gewähltem und seiner Partei ist wesentlich geringer als hier). Das ist eine andere Idee, wie sich ein Parlament zusammensetzen soll - nicht schlechter, nicht besser, nur anders.
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Dienstag, 29. September 2009 - 00:08 Uhr:   

"Das Verhältniswahlrecht setzt in der Praxis die Existenz von Parteien voraus."
Nicht unbedingt. Bei STV braucht man keine auch nach Einführung der Verhältniswahl Jahrzehnte von der Fiktion aus, es existierten keine Parteien oder politische Vereinigungen, deren Name tauchte auch nicht auf dem Stimmzettel auf. Trotzdem wurden immer ausschließlich Parteivertreter gewählt. Auch in den Ländern, in denen es Mehrheitswahl gibt, sitzen (zumindest in gefestigten westlichen Demokratien) nur oder fast nur Parteivetrtreter im Parlament, in dem Punkt gibt es praktisch keinen Unterschied zwischen Mehrheits- und Verhältniswahl.


"Es bildet die Stärke der Parteien am Wahltag ab und vergibt danach mehr oder weniger anonym die Sitze."
Die Sitzverteilung kann "anonym" sein, bei starren Listen, aber die müssen nicht sein. Man braucht für Verhältniswahl überhaupt keine Listen, siehe z.B. Baden-Württemberg.


"Das Mehrheitswahlrecht hat ein anderes Ziel: Es bildet ab, wen die Bevölkerung eines Wahlkreises für ihren geeignetsten Vertreter hält."
Mehrheitswahl hat schon vom Namen her primär das Ziel, für eine klare Mehrheit zu sorgen. Auch muß Mehrheitswahl nicht zwingend in Einerwahlkreisen stattfinden, dafür gibt viele historische und ein paar aktuelle Beispiele. Wen die Wähler für den geeignetsten Vertreter halten, da kann die Meinung weit auseinandergehen, es kann auch jemand mit 30% oder weniger gewinnen. Außerdem werden auch im bestehenden Wahlrecht Abgeordnete in Einerwahlkreisen wählen.
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Leser
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Mittwoch, 30. Dezember 2009 - 19:04 Uhr:   

@Thomas Frings
"Nicht unbedingt. Bei STV braucht man keine auch nach Einführung der Verhältniswahl Jahrzehnte von der Fiktion aus, es existierten keine Parteien oder politische Vereinigungen, deren Name tauchte auch nicht auf dem Stimmzettel auf. Trotzdem wurden immer ausschließlich Parteivertreter gewählt. Auch in den Ländern, in denen es Mehrheitswahl gibt, sitzen (zumindest in gefestigten westlichen Demokratien) nur oder fast nur Parteivetrtreter im Parlament, in dem Punkt gibt es praktisch keinen Unterschied zwischen Mehrheits- und Verhältniswahl."

Was ist STV?
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Good Entity
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Mittwoch, 30. Dezember 2009 - 23:24 Uhr:   

@Leser:

Das ist hier auf wahlrecht.de im "Wahlrechtslexikon" erklärt (Achtung, alphabetisch ist es als STV, nicht als Single Transferable Vote eingruppiert).

Es gibt auch mehrere Diskussionsfäden im Forum dazu.
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Ratinger Linke
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Donnerstag, 31. Dezember 2009 - 00:01 Uhr:   

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Bernhard Nowak
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 01. Mai 2011 - 15:09 Uhr:   

Am Donnerstag, dem 5. Mai, findet in Großbritannien die Abstimmung darüber ab, ob das bisherige relative Mehrheitswahlsystem in Einerwahlkreisen bestehen bleiben soll oder ob ein neues System mit der Möglichkeit des Alternative Vote eingeführt werden wird. Die Regierungskoalition in London ist sich nicht einig. Die Konservativen unter Premierminister Cameron wollen am bisherigen Wahlrecht festhalten, die Liberalen unter N. Clegg favorisieren eine Wahlrechtsänderung. Wir werden sehen, wie die Abstimmung ausgehen wird.
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 01. Mai 2011 - 18:53 Uhr:   

