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Elektronisches Auszählen

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Stefan (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Donnerstag, 04. Januar 2007 - 18:13 Uhr:   

Hallo!

An meiner Uni wird diskutiert, die Wahlen zu Senat etc. elektronisch auszählen zu lassen.
Das soll heißen: Die Stimmzettel werden eingescannt und per Computer ausgezählt.
Die verschiedenen Stimmzettel in der Wahlurne (Senatswahl Studierende, Senatswahl Profs,...) sollen per Barcode unterschieden werden, der auf den Stimmzettel gedruckt wird.
Das Ausfüllen des Stimmzettels durch die WählerInnen wird wie bisher auf Papier durchgeführt.
Ziel soll sein, Personal bei der Auszählung einzusparen.
Genauere Informationen wurden noch nicht bekanntgegeben.

Jetzt meine Frage: Gibt es Argumente gegen dieses Auszählverfahren?

Vielen Dank!
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Philipp Wälchli
Veröffentlicht am Donnerstag, 04. Januar 2007 - 23:42 Uhr:   

Naürlich gibt es irgendwelche Argumente dagegen, siehe nur die diversen Diskussionen zu elektronischer Stimmenzählung, Wahlautomaten usw.
Die Frage ist allerdings nicht die, ob es irgendwelche Argumente gibt, sondern ob es überzeugende, sachlich einleuchtende Argumente gibt.
Diese gibt es an und für sich nicht, aber es werden ganz gewiss Leute welche finden, die sie für solche Argumente ausgeben zu können meinen.
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Ulrich Wiesner
Veröffentlicht am Samstag, 06. Januar 2007 - 11:54 Uhr:   

Eine maschinelle Auszählung der Stimmen beschränkt die Öffentlichkeit des Auszählvorganges, weil es nicht mehr möglich ist, die Zählung mit den Augen nachzuvollziehen. Man muss also darauf vertrauen, dass die eingesetzten Geräte richtig zählen. Ob dieses erforderliche Vertrauen angemessen ist, hängt von der Art der Wahl ab und ist bei Gremienwahlen sicherlich anders zu bewerten als bei politischen Wahlen. Immerhin lässt sich das Ergebnis aber nachzählen, obwohl der Öffentlichkeit diese Möglichkeit in der Regel verwehrt bleibt.

In Deutschland kommt e-Counting, also elektronisches Auszählen, in einigen Gemeinden in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen bei Kommunalwahlen zum Einsatz. In Hessen z.B. ermöglicht dies §48a(8) der Kommunalwahlordnung, ohne dass das Kommunalwahlgesetz eine entsprechende Ermächtigung vorsieht.

In Italien hat es 2006 möglicherweise Manipulationen bei der elektronischen Auswertung von Stimmzetteln gegeben (N24, heise)

Sehr ausführlich wird die Möglichkeit von Manipulationen beim e-Counting im Dokumentarfilm Hacking Democracy diskutiert.
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Christian Schmidt (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Dienstag, 10. Juli 2007 - 16:33 Uhr:   

In Schottland wurde auch im Mai elektronisch gezählt, dabei hat die Software (teil-) versagt. Es dauerte mehrere Stunden bis die ersten Ergebnisse da waren, und bis zu den Lokawahlendergebnissen z.T. einen ganzen Tag. Da hätte man auch per Hand auszählen können.

Andererseits halte ich Ulrich Wiesner’s Argumente für falsch, bei der elektronischen ist, wenn einem das Ergebnis nicht passt, nachzählen von Hand ja sehr wohl möglich.

Und zu Philipp Wälchli Kommentar, elektronischer Stimmenzählung mit Wahlautomaten gleichzusetzen fällt mir ja nun nix mehr ein – das sind zwei ganz verschiedene Sachsen!
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Richard Seyfried
Veröffentlicht am Donnerstag, 12. Juli 2007 - 23:29 Uhr:   

Meiner Beobachtung nach sind vor allem 2 Dinge zu beachten:

1. Es ist zur Kontrolle der Geräte notwendig, nicht alles auf einmal von den Computern auszählen zu lassen, sondern immer nur eine bestimmte Zahl an Stimmzetteln. Einige dieser "Pakete" sollten als zufällige Stichprobe händisch nachgezählt werden. Ein Softwarefehler würde dabei auffallen.

