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Stochokratie

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Stochokrat (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Montag, 06. März 2006 - 16:46 Uhr:   

Wie wäre es denn mit einer Stochokratie ( http://de.wikipedia.org/wiki/Stochokratie )?

Was haltet ihr davon?
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Stochokrat (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Montag, 06. März 2006 - 18:04 Uhr:   

Die Diskussion um ein Wahlsystem hätte sich in einer Stochokratie wohl erledigt bzw. für die stochokratisch Bestimmten Organe. Vieleicht wäre auch ein Mischsystem sinnvoll, ein Senat, der nach personalisiertem Verhältniswahlrecht gewählt werden würden (150 Mitglieder) und der "Großen Volksvertretung" (1000 Mitglieder die aus allen zum Senat wählbaren Bürgern die sich mit Zustimmung von 100 anderen Bürgern beworben haben ausgelost werden). Zusammen würden diese dann die Legislative ausüben. Dazu noch einige direktdemokratische Elemente (Senat und/oder Große Volksvertretung könnten jeweils über ein bestehendes Gesetz oder einen abgelehnten Gesetzesvorschlag einen Volksentscheid durchführen lassen, ebenso wie die Vertreter eines abgelehnten Volksbegehrens).

Wäre das überlegenswert? Und vor allem: Wo seht ihr die Vorteile oder Nachteile zu den heute verbreiteten Systemen und welche findet ihr (auch subjektiv) besser?

PS: Ich habe mich hier absichtlich auf die Gesetzgebung beschränlkt, die anderen beiden Gewalten wären wieder eine andere Sache.
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Thomas Frings (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Montag, 06. März 2006 - 18:09 Uhr:   

Die Diskussion gab es schon.
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Good Entity (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Montag, 06. März 2006 - 18:49 Uhr:   

600 Bundestagsabgeordnete durch Losverfahren aus der gesamten "wahlberechtigten" Bevölkerung ermitteln, also gewissermaßen aktives durch passives "Wahlrecht" ersetzen?

Folge unter anderem: Das Alter unserer Abgeordneten würde signifikant ansteigen, denn auch die über 90jährigen würden dann entsprechend ihrem Anteil an der Bevölkerung auch im Bundestag sitzen. Ungefähr alle 3 Wochen würde einer der 600 Bundestagsabgeordneten durch Tod ausscheiden. Deutlich über 200 Abgeordnete wären über 60 Jahre alt, davon mehr als die Hälfte über 70 Jahre.

Die Zahl der Lehrer, Juristen und Pastoren geht in den Keller. Auch die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder und die der Mercedes-Fahrer im Bundestag schrumpft dramatisch.

Die Zahl früherer Mitglieder der SED steigt dagegen an. Das gleiche gilt vermutlich auch für die Zahl früherer und jetziger Mitglieder der NPD.
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juwie
Veröffentlicht am Montag, 06. März 2006 - 19:05 Uhr:   

@Thomas Frings

Völlig richtig!

Vielleicht können die Administratoren auf die bereits gelaufene Diskussion verweisen. Wäre nett!
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Stochokrat (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Montag, 06. März 2006 - 23:07 Uhr:   

Das wäre in der Tat nett, die habe ich nämlich nicht gefunden und ich habe wirklich lange gesucht (vieleicht habe ich auch etwas übersehen).


@Good Entity

Den Einwand betreffend des Alters kann ich verstehen und teilweise auch zustimmen, besonders auch dem Argument des regelmäßigen ausscheidens wegen Todes aus dem ausgelosten Palament. Daher könnte man über eine Altershöchstgrenze nachdenken, die allerdings auch nicht zu hoch seien dürfte, da sonst die genauere Abbildung der gesellschaftlichen Proportionen zu sehr künstlich verzerrt würde.
Das wäre aber denke ich nicht mal nötig, wenn, wie ich es oben Vergeschlagen habe, nur unter den Wahlberechtigten ausgelost wird, die sich bewerben und dafür 100 Unterstützer haben! Theoretisch könnte also zwar auch ein 90jähriger sich bewerben und 100 Unterstützer dafür zusammenkratzen, aber es ist doch unwahrscheinlicher als bei einem jüngeren, wie ich finde.

Trotzdem finde ich diesen Einwand berechtigt und gegen dieses Problem müssen Regelungen getroffen werden, sind es aber in meinem Vorschlag schon.

Was den Rest ihrer Einwände angeht:
Ja, die Zahl der Lehrer, Juristen und Pastoren im ausgelosten Palament (nicht jedoch im gewählten Senat) würde wohl zurückgehen, woran ich jedoch nichts schlimmes sehe, im Gegenteil, diese Gruppen würden schlicht besser ihrer Proportion nach Vertreten werden, und warum sollten Pastoren überproportional vertreten sein?

Für die Zahl der aktuellen Gewerkschaftsmitglieder gielt das gleiche, man sollte jedoch bei alle dem bedenken das unter den Rentnern durchaus Juristen, ehemalige Lehrer und Pastoren vorkommen, sowie auch ehemalige Gewerkschaftsmitglieder (sofern Rentner überhaupt zwangsläufig aus der Gewerkschaft austreten müssen, das weis ich jetzt nicht so genau), als auch "Mercedesfahrer"!