"Am Donnerstag, dem 5. Mai, findet in Großbritannien die Abstimmung darüber ab, ob das bisherige relative Mehrheitswahlsystem in Einerwahlkreisen bestehen bleiben soll oder ob ein neues System mit der Möglichkeit des Alternative Vote eingeführt werden wird."
An den Einerwahlkreisen würde sich sowieso nichts ändern. Praktisch würde nur von relativer Mehrheitswahl auf absolute Mehrheitswahl umgestellt.

Es sieht stark nach einem Nein aus und ich behaupte mal, dass das auch für die LibDems langfristig besser ist. AV das taktische Argument wegnehmen, nicht für Splitterparteien zu stimmen. Das würde ihren Stimmenanteil zweifelsohne erhöhen. Den LibDems könnten dann besonders die Grünen gefährlich werden. Mit AV schaufelten sich die LibDems ihr eigenes Grab.
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Martin Fehndrich
Moderator
Veröffentlicht am Sonntag, 01. Mai 2011 - 22:43 Uhr:   

Für LibDem wär es kurz- und mittelfristig besser. Da die LibDems vergleichsweise inhomogen sind, wirkt der langfristige Nachteil - so man ihn sieht - auch nicht besonders schwer. Für LibDem geht es auch nicht um den Stimmenanteil, sondern einerseits um den Sitzanteil, andererseits um den Machtfaktor. Und da ist es besser einer unter vielen zu sein, als nur der Kleine neben zwei Großen.
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Marc K.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 01. Mai 2011 - 23:41 Uhr:   

1. Ich glaube auch das der Vorschlag zur Änderung des Wahlrechts (Einführung eines Alternative Vote - mithin einer absoluten Mehrheitswahl in einem Wahlgang) scheitern wird.

2. Die Liberaldemokraten wird ein Scheitern der Wahlrechtsreform schaden.
Die Durchsetzung einer Änderung des Wahlsystems war und ist eines der großen Projekte der Liberaldemokraten und es ist einer der wenigen Punkte bei dem sie sich in den Koalitionsverhandlungen durchgesetzt haben (Abstimmung zur Änderung des Wahlrechts).
Ansonsten haben die Liberaldemokraten ja ebenso wie die deutsche FDP einen gravierenden Vertrauensverlust zu verzeichnen. Wobei die FDP von 8% Zustimmung - so der letzte Wert für die Liberaldemokraten http://today.yougov.co.uk/politics/govt-trackers-update-8th-dec - gegenwärtig natürlich träumen würde.
Für die Liberaldemokraten dürfte das jedoch einen gravierenden Sitzverlust bei den nächsten Unterhauswahlen nach sich ziehen.
Tendenziell dürfte ihnen das Alternative Vote im übrigen schon helfen, da sowohl einzelne Wähler von Labour als auch einzelne Tory-Wähler wie auch Wähler dritter Kandidaten anderer kleinerer Parteien die Liberaldemokraten als Zweitpräferenz nehmen würde - und sei es nur des geringeren Übels wegen. Mit dem Modell hätten sie von daher gute Chancen auf mehr Sitze, weshalb sie ja diese Reform so stark vorangetrieben haben, die nun wahrscheinlich scheitern dürfte.
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 02. Mai 2011 - 21:16 Uhr:   

