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Vorwahlsystem in den USA

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Archiv bis 02. September 2008Thomas Frings20 02.09.08, 20:36h 
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tg
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Dienstag, 02. September 2008 - 23:03 Uhr:   

"Naja, man braucht nicht unbedingt worst case Szenarien."
Ist aber bei der theoretischen Betrachtung eines Wahlsystems doch ganz interessant, auch mal die schlimmstmöglichen Fälle durchzuspielen.

"Man sollte auch etwas nicht vergessen: Die US-Amerikaner können im Falle eines Falles unglaublich pragmatisch handeln"
Da gebe ich Ihnen aber auch recht - meine Worst Case Szenarien waren wirklich mehr theoretische Überlegungen. Und auch die Anmerkung von Thomas Frings kann man noch weiter führen: Lincoln war Republikaner und hatte als Vize für seien zweite Amtszeit den Demokraten Johnson gewählt - und so gab es nach der Ermordung Lincolns dann einen Parteiwechsel im höchsten Amt. Wirkt aus unserer deutschen ( = durch Parteiendemokratie geprägten) Sicht vielleicht etwas skuril, scheint aber von den Amerikanern nicht als Problem empfunden zu werden.
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Philipp Waelchli
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Mittwoch, 03. September 2008 - 00:21 Uhr:   

Seit einigen Jahrzehnten üben die Vizepräsidenten den Vorsitz im Senat nicht mehr regelmässig aus, sondern nur zu bestimmten, meist zeremoniellen Gelegenheiten und dann, wenn sie einen Stichentscheid abgeben sollen (werden also gewissermassen in den Saal gekarrt - solches soll dem Vernehmen nach ja auch mit gewissen Abgeordneten europäischer Parlamente geschehen). Wichtig kann aber diese Funktion schon werden, nämlich dann, wenn im Senat ein 50:50-Patt herrscht, wie es in jüngster Zeit im Senat tatsächlich auch vorgekommen ist. 50:50 ist im Senat tatsächlich die knappste Mehrheit zugunsten der Regierung - sofern eben der Vizepräsident auf der Linie des Präsidenten liegt.
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Good Entity
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Freitag, 05. September 2008 - 20:55 Uhr:   

@Mitdenker, zur Rückfrage vom 2. September 2008:

Die US-Amerikaner haben keine Probleme mit komplizierten, überflüssigen und auch unverständlichen Spielregeln, siehe Baseball oder die diversen Poker-Spielarten. Vermutlich würden sie auch akzeptieren, wenn alle Wähler, die den gleichen Anfangsbuchstaben wie ihr Bundesstaat besitzen, doppeltes Stimmrecht bekämen. Wäre zwar Irrsinn, aber wenn die Regeln nun mal so sind und alle Kandidaten die gleichen Chancen haben ....

Es hat sie auch nicht gestört, wer bei der Wahl vor 8 Jahren gewonnen hat. Den haben sie nämlich 4 Jahre später wiedergewählt.

Es hat auch nicht interessiert, ob der Gewinner damals oder auch der Vorwahlgewinner 2008 die meisten Stimmen bekommen hatte. Die Regeln sind halt so.

Und wenn eine echte (nicht nur verbale) Schlammschlacht zwischen Obama und Clinton auf dem Programm gestanden hätte? Na dann soll das eben sein.

Was man hingegen nicht mag, sind Regeln, die jemand aus den Augen des Betrachters nachträglich geändert haben will. Genau das hat Hilary Clinton kurzzeitig versucht, als sie eine gleichberechtigte Wertung der (vorab für void erklärten) Vorwahlergebnisse aus Michigan erreichen wollte. Das kam nicht gut an, obwohl in den USA zuvor die Strafaktion gegen Michigan umstritten war. Sie hat auch rasch die Notbremse gezogen.

