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Beitrag |

Hans-Peter Schmidt (Unregistrierter Gast)
| | Veröffentlicht am Dienstag, 01. Januar 2008 - 23:20 Uhr: | |
http://events.ccc.de/congress/2007/Fahrplan/events/2255.en.html Auf dem 24th Chaos Communication Congress gab es einen Vortrag Wahlchaos - Paradoxien des deutschen Wahlsystems. Was ist davon zu halten? |

sebu
| | Veröffentlicht am Mittwoch, 02. Januar 2008 - 20:33 Uhr: | |
Solche, "was wäre wenn"-Rechnungen gibt es ja immer wieder, so neu ist das nicht. Mir fehlt so die zentrale Message, was aus den vorgestellten Ergebnissen zu folgern wäre. Außerdem finde ich die Rechtschreifehler, die noch drin sind, störend. Sehr positiv finde ich dagegen die Möglichkeit, das Wahlergebnis bis in die einzelnen Wahlkreise abzubilden - da könnte man dann wirklich mit Simulation die Sensitivität austesten. Schwieriger ist vermutlich, die psychologischen Aspekte von Wahlsystemen einzubauen, wie "besserer Direktkandidat", "Nachwahl" oder so etwas. |

Martin Fehndrich
| | Veröffentlicht am Mittwoch, 02. Januar 2008 - 22:26 Uhr: | |
Grundsätzlich ist es natürlich gut, daß das Thema an Hochschulen und in der Öffentlichkeit diskutiert wird. In den Materialien seh ich nicht ganz die rote Linie. Was ist die Paradoxie im Vogtland-2002 Beispiel "Gewinnt die SPD 1500 Erststimmen, so verliert die CDU einen Sitz."? Erschreckender, was alles auf Hare/Niemeyer geschoben wird. Das negative Stimmgewicht träte bei Sainte-Laguë in ähnlicher Form auf, wie bei allen anderen Zuteilungsverfahren und im Nachwahlbeispiel nicht bei +5000, aber bei bei +7000 CDU-Zweitstimmen. Der Grundlegende Mechanismus ändert sich ja nicht. Und ich fürchte, das ist nicht mal allen Verantwortlichen im Bundestag klar, die meinen mit dem Wechsel zu Sainte-Laguë hätte man das Problem gelöst. |

Philipp Wälchli
| | Veröffentlicht am Mittwoch, 02. Januar 2008 - 23:19 Uhr: | |
Na ja, unter uns gesagt: Unter den regelmässigen Mitdisputierenden dieses Forums dürfte wohl insgesamt und auch einzeln erheblich mehr Sachverstand vorhanden sein als im entsprechenden Paper. In den materiellen Aussagen kann ich an sich wenig Inkorrektheit finden, allerdings ist die Darbietung völlig missraten. Es fängt damit an, dass erst einmal nicht gesagt wird, was unter "Paradoxie" oder "Störung" verstanden werden soll. Daher ist dann auch nicht so richtig klar, welche Punkte anschliessend beanstandet werden und weshalb. Dass ein Wyhlsystem wie das deutsche Bundestagswahlverfahren komplex ist (so der "Aufhänger" im ersten Satz), ist eine Binsenweisheit, die man nicht durch diese Rechenspiele begründen müsste. Ebenso ist dann der Schlusssatz, wonach auch die Nichtwähler einen Einfluss aufs Ergebnis hätten, und zwar keinen geringen, nicht wirklich hergeleitet. Ausser Baslinski & Co. wird auch keinerlei Fachliteratur zitiert. An sich ist es wiederum eine Binsenwahrheit, dass der Erfolg einer Partei auf verschiedene Weise zustande kommen kann: Vergleicht man ein Ergebnis 1 mit einem Ergebnis zwei, und hat bei Ergebnis 1 Partei A den grösseren Erfolg vor Partei B als in Ergebnis 2, dann kann dies u. a. folgende Gründe haben: - A kann Wähler auf ihre Seite und von B weggelockt haben, z. B. durch einen überzeugenden Wahlkampf oder Leistungsausweis in der vorangehenden Legislatur, - A kann Wähler angelockt haben, die vorher nicht wählen gingen, - A hat keine Wähler gewonnen, aber B Wähler verloren, die nicht mehr wählen gehen, - Sowohl A als auch B haben Wähler verloren, aber B mehr als A, usw. Je nach angewandtem Verfahren ist die Sensitivität, d. h. der Grad des "Ausschlages", die "Hebelwirkung" auf das Ergebnis anders. In einem EWG-Verfahren (Winner takes all) wirkt es sich anders aus als in einem Verhältniswahlverfahren usw. Je nach Standpunkt kann man das als Störung, Anomlie, Paradoxie, als Versehen - oder aber eben gerade als besonderes Qualitätsmerkmal eines Verfahrens ansehen. In diesem Punkt ist der Aussage in dem Paper, zuerst müsse die Politik eine Entscheidung über das zu Erreichende Ziel eines Verfahrens fällen, bevor man dieses mathematisch sauber herleiten könne, durchaus zuzustimmen. Nur en passant vermerkt gab es auch mal ein Wahlverfahren, bei dem die Liste mit der grössten Stimmenzahl drei Viertel aller Sitze bekam, das restliche Viertel der Sitze anteilmässig unter die übrigen Listen verteilt wurde. Auch das kann man wollen oder als "Störung" betrachten. |

