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Archiv bis 13. Oktober 2009

Wahlrecht.de Forum » Familien-, Jugend- und Ausländerwahlrecht » Familienwahlrecht - Sollen Eltern für ihre Kinder wählen können? » Archiv bis 13. Oktober 2009 « Zurück Weiter »

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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 19. Juli 2009 - 13:54 Uhr:   

"Alle Eltern haben das gemeinsame Interesse, dass die sozialrechtliche Benachteiligung durch Kinder wieder abgebaut wird."
Nicht einmal das. Nur wer überhaupt Steuern und Sozialabgaben zahlt, kann benachteiligt sein.


"Zweiter Absatz:
Meinst du also, dass die vielen Nachkommen in Afrika und Asien dazu dienstverpflichtet werden sollen, für die alten Deutschen zu sorgen?"
Was soll denn der Quatsch??? Man kann mit Erspartem (langfristig) Rendite erwirtschaften, wenn es andere Leute gibt, die mit dem Geld arbeiten und dabei mehr Rendite erzielen als die bankübliche Verzinsung. Ob diese Leute nun in Indien oder in Deutschland sitzen, ändert am Prinzip nichts. Letzteres wäre aber natürlich wünschenswerter.


"Vielleicht ist es möglich, ein Kind für 211 € "durchzufüttern", aber nicht zu "versorgen". Dazu gehört schließlich auch Kleidung, Spielzeug, und vieles mehr. Es ist schlichtweg unverschämt, zu behaupten, Eltern könnten sich noch an den ALG II-Leistungen für ihre Kinder bereichern."
Und Du bist im Besitz der Wahrheit darüber was ein Kind braucht und unterstellst, daß dies alle Eltern auch so sehen und entsprechend handeln. Beim örtlichen Jugendamt wird man wohl anderes zu berichten haben.


"Dass sich Erwerbsarbeit für Eltern weniger lohnt als für Alleinstehende zeigt ja die Benachteiligung der Familien."
Nicht unbedingt. Je höher man das Existenzminimum für Familien über Sozialleistungen definiert, desto weniger haben Eltern von Erwerbseinkommen. Das ist ein zwangsläufiger Zielkonflikt (also "Arbeit muß sich lohnen" versus "Kinder sozial schwacher Eltern sollen nicht benachteiligt sein"), den man mit wie auch immer gearteter familienfreundlicher Politik nicht auflösen kann, da änderte ein Familienwahlrecht nichts.


"Es zeigt aber doch nur, dass in Deutschland die Älteren massiv begünstigt werden. Und das geht ja schließlich auf Kosten der Jüngeren, besonders auf Kosten der jüngeren Eltern, wie sogar Steinbrück angesichts der aktuellen Rentengarantie kürzlich richtig feststellte."
Zustimmung. Aber als das heutige Rentensystem 1957 eingeführt wurde, waren die heutigen Rentner selbst jung und teilweise minderjährig. Es wäre damals nicht anders gekommen, wenn ein Familienwahlrecht bestanden hätte.


"Streng genommen besteht gar keine Demokratie, wenn Kinder beim Wahlrecht nicht berücksichtigt werden, da sie auch zum "Demos" (Volk) gehören. Wir haben nur ein "Adultokratie".
Sicher haben Eltern nicht unbedingt in allen Punkten die gleichen Interessen wie die Kinder. Die Interessen der Eltern stehen aber ganz sicher den Kinderinteressen regelhaft weit näher als die Interessen von Leuten ohne Kinder."
Soso. Schon im Familienkreis kenne ich einige Beispiele, daß Kinder deutlich anders wählen als die Eltern. Wenn man die Berücksichtigung von Kinderm im Wahlrecht fordert, dann müßte man konsequenterweise den minderjährigen Kindern selbst das Wahlrecht geben. Man kann doch nur dann davon ausgehen, daß die Interressen der Eltern denen der Kinder nahe seien, wenn die Kinder überhaupt in der Lage sind, ihre politischen Vorstellungen zu artikulieren. Dann aber gibt es keine Rechtfertigung dafür, ihnen nicht selbst das Wahlrecht zu geben - zumindest wenn man vom Dogma ausgeht, sie müßten im Wahlrecht berücksichtigt werden. Ein Familienwahlrecht ist ganz klar undemokratisch, egal ob man das Familienwahlrecht nun als Pluralwahlrecht für Elterm Minderjähriger oder (irrigerweise) als Stellvertreterwahlrecht auffaßt. Ein Pluralwahlrecht kollidiert mit der Gleichheit der Wahl, jede Form der Stellvertretung kollidiert mit der Unmittelbarkeit der Wahl. Es gibt in anderen Ländern zwar teilweise die Möglichkeit der Stellvertretung, aber dort ist es die Entscheidung des Wahlberechtigten, ob und wem er sein Stimmrecht überträgt - und das immer nur für eine Wahl.
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mma
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 19. Juli 2009 - 16:56 Uhr:   