Ich vermute, dass dies in 4 Jahren deutlich im voraus und dadurch anders gelöst werden wird.
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Mitdenker
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 06. September 2008 - 08:54 Uhr:   

Good Entity

Die Mehrheitsregel der Republikaner, war ein Grund für eine schnelle Entscheidung.
Die 15 % Hürde der Demokraten, ist auch eine hohe Hürde.

Ich finde es ungerecht, dass die Vorwähler der Staaten Michigan und Florida, aufgrund politischen Ränkespiele, ignoriert wurden. Gerade für die Wähler in Florida, ergäbe sich die Möglichkeit, dagegen ein sichtbares Zeichen zu setzen, indem eine bestimmte Zahl an Stimmen an den Verbraucheranwalt Ralph Nader und andere Bewerber gehen. Diese Stimmen brauchen John McCain und Barack Obama dringend.


"Vermutlich würden sie auch akzeptieren, wenn alle Wähler, die den gleichen Anfangsbuchstaben wie ihr Bundesstaat besitzen, doppeltes Stimmrecht bekämen."

Diesen Satz glaube ich nicht.
Es gilt der Grundsatz: Ein Mann, eine Wahl (One man, one vote).
Davon abgesehen, beginnen viele Namen der Bundesstaaten mit M und N.
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Good Entity
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 07. September 2008 - 15:04 Uhr:   

@Mitdenker: Oh Mann. Na denn.

Es gilt der Grundsatz: Ein Mann, eine Wahl (One man, one vote). Ja, aber one man in Michigan or Florida, vote void. Das ist doch genau das, was ich meine. Nicht nur Du findest diese Regelung ungerecht. Befolgt und akzeptiert wurde sie trotzdem. Im Gegenteil: Wer diese zweifelhafte Spielregel nicht akzeptieren wollte (Mrs. Clinton), bekam öffentlichen Gegenwind.

Ich nehme nicht an, dass Barack Obama nach Ohio oder John McCain nach Minnesota ziehen werden, nur damit ihre Stimmen gemäß meinem Vorschlag bei den Vorwahlen in den USA doppelt zählen. Der Vorschlag sollte nur ein krasses Beispiel für eine besonders irrsinnige Wahlregel sein. Ich hatte nicht beabsichtigt, die Welt dadurch mit einer realen Möglichkeit zu bereichern.
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Cyrix
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 07. September 2008 - 15:35 Uhr:   

Bezüglich Florida und Michigan: Du hast aber schon mitbekommen, warum diese Staaten (bzw. genauer: der entsprechende Landesverband der beiden Parteien) bestraft wurden?

Wie willst du sonst einen Verstoß gegen klare Regeln, mit vorher festgelegten Strafen, vorgehen?

Wenn du gar nichts tust, dann wird der nächste Vorwahlkampf schon im Jahr vor der Präsidentschaftswahl heiß geführt...


Cyrix
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Florian das Original
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Montag, 08. September 2008 - 02:31 Uhr:   

Alle selbsternannten Verbesserer des amerikanischen Vorwahl-Systems sollten vielleicht erst einmal die Defekte in unserem eigenen Land zur Kenntnis nehmen und sich z.B. die völlig wirre Kandidatenfindung bei der SPD anschauen.

(Mal abgesehen davon: Wenn Mitdenker aus nicht näher erläuterten Gründen schon stört, dass die ersten amerikanischen Primaries 11 Monate vor dem Wahltag stattfinden - was ist dann mit einer abgesschlossenen Kandidatenkür 13 Monate vor der Bundestagswahl?).
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tg
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 08. September 2008 - 14:39 Uhr:   

Ein weiterer etwas paradoxer Unterschied zwischen den USA und Deutschland: In den USA gibt es zwar de facto ein 2-Parteien-System, aber der Wähler hatte am Anfang 8 oder 9 realistische Kandidaten zur Auswahl. In Deutschland haben wir zwar 5 oder 6 Parteien zur Auswahl, die eine realistische Chance auf den Einzug ins Parlament haben, aber als realistische Kandidaten für den Chefposten haben wir nur die 2, die uns SPD und Union vorsetzen.
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Klaus Wulff
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 13. September 2008 - 16:28 Uhr:   

