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Wahlrecht.de Forum » Familien-, Jugend- und Ausländerwahlrecht » Familienwahlrecht - Sollen Eltern für ihre Kinder wählen können? » 151-175 « Zurück Weiter »

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Senf aus Österreich
Veröffentlicht am Montag, 29. August 2005 - 00:48 Uhr:   

Man merkt, dass hier fähige Akademiker sprechen. Die Argumente gegen Familienwahlrecht sind gut, aber tlw. an der Realität vorbei. Nicht die rechtlichen Argumente. die stimmig und einsichtig sind. Deshalb bin ich auch nach Lesen dieses Threads noch mehr gegen ein Familienwahlrecht eingestellt als zuvor. Aber das Familienbild, das hier dargestellt wird existiert halt nur in spezillen sozialen Gruppen und ist nicht repräsentativ. Gewisse teile der "erfolgreichen" 30-50 Jährigen hätten tatsächlich mehr Einfluss. Dies würde ich auch gar nicht für so negativ halten. Sind schließlich auch die Leistungsträger einer Gesellschaft.
Fakt ist es existiert auch eine Gruppe von 20-40 jährigen aus "ärmeren" Verhältnissen, die im Unterschied zu den gut Ausgebildeten früher und mehr Kinder bekommen. Soweit mir bekannt ist, stellen Kinder eine der größten Gruppen von Sozialehilfempfanängern bzw. Hartz-IV-Empfängern im dt. Lande dar. Auch Alleinerziehende, darunter viele schlecht verdienende Frauen, sollten nich vergessen werden. Die von mir genannten Gruppen würden natürlich auch von einem Familienwahlrecht profitieren. Ob die von euch genannten Personenkreise oder die von mir größer in Dt. sind, weiß ich nicht.
Auf alle Fälle sollte die Umverteilung politischen Einflusses im Falle der Einführung eines Familienwahlrechts nicht so einseitig dargestellt werden.
Und wie bereits geschrieben: es gibt genügend andere Gründe dieses abzulehnen.
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Philipp Wälchli
Veröffentlicht am Montag, 29. August 2005 - 09:49 Uhr:   

Nun ja, über die genauen Zahlen, wer vom sog. "Familienwahlrecht" profitieren würde, lässt sich gewiss streiten. Meine Ausgangsfrage zielt aber auf etwas anderes, nämlich darauf, die Grundargumentation zu demontieren, die sich etwa folgendermassen darstellen lässt:
Kinder haben kein Wahlrecht, also sind ihre Interessen nicht vertreten. Wenn die Eltern für ihre Kinder mitwählen dürfen, dann sind die Interessen der Kinder vertreten und werden politisch auch berücksichtigt.
Nun weise ich aber darauf hin, dass ja heute schon Eltern einen wesentlichen Faktor des Elektorats und der aktiven Entscheidungsträger darstellen, dennoch behaupten ja die "Familienwahlrechtler", dass die Kinderinteressen ungenügend vertreten seien. Wie soll man also die heutige Situation anders erklären als damit, dass eben diese vielgepriesenen Eltern heute schon die Interessen ihrer Kinder vernachlässigen? Was würde denn für die Kinder besser, wenn eben die Schicht, die ihre Interessen vernachlässigt, ein Pluralstimmrecht bekäme? Die Situation würde sich doch wohl eher verschlechtern.