Noch mal zu diesem Punkt
("Streng genommen besteht gar keine Demokratie, wenn Kinder beim Wahlrecht nicht berücksichtigt werden, da sie auch zum "Demos" (Volk) gehören.")

1. Gehören die Geisteskranken, die Komapatienten etc. etwa nicht zum Volk?

2. Wenn alle, die zum Volk gehören, wählen dürfen, damit die Demokratie "besteht", müssten sie dann nicht auch alle das passive Wahlrecht haben?
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Werner Fischer
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Sonntag, 19. Juli 2009 - 23:35 Uhr:   

@mma
Danke für den - hoffentlich alle - überzeugenden Hinweis!

Über die richtige Altersgrenze usw. kann diskutiert werden, aber ein Wahlrecht ab Geburt ist Unsinn. Eine Wahl durch "Stellvertreter" entspricht nicht mehr demokratischen Grundsätzen.
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Johannes Resch
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Donnerstag, 27. August 2009 - 14:34 Uhr:   

@ mma (erster Kommentar)
Dass du Eltern kennst, die sich wünschen, zusammen mit ihren Kindern zu verarmen, glaube ich dir einfach nicht.
@ mma (zweiter Kommentar)
Sicher gehören Geisteskranke und Komapatienten auch zum Volk. Ihre Rechte sind von einer Betreuungsperson zu vertreten (früher Vormund genannt), die auch ihr Wahlrecht wahrnehmen sollte. Nur bei Amtsvormundschaft sollte das ausgeschlossen sein.

@ Thomas Frings
Die Unsinnigkeit der ersten Behauptung wird an folgendem Beispiel deutlich:
Wer z. B. drei kleine Kinder erzieht und deshalb kein Erwerbseinkommen hat, zahlt formal weder Steuern noch Sozialabgaben. Aber sie/er erarbeitet aufgrund unseres Rentenrechts drei Renten für kinderlose Altersgenossen, die kaum Leistungen für Kinder erbringen. Die (oder der) Kindererziehende arbeitet so für andere ohne jeglichen Lohn. Er wird also in Wirklichkeit zu 100% mit Steuern bzw. Sozialabgaben belastet, da sie/er ja nur 0% ihres/seines hart verdienten Lohns ausgezahlt bekommt. Sie/er ist somit weit stärker benachteilgt als jeder, der erwerbstätig ist. Dass diese Benachteiligung dann durch Hartz IV wieder zu 20 oder 30% ausgeglichen wird, ändert im Grunde nichts, da es sich dabei ja nicht um einen Lohn, sondern nur um ein "Almosen" handelt, das auch noch mit ideeller Degradierung verbunden ist.

Solange du diese simplen Tatsachen einfach nicht zur Kenntnis nehmen willst (womit du leider nicht allein bist), erübrigt sich eigentlich jede weitere Diskussion. - Wer noch behauptet, die Erde sei eine Scheibe, wird sich auch keinen Begriff vom Kugelumfang der Erde machen können.
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Wahlticker
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 27. August 2009 - 14:55 Uhr:   

Ich bin für das Kinderwahlrecht bzw. dass die Eltern für die Kinder abstimmen dürfen. Vielleicht könnte man es so regeln, dass die Kinder-Stimmzettel in eine gesonderte Urne kommen, und nicht gewertet werden, sondern nur als offizielles Ergebnis bekannt gegeben werden. Denn letztlich geht es ja nicht darum dass die Kinder den Bundestag mitwählen, sondern um ein Symbol, dass eben in Deutschland auch die Kinder ein Wort mitreden sollen, und nicht die 80Jährigen allein das sagen haben (etwas überspitzt, aber wir leben eben in einer alternden Gesellschaft).
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Donnerstag, 27. August 2009 - 20:24 Uhr:   