Ich halte den Vergleich der Kandidatenzahlen für unzutreffend. Bei den Vorwahlen wählen registrierte Anhänger der betreffenden Partei ihren Wunschkandidaten für die Präsidentenwahl. Das entspräche in Deutschland einer Urwahl des Kanzlerkandidaten in den Landesverbänden der Parteien. In diesem Stadium ist die Anzahl der Interessenten hier wie dort logischerweise verhältnismäßig groß, solange es nicht einen natürlichen Anwärter gibt, z.B. populärer Regierungschef, der wieder antritt. Bei der 'richtigen' Wahl stehen hier wie dort nur die Sieger der Kandidatenkür zur Auswahl. Das sind auch in den USA nur zwei echte Kandidaten.
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Florian das Original
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Samstag, 13. September 2008 - 18:04 Uhr:   

@ Klaus Wulff:
Grundsätzlich richtig.
Allerdings hat in den USA jeder das recht, sich als z.B. "Democrat" registrieren zu lassen. Daher kann jeder interessierte Bürger an einer Vorwahl der Demokraten teilnehmen.
Der Kreis der Vorwahlberechtigten umfasst also alle Wähler. In Deutschland nur die Parteimitglieder (und auf eine Parteimitgliedschaft hat man auch keinen Rechtsanspruch).

Im übrigen ist es halt so, dass es in Deutschland selbst parteiinterne Vorwahlen bei denen alle Parteimitglieder stimmberechtigt wären schlicht nicht gibt.

Schöne Grüße
Kanzlerkandidat Florian

(Kanzlerkandidat kann man sich in Deutschland ja schon nennen, wenn man ein oder zwei Freunde hat, die dem zustimmen).
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Klaus Wulff
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Samstag, 13. September 2008 - 20:07 Uhr:   

@ Florian das Original:

Auch grundsätzlich richtig .
Ich wollte auch nur eine grundsätzlichen Anmerkung machenen. Die Feinheiten spiegeln sicher die Unterschiede im Parteiensystem wieder - dort loser Wahlverein, hier eine vergleichsweise straffe politische Organisation.

Zum Rechtsanspruch auf Parteimitgliedschaft: Ich halte es für gut, daß es den in Deutschland nicht gibt. Ich denke dabei an einen Ortsverein der CSU in München, in den ein Lokalpolitiker kurz vor der Kandidatenaufstellung für eine Wahl soviel Freunde einzuschleusen versuchte, daß er ihn kapern und sich zum Wahlkreiskandidaten machen konnte. Ein anderes Beispiel ist die FDP am Anfang der achtziger Jahre, deren konservativem Flügel man nach der Wende zu Kohl vorwarf, gezielt Handwerker , Ärzte etc. in die Partei gebracht und sie von einer sozialliberalen zu einer rechtsliberalen Partei gemacht zu haben. Das war nicht gesetzwidrig, aber etwas unfair gegenüber den mehrheitlich sozialliberalen Wählern der FDP. Eine Partei, die sich nicht kapern lassen will, muß die Kontrolle über die Mitgliederaufnahme haben.

Eine parteiinterne Umfrage bei der Basis über den gewünschten Parteivorsitzenden gab es doch mal bei der SPD (?)

Gruß
Klaus
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Florian das Original
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Samstag, 13. September 2008 - 20:48 Uhr:   

@ Klaus:
Eine parteiinterne Umfrage bei der Basis über den gewünschten Parteivorsitzenden gab es doch mal bei der SPD (?)