Im übrigen wurde schon früher darüber diskutiert, wie es mit verschiedenen "unorthodoxen" Familienmodellen in der Praxis stehen würde, derer etwa sind: Alleinerziehende, Stimmrechte von Vollwaisen (Jugendamt? Amtsvormund? Heimleitung?), Kinder mit ausländischem Elternteil, die aber selbst deutsche Staatsbürger sind, Kinder minderjähriger Eltern, Patchwork-Familien usw. usf.
Bisher wurde von den Befürwortern des sog. "Familienwahlrechts" stets nur beteuert, dass das alles in der Praxis irgendwie schon zu lösen sei und gar nicht so häufig vorkommen und nur mit bösem Willen als Gegenargument aufgebauscht werde.
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MMA
Veröffentlicht am Montag, 29. August 2005 - 10:37 Uhr:   

Auswirkungen, ein Beispiel:
In dem Wahlkreis eines Abgeordneten liegen zwei genau gleich große Gemeinden, das aufstrebende A-Stadt mit viel Zuzug und Neubaugebieten, also vielen Kindern einerseits;
das strukturschwache B-Stadt mit Abwanderung und Überalterung anderereits.
Beide möchten z. B., dass sich der Abgeordente für ihr Umgehungsstraßen-Projekt stark macht.

Nach dem bewährten international üblichen Wahlsystem fällt die Bevölkerung aus B-Stadt stärker ins Gewicht, denn sie hat einen kleineren Anteil an Kindern und Jugendlichen, also einen größeren Anteil Wahlberechtigter.
Bei Einführung eines Kinderwahlrechts wären die A-Städter für den Abgeordneten wichtiger, da sie zusätzliche Stimmen "für ihre Kinder" abgeben.

Polemisch zugespitzt: Den Reichen wird's gegeben, den Armen wird's genommen.
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Senf aus Österreich
Veröffentlicht am Montag, 29. August 2005 - 11:21 Uhr:   

Ihr habt doch in Dt. die Möglichkeit zur "doppelte Staatsbürgerschaft" für Einwandererkinder. Das würde im Falle des Familienwahlrechts zu einigen Komplikationen führen, sofern die Eltern selbst eigentlich nicht wahlberechtigt sind. Als ich letzte Woche in Frankfurt, dann in Stuttgart und dann in München. Viele der Kinder und Jugendlichen, vielleicht die meisten, die ich gesehen habe, waren Einwandererkinder.
Da ich für ein Inkasso-Unternehmen arbeite, kann man sich vorstellen, dass ich vor allem strukturschwache Wohngegenden besuchen muss. Ich habe nicht den Eindruck, dass diese in Großstädten durch überalterte Bevölkerung gepräght sind. Eher im Gegenteil. Natürlich wird das wohl z.B. in den ostdeutschen Klein- und Mittelstädten anders sein. Und ganz anders verhält es sich im Grenzgebiet zu Österreich, wo strukturschwache, mietgünstige Gegenden einen Zuzugsboom erleben, weil viele Deutsche anfangen sich jetzt in Österreich nach Arbeit oder Studienplatz umzusehen.
Ich lehne also immer noch generelle Verallgemeinerung der Folgen der Einführung eines Familienwahlrechts ab. MMA's Argumentation klingt zwar einleuchtend, kann aber nicht allgemeingültig oder auch nur etwa repärsentativ sein. Philipps Argumentation hat da schon mehr. Allerdings geht er eindeutig von Kindern mit dt. Eltern aus und unterschlägt sozusagen die relativ große Gruppe von Einwanderernkinder, deren Eltern kein Teil des Elektorats sind. Allerdings m ein Haupteinwand gegn philipp ist, dass das bisherige Elektorat nicht die Interessen der Kinder vernachlässigt, sondern im Gegenteil zu sehr vertritt. Darüber lässt sich natürlich streiten. Aber sofern man meine Annahme zugrunde legt, führt ein Familienwahlrecht, tatsächlich zu noch mehr Interessenswahrnehmung für Kinder und die Befürworter hätten ein Argument mehr. Nun sehe ich dies aber als ein Hauptproblem des Familienwahlrechts, da für mich der Staat kein Kindergarten oder Erziehungsanstalt sein sollte. Die eurpäischen Staaten haben genügend Dinge zu erledigen, die ihnen weder ihre Bürger noch ihre Wirtschaft abnehmen können. Eltern sollten selber ihre Kinder versorgen und erziehen und nicht permanent vom Allgemeinwesen sich ihrer eigenen Aufgaben entledigen lassen. Der Staats stellt Schulen aus vernünftigen Eigennutz zur Verfügung, was an leistung darüber hinausgeht für Kinder kann zur Zumutung für die restliche gesellschaft werden.
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MMA
Veröffentlicht am Montag, 29. August 2005 - 11:54 Uhr:   