@Johannes Resch

Es ging um die Frage, ob jemand, der von ALG II lebt, sich durch Kinder finanziell schlechter stellt. Das tut er nicht und dem widerspricht Dein Beitrag ja auch nicht. Und wenn ein ALG II-Empfänger in Köln-Kalk drei Kinder in die Welt setzt, dann ist es sehr gewagt anzunehmen, diese Kinder würden einem später mal die Rente bezahlen. Viel wahrscheinlicher ist, daß diese später auch Problemfälle sind - daran würde ein Familienwahlrecht realistischerweise nichts ändern. Es kommt eben nicht nur darauf an, wieviel Nachwuchs es gibt, sondern auch darauf, wer ihn bekommt. Aber das will ich hier nicht vertiefen.
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Johannes Resch
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Samstag, 05. September 2009 - 11:42 Uhr:   

@Wahlticker
Wenn die Interessen der Kinder berücksichtigt werden sollen, dann sollten sie bei Wahlen auch voll gezählt werden. Dass niemand die Kinderinteressen besser vertreten kann als deren Eltern, sollte eigentlich Konsens sein. Wer denn sonst? Etwa vom Staat angestellte Bürokraten?

@ Thomas Frings
Das ist doch etwas differenzierter zu sehen: Wer schon als Kinderloser Hartz IV bezieht, stellt sich tatsächlich nicht schlecher, wenn ein Kind dazu kommt, weil es bei Hartz IV berücksichtigt wird. Aber das sind wenige Fälle.
Viel häufiger ist es, dass Eltern erst wegen ihrer Kinder zu Hartz IV-Empfängern werden, weil sie wegen ihrer Kinder weniger erwerbstätig sein können aber gleichzeitig mehr Geld benötigen. So ist es auch z. B. für Alleinerziehende kleiner Kinder für die Kinder weit besser, wenn der Elternteil weniger oder nicht erwerbstätig ist. Warum sollen deren Kinder später weniger leistungsfähig sein? Das ist eine überhebliche Behauptung, die von der Erfahrung nicht bestätigt wird. Oft leisten Kinder armer Eltern später viel mehr als manche Akademiker-Kinder. Auch viele alleinerziehende Hartz IV-Empfänger nutzen der Gesellschaft mehr als mancher vollerwerbstätige Kinderlose, der vor allem für sich selbst arbeitet und sich im Alter von den heutigen Kindern alimentieren lässt.
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Korinthenk.
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Samstag, 05. September 2009 - 13:29 Uhr:   

@ Johannes Resch:

Die Interessen jedenfalls der Kinder, die in ostdeutschen Kühltruhen (und Geranienkästen?) landeten, wären von "vom Staat angestellten Bürokraten" besser vertreten worden.

Aber zum Wahlrecht. Deine Argumentation geht am Kern des Problems vorbei. Bei Wahlen geht es nur mittelbar um Interessen des jeweiligen Wählers. Unmittelbar geht es um die Bestellung von Abgeordneten. Und derjenige, der die Stimme abgibt, lässt sich von einer politischen Wertung leiten, die eine Vielzahl von Interessen berücksichtigt. Dabei geht es beileibe nicht nur um Interessen von Kindern, sondern auch ganz andere Interessen, die mit dem Gegensatzpaar Kind - Erwachsener nichts zu tun haben, sondern manchmal quer dazu liegen. Die Interessen des Kindes müssen daher ganz und gar nicht mit denen der Eltern übereinstimmen. Und dass die Eltern, wenn sie denn doppelt abstimmen - worauf dein Modell hinausläuft -, gespalten abstimmen ist eine fromme Hoffnung deinerseits, jedoch völlig illusorisch.
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Good Entity
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 06. September 2009 - 13:58 Uhr:   

@Johannes Resch: Wenn die Interessen der Kinder berücksichtigt werden sollen, dann sollten sie bei Wahlen auch voll gezählt werden.