"Da die LibDems vergleichsweise inhomogen sind"
Genau das ist Teil ihres Problems bei AV. Sie sind weniger als Tories und Labour in bestimmten sozialen Gruppen verankert, außerdem fehlt die klare Botschaft. Das Profil der LibDems besteht seit Jahrzehnten vor allem darin, sich von Labour und noch stärker von den Tories abzugrenzen. So eine Partei ist besonders gefährdet, wenn taktische Motivation wegfällt, sie zu wählen bzw. die Erdstpräferenz zu geben. So groß wäre der Vorteil von AV gegenüber FPTP für die LibDems auch nicht. Bestenfalls wären 2010 ca. 25 Sitze mehr drin gewesen. Mehr als nachteilig könnten aber die Folgen des stark reduzierten taktischen Wählens werden. Denn sobald das Wahlsystem taktisches Wählen nicht herausfordert, sinkt der Stimmenanteil der LibDems. Hier mal ein Vergleich von LibDEm-Ergebnissen bei Unterhaus- und Europawahlen (Verhältniswahl in kleinen Wahlkreisen):

Westminster 1997: 17,2%
Europa 1999: 12,7%
Westminster 2001: 18,8%
Europa 2004: 14,9%
Westminster 2005: 22,6%
Europa 2009: 13,7%
Westminster 2010: 23,6%
alle Stimmenanteile exklusive Nordirland

Die Stimmenanteile bei den Europawahlen sind also wesentlich niedriger und das mit zunehmender Tendenz. Die Grünen kamen bei der Europawahl 2009 auf immerhin 8,6%. Der Abstand zu den LibDems war also so groß nicht, dass er nicht bei der nächsten Wahl futsch sein könnte – und das unter für die LibDems freundlichen Umständen. Das sieht momentan schon ganz anders aus mit miserablen Umfragewerten. Ziemlich sicher wären die Grünen vor den LibDems, wenn jetzt Europawahl wäre und wahrscheinlich auch bei einer Unterhauswahl, wenn mit AV gewählt würde. Die Grünen könnten dann die LibDems komplett an den Rand drängen, der Vorteil relativ vieler Zweitpräferenzen nützte den LibDems auch nichts mehr, wenn sie zu tief fallen bei den Erstpräferenzen. Sie würden eliminiert, bevor sie von Zweitpräferenzen profitieren könnten. Schon bei den Regionalwahlen in Schottland und Wales (zeitgleich mit dem Referendum) könnten die LibDems durchaus auf Platz 5 noch hinter den Grünen landen, zumindest bei den Listen. Interessant ist auch der Vergleich von Wahlergebnissen der LibDems für Westminster und die Regionalparlamente. Ich beschränke mich auf Schottland:

Westminster 1997: 13%
Regional 1999: 14,2% (Direktkandidaten), 12,4% (Liste)
Westminster 2001: 16,3%
Regional 2003: 15,3% (Direktkandidaten), 11,8% (Liste)
Westminster 2005: 22,6%
Regional 2007: 16,2% (Direktkandidaten), 11,3% (Liste)
Westminster 2010: 18,9%

Auffällig ist, dass auch hier die Regionalwahlergebnisse in der Tendenz weiter hinter die Unterhausergebnisse zurückfallen und vor allem, dass die Regionalwahlergebnisse in den Einerwahlkreisen klar besser sind als bei den Listen, mit zunehmender Tendenz. Bei der Regionalwahl 2007 war der Sitzanteil der LibDems in Schottland mit 12,4% (16 von 129 Sitzen) sogar niedriger als bei den beiden letzten Unterhauswahlen mit 18,6% (jeweils 11 von 59 schottischen Sitzen).
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zigzag
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 05. Mai 2011 - 18:48 Uhr:   

Links zum Referendum und den anderen Wahlen im Vereinigten Königreich:
http://www.wahlrecht.de/forum/messages/40/1744.html?1304614050#POST62153
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Marc K.
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 06. Mai 2011 - 13:47 Uhr:   

Eine deutliche Mehrheit der Briten hat - wie erwartet - das Alternative Vote abgelehnt. Somit bleibt es in GB beim System der relativen Mehrheitswahl.

http://www.drs.ch/www/de/drs/nachrichten/international/265930.bittere-niederlage-fuer-britische-liberale.html

http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5imN-XS0kaD3xdZrKSWx8_ZCsGlJg?docId=CNG.c0181772074fff919aedf0fabae27f79.131

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