@Senf
Der Hinweise auf die strukturschwachen und doch kinderreichen Gebiete in Großstädten ist richtig, andererseits handelt es sich hier aber um nicht um selbständige Gemeinden, oft nicht einmal um einheitlich so geprägte Bezirke oder Wahlkreise, sodass die Möglichkeit, örtliche Probleme als Anliegen der gesamten Bürgerschaft des betr. Gebiets zu popularisieren, nicht so stark sein dürfte wie bei Gemeinden.

Der Hinweise auf die nichtdeutschen Kinder und die befristete Doppel-Staatsangehörigkeit ist richtig, hier kommt man aber wohl schnell in die Ausländerwahlrecht-Debatte, die von dem strukturellen Unsinn eines Kinderwahlrechts eher ablenkt.

Natürlich sind bei einer Debatte über das mögliche Wahlverhalten von Eltern mit Zusatzstimmen viele Klischees im Spiel, das Ganze ist ja auch eine ziemlich spekulative Angelegenheit ohne jedes ausländische oder historische Vorbild. Letztlich geht es wohl auch weniger darum, die Auswirkungen zu auszumalen, die eine stärkere Gewichtung "typischer Eltern" hätte, sondern darzulegen, dass die von den Kinderwahlrechts-Befürwortern behaupteten Effekte (mehr Rücksicht auf Kinder, mehr Reflektion über nachfolgende Generationen etc.) nicht einträten bzw. von anderen überlagert würden.
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Philipp Wälchli
Veröffentlicht am Montag, 29. August 2005 - 19:21 Uhr:   

Zumal immer noch unerklärt bleibt, welche Interessen die Kinder denn hätten, die heute zuwenig berücksichtigt würden und die durch ihre Eltern mittels Pluralwahlrecht deutlich besser vertreten werden könnten. Bisher war stets nur pauschal davon die Rede, dass es undemokratisch sei, die Kinder aus dem politischen Prozess auszuschliessen, dass es zudem ungerecht sei u. dgl.
Streng genommen hat das eine nichts mit dem andern zu tun: Dass jemand nicht am politischen Prozess teilnehmen kann, mag aus sich heraus undemokratisch oder ungerecht sein, braucht aber nicht zu bedeuten, dass dessen Interessen nicht wahrgenommen würden. Die Interessen reicher Ausländer z. B. werden sehr wohl wahrgenommen, obwohl sie als Ausländer, oft sogar noch nicht einmal mit inländischem Wohnsitz, gar kein politisches Recht in Deutschland haben können.

Im übrigen gäbe es auch Möglichkeiten, Kinderinteressen auszuloten und in den politischen Prozess einzubringen, ohne das dubiose "Familienwahlrecht" bemühen zu müssen. So sind etwa in manchen Ländern Kinder- und Jugendparlamente (die auch über kleine Haushalte und Antragsrechte bei den politischen Behörden verfügen können) eine Selbstverständlichkeit, ferner Jugendbeauftragte, Kinderkommissionen u. dgl., die einerseits die Interessen von Kindern und Jugendlichen zu erheben haben, die diese selbst oft nicht einmal zu formulieren vermögen, und diese anderseits auch den politischen Behörden gegenüber zu vertreten haben usw. usf.
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Good Entity
Veröffentlicht am Donnerstag, 01. September 2005 - 21:09 Uhr:   

Nochmals zurück zu dem Personenkreis, der von einer von der Familienpartei gewünschten Wahlrechtsreform profitiert.