Auch Demenzkranke (Alzheimerpatienten im fortgeschrittenen Stadium und andere) sind eine wichtige und zunehmend größer werdende Gruppe. Deren Interessen müssen ebenfalls dringend berücksichtigt werden, oder möchtest Du ein sozial verträgliches Frühableben, weil diese Menschen mit Deinen Worten Leute sind, die der Gesellschaft nicht nutzen und sich nur noch von anderen alimentieren lassen?

Sie sind zwar mitunter noch theoretisch wahlberechtigt, weil das niemanden kümmert, aber in ihrer breiten Masse können sie rein praktisch nicht mehr wählen. Ihre Interessen werden also nicht (hinreichend) vertreten. Wer soll also diese Stimmen bei der Wahl abgeben? Die Pfleger? Die Kinder? Nur die Kinder, die auch zahlen oder zahlen müssen? Die Pflegekassen, soweit diese die Kosten tragen? Das Rote Kreuz?
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Johannes Resch
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Montag, 14. September 2009 - 22:19 Uhr:   

@ Korinthenk.
Ich habe nie behauptet, dass die Interessen der Eltern immer zu 100 % mit denen der Kinder übereinstimmen. Aber fast immer liegen die Elterninteressen denen der Kinder näher als die Interessen der Kinderlosen, die beim geltenden Wahlrecht über das Schicksal der Kinder bestimmen.

Warum Eltern nicht unterschiedlich für ihre Kinder abstimmen können sollen, wenn sie unterschiedliche Auffassungen von den Interssen ihrer Kinder haben, erschließt sich mir nicht. Es gibt doch sicher auch heute Ehepaare und Partner, die unterschiedlich abstimmen.

@Good Entity
Siehe meine Anmerkung vom 27.8.2009 zu @mma
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mma
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Dienstag, 15. September 2009 - 14:22 Uhr:   

Wenn das Kinderwahlrecht eingeführt würde:

Was passiert eigentlich, wenn Eltern pubertierender Kinder Briefwahl für diese beantragen und die Kinder dann selbst ausfüllen wollen.
Es soll ja vorkommen, dass es dann Meinungsverschiedenheiten gibt.
Wer setzt sich durch? Der (körperlich) Stärkere?

Und vom wem stammt dann letztlich die tatsächlich abgegebene Stimme,
wer trägt ggf. Verantwortung dafür, eine bestimmte, vielleicht hochproblematische Partei gewählt zu haben?
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mma
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Dienstag, 15. September 2009 - 14:24 Uhr:   

("Alle Eltern haben das gemeinsame Interesse, dass die sozialrechtliche Benachteiligung durch Kinder wieder abgebaut wird.")
("Dass du Eltern kennst, die sich wünschen, zusammen mit ihren Kindern zu verarmen, glaube ich dir einfach nicht.")

Es gibt Eltern, die nicht auf Unterstützung durch den Staat angewiesen sind. Schon gewusst?
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Good Entity
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Dienstag, 15. September 2009 - 16:10 Uhr:   

@Johannes Resch: Ja, das hatte ich gelesen, Deine Antwort vom 27. August 2009 betraf Geisteskranke und Komapatienten, eine noch vergleichsweise überschaubare Gruppe.

Ich entnehme Deiner jetzigen Reaktion, dass dies auch für Demente gelten soll. Dir ist aber schon klar, dass bei unserer Bevölkerungssituation jedes Jahr annähernd genauso viele Menschen das Stadium der Demenz erreichen, wie solche, die ihren 18. Geburtstag feiern und somit volljährig werden? Dass über die Hälfte der User dieses Forums in (hoffentlich sehr ferner) Zukunft irgendwann einmal dement werden wird, ebenso wie auch mehr als die Hälfte der Mitglieder Deiner Partei und ja, auch Deiner Familie?

Es geht auch nicht, dass Du dementen Senioren mit nur amtlich bestelltem Betreuer (sprich: ohne Geld) in Deinem System kein (vertretenes) Wahlrecht zubilligst. Wenn schon, denn schon.