Insgesamt würde es wohl eher zu einer gerechteren Repräentation führen, und was die NPDler und SEDler angeht: SEDler haben wir schon heute im Bundestag (siehe Linkspartei und das als 4. stärkste Fraktion!) und Rechtsredikale würden dann genauso Vertreten sein wie Linksradikale, die haben jedoch alleine nichts zu entscheiden, da diese beiden radikalen nicht einmal zusammen die Mehrheit bilden würden. Das gleiche gilt für andere Radikale. Sie wären Vertreten, blockieren sich jedoch auch Gegenseitig und hätten genauso viel Einfluss bei Abstimmungen im Palament wie bei Volksabstimmungen auch (von Abweichungen von der genauen Repräsentation der Bevölkerung, die es p bei der Auslosung natürlich geben kann, mal abgesehen!)
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Matthias Cantow
Veröffentlicht am Montag, 06. März 2006 - 23:11 Uhr:   

@Stochokrat
Die angesprochene Diskussion befindet sich nun im selben Ordner.
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Good Entity (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Dienstag, 07. März 2006 - 00:11 Uhr:   

@Matthias Cantow: Danke, wie immer ein Superservice.

@Stochokrat: Meine Anmerkungen zu Lehrern etc. waren nicht unbedingt alle als Einwand gegen den Vorschlag gemeint (ich dachte eigentlich, man merkt das ), sondern als eine Aufzählung von Änderungen, die mit dem vorgeschlagenen System zwangsläufig statistisch eintreten müssten.

Klar ist, dass im Bundestag weit überrepräsentiert Mitglieder bestimmter Bevölkerungsgruppen (Fahrer von Kfz des Fabrikats Daimler zB oder eben Lehrer) sitzen und sich dies ändern würde.

Ob die Reduzierung der Zahl der Gewerkschaftsmitglieder im Bundestag nun positiv oder negativ oder richtig oder falsch ist, muss nun jeder selbst beurteilen. Auch die Zahl der Mitglieder von Greenpeace wird abnehmen, genauso die Zahl der Mitglieder in Aufsichtsräten. Dafür wird die Zahl der regelmäßigen Kirchgänger zunehmen.

Die Zahl der Mitglieder aller im Bundestag bisher vertretenen Parteien wird natürlich sehr deutlich abnehmen, so dass sich hier schon deutliche Unterschiede zwischen PDS- und SED-Mitgliedern zeigen dürften.

Es gäbe noch sehr viel mehr gravierende Änderungen, beispielsweise würde die Anzahl der weiblichen Abgeordneten sich etwa verdreifachen.

Die ergänzend vorgeschlagenen Maßnahmen (Mischsysteme, man braucht 100 Zustimmende, Altersbegrenzung) schwächen alle die negativen aber natürlich auch die eigentlich gewünschten positven Effekte ab.
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MMA (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Dienstag, 07. März 2006 - 14:04 Uhr:   

@Good Entity
"Dafür wird die Zahl der regelmäßigen Kirchgänger zunehmen."

ist interessant, vor allem wenn man

"Die Zahl der Lehrer, Juristen und Pastoren geht in den Keller."
danebenstellt.

Gibt es zu Ersterem belastbare Zahlen?
Den Eindruck, dass in tonangebenden Kreisen die kirchlichen Bindungen unterproportional im Vergleich zur Gesamtbevölkerung vertreten sind, habe ich auch öfters; aber auch wenn das stimmt, muss es nicht zwangsläufig heißen, dass auch Bundestagsabgeordnete überproportional kirchenfern sind.
Evtl. würde ein bewusst repäsentativ zusammengesetzter BT bald genauso wenig Kirchgänger aufweisen wie der jetzige, indem die Abgeordneten, sosehr sie auch bisher fleißig zur Kirche gingen, wegen der vielen Arbeit und Pendelei ihr zunehmend fern blieben.
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Florian (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Dienstag, 07. März 2006 - 18:10 Uhr:   

Aus der Bundestagstatistik ( http://www.bundestag.de/mdb/mdb_zahlen/religion.html ):
Außer in der Unions-Fraktion ist in jeder Fraktion die Gruppe der Abgeordneten ohne Religion/Atheist/keine Angabe größer als die der Protestanten und die der Katholiken.
"Keine Angabe" kann natürlich viel bedeuten. Aber ein Großteil davon dürfte eher kein Kirchenmitglied sein.