Richtig.
Und dass ausgerechnet der einzige direktdemokratisch gewählte Parteivorsitzende Rudolpf Scharping die bislang einmalige Erfahrung machen musste, nach nur 2 Jahren von einem Parteitag aus dem Amt gewählt zu werden, sagt auch einiges darüber aus, wie wenig ernst man in Deutschland direktdemokratische Elemente nimmt.
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Norddeutscher
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 14. September 2008 - 10:01 Uhr:   

@Florian

Das aber auch der von der Basis einige Jahre zuvor zum Bundesvorsitzenden gewählte Rudolf Scharping wegen schlechter Arbeit und schlechten Krisenmanagements in eigener Sache bereits nach relativ kurzer Zeit sein Mandat niederlegen musste, während seine unterlegenen Mitbewerber sich deutlich länger in ihren Ämter und auch der Gunst der Öffentlichkeit halten konnten (Schröder hat nämlich 1998 im Gegensatz zu Scharping 1994 die Bundestagswahl gewonnen und Wieczorek-Zeul ist inzwischen das derzeit am längsten amtierende Mitglied der Bundesregierung) zeigt auch, daß Basisurteile nicht per se besser sind, als Parteitagsurteile.
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Maxxim
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 04. Januar 2009 - 07:17 Uhr:   

"Außerdem ist die Debatte um den Vizepräsidentschaftskandidaten immer kurios."

Das ist natürlich ein schlagendes Argument gegen das Vorwahlsystem ;-)

Im Ernst: Solange in Deutschland die Kanzlerkandidaten de facto von einer maximal zweistelligen Zahl von Leuten in der Partei ausgekungelt werden, sollten wir uns mit unserer Kritik an den - verglichen mit der in Deutschland praktizierten Kandidatenkür - radikaldemokratischen US-Vorwahlen etwas bedeckt halten.
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Interessierter
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Donnerstag, 15. Oktober 2009 - 18:00 Uhr:   

@all:
"Im Wahlmännerkollegium erhält keiner die absolute Mehrheit. Das geht entweder mit einem Unentschieden (269-269) oder durch einen Erfolg eines dritten Kandidaten (z.B. 268-266-4) oder wenn nach einem knappen Wahlausgang ein oder mehrere Wahlmänner sich enthalten (z.B. 270-268 wird zu 269-268-1)

In jedem dieser Fälle wählt dann das Repräsentantenhaus den Präsidenten und der Senat den Vize. Bei unterschiedlichen Mehrheiten kann es dann also durchaus zu einem Team kommen, daß keiner der Beteiligten wollte."


Zwei Fragen:
1. Ist denn eine Enthaltung nach US-Wahlrecht vorgesehen?
2. Gibt es nicht die Chance eines zweiten Wahlgangs für die Wahlmänner? Sonst scheint mir die Forderung nach einer absoluten Mehrheit wenig sinnvoll.
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Florian das Original
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Donnerstag, 15. Oktober 2009 - 20:07 Uhr:   

Interessierter:

1. Es gibt für die Wahlmänner de jure kein imperatives Mandat. Sie dürfen also theoretisch wählen was sie wollen, incl. Enthaltung.
De facto wählen sie aber natürlich (fast) immer den Kandidaten ihrer Partei.

2. Nein, es gibt nur einen Wahlgang.
Die Wahlmänner sind auch gar nicht gemeinsam in einem Raum anwesend sondern geben ihre Stimmen einige Tage früher ab. Die Stimmen werden dann in versiegelten Umschlägen nach Washington gebracht und dort ausgezählt.

Es ist in der Tat eher ein glücklicher historischer Zufall, dass es in den USA in der Vergangenheit fast immer absolute Mehrheiten für einen Kandidaten gab.
Das Wahlsystem würde bei häufigen relativen Mehrheiten nämlich nicht so recht funktionieren.