Die Zahl der daher von Dir zuzuweisenden Wählerstimmen beträgt bereits jetzt weit über eine Million und nimmt rasant zu. Wer soll das vertretungsweise Ankreuzen auf den Wahlzetteln also übernehmen dürfen?
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Jens Franzen
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 11. Oktober 2009 - 20:43 Uhr:   

Folgende Betrachtung könnte für diese Diskussion von Interesse sein: Ein 80 jähriger hat noch 5 bis 20 Jahre Lebenserwartung vor sich, er hat eine Stimme bei der Wahl. Ein 1 jähriges Kind hat noch eine Lebenserwartung von ca. 80 Jahren vor sich und hat keine Stimme bei der Wahl. Ich stimme weitestgehend der Meinung von Johannes Resch zu, dass die Wahl-Stimme der Sorgeberechtigten von Kindern bei der Wahl entsprechend der Anzahl ihrer Kinder mitgewichtet werden soll.
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Jens Franzen
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 11. Oktober 2009 - 21:03 Uhr:   

Es scheint mir zur Meinungsbildung sinnvoll, die Geschichte des Wahlrechts zu betrachten. Früher durften nur die Reichen wählen. Später durften auch die Frauen wählen. Noch später durften z.B. in den USA auch die Schwarzen wählen. Im Nachkriegs-(West)-Deutschland gab es genug Sorge alle mit Essen zu versorgen, neue Kriege zu verhindern usw. Ein stabiles prosperierendes Land sollte es werden, dies wurde bei der Erstellung des Grundgesetzes berücksichtigt. Bei der Fülle an Problemen, hätte wohl kaum jemand so stark in die Zukunft geblickt und gemeint, nun muss man ein in der Geschichte noch nicht dagewesenes Wahlsystem (im Deutschen Grundgesetz) einführen, bei dem Erziehungsberechtigte eine stärker gewichtete Stimmer erhalten, um ihre Kinder bei der Wahl zu vertreten. Ich bin aber überzeugt davon, das dies System dem bisherigen eindeutig überlegen ist. Ich bin auch recht zuversichtlich, dass es innerhalb der nächsten 100 oder 150 Jahre eingeführt wird. Unabhängig davon, was hier nun gerade diskutiert wird.

Hier nun noch eine Begründung, weshalb diese geänderte Wahlform heute wichtiger und nützlicher als damals ist, zu der Zeit als das Grundgesetz verfasst wurde. Früher mussten die Menschen viel mit ihrem Körper arbeiten. Auch bei schlechter Bildung konnte man so mit körperlicher Arbeit noch zu einem anständigen Einkommen kommen. Wurde ein Mensch in seiner Kindheit von den Eltern oder der Gesellschaft weniger gefördert, so konnte er trotzdem noch ein angemessenes Einkommen durch den Beruf erziehlen. Kinder die heute geboren werden, haben den Kern ihres Berufslebens in den Jahren 2030 bis 2080. Der Bedarf an körperlichen Arbeiten sinkt stark. Das Einkommen kann aber immens für den einzelnen mit einer guten theoretischen Ausbildung steigen. Die 13 Jahre Schulbildung bestimmen für 50 Jahre Arbeitszeit die Wertbringung für unsere Gesellschaft. Es ist im Intersse aller Menschen des Landes, das möglichst viele Kinder eine möglichst Gute Bildung erhalten. Die Wirtschaftskraft unseres Landes hängt extrem stark von dem Bildungserfolg der Kinder ab. Wenn man dies betrachtet, wird derzeit viel zu wenig Augenmerk auf dies Thema gelegt. Ursache ist vermutlich auch, dass eine gute Schulbildung meistens erst Jahrzehnte später der Volkswirtschaft zugute kommen, dies ist dann für eine Wiederwahl einer Partei nach einer 4-jährigen Legistlaturperiode nur sehr gering ausschlaggebend. Mit der zunehmenden Konzentration auf Berufe mit "theoretischer" Natur (das Denkergebnis ist das Arbeitsergebnis und bestimmt die erziehlte Wertschöpfung) wird die Bildung immer wichtiger, das wird in den nächsten Jahrzehnten immer deutlicher, deshalb wird auch das Thema höhere Gewichtung der Stimmen der Erziehungsberechtigten immer stärker in den Focus rücken.
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Good Entity
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Sonntag, 11. Oktober 2009 - 23:14 Uhr:   

Ein Wahlrecht, das von der noch verbliebenen Lebenserwartung abhängt?