Daneben noch meine (nicht repräsentative) Beobachtung bei 2 verschiedenen Unternehmen (beide mit Sitz im Großraum München):

Unternehmen A:
90% der Mitarbeiter sind Akademiker (v.a. BWLer),
10% (!) sind Kirchenmitglieder

Unternehmen A:
5% der Mitarbeiter sind Akademiker,
(fast) 100% sind Kirchenmitglieder

Hat sicher auch etwas mit der bei höheren Einkommen überproportional höheren Kirchensteuer zu tun.
Aber ganz allgemein kann man glaube ich schon sagen, dass eine Kirchenmitgliedschaft beim Normalbürger noch die Regel ist, mit höhrerem gesellschaftlichen Status aber tendenziell abnimmt.
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Good Entity (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Dienstag, 07. März 2006 - 18:31 Uhr:   

@MMA: Sehe ich ähnlich. Der Besuch von Papstaudienzen, des Begräbnisses eines verstorbenen Bundespräsidenten oder eine Feierstunde in der Dresdner Frauenkirche oder was sonst man zu lesen oder sehen bekommt macht einen Abgeordneten nicht zu einem regelmäßigen Kirchgänger, ob nun kirchenfern oder nicht.

Ich las kürzlich, dass man wohl von 5 bis 10 % regelmäßigen Kirchgängern unter den Kirchenmitgliedern bei beiden großen Konfessionen ausgeht, im Eichsfeld, in Altötting oder in Fulda mehr, in Hamburg eher weniger. Doch die Quelle? Tja, also nicht so belastbar.

Aber zwei Plausibilitätsüberlegungen lassen mich mutig meine Behauptung verteidigen: Den größeren Zuspruch finden Gottesdienste bei a) Frauen - und deren Anzahl im Bundestag würde drastisch steigen - und b) Älteren - für diese gilt das Gleiche. Von den 600 Abgeordneten wären über 100 Frauen über 60 Jahre, gegenüber derzeit einer Handvoll.

Und schließlich: Bisher sind meines Wissens kaum Mitglieder kleinerer Konfessionen (Zeugen Jehovas, Baptisten, Adventisten, etc) im Bundestag; auch das würde sich aber auf etwa 10 bis 12 Abgeordnete ändern. Diese sind aber sehr engagierte Kirchgänger.
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MMA (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Dienstag, 07. März 2006 - 18:57 Uhr:   

@Florian:

"Keine Angabe" kann natürlich viel bedeuten. Aber ein Großteil davon dürfte eher kein Kirchenmitglied sein."

Ein großer Teil wohl schon. Es dürfte aber durchaus Fälle geben, wo jemand seine Konfession besser verschweigt, etwa im Münsterland ein Protestant oder in einem akademisch geprägten norddeutschen Wahlkreis eine praktizierende Katholikin. Ein paar Zehntelprozentpunkte könnte die falsche Konfession schon kosten -
und aus solchen Überlegungen könnte man schon zu der Frage gelangen, ob in anderen Fällen die Kirchenmitgliedschaft nicht auch eher gerade wegen solcher Überlegungen besteht und angegeben wird.
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Sole (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Mittwoch, 08. März 2006 - 10:48 Uhr:   

Zu den Religionsfragen kann ich wenig beitragen. Bei uns sind das alles Minderheiten.
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Philipp Wälchli (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Mittwoch, 08. März 2006 - 12:27 Uhr:   

Nur als kleiner Hinweis:
Manche der oben erwähnten kleinen Religionsgemeinschaften lehnen den Staat ab bzw. halten sich selbst von Staatsgeschäften fern, bspw. die Zeugen Jehova. Es dürfte also nicht anzunehmen sein, dass sie durchs Los vergebene Sitze einnehmen würden, die Freiheit, ein Losamt abzulehnen, kann allerdings ernsthaft wohl nicht in Frage gestellt werden. Oder will man solche Personen zwangweise polizeilich in den Bundestag schleifen lassen, damit sie dort die Stimme abgeben?
Ebenso lässt sich leicht vorstellen, dass manche der älteren Jahrgänge ab ca. 70 dankend ablehnen, weil ihnen solche Beschäftigungen zu anstrengend erscheinen. Ähnliches lässt sich auch im Hinblick auf junge Leute, die vielleicht noch in Vollzeitausbildung stehen, vermuten.
Ein nicht ganz unerheblicher Teil der "Verzerrung" in der Zusammensetzung unserer Parlamente kommt ja eben genau durch diese Effekte zustande.

Ferner stellt sich auch die Frage, wie die Hürde des Vorschlagsrechts ausgestaltet wird. Denkt man etwa an eine Hürde von 200 Unterschriften, so wird es schon ein wenig schwerer fallen, diese Zahlen einfach so zusammenzubekommen. Parteien sind, dank ihrer Mitgliedschaft, dabei im Vorteil, Einzelkandidaturen müssten schon im Quartier umgehen oder so. Wird die Hürde aber doch so angesetzt, dass sie spürbar wird und nicht jeder, der aus Jux kandidieren möchte, sie auf Anhieb überspringt, dann wird doch eine gewisse Vorselektion durch die Wahlberechtigten stattfinden.
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sebu
Veröffentlicht am Dienstag, 21. März 2006 - 09:07 Uhr:   

Wie eine zufällige Auswahl der Abgeordneten für das US-Repräsentatenhaus aussehen könnte und welche Auswirkungen es hätte, hat Ernest Callenbach in seinem Buch "A Citizen Legislature" beschrieben.

Gibt's frei im Internet unter
http://www.well.com/user/mp/citleg.html

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