Speziell die Details zum Vize-Präsidenten scheinen mir in der amerikanischen Verfassung auch nicht besonders gut durchdacht zu sein.
In der urprünglichen Verfassung war ja sogar der unterlegene Präsidentschaftskandidat der Vizepräsident.
Präsident und Vize waren daher stets aus verschiedenen Parteien.
Das wurde dann später aber aus nachvollziehbaren Gründen geändert.

In Fällen ohne absolute Mehrheit kann es aber immer noch zu dieser Situation kommen.
(Wobei die Partei-Mehrheiten in beiden Kammern allerdings meistens gleichlautend sind. Daher also eher ein theoretisches Problem).
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Interessierter
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Donnerstag, 15. Oktober 2009 - 20:40 Uhr:   

@1.: Das war mir bekannt. Dennoch schließt ja die Möglichkeit, auch anders zu wählen, die Möglichkeit der Enthaltung nicht ein. Ich meine, dieser Fall dürfte vom Verfassungsgebenden Kongress kaum vorgesehen worden sein. Die Wahlmänner sollten wählen, nicht eine Gewissensentscheidung treffen (zumindest nach ursprünglicher Idee), daher sind sie auch nicht weiter darauf verpflichtet worden, so zu wählen wie die Mehrheit im Land es beabsichtigte.
@2.: Dass sie nicht physisch zusammentreten, war mir ebenfalls bekannt. Aber auch das schließt ja nicht aus, dass sich die Wahlmänner wieder in ihren Bundesstaat treffen und nochmal wählen.
Aus dieser Sicht scheint das System in der Tat undurchdacht (leider). Aber, wie man schon an der Tatsache sieht, dass die Mehrheit in einem Staat immer auch alle Mandate bedeutet (bis auf einige Ausnahmen, die so wohl auch nicht vorgesehen waren?), scheinen die Verfassungsgeber der USA es extra auf absolute Mehrheiten abgesehen zu haben.
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 15. Oktober 2009 - 23:37 Uhr:   

"1. Es gibt für die Wahlmänner de jure kein imperatives Mandat. Sie dürfen also theoretisch wählen was sie wollen, incl. Enthaltung.
De facto wählen sie aber natürlich (fast) immer den Kandidaten ihrer Partei."
Stimmt so nicht. In einigen Staaten sind sie dazu verpflichtet, hier eine Übersicht:
http://www.thegreenpapers.com/G08/EC-Appointed.phtml
In Michigan sind Wahlmännerstimmen sogar ungültig, wenn sie für den "falschen" Kandidaten abgegeben wurden.

@Interessierter:
"Dennoch schließt ja die Möglichkeit, auch anders zu wählen, die Möglichkeit der Enthaltung nicht ein."
Da die Mitglieder des Repräsentantenhauses nur höchstens drei Personen zur Auswahl haben und die Senatioren nur zwei, sind logischerweise alle Stimmen ungültig, die nicht auf eine dieser Personen lauten.


"Aber, wie man schon an der Tatsache sieht, dass die Mehrheit in einem Staat immer auch alle Mandate bedeutet (bis auf einige Ausnahmen, die so wohl auch nicht vorgesehen waren?), scheinen die Verfassungsgeber der USA es extra auf absolute Mehrheiten abgesehen zu haben."
Das ist nicht zwingend. Das Wahlverfahren ist den Staaten überlassen. In Nebraska und Maine gibt es ja u.U. eine Minderheitsvertretung. Theoretisch muß ein Staat nicht einmal eine Volkswahl der Wahlmänner durchführen.
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Ratinger Linke
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Freitag, 16. Oktober 2009 - 01:47 Uhr:   

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Wilko Zicht
Moderator
Veröffentlicht am Freitag, 16. Oktober 2009 - 01:57 Uhr:   

Die Vereinbarung tritt aber erst in Kraft, wenn die ihr beigetretenen Staaten eine Mehrheit im Electoral College haben. Siehe Artikel 4:

http://www.nationalpopularvote.com/pages/misc/888wordcompact.php
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Wahlticker
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 16. Oktober 2009 - 09:10 Uhr:   

Genau das hat Ratinger Linke doch gesagt :-)
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Interessierter
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Freitag, 16. Oktober 2009 - 10:04 Uhr:   

@Thomas Frings
"Da die Mitglieder des Repräsentantenhauses nur höchstens drei Personen zur Auswahl haben und die Senatioren nur zwei, sind logischerweise alle Stimmen ungültig, die nicht auf eine dieser Personen lauten."