Krass, auf was für Ideen man alles kommen kann. Wenn ich Dich, @Jens Frantzen, richtig verstehe, möchtest Du Rauchern, Zuckerkranken und Motorradfahrern gleich das Wahlrecht reduzieren. Behinderte haben eine geringere Lebenserwartung und sind "für die Wertbringung unserer Gesellschaft" ohnehin sinnlos, weg mit dem Wahlrecht. Frauen leben länger als Männer, bekommen also eine Zehntelstimme mehr, vor allem, wenn sie noch etwas jünger sind. Ossies haben eine etwas kürzere Lebenserwartung, also dann auch weniger Wahlrecht. Rentner braucht ohnehin keiner. Na denn.

Schwule und Lesben könnten ja vermehrt Aids kriegen, gleich mal Stimmabzug.

Die sind es ja wohl ohnehin, gegen die sich Johannes Resch und Du in Wirklichkeit wenden. Kinderlose Nutznießer der Gesellschaft, all diese Wowereits und Westerwelles. Weg mit ihrem Wahlrecht.

Möchtest Du wirklich ein Mehrklassenwahlrecht wie im 19. Jahrhundert, nützliche Menschen bekommen mehr Wahlrecht als unnütze? Nach Deiner Einstufung müssten ja Professoren und Lehrer Extrastimmen bekomme, denn die sorgen ja für die Bildungsexplosion unserer Kinder.
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Jens Franzen
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Montag, 12. Oktober 2009 - 20:24 Uhr:   

@Good Entity: Ich habe es anders geschrieben als von Dir verstanden. Geschrieben habe ich "dass die Wahl-Stimme der Sorgeberechtigten von Kindern bei der Wahl entsprechend der Anzahl ihrer Kinder mitgewichtet werden soll". Die Anzahl der Kinder soll also ausschlaggebend sein, nicht "ein Wahlrecht, das von der noch verbliebenen Lebenserwartung abhängt" wie von Dir geschrieben.

Hier mal genauer ausgeführt, wie dies aussehen sollte anhand von Beispielen:
1.) Alleinerziehende Mutter mit drei Kindern, alleinige Erziehungsberechtigte - Stimme wird vierfach gewertet
2.) Familie mit zwei Kindern - Stimme des Vaters zählt zweifach, Stimme der Mutter zählt zweifach
3.) Familie mit fünf Kindern - Stimme des Vaters zählt 3,5 fach, Stimme der Mutter zählt 3,5 fach

Genau so meine ich es.

Zwei Modelle des Wahlrechts werden in diesem Thema miteinander verglichen:
1.) Wahlrecht wie derzeit in Deutschland genutzt. Es sind beispielsweise 65 Mio wahlberechtigte und 15 Mio Minderjährige. Die Stimme jedes Wahlberechtigten repräsentiert somit etwa 80Mio/65Mio=1,23 Menschen, mann könnte sagen jeder Erwachsene kann gleich für 1/4 Kind mitwählen.
2.) Würden die Stimmen der Eltern anteilig entsprechend der Anzahl der Kinder gewichtet sähe es wie folgt aus: Jede Stimme eines Erwachsenen der (derzeit) keine minderjährigen Kinder hat repräsentiert 1 Menschen. Die Stimmen von Eltern minderjähriger Kinder repräsentieren 1,5 oder mehr Menschen.

Ob man nun das System gemäß 1.) besser findet oder das zu 2.) kann jeder selbst entscheiden.

Nochmal auf die Anmerkungen von Dir, @Good Entity, eingeganen. Meinst Du wirklich, die Befürwortung von 2.) wäre automatisch als Schwulen-/Lesbenfeindlich zu bewerten? Ich bin fest von 2.) als besseres Wahlsystem überzeugt und bin außerdem definitiv alles andere als Schwulen-/Lesbenfeindlich. Nach Deiner Logik dürfte das ja gar nicht möglich sein.
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Thomas Frings
Registriertes Mitglied
Veröffentlicht am Montag, 12. Oktober 2009 - 21:03 Uhr:   

@Jens Franzen
Die Begründung, warum das Familienwahlrecht heute sinnvoll sein und früher nicht, halte ich für falsch:

"Die 13 Jahre Schulbildung bestimmen für 50 Jahre Arbeitszeit die Wertbringung für unsere Gesellschaft. Es ist im Intersse aller Menschen des Landes, das möglichst viele Kinder eine möglichst Gute Bildung erhalten. Die Wirtschaftskraft unseres Landes hängt extrem stark von dem Bildungserfolg der Kinder ab. Wenn man dies betrachtet, wird derzeit viel zu wenig Augenmerk auf dies Thema gelegt. Ursache ist vermutlich auch, dass eine gute Schulbildung meistens erst Jahrzehnte später der Volkswirtschaft zugute kommen, dies ist dann für eine Wiederwahl einer Partei nach einer 4-jährigen Legistlaturperiode nur sehr gering ausschlaggebend. Mit der zunehmenden Konzentration auf Berufe mit "theoretischer" Natur (das Denkergebnis ist das Arbeitsergebnis und bestimmt die erziehlte Wertschöpfung) wird die Bildung immer wichtiger, das wird in den nächsten Jahrzehnten immer deutlicher, deshalb wird auch das Thema höhere Gewichtung der Stimmen der Erziehungsberechtigten immer stärker in den Focus rücken."
1. wird die Schulzeit nicht immer wichtiger, sondern im Gegenteil immer unwichtiger. Da formal höhere Bildungsabschlüsse inzwischen recht inflationär vergeben werden, nimmt ihre Bedeutung ab. Ein Abitur heute ist viel weniger wert als ein Abitur vor 50 Jahren. Außerdem wird Schulwissen immer unwichtiger, je schneller sich die Welt ändert.
2. Daraus folgt, daß die Schulbildung mitnichten die nächsten 50 Jahre des Lebens determiniert, sie ist nur ein (wenn auch sicher nicht unwichtiger) Faktor unter vielen.
3. Bildung wird mehr denn je erst nach der Volljährigkeit erworben.
4. Es ist starken modischen Schwankungen unterworfen, was als gute Bildung und Erziehung verstanden wird, Konsens gibt es da ohnehin nicht. Wie das Kind in 20 oder 30 Jahren im Nachhinein seine Schulzeit bewertet und wie es sie gerne gehabt hätte, wissen Eltern genauso wenig wie Politiker.
5. ist Bildung und Bildungserfolg eben nicht etwas, was man staatlicherseits einfach zuteilen könnte. Sie setzt vor allem Einsatz und Begabung des Lernenden voraus, Letzters ist aber vom Staat gar nicht beeinflußbar, wenn man mal totalitäre Methoden (wie Zwangssterilisation Minderbegabter) ausschließt, ersteres nur begrenzt.
6. Bildung findet zu einem großen Teil außerhalb von staatlichen oder staatlich unterstütztem Institutionen wie Schulen und Universitäten statt. Ein Computerfreak, der Informatik studiert, hat z.B. bestenfalls einen sehr kleinen Teil seines Vorwissens an der Schule erworben.
7. Das Wahlverhalten wird immer kurzfristiger festgelegt, da bilden Eltern gar keine Ausnahme. Von daher ist es gar nicht möglich, über das Elternwahlrecht eine langfristige Perspektive ins Wahlrecht zu bringen.
8. Bildung ist Ländersache, daher kann man bei Bundestagswahlen in der Hinsicht praktisch nichts erreichen.
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Ratinger Linke
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Montag, 12. Oktober 2009 - 21:09 Uhr:   

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Johannes Resch
Unregistrierter Gast
Veröffentlicht am Dienstag, 13. Oktober 2009 - 11:42 Uhr:   

@ mma vom 15.9
Gegenfrage: Was passiert, wenn Eheleute Briefwahl machen und es Meinungsverschiedenheiten gibt? Wer setzt sich durch? Der (oder die) körperlich Stärkere?

@mma vom 15.9.
Es geht gar nicht um die Unterstützung von Eltern, sondern um ihre Gleichberechtigung.

@Good Entity vom 11.10.
Wenn das Eintreten für die Interessen von Kindern zur "Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit" erklärt wird, ist das nur diffamierend.
Viele Schwule und Lesben haben selbst Kinder (z. B. aus früheren Ehen). Dann sollten sie natürlich auch die Wahlstimme für diese Kinder wahrnehmen wie andere Eltern auch. Was ist daran schwulen- oder lesbenfeindlich?
Es geht auch nicht um die Einführung eines Mehrklassenwahlrechts, sondern um die Abschaffung eines Wahlrechts, bei dem Familien nur zur Hälfte Wahlberechtigt sind.

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