2. Es muss sich um eindeutig auswertbare Stimmen handeln. Auf Systeme mit "Kreuzerl" trifft das zu, definitiv aber nicht auf Wahlen, wo von den Wählern etwa händisch Präferenzen durchnumeriert werden. Damit sind Computer völlig überfordert, einfach weil sie es nicht lesen können. In Schottland hat man übrigens genau das versucht. Das war ein zentraler Punkt, wo die Software völlig "versagt" hat, oder wofür sie eben aus der Sicht des Herstellers nie gedacht war.
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Christian Schmidt (Unregistrierter Gast)
Veröffentlicht am Dienstag, 24. Juli 2007 - 13:39 Uhr:   

Es sollte technisch auch ohne grosse Probleme moeglich sein, elektronische Zaehlmaschinen zu konstruieren die gleichzeitig sortieren. Dies wuerde das Handnachzaehlen (wenn gewuenscht) sehr erleichtern.
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Philipp Wälchli
Veröffentlicht am Dienstag, 24. Juli 2007 - 15:38 Uhr:   

Theoretisch ist noch vieles möglich, praktisch ist nicht alles davon umsetzbar. Alan Turing prognostizierte weiland, dass in unseren gegenwärtigen Tagen intelligente Roboter und Computer existierten - das ist allerdings nicht eingetroffen, auch wenn es vielversprechende Ansätze künstlicher Intelligenz gibt, von denen sogar Turing noch nichts wusste. Da sei z. B. an elektronische Buchführungssysteme gedacht, die zugleich Ansätze zu Missbräuchen erkennen können.

Was die Problematik von elektronischem Zählen betrifft, kommen aber zwei Bereiche in den Blick:
1. Die Problematik der eindeutigen Erkennung einer Stimme
2. Das fehlerlose Zählen der erkannten und sortierten Stimmen.
Der 2. Punkt ist an sich unproblematisch: Eine Maschine kann im Grunde zuverlässiger zählen als ein Mensch. Zum Zählen gibt es zudem verschiedene erprobte Mittel. Es sei an zwei erinnert:
Zählmaschinen und Waagen.
Vorosrtierte Bündel gleicher Stimmzettel können einer Zählmaschine anvertraut werden. Deren Technik ist dieselbe wie von Geldschein-Zählautomaten. In der Praxis geht man (jedenfalls bei uns) so vor, dass man ein Bündel Scheine mehrmals, mindestens drei Male, durch die Maschine laufen lässt. Das Ergebnis wird erst anerkannt, wenn es bei allen Durchgängen übereinstimmt, sonst muss von Hand durchgezählt und auf Anomalien wie verknitterte, geknickte, zusammengeklebte Zettel u. dgl. geprüft werden. Nach Ausscheidung der problematischen Zettel wird wiederum mehrfach mit der Maschine durchgezählt.
Auch der Einsatz von Waagen kommt vor: Die Bündel werden auf Präzisionswaagen gewogen. Bei konstantem Papiergewicht sind die Ergebnisse grundsätzlich exakt.
Zudem werden immer auch Stichproben von Hand gezählt: Man zählt also bswp. 100 Zettel ab und vertraut sie der Maschine an, dann vielleicht 500 und 1000 und vergleicht die Ergebnisse. Dies dient der Eichung.
Das reine Zählen von Zetteln kann auch mit diesen sichernden Begleitmassnahmen von Hand sehr schnell und sehr zuverlässig vorgenommen werden. Die Maschinen sind dabei dem Menschen tendentiell überlegen.