Das bezog sich eigentlich auf die Wahlmänner.
Aber es stimmt: Wenn eine ungültige Stimme mitgezählt wird, also nicht wie hier rausgerechnet, kann man sich de facto enthalten.

@Thomas Frings
"Das ist nicht zwingend. Das Wahlverfahren ist den Staaten überlassen. In Nebraska und Maine gibt es ja u.U. eine Minderheitsvertretung. Theoretisch muß ein Staat nicht einmal eine Volkswahl der Wahlmänner durchführen."

Bezieht sich das auf die Wahl der Wahlmänner, die Vorwahl oder auf den Senat/das Repräsentantenhaus? Ich muss mich entschuldigen, dass ich hier nachfragen muss.

@all:
Ich hätte noch eine Frage:
Wie nennt man ein Wahlsystem, bei dem z.B. die Staaten (oder Wahlkreise) eine bestimmte Anzahl an Mandaten haben, die, wenn eine Partei die absolute Mehrheit erlangt, alle dieser Partei gutgeschrieben werden und sonst (keine absolute Mehrheit) nach Verhältniswahlrecht verteilt werden?
Wäre das ein Verhältnis- oder ein Mehrheitswahlsystem?
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 16. Oktober 2009 - 11:36 Uhr:   

"Bezieht sich das auf die Wahl der Wahlmänner, die Vorwahl oder auf den Senat/das Repräsentantenhaus? Ich muss mich entschuldigen, dass ich hier nachfragen muss."
Bei der Präsidentschaftswahl ist eine Volkswahl bis heute nicht zwingend, sie sind da frei. Sie könnten z.B. die Wahlmänner von der Staatenlegislative wählen lassen oder sie proportional verteilen. Beim Repräsentantenhaus war Volkswahl dagegen von Anfang an zwingend, für den Senat ist sie das seit 1916. Seit 1967 ist es auch verpflichtend, daß die Abg. des Repräsentantenhauses in Einerwahlkreisen zu wählen sind. Das war zwar auch schon vorher in aller Regel der Fall, aber nicht durchgehend (z.B. wählte New Mexico bis dahin beide Abgeordneten im ganzen Staat, 1962 wurden alle 7 Abg. aus Alabama in einem einzigen Wahlkreis gewählt). Die genaue Ausgestaltung, also z.B. Vorwahlen (die es in Louisiana nicht gibt) und ob relative oder absolute Mehrheit erforderlich ist (letzteres ist der Fall in Georgia, Louisiana und Texas), entscheiden die Staaten aber selbst.
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Interessierter
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Freitag, 16. Oktober 2009 - 17:32 Uhr:   

@Thomas Frings
"Bei der Präsidentschaftswahl ist eine Volkswahl bis heute nicht zwingend, sie sind da frei. Sie könnten z.B. die Wahlmänner von der Staatenlegislative wählen lassen oder sie proportional verteilen. Beim Repräsentantenhaus war Volkswahl dagegen von Anfang an zwingend, für den Senat ist sie das seit 1916. Seit 1967 ist es auch verpflichtend, daß die Abg. des Repräsentantenhauses in Einerwahlkreisen zu wählen sind. Das war zwar auch schon vorher in aller Regel der Fall, aber nicht durchgehend (z.B. wählte New Mexico bis dahin beide Abgeordneten im ganzen Staat, 1962 wurden alle 7 Abg. aus Alabama in einem einzigen Wahlkreis gewählt). Die genaue Ausgestaltung, also z.B. Vorwahlen (die es in Louisiana nicht gibt) und ob relative oder absolute Mehrheit erforderlich ist (letzteres ist der Fall in Georgia, Louisiana und Texas), entscheiden die Staaten aber selbst."