Das Durchschnittsalter der Mütter bei der Geburt ihres Kindes in einem deutschen Krankenhaus liegt laut tel. Auskunft bei 27,3 Jahren. Das war "früher" auch schon so, nur war das damals zB das vierte von sieben Kindern und nicht wie heute das einzige Kind oder der Durchschnitt von zwei Geburten mit 25 und 30. Mangels medizinischer Relevanz wird weder das Alter des mutmaßlichen Vaters noch die Wahlberechtigung der Mutter erfasst (ob sie zB einen deutschen Pass hat). Nehmen wir also den statistischen Wert, wonach bei Lebensabschnittspartnerschaften incl. Ehen ein männlicher Partner im Schnitt etwa 3 Jahre älter als ein weiblicher Partner ist und mutmaßen wir außerdem, dass die meisten Väter schon diese männlichen Partner sind oder dass von sich zumindest glauben. Also Elternzeit in Deutschland im Schnitt im Alter von 29 bis 47 Jahren.

Da es Mehrkinderpartnerschaften in statistisch relevanter Zahl tatsächlich gibt, nimmt die Zahl der Kinder dort im Laufe der Elternzeit zu und dann gegen Ende wieder ab, wenn die Kinder nacheinander ihr 18. Lebensjahr beenden.

Fazit: Maximalen Nutzen von einem Elternwahlrecht haben die Jahrgänge mit einem Alter zwischen 38 und 42 (aus allen sozialen Schichten, verheiratet, geschieden, verwitwet, ledig): Dann sind fast alle Kinder geboren, diese aber noch nicht 18. Zu den jüngeren und den älteren Jahrgängen hin fällt das dann gleichmäßig ab. Soviel zur akademischen Argumentation.

Mehr fürs Feuilleton: Bis ins höhere Alter Extrastimmen haben noch Dieter Bohlen, Franz Beckenbauer und Gerhard Schröder (als Adoptivvater, die gibts ja auch). Alles Männer übrigens, eine klare Ungerechtigkeit.
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Justus Bender
Veröffentlicht am Freitag, 09. September 2005 - 11:03 Uhr:   

Mal was ganz anderes: Was passiert, wenn ich per Briefwahl
wähle und
am darauffolgende Tag versterbe. Wird meine Stimme dann
gezählt?
Dürfen Tote wählen?
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J.A.L.
Veröffentlicht am Freitag, 09. September 2005 - 11:11 Uhr:   

Ja, denn wie soll man die Stimmen wieder aussortieren? Wenn du nicht per Briefwahl gewählt hättest und leider am Vortag der Wahl verstorben wärst, dann würdest du ja auch immer noch im Wählerverzeichnis stehen und am Ende als Nichtwähler in die Statistik eingehen.
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Philipp Wälchli
Veröffentlicht am Freitag, 09. September 2005 - 11:58 Uhr:   

"Dürfen Tote wählen?" ist wieder eines dieser populistisch zugespitzten Schlagworte, die an der Sache voll vorbeigehen. Wer hat denn im beschriebenen Fall gewählt? Ein Toter? Nein, es war ja ein Lebender, der gewählt hat, der dann aber das Pech hatte, kurz vor dem "Wahltag" zu sterben. Auch der umgekehrte Fall ist denkbar, dass nämlich ein Kandidat zwischen der Aufstellung der Kandidaturen bzw. Listen und dem Wahlakt stirbt. Auch ein schon Gewählter kann vor Amtsantritt sterben. Dafür gibt es in den Wahlgesetzen weltweit in aller Regel bestimmte Vorschriften, die die Übertragung solcher Stimmen auf einen Ersatzkandidaten, die Liste des Verstorbenen o. dgl. oder aber eine Ersatzwahl vorsehen.
Tja, so ist das Leben nun einmal. Menschen sind sterblich und haben es nicht in ihrer Hand zu bestimmen, an welchem Tag sie sterben. Damit muss man sich irgendwie einrichten, auch bei Wahlen.
Man kann nun argumentieren, dass die Stimme eines unmittelbar vor dem Wahltag Verstorbenen während der ganzen kommenden Wahlperiode Einfluss ausübt, obwohl der Tote davon nichts mehr hat. Allerdings gilt das auch für die Stimmen von Leuten, die unmittelbar nach dem Wahltag sterben bzw. zwischen Wahl und Amtsantritt. Auch Leute, die gewählt haben und vor der Mitte der Legislatur sterben, haben nicht mehr viel von dieser, sie aber mit ihrer Stimme ganz beeinflusst.
Das mag eine Ungerechtigkeit gegenüber denen sein, die die ganze Zeit erleben oder die am Wahltag noch nicht wahlberechtigt waren und es inzwischen wurden - es ist in jedem Fall eine KLEINE Ungerechtigkeit und eine, wie man sie überall im Leben in Kauf nehmen muss, weil das Leben nicht perfekt ist, die Welt nicht perfekt ist und die Menschen schon gar nicht.
Immerhin: Tote können keine Stimme abgeben, nur Lebende können es. Daher ist die eingangs zitierte Formulierung so süffig wie verfehlt.
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Holger König
Veröffentlicht am Sonntag, 11. September 2005 - 21:48 Uhr:   