Nun kommt aber der 1. Punkt ins Spiel: Wenn ich eine Beige Zettel gezählt und eine exakte Anzahl erhalten habe, ist das ja ganz schön, ich will ja aber gar nicht wissen, wieviele Zettel ich habe, sondern wieviele Stimmen wofür. Mit andern Worten: Das Zählen der Zettel ist erst dann sinnvoll, wenn Gewissheit besteht, dass auf einer Beige nur Zettel liegen, die alle gleich sind.
Das bedeutet, dass ich bei einer Abstimmung, die nur Ja, Nein und ungültig/leer/enthalten als Optionen zulässt, vier Beigen anlegen muss, nämlich:
Zettel mit Ja, Zettel mit Nein, Zettel der Kategorie "nicht berücksichtigt" (also leer, ungültig, enthalten) - und eine Beige Problemfälle (z. B. nicht klar zu lesen, zerknittert, versehentlich nass geworden usw.). Die vierte Beige muss ich eh gesondert behandeln, die andern drei kann ich die Maschine durchzählen lassen.
Wenn ich nun aber nicht nur eine einzelne Abstimmung habe, sondern mehrere Abstimmungsfragen oder eine Auswahl mit mehr als zwei Optionen, also z. B. verschiedene Wahlvorschläge, Erst- und Zweitstimme, dann muss ich entweder eine Vielzahl von Zetteln nehmen oder die Zettel mehrmals umsortieren: 1. Durchgang: Alle Zettel aussortieren und anschliessend zählen, die eine Stimme für A enthalten; 2. Durchgang: Alle Zettel aussortieren und anschliessend zählen, die eine Stimme für B enthalten; usw. Wenn sich z. B. A und C ausschliessen, kann ich unter Umständen auf einige Durchgänge verzichten, aber das Problem bleibt gleich: Beim Umsortieren können immer wieder Fehler auftreten.
Am besten wäre es, dies an eine Maschine zu delegieren, die im Stande ist, mehrere Zähler zugleich zu führen und die Sortierungen (Verteilung auf die verschiedenen Zähler) laufend vorzunehmen.
ABER: Es gibt heute kein zuverlässiges Verfahren der graphischen Erkennung. Bei einem sehr einfachen System, etwa wenn es zwei Reihen markierter Kreise gibt, die entweder nur ausgefüllt oder leer sein können, kann eine optische maschinelle Erkennung sehr zuverlässig sein. Aber was macht die Maschine, wenn jemand z. B. statt eines Kreuzes quer über den Kreis den Kreis mit einem Filzstift ausgefüllt hat? Oder wenn das Kreuz etwas neben den Kreis geraten ist?
Es gibt heute keine Maschine, die im Stande ist, eine dem Menschen äquivalente Erkennungsleistung zu erbringen.
Dabei ist OCR eine alte Wunschvorstellung. Man arbeitet seit Jahrzehnten daran. Moderne Scan-OCR-Software erbringt durchaus ansprechende Leistungen - aber diese sind nicht zuverlässig genug, um bei einer Wahl Verwendung zu finden. Was der Mensch auf einen Blick erkennt, kann die Software heillos überfordern.
Z. B. kann es vorkommen, dass eine Software einen Buchstabenbestand als daruin erkennt. Nun ist daruin kein deutsches Wort, eine Korrekturfunktion innerhalb der Software kann daher das echte Wort darum restituieren. Bei Namen, die aus irgendeiner Sprache stammen, versagt diese Korrekturfunktion. Wenn die Scan-Routine z. B. den Buchstabenbestand Ernuin zu erkennen glaubt, dann kann die Korrekturroutine bspw. daraus schliessen, es sei wohl der Name Erwin gemeint. Auf meinem Original stand aber deutlich sichtbar der Name Emuin. Bei einer Wahl kann man es auf solche Fehler nun aber nicht ankommen lassen.
Es gibt daher nur zwei radikale Lösungen des Problems: Die eine besteht darin, alle maschinellen Hilfsmittel beiseite zu schieben und rein von Hand auszuwerten.
Die andere radikale Lösung besteht darin, die Wahloptionen unmittelbar in die Maschine einzugeben, so wie man dies mit Text am PC über die Tastatur seit jeher tut.
Entscheidet man sich gegen die altertümliche erste Variante, dann hat man sich also im Grunde bereits für die spezielle Wahlmaschine entschieden.
Ein Mittelweg besteht eben nun noch darin, zuverlässige maschinelle Hilfsmittel ergänzend zum traditionellen nicht-maschinellen Auswerten der Stimmen einzusetzen, also etwa zum beschleunigten Zählen, das eigentliche Erkennen der Stimmen und deren Sortierung aber von Hand (bzw. von Auge und Hirn) vorzunehmen.
Quartum non datur.

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