Eine historische Frage:
Wie wurden die Senatoren vorher bestimmt? Die wurden dann von den lokalen Parlamenten gewählt oder?
Das ist interessant. Demnach war die USA früher wesentlich föderaler organisiert.
@Repräsentatantenhaus wählt:
Ich habe gelesen, dass die Abgeordneten im R.-Haus dann (nach einer Ordnung, die natürlich nie angewendet wurde) nach Staat wählen. Sie müssen sich dabei auch eine Stimme einigen, passiert das nicht, ist es wohl so, dass die Stimme verflogen ist.

Könnte man mir vielleicht noch die obige Frage beantworte, ob es so ein Wahlsystem schon gibt, bzw. ob und wann es historischen angewendet wurde?
Ich frage nur aus Neugier...
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Wahlticker
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 16. Oktober 2009 - 18:04 Uhr:   

"Das ist interessant. Demnach war die USA früher wesentlich föderaler organisiert."

Die USA sind sehr föderal organisiert. Beispielsweise muss der Präsident seinen Wohnsitz in Washington D.C. haben, welches zu keinem Bundesstaat gehört, da er ansonsten in vielen Fragen dem Gouverneur seines Staates untegeordnet wäre. Aus diesem Grund gehört Washington zu keinem Staat. Die Bürger Washingtons waren aus diesem Grund lange Zeit auch bei Wahlen nicht Wahlberechtigt.
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Florian das Original
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Freitag, 16. Oktober 2009 - 21:20 Uhr:   

"Ich habe gelesen, dass die Abgeordneten im R.-Haus dann (nach einer Ordnung, die natürlich nie angewendet wurde) nach Staat wählen."

Das ist nicht nur eine "Ordnung", das steht so in der Verfassung.
Und: Oh doch, das wurde auch schon zweimal angewandt:

1800 wurde Jefferson auf diese Weise Präsident und 1824 John Quincy Adams.
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 16. Oktober 2009 - 22:28 Uhr:   

@Interessierter
Sie brauchen nur die Verfassung lesen:
The Senate of the United States shall be composed of two Senators from each state, chosen by the legislature thereof, for six years; and each Senator shall have one vote.
Das Schöne an der US-Verfassung ist, daß man die Entwicklung leicht nachvollziehen kann, weil der ursprüngliche Text nicht geändert wird, sondern Änderungen als Zusätze angefügt werden. Allerdings wird sie dadurch natürlich unübersichtlicher. Ich denke, wie föderlistisch die USA sind oder waren, läßt sich allenfalls sehr eingeschränkt am Wahlverfahren für den Senat festmachen. Viel wichtiger ist die Auslegung von Artikel I Sektion 8, wo die legislativen Befugnisse des Kongresses festgelegt sind. Je enger hier ausgelegt wird, desto mehr Macht für die Einzelstaaten und umgekehrt.


@Wahlticker
"Beispielsweise muss der Präsident seinen Wohnsitz in Washington D.C. haben, welches zu keinem Bundesstaat gehört, da er ansonsten in vielen Fragen dem Gouverneur seines Staates untegeordnet wäre."
Wo haben Sie denn den Unsinn her? Wikipedia? Anfangs gab es den D.C. übrigens noch gar nicht.
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tg
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Freitag, 16. Oktober 2009 - 23:13 Uhr:   

Na ja, das Weiße Haus steht schon im DC, aber wenn ich mich richtig an die Wahlnacht von 2004 erinnere, da hat Bush seine Stimme in Texas abgegeben. Das müßte dann also auch als sein Hauptwohnsitz gegolten haben.

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