Ein Stellvertreterwahlrecht ist Blödsinn. Im Grenzfall wählt z.B. der Vater für seinen Sohn die CDU, welche Truppen in den Irak schikcen möchte, während der Sohn gegen Kriegs- und andere Zwangsdienste demonstriert.
Sinnvoller ist es, das aktive Wahlalter auf zumindest 14 Jahre, weil da auch die Strafmündigkeit beginnt und die eingeschränkte Geschäftsfähigkeit in höherem Maße als ab dem 7 Lebensjahr einsetzt, zu senken (das passive Wahlalter sollte bei 18 Jahren bleiben). Ggf. könnte in einem 2. Schritt das Wahlalter sogar auf 10-12 Jahre abgesenkt werden. Dazu müßten aber noch Gruppensoziologische Untersuchungen stattfinden.
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Gerd
Veröffentlicht am Montag, 12. September 2005 - 09:54 Uhr:   

Nur zur Klarstellung: Die CDU will nicht und wollte nie Truppen in den Irak schicken.
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Angelo
Veröffentlicht am Donnerstag, 15. September 2005 - 09:44 Uhr:   

@Gerd "Nur zur Klarstellung: Die CDU will nicht und wollte nie Truppen in den Irak schicken. "

Auch dass wird noch geschehen! Siehe Nato Emtscheidungen der Truppeneinsätze.

Ps: ich weiß, gehört nicht ganz hierher, aber es hieß mal, daß von dt. Boden nie wieder Krieg ...; sollten wir uns da nicht schon wegen unserer hochtechnischen Waffenexporte schämen?! ...
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thoreau
Veröffentlicht am Freitag, 16. September 2005 - 14:16 Uhr:   

Ich wollte sehr gerne nochmal darauf zurückkommen, ob die Briefwahlstimme eines mittlerweile verstorbenen tatsächlich gezählt wird! Ich habe nämlich auch Stimmen gehört, die dies verneinen. Hat jemand hierzu eine verlässliche Quelle? Wäre sehr dankbar dafür!
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MMA
Veröffentlicht am Freitag, 16. September 2005 - 14:36 Uhr:   

@thoreau

Du kannst ja mal im BWahlG oder der BWahlO, die hier auf der Startseite verlinkt sind, nachgucken.

Es kann aber eigentlich nicht anders sein, als dass die Briefwahlstimmen der Verstorbenen gezählt werden. Die Wahlbriefe kommen vollständig beim Wahlamt an, die Stimmzettel werden in die Urnen gegeben, wie sollte in den Vorgang eingegriffen werden? Dazu müssten ja die Einwohnermeldeämter nochmal bekanntgegeben, wer in der letzten Zeit gestorben ist und die Wahlhelfer müssten bei jedem eingehenden Wahlbrief kontrollieren, ob die Person auf der Verstorbenen-Liste steht.

Und wenn jemand wählen geht und beim Verlassen des Wahllokals totgefahren wird, wird die Stimme ja auch nicht wieder einkassiert.
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Wilko Zicht
Veröffentlicht am Freitag, 16. September 2005 - 18:07 Uhr:   

§ 39 Abs. 5 Bundeswahlgesetz

"Die Stimmen eines Wählers, der an der Briefwahl teilgenommen hat, werden nicht dadurch ungültig, daß er vor dem oder am Wahltage stirbt oder sein Wahlrecht nach § 13 verliert."
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Thoreau
Veröffentlicht am Sonntag, 18. September 2005 - 10:48 Uhr:   

Vielen Dank! Tolles Forum hier!!!
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Carla
Veröffentlicht am Dienstag, 27. September 2005 - 17:21 Uhr:   

Das Pluralwahlrecht hatten wir doch früher (Ständewahlrecht), und es ist eine der größten Leistungen der Gesellschaft, es überwunden zu haben. Nur dadurch wurde Demokratie möglich. "One man, one vote" so zu interpretieren, dass Eltern sich des Stimmrechts ihrer Kinder bemächtigen dürfen, ist unredlich. An dem Tag, an dem mir ein acht Monate altes Kind aus freien Stücken erklärt, er wünsche, dass seine Eltern an seiner Stelle wählen, gebe ich jeden Widerstand auf! Nicht die Kinder dürfen beim Stellvertreterwahlrecht wählen, sondern ihre Eltern, die schon bisher nichts Gescheites mit ihren eigenen Stimmen angefangen haben. Würden alle Eltern verantwortlich und zukunftsorientiert wählen, sähe unsere politische Landschaft anders aus. Im Übrigen führt die Diskussion über das Familienwahlrecht sehr viel weiter, als den Meisten bewußt ist - denn was ist mit den Demenzkranken in den Heimen? Für die darf dann wohl "Schwester Oberin" wählen, womit das mannigfache Handführen in den Heimen nachträglich sanktioniert würde. Man mag´s nicht glauben, aber solche Überlegungen gibt es bereits, dann würde das Ganze nicht mehr Familienwahlrecht heißen, sondern "Sorgewahlrecht". Wehret den Anfängen!
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Christian Schildt
Veröffentlicht am Dienstag, 27. September 2005 - 17:31 Uhr:   

Zum Beitrag von rijukan2 ist zu sagen, dass das Stellvertreterwahlrecht in England mit dem angestrebten Stellvertreterwahlrecht für Familien deshalb nicht zu vergleichen ist, weil hier der Wahlberechtigte selbst freiwillig einen Vertreter beauftragt. Es ist auch nicht dasselbe, ob Eltern für ihr Kind das Vermögen verwalten, oder ob sie für das Kind wählen - im ersten Fall handelt es sich um eine Privatsache, deren Folgen nur das Kind trifft, im anderen Fall wird Einfluss auf alle Bürger genommen.
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familienmanagerin doris
Veröffentlicht am Montag, 10. Oktober 2005 - 17:20 Uhr:   

wir tretten für ein familienwahlrecht ein weil es ja nicht gerecht sein kann, daß 20 % der bevölkerung von der wahl ausgeschlossen ist nur weil sie nicht alt genug ist. mein sohn mit seinen 12 jahren weiß besser über politik bescheid als meine 80 jährige tante . es würde aber kein mensch auf die idee kommen meiner 80 jährigen tante das wahlrecht abzusprechen mein sohn der gut informiert ist darf aber nicht wählen, dies kann ja nicht gerecht sein. außerdem hat mein kinderloser schwager und seine frau zwei stimmen genau wie ich mit meinen mann und meinen kindern. ich trage zum weiderbestand der welt durch die erziehung meiner kinder bei und möchte deshalb auch mehr gewicht in der bestimmung der politik haben. deshalb werde ich für ein wahlrecht ab geburt eintretten es erscheint mir als der gerechteste weg.
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Senf aus Österreich
Veröffentlicht am Montag, 10. Oktober 2005 - 18:01 Uhr:   

Auch Lehrer erziehen Kinder mit - kriegen die 1,5faches Stimmgewicht oder gar 25faches - für jedes Kind in der Klasse eine Stimme.
Auch wenn Eltern für ihre Kinder wählen dürften würden immer noch dieselben 20% der Bevölkerung nicht wählen (wie kommt man in Dt. eigfentlich auf 20%?).
Auch viele Ausländer wissen über Politik besser bescheid als die Tante - dürfen trotzdem nicht wählen, selbst wenn sie sogar erwachsen sind (ist ja meist auch richtig so - sinnvolle Ausnahme EU-Bürger auf bestimmten Ebenen).
Außerdem ist es ein Widerspruch zu beahupten man wolle mehr Stimmgewicht weil man Kinder hat (also für diese "stellvertretend" wählen will) und zugleich ein Wahlrecht ab Geburt fordert. Entweder wählen Eltern mehrfach oder ihr Kind.
Kinder garantieren auch nicht den weiderbestand der welt, sondern einen verhältnissmäßig kurzfristigen Weiterbestand der Menschheit. Das sollte aber kein Grund sein Kinder zu haben. Die sind ja schließlich kein Mittel zum Zweck sondern eigenständige Wesen und zu einem gewissen Grad selbständig entscheidungsfähig, was aber natürlich bei Kleinkindern noch nicht zum pol. wählen reicht.

Familienmanager scheinen keine kinderfreundlichen Menschen zu sein. Allein schon diese Bezeichnung entlarvt das Denken, das Menschen und ihre Verbände zu einem Mittel zum Zweck reduziert.

Bin zwar "Schuldeneintreiber" - aber immer noch familienfreundlicher als solche Wesen.
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Wahlalter Null
Veröffentlicht am Dienstag, 11. Oktober 2005 - 08:41 Uhr:   

Wieso sollen eigentlich vor einer Wahlaltersenkung "Gruppensoziologische Untersuchungen stattfinden" stattfinden?

Entweder ist es ungerecht, da bestimmte Menschen vom Wahlrecht ausgeschlossen sind oder nicht.

Wird diese Frage bejaht, ist die einfachste Lösung, diesen Menschen das Wählen zu ermöglichen. Also Wahlalter Null.

Das heißt ja nicht, das jedes Baby gleich ein Kreuz machen muß, sondern nur, wer selbst wählen will (das einzige Reifekriterium, welches ich bereit bin, zu akzeptieren), kann dies tun.

Familienwahlrecht hingegen bedeutet, eine Ungerechtigkeit mit einer anderen beheben zu wollen.

Und das Argument, das Kinder nicht reif wären, halte ich auch für falsch. Der Witz des "one man, one vote" ist ja gerade, das JedeR wählen darf, ohne irgendeine Reife beweisen zu müssen.

Ansonsten würde wohl einem Großteil der Bevölkerung das Wahlrecht aberkannt werden. Und da ist die Frage: Wer entscheidet darüber und kann das völlig ohne Eigeninteresse geschehen?

Das Frauenwahlrecht war einmal genauso wenig selbstverständlich wie ein Kinderwahlrecht heute. Aber die Demokratie hat sich entwickelt und ich bezweifele, das Demokratisierung ein Prozeß mit einem Endpunkt ist.
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Philipp Wälchli
Veröffentlicht am Dienstag, 11. Oktober 2005 - 09:38 Uhr:   

Wenn man die Argumente so liest, dann hat man hin und wieder den Eindruck, man sollte manche Leute mal kräftig tretten, um für den weiderbestand der Vernunft zu sorgen. Vielleicht könnte man auch das Wahlrecht von einem bestandenen Test in deutscher Sprache abhängig machen?
Dann wäre erstens garantiert, dass nur Leute wählen, die wenigstens die Wahlzettel lesen können, und zweitens könnte man dann auch gleich das Problem des Ausländerstimmrechts lösen: Wer den Deutschtest besteht, kann auch wählen.

Zum Thema Ungerechtigkeit möchte ich nur noch folgende Bemerkung anbringen:
Dass jemand nicht wählen kann, ist an sich keine Ungerechtigkeit. Es geht ja nicht darum, eine Weltregierung zu wählen, sondern konkret um Wahlen in Deutschland. Und von diesen ist nun einmal der grösste Teil der Menschheit ausgeschlossen. Wenn man die Optik nur auf deutsches Territorium verengt, sind auch da eine Menge Leute ausgeschlossen: Geisteskranke, Strafgefangene, Ausländer, Leute auf der Flucht bzw. ohne regulären Wohnsitz und Kinder unter einem bestimmten Alter.
Es ist also nicht so, dass der Ausschluss von Kindern an sich schon eine schreiende Ungerechtigkeit darstellt. Und die Kriterien für den Ausschluss sind nicht diskriminierend, unfair oder willkürlich, sondern folgen einer sachlichen Logik.
Wenn nun jemand kommt und im Paarvergleich "Ungerechtigkeiten" feststellt, dann lassen sich diese wohl kaum sachlich begründen: Wenn Bruder A Kinder hat und Bruder B keine, dann bedeutet das nicht, dass A wegen seiner Kinder mehr Mensch sei als B und deshalb Anspruch auf höheres Stimmgewicht haben müsse. Wenn dem so wäre, dann müsste man die Menschen ohnehin nach ihrem "Wert" klassieren und abgestufte Stimmrechte einführen. Und das wäre dann automatisch nicht mehr eine Demokratie, sondern per definitionem eine Aristokratie. Aristokratien hatten wir bisher schon verschiedene: Amtsadel, Erbadel, Militäradel, Geldadel, Patriziertum usw., eine Elternaristokratie gab's allerdings noch nicht. Es dürfte wohl auch etwas schwierig werden, die grosse Mehrheit davon zu überzeugen, dass allein durch das Zeugen bzw. Gebären von Kindern ein Mensch gescheiter und verantwortungsbewusster oder anderswie "besser" werde als andere.
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Charlotta
Veröffentlicht am Mittwoch, 12. Oktober 2005 - 08:24 Uhr:   

@Wahlalter Null,

Ich möchte nicht, dass Kinder die gern mal "wählen spielen" würden, die Zukunft des Landes mitbestimmen dürfen. Dazu hat die Entscheidung zu große Auswirkungen.

Ich möchte auch nicht, dass Parteien vor der Grundschule Wahlkampf machen und Bonbnons verteilen.

Ich möchte nicht, dass im Fernsehen zwischen den Kindersendungen auf Kinder abzielende Wahlwerbung gemacht wird.

Und ich möchte, dass die Wähler der Bundestagswahl lesen und schreiben können. Sie sollten wissen, was der Bundestag ist. Sie sollten die Spitzenpolitiker der wichtigsten Parteien kennen. Sie sollten schon ein paar mal einen Artikel aus dem Politikteil der Zeitung gelesen haben. Und genug Textvertändnis haben um eine typische Politkerantwort auch verstehen zu können.
Ich weiß, es gibt auch über 18-Jährige die diese Voraussetzungen nicht erfüllen. Aber es wird doch nicht dadurch besser, dass wir die Anzahl der uninformierten Wähler erhöhen.
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tg
Veröffentlicht am Mittwoch, 12. Oktober 2005 - 11:02 Uhr:   

Wie haben wir denn als Kinder über die Parteien gedacht? Ich fand die FDP am besten. Blau und Gelb waren nämlich meine Lieblingsfarben. Wenn ich gedurft hätte, hätte ich sie genau aus diesem Grund gewählt!

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