AeD (Unregistrierter Gast)
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 03. Januar 2008 - 15:28 Uhr: | |
Die Aufzeichnung des Vortrags gibt es hier: ftp://ftp.nullstelle.de/CCC/24c3.official.recordings/matroska/24c3-2255-de-wahlchaos.mkv (Matrjoschka/Vorbis/H.264 (Main Profile, 8 B-Frames; 61.731 KB) oder von einem Mirror: http://ftp.stw-bonn.de/pub/24C3/matroska/24c3-2255-de-wahlchaos.mkv |

Thomas Frings
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 03. Januar 2008 - 18:29 Uhr: | |
@Martin "In den Materialien seh ich nicht ganz die rote Linie." Ich auch nicht. Hätten die Autoren das Kernproblem herausgearbeitet, nämlich nicht ausgeglichene interne Überhangmandate (ich fürchte sogar, das haben sie nicht einmal begriffen), wäre ihnen selbst aufgefallen, daß die Umstellung auf Sainte-Laguë keine Lösung hinsichtlich des Paradoxons "Mehr Zweistimmen-weniger Sitze" bzw. dem umgekehrten Fall bringt. |

Margit Wiegand Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 09. Oktober 2008 - 14:56 Uhr: | |
Die Parteien erhalten für jede Stimme einen Betrag zur Erstattung ihrer Wahlkampfkosten. Wie verhält es sich jedoch mit den Nichtwählern sowie den Wählern, die einen ungültigen Wahlzettel abgegeben haben? |

AeD Unregistrierter Gast
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 09. Oktober 2008 - 14:58 Uhr: | |
Die bekommen kein Geld, warum auch? |

Werner Fischer
Registriertes Mitglied
| | Veröffentlicht am Donnerstag, 09. Oktober 2008 - 15:51 Uhr: | |
@ Margit Wiegand Ein Blick unter http://www.bundestag.de/parlament/funktion/finanz/index.html klärt diese Frage und liefert Hintergrundwissen. Parteien erhalten nach einem komplizierten Verfahren staatliche Mittel, diese sind nicht an die Wahlkampfkosten gebunden. Die bisherige Nichtwähler-Quote führt nicht zur Kürzung dieser Mittel. Wer nicht wählt oder ungültig wählt, spart dem Staat damit kein Geld, auch wenn oft etwas anderes behauptet